Letzte Tage

Ruhiges Weltreise-Finale
13.06. – 18.06.2018

Die letzten Tage verbringen wir völlig unspektakulär in einem traumhaften AirBnB namens Pukayaku Lodge im selben Ort.

Das Paar, dem die Unterkunft gehört, ist unglaublich sympathisch und wir schließen sie schnell ins Herz. Einziges Manko ist das zweite Paar, das sich bei ihnen eingemietet hat: Ein uns absolut unsympathischer Deutscher mit seiner kolumbianischen „Freundin“, die uns wirklich leid tut.

Aber wir lassen uns die Laune nicht verderben und verlängern bis zum spätest möglichen Datum. Morgens kaufen wir auf dem Markt ein und genießen nochmal all das wundervoll reife Obst, das es hier gibt: Mangos, Feigen, Heidelbeeren, Himbeeren, Ananas, Passionsfrucht, Physalis, Erdbeeren und vieles mehr. Alles in bester Qualität und dem Geschmack vollreifer Früchte.

Belissa, die Hausherrin, kocht für uns, wann immer wir darum bitten. Das Frühstück ist ohnehin inklusive. Es ist eine dieser Unterkünfte, die im Vergleich zunächst etwas teuer erscheinen, bei denen man dann aber feststellt, dass sie eigentlich viel zu billig sind für das, was man bekommt.

Sogar selbstgebrautes Bier bieten sie uns an, und wir prophezeien und wünschen ihnen eine gute Zukunft mit vielen deutschen Gästen! Daher hier auch ein Link, denn wie gesagt können wir dieses AirBnB wirklich nur empfehlen.

Den größten Teil der Tage verbringen wir in der Hängematte auf der Terrasse und genießen einfach das Ambiente und die Ruhe.

Am letzten Morgen verabschieden wir uns herzlich von den beiden und besteigen das Motortaxi, das sie für uns bestellt haben.

Jetzt geht es wieder nach Lima.

 

Lima-Shopping
19.06.2018

Wir dürfen unser Gepäck über den Tag noch in der netten Unterkunft lassen, die wir in Lima gefunden haben. Diese wird vom Gründer einer hiesigen Hilfsorganisation (Voices4Peru) geleitet, was uns sehr entgegen kommt: Wir lassen alles, was wir nicht mehr brauchen, einfach da, – zum Nutzen der Organisation.

Den Tag nutzen wir, um noch günstig den Akku des Handys ersetzen zu lassen und noch ein wenig zu shoppen, denn nachdem wir Zelt, dicke Decke und einiges anderes aussortiert haben, ist nun noch ordentlich Platz in den Rucksäcken für weitere Mitbringsel. 

Am Abend lassen wir uns dann mit Uber zum Flughafen bringen.

 

Heimreise
20.06. – 21.06.2018

Der Heimflug mit langem Zwischenstopp in Toronto verläuft absolut entspannt.

Nur einmal erschrecken wir uns, als wir beim Check des Handgepäcks zum Bildschirm gewinkt werden, weil das Personal herumrätselt, was wir da seltsames mit uns herumschleppen.

Auch wir sind erst etwas irritiert von dem, was zu sehen ist. Überkreuzte Metallstäbe? Schaut fast wie Shurikens (japanische Wurfmesser) aus. Doch schließlich stellt sich heraus, dass die Stäbe in einem Mobilee vom Titicacasee verarbeitet sind. Von dem dachten wir eigentlich, es sei komplett aus Schilf gemacht.

Auch das Flughafenpersonal muss lachen, als es das hübsche und absolut nicht furchteinflößende Mobilee sieht.

Als wir 24 Stunden später in Frankfurt Flughafen landen, kann ich es kaum glauben. Selbst unser Gepäck ist da. Nichts geht schief.

Draußen erwartet uns sogar überraschend mein wunderbarer Cousin. Wir hatten zwar allen großspurig erklärt „Wir sind um die Welt gereist, da werden wir es ja wohl alleine bis nach Hause schaffen“, aber abgeholt zu werden … – das ist eben doch mehr als nur eine Hilfe beim Finden des Weges!

Tja, und hier sind wir nun.

Zurück zuhause.

 

Abenteuerlustige Grüße,

Elisabeth & Dario

Der Santa Cruz Trek

Fahrt zum Santa Cruz Trek
06.06. – 08.06.2018

Einmal mehr verabschieden wir uns von Kettlin und Eduardo.

Dann beginnt eine wahre Odyssee, denn allein die Fahrt nach Lima dauert 21 Stunden.

Und es regnet in der Wüstenregion. Unglaublich.

Mittags erreichen wir Lima, wo wir einen Teil unseres Gepäcks bei unserem ersten AirBnB abholen müssen, da die Dame uns nun doch nicht bei der Abreise beherbergen kann. Diesen Teil des Gepäcks und auch einige andere Dinge bringen wir dann in ein anderes AirBnB, das wir nun für den Abreisetag gebucht haben.

Anschließend essen wir noch zu Abend, dann setzten wir uns für weitere neun Stunden in den Bus nach Huaraz.

Dort kommen wir morgens an. Wir kaufen noch Essen für die Wanderung ein, dann nehmen wir ein Colectivo (oder ist es ein kleiner Bus?) nach Caraz.

Vor Ort suchen wir uns ein Hotel, wo wir nach dem Trek übernachten werden und schon heute einen Teil unseres Gepäcks lassen können.

Anschließend geht es wieder per Colectivo einen Ort zurück Richtung Huaraz (Yungay) und von dort zum Startpunkt des Treks. Bei der Abfahrt im Ort wundern wir uns noch, weshalb der Fahrer an einer Autowerkstatt hält, alle Reifen fester zieht und gleich zwei Ersatzreifen aufs Dach lädt.

Doch bald darauf verstehen wir es.

Die Fahrt durch die Berge ist abenteuerlich. Die Straße ähnelt oft einem Flussbett voller Steine, während der Hang an einer Seite steil abfällt. Ängstliche machen hier besser die Augen zu. Wir behalten sie offen, denn wir haben mittlerweile eine wirklich große Gelassenheit gewonnen. Es bringt nichts, sich über Dinge aufzuregen, wenn noch gar nichts passiert ist.

So genießen wir stattdessen die fantastischen Aussichten.

Und müssen lachen, als wir auf dem Dach eines entgegenkommenden Busses einen besonderen Passagier entdecken: eine Ziege!

Kurz vor Vaqueria, dem kleinen Ort am Startpunkt (bzw. für Touren häufig der Endpunkt) des Santa Cruz Trek, liegt eine schöne Unterkunft namens Illariy Lodge.

Hier lassen wir uns absetzen. Der Fahrer ist sogar so nett und ruft noch die Besitzerin herbei.

Ein Zimmer zu bekommen ist kein Problem, denn heute sind wir die einzigen Gäste.

Die nette Dame kocht auch für uns, wobei die Preise akzeptabel erscheinen, bis wir das Essen sehen… Sie hatte eigentlich etwas von Reis und Hühnchen gesagt, später noch etwas über Eier und daraus hatte unsere Fantasie ein sehr schmackhaftes Mal kreiert. Leider sieht die Realität anders aus. Es gibt eine Art Spiegelei und total fettige, pampige Pommes. Ich kann sie kaum essen, weil mir schon nach kurzer Zeit schlecht davon wird.

Aber satt werden wir, und das ist ja die Hauptsache.

 

Santa Cruz Trek – Tag 1
09.06.2018

Nach einem frühen Frühstück, das der (miesen) Qualität des Abendessens in nichts nachsteht, unsere Laune aber nicht mal ankratzt, machen wir uns auf den Weg.

Die Landschaft ist wahrhaft traumhaft. Vom ersten Moment an.

In dem kleinen Dorf (Vaqueria), das wir durchqueren müssen, laufen die meisten Tiere frei herum.
Einige Kinder rennen herum, manche haben Rucksäcke dabei und scheinen es eilig zu haben. Hoffentlich sind sie auf dem Weg zu einer Schule. Die erwachsenen Frauen kümmern sich um den Haushalt, wir sehen einige vor einem Haus sitzen und Mais pulen, während die Männer auf den Feldern zugange sind. Auch gebaut wird, mit selbstgemachten Lehmziegeln.

Auf einer für Zusammenkünfte tauglich geformten Wiese haben sich einige Männer versammelt. Sie diskutieren irgendwas. Wir grüßen freundlich und gehen weiter. An einem Esel vorbei, der friedlich grast.

Etwa hundert Meter später fällt uns auf, dass der Esel uns nachläuft.

Wir bleiben stehen und versuchen, ihn zum Umkehren zu bewegen. Mit wenig Erfolg.
Ein Mann bemerkt uns und den Esel, springt auf und läuft in unsre Richtung. Also beschränken wir uns darauf, den Esel nicht vorbeizulassen, bis sein Herr uns einholt.

Dieser bedankt sich sehr. „Der wäre euch jetzt bis auf den Pass gefolgt“, meint er kopfschüttelnd.

Bald darauf stecken wir im Stau.

Eine Schafherde blockiert in aller Gemütsruhe den Weg. Die Hirten sind einige kleine Jungs. Wir passen eine günstige Stelle ab, um uns durchzudrängeln.

Nach einiger Zeit erreichen wir eine Hütte, in der ein Mann sitzt und unsere Tickets für den Nationalpark kontrolliert. Ab dort treffen wir nur noch selten auf andere Menschen.

Der Weg führt uns durch wunderschöne Landschaften, und der Zeltplatz, den wir bereits am frühen Nachmittag erreichen, liegt mit Blick auf einen großen Gletscher.

Obwohl wir theoretisch noch weitergehen könnten, beschließen wir, es uns hier für die Nacht gemütlich zu machen. Wir bauen unser Zelt auf und essen etwas.

Vier andere Backpacker kommen noch vorbei, machen eine kurze Pause und gehen weiter. So haben wir wider allen Erwartungen den Zeltplatz ganz für uns alleine. Perfekt.
Wir sammeln Feuerholz. Kurz vor der Dämmerung spazieren wir noch den benachbarten Hang hinauf, um einen besseren Blick auf den Gletscher zu bekommen.

Als die Dunkelheit hereinbricht, was hier bereits um 18:00 Uhr der Fall ist, entzünden wir ein Feuer und verbringen den restlichen Abend vor den knisternden Flammen.

 

Santa Cruz Trek – Tag 2
10.06.2018

Wir brechen recht früh auf, denn wir haben heute eine lange Strecke vor uns. Allerdings nicht so früh, wie empfohlen. Was soll‘s, wir machen uns keine Gedanken. Denn die höchste Stelle der Wanderung ist der Pass mit 4.750m, und auf der Höhe haben wir während dem Quyllurit’i Festival ja sogar ein Nickerchen gehalten, bei dem wir nur in Decken gewickelt waren. Wir sind also ziemlich optimistisch, dass wir in jedem Fall überleben werden.

Der heute zu bewältigende Aufstieg ist allerdings nicht ohne, und obwohl wir schon so lange in den Bergen unterwegs sind, spüren wir erneut deutlich die Höhe.

Aber die Landschaft ist so wundervoll, dass jede Verschnaufpause doppelter Genuss ist.

Gegen Mittag treffen wir eine Gruppe von Männern mit ihren Maultieren, die wohl für die Versorgung von Touristengruppen zuständig sind. Sie fragen uns, wohin wir heute noch wollen, und lassen uns wissen, dass wir von hier bis zum Pass noch etwa drei Stunden brauchen werden.
Wir bedanken uns und wünschen ihnen einen schönen Tag.

Kurz danach kommen wir an einer schrägen Felsplatte vorbei, über die ein Bach herabfließt. Laut der Karte liegt oberhalb von ihr eine „Laguna“, wie die kleinen Bergseen hier genannt werden.

Wir mögen nicht widerstehen und kraxeln hinauf. Das geht erstaunlich gut.
Die Lagune liegt allerdings noch ein ganzes Stück höher. Dort essen wir zu Mittag.

Statt danach auf den Weg zurückzukehren, folgen wir den Pfaden der Kühe an zwei weiteren Lagunen entlang. Der Blick auf den Pass und die schneebedeckten Gipfel daneben öffnet sich, und wir sind im Paradies eines jeden Wanderers.

Der Salkantay war ja schon schön, aber ganz allein in einer solchen Traumlandschaft unterwegs zu sein ist doch nochmal eine Steigerung.

Wir sind unglaublich froh, dass wir nicht auf den jungen Deutschen gehört haben, der uns diesen Trek mit einer Tour empfohlen hat. Es ist immer wieder interessant, wie Leute über ihre Entscheidungen reflektieren. Wer mit einer Tour gegangen ist, denkt oft, er hätte sich nicht besser entscheiden können, obwohl er keine Bekanntschaft mit der Alternative gemacht hat. Man neigt wohl dazu, sich selbst gerne rechtzugeben 😉

Auch wir geben uns recht: Besser hätten wir es nicht machen können. Wer braucht schon einen Guide und Packesel? Wir jedenfalls nicht!

Die Ruhe ist unbeschreiblich. Wir genießen sie in vollen Zügen.

Und machen etliche Fotos von einer toten Kuh, deren Verwesungszustand ein geradezu fotogenes Stadium erreicht hat. Sie besteht nur noch aus Knochen und Fell.

Erst kurz vor dem finalen Passaufstieg kehren wir auf den Weg zurück.

Dieser letzte Teil hat es wirklich in sich. Immer wieder bleiben wir stehen und verschnaufen. Es ist ziemlich steil. Doch abgesehen davon: die Aussicht ist absolut erhaben!

So trödeln wir hinauf, zu dieser Wand aus schwarzem Fels, in der nur an einer Stelle eine Lücke klafft: der Pass.

Die letzten Meter zum Pass sind so steil, dass eine Treppe gebaut wurde.

An manchen Stellen ist der Boden vereist.

Wir erreichen den Durchstieg gerade in dem Moment, als die Sonne dahinter verschwinden will.

Auf der anderen Seite erwartet uns eine Überraschung: Der Gletscher reicht fast bis an den Pass heran und endet in einer wunderschönen Lagune.

Während wir noch staunen überholt uns die Gruppe mit den Mauleseln, die uns mittags entgegengekommen ist. Ein junger Mann mit schelmischem Grinsen fragt nach der Uhrzeit. Wir haben über fünf Stunden gebraucht. Für die Strecke, für die sie uns drei Stunden angegeben hatten.

Sie winken uns nochmal zu, dann sind sie auf und davon, springen und rennen gemeinsam mit den Maultieren die Felsen hinab wie Gämse.

In den letzten Sonnenstrahlen steigen wir bis zu einer ebenen Stelle an einem Bach hinab. Dort schlagen wir vollkommen erschöpft unser Lager auf. Der Gletscher wacht über uns.

In der Nacht wache ich mit voller Blase auf, will aber erst gar nicht hinaus in die Kälte. Als ich mich schließlich überwinde, werde ich jedoch belohnt: Der Himmel ist unglaublich klar und die Milchstraße leuchtet direkt über dem schneebedeckten Gipfel. Es ist ein Anblick voller Naturmagie, der ein wohliges Staunen in jedem Teil meines Körpers auslöst. 

Eine Sternschnuppe zieht übers Firmament und die kalte Nachtluft lässt mich erschaudern, als hauche mich der Gletscher persönlich an.

Mit weit aufgerissenen Augen die Realität träumend klettere ich zurück ins kuschlige Zelt.

Dieser Anblick wird uns hoffentlich für immer in Erinnerung bleiben.

 

Santa Cruz Trek – Tag 3
11.06.2018

Bereits um fünf Uhr morgens wachen wir auf. Kein Wunder, da wir bereits gegen 19:00 Uhr gestern geschlafen haben.

Es ist so kalt, dass wir nicht frühstücken, sondern nur schnell alles zusammenpacken und gleich losgehen. Immer wieder drehen wir uns zum Gletscher um, dessen Magie uns nicht loslässt.

Die heutige Strecke ist toll, da es permanent sanft bergab geht.

Weiter unten überholen wir etliche der Leute, die gestern an unserem Campingplatz vorbeimarschiert sind. Heute sind sie noch dabei, zusammenzupacken.

Die Strecke ist abwechslungsreicher als erwartet.

Es geht über grüne Heide, durch lila Blumenpracht, an weiteren schneebedeckten Bergen und einem riesigen Erdrutsch vorbei, dann über eine wüstenartige Ebene, durch die ein Fluss fließt, und an Wasserfällen sowie einer weiteren Lagune entlang.

Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Recht früh erreichen wir den Zeltplatz und beobachten erneut, wie andere Backpacker noch weitergehen. Wir suchen uns eine schöne Stelle und schlagen unser Zelt auf.

Wobei wir kurz darauf nochmal umziehen müssen, da unser Zelt offenbar im „Revier“ zweier Eseldamen liegt, die uns einfach nicht in Ruhe lassen wollen.

So finden wir zum Glück ein noch schöneres Plätzchen. Geschützt, weit genug weg vom lauten Fluss und mit perfektem Blick zurück zum Gletscher.

In einem kleinen Laden können wir zum ersten Mal seit Verlassen des Dorfes am Beginn des Treks einige Kleinigkeiten kaufen. Es gibt Wasser, Klopapier und Snacks.

Wir nehmen ein paar Chips und etwas zu trinken, da wir nicht wissen, ob wir beim morgigen Abstieg nochmal gut auffüllen können. Seit unseren Darmproblemen sind wir übervorsichtig. Selbst das Bergwasser, dass wir die letzten Tage getrunken haben, haben wir mit Micropur Tabletten behandelt und gefiltert.

Wir kuscheln uns ins Zelt.  Mit Pumpernickel, unseren anderen Leckereien, den Chips und einem guten Hörbuch ausgestattet, erfreuen wir uns noch stundenlang an der Aussicht. Selbst als es schon lange dunkel ist und wieder der wundervolle Sternenhimmel seine Arme über uns ausbreitet.

 

Santa Cruz Trek – Tag 4
12.06.2018

Wir wachen mit der Sonne auf und machen uns an den letzten Teil des Weges.

Er führt die meiste Zeit an dem Flüsschen entlang, neben dem wir auch übernachtet haben.

Heute ist der Weg teilweise etwas steiler und wir sind froh, dass wir den Trek in dieser Richtung (von Vaqueria nach Cashapampa) gemacht haben und nicht wie die meisten Touren in entgegengesetzter Richtung. Wir mussten wesentlich weniger Meter bergauf gehen und die Route ist wunderschön.

Immer und immer wieder bewundern wir die Maulesel, Esel und Pferde samt ihren Treibern, die diesen Weg tagtäglich bewältigen und häufig weit größere Strecken zurücklegen als wir Backpacker.

Schließlich ist es so weit: Wir winken dem Gletscher, dessen Anblick uns die letzten Tage begleitet hat ein letztes Mal zu.

Erneut sind wir früh dran, als wir das Ende unserer Wanderung, Cashapampa, erreichen.

Mit einem Colectivo fahren wir dann zurück nach Caraz, weil wir keine Lust haben, auf einen überfüllten Bus zu warten. Nicht die beste Idee, denn wie sich herausstellt ist es bei den hiesigen Colectivos keinesfalls mit voll besetzten Plätzen getan. Und auch nicht, wie bei unserer Erfahrung am Ende des Salkantay, mit vier Personen auf der Rückbank.

Nein, hier müssen zwei Personen auf den Beifahrersitz, mindestens vier oder fünf auf die Rückbank und dann noch so viele in den Kofferraum wie irgend möglich. Unser Fünfsitzer ist am Ende mit zehn Personen vollgestopft. Davon nur zwei Kinder.

Aber wir kommen an, und das ist ja bekanntlich die Hauptsache.

Im Hotel holen wir gleich unsere zurückgelassene Habe ab, beziehen unser Zimmer, duschen warm (himmlisch!) und machen erst mal ein Mittagsschläfchen.

Dann buchen wir unsere Unterkunft für morgen und gehen essen.

Mehr kriegen wir nicht hin, die vier Tage Wandern mit den vorausgegangenen zwei Tagen im Bus hatten es ganz schön in sich. Wir sind völlig kaputt.

Vor allem, weil wir während der beiden Nächte auf um die 4.000m nicht wirklich gut geschlafen haben. Vielleicht war das wirklich die Höhe.

Im Heiligen Tal

Pilzfarm „Kállampas“ im Heiligen Tal
28.05. – 31.05.2018

Heute gehen wir endlich auf die Pilzfarm im Heiligen Tal der Inkas.

Mit einem Colectivo ist die Anreise nach Calca von Cusco aus ein Kinderspiel. Die Farm zu finden stellt sich hingegen als schwierig heraus. Wir hatten eigentlich erwartet, dass jeder im Ort sie kennen würde, doch das ist absolut nicht der Fall.

Also lotsen wir den Motortaxi-Fahrer so gut wir können und lassen uns an der, der Farm am nächsten gelegenen, Kreuzung absetzen. Dann versuchen wir herauszufinden, wo genau dieser Punkt sein soll, der auf der Karte im Internet markiert ist.

Doch erst mit der Hilfe eines alten Herrn aus der Nachbarschaft, gelingt es uns das Tor zu finden. Da steht dann auch groß „Kállampas“. Wir schütteln nur den Kopf. Ein Schild an der Kreuzung hätte echt mehr geholfen als diese riesige Aufschrift am Ziel!

Es dauert eine Weile, bis jemand auf unser Klopfen reagiert. Doch der junge Mann, der dann öffnet, scheint sehr nett zu sein. Die Verständigung ist wie erwartet holprig, denn sein Englisch ist kaum besser als unser Spanisch. Aber wir wollten ja auch sprachlich etwas lernen.

Es stellt sich heraus, dass noch vier andere Backpacker da sind. Sie sitzen gerade im Hof und essen zu Mittag. Ein Pärchen arbeitet schon seit drei Wochen hier, die beiden anderen schon länger als eine Woche. Sie alle wollen jedoch in den nächsten Tagen weiterziehen.

Sie sprechen zwar hauptsächlich Spanisch miteinander, doch alle können Englisch. Das hilft uns einerseits bei der Verständigung, erschwert aber andererseits unser Vorhaben ganz im Spanischen zu bleiben.

Bei der Einführung übersetzt eine von ihnen für uns, was wir nicht verstehen. Wir bekommen einen Überblick über die verschiedenen Pilzsorten: Austernpilze, Shiitake, Rosen-Seitlinge, Kiefernpilze und noch eine Sorte, für die ich keine Übersetzung finden kann.

Der größte Teil der Einführung beschäftigt sich allerdings damit, wie toll das Projekt doch ist. So ökologisch (obwohl noch immer viel Plastik verwendet wird) und so sozial weil sie Dörfern helfen eigene Pilzkulturen zu züchten und damit für Nahrung und Arbeitsplätze sorgen. Und so weiter.

Gezüchtet wird auf einer Mischung aus geschreddertem Stroh und verschiedenen natürlichen Zusätzen. Diese Mischung wird in große Plastiksäcke gefüllt und erhitzt, um alle Bakterien abzutöten. Dann werden die Pilze „geimpft“.

Die Säcke kommen in eine große Halle, wo sie liegen bis der Pilz deutlich sichtbar wird, oder sogar das Plastik durchbricht. In diesem Stadium werden sie in die nächste Halle verlegt, wo dreimal täglich gewässert wird.

Hier wachsen die Pilze zu ihrer vollen Größe heran und werden für den Verkauf geerntet. Jeder Sack bleibt so lange liegen, wie er brauchbare Pilze hervorbringt, dann wandern die Reste auf den Kompost.

Die meisten Pilzsorten liegen in der gleichen Halle, vermutlich wegen Platzmangels. Nur die Shiitake-Pilze haben eigene Räumlichkeiten.

Abgesehen von den Pilzen und den Backpackern, leben auf der Farm noch zwei Hunde und ein Schaf. Einer der Hunde gehört zur Rasse der „peruanischen Nackthunde“ (Spanisch: Perro sin pelo del Perú). Diese Tiere haben eine schwarze, raue Haut, die an einen Elefanten erinnert. Doch auf dem Kopf wächst stets ein kleines Büschel Haare, das uns an einen Punk denken lässt… (rechts im Bild! Nicht der Hund bei Dario)

Wir finden sie furchtbar hässlich, doch zumindest der Charakter der Hündin hier auf der Farm ist ausgesprochen liebenswürdig, was das Aussehen vollkommen wett macht.
Im Ort sehen wir einen besonders witzig aussehenden Hund dieser Rasse. Wobei es sich vermutlich eher um einen Mischling handelt.

Die Leiter der Farm wohnen scheinbar nicht hier. Nur einer von ihnen hat überhaupt ein Zimmer im Farmhaus und auch er ist häufig nicht vor Ort.

Scheinbar läuft die Farm nur dank der Workaway-Leute.

Das entspricht schon mal nicht so ganz unseren Vorstellungen davon, wie man diese Plattform nutzen sollte. Richtig enttäuscht sind wir dann, als wir unser Zimmer sehen. Es ist ein großer Raum im ersten Stock eines heruntergekommenen Hauses weiter hinten auf dem Gelände. Die Treppe sieht aus, als würden wir jedes Mal unser Leben riskieren, wenn wir hinaufsteigen.

Das Zimmer teilen wir mit einer der Backpackerinnen.
Sie hat das einzig ordentliche Bett inne, während für uns nur ein Stapel durchgelegener Matratzen übrig ist, an die jemand das Kopfend-Teil eines Bettes gestellt hat.
Wir nehmen lieber unser Isomatten und Schlafsäcke.

Das Bad ist im Haupthaus und somit gute 150m entfernt. Besonders sauber ist rein gar nichts hier.

In der Nach stellt sich auch noch heraus, dass es bitterkalt wird.
Ein Glück, dass wir die Decke vom Salkantay Trek behalten haben!

Am nächsten Morgen gibt es zum Frühstück Brot in Ei gebadet. Ganz nett, aber viel zu wenig.
Wir erfahren, dass dieser Mangel daran liegt, dass die Backpacker selten genug Geld für das Essen bekommen, wenn sie einkaufen gehen.

Langsam fühlt sich das hier wirklich blöd an.

Keine ordentliche Unterkunft, wenig Essen und dann auch noch ohne Bezahlung arbeiten…

Kein Wunder, dass niemand von den anderen für diesen Ort schwärmt. Das Pärchen ist auch nur noch hier, weil sie einfach kein Geld zum weiterreisen haben. Doch jetzt haben sie sich vorgenommen, einfach von hier aus zum Machu Picchu zu laufen.

Statt Dario eine interessante Aufgabe zu geben, weil er ja zum Lernen hergekommen ist, lassen sie ihn den ganzen Tag Kompost schaufeln. Während ich mit einer anderen Backpackerin die Shiitake-Pilze umsortiere. Sie kommt aus Frankreich und spricht ordentliches Spanisch, aber die Anweisungen sind trotzdem so vage, dass wir beim Umräumen vermutlich mehr Chaos als Ordnung schaffen.

Wir hätten ja nachgefragt, wie es genau gemacht werden soll, aber der Typ ist spurlos verschwunden. Also mache ich mich bald darauf daran, das Mittagessen zu kochen. Es gibt Pfannkuchen, schließlich kann ich nicht viel anderes zubereiten. Na gut, Salat halt noch.

Die Begeisterung ist jedoch groß, denn die anderen haben in letzter Zeit wohl immer nur Brot, Reis und Nudeln zu essen gehabt. Da ist so ein Pfannkuchen dann schon mal eine Abwechslung.

Nachmittags fahren wir nach Pisac, doch die Ruinen zu besuchen lohnt sich so spät am Tag nicht mehr. Also schlendern wir nur über den berühmten Handwerkermarkt und bedauern, dass unsere Rucksäcke schon so schwer sind.

Der nächste Tag wird nicht viel besser als der vorige.

Morgens holen wir Brot in der traditionellen Bäckerei in der Nähe.

Diesmal schreddert Dario Stroh, während ich immerhin beim Ernten und Verpacken helfen darf.
Wieder geht fast der ganze Tag herum, ohne dass er wirklich viel gelernt hätte. Nur dadurch, dass er immer mal wieder herumläuft, allen zuschaut und sich jeden Schritt erklären lässt, bekommt er einen Überblick über den gesamten Prozess. Damit haben die Leiter der Farm aber nicht viel zu tun, sie sind schließlich nicht da.

Als sich uns die Chance bietet, eine frühere Abreise anzukündigen, tun wir es. Ich habe keine Lust länger als nötig hierzubleiben. Drei der anderen gehen heute, die letzte morgen früh. Wir gehen übermorgen.

Ich will hier im Tal noch so viel sehen!

Und eine weitere Wanderung würden wir auch gerne noch machen.

Heute gehen wir wenigstens noch eine kleine Ruine in der Nähe anschauen. Der Spaziergang ist schön und noch beeindruckender als die Ruine finden wir eine große Mauer, die Terrassen für die Landwirtschaft hält. Alles Handarbeit. Die Felder wie auch die Mauer. Einfach irre.

Unser letzter Tag auf der Farm beginnt mit dem Verabschieden der letzten anderen Workaway-Arbeiterin.

Dann verpacken wir drei Kilo Pilze und haben Glück. Heute sollen wir nichts anderes machen, als diese auszuliefern. Und das auch noch in einem Ort, wo wir eh hinwollten.

Begeistert nehmen wir den Colectivo, liefern die Pilze ab und machen uns auf den Weg zu den Salinen (Salinas de Maras). Während wir den steilen Weg hinauf spazieren, diskutieren wir über die Farm. Es ist kein Wunder, dass die Jungs so knausrig sind, denn für die drei Kilo Pilze haben wir 60 Sol bekommen. So viel bezahlen wir normalerweise locker für eine Übernachtung oder ein gemeinsames Essen. Aber das verdienen sie pro Tag. Nicht mehr. Kein Wunder, dass auf der Farm niemand bezahlt werden kann.

Dario regt sich total auf, weil die Farm so viel effizienter betrieben werden könnte. Weniger Leute und besser koordinierte Arbeit. Regale für die Pilzsäcke. Ein besseres Bewässerungssystem. Er findet gar kein Ende.

Doch die Salinen bringen uns auf andere Gedanken. Sie sind wunderschön!

Jedes Becken ist von Hand angelegt und wir beobachten, wie ein Mann eines barfuß feststampft.

Die Ästhetik der Handarbeit, des Unikats, wird bei diesen Becken überdeutlich. Hinzu kommt, dass die Becken sich in ganz unterschiedlichen Stadien befinden. In manchen ist schon fast nur noch Salz, in andere fließt Wasser nach, wieder andere sind gerade leer.

Die Farbtöne variieren von ganz weiß bis zu einem dunklen Braun.

Die Ränder der Becken sind von Salzkristallen bedeckt.

Lange wandern wir zwischen den Becken herum.

Am Abend gießen wir noch die Pilze und gehen Essen. Es gibt ein kleines Lokal im Ort, wo wir schon zuvor zu Abend gegessen haben. 5 Sol (1,30 Euro) für ein Abendmenü, bestehend aus einer Suppe, einem Hauptgang, einem Tee und einer Nachspeise. Die Gerichte sind wohlschmeckend, allerdings kann die Suppe schon mal mit Hühnerfüßen sein.

Fast nebenan gibt es zudem ein nettes Café mit gutem Eis und anderen Leckereien, das von einer netten Frau mittleren Alters geführt wird, die Deutsch spricht. Wie sich herausstellt ist ihre Mutter Deutsche. Sie selbst hat auch einige Zeit in Deutschland verbracht, ihre Heimat ist aber wohl Peru.

Wir verstehen uns prima und ich bekomme meine Sonderwünsche erfüllt. Zum Beispiel Bananenmilch mit Schokoladeneis.

An unserem letzten Morgen sind wir ganz alleine auf der Farm. Wir gießen die Pilze, legen das Geld von der gestrigen Auslieferung auf den Tisch und schreiben gerade einen Zettel, als endlich einer der Leiter auftaucht.

Er will wissen, ob wir die Pilze für die heutige Auslieferung schon geerntet haben. Eine Auslieferung, von der wir noch nichts gehört haben. Absprache wird hier wirklich nicht groß geschrieben.

Wir verneinen, schultern unsere Rucksäcke und verabschieden uns. Dario trägt noch seine Liste mit Verbesserungsvorschlägen vor, dann machen wir uns auf den Weg ins Dorf.

Weil es uns hier gut gefällt, ziehen wir einfach nur um. In ein nettes Backpackers.

Als wir das gemütliche Zimmer betreten, atme ich auf. Schon viel besser.

Am Abend gebe ich noch meine Wanderstiefel beim Schuhmacher ab, denn nun löst sich die Sohle bereits auf drei Ebenen und auch an anderen Stellen lösen sich Elemente. Ein Glück, dass ich die neuen Schuhe in Cusco gekauft habe!

 

Das Heilige Tal der Inka – Ruinenstätten

Pisac
01.06.2018

Endlich besuchen wir die Ruinenstätten von Pisac. Hier heißt es laufen!

Über mehrere Hügel verteilt liegen die historischen Anlagen und wir verbringen den ganzen Tag damit, eine nach der anderen zu besichtigen.

Meine Wanderschuhe hole ich abends ab. Für 10 Sol (2,60 Euro) sind sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder „zusammengeschustert“ worden. Für einen weiteren Trek werden sie jetzt wohl noch halten!

 

Moray
02.06.2018

Unser heutiges Ziel ist nicht ganz so leicht zu erreichen. In Ermangelung besserer Informationen nehmen wir sogar einmal ein Taxi. Doch schließlich erreichen wir sie, die Ruinen von Moray.

Bei ihrem Anblick möchte man nur zu gerne an die Existenz von Ufos glauben.

Wir packen unser Mittagessen aus und machen es uns am Rand einer der Anlagen gemütlich.

Eigentlich schade, dass wir die Salinen schon gesehen haben, sonst könnten wir von hier aus an ihnen vorbei ins Tal wandern. So jedoch nehmen wir uns lieber ein weiteres Ziel vor und besichtigen am Nachmittag noch die Ruinen von Ollantaytambo.

Die Anlage hat eine wirklich schöne Struktur, ist aber etwas überlaufen, weil von diesem Ort aus die Züge nach Aguas Calientes (Machu Picchu) fahren.

Den letzten Tag im Heiligen Tal verbringen wir allen Ernstes im Bett. Es schüttet wie aus Kübeln.

 

Cusco
04.06.2018

Wir machen nochmal Zwischenstopp in Cusco, natürlich wieder bei Kettlin und Eduardo.

Den Tag verbringen wir damit, unsere Liste abzuarbeiten: Ein Besuch auf dem Markt, um uns nochmal mit Muña Tee einzudecken, ein zweites Paar Schuhe für mich bestellen und Abendessen im KusiKuy.

Wir vermuten zuerst, dass der Name von „Cuy“ (Meerschweinchen) kommt, denn das ist es, was wir dort essen werden. Doch im Internet finde ich heraus, dass „Kusikuy“ wohl eigentlich auf Quechua soviel wie „Mach dich selbst glücklich“ heißt.

Wie auch immer, wir wollen jedenfalls das traditionelle Gericht probieren, bevor wir Peru verlassen. Also gibt es heute Cuy.

Allerdings stellt sich heraus, dass das Cuy wohl nie zu unseren Lieblingsgerichten werden wird. Mal ganz abgesehen davon, dass es hier geradezu eine makabre Touristenattraktion zu sein schein. So wird es dekoriert fürs Foto serviert und geht dann zurück in die Küche, um kurz darauf zerlegt zum Verzehr serviert zu werden.
Auch der Pisco Sour, das hiesige Nationalgetränk, spricht uns nicht an. Eigentlich ein Glück, so werden wir in Deutschland sicher nichts vermissen.

Abenteuer Quyllurit’i

Quyllurit’i
26.05. – 27.05.2018

Den Tag verbringen wir entspannt. Abends um zehn verlassen wir mit Kettlin das Haus und nehmen ein Taxi zur Busstation. Dort herrscht schon ordentlich Gedränge und verschiedene Unternehmen konkurrieren um Fahrgäste.

Wir lassen Kettlin einfach entscheiden.
Im Bus wird geschlafen. Gegen ein Uhr nachts erreichen wir unser Ziel.

Einen kleinen Ort in den Bergen. Irgendwo.

Überall an der Straße sind kleine Verkaufsstände, Richtung Berg werden es immer mehr. Ein ganzer Markt, auf dem man alles kaufen kann, was man für das Festival brauchen könnte: Warme Kleidung, Campingequipment, Essen, Glücksbringer.

Kettlin kauft ein Kinderjäckchen für ihren winzigen Hund, weil es so kalt ist. Wir haben unsere warme Decke mitgebracht, aber während dem Laufen kann sie natürlich nur einer gut tragen, daher kaufen wir gleich noch eine weitere.

Dann beginnen wir mit dem Aufstieg.
Das erste kurze Stück ist ziemlich steil und wir merken, dass wir uns bereits jetzt auf gut 4.000 m befinden, als unsere Herzen ordentlich zu pumpen beginnen und wir etwas kurzatmig werden.

Zum Glück wird der Weg schon kurz darauf wesentlich angenehmer und führt sehr schonend bergauf.

Mit Tausenden anderer Menschen wandern wir unter dem Vollmond dahin. Nur wenige Taschenlampen sind in Gebrauch, denn es ist hell genug, um den Weg zu erkennen.
Der Sternenhimmel ist atemberaubend, und immer wieder erklingt Musik von den kostümierten Musikgruppen.

An manchen Stellen stehen Kreuze. Hier werden Kerzen angezündet und kleine Opfergaben dargebracht.  Die Musiker bleiben auf ihrem Weg an jedem dieser Orte stehen und spielen.

Fasziniert beobachten wir das Treiben.

Schon hier, noch auf dem Weg,  wird die Verwobenheit von altem Glauben an die Naturgeister und dem neuen Glauben des Christentums deutlich. „Heilige“ Kreuze und „heidnische“ Rituale.
Kerzen, Opfergaben, Musik und Tänze.

Alle paar Kilometer stehen mehrere Zelte, in denen man warmes Essen und Getränke erstehen kann. Zudem gibt es meist ein Baño (Toilette), das aus einer simplen Holzkonstruktion besteht, die mit Plastikplanen verkleidet ist.

Ab und zu müssen wir für einige Pferde Platz machen. Wer nicht schnell genug aus dem Weg geht, läuft Gefahr, gestoßen zu werden.

Als wir immer höher steigen, sind manche Stellen vereist. Hin und wieder rutscht einer von uns plötzlich aus, doch zum Glück fangen wir uns jedes Mal rechtzeitig und keiner verletzt sich. Mit der Zeit lernen wir, auf das leichte Schimmern auf dem Eis zu achten und auch das Verhalten der Leute vor uns gut zu beobachten, um glatte Stellen rechtzeitig zu erkennen.

Nun macht sich die Höhe immer stärker bemerkbar. In Kombination mit der Müdigkeit würde ich am liebsten alle paar Meter stehenbleiben, um wieder zu Atem zu kommen.

Wir wandern fast die ganze Nacht.

Acht Kilometer sind es bis zum Festival.
Kurz nach fünf Uhr morgens rasten wir in einem Essenszelt. Eine Tasse mit heißer Mais-Suppe wärmt wunderbar, und Dario döst ein, während wir Frauen uns leise unterhalten. Ich frage mich, ob es für Kettlin unangenehm ist mit mir in Englisch reden zu müssen, während so viele andere Leute um uns herum sind. Aber zum Glück scheint sie völlig entspannt.

Trotzdem bemühe ich mich auch immer wieder mal, Spanisch zu sprechen. Gerade mit ihr geht das gut, denn sie kann mir wiederum helfen, wenn ich Schwierigkeiten habe.

Während wir weiter Suppe schlürfen, macht sich Kettlins Hund begeistert über einige Hühnerreste aus der Mülltüte des Kochzeltes her.

Gegen sechs Uhr wecke ich Dario und wir machen uns wieder auf den Weg. Hinter der nächsten großen Wegbiegung erwartet uns das Festival.

Der erste Anblick ist eigentlich wenig beeindruckend. Eine große, ziemlich schäbige Zeltstadt. Hauptsächlich billige Zelte, die gegen Kälte und Feuchtigkeit mit zusätzlichen Planen abgedeckt sind.

Doch wenn man den Blick hebt, die schneebedeckten Gipfel betrachtet und sich klar macht, dass diese Zeltstadt auf 4.700 m steht und kein einziges Fahrzeug für den Antransport benutzt wurde, dann ist das schon beeindruckend. Ebenso beeindruckend ist Kettlins Auskunft, dass dieses Fest seit gut 1.300 Jahren jedes Jahr stattfindet (genaueres habe ich dazu allerdings nicht gefunden).

Wir wandern zu einem kleinen Platz vor einer Kapelle, wo eine kostümierte Gruppe musiziert und tanzt. Von dem kurzen Marsch schon wieder vollkommen fertig, hocken wir uns zwischen die Zuschauer. Die Decken wickeln wir so eng wie möglich um uns. Es ist verdammt kalt!

Als die Gruppe mit ihrer Vorführung fertig ist, betritt sofort die nächste den Platz, und so geht es immer und immer weiter.

Kettlin erklärt uns, dass während des Festivals die ganze Zeit getanzt wird. Tag und Nacht.

Jede Gruppe hat andere Kostüme, auch wenn immer wieder ähnliche Stile zu beobachten sind. Besonders wichtig sind die maskierten Männer in den Fransentrachten. Sie sind die Hüter des Gletschers und steigen auch hoch in diesen hinauf, um ihre Opfergaben zu erbringen. Dabei müssen zwar immer wieder welche von ihnen ihr Leben lassen, doch es gilt als große Ehre, auf dem Gletscher sein Ende zu finden.

So verstehe ich jedenfalls Kettlins Erklärung. Bitte nehmt es mir nicht übel, falls irgendwas mal nicht ganz stimmt. Ich möchte auf die interessanten Details nicht verzichten, nur weil ich mir über deren Richtigkeit nicht hundert prozentig sicher bin…

Auch die Tänze der verschiedenen Gruppen haben untereinander Ähnlichkeiten. Häufig werden Peitschen benutzt. Wir können immer wieder traditionelle Kämpfe zwischen zwei Kontrahenten beobachten. Die Männer wechseln sich mit dem Angriff ab. Mit der Peitsche wird auf die Wade des Gegners gezielt. Ein Schiedsrichter beurteilt die Kämpfenden. Wie gut ist der Umgang mit der Peitsche? Wie werden die Schläge ertragen?

Der Schiedsrichter entscheidet den Kampf.

Diese traditionellen Peitschenkämpfe entsprechen wohl in etwa dem vornehmen Duellieren. Sie werden eingesetzt, um Streitigkeiten zwischen zwei Personen zu lösen.

Ob auch Frauen da mitmachen? Bei den Tänzen tun sie es jedenfalls. Und stecken lachend die Hiebe auf die Waden ein, die sie von ihren Mittänzerinnen erhalten.

Bei anderen Tänzen werden akrobatische Elemente, wie das Errichten eines menschlichen Turms, eingebaut.

Die Kostüme sind prächtig, und viele Hirten schmücken sich mit ausgestopften Jungtieren. Einige tragen sogar Vicuñas. Alpakaähnliche Geschöpfe, deren Fell zu unglaublichen Preisen gehandelt wird.

Einzig die schlechten Lautsprecher stören die Faszination ein wenig. Die Musiker kämen auch gut ohne Verstärker zurecht. Aber Hauptsache modern, oder?

Kettlin lässt uns eine Weile alleine bei den Tänzern zurück, um ihre kleine Opfergabe an den Gletscher zu bringen. Sie ist Archäologin und folgt dem alten Glauben.

Anschließend nimmt sie uns auch mit an den Gletscher.

Für den Aufstieg brauchen wir allerdings ziemlich lange. Zuerst muss ich eine Toilette finden. Dann bewundern wir einen Bereich des Festivalgeländes, wo die Leute aus herumliegenden Steinen Miniaturverionen ihrer Traumhäuser bauen. Natürlich nicht sehr akkurat, aber das spielt beim Träumen und Wünschen keine Rolle.

Wenn das Werk beendet ist, wird auch gerne mal Konfetti drüber gestreut oder ein Böller gezündet. An kleinen Verkaufsständen kann man auch fertige Miniaturhäuser und allerhand Glücksbringer erstehen, wie etwa ein Bündel mit falschen Dollarscheinen – „10.000 Dollar por 1 Sol!“ – oder Spielzeugautos. Letztere kann man dann gleich in die Steingarage stellen … – und hoffen, dass die Wünsche wahr werden.

An einem großen Stein kann zudem gleich geheiratet werden. Nur zum Spaß natürlich. Die Urkunde gilt nicht offiziell.

Wir verzichten dankend, denn wenn wir endlich heiraten, dann schon richtig 😉

Es ist aber ein Freude, den Paaren zuzusehen. Der „Priester“ hat seinen Spaß und weiht seine Opfer immer und immer wieder mit Wasser aus einer Trinkflasche. Aus den Lachern der Menge lässt sich schließen, dass der Text auch nicht gerade dem Standard einer Hochzeit entspricht.
Ab und an geht auch ein Spritzer aus der Flasche ans Publikum. Oder einfach mal über die Schulter des „Priesters“… möge es treffen wenauchimmer!

Ab und zu sehen wir mal andere „Weiße“, doch die können wir an einer Hand abzählen. Zwischen den gut 80.000 einheimischen Festivalteilnehmern fallen sie kaum auf.

Kettlins kleiner Hund erregt jedenfalls mehr Aufmerksamkeit als alle Touristen zusammen. Er wird von allen bewundert und immer wieder quietscht begeistert ein Kind bei seinem Anblick. Hände werden ausgestreckt, und bleibt das kleine Kerlchen einmal stehen, erhält es alsbald eine Streicheleinheit.

Auf der nächsten Hügelkuppe stellen wir fest, dass wir eigentlich mal was zu futtern vertragen könnten.  Und nachdem wir ein wenig gefrühstückt haben, stellen wir fest, dass wir eigentlich total müde sind.

Jetzt, wo es langsam auch warm wird, bietet sich ein Mittagsschläfchen in der Sonne geradezu an.

Viel später setzen wir unseren Weg zum Gletscher fort. Immer wieder müssen wir stehen bleiben, um Atem zu schöpfen. Ich bewundere all die Kinder und älteren Leute, die ebenfalls ihren Weg hinauf über Geröll und große Steinbrocken finden. Oft in viel zu lange getragenen Schuhen, gegen die selbst meine maroden Wanderstiefel noch ganz prima wirken.
Dabei musste ich sie für diese Wanderung schon kleben …

Kettlin und ihr kleiner Hund sind zum Glück geduldig mit uns.
Als wir endlich den Gletscher erreichen, müssen wir feststellen, dass einige der „Hüter“ ihn bewachen und niemanden hinauf lassen.

Eigentlich ganz sinnvoll, denn die Spuren der vielen Menschen, die den Gletscher während des Festes besuchen, zeichnen das Eis nur zu deutlich.

An vielen Stellen sind Namen in die oberen Schichten gezeichnet und ganze Stücke herausgebrochen. Das heilige Eis wird gerne verspeist. Wobei Dario, der sonst durchaus als Schneefresser durchgeht, hier keine Gelüste verspürt – die Stellen am Rand sind alle zu dreckig.

Wer dem Gebot der Hüter trotzt und sich dennoch nahe an den Gletscher heran wagt, wird von ihnen angebrüllt und wenn nötig sogar mit wilden Peitschenhieben verjagt.

Das gefällt vor allem Dario gut, der breit grinsend vor einem von ihnen zu mir flüchtet.

Ohne Bedauern wandern wir ohne eine Gletscherbegehung zurück ins Tal. Dieses Tal auf 4.700 m, das höher liegt als der Pass des Salkantay …. – wie hoch liegt dann wohl der Gletscher?
Sicherlich über 5.000 m.

Ein wenig beobachten wir noch das Treiben, und Kettlin versucht uns zu überreden, noch die Kirche zu besuchen, wo die Tänze am intensivsten sind.
Doch die Schlange ist so lang, dass wir dankend ablehnen. Sie müsste schließlich auf uns warten, weil der Hund gar nicht in die Kirche darf.

Gemächlich machen wir uns an den Abstieg und nehmen diesmal einen weniger begangenen Pfad über Wiesen voller Lamas.

Als wir endlich wieder im Bus sitzen, der zu aller Missfallen teurer ist als auf der Hinfahrt (klar, denn anders kommt man von hier ja nicht weg), schlafen wir sofort ein.

Es dunkelt schon wieder, als wir endlich zuhause ankommen.

Der Machu Picchu

Der Machu Picchu
24.05.2018

Als wir um kurz vor 5:00 Uhr morgens an der Bushaltestelle ankommen, trifft uns schier der Schlag. Die Schlange ist so lang, dass sie sich nach über hundert Meter in der Dunkelheit verliert. Als wir sie entlanglaufen, will sie gar kein Ende nehmen.

Ich stelle mich an und Dario geht in die französische Bäckerei, die wir bereits gestern entdeckt haben und kauft Pain au Chocolat. Als er wiederkommt, sind wir uns einig: Lieber laufen wir den Berg hoch und haben wenigstens eine Chance, früh da zu sein, als ewig hier zu warten!

Also laufen wir los. Es ist 5:10 Uhr und aus den Berichten, die ich gelesen habe weiß ich, dass der Aufstieg meist ca. 1,5 Stunden braucht. In 50 Minuten öffnen die Tore des Machu Picchu.

„Wollen wir rennen?“, fragt Dario mich und ich nicke. Hier auf der Straße, die die ersten 1,5km vom Dorf aus bergab führt, läuft es sich schließlich noch gut. Und es ist schön, nur noch mit Tagestasche unterwegs zu sein statt mit den großen Rucksäcken!

Als wir den unteren Eingang des Machu Picchu erreichen, der sich am Fluss befindet, ist es noch immer dunkel. Von hier aus sind es noch weitere 1,5km, ab jetzt allerdings steil bergauf, denn 450 Höhenmeter müssen bewältigt werden.

Nur mit Handytaschenlampe bewaffnet, denn die Stirnlampen liegen natürlich im Hotel, steigen wir auf den unwegsamen Pfaden empor. Heute sind wir diejenigen, die überholen. Wann immer wir auf eine andere Gruppe treffen, ziehen wir an ihnen vorbei.

Nur drei von den alten Joggern, die wir gestern schon gesehen haben, sind noch schneller als wir.

Im Rausch, dass wir so viel schneller unterwegs sind als die meisten und es vielleicht wirklich noch unter den ersten zum Haupteinlass schaffen, gönnen wir uns keine Pause.

Als wir oben ankommen zeigt die Stoppuhr 59:59, es ist 6:10 Uhr und vor uns sind vielleicht um die 100 Leute. Nicht wenig, aber schon wesentlich besser als noch unten an der Bushaltestelle! Neben und hinter uns kommt es vermutlich auf nochmal so viele und mit jeder Minute werden es mehr.

Bald darauf sind wir drin und können gerade noch Fotos von einer menschenleeren Stadt machen.

Alle, die jetzt schon drin sind, befinden sich noch auf dem ersten Hang und nicht im Zentrum der Anlage. Doch schon wenige Minuten später füllen sich die Wege langsam aber sicher mit Menschen.

Wir schlendern noch etwas herum, dann gehen wir zum Eingang des Montaña Machupicchu, der um 7:00 Uhr aufmachen wird. Kaum zu glauben, dass wir es so pünktlich geschafft haben.

Während wir warten, geht die Sonne hinter den Bergen auf.

Und kaum dass dieses Spektakel vorbei ist, kommen einige Lamas und drängeln sich rücksichtslos durch die Wartenden. Dieser Ort ist wahrlich ein Königreich für ein Lama 😉

Diesmal sind nur etwa 20 Personen vor uns, doch es dauert etwas, bis alle sich in einem großen Buch eingetragen haben.

Obwohl wir natürlich alle Zeit der Welt haben, schlagen wir ein zügiges Tempo an. Bald schon lassen wir wieder die ersten anderen Wanderer hinter uns. Ohne unsere schweren Wanderrucksäcke fühlen wir uns ein wenig, als hätten wir Superkräfte. So leicht steigt es sich empor.

Das heißt aber natürlich nicht, dass die Beine nicht irgendwann anfangen zu kribbeln. Und auch der Atem geht schnell, wir schwitzen wie verrückt. Aber wir haben Freude daran, uns zu beeilen. Vielleicht schaffen wir es als allererste auf den Gipfel?

Ganz schaffen wir es nicht. Als wir oben ankommen, sind bereits ein Italiener und ein anderes deutsches Paar da. Zu unserer großen Befriedigung sind sie aber nicht von Aguas Calientes aus gelaufen, sondern haben den Bus genommen. Wir sind heute also immerhin die ersten, die ganz von Aguas Calientes bis hier auf den Gipfel gestiegen sind!

Das ist natürlich etwas, das ich für vollkommen sinnlosen Ehrgeiz halte, aber es macht Spaß.
Man nutze jede Gelegenheit, um sich gut zu fühlen und da gibt es ja bekanntlich kaum etwas besseres als sich sportlich zu betätigen.

Mit dem anderen Pärchen verstehen wir uns auf Anhieb gut. Wir frühstücken zusammen, während wir einen der besten Ausblicke genießen, die man sich wünschen kann. Und machen natürlich jede Menge Fotos.

Eine ganze Weile haben wir den Gipfel für uns alleine. Unter den ersten nach uns ist ein weiteres sympathisches Paar, dass uns alle überrascht, als er plötzlich vor ihr auf Knie fällt und seinen Hochzeitsantrag vorbringt. Zum Glück ist seine Herzensdame angemessen gerührt und erfreut, wenn auch nicht übermäßig überrascht.

Wir müssen alle lachen, als wir uns vorstellen, wie jemand seine Liebste dazu drängt so schnell wie möglich diesen Berg zu erklimmen, um als erstes oben zu sein und in der perfekten Atmosphäre einen Antrag machen zu können. So steil wie der Berg ist, könnten wir uns gut vorstellen, dass das das Ende einer Beziehung sein könnte.

Wir nehmen uns viel Zeit, bevor wir wieder absteigen. Unterwegs sehen wir immer wieder Leute, die den Aufstieg abbrechen. Es ist wirklich ganz schön steil.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, uns einen schönen Platz mit guter Aussicht nach dem anderen zu suchen, sodass ich die Ruinen aus allen möglichen Perspektiven zeichnen kann.

Es ist unglaublich schön!

Nicht, dass die Gemäuer so unglaublich wären, aber einfach die Lage und Anordnung machen die Anlage zu etwas ganz besonderem. Ich hatte eigentlich erwartet, dass ich enttäuscht sein würde. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich kann mich gar nicht sattsehen.

Besonderen Spaß haben wir auch mit den Lamas und den Reaktionen der Touristen. Manche Menschen sind ziemlich dreist und rücken den geduldigen Tieren so auf die Pelle, dass sie vom Personal zurecht gewiesen werden. Andere erschrecken sich furchtbar, wenn plötzlich ein Lama neben ihnen auftaucht.

Mittags essen wir auf einem kleinen Vorsprung, vermutlich eine ehemals landwirtschaftlich genutzte Terrasse. Neben uns dösen zwei Frauen. Als plötzlich ein Lama von einer leicht nach hinten versetzten Terrasse zu uns herüber springt, erschrecken sich die beiden so, dass sie alles stehen und liegen lassen und kreischend davonrennen. Selbst ein Schuh geht bei der Flucht verloren.

Das alles geht so schnell, dass wir uns – so entspannt wie wir sind – noch kaum bewegt haben. Adrenalin ist schon etwas Erstaunliches… Ich hätte nicht gedacht, dass diese beiden so schnell sein können.

Wir bleiben fast bis zur Schließung in der Anlage, dann nehmen wir den Bus zurück ins Dorf. Wenigstens die eine Fahrt des teuren Tickets erweist sich somit als brauchbar. Und ist nach dem langen Tag sehr angenehm.

 

Rückfahrt nach Cusco
25.05.2018

Wir stehen bei Zeiten auf und laufen an den Schienen entlang zurück.

Dann fahren wir mit Colectivos zurück nach Cusco, wo unsere lieben AirBnB-Gastgeber uns schon wieder erwarten.

Bevor wir zum Salkantay aufgebrochen sind, hatte Kettlin uns von einem Festival erzählt, dass dieser Tage wie jedes Jahr in den Bergen in der Nähe von Cusco stattfindet. Es soll etwas ganz Besonderes sein und sie hatte vorgeschlagen, wir könnten vielleicht gemeinsam hingehen.

Daran erinnern wir sie nun und machen aus, dass wir gleich morgen Abend hingehen.

Zwei Deutschen, die auch gerade hier wohnen, erzählen wir von unserer tollen Zeit auf dem Trek und geben gleich ordentlich Tipps weiter. Die beiden beschließen ihn auch zu machen und wir machen aus, dass sie uns auch ihre Erlebnisse mitteilen werden, damit wir sie in unseren Beitrag zum „Salkantay ohne Guide 2018“ aufnehmen können.

Wir statten der Innenstadt auch noch einen kurzen Besuch ab und ich kaufe mir Schuhe in einem Laden, der mir schon die ganze Zeit ins Auge gestochen ist.

Der Salkantay Trek

Salkantay Tag 0 – von Cusco nach Mollepata
17.05.2018

Einen großen Teil unseres Gepäcks lassen wir bei Kettlin und Eduardo. Wir haben schon ausgemacht, dass sie uns an den Tagen nach dem Trek wieder bei sich aufnehmen.

Dann geht es los.

Da es schon Mittag ist werden wir es heute nur bis zum Dorf Mollepata schaffen, dass den ersten Startpunkt für den Salkantay bildet. Um am selben Tag die Wanderung beginnen zu können, hätten wir laut Kettlin um 3:00 Uhr nachts los gemusst. Und das liegt uns bekanntlich nicht sonderlich.

Eigentlich sollte der Colectivo bis Mollepata fahren, aber als in einem Dorf alle bis auf uns aussteigen, will er wohl lieber umkehren. Wobei wir uns über die genauen Umstände nicht recht klar werden, denn er versucht nicht mal, es uns zu erklären. Stattdessen deutet er nur auf einen Mann und macht uns klar, dass wir mit diesem weiterfahren sollen. Jeder der beiden erhält nun die Hälfte des Gesamtfahrtpreises, für uns macht es preislich also keinen Unterschied.

Unser neuer Fahrer scheint recht nett zu sein und will natürlich wissen, wie unsere Pläne aussehen.
Als wir ihm erzählen, dass wir morgen den Trek beginnen wollen, bietet er uns an, gegen ein Trinkgeld bei ihm zu zelten.

Als wir schließlich im Dorf ankommen, beginnt es schon zu dämmern und wir sind heilfroh, dass wir nicht noch einen Platz zum Zelten suchen müssen.

Plötzlich beginnt unser Fahrer mit einer Hand zu wedeln und will uns irgendetwas verständlich machen. Wir stehen total auf dem Schlauch, denn wir verstehen nur „billete“, also Ticket.
Wir nicken erst mal, denn ja, wir wissen, dass der Eintritt zum Salkantay 10 Soles kostet.

Doch dann kapieren wir, dass wir uns ducken sollen, um dieser Gebühr zu entgehen. Wir sind so erstaunt, dass wir einfach gehorchen. Erst anschließend denken wir, was für ein Quatsch das war. 2,50 Euro zum Erhalt des Nationalparks beizutragen ist schließlich echt keine Katastrophe.

Die Idee hinter dieser Aktion wird uns bald darauf auch klar. Wenn jemand einem 10 Soles pro Person erspart hat, wie viel Trinkgeld gibt man ihm dann wohl fürs Zelten?

 

Salkantay Tag 1 – Mollepata nach Soraypampa
18.05.2018

Gegen 7:00 Uhr fährt unser Gastgeber mit seinem Pick-up nach Soraypampa.
Er hat uns seine großen Waschmaschinen gezeigt und erklärt, dass er für ein Hotel in Soraypampa wäscht. Während er diese ohnehin notwendige Fahrt macht, verdient er dazu, indem er Colectivo spielt.

Wagen und Ladefläche sind schon dicht mit Menschen besetzt, als wir das Haus verlassen, um einzusteigen. Aufsteigen trifft es dann jedoch besser, denn wir können uns nur noch auf die Ladefläche zwängen. Normalerweise lieben wir es, auf Ladeflächen mitzufahren, doch es ist so eng, dass die Fahrt dann wenig vergnüglich ist.

Wir steigen unterwegs an einem der Startpunkte des Salkantay aus. Ganz von Mollepata aus wollten wir nicht laufen, denn wir möchten es heute gemütlich angehen lassen. Lieber wollen wir am Nachmittag noch zu einer Lagune wandern.

Diesmal wird unser netter Gastgeber aber recht dreist und knöpft uns 20 Soles pro Person ab. Ich verfluche mich kurz, weil ich am Vorabend nicht auf eine Antwort bezüglich des Preises gepocht habe. Da schien er meine Frage nicht gehört zu haben, doch nun bin ich mir recht sicher, dass er sie ignoriert hat.

Kurz schimpfen wir dem Wagen hinterher, dann rechnen wir den Verlust aus. Wir haben vermutlich das doppelte vom normalen Preis bezahlt (wie uns später von einer Einheimischen bestätigt wird), also gemeinsam 5 Euro zu viel.

Es lohnt das Aufregen nicht.

Wieder einmal kommen uns die Worte des buddhistischen Mönches in den Kopf, der uns in Thailand in die Meditation eingeführt hat: „Wenn du etwas verlierst, dann verliere nicht auch noch deine Gelassenheit, denn sonst sind es ja bereits zwei Dinge, die dir abhanden gekommen sind.“

Also richten wir unsere Blicke auf die Schönheit der Natur um uns herum und beginnen die Wanderung. In der Ferne locken bereits die weißen Gipfel.

Niemand begegnet uns auf dem Weg nach Soraypampa, wir haben die ganze Pracht für uns alleine.

Der Weg führt die meiste Zeit an einer Wasserrinne entlang und wann immer er abzweigt, balancieren wir einfach weiter auf der Betoneinfassung entlang.

Als wir das Dorf schließlich erreichen, präsentiert es sich als Touristenort. Eine ganze Reihe Busse steht da und auf den Feldern grasen Reitpferde.

Es gibt ein Hotel, ein Hostel, mehrere Unterkünfte mit Schlafkuppeln und mindestens zwei Zeltplätze.

Wir nehmen einfach den ersten und bauen gleich das Zelt auf.

Erst später finden wir den zweiten Zeltplatz mit überdachten Zeltplätzen.

Dann wandern wir zur Lagune, vermeiden dabei jedoch den einfachsten Weg, da dort zu viele Touristen unterwegs sind.

Der Pfad durch die Wiesen stellt sich zudem als ausgesprochen schön heraus.

Die einzigen, die wir unterwegs treffen, sind drei Kanadier, die tatsächlich ihre schweren Rucksäcke dabeihaben. Sie wollen an der Lagune zelten.

Als wir schließlich oben ankommen, scheint gerade Mittagsessensflaute zu sein. Außer uns sind nur fünf andere Menschen da. Und ein Mann, der aufpasst, dass alle Verbote eingehalten werden. Diese sind auf einem großen Schild zu lesen und beinhalten unter anderem: Kein Schwimmen, kein Picknicken und kein Campen.

Die armen Kanadier mit ihrem schweren Gepäck.

Wir beschränken uns also darauf, ein paar Müsliriegel zu knabbern, und reden uns ein, dass wir uns ohne das Badeverbot sicher ins eiskalte Wasser gewagt hätten.

Wir genießen die Stille, die Sonne, das Wasser und den Schnee.

Erst als nach und nach wieder mehr Gruppen auftauchen, machen wir uns an den Abstieg. Wieder auf einem anderen Weg, der sich als noch schöner als der Aufstieg herausstellt.

Als wir am Mittag Wasser vom größten der kleinen Shops im Ort gekauft haben, hat uns die Besitzerin gesagt, dass sie auch kocht. Daher gehen wir zu ihr und fragen, wie es denn nun mit Abendessen aussieht.

Sie bittet uns, in einem überdachten Raum in der Nähe zu warten, wo die Touristengruppen essen. Diese werden jedoch von ihren eigenen Köchen bekocht.

Erst sind wir verwirrt, doch dann holt uns die Frau wieder ab und geleitet uns in ihr kleines Wohnzimmer, in dem es nur einen einzigen Tisch und zwei Stühle gibt. Vermutlich waren bis gerade eben noch andere Gäste da.

Kurz darauf bekommen wir eine wunderbare Suppe und anschließend je einen Teller mit Reis und Hühnchen, der so voll ist, dass wir kaum alles schaffen.

Proppenvoll und zufrieden spazieren wir zurück zum Zelt. Da es nicht stockfinster ist, lassen wir die Stirnlampen aus und erfreuen uns am Sternenhimmel. Irgendwo auf halber Strecke kommt uns dann jedoch etwas komisch vor … – und ich mache meine Lampe an.
Wir sind auf dem steinigen Weg einmal falsch abgebogen, und statt der erwarteten Brücke stehen wir nun knapp vor einem Abhang! Gerade nochmal Glück gehabt!

Die Nacht im Zelt wird kühl, aber nicht kalt. Die zusätzliche Decke hält uns wunderbar warm, und die dicken Jacken tun das Übrige.

 

Salkantay Tag 2 – Soraypampa bis Huairaspampa
19.05.2018

Als wir etwas nach fünf Uhr morgens aufwachen, stehen wir gleich auf und hoffen, noch vor den Touristengruppen loszukommen. Mit klamm werdenden Händen packen wir das Zelt zusammen, von dessen Überzelt wir eine dünnen Eisschicht abschütteln müssen.

Wir befinden uns auf 3.800 Metern Höhe, das Thermometer zeigt -5°C Außentemperatur.

Unser gutes Vorhaben gelingt leider nicht, denn als wir um kurz nach sechs Uhr losmarschieren, sind die Gruppen zum großen Teil auch schon auf den Beinen.

In einem nicht enden wollenden Strom aus Touristen ersteigen wir die erste Anhöhe. Als die Sonne herauskommt, machen wir gleich mal Pause und frühstücken. Sollen die Gruppen doch alle an uns vorbeiziehen …

Doch auch dieser Plan geht nicht auf, denn als wir mit dem Frühstück fertig sind, ist der Strom von Wandergruppen mit leichtem Tagesgepäck noch immer nicht ganz versiegt.

Ab und zu entdecken wir darunter auch Backpacker, aber zwischen all den Touren machen sie sich eher rar.

Wir machen uns wieder auf deie Beine und erklimmen den Berg weiter Richtung Pass. Da wir mittlerweile auf über 4.000 Metern sind, ist das leichter gesagt als getan. Zwar haben wir kein Kopfweh, denn immerhin sind wir schon seit Wochen auf über 2.000 Metern (Arequipa 2.300m, Titicacasee 3.800m, Cusco 3.400m) und damit gut akklimatisiert, aber wir werden schnell kurzatmig und müssen viele Pausen einlegen.

In einer der geführten Gruppen hinter uns klappt eine Frau zusammen. Tja, wenig Gepäck hin oder her, mit der Höhe ist nicht zu spaßen. Aber daher haben die Touren auch meist ein Pferd dabei, auf welches erschöpfte Teilnehmer gesetzt werden können. Entsprechend wird auch mit der Frau verfahren, sobald sie dazu in der Lage ist.

Wir schauen uns an und sind froh, dass es uns trotz unsren Rucksäcken gut geht. So schwer wie bei unserer ersten Tagestour im Colca Canyon sind diese nun auch nicht mehr, denn wir haben aus unserem Fehler gelernt und massiv aussortiert.

Drei andere Backpacker kommen in Sicht, die genauso schnaufen wie wir. Sehr tröstlich. Immer wieder ziehen wir oder sie vorbei, nur um dann wieder bei der nächsten Verschnaufpause erneut überholt zu werden.

Gegen Mittag erreichen wir endlich den Pass auf 4.630 Metern.

Die umliegenden Berge sind in dichten Nebel gehüllt, und als wir uns an den Abstieg machen, beginnt es zu nieseln. Die Regencapes schleppen wir also nicht umsonst mit. Geradezu beruhigend, denn sie sind ziemlich schwer.

Bergab sind wir schneller, aber als wir Huairaspampa erreichen, beschließen wir, zu bleiben.
Insbesondere, weil die Besitzerin des Zeltplatzes uns versichert, dass am Morgen die Sonne scheinen wird.

Wir bauen unser Zelt in einem der großen Zelte auf, in denen tagsüber die Gruppen mit ihren Guides dinieren. Und finden es sehr angenehm, trotz Nieselregen nicht herausfinden zu müssen, wie dicht unser Billigzeltlein ist…

Kurz nach uns treffen zwei von den Kanadiern ein, die wir am Vortag an der Lagune getroffen haben, und ein Österreicher. Der dritte Kanadier ist krank geworden. Armer Kerl. Aber immerhin konnten die drei tatsächlich die Nacht an der Lagune verbringen. Als der Aufpasser sah, wie schlecht es ihrem Kameraden ging, ließ er sie gewähren.

Allerdings sei es verdammt kalt gewesen, sagen sie.

Wir essen alle gemeinsam zu Abend und tauschen Geschichten aus. Die Kanadier gehören alle zum selben Studiengang. Nach ihrer Ankunft in Peru haben sie zuerst Wasserproben untersucht, und jetzt haben sie etwas Zeit, um zu reisen.

Der Österreicher ist begeisterter Wanderer und Bergsteiger. Er scheint sich mit allem rund ums Thema Bergsteigen auszukennen und hat sogar mal in Erwägung gezogen, den Mount Everest zu besteigen.

Aber der sei mittlerweile auch viel zu touristisch, erklärt er uns. Und 50.000 $ seien es ihm nun wirklich nicht wert, um dann in einer Reihe mit anderen Touristen zu wandern. (50.000 … ! Ich habe nachgeschaut, und es stimmt. Je nach Anspruch zahlt man etwas weniger oder auch einiges mehr).

Es gebe sogar Chinesen, die zwei Guides nehmen: Einer zieht, der andere schiebt. An das Gipfelfoto könnten sich viele der reichen Herren letztendlich und trotz Sauerstoffmaske dann jedoch nicht erinnern …

Zu unserem Glück gibt es neben guten Geschichten auch noch heißen Tee, denn die anderen haben Gaskocher dabei und mehr Gasvorrat als nötig, weshalb sie uns gerne mitversorgen.

 

Salkantay Tag 3 – Huairaspampa bis kurz vor Playa
20.05.2018

Als wir morgens aus dem Zelt treten, erwarten uns strahlender Sonnenschein und der Blick auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel.

Es ist unglaublich schön (kann mir bitte mal jemand ein paar neue Umschreibungen für „schön“, „wundervoll“, „traumhaft“ und „zauberhaft“ zukommen lassen? In den letzten Jahren wiederhole ich mich ständig …).

Als uns der Österreicher zum Frühstück erneut mit heißem Tee versorgt, ist der Morgen perfekt.

Glücklich wandern wir los und hüpfen über leicht vereiste Pfützen. Dario macht sich manchmal nicht die Mühe und stapft einfach hindurch. Seit er neue Wanderschuhe hat, ist das kein Problem mehr. Ich hingegen vermeide tunlichst jeden Kontakt mit Wasser, denn meine Sohle löst sich bereits an zwei Stellen und hält vermutlich nur noch dank meiner UHU-Behandlung.

Besonders an den Stellen, wo kleine Bäche einfach quer über den Weg fließen, muss ich immer wieder akrobatisch über Steine tanzen, um nasse Füße zu vermeiden.

Während wir immer weiter absteigen, verändert sich spürbar das Klima. Es wird wärmer und die Pflanzen sind dichter und grüner.

Da die geführten Gruppen immer in Chaullay oder Collpapampa übernachten, sind sie uns 9km voraus und die, die heute erste in Soraypampa starten, sind natürlich noch weit hinter uns. So sind wir vollkommen alleine unterwegs, was wir immer wieder zu schätzen wissen. Nur ab und zu kommen uns einige Esel entgegen.

Noch vor dem Mittag erreichen wir Chaullay. In einem kleinen Lokal bestellen wir Mittagessen. Es gibt Reis mit Ei.

Besonders gut ist, dass wir unsere Wäsche zum Trocknen aufhängen können. Wir haben die letzten beiden Tage immer gleich abends die Wäsche vom Tag gewaschen, aber bisher ist noch kein einziges Kleidungsstück komplett getrocknet. Jetzt, in der Sonne, haben sie endlich eine Chance.

Als nach gut einer Stunde wenigstens die Unterhosen und ein paar der Socken trocken sind, packen wir wieder zusammen und ziehen weiter.

Hinter dem Dorf sind wir kurz auf einer Straße unterwegs, bis wir eine Stelle erreichen, an der wieder ein Fußweg abgeht. Wie wir dank anderen Bloggern wissen, ist dieser Teil des Weges seit knapp einem Monat wieder begehbar. Zuvor war er seit der Regenzeit wegen Erdrutschen gesperrt.

Hier müssten auch irgendwo die Pools sein, von denen jemand berichtet hat …

Tatsächlich befinden sie sich gleich unten am Fluss, doch auch sie sind in Mitleidenschaft gezogen worden und statt Wasser nur noch mit Erde gefüllt. Schade. Aber da wir ohnehin gerade erst ein Pause geamcht haben und auch keines Bades bedürfen (bisher gab es an jedem Campingplatz eine Dusche!), ist es zumindest für uns jetzt nicht weiter enttäuschend. 

Das heutige Ziel liegt tiefer als unser jetziger Standpunkt, trotzdem müssen wir immer wieder kleine Passagen hochsteigen. Das ist der Preis für den schönen Fußweg; die Straße auf der anderen Seite des Flusses führt die allermeiste Zeit kontinuierlich bergab.

Aber es lohnt sich, denn der Weg geht richtig schön durchs Grüne. Sogar an einem kleinen Wasserfall kommen wir vorbei.

Spannend wird es an den Erdrutschen, wo die neu angelegten Pfade oft kaum mehr als 40cm breit sind. Vor allem, wenn es dann mal kurz richtig steil wird. Bloß nicht abrutschen!

Als wir eine Gruppe überholen, die allesamt nur winzige Tagesrucksäcke dabeihaben, geben wir uns high five.

Ab und an kommen wir an einem Häuschen mit Shop und Garten vorbei, doch niemand ist dort. Vermutlich, weil der Großteil der Touristen zu einer anderen Tageszeit hier unterwegs ist.

Die einzige Anbindung dieser Häuschen an die Straße erfolgt über Seilbahnen, die über den Fluss gespannt sind. Sie bestehen aus einem Stahlseil, an dem eine kleine Platform hängt, und einem Seil, an dem man diese heranziehen und sich dann über den Fluss ziehen kann.

Auf maps.me ist kurz vor Playa eine Unterkunft eingezeichnet. Vielleicht kriegen wir da eine warme Dusche? Doch als wir ankommen, ist alles etwas anders als erwartet. Da ist eine große Mauer, die das „Hostel“ vom Weg abschirmt. Die Mauer ist aber eigentümlich lang, und dahinter verbirgt sich ein großes Gelände mit Gebäuden und zwei Pools. Diese sind zwar gefüllt und wir sehen sogar, dass Pumpen arbeiten, aber der Ort ist vollkommen menschenleer.

Links vom Weg hingegen gibt es einen kleinen Shop und eine überdachte Terrasse auf Stelzen. Vor dem Shop sitzen zwei Frauen und wir fragen, wo wir hier übernachten oder zelten können.

Natürlich können wir bei ihnen zelten. Entweder auf einer kleinen Wiese oder auf der Terrasse. Als Preis nennen sie nur, dass wir etwas im Shop kaufen sollen. Das hätten wir eh gemacht.

Während wir uns auf der Terrasse mit Blick über die Mauer und auf den Fluss niederlassen und das Zelt aufbauen, bringen uns die Frauen sogar einen Tisch und Hocker herauf, sodass wir geradezu stilvoll dinieren können.

Einziges Manko: Es gibt gar keine Dusche, sondern nur einen Brunnen mit eiskaltem Bergwasser. Das kostet ganz schön Überwindung…

Als ich in der Nacht aufs Klo muss, ist es stockfinster und nieselt. Während ich noch zur Stirnlampe greife, mache ich schon den ersten Schritt … – und habe die Lage einer Lücke zwischen den Brettern offensichtlich falsch in Erinnerung. Ehe ich noch recht begreife, wie mir geschieht, liege ich auf dem Boden, das rechte Bein bis zum Knie zwischen zwei Brettern im Boden versunken.

„Autsch“ fluche ich, bin jedoch im selben Moment schon dankbar, dass nichts schlimmeres passiert ist. Mit beiden Händen ziehe ich das Bein wieder heraus und begutachte die oberflächliche Schürfwunde. Zum Glück keine Verletzung am Fuß, dass wäre unangenehm geworden.

Noch immer über meine Unvorsichtigkeit schimpfend, gehe ich hinunter und wasche unterwegs zum Klo am Brunnen die Wunde aus.

Danach räume ich unsere Schuhe und Rucksäcke näher ans Zelt und decke sie mit den Regencapes ab, denn das Dach ist nicht ganz dicht und der Wind weht noch zusätzlich Regen von der Seite herein.

Dann krabble ich endlich wieder ins Zelt und desinfiziere die Wunde noch zusätzlich. Dabei lächle ich über Dario. Er ist nicht mal aufgewacht.

 

Salkantay Tag 4 (Umweg) – von Playa nach Santa Teresa
21.05.2018

Am Morgen ziehen wir nicht gleich los, sondern frühstücken auf der Terrasse, während das Zelt übers Geländer gehängt trocknet.

Heute werden wir vom eigentlichen Salkantay Trek abweichen, denn wir wollen Kettlins Empfehlung folgen und die heißen Quellen in Santa Teresa besuchen.

Hinter Playa wird der Weg breiter und ist sehr bequem zu gehen. Wir sehen viele hübsche Blumen, und wir fangen an, sie zu fotografieren. Unversehens wird das zu unserer heutigen Beschäftigung, denn während wir weiter absteigen verändert sich die Flora beständig, und immer mehr neue Blumenarten tauchen auf …

 

Irgendwann kommen Schmetterlinge hinzu. Am meisten begeistern mich die großen blauen, aber auch die vielen kleineren sind wunderschön. Einfach zauberhaft.

Die Bauern hier leben inmitten von einem Dickicht aus Kaffee, Avocados, Orangen und Bananen. Das nenne ich mal Mischkultur. So dicht wie alles miteinander verwachsen ist, kann hier ausschließlich von Hand geerntet werden. Auch Kakao ist dabei – ein Highlight, denn den haben wir bisher noch nirgends gesehen (außer in Fernsehsendungen natürlich).

In Santa Teresa angekommen, gehen wir erst mal essen. Wir sind die einzigen Gäste in einem Lokal, dass eindeutig für Gruppen angelegt ist und locker 100 Personen fassen kann.

Im Ort kaufen wir Obst und Haferflocken, dann wandern wir weiter zu den heißen Quellen. Theoretisch könnten wir auch ein Motortaxi nehmen, denn die gibt es hier … Aber sind wir nicht auf einer Wanderung?

Als die heißen Quellen in Sicht kommen, fragen wir uns, wann Kettlin wohl das letzte Mal hier war. Sie hatte – unsre Vorlieben richtig einschätzend – gesagt, es sei „nicht touristisch“. Doch bereits der Parkplatz ist voller weißer Vans, und als wir einen Blick in die Anlage werfen, schätzen wir Zahl der Besucher auf über 100.

Da es schon dunkel wird, bauen wir unser Zelt auf und gehen dann trotz der vielen Menschen baden. Die Anlage ist wirklich gelunegn, das lässt sich nicht bestreiten. Alles ist aus Naturstein, und besonders gut gefallen uns die Duschen, die sich aus einem Bach speisen und in einem natürlichen Wasserfall fortsetzen.

 

Salkantay Tag 5 – von Santa Teresa nach Hidroelectrica (bzw. kurz dahinter)
22.05.2018

Wir hatten ursprünglich geplant, einen ganzen Tag an den heißen Quellen zu bleiben, aber dafür ist uns der Ort dann einfach doch zu überlaufen. Jetzt am Morgen ist es natürlich wesentlich leerer, also genießen wir das warme Wasser nochmal ausgiebig, bevor wir weiterziehen.

Da uns maps.me auf der ganzen Strecke bisher gute Dienste geleistet hat, folgen wir einem verzeichneten Fußpfad ins Flusstal. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass es die Brücke nicht mehr gibt. Egal. Wir laufen einfach mal am Fluss entlang, optimistisch, dass es irgendwo schon eine Überquerungsmöglichkeit geben wird. Auf der anderen Seite sind schließlich Häuser.

Über einen Seitenarm des Flusses führt eine Hängebrücke.

Der Weg ist ordentlich angelegt, zwischen den Steinen wachsen hohe Gräser.

Als wir uns langsam zu fragen beginnen, ob wir den Fluss wirklich werden überqueren können, oder ob wir letztendlich oben auf der Straße weiterlaufen müssen, treffen wir auf einen Mann, der Steine schaufelt.

Er grüßt uns strahlend und bedeutet uns auch gleich, dass wir ruhig weitergehen sollen. Mit den Händen macht er eine Bewegung, als würde er sich an einem Seil entlangziehen.
Wir verstehen sofort: Wir werden den Fluss mit einer dieser Seilbahnen überqueren müssen. Perfekt!

Es reizt uns schon die ganze Zeit, so eine zu benutzen.

So viel Spaß hatten wir noch nie bei einer Flussüberquerung!

Als wir an später eine Kreuzung kommen, steht dort das erste Schild, und darauf: Machu Picchu!

Laut Karte müssen wir ab hier ein Stück der Straße folgen, die von Santa Teresa nach Hidroelectrica führt. Doch als wir die Stelle erreichen, wo wieder ein Fußweg abgehen sollte, ist dort nichts. Vielleicht haben wir ihn gerade verpasst? Wir sind kurz zuvor an einem Grundstück mit offener Einfahrt vorbeigekommen. War das der Zugang?

Aber wir haben eigentlich keine Lust, zurück zu gehen. Wenn der Weg so ist wie gestern, wird es bestimmt bald wieder eine Seilbahn geben, die die andere Seite mit der Straße verbindet. Also gehen wir einfach weiter. Doch als endlich eine entsprechende Konstruktion in Sicht kommt, ist sie verfallen und es gibt kein Seil mehr.

Der Weg auf der anderen Seite ist auch kaum zu erkennen. Während wir noch nach einer Stelle suchen, wo wir den Fluss vielleicht einfach auf großen Steinen überqueren können, sehen wir plötzlich den Grund für die Vernachlässigung des Fußweges: Auf der anderen Seite des Flusses, wo sich der Fußweg befinden sollte, ist hier nur ein riesiger Steinrutsch zu sehen. Wir observieren den Abschnitt sehr genau, können jedoch keinen neu angelegten Weg erkennen.

Als wir weitergehen, sehen wir, dass sogar das einzige Haus auf der anderen Seite zum Teil weggerissen wurde. Da drüben ist wohl einfach nichts mehr los. Keine Ahnung, ob der Weg überhaupt noch begehbar ist, und noch unwahrscheinlicher ist, dass man dieses abgerutschte Hangstück sicher überqueren kann.

Wohl oder übel müssen wir auf der Straße bis Hidroelectrica laufen. Was durchaus eine schöne Strecke ist, doch wird man immer wieder von den vorbeirauschenden Touristenbussen eingestaubt.

Da unsere Tickets für den Machu Picchu erst für übermorgen sind, bleiben wir entspannt. Am Nachmittag wandern wir ganz alleine die Gleise entlang. Vermutlich gibt es kein anderes Schild mit der Aufschrift „Zu Ihrer Sicherheit: laufen sie nicht auf den Bahngleisen“ auf dieser Erde, das häufiger ignoriert wird als dieses hier.

Morgen früh werden wir vermutlich ganze Menschenströme auf der Strecke treffen, denn dies ist die einzige Möglichkeit, zum Machu Picchu zu kommen ohne den teuren Zug zu nehmen. 

Bei einer Familie, die ein nettes Lokal an den Gleisen leitet, können wir unser Zelt aufschlagen.

Zu meiner Begeisterung gibt es einen Wurf Welpen. Erst denken wir, es seien fünf, doch dann tauchen immer mehr auf, bis wir schließlich zehn Stück zählen!
Sie sind so goldig und tapsig, dass auch Dario sie sofort ins Herz schließt. Einzig die Hundemama tut uns wirklich leid, denn sie hat dieser Horde von Wildfängen nicht viel entgegenzusetzen. Sie ist vollkommen abgemagert, tut aber trotzdem ihr bestes, um alle zu versorgen. Der Hundepapa übernimmt, wenn sie sich verkriecht.

Als die Welpen schließlich für die Nacht untergebracht werden, kommt ein kleines Katzenbaby aus dem Haus. Es ist ganz alleine und noch winzig. Als wir die liebe Frau des Hauses fragen, wo seine Mama sei, schüttelt sie nur den Kopf.

Aber das kleine Miezchen scheint gut zurecht zu kommen. Neugierig klettert es auf uns herum und lässt alles mit sich machen. Vielleicht hat es ja Glück und kann sich mit den Hunden anfreunden?

Sofort muss ich an einen bestimmten Hund aus unserem Bekanntenkreis denken, der jedes kleine Wesen bemutterte, das es nötig hatte. Seien es kleine Katzen, Hühnchen oder Enten.

 

Salkantay Tag 6 – Hidroelectrica (bzw. kurz dahinter) bis Aguas Calientes
23.05.2018

Als wir erwachen, ist um uns herum schon einiges los. Die Welpen nehmen unsere Sachen auseinander. Zwei zerren an einer Tasche für die Isomatten, andere an einem Socken, der eigentlich trocknen sollte.

Wann immer möglich lassen wir unser Gepäck nämlich außerhalb des Zeltes liegen, da wir sonst drinnen kaum Platz haben.

Als die Kleinen mitbekommen, dass wir wach sind, drängen sie sich alle am Zelteingang und stapeln sich regelrecht übereinander, bis wir kaum noch rauskommen. Entsprechend lustig wird auch das Zusammenpacken, denn was immer wir kurz lose liegen lassen, wird sofort zum Spielzeug erklärt.

Beinahe zwei Stunden brauchen wir, bis wir gepackt, gefrühstückt und alle Welpen nochmal ordentlich geknuddelt haben.

Währenddessen können wir schon beobachten, wie die ersten anderen Touristen die Gleise entlangkommen. Heute wird es zeitweise ganz schön voll auf ihnen werden.

Immer wieder rennen sogar Jogger an uns vorbei, meist ältere, die anscheinend eine eigene Gruppe bilden.

Das tut der Strecke jedoch keinen Abbruch. Sie ist sehr idyllisch und nur ein oder zweimal müssen wir Zügen Platz machen.

Mittags mieten wir uns in Aguas Calientes ein, können warm duschen und genießen den Luxus eines Restaurants. Die Menschenmassen im Ort sind allerdings schon erschreckend.

Für den nächsten Morgen kaufen wir Bustickets zu unverschämten Preisen.
Alle Fahrzeuge, die in Aguas Calientes die Straßen befahren, sind mit dem Zug hergebracht worden. Und dieses Monopol lassen sich die Gesellschaften gut bezahlen.

Aber da wir ja auch noch den Montaña Machupicchu besteigen wollen, möchten wir es morgen langsam angehen. Auf meine Frage, wann man denn an der Bushaltestelle sein müsse, um unter den ersten oben zu sein, nennt mir die Frau am Schalter nur immer wieder die Abfahrtszeit des ersten Busses. Also 5:30 Uhr morgens.

Ich frage mich, ob sie meine eigentliche Frage nicht verstanden hat oder nicht verstehen will…

 

Cusco

Cusco
14.05. – 16.05.2018

Wieder geht es im Bus weiter. Diesmal nach Cusco.

Die Fahrt durch die Berge ist schön und wir kommen entspannt in Cusco an.

Mit einem Taxi fahren wir zu unserem AirBnB und treffen gleichzeitig mit zwei anderen Gästen ein. Das kanadische Paar war mit uns im Bus.

Sowohl sie als auch unsere Gastgeber sind uns auf Anhieb sympathisch. Letztere heißen Eduardo und Kettlin und ihr AirBnB liegt in einer Wohnung ganz oben im Haus, im sechsten Stock. Die Einrichtung ist so liebevoll und alles so sauber, dass wir uns sofort zuhause fühlen.

Eduardo spricht ausgesprochen gut Englisch und gibt uns eine sehr ausführliche Einführung zu Cusco. Danach haben wir das Gefühl, dass wir nun mehr über das Zurechtkommen in Cusco wissen, als nach drei Wochen über Arequipa.

Eigentlich war geplant, dass wir von hier aus ins Heilige Tal der Inka fahren um dort auf einer Workaway-Pilzfarm zu arbeiten. Das interessiert Dario nämlich.
Doch die Farm hat im Moment keinen Platz frei und so hängen wir kurz in der Luft.

Also gehen wir einfach mal in die Stadt.

In einem kleinen Museum können wir neben einigen der über 3.000 peruanischen Kartoffelsorten auch etliche traditionelle Masken bewundern.

Wofür wohl all die Masken benutzt werden? Sie erinnern uns an den schwäbischen Karneval.

Nachtrag: Erfahrt es in unserem Beitrag zu unserem „Abenteuer Quyllurit’i“!

Ein schönes Restaurant ist auch schnell gefunden.

Da wir am nächsten Tag nicht viel weiser sind als am vorangegangenen, gehen wir einfach mit den beiden Kanadiern zu einer der nahe gelegenen Ruinen. Sacsayhuamán ist eine der wirklich beeindruckende archäologischen Stätten in der Region. Es wird gesagt, dass Cusco, die Stadt der Inka-Herrscher, nach dem Vorbild eines Pumas angelegt worden sei und Sacsayhuamán sei der Kopf.

Wenn man die gigantischen Mauern anblickt, die wie Zähne in einem Maul gezackt sind, leuchtet das sofort ein. Das Maul umschließt eine große Wiese, auf der heute friedlich Lamas grasen und Touristen Selfies schießen.

Wir bleiben etwas länger als die beiden anderen und besichtigen anschließend noch drei weitere Ruinenstätten. Denn sie sind auf dem Ticket ohnehin mit inbegriffen.

Q’enko, die nächste Stätte die wir besuchen, hat eine Höhle mit einer Art Altar auf dem vermutlich früher Tote mumifiziert wurden. Ansonsten ist das auffälligste Merkmal während unseres Besuches der unendlich scheinende Strom an chinesischen Touristen.

Puka Pukara, kann ebenfalls kaum als spektakulär bezeichnet werden. Ein paar Mauern mit Gras sind alles, was noch zu sehen ist.

Tambomachay hingegen gefällt uns gut. Die Anordnung der Mauern und des Brunnens ergeben ein idyllisches, skulpturales Bild das zum Verweilen und Betrachten einlädt.

Zum Glück fahren auf der Strecke ständig Colectivos, sodass wir am Abend schnell in die Stadt zurück kommen.

Wegen der Vorläufigen Absage der Pilzfarm entscheiden wir uns einfach gleich den Salkantay Trek zum Machu Picchu zu wandern. Unser Beschluss wird sogar noch beschleunigt, als wir erfahren, dass Eduardo und Kettlin in zwei Tagen selbst verreisen.

Kettlin ist unglaublich gerne in den Bergen unterwegs und ist den Salkantay schon vier Mal gewandert. Sie setzt sich mit mir zusammen und berät uns zu unserer Ausrüstung.
Das Problem, dass wir nur Sommerschlafsäcke dabei haben wischt sie zur Seite wie eine kleine Mücke: „Ihr kauft einfach noch eine Decke, die ihr im Schlafsack um euch wickelt“.

Auch was man gut als Proviant mitnehmen kann und wo wir die Decke und warme Jacken günstig erstehen können, erklärt sie mir genau.

Einen ganzen Tag verbringen wir damit unsere Besorgungen in der Stadt zu machen. Vor allem die Tickets für den Machu Picchu müssen wir erstehen, denn der ist zu dieser Jahreszeit meist einige Tage im Voraus ausgebucht. Nur 2.500 Besucher pro Tag dürfen die berühmten Ruinen besuchen.

Für die beiden Berge auf dem Gelände gibt es jeweils sogar nur 500 Tickets. Der Huayna Picchu ist bereits ausverkauft. Wir wollen die Anlage aber durchaus von oben sehen, also nehmen wir Tickets für den Montaña Machupicchu.

Während unserer Besorgungen sehen wir auch einiges von der Stadt.

Statt uns einen Gaskocher zu kaufen, beschließen wir auf nahrhaftes Brot zu setzen. Zum Glück ist Cusco so touristisch, dass man in der Nähe des Plaza de Armas sogar Pumpernickel kaufen kann. Es geht doch einfach nichts über deutsches Vollkornbrot…

Wobei wir vermutlich die günstigen Restaurants bei unserer Heimkehr sehr vermissen werden. Für ein nobles Essen zu zweit samt Smoothies werden wir hier selten mehr als 25 Euro los.

Die Betonung liegt dabei auf „nobel“, denn für ein einheimisches Mittagsmenü (Suppe, Hauptgang, Dessert und Getränk) bezahlt man in der Regel gerade mal 5 – 10 Sol pro Person. Das sind 1,30 – 2,60 Euro.
Allerdings kann es sich bei der Suppe schon mal um ein Rezept mit Hühnerfüßen handeln…

Einziger Punkt auf der Tagesordnung, der weder mit Equipment noch Essen zu tun hat, ist das Abschicken von Postkarten. Hier in Cusco wird das glatt zum Erlebnis, denn wo sonst werden die Sendungen von einem Löwen verspeist? 😉

Die letzten Postkarten machen sich auf den Weg nach hause.

Zwischenstopp Arequipa

Arequipa – diesmal nur ein Zwischenstopp
10.05.2018

Wir sind wieder bei unserer peruanischen Familie in unserem Lieblingshostel untergekommen. Auch Isabel, die ältere Dame aus den USA, ist wieder da, obwohl sie eigentlich mittlerweile wo anders sein wollte.

Statt gleich weiterzufahren beschließen wir, noch eine Fahrradtour zu buchen, die uns in den Angeboten des Hostels schon zuvor verlockend erschienen war.

Tatsächlich sind wir die einzigen Touristen, die heute teilnehmen. Mit einem Van werden wir einen der hohen Berge hinaufgefahren, was uns dann also sehr komfortabel eine lange Talfahrt beschert. Unser Guide hat noch einen Bekannten dabei, und so sind wir zu viert plus dem Fahrer des Vans.

In einem kleinen Dorf halten wir an und kommen zufällig gerade pünktlich zu einer kirchlichen Zeremonie, die damit beginnt, dass erst mal auf der Plaza de Armas eine Menge Böller gezündet werden, sodass es ohrenbetäubend kracht und der ganze Platz im Rauch versinkt.

Die anderen kaufen noch ein paar Snacks, dann geht es weiter hinauf.

Kaum, dass Dario sein Rad bestiegen hat um eine Proberunde zu drehen, reißt auch schon die Kette.
Also muss erst mal repariert werden.

Mit dem Resultat, dass nun nicht mehr alle Gänge funktionieren. Der Guide nimmt das beschädigte Rad und Dario bekommt ein anderes.

Zuerst geht es einfach die normale Straße bergab, wobei wir feststellen, dass wir die Kurven mit den dicken Staubschichten nicht so toll finden.

Dann beginnen wir, nette Abkürzungen zu fahren, schließlich ist es eine „Downhill-Tour“.
Mit dem Geholper haben wir wenig Schwierigkeiten, aber sobald Staubschichten hinzu kommen, müssen wir sehr vorsichtig fahren.

Besonders schön finden wir, wenn Lamas oder Alpakas in der Nähe grasen, und auch der Blick auf den großen Vulkan ist beeindruckend.

Als wir am Ende eines Abschnitts ankommen, hat der Freund des Guides einen Platten.

Wieder ist Reparatur angesagt, aber das Loch im Schlauch befindet sich an einer ziemlich ungünstigen  Stelle. Also muss auch dieses Fahrrad aussortiert werden. Da der Van schon in einem Ort weiter unten wartet, entscheidet der Guide, dass er das defekte Rad zu Fuss dorthin bringt. Seinem Bekannten erklärt er unsere Tourenstrecke, und so wir fahren dann also zu dritt weiter.

Dario und ich fragen uns, warum er sich nicht einfach von dem Van abholen lässt …
Aber am Ende liegt die Entscheidung natürlich beim Guide.

Keine fünf Minuten, und geht es wieder bergauf.

Gerade dieser letzte Abschnitt durch die Felder ist zauberhaft.

Als wir bei dem Van ankommen, ist der Guide noch nicht da und ein wundervoller Sonnenuntergang kündigt sich an.

Da wir die ganze Zeit nur bergab geradelt sind und die anspruchsvolleren Strecken recht kurz waren, haben wir das Gefühl, kaum etwas getan zu haben. Also fragen wir den Fahrer, ob wir einfach die Straße Richtung Arequipa weiterfahren können und der Van uns aufsammeln kann, wenn Guide und defektes Rad angekommen sind. Und genauso wird es gemacht.

Der Bekannte des Guides begleitet uns weiterhin, wobei er es zu bereuen scheint, sobald es das erste Mal richtig bergauf geht. Er ist nicht gerade schlank.

Wie vorauszusehen war, ist der Sonnenuntergang berauschend schön.

Wir erfreuen uns an ihm und radeln anschließend noch ein wenig weiter. Als es dämmrig wird und es nur noch bergauf geht, halten wir am Straßenrand an. Gerade noch rechtzeitig für unseren etwas  außer Puste geratenen Begleiter, der die letzten Meter sein Rad schiebt.

Eine gute Viertelstunde später taucht endlich der Van auf.
Die Rückfahrt nach Arequipa stellt sich dann als erstaunlich kurz heraus; den Großteil der Strecke hatten wir also schon per Rad zurückgelegt.

Am nächsten Tag wird sich wieder groß im Hostel verabschiedet, bevor wir den Bus nach Puno nehmen.

Colca Canyon

Endlich wirklich im Colca Canyon
04.05. – 09.05.2018

Natürlich lassen wir uns von dem Busunglück nicht abschrecken und fahren bald darauf selbst wieder in den Canyon. Unfälle können sich schließlich jederzeit und überall ereignen.

Am Morgen unserer Abreise begleitet Silvia uns an die Straße, winkt ein Taxi herbei und verhandelt den Preis. Dann macht sie uns klar, dass wir, sollten wir im Canyon abermals krank werden oder aus sonstigen Gründen Hilfe brauchen, uns gefälligst bei ihr melden sollen.

Viele Umarmungen und Wangenküsschen später sind wir schließlich auf dem Weg zur Busstation.

Der Canyon ist einfach wunderschön und wir sind happy, wieder in der Natur zu sein. Wir übernachten im selben netten Hostel wie schon bei unserer ersten Anreise und starten gleich am nächsten Morgen unsere Wanderung nach Llahuar.

Es geht die meiste Zeit recht steil hinab in den Canyon. Insgesamt eine Strecke von über zehn Kilometern. Das hörte sich für uns bisher nach gar nicht so viel an, aber bald wird uns klar, dass wir zu viel Gewicht in unseren Rucksäcken herumschleppen. Vor allem, weil wir nicht gerade in bester Kondition sind.

Trotzdem ist die Strecke wunderschön.

Als wir endlich die Straße im Tal erreichen, wären wir absolut bereit, ein Taxi zu nehmen … Doch natürlich gibt es hier keines. Also schleppen wir uns auch noch die letzten Kilometer bis zur Lodge.
Wir sind so fertig, dass wir tatsächlich einen Bungalow mieten, statt unser Zelt aufzubauen. Der Preisunterschied ist ohnehin gering.

Wir buchen eine Nacht.

Zur Lodge gehören heiße Quellen. Zwei Betonbecken, die gleich unten am Fluss liegen. Es sitzen bereits recht viele Backpacker darin, doch diesmal stört uns das kaum. Wir sind einfach nur fertig und genießen die wohltuende Wärme und den traumhaften Blick über den Fluss.

Beim Abendessen stellen wir fest, dass viele der Leute total nett sind, und es ergibt sich eine größere Runde, mit der wir Karten spielen.

Wir beschließen, mindestens eine weitere Nacht zu bleiben. Es ist einfach zu schön.

In der Früh stellt sich heraus, dass das eine absolut weise Entscheidung war. Wir haben so schlimmen Muskelkater, dass wir uns kaum bewegen können.

In die heißen Wasserbecken schaffen wir es aber natürlich, und dort bleiben wir dann auch. Stundenlang genießen wir sie vollkommen alleine, die Wanderer kommen alle erst gegen Mittag an.

Es gefällt uns hier so gut, und unser Muskelkater bessert sich so wohltuend, dass wir einfach alle Nächte in Llahuar verbringen. An einem Tag wandern wir, nur mit Wasser und Mittagsessen ausgerüstet, in ein Seitental des Canyons und nehmen genussvoll die Natur in uns auf.

Zu Mittag essen wir am Fluss, dann kehren wir um.

Die Strecke ist wunderschön, der Weg nur ein enger Fußpfad an einem steilen Hang entlang. Einmal kommen uns Esel entgegen und wir erinnern uns an eine Warnung: Wenn Esel im Anmarsch sind, immer an die Hangseite stellen, niemals an die Talseite!

Die gemütlichen und wirklich goldig dreinblickenden Tiere nehmen auf den engen Pfaden wohl nicht allzu viel Rücksicht auf unvorsichtige Touristen. Da landet schon mal einer im Gestrüpp oder kullert den Hang hinab … Das wollen wir nicht zu unseren Abenteuern zählen können.

Den Abend verbringen wir wieder in unseren geliebten heißen Bädern.

Wir entscheiden uns dafür, unser vieles Gepäck nicht wieder nach Cabanaconde hinaufzuschleppen, sondern stattdessen den kleinen Bus zu nehmen, der einmal am Tag hinauffährt.

Mehr als überpünktlich sind wir morgens an der Bushaltestelle, denn wir wissen ja, wie relativ Zeit hier ist. Auch wenn in der Regel eine Verspätung wahrscheinlicher ist, als das Gegenteil. Aber da wir nur eine Chance heute haben, wollen wir sie nicht verpassen.

Bald darauf kommt noch eine Gruppe von vier Touristenmädels von der Lodge angelaufen. Alle mit winzigen Rucksäcken. Dario und ich werfen uns einen Blick zu, der sagt: „Ich wünschte, wir hätten so wenig Gepäck, dann würden wir nämlich weiterwandern“.

Als einziger Einheimischer gesellt sich schließlich noch ein hutzeliger alter Mann mit einem großen Sack voller Grünzeug zu uns.

Doch als der „Bus“, ein weißer Van mit Platz für ca. 12 Personen, schließlich eintrifft, ist er schon rappelvoll mit Einheimischen. Dass der alte Mann noch reinpassen muss, ist für uns klar. Aber dann wären ja wohl eigentlich wir dran, oder? Wir waren schließlich zuerst da und die fettesten Rucksäcke haben wir auch…

Doch da wir uns nicht gleich hineinquetschen – schließlich müssten unsere Rucksäcke auf dem Dach verstaut werden – sind die Mädels  schneller. Sie ignorieren uns einfach.

Als der Van von dannen holpert und außer uns auch noch eine Staubwolke zurücklässt, blicken wir ihm düster nach.

Vollkommen planlos setzen wir uns erst mal wieder auf die Bank der Bushaltestelle.

„Was machen wir denn jetzt?“, frage ich Dario.

„Jedenfalls nicht wieder zurück in die Lodge gehen!“, kommt prompt die Antwort, als wisse er bereits, worauf ich hinaus will. Ich hätte nicht viel gegen eine weitere Nacht an den heißen Quellen einzuwenden. Andererseits hat er recht, dass es uns eigentlich weiter zieht.

„Hoch laufen will ich aber auch nicht“, gebe ich bekannt. Die Rucksäcke sind wirklich furchtbar schwer, unsere Beine schmerzen noch immer leicht und zehn Kilometer steil bergauf sind wirklich heftig. In dem kleinen Guide für die Strecken im Canyon, den wir von unserem Hostel in Colcapampa erhalten haben, wird die Strecke in dieser Richtung nicht mal aufgeführt…

Während wir merken, wie wir etwas gereizt werden, kommt plötzlich ein weißer Pickup-Truck um die Kurve. Ich stehe sofort auf und strecke den Daumen raus.

Der Wagen hält an und die beiden Männer darin wollen wissen, wohin wir denn möchten.

„Colcapampa?“

„Si!“

„No problema.“

Wir steigen ein und fühlen uns sehr vom Glück begünstigt. Unsere Rucksäcke liegen auf der Ladefläche und wir haben jede Menge Platz auf der bequemen Rückbank.

Zudem fühlen wir uns in diesem Wagen wesentlich sicherer als wir es auch nur beim Anblick des total überfüllten, alten Vans getan hatten.

Es dauert zudem gar nicht lange, bis wir den „Bus“ überholen. Und obwohl wir einige Male anhalten, um Fotos zu machen – die beiden scheinen auch Touristen zu sein – kommen wir eine halbe Stunde vor den anderen in Colcapampa an. Deren Eintreffen können wir nämlich bequem beobachten, während wir bereits auf der Terrasse eines Cafés unser Mittagessen einnehmen.

Anschließend spazieren wir in die umliegenden Felder. Es ist traumhaft schön. All die kleinen Terrassen mit Reis und Gemüse. Dazwischen die Kanalsysteme.
 

Dario hilft einer Frau dabei, einen klemmenden Kanal zu öffnen und sie bedankt sich herzlich.

Wir sind jedes mal beeindruckt, wenn eine der Frauen an uns vorbeizieht. Denn trotz ihrer schweren Lasten sind sie stets sehr zügig unterwegs.

Am Abend regnet es und wir nehmen wieder ein Zimmer im Hostel, statt unser Zelt zu testen.

Mit dem ersten Bus um 7:00 Uhr fahren wir für wenige Soles hinauf zum „Cruz del Condor“.
Leider ist der Himmel wolkenverhangen, weshalb es keine Thermik gibt, auf der die großen Vögel sich in die Höhen schwingen könnten. Entsprechend bekommen wir erst mal keine zu sehen.

Doch nach gut einer Stunde bricht die Sonne durch und schon kurz darauf gleiten die ersten Herrscher der Lüfte an uns vorbei. Lange beobachten wir das Spektakel der majestätischen Gleiter mit ihren gut zwei Metern Spannweite (sogar über drei Meter sind möglich), die oft nur wenige Meter über den Köpfen der Hunderte von Beobachtern vorbeirauschen.

Dann fahren wir mit einem weiteren Bus in einen kleinen Ort namens Yanque, der ebenfalls wunderschön in den Feldern gelegen ist. Hier zeichne ich die Dorfkirche. Sie liegt an einer beeindruckenden „Plaza de Armas“, wie sie wohl jeder von den Spaniern angelegte Ort hier hat.
Selbst die ganz kleinen Dörfer verfügen häufig über einen Platz von der Größe eines Fußballfeldes.

Wenigstens dies ist etwas Gutes, das die Spanier hergebracht haben. Denn diese Plätze werden rege genutzt. Sie bilden den perfekten Treffpunkt und genug Platz für alle möglichen Aktivitäten. Für Fußball und dergleichen gilt dies allerdings nicht, denn die Plätze sind in der Regel fast schon kleine Parks mit großen bepflanzten Bereichen, zwischen denen sich Wege und kleinere Plätze ergeben.

Zu Mittag essen wir in einem hübschen Restaurant mit Blick auf die Felder und Hügel. Es gefällt uns so gut, dass wir kurz überlegen, noch zwei Tage hier zu bleiben. Doch es weht ein kalter Wind, und ein Blick auf die Wettervorhersage verheißt regnerische Zeiten.

Also nehmen wir den Nachmittagsbus zurück nach Arequipa.

Zwischenstop Lima

Wieder in Lima
10.04. – 11.04.2018

Diesmal begrenzen wir unseren Aufenthalt in Lima auf einen einzigen Tag.
Nachmittags gehen wir gemütlich essen.

Am Abend besuchen wir den „Magic Water Circuit“. Dabei handelt es sich um einen recht großen Park mit etlichen Wasserinstallationen, die abends zauberhaft beleuchtet werden.
Traumwandlerisch spazieren wir umher und lassen das Plätschern und die Farbspiele auf uns einwirken.

 

Ica

Ica – Voll im Sand
06.04. – 10.04

Unser Hostel liegt wieder etwas außerhalb. Doch angeblich soll man ganz einfach ein Colectivo nehmen können. Also halten wir Ausschau, doch wir entdecken nur Taxis.

Erst nach einer ganzen Weile wird uns klar, dass die Colectivos hier anders als in Mexiko sind. Während es sich dort um Busse handelt, sind die Colectivos hier einfach kleine Taxis mit der Aufschrift eines bestimmten Ortes an der Frontscheibe.

Wir entdecken den richtigen Ortsnamen und quetschen uns samt Rucksäcken in den Wagen – mit all dem Gepäck sollten wir nächstes mal vielleicht doch lieber ein normales Taxi nehmen …

Doch wir kommen problemlos an, und das ist die Hauptsache. Unser Zimmer liegt im obersten Stockwerk und hat einen Blick bis zu den Dünen auf der anderen Seite der Stadt. Es ist riesig und doch behaglich, perfekt!

So können wir gut entspannen. Für den nächsten Tag nehmen wir uns nichts vor, doch für den darauffolgenden buchen wir beim Hostelbesitzer eine Quad-Tour. Die Tour ist einer der Gründe, weshalb wir uns für diese Unterkunft entschieden haben.

Der Sonnenuntergang vom Zimmer aus ist atemberaubend, und wir freuen uns schon darauf, ihn während der Tour dann von den Dünen aus beobachten zu können.

 

Mit dem Quad in den Dünen

Die Quad-Tour beginnt am Nachmittag, unser Guide ist der Bruder des Hostelbesitzers. Startpunkt ist Huacachina, die berühmte Oase, die große Touristenströme anzieht.

Das ist der Grund, weshalb wir hier kein Zimmer gebucht haben. Es ist ein reiner Touri-Ort. Tatsächlich finden wir den ganzen Ort ziemlich hässlich. Ein Hotel neben dem anderen, unzählige Verkäufer und die Oase ist so trüb, dass wir nicht mal in ihre Nähe wollen.

Nur von weitem sieht das Wasser in der Wüste verlockend aus.

Nachtrag: Später treffen wir auf der Reise einige Studenten, die hier in Peru das Wasser untersuchen. Sie erzählen uns unter anderem, dass die Oase von Huacachina schon lange keine natürliche Oase mehr ist. Genau wie in Paracas sinkt der Grundwasserspiegel beständig, sodass bereits seit den 80er Jahren Wasser in die Oase gepumpt werden muss, um sie als Attraktion zu erhalten. Der tatsächliche Grundwasserspiegel liegt heutzutage 20m unter der „Oase“.

Wir sind heute die einzigen, die eine Quad-Tour gebucht haben und damit die einzigen überhaupt, die auf einem Quad unterwegs sind. Allerdings brausen jede Menge große Vehikel durch die Gegend, in denen jeweils gut 10 Touristen sitzen. Diese Dinger können in den Dünen fahren und verwandeln die Wüstenlandschaft um Huacachina in einen Fun-Park.

Zum Glück fahren wir mit dem Quad etwas abseits der normalen Routen. Unser Guide fährt mit einem kleinen Buggy voraus und schert sich nur wenig um uns, sodass wir richtig unseren Spaß haben. Wir testen die Beweglichkeit des Quad und sind absolut fasziniert, wie leicht das Gefährt über den Sand düst.

Ich fahre zuerst, Dario sitzt hinter mir. Eine schöne Art der Fortbewegung. Das Gefühl, wie sich das Quad durch den Sand bewegt, erinnert noch am ehesten an das Snowmobil im Schnee. Wir machen aus, das wir immer wieder wechseln. Abgesehen davon, dass das Fahren großen Spaß macht, ist es auch recht anstrengend für die Arme, sodass ich froh bin, immer mal wieder den Lenker abgeben zu können.

An einer kleineren Düne halten wir oben an und dürfen die Sandboards ausprobieren. Sie sehen ähnlich wie Snowboards aus und entsprechend versucht Dario sogleich, sich seines an die Füße zu schnallen.

Unser Guide lacht jedoch nur und erklärt, dass diese Bretter nicht zum Fahren im Stehen taugen. Sie sind nicht wendig genug. Stattdessen legt man sich mit dem Bauch darauf, stützt sich auf die Ellbogen und ab geht die Post.

Ich verziehe das Gesicht. Ich hasse es, mit dem Kopf voraus Hügel hinabzurasen.

Dario hingegen liebt es. Entsprechend bittet er um etwas Wachs für den Boden des Boards, wirft sich darauf und saust los. Eine Sandwolke staubt hinter ihm auf.

Ich bitte um gaaaaanz wenig Wachs und schiebe mich vorsichtig über den Rand der Düne, die Fußspitzen fest in den Sand gegraben. Doch schnell stellt sich heraus, dass es eine recht langsame Angelegenheit ist. Ich nehme die Füße hoch und entspanne mich. Die Fahrt ist kurz und wenig spektakulär – also muss eine größere Düne her.

Unser Guide fragt, ob wir ab jetzt lieber nur Quad fahren wollen, oder auch nochmal Sandboarden möchten. Wir wollen beides. Ob es dann gleich die größte Düne in der Umgebung sein soll? Ja klar!

Noch eine ganze Weile haben wir Spaß auf dem Quad und danach sogar noch genügend Zeit, kurz die Poi auszupacken.

Dann treffen wir den Hostelbesitzer, der mit zwei Mädels eine Buggy-Tour macht. Im Konvoi machen wir uns auf den Weg zu der ganz großen Düne.

Als wir dort ankommen, beginnt gerade der Sonnenuntergang. Trotzdem gehen wir alle gleich mit den Brettern auf die Dünenspitze, und kurz darauf verschwinden die beiden Mädels auf ihren Brettern über die Kante.

Dario und ich schauen uns an. Von dort unten wird man den Sonnenuntergang nicht sehen können. Also bestehen wir darauf, erst zu Sandboarden, wenn die Sonne hinter den Dünen verschwunden ist. Die beiden Guides nicken und der Hostelbesitzer schickt seinen jüngeren Bruder mit einem der Buggys zu den Mädels hinab, damit die nicht warten müssen.

Wir setzten uns auf den Dünenkamm, schütteln den Kopf über die Guides, die uns doch tatsächlich bei der Sunset-Tour den Sunset hätten verpassen lassen, und genießen.

Anschließend darf einer von uns Sandboarden, der andere muss das Quad die Düne hinabfahren.
Wir spielen Schnick Schnack Schnuck und ich gewinne.

Also darf ich mit dem Sandboard diese riesige Düne hinabrasen. Diesmal wird es recht flott, aber immer noch angenehm. Am Fuß des Hügels haben sich durch den Wind wellenartige Muster im Sand gebildet. Ich halte mich gut fest, denn ich habe zuvor gesehen, wie eines der Mädels hier seitlich vom Board gerutscht und dann durch den Sand gerollt ist. Sah nicht sehr gemütlich aus.

Erfreulich sicher lasse ich das Board gleiten, bis es von alleine anhält.

Dann beobachte ich, wie Dario mit dem Quad die unglaublich steile Düne herabfährt. Das sieht wesentlich gruseliger aus, als mit dem Sandboard zu fahren.

Da es eine ganze Weile dauert, laufe ich ein Stückchen an der nächstgelegenen kleinen Düne hoch, schnalle mir das Board unter die Füße und lasse mich hinabgleiten. Die Düne ist nicht steil genug um richtig Fahrt aufzunehmen, daher muss ich nicht mal lenken.
So vertreibe ich mir die Zeit, bis Dario strahlend mit dem Quad neben mir anhält.

„Das war der Hammer!“, sagt er.

Aber jetzt brauchen wir natürlich noch eine weitere große Düne, damit Dario auch einmal richtig Sandboarden kann und ich das Quad eine Düne hinab manövrieren darf.

Wir bekommen sie.

Während der Weiterfahrt wird uns klar, dass wir Glück gehabt haben, mit dem jüngeren Bruder unterwegs zu sein. Der Hostelbesitzer ist wesentlich vorsichtiger und weist uns immer wieder zurecht. Wir sollen hinter den Buggys herfahren und nicht über kleinere Dünenkämme, denn dahinter könnte es sehr steil sein und so weiter…

Wir nicken einfach, statt ihm zu erklären, dass wir darauf natürlich acht geben und uns daher in den letzten zwei Stunden auch noch nichts passiert ist. Ohnehin müssen wir jetzt anfangen langsamer zu fahren, denn es beginnt zu dämmern.

Es wird schon dunkel, als Dario mit dem Board die letzte große Düne in die Tiefe rauscht.
Ich folge vorsichtig mit dem Quad. Dazu muss man das Fahrzeug ganz gerade ausrichten und den Lenker stur festhalten. Es ist mehr ein Hinabrutschen als ein Fahren.

Wohlbehalten treffen wir uns alle unten wieder und machen uns auf die Rückfahrt zur Oase.

Das hat Spaß gemacht!

Abend in den Dünen

Am Abend bevor wir für eine Nachuntersuchung wieder nach Lima fahren, lassen wir uns von einem Taxi nochmal zur Oase bringen und laufen in die Dünen hinauf. Ein Hund schließt sich uns an und begleitet uns die ganze Zeit.

Oben auf einer schönen Düne angekommen, spielen wir Poi bis zum Sonnenuntergang.

  

Anschließend versuchen wir es mit Feuer, doch es stellt sich heraus, dass das hiesige Lampenöl (das einzige, das wir in ganz Ica auftreiben konnten) eine absolute Katastrophe ist.

Also machen wir uns auf den Rückweg.

Paracas

Paracas
04.04 – 06.04.2018

Wir reisen nach Paracas, einem Küstenort südlich von Lima.
In dem kleinen Backpacker-Hostel außerhalb des Ortes sind wir die einzigen Gäste. Der nette junge Mann, der sich um alles kümmert, ist uns sofort sympathisch.

Mit seinem wenigen Englisch und unserem wenigen Spanisch schaffen wir es mit vereinten Kräften, kleinere Unterhaltungen zu bewältigen. Im Zweifelsfall mit der Unterstützung unseres treuen digitalen Übersetzers.

Er erzählt uns, dass es hier nur ungefähr zweimal im Jahr regnet und auch dann nicht viel. Das Süßwasser für die Sanitäranlagen wird zu bestimmten Uhrzeiten aus dem Boden hochgepumpt und in Tanks gespeichert. Mehr gibt es nicht.

Und aufgrund der großen Farmen, die ebenfalls das Grundwasser nutzen, sinkt der Wasserspiegel rapide in die Tiefe. Etliche Meter in den letzten Jahren. Das Wasser schwindet, der Agrar-Export blüht. Ein für die Zukunft verheerendes Problem, das sich vielerorts beobachten lässt.

Obwohl wir mitten in einer trockenen Ebene sitzen, umgeben von hohen Mauern, die uns vor den Nachbarn abschotten, fühlt es sich für uns wie eine Oase an.
Die Tage in Lima haben ein tiefes Verlangen nach Ruhe und Natur in uns hinterlassen.
So liegen wir einfach in den Hängematten und entspannen.

Für den nächsten Tag buchen wir unseren Ausflug zu den Inseln und in den Nationalpark an der Küste.

 

Islas Ballestas & Nationalpark

Die Bootstour stellt sich als sehr touristisch heraus. Etliche Boote legen in engen Abständen vom kleinen Hafen ab, vollgestopft mit Besuchern.

Vollgas voraus brausen wir auf die offene See hinaus und fangen trotz schönstem Wetter und Sonnenschein bald an zu frieren. Die Meere, über die wir im letzten Jahr gefahren sind, waren alle angenehm warm. Bikinitemperatur. Das Meer hier in Peru ist dank seiner kalten Strömungen vollkommen anders. Und ebenso verhält es sich mit der Luft über dem Wasser. Kalt!

Mein dünner Pulli, den ich glücklicherweise mitgenommen habe, hilft ein wenig. Wir ziehen uns den Schal über den Kopf und kuscheln uns zusammen, bis das Boot wieder langsamer wird.
Vor uns an einem Hügel prangt ein riesiges Zeichen, das an einen dekorativen Kerzenleuchter erinnert. Die Dekorationen erinnern an Kornähren.

Dieses Zeichen gehört zu den sogenannten Nazca-Linien. Das sind große bis gigantische Bilder, die in den Wüstenboden gescharrt sind. Geometrische Formen und Abbildungen von Lebewesen. Die ältesten stammen angeblich aus einer Zeit zwischen 800 bis 200 v. Chr.
Die Bilder sind aus der Ferne gut zu erkennen, da durch das Entfernen der obersten Gesteinsschichten die helleren Sedimente zum Vorschein kommen.

Weiter geht es zu den Inseln, und wir verstecken uns wieder unter dem Schal. Brrrrrr…

Die Inseln stellen sich als durchaus schön heraus, wobei wir ganz froh sind, dass man sie nicht betreten darf. So viel Vogelkacke haben wir noch nie auf einem Haufen gesehen. Es stinkt regelrecht zum Himmel – und natürlich bis hin zu den Booten.

Die Vögel, Seelöwen und selbst die Pinguine scheinen sich nicht an den täglichen Besuchern zu stören und gehen ihren üblichen Aktivitäten nach: Die Vögel jagen Fische und kacken die Touristen voll, die Seelöwen dösen, die Männchen versuchen die Weibchen zu beeindrucken und zwei von ihnen Kämpfen sogar. Selbst das sieht recht gemächlich aus.
Und die Pinguine watscheln unbeirrbar die Felsen empor.

Wieder am Festland angekommen, haben wir Zeit, essen zu gehen. Ich probiere endlich mal Ceviche, ein Fischgericht, das sich auch in Mexiko großer Popularität erfreut.

Anschließend treffen wir unseren netten Gastgeber wieder, der mit uns in den Nationalpark fährt. Schön untouristisch!

Wir besichtigen in aller Ruhe ein kleines Museum, dann die wunderschön roten Felsformationen entlang der Küste. Im Felsboden zeigen sich an vielen Stellen weiße Flächen. Es sind Salze.

Zu guter Letzt begutachten wir noch eine Fläche mit vielen Muschelfossilien, dann geht’s zurück zum Hostel.

 

Zeit der Entspannung

Wir entdecken ein Spiel für uns, das wir zuvor noch nirgends gesehen haben: Man wirft mit schweren Münzen auf ein horizontales Brett, in welchem zwanzig Löcher sind. Auf einem der Löcher sitzt ein Metallfrosch mit geöffnetem Maul, drei andere Löcher sind mit kleinen Rädchen versehen.

Die Löcher haben unterschiedliche Punktezahlen. Die meisten Punkte gibt es, wenn man in das Maul des Frosches trifft. Wir spielen Runde um Runde, es ist ganz schön verflixt! Erst nach über einer Stunde gelingt uns der erste Treffer ins Maul.

Weil es so beschaulich hier ist, bleiben wir noch einen Tag länger und relaxen einfach nur.
Dann nehmen wir den Bus nach Ica, einer Wüstenstadt mitten in den Dünen, nur wenige Stunden entfernt.

Lima

Lima
27.03. – 03.04.2018

Wir kommen in Lima an und zum ersten Mal auf unserer Reise steht schon ein Fahrer für uns bereit. Mit Namensschild. Den hat unsere AirBnB-Gastgeberin für uns organisiert.

In der Unterkunft angekommen, stellt sich heraus, dass sie und ihre Familie sehr nett sind. Und im Gegensatz zum Rest der Wohnung sind unser Zimmer und Bad ausgesprochen sauber. Ein Glück, hier lässt es sich aushalten.

Denn ganz so schnell wie wir gerne würden, werden wir Lima wohl nicht verlassen. Erst mal heißt es herausfinden, warum ich noch immer nicht wieder ganz fit bin. Das Ergebnis des Arztbesuches sind ein Antibiotikum und die Anweisung, mich zu erholen. Das ist keine wirkliche Überraschung.

Wir lassen es also entspannt angehen. Dank Uber gar kein Problem, denn mit dem zuverlässigen Fahrservice kommen wir vollkommen relaxt überall hin. Sei es ins Kino oder ans Meer. Wobei der Ausflug zu letzterem uns eher enttäuscht.

Es ist recht kühl und Limas Strände sind steinig. Zudem liegen sie an einer großen Straße. Die Stadt selbst liegt dreckig und doch erhaben auf der Abbruchkante darüber. Interessant ist zu sehen, wie viele Menschen es in die Gärten oben an der Kante zieht, wo man mit guter Aussicht flanieren kann. Dank den Osterfeiertagen ist es rappelvoll.

Mit interessant ist dann aber auch schon alles gesagt. Denn auch die Osterprozessionen mit ihren Heiligenstatuen sind nicht unser Geschmack und alles in allem wären wir gerade viel lieber in den heimischen Gärten unserer Familien.

Am nächsten Tag besichtigen wir eine historische Stätte mitten in der Innenstadt. Der Tempel Huaca Pucllana birgt Überreste verschiedener Kulturen aus dem ersten Jahrtausend n.Chr. und seine Lehmziegelkonstruktion erinnern an ein vollgestopftes Bücherregal.

In den angrenzenden Gärten können wir landestypische domestizierte Tiere und Pflanzen begutachten.
In Peru gibt es viele Lamas und Alpakas, sowie einige weitere verwandte Arten. Schafe sind auch recht beliebt. In unseren europäischen Augen ist wohl als einziges die Nutzhaltung von Meerschweinchen ungewöhnlich.

„Eine typisch peruanische Delikatesse“, erklärt uns der Guide mit einem Grinsen und vielsagenden Blicken auf die gut zwanzig Meerschweinchen im Gehege.

Wir schauen uns an. Wenn es eine traditionelle Delikatesse ist, müssen wir sie wohl irgendwann mal probieren… Aber das hat ja noch viel Zeit. Eilig haben wir es damit nicht.

Oben vom Hügel lässt sich deutlich erkennen, dass die Architekten des dahinterliegenden Glaskastens ihre Hausaufgaben gemacht haben: Fassade mit Anlehnung an die Struktur der Pyramide.

Zudem befinden sich hier Gräber.

 

An einem anderen Tag besuchen wir das Museo Larco, dessen Sammlung uns durchaus begeistert, obwohl das Museum an sich recht klein ist. Besonders die Keramikschätze faszinieren uns.

Auch das Lager des Museums ist für Besucher geöffnet. Hier stapeln sich eben diese Keramiken, ordentlich nach Motiven sortiert.

Erheiternd ist auch die in gesonderten Räumen stattfindende Ausstellung zum Thema Sex. Hier fühle ich mich in meine Schulzeit zurückversetzt, als das Trierer Museum die Sonderausstellung „100.000 Jahre Sex“ zeigte. Wohl eine der wenigen Ausstellungen die ein breites Publikum an Schülern anlockte. Auch wir Mädchen gingen hin. Giggelnd, uns vielsagend anstupsend und voller Fragen, über die wir dann doch nicht sprachen.

Heute beobachten wir die anderen Gäste der Ausstellung. Die verstohlenen Blicke, die leichte Peinlichkeit, gerötete Wangen oder der Versuch, eine gleichgültige Miene beizubehalten.

Anschließend machen wir es uns im Gartenlokal gemütlich und trinken etwas.
Die Blumen sind wunderschön.

 

So versuchen wir, jeden Tag etwas Schönes in Lima zu finden. Allerdings stellt sich das schon bald als recht schwer heraus. Denn im Vergleich zu anderen Orten können uns die Gebäude und selbst die Kirchen kaum beeindrucken.

Gut gefällt uns hingegen ein romantisches Café im Stadtteil Barranco, das in einem alten Zugwaggon untergebracht ist.

Viel Spaß haben wir zudem mit den zahlreichen Grafitis.

Das war es dann aber auch schon. Lima ist keine Stadt, in der wir auch nur einen Tag länger als notwendig bleiben wollen.
Sobald wie möglich verlassen wir die Stadt, um uns andere Orte anzuschauen.

Riviera Maya

Von Belize zurück nach Mexiko
21.03.2018

Nach diesem Abschied beginnt für uns eine kleine Odyssee. Wir fahren mit dem Boot zum Festland, was dank größerer Wellen die reinste Achterbahngaudi ist. Immer wieder fliegt das Boot regelrecht und wir jauchzen, was das Zeug hält.

Am Festland angekommen müssen wir eine ganze Weile auf den Bus nach Belize City warten.

Dort schließlich angekommen, werden wir gleich gefragt, ob wir an die Grenze zu Mexiko wollen. Wir haben zwei Optionen: Den Bus zu nehmen, der schon neben unserem steht, und an der Grenze umzusteigen, oder bis abends zu warten und den Nachtbus zu nehmen.
Letzteres wollen wir eigentlich nicht, denn wir haben eine nette Unterkunft in Playa del Carmen gebucht.

Also springen wir direkt in den nächsten Bus, obwohl das bedeutet, dass wir nicht mal kurz aufs Klo gehen können.

So können wir es kaum erwarten, die Grenze zu erreichen.

Nachdem wir das Wichtigste – also den Gang zur Toilette – erledigt haben, reisen wir aus und wechseln noch unsere letzten Belize-Dollar in Mexikanische Peso. Dann heißt es: laufen … – denn die Taxis auf dieser Seite der Grenze wollen unglaubliche 60 Belize-Dollar (fast 25 Euro) für den Transport nach Mexiko.

Dabei sind es nur wenige Kilometer bis zur mexikanischen Grenzstation! Außerdem ist es ja mal ganz interessant, durch eine „Zona libre“ zu spazieren.
Wobei die Häuser, an denen wir vorbeikommen, ziemlich heruntergekommen sind.

„Stell dir mal vor“, sage ich zu Dario „wenn jetzt etwas passieren würde weshalb Deutsche nicht mehr nach Belize oder Mexiko einreisen dürften.“
Dabei denke ich an den Film „Terminal“, in dem ein Mann jahrelang an einem Flughafen festsitzt.

Doch wir können problemlos nach Mexiko einreisen.

Während wir im Taxi zur Fernbusstation der nur wenige Kilometer entfernten Stadt Chetumal sitzen, stellen wir fest, dass wir die Zeitzonen diesmal nicht bedacht haben. Plötzlich verlieren wir eine Stunde. Das bedeutet, wir haben den frühen Bus schon verpasst.

An der Busstation angekommen, kriegen wir gerade noch so den nächsten Bus. Kaum sitzen wir, rufe ich unsere Unterkunft an, um mitzuteilen, dass wir nun leider erst gegen Mitternacht ankommen. Doch diesmal haben wir wirklich Pech: Unser Zimmer wurde schon weitervermietet, weil wir auf die Mails des Anbieters nicht reagiert haben.
Wie auch? Wir haben erst gestern Abend gebucht, und das war das letzte Mal, dass wir Internetzugang hatten. Für Belize hatten wir schließlich keine SIM-Karte.

Nun muss ich also mit booking.com telefonieren. Die wollen jedoch nicht einfach die Buchung stornieren, sondern müssen etwas Neues für uns finden. Leichter gesagt als getan, denn die Verbindung bricht immer wieder ab.
Die erste Alternativunterkunft stellt sich als schon ausgebucht heraus. Die zweite ist es auch, und als wir endlich wieder Verbindung haben und insgesamt mehrere Stunden am Telefon verbracht haben, kommen wir schließlich ohne Buchung in Playa del Carmen an.

Schließlich – endlich – kriegen wir dann ein Hotel zugewiesen, das tatsächlich noch Zimmer frei hat und 24 Stunden Rezeption bietet. Zwar ist es eine herbe Enttäuschung im Vergleich zu allen anderen Unterkünften, die uns bisher angeboten wurden, aber besser als nichts. Und die Preisdifferenz wird uns erstattet.

So kriegen wir wenigstens noch etwas Schlaf, bevor wir morgen früh zum Kochkurs gehen.

 

Kochkurs – wir lernen traditionelle mexikanische Küche!
22.03.2018

Wir frühstücken eine Kleinigkeit und werden kurz darauf vom Shuttle Service der Kochschule abgeholt.

Als wir die vierspurige Straße der an der Südostküste Yukatans entlang fahren, sehe ich plötzlich ein großes Straßenschild, auf dem „Cirque du Soleil“ steht.

Ich schaue sofort im Internet nach, was es damit auf sich hat. Und tatsächlich hat der berühmte Cirque du Soleil hier ein festes Aufführungshaus. Zudem kann man ein luxuriöses Drei-Gänge-Menü genießen, wenn man etwas mehr bezahlt.
Das hört sich ganz schön verlockend an …

Allerdings wollen wir ja morgen schon wieder weiter. Playa del Carmen ist nicht so unser Ding. Viel zu touristisch.

Die Kochschule liegt zwischen Playa del Carmen und Cancun. Etwas abseits der großen Straße, schon quasi im Dschungel. Das war einer der Gründe, warum Dario sie ausgesucht hat.

Als wir ankommen, sind noch nicht alle Teilnehmer da und wir nutzen die Zeit, um den Zirkus anzusprechen.
„It‘s absolutely great! And you have to take the dinner! It‘s the best I‘ve had in this area of Mexico.”, lässt sich sofort die Kochlehrerin begeistert darüber aus.
Auch eine der Teilnehmerinnen, die schon dort war, stimmt sofort zu.

Nun ist es für uns klar. Wir müssen da heute Abend hin!

Als alle angekommen sind, sind wir insgesamt sieben Kursteilnehmer.
Die Leiterin der Kochschule gibt den Kurs. Ihr assistieren zwei weitere Köche, zudem gibt es eine Spülkraft und eine Maya-Frau, die speziell für die handgemachten Tortillas zuständig ist.
Das macht fünf Arbeitskräfte für sieben Kursteilnehmer!

Entsprechend reibungslos läuft alles.

Der Kurs beginnt mit einem kleinen, gemeinsamen Frühstück. Hauptsächlich süße Teilchen, weshalb wir froh sind, dass wir schon was im Magen haben.

Zu den Backwaren werden traditionelle Getränke serviert:

Einen Kaffee, der mit Orangenschale, Zimt und Nelken gebraut wurde und natürlich Kakao, das rituelle Getränk der Maya.

Obwohl der Kakao wohl ursprünglich aus Südamerika stammt, waren die Mayas die ersten, die Kakao als Getränk benutzten. Allerdings durften ihn lange Zeit nur Adelige und Priester als zeremonielles Getränk zu sich nehmen.

Wobei ich dazusagen muss, dass dieses bittere, mit Wasser angerührte Zeug nicht wirklich unseren Vorstellungen von heutigem „Kakao“ entsprach. Wir haben den „ursprünglichen“ Kakao in San Christobal probiert und fanden ihn ziemlich ungenießbar…

Zum Glück gibt es heute eine neumodische und wesentlich schmackhaftere Variante. Der Kakao ist mit Zimt, Mandeln, und Zucker gewürzt und wird mit Milch zubereitet. Der, den wir hier trinken, stammt von einem Kooperationsbetrieb der Kochschule, der Kakao biologisch anbaut. Es ist der beste, den wir bisher in Mexiko getrunken haben!

Nach diesem genussvollen Beginn besichtigen wir den Garten.

Wir lernen, dass Vanille ursprünglich aus der Region um Papantla kommt und es nur dort die Insekten gibt, die die Vanille natürlich bestäuben (laut Wikipedia gibt es sie in Mexiko und auch anderen Orten in Mittelamerika). An allen anderen Orten muss von Hand bestäubt werden!
Hier im Garten gibt es eine, doch geblüht hat sie bisher noch nicht.

Die wichtigsten Gewürze der mexikanischen Küche sind natürlich auch vertreten: Epazote (Mexikanische Drüsengänsefuß), Cilantro (Koriander) und Oregano.

Zudem viele andere Pflanzen, von Zucchini, über Papaya und Tomatillos (gehört zur Familie der Physalis, wird für grünes Salsa verwendet) bis hin zu Hibiskus.

Chaya ist für uns eine neue Pflanze, sie ist eine traditionelle Heilpflanze der Mayas und wird mit Eiern oder als Tee serviert. Helfen soll sie unter anderem gegen Nierensteine.

Der Gärtner arbeitet nach traditionellen Verfahren und richtet sich beim Aussähen und Umpflanzen nach dem Mond.

Dieses Vorgehen haben sie auch selbst mit der normalen Vorgehensweise verglichen, und die Ergebnisse des Pflanzens nach Mondzyklus waren wesentlich besser.

Die einzigen hier angebauten Pflanzen, die nicht gegessen werden, sind jene gegen Moskitos und Marigold (Ringelblume).

Marigold ist eine der wichtigsten Pflanzen in Mexiko, denn ihre Blütenblätter geleiten am „Dia de los Muertos“ die Verstorbenen ins Reich der Lebenden. Dort erwartet man sie mit lieben Gaben. Jeder bekommt das, was er zu Lebzeiten mochte. Selbst wenn jemand unter Alkoholeinfluss gestorben ist, bekommt er das geliebte Gesöff am Tag der Toten hingestellt.

Nach dem Gartenspaziergang machen wir uns an die Arbeit.

Während sechs Teilnehmer den Anweisungen der Lehrerin folgen, verbringt Dario die meiste Zeit damit, unsere Arbeitsschritte unauffällig zu überwachen und mit der „Meisterin“ zu diskutieren. Die beiden verstehen sich blendend und verlieren sich irgendwann in Ausschweifungen über Küchenatmosphäre und Messer.

Besonders interessant ist die Vorbereitung der Tamales. Das Wort „Tamales“ leitet sich aus einer der alten Sprachen ab, in welcher es so viel wie ‚Umschlag‘ bedeutet. Sehr passend, denn ein Maisblatt fungiert tatsächlich als Umschlag für das Gericht.

Wir streichen den Teig auf das Maisblatt, geben die Füllung darauf und falten den ‚Umschlag‘ zu. Damit er sich während des Kochens nicht öffnet, verschnüren wir ihn anschließend.

Als Snack zwischendurch gibt es Tortillas mit verschiedenen Saucen, sowie Mango, Sellerie und ein dem Rettich ähnliches Gemüse mit Chilipulver bestreut.

Das Dessert will auch rechtzeitig gemacht werden. Es ist ein simpler Reispudding.

Für die Tortillas wird ein Fleischsalat bereit gemacht, und als soweit alles fertig ist, kommt der besonders traditionelle Teil des Kurses: Die nette Maya-Frau zeigt uns, wie Tortillas von Hand gefertigt werden!

Es sieht so leicht aus, dass ich mich optimistisch sofort melde, um es selbst zu versuchen. Teige liegen mir im Allgemeinen recht gut.
Doch der Versuch einen auch nur annähernd so flachen und vor allem runden Fladen herzustellen, wie die rundliche kleine Dame es vormacht, scheitert kläglich.

Ich schüttle nur den Kopf über mich und vergesse sogleich noch, den Tortilla auf der heißen Platte zu wenden. Aber die Dame vergisst es natürlich nicht und rettet meinen Tortilla, während sie schon Dario unterweist.

Nachdem jeder, der möchte, sich an der traditionellen Herstellung der Tortillas versucht hat, setzen wir uns an den schön gedeckten Tisch.

Jetzt heißt es nur noch: Genießen!

Wir schwelgen in den Leckereien und bekommen gar nicht genug. Vor allem die Tortillas mit Fleischsalat sind eine Wonne. Immer und immer wieder nehmen sich alle nach, bis die Schalen leer und die Bäuche voll sind.

Sehr zufrieden verabschieden wir uns und fahren mit dem von zwei anderen Teilnehmern organisierten Taxi zu einem großen Ressort, das praktischerweise genau gegenüber vom Zirkus liegt.

Der Fahrer lässt uns einfach an der Einfahrt des Zirkus raus.

Da uns in Playa del Carmen nichts lockt, sehen wir keinen Grund, dorthin zurück zu kehren.
Stattdessen machen wir es uns in einem der Lokale gemütlich, die dem Zirkushaus vorgelagert sind.

 

Cirque du Soleil – Show & Dinner

Es ist ein fantasievolles Gebäude, das mich mit seiner „Krone“ ein wenig an das Tempodrom in Berlin erinnert. Zwar wirkt es aus der Ferne nicht ganz so elegant, doch ich finde es wesentlich romantischer. Während das Material des Tempodroms Beton ist, ist dieses träumerische Gebäude mit Palmblättern gedeckt. Die darunterliegende Stahlkonstruktion fällt nur bedingt auf.

Von der Kasse aus, an der wir unsere Tickets abholen, sieht man das Gebäude zwar schon, doch der Weg dorthin führt um eine künstliche Cenote herum, in deren Mitte eine Insel mit einem kleinen Baumhain liegt. Entlang des Stegs gibt es zwei Restaurants und einen Souvenirshop.

Wir machen es uns auf einer der Terrassen gemütlich und warten auf den Abend.

Vor der ersten Vorstellung gesellt sich ein nettes älteres Paar aus England zu uns. Wir unterhalten uns ganz locker mit Ihnen und erfreuen uns wie so oft daran, wie leicht uns das Unterhalten auf Englisch fällt.

Sie erzählen uns, dass sie schon die ganze letzte Woche in die Vorstellung wollten, es aber einfach keine freien Plätze gab. Wir schauen uns an. Da haben wir wohl ganz schön Glück gehabt.

Als ihre Vorstellung beginnt, sind wir froh, dass wir die zweite gebucht haben, denn wir sind immer noch pappsatt. Stattdessen begeben wir uns auf die kleine freie Fläche zwischen den Restaurants und tanzen. Der DJ geht sofort darauf ein und legt passende Musik für unseren Diskofox auf.

Auch die Wartenden freuen sich und schenken uns ihre Anerkennung. Wir sind so schön frei! Es kümmert uns nicht im Geringsten, ob wir alles richtig machen, denn es macht einfach Spaß. Ein- oder zweimal bekommen wir sogar Gesellschaft auf der Tanzfläche.

Als die erste Vorführung zu Ende ist, winkt uns das englische Paar nochmal strahlend zu und bestätigt, was wir ja schon gehört haben: Die Show sei fantastisch.

Knapp eine Stunde später können wir endlich rein. Über den geschwungenen Steg spazieren wir zum Zirkushaus empor. Von der höher gelegenen Terrasse des Eingangsbereichs rauscht ein Wasserfall in die künstliche Cenote.

An der Ticketkontrolle nimmt uns ein Servicemitglied in Empfang und führt uns durch den verglasten Eingangsbereich hinein ins Traumland.
Und das ist es tatsächlich. Das ganze Innere des Gebäudes ist ein einziges, riesiges Bühnenbild. Da hängen grüne Ranken von der Decke und gigantische Bücherregale zieren die Wände. Fantasievolle Kronleuchter, die wie Wesen aus der Tiefsee wirken, ergänzen das mystische Bild.

Ein großer, geschwungener Vorhang verdeckt noch den größten Teil der Bühne.

Der Kellner führt uns die Treppen hinab bis an den Rand der Bühne. Wir haben einen der Tische ganz vorne in der Mitte. Näher geht es nicht.
Wir grinsen uns an und sind richtig aufgeregt

Alsbald wird der erste Gang serviert: Die Menükarte!
Guten Appetit.

Und dann folgt die tatsächliche Vorspeise (ich hoffe, die Übersetzung stimmt ungefähr): Marinierte Wassermelone, Ziegenkäse, geröstete Chiasamen, Iberico-Schinken serviert mit Chaya-Blattsalat, essbaren Blumen und beträufelt mit Vinaigrette. Tatar vom kalt geräucherten Fang des Tages, mit MayaLimettenkugel und Avocado-Püree. Weicher Jicama-Taco (Jicama ist eine Kletterpflanze, deren Knollen man isst) mit Dzik-Krabbensalat und Koriander-Rettich-Salat mit knusprigen blauen Maischips.

In der Mitte des Tellers steht ein Töpfchen mit Rosmarin, in welches der Kellner theatralisch etwas Flüssigstickstoff gießt. Der wabernde weiße Nebel ergießt sich über den Teller.

Es schmeckt fantastisch!

Dazu gibt es vier verschiedene Arten von Brot, von denen zwei baumartige Formen haben, und natürlich den Sekt. Eine ganze Flasche ist im Preis enthalten.

Während wir schmausen, beginnt der große Vorhang sich langsam zu öffnen und offenbart die Bühnenwelt. Solch ein Bühnenbild haben wir wahrhaftig noch nie gesehen! Ein riesiges Portal umgeben von Büchern, Wendeltreppen, die zu kleineren Bühnenbereichen auf drei Ebenen führen, gigantischen Buchrücken, die ebenso hoch wie die Wendeltreppen reichen, und eine Flut von Details wohin das Auge auch blickt.

Während wir noch staunen, kommt ein Amuse-Gueule aus der Küche: Für jeden ein Löffel mit irgendetwas Cremigem, sowie getrockneten Himbeeren und Erdbeeren.
Der Kellner erklärt uns, dies sei der „Drachenatem“ und man solle alles auf einmal essen, um den gewünschten Effekt zu erhalten.

Auf drei schieben wir uns also beide den Löffel in den Mund. Es schmeckt fein, doch was ist nun das Besondere? Als ich jedoch den Mund öffne, um Dario zu fragen, was er davon hält, wallt weißer Nebel heraus! Das ist also der Drachenatem. Wir lachen uns qualmend an.

Dann öffnet sich ein rundes Loch in der Mitte der Bühne und eine munter spielende Band, bestehend aus drei älteren Herren, wird heraufgefahren.

Wir haben je einen der beiden Hauptgänge bestellt.
Darios wird unter einer metallenen Essensglocke serviert, in deren Oberfläche ein Schlüsselloch geschnitten ist, aus welchem es geheimnisvoll rot leuchtet.
Ich hingegen bekomme einfach einen großen Steinbrocken serviert.

Unter Darios Glocke befindet sich geschmorte Querrippe mit geröstetem Knochenmark, ein Joya-Mais-Crisp, frischer Kräutersalat mit lokaler Limette, geräucherter Kürbis, Maya-Asche und Chilisoße.

Mein Fels enthüllt Lachsfilet mit Pomeranzen-Annatto-Samen-Sauce, Koriander-Püree, Ananas-Jicama-Avocado-Salat und zudem Süßkartoffel und Mais.

Zu der Band auf der Bühne gesellen sich abwechselnd verschiedene andere Künstler. Mal ein wilder Geiger, dann wiederum eine Opernsängerin.

Die Nachspeise wird in großen Büchern serviert. Es gibt einen kleinen Schokoladenkuchen, einen tropischen Brotpudding, eine Hibiskusblütenmehl-Crème brûlée und ein yukatanisches Limetten-Crème-Törtchen.

Wir essen so gemütlich, dass wir noch gar nicht fertig sind, als die Band nach gut einer Stunde wieder im Boden verschwindet und die eigentliche Show beginnt.

Doch wir werden nicht gedrängt und schmausen einfach weiter, während das Spektakel beginnt.

Bei der Geschichte sind wir uns nicht ganz einig. Klar ist nur: Ein alter Herr besitzt ein sehr wichtiges Buch, das gestohlen wird. Ein junges Mädchen, vermutlich seine Enkelin, macht sich auf den Weg um es zurück zu holen. Doch soll der alte Mann Gott darstellen und handelt es sich um das Buch der Schöpfung? Oder geht es eigentlich nur um Träume? Darum, wie viel Spannung und Abenteuer ein Kind mit Fantasie in der Bibliothek seines Großvaters finden kann?

Während die Künstler unseren Erwartungen nur gerade so gerecht werden, lässt die Inszenierung nichts zu wünschen übrig. Die ganze Show ist eine fantastische bunte Welt. Jeder Akt ist Teil der Geschichte.

Um nur einige zu nennen: Da sind die Ikarier (ein Artist liegt auf dem Rücken und jongliert den anderen auf seinen Füßen), die als Fallschirmspringer von der Decke herabgelassen werden und sich während ihrer Nummer die ganze Zeit um das gestohlene Buch prügeln. Dann die Piraten, deren Schiff sich aus einem der großen Buchrücken entfaltet. Und schließlich springt unsere Heldin durch das Loch im Boden und taucht ein in die Unterwasserwelt. Sie schwebt schwerelos zusammen mit Meeresgestalten von der Decke herab, als sänke sie im Meer nach unten, während die Bühne wieder von dem transluzenten Vorhang verhüllt wird, hinter dem dann plötzlich, durch Licht sichtbar gemacht, ein riesiges Meeresungetüm auf Jagd geht. Und gegen Ende der Engel am Vertikalseil, der das Buch sicher in die Arme des Mädchens übergibt.

Doch schließlich geht der Traum zu Ende und wir verlassen wie Traumwandler das Zirkushaus.


Cavelands

23.03.2018

Wir folgen Gastons Empfehlung und nehmen ein Colectivo zurück Richtung Tulum. In einem kleinen Dörfchen steigen wir aus und laufen zu „Cavelands“.

Das Stück Land mit mehreren kleinen Höhlen und einer winzigen Cenote gehört einem Freund von Gaston. Der ältere Herr ist ebenfalls Holländer und hat hier vor zwanzig Jahren begonnen, sich ein idyllisches Leben aufzubauen. Einige kleine Hüttchen, mehrere Wohnwagen, ein Tipi, ein paar fest stehende Zelte und Platz zum Campen ermöglichen die Aufnahme recht vieler Gäste.

Allerdings zu nicht ganz günstigen Preisen, weshalb wir uns für eines der Zelte entscheiden.

Das einzige echte Manko sind allerdings die Heerscharen von Moskitos, die am Abend über uns herfallen und uns zu einem Rückzug ins Zelt zwingen.

 

Schnorcheln in einer Höhle
24.03.2018

Wir haben Lust uns zu bewegen und so laufen wir die zehn Kilometer zu den Cenotes Sac Actún.

Als wir ankommen, geht gerade eine Tour los, doch wir wollen erst noch kurz Pause machen. Also setzen wir uns erst mal in den Schatten.

Als eine Gruppe mit Mädels ankommt, beginnen wir alle gemeinsam die Tour, müssen jedoch feststellen, dass wir einfach nur der bereits begonnenen Tour zugeteilt werden und nach der Hälfte einsteigen. Doch der Guide beruhigt uns sofort, indem er uns mitteilt, dass wir den ersten Teil am Ende auch noch alleine machen können.

Mit der Gruppe schnorcheln wir also durchs kalte Wasser, kurz darauf ist die Höhlendecke nur noch kaum einen Meter von unseren Köpfen entfernt und wir müssen aufpassen, damit wir uns nicht den Kopf an den Stalaktiten stoßen.

Dank der Taucherbrillen können wir sehr gut sehen, dass es am Rand der Höhle unter Wasser weitergeht. Das Unterwasserhöhlensystem, zu dem die Cenotes Sac Actún gehören, ist mit 352,9 km Länge und 226 Cenoten das größte bekannte der Welt.

Wir staunen viel, beginnen jedoch auch zu frieren, weshalb wir ganz froh sind, als der geführte Teil zu Ende ist. Nach einem kurzen Sonnenbad machen wir uns zu zweit an die Erkundung der anderen Höhle und genießen die Ruhe. Endlich keine kreischenden Mädels mehr.

Durch Löcher in der Höhlendecke fallen vereinzelte Sonnenstrahlen herab und sorgen für ein geradezu magisches Licht.

Als wir schließlich bibbernd und glücklich an die Erdoberfläche zurückkehren und uns auf den Weg machen, ist es schon recht spät. Doch unterwegs gabelt uns ein Local auf und wir dürfen auf der Ladefläche des Pickup Trucks bis zur großen Straße mitfahren.
Dort dauert es nur ein paar Sekunden, bis wir in einem Colectivo sitzen.

 

Ein letztes Bad
25.03.2018

Zum Abschluss gehen wir in eine kleinere, aber ausgesprochen hübsche Cenote zum Schwimmen. Sie liegt gleich gegenüber von Cavelands, nur wenige Gehminuten von der Straße entfernt.

Sie ist richtig eingewachsen. Wären da nicht all die Menschen, würden wir uns glatt vorkommen wie im tiefsten Dschungel.

Anschließend heißt es leider: Abfahrt nach Cancun!
Dort haben wir ein nettes AirBnB für unsere letzte Nacht in Mexiko gebucht.

 

Auf nach Peru!
26.03.2018

Unser Flug geht erst Abends, doch da unser netter Gastgeber für heute keine Buchung hat, dürfen wir bis zur Abfahrt da bleiben. Ein Bekannter von ihm bringt uns zum Flughafen.

Auf der Fahrt finden wir heraus, dass er eigentlich für UBER fährt, aber das seit fast einem Monat hier vorläufig verboten wurde. Denn auch hier gibt es Schwierigkeiten mit den offiziellen Taxis.
Wieder einmal bekommen wir unschöne Geschichten zu hören.
Unser Fahrer wurde mal von mehreren Taxis angehalten und sein Fahrgast genötigt, in eines der Taxis umzusteigen.

Noch schlimmer, wenn auch mit schwarzem Humor betrachtet geradezu witzig, ist die Geschichte von zwei Fahrern, die mitten auf der Straße aufeinander losgehen wollten. Ein Taxifahrer und ein UBER-Fahrer.
Doch als sie aus ihren Wagen gestiegen waren und aufeinander zuliefen, kam gerade ein großer Lastwagen.
Tja, und das war es dann für die beiden …

Wir wünschen dem sympathischen jungen Mann alles Gute und geben ihm ein nettes Trinkgeld.

Unseren Flug bekommen wir sehr entspannt. In Mexiko Stadt müssen wir während der Nacht umsteigen. Ausnahmsweise haben wir für die Stunden zwischen den Flügen sogar ein Zimmer gebucht.
So gestaltet sich die ganze Reise recht angenehm.

Peru, wir kommen!

Belize

Belize
09.03.2018

Morgens um fünf oder sechs Uhr erreichen wir die Grenze zu Belize.

An der mexikanischen Grenzstation müssen wir unsere Flugquittungen vorlegen um zu beweisen, dass wir die Touristensteuer bezahlt haben. Zudem müssen wir unsere Touristenkarten abgeben, die wir bei der Einreise erhalten haben.

Das alles klappt reibungslos. Allerdings hat uns unser Glück sehr geholfen. In Valladolid war nämlich ein Pärchen in unserer Unterkunft, die diese Ausreise schon hinter sich hatten. Und die haben uns die Sache mit dem Nachweis der Touristensteuer erklärt. Die Quittungen hätten wir sonst nie parat gehabt.

Als nächstes halten wir an der Grenzstation von Belize und immigrieren. Auch das kein Problem.

Danach können wir noch ein paar Stunden schlafen, bis wir gegen acht Uhr in Belize City ankommen.

Wir sind sehr überrascht, als wir in Belize City aussteigen.
Irgendwie hatten wir uns die Stadt etwas städtischer vorgestellt. Doch was wir sehen erinnert mehr an ein Dorf. Niedrige Hütten. Ein kleiner Markt neben dem Busbahnhof. Der Busbahnhof selbst ist auch winzig und ist gerade mal ein besserer Schuppen mit ein paar Verkaufsständen. Nicht mal einen Geldautomaten gibt es.

Doch zum Glück befindet sich nicht weit entfernt eine Bank und so schaffen wir es zu einigen Belize-Dollar zu kommen. Dieser ist übrigens im Verhältnis 2 zu 1 an den US-Dollar gebunden. 1 US-Dollar ist immer 2 Belize-Dollar wert. Deshalb werden viele Preise für Touristen in US-Dollar angegeben. Ganz schön verwirrend.

Wir fühlen uns, als seien wir auf einem völlig anderen Kontinent gelandet. Kein Spanisch mehr, sondern hauptsächlich Englisch wird um uns herum gesprochen und die Bevölkerung ist größtenteils afrikanischer Abstammung. Das liegt daran, dass Belize eine Kolonie von England war und die Engländer Arbeitskräfte von ihren anderen Kolonien hierher brachten.

Besonders deutlich wird der Zusammenhang mit England, als wir die ersten lokalen Busse sehen. Es sind durchweg alte englische Schulbusse. Und dann entdecken wir auch noch die Queen auf den Geldscheinen.

Als ich die Busstation einmal kurz alleine verlasse (einer muss ja immer bei den Rucksäcken bleiben) werde ich ununterbrochen von Männern aller Altersklassen angequatscht. Das ist ja fünf Minuten lang mal ganz nett, aber ich bin einmal mehr dankbar, dass ich nicht alleine unterwegs bin und meistens meinen Mann zur Seite habe. Da bleibt einem schon viel erspart…

Mit einem der netten, alten Schulbusse fahren wir weiter. Schon an der zweiten Station wird es ganz schön voll und ein rundlicher Mann fragt uns, ob er sich zu uns setzen kann. Obwohl die Sitzbänke gerade so für zwei dünne Menschen reichen. Erst verstehen wir also nicht ganz, was er meint, doch dann sehen wir, wie die ersten Stehenden wieder aus dem Bus geschickt werden und auch andere Sitze zu dritt belegt werden. Ich setze mich auf Darios Schoß und der Mann quetscht sich dankbar zu uns.

Nach und nach gewöhnen wir uns auch an die hiesige Aussprache und beginnen eine Unterhaltung. Er erklärt uns, dass das ein neues Gesetz ist. Wenn der Bus die Station verlässt, darf niemand stehen. Danach ist es egal. Er will auch tatsächlich wieder aufstehen, doch wir versichern ihm, dass es kein Problem ist, wenn er sitzen bleibt. Ich hab´s ja bequem auf Darios Schoß.

So erfahren wir einiges über das Land und die touristischen Orte. Etliche davon sollen so voll sein, dass sie gleich auf unserer Liste „Einen weiten Bogen drum herum machen“ landen.

Zwei Reihen vor uns fiept ein Hühnerküken. Nicht umsonst werden die Busse hier auch gerne als „Chicken Buses“ bezeichnet. Aber auch große Säcke, Kisten, Benzinkanister und vieles mehr wird transportiert.

Unsere Unterkunft in Hopkins ist einige der wenigen ohne Meerblick und damit die einzige günstige, die wir überhaupt gefunden haben. Wir bereuen unsere Wahl jedoch nicht, denn die Besitzer sind total nett und wir haben eine Terrasse ganz für uns alleine.

Wir bringen unsere Wäsche weg und gehen essen. Das Ergebnis ist der Beschluss ab jetzt selbst zu kochen. Im Vergleich zu Mexiko ist es nämlich ziemlich teuer und nicht besonders gut.

 

Bi̱olumineszenz – Schwimmen im Sternenhimmel
10.03.2018

Den Tag verbringen wir gemütlich. Wir gehen einkaufen und sitzen auf der Terrasse.

Abends laufen wir zu der Stelle, an der unsere Tour startet. Es sind fast fünf Kilometer, aber wir haben ja Zeit und das ist allemal besser als auch noch den Transport zu bezahlen.

Auf diesem kleinen Nachtspaziergang kommen wir aus dem Wundern gar nicht mehr heraus. Hinter dem Ort, der hauptsächlich aus kleinen Hütten und Touristenunterkünften besteht, erstreckt so etwas wie ein zweiter Ort, der nur aus Villen und Ressorts am Meer besteht.

Am Anleger lernen wir unseren Guide kennen und kurz darauf treffen auch die anderen Touristen ein. Drei Kanadier, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstehen und zwei weitere Frauen.

Die Tour beginnt mit Tierbeobachtung und wir sind wirklich baff, was unser Guide so alles in der Dunkelheit entdeckt. Wir sehen verschiedene Vögel, Leguane die in den Bäumen schlafen und sogar Babykrokodile, die kaum mehr als 20cm messen.

Doch richtig aufgeregt werden wir, als das Boot durch einen engen Kanal zwischen Mangroven Richtung Lagune gleitet.

„Please turn off the ligths“, sagt unser Guide.

Es wird dunkel um uns herum, als einer nach dem anderen seine Taschenlampe ausknipst. Doch als das Boot das Wasser der Lagune aufwirbelt, bildet sich ein leuchtender Schweif. „Oooooooh“, raunen wir andächtig.

Neben uns hüpft ein Fisch aus dem Wasser und hinterlässt schimmernde Kreise.

Das Boot wird langsamer und dann kommt die Frage, auf die wir nur gewartet haben: „Anybody wants to go for a swim?“

„Yes!“, rufe ich sofort und bin im Wasser, ehe noch jemand anderes überhaupt angefangen hat sich auszuziehen. Dario hat gut recherchiert und so haben wir unsere Badesachen schon im Hostel angezogen.

Es ist magisch.

Jede Bewegung im Wasser erzeugt ein unglaubliches Leuchten. Taucht man nur sanft die Hand hinein, sieht es aus, als würden Sterne darauf tanzen.

Über uns funkeln die Sterne und um mich herum erschaffe ich meine eigene Milchstraße in den dunklen Fluten.

Das Wasser ist teils richtig warm, teils spüre ich kalte Strömungen. Tief ist es nicht. Nur etwas über einen Meter.

Dario kommt zu mir, von den anderen folgt uns nur eine Frau. Wir können uns gar nicht satt sehen. Ein leichtes Unbehagen spüre ich bei Dario allerdings schon. Er mag es nicht, wenn er nicht sehen kann was im Wasser um ihn passiert. Und hier gibt es ja tatsächlich Krokodile.

Doch die Magie des Ortes ist stärker als das Unbehagen. Immer und immer wieder streichen wir mit den Fingern sanft durch Wasser und erzeugen Sterne oder planschen so stark es geht, um ganze Lichtwolken hervorzurufen.

Erst als wir wieder an Bord sind, erklärt uns der Guide, dass das Leuchten eine Selbstverteidigung des Planktons ist. Es beleuchtet seine Feinde, damit sie von größeren Lebewesen gefressen werden.

Das Gute ist aber, dass man natürlich auch sehen würde, wenn zum Beispiel ein Krokodil angeschwommen kommt. Selbst am Grund ist das Leuchten deutlich zu sehen.

Erst nach und nach wird uns klar, was für ein Glück wir mit dem heutigen Tag haben. Das Wasser hat angeblich gerade eine gute Mischung aus Süß- und Salzwasser, weshalb das Leuchten besonders stark ist. Und es ist Neumond, wodurch wir einen fantastischen Sternenhimmel haben, es aber trotzdem schön dunkel ist, was das Leuchten im Wasser besonders hervorhebt.

Nur ist unsere Zeit auf der Lagune leider viel zu kurz. Ich könnte ewig im Wasser bleiben.
Selbst als das Boot schon wieder auf dem Rückweg ist, hängen Dario und ich noch immer über der Reling, die Arme in leuchtende Fluten getaucht.

 

Mal wieder sehr gemütlich
11.03.2018

Da wir erst ab morgen auf der Insel reserviert haben und weder in Hopkins noch in Dangriga eine günstigere Unterkunft finden, bleiben wir einfach eine Nacht länger.

So verbringen wir einen überaus gemütlichen Tag auf der Terrasse. Ab und zu tanzen wir ein wenig, was vor allem die kleinen Kinder begeistert. Wir wissen gar nicht, wessen Kinder das eigentlich sind, aber sie sind immer in der Nähe des Hauses. Wenn wir tanzen, setzen sie sich in den Sand und schauen zu.

Die Frau, die wohl die Mutter unseres jungen Gastgebers ist, bringt uns sogar einige frisch gebackene Brötchen.

 

Reif für die Insel
12.03.2018 – 21.03.2018

Die Taxifahrer in Belize scheinen zu wissen, wie man Geld macht. Als wir auf den Bus warten hält einer an und erzählt uns, der Bus würde heute nicht fahren, weil Feiertag ist.

Leider stimmt Letzteres und da wir natürlich kein Risiko eingehen wollen, lassen wir uns tatsächlich zur Bushaltestelle an der großen Straße bringen. Von dort nehmen wir einen Bus nach Dangriga, wo ich dann herausfinde, dass der Bus von Hopkins aus sehr wohl auch gefahren wäre.

Glück für den Taxifahrer, ca. 15 Euro weniger für uns.

Auch an der Anlegestelle werden wir mit aufdringlichen Fahrern konfrontiert.
Wir wollen einfach nur auf den Kapitän warten, den unser Gastgeber Jerome für uns reserviert hat. Aber das sehen die anderen hier nicht ein. Die meisten Leute, die nach Tobacco Caye wollen, haben es vermutlich eiliger als wir und bezahlen gerne mehr, um ein paar Stündchen früher dort zu sein. Aber wir haben alle Zeit der Welt.

Als wir weiterhin die Angebote ablehnen, rufen sie sogar Jerome an, damit er uns sagt, dass wir jedes Boot nehmen können. Er sagt so sei es, aber das Boot, das er uns genannt hat sei eben größer und günstiger. Schon allein aus Sturheit warten wir. Wir wollen uns nicht nötigen lassen!

Allerdings bekommen wir solche Dinge zu hören wie „I´ll beat you up“ und „You have 10 minutes to leave“. Ein wenig gruselig finde ich das schon. Andererseits reden hier viele Leute so miteinander. Es fühlt sich ein wenig wie in einem riesigen Ghetto an.

Wir tun so, als würden wir die meisten Bemerkungen gar nicht hören und spielen Karten.
Da viele Leute und immer wieder sogar Touristen in der Nähe sind machen wir uns auch nicht wirklich sorgen, uns könne etwas passieren.

Als Dario noch schnell losgeht, um zu schauen ob wir hier Lampenöl kaufen können, mache ich mir aber doch sorgen, jemand könne ihm folgen. Tja, jetzt sind wir schon so lange unterwegs und ich bin immer noch jedes Mal total nervös, wenn mal einer von uns alleine loszieht. Dabei ist es mitten am Tag und Dario geht bloß um die Ecke. Überall sind Menschen. Und kurz darauf ist er schon wieder da. Sogar tatsächlich mit Lampenöl!

Während wir warten lernen wir einige Inselbewohner kennen, die auch alle auf das große Boot warten, statt mit einem der kleineren zu fahren.
Eine Französin leitet schon seit ein paar Jahren die Marinestation auf Tobacco Caye, eine andere Frau wohnt auf der Insel und unterrichtet am Festland Kinder. Und die einzige von den drei Damen, die tatsächlich aus Belize kommt, wohnt auf dem Festland und leitet auf der Insel Schnorcheltouren.

Sie sind alle sehr nett und jetzt fühlen wir uns schon viel wohler.

Kurz bevor unser Boot ablegt kommt ein Bus mit amerikanischen Studenten (Fachrichtung Meeresbiologie?) an, die von der Französin und der Tourenleiterin unter ihre Fittiche genommen werden. Solche Gruppen haben sie immer wieder da. Die absolvieren auf der Insel einen praktischen Teil ihres Studiums.

Und dann geht es endlich los!
Das Boot fliegt über die Wellen und bringt uns ins heiß ersehnte Paradies.

Tobacco Caye ist eine ziemlich kleine Insel. Sogar kleiner als Gili Nanggu, wo das Pirates Retreat in Indonesien stattfand. Allerdings gibt es diesmal nicht nur ein Ressort sonder vier oder fünf. Trotzdem mögen wir die Insel sofort, denn im Gegensatz zu Gili Nanggu ist sie sehr sauber.

„Gill‘s Cove“ heißt unsere Unterkunft und mit der Wegbeschreibung des Kapitäns finden wir das gelbe Haus sofort. Unser Zimmer ist sehr schlicht und vor dem Fenster gibt es kein Moskitonetz. Wir hängen sofort unseres übers Bett. Aber wir haben uns ja bewusst für die preiswerteste Unterkunft der Insel entschieden. Neben dem Preis soll sie nämlich noch andere Vorzüge haben…

Das erweist sich über die Zeit als wahr.

Jerome ist unglaublich nett und führt uns gleich ein wenig herum. Vom Steg aus, der kurz hinter dem Haus beginnt, zeigt er uns die Fischer, die gerade Conchs (auf Deutsch übrigens Große Fechterschnecke) ausnehmen. Das sind diese großen, wunderschönen Muscheln die man sogar als Blashorn verwenden kann. Hier türmen sie sich. Überall. Im Wasser, am Inselrand und überall als Dekorationen auf der Insel.

Die ungenießbaren Teile des Muschelfleischs werden ins Wasser geworfen und große Stachelrochen kommen herbei um sie zu verputzen.

Neben dem Steg ragen die Überreste einer hölzernen Konstruktion aus dem Wasser. Vier Stämme und ein Dach. Darauf befindet sich das Nest eines Osprey (Fischadler) Pärchens. Das Küken ist schon groß genug, dass man es vom Steg aus gut sehen kann.

„Die nisten jedes Jahr hier“, erklärt Jerome uns.

Nicht nur vom Steg, sondern auch von den Hängematten aus, die zu unserem Häuschen gehören, kann man die wundervollen Vögel perfekt beobachten.

Wir schnappen uns unsere Schnorchel und springen kurz zur Abkühlung ins Meer. Dann gibt es auch schon Mittagessen. Conch-Soup! Sie schmeckt hervorragend.

Damit haben sich schon mal zwei Dinge als wahr herausgestellt: Jerome ist super nett und er kocht fantastisch!

Jetzt sind wir uns sicher, dass wir hier eine gute Woche haben werden.

Etwas später gesellt sich noch zwei liebe Seelen zu uns. Rocky und Sara, die ursprünglich aus Kap Verde kommen, aber schon lange in den USA leben. Sie haben sich bei dem Bekannten eines Bekannten auf der Insel eingemietet und wohnen somit als einzige in einer Unterkunft ohne Verpflegung. Sie beschließen bei uns zu essen und wir freuen uns über die Gesellschaft, denn wir verstehen uns auf Anhieb alle super.


(Photo by Sara)

Nach einer gemütlichen Verdauungspause verbringen wir den Nachmittag schnorchelnd und holen uns trotz Sonnencreme einen heftigen Sonnenbrand.
Selbst Sara bleibt trotz ihrer dunklen Haut nicht verschont. Die vielen Stunden im Wasser bescheren auch ihr einen schmerzhaften Sonnenbrand. Hier muss man echt aufpassen…

Von Jerome bekommen wir ein Schüsselchen mit Conch-Resten, die wir kurz vor Sonnenuntergang am Steg ins Wasser leeren. Auf dem Bauch liegend können wir dann wunderbar die Tiere beobachten, die sich daran gütlich tun.

Neben den großen Stachelrochen kommen auch ein paar Eagle Rays (Adlerrochen) und zwei riesige Kugelfische.
Die Eagle Rays gehören zu den faszinierendsten, schönsten und vor allem anmutigsten Wesen, die ich wohl je gesehen habe. Sie gleiten majestätisch wie die Adler der Lüfte durchs Wasser und sehen dabei mit ihrem gepunkteten Muster absolut zauberhaft aus.

Wir können uns gar nicht sattsehen.

Zum Abendessen gibt es frischen Fisch, gegrillt und mit Gemüse serviert. Yummy!
So fühlt sich echtes Inselleben an!

Wir schlafen fantastisch und setzen dieses wunderbar gemütliche Leben im Paradies fort.

Die freie Fläche neben dem Haus, um die sich der Esstisch und die Palmen mit den Hängematten guppieren, eignet sich fantastisch zum Poispielen, Jonglieren und Tanzen.

Wir gehen mit Rocky und Sara schnorcheln und sehen zum ersten Mal, wie man Fische mit der Harpune jagt und Oktopusse mit einem Haken aus ihrer Höhle zieht.


(Photo by Sara)

Erst danach erfahren wir, dass hier im Naturschutzgebiet eigentlich nur die Einheimischen fischen dürfen. Allerdings scheint das ausschließlich die Parkwächter zu interessieren, die hin und wieder auf der Insel vorbeischauen. Und wenn man es genau nimmt, ist es für die Tiere ziemlich egal, ob Jerome sie für uns fangen muss, oder ob Rocky seine Freude daran hat.

Von Jerome lernen wir, wie man die Conchs, die großen Muscheln, ausnimmt.
Wer essen kann, muss schließlich auch den Prozess bis zum Essen bestreiten können.
Allerdings habe ich immer noch den Verdacht, dass ich sehr schnell Vegetarier werden würde, wenn ich mich um all mein Essen selbst kümmern müsste…

Die Stachelrochen freuen sich jedenfalls über den Snack.

Um die Kokosnüsse hingegen müssen wir uns nicht selbst kümmern, denn die holt einer der Inseljungs für uns von den Palmen. Es gibt zwei von diesen Jungs hier. Cookie und Leon. Beide sind lieber auf der Insel oder auf dem Wasser als zuhause auf dem Festland.
Sie gehen nur zur Schule, wenn die Fischer sich weigern sie mitzunehmen.

Kurz vor dem Abendessen entzünden wir unsere Feuerpoi und geben zur Begeisterung von Jerome, Rocky und Sara ein wenig unsere Künste zum Besten. Es ist immer wieder wundervoll, die Flammen um sich tanzen zu lassen!

So vergeht die Zeit mit gutem Essen, Schnorcheln, Tanzen und Relaxen.
Während Dario viel Zeit in der Hängematte verbringt, widme ich mich endlich mal wieder ein paar Kunstprojekten. Einen besseren Ort, als einen Tisch mit Blick aufs Meer gibt es dafür kaum.


(Photo by Sara)

Jeden Abend tanzen wir mit dem Feuer.

 

Krimi-Insel

An einem Abend zeigt Jerome uns eine traditionelle Art hier große Fische zu angeln.
Man befestigt einen „kleinen“ (gute 25cm großen) Fisch an einem Haken und wirft ihn vom Ende des Stegs aus ganz weit raus.

Dann geht man Abendessen oder was auch immer.

Und wenn nichts angebissen hat, geht man eben ins Bett und schaut am nächsten Morgen nach.

Am nächsten Morgen ist leider eine Muräne am Haken.
Die werden hier jedoch nicht gegessen und stattdessen zurück ins Meer geworfen.

Wir angeln einen neuen „kleinen“ Fisch und warten wieder.

Ab und zu schauen wir nach, ob was angebissen hat.

Nach ein paar Stunden sehen wir einen der Inselbewohner auf den Steg gehen und mit einem riesigen Fisch zurückkommen.

Da Jerome uns erst letzte Nach von einem „schwarzen Schaf“ der Insel erzählt hat, berichten wir ihm sofort was wir gesehen haben.

Bald darauf ist der Täter gestellt und wir kriegen zumindest die Hälfte unseres Fisches wieder!
Ein Glück, denn sonst wäre das Abendessen womöglich ungewohnt karg ausgefallen.

 

Feuerfisch-Massaker und Abschied

An dem Tag, an dem Rocky und Sara abreisen, findet ein Feuerfisch-Wettbewerb statt.
Die Regierung vergibt Preise in diversen Kategorien wie z.B. den größten Feuerfisch, den kleinsten Feuerfisch und für die meisten Feuerfische.

Diese wunderschönen, ziemlich giftigen Fische vermehren sich hier wie verrückt und werden schnell zum Problem.

Daher findet alljährlich dieser Wettbewerb statt. Die Fischerleute, die heute am Steg anlegen, haben ganze Boxen voll Feuerfische an Bord. Stolz präsentieren sie uns ihre Fänge, allerdings stets sehr behutsam und auf ihre Finger bedacht, um sich nur ja nicht an einem der vielen Stacheln zu piksen.

Auch die Fischer, die Rocky und Sara ans Festland bringen, haben einige an Bord. Bevor die Fahrgäste aufgenommen werden, wird die giftige Ladung sicher verstaut.

Etwas traurig winken wir den beiden hinterher. Selbst nach so vielen Treffen und Abschieden in den letzten anderthalb Jahren fallen Abschiede noch immer nicht ganz leicht.

Auch sie wollen eigentlich gar nicht weg, doch ihr Urlaub ist bald schon wieder vorbei.
Zwei Wochen Urlaub erscheinen uns mittlerweile wie ein Fingerschnippen.
Wie soll das nur werden, wenn wir wieder selbst nur so wenig Zeit für Reisen haben?
Andererseits freuen wir uns mehr und mehr auf Zuhause, je näher der Heimflug rückt.

Und gerade hier auf der Insel merken wir auch, wie wohl es tut einen einigermaßen geregelten Tagesablauf zu haben, der sich durch die von Jerome festgelegten Essenszeiten ergibt.

 

Raus ans Riff!

Am nächsten Tag sitzt plötzlich jemand neues bei uns am Tisch. Ein großer, hagerer Typ der bei weitem nicht mehr der Jüngste ist aber dennoch jung wirkt mit blondem Wuschelhaar, braungebrannt und muskelbepackt.

Ich glaube, einen so braunen weißen Menschen habe ich überhaupt noch nie gesehen.

Er stellt sich als Gaston aus Holland vor, doch Jerome nennt ihn nur „Ironman“. Diesen Spitznamen, bei dem ihn die Inselbewohner rufen, verdankt er seinem Schiff aus Eisenholz.
Seit gut zwanzig Jahren ist er mit dem romantischen Segler, der über 100 Jahre alt ist unterwegs.

Wir verstehen uns gut mit ihm und gehen nachmittags mit ihm zum Harpunieren ans Riff. Endlich kommen wir mal richtig weit raus, denn ohne Boot ist es geradezu unmöglich die besonders schönen Stellen des Riffs zu erreichen. Man muss um die Kannte des Riffs herumschwimmen und dann daran entlang, aber da die Strömung permanent gegen einen arbeitet, kommt man nur sehr langsam voran.

Heute genießen wir also den Luxus die ganze Zeit mit der Strömung zu schwimmen. Wir sehen einen kleinen Hai, einen Feuerfisch den Gaston sogleich zur Strecke bringt und unzählige andere, wunderschöne Fische.

Besonders eine kleine schwarze Fischsorte, mit funkelnden dunkelblauen Punkten zieht mich in ihren Bann. Sie sehen so zauberhaft auf. Wie ein winziger Nachthimmel mit blauen Sternen.

Anschließend fahren wir noch mit Gaston zu seinem Schiff. Seine zwei Hunde, die sich in der Zwischenzeit die Pfoten auf der Insel vertreten haben stehen dabei so sicher auf dem Rand des Schlauchboots als wäre dies die natürlichste Umgebung für einen Hund.

Bei einem Sundowner aus Rum (wir sind schließlich in der Karibik!), Saft und Limetten unterhalten wir uns, während langsam die Sonnen hinter dem Horizont verschwindet.

 

Die meiste Zeit sind wir Jeromes einzige Gäste. Nur einmal kommt noch ein deutsches Paar dazu, reist jedoch gleich am nächsten Tag weiter.

Zum Schnorcheln versuchen wir immer so weit wie möglich raus ans Riff zu kommen. Als beste Möglichkeit stellt sich Hitchhiken heraus.
Der Sohn eines reichen Ressortbesitzers ist zur Zeit auf der Insel und geht seiner Leidenschaft, dem Angeln großer Fische nach. Dazu fährt er nachmittags stets mit seinem flotten Boot hinaus. Da wir zu selben Zeit vorne an der Kante des Riffs sind, halten wir einfach den Daumen raus und er nimmt uns tatsächlich mit. Zum Dank rufen wir ihm zu, wann immer wir einem Schwarm riesiger Fische begegnen.

 

Wir beschließen noch zwei Tage länger auf der Insel zu bleiben.
Am liebsten würden wir unseren Aufenthalt sogar noch weiter ausdehnen, aber wir wollen auch unbedingt noch einen mexikanischen Kochkurs belegen und der hat nur noch an einem einzigen Datum vor unserer Abreise Plätze frei.

Allerdings bekommen wir während dieses verlängerten Insellebens auch noch die Schattenseite der kleinen Inselgesellschaft zu sehen.

Gerade sitzen wir gemütlich mit Jerome in der Küche, als plötzlich der Dieb auf der Veranda auftaucht. Dieser Typ, das schwarze Schaf der Insel, wegen dem wir unseren Barrakuda nicht selbst aus dem Meer ziehen konnten.

Jerome geht ihm sofort entgegen. Der Typ schreit ihn an. Jerome redet mit bestimmten Ton dagegen. Wir verstehen kaum ein Wort, weil sie sich im hiesigen Slang unterhalten.

Dann geht der Kerl plötzlich auf Jerome los und es fliegen die Fäuste. Doch so schnell wie es begonnen hat, hört es auch wieder auf und der Störenfried stürmt davon.

Jerome hat uns schon zuvor erzählt, dass der Kerl auch sein Navigationsgerät gestohlen hat und er noch überlegt, was er machen soll. Nun hat dieser Typ wohl irgendwie Angst bekommen, Jerome würde die Polizei rufen. Da der Kerl sogar wegen Mordes schon mal im Gefängnis saß, will er das um jeden Preis vermeiden. Besonders klug ist seine Vorgehensweise aber nicht, denn die Gewalt, die er gerade an den Tag gelegt hat, macht die Sache erst richtig schlimm.

Wir machen uns Sorgen um Jerome, vor allem als uns klar wird, dass der Typ auf seinen Hals gezielt hat. Die Folge ist eine so starke Heiserkeit, dass er ein paar Stunden später kaum noch mit uns reden kann.

Doch er versichert uns, dass er schon klarkommt.
Und wir glauben es ihm, denn was bleibt uns auch anderes übrig in einem Land, in dem man sich auf das Gesetz nicht verlassen kann?

Am letzten Tag bringt Gaston noch ein paar andere Gäste vorbei und wir freuen uns, dass es etwas voller wird. Voller bedeutet sicherer. Zwei von ihnen sind ein junges Paar aus den USA mit denen wir uns auch gleich prächtig verstehen. Die anderen sind schon älter, kommen aber aus Kanada und sind auch sehr nett.

Es stellt sich heraus, dass das Pärchen auch Poi spielt und gemeinsam veranstalten wir einen unvergesslichen letzten Abend. Wir tanzen mit dem Feuer bis tief in die Nacht und obwohl Jerome extra nochmal Kerosin besorgt hat, geht uns schließlich der Brennstoff aus.

Was für eine wundervolle Zeit!
 

 

An unserem letzten Morgen begleiten uns Jerome und Gaston zum Steg, von wo das große Boot uns wieder ans Festland bringt. Schweren Herzens verabschieden wir uns.
„Bis hoffentlich bald!“

Winter in der kanadischen Wildnis

Mittlerweile wissen wir, wie man die hohen Gebühren bei der Fahrt zum Flughafen umgeht. Mit dem Zug fahre wir bis Mascot Station. Gleich um die Ecke fährt der Bus ab, der uns ohne zusätzliche Kosten bis vor den Eingang des Airports bringt (All unsere Tipps zu Sydney HIER).

Mit knapp 5$ auf seiner Busfahrkarte kommt Dario genau hin. Damit haben wir über 15$ pro Person gespart.

Am Schalter beim Einchecken erleben wir auch noch eine schöne Überraschung. Den langen Flug von Sydney nach Vancouver hat das Reisebüro gebucht, den kurzen Anschlussflug von Vancouver nach Prince George haben wir gebucht. Da aber beide Flüge mit Air Canada sind, müssen wir unser Gepäck nicht abholen und nochmal einchecken. Noch viel besser ist, dass unser Gepäck auch nichts kostet, wie es eigentlich bei Air Canada Inlandflügen der Fall ist.

Unser restliches Bargeld investieren wir in Briefmarken. 21$ für unsere sieben Kärtchen.

Ja, das liebe Geld lässt einen besonders in diesem Land nicht los. Dario hat mich letztens darauf hingewiesen, dass ich mal aufhören soll, immer so viel über Geld zu schreiben (und zu denken!). Ständig freue ich mich über Schnäppchen oder fluche über hohe Preise. Oft schon haben wir viel Zeit auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft verbracht. Ob wir es schaffen, all diese Gewohnheiten abzulegen?

„Endlich weg aus Australien!“, sage ich zu Dario, während wir zum Gate gehen.

Er strahlt mich an und ich strahle zurück.
Wir sind uns einig: Es war eine schöne Zeit, aber wir sind verdammt froh, Australien zu verlassen!
Halb laufen, halb hüpfen wir durch den Flughafen, so beschwingt sind wir.

Da wir sehr früh dran sind, dauert es noch eine ganze Weile, bis wir ins Flugzeug können, und wir nutzen die Zeit, um noch etwas an der Homepage zu arbeiten.
Doch dann ist es endlich so weit.

Tickets zeigen, im Gang zum Flugzeug Schlange stehen, die Stewardess begrüßen, warten bis alle vor uns ihre Koffer verstaut haben, die richtigen Plätze finden, Gurte anlegen, ein halbes Ohr und Auge den Sicherheitsinstruktionen widmen und schließlich, schließlich! Wir heben ab.

Rasch entfernen wir uns vom australischen Boden, ein Hochgefühl.

Passend zu unserer guten Laune haben wir auch die perfekten Plätze. Ganz hinten im Flugzeug gibt es einige wenige Sitzreihen, in denen am Fenster nur zwei statt drei Sitze sind.
Wir klappen die mittlere Armlehne hoch und widmen uns glücklich der Filmauswahl des Flugzeugs.
Besser als erste Klasse oder Business Class! Erstere wäre für uns der pure Horror, ist man doch durch eine Wand vom Nachbarn getrennt. Auch zweitere würde uns nicht glücklich machen, denn die Armlehnen können nicht hochgeklappt werden.

Gute 14 Stunden dauert der Flug. Mit Schlafen und Filmeschauen eine sehr gemütliche Sache.

Das Umsteigen in Vancouver verläuft so reibungslos wie alles andere. Wir telefonieren sogar noch kurz mit Mama.

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Es regnet in Strömen vor den großen Scheiben des Flughafens und wir sind heilfroh, dass wir unser endgültiges Ziel noch nicht erreicht haben.
Wir haben fünf Stunden fürs Umsteigen, der Weiterflug selbst dauert nicht lange.

Meist sehen wir durch die dichte Wolkendecke gar nichts, doch ab und an erhaschen wir einen Blick auf die Landschaft. Statt Regen sehen wir bald Raureif, dann dünne Schneefelder und schließlich immer dichteres Weiß.

Wir landen auf Schneematsch. Problemlos, denn das Flugzeug ist dafür ausgelegt.

Kühle, frische Luft füllt unsere Lungen, als wir die Treppe zum kanadischen Boden hinabsteigen. Juchhu!!!

Als wir die Tür zum Flughafengebäude öffnen, steht meine glücklich Mama vor uns.
Wir fallen uns in die Arme und machen einen ganz schönen Freudenlärm.

Als unsere Rucksäcke auf dem Laufband in Sicht kommen, löst Dario sich aus dem Knäuel. Die beiden, mittlerweile alt gedienten Gepäckstücke kommen direkt hintereinander. Da hat sich wohl jemand schon gedacht, dass die zusammen gehören. Wir sind die einzigen Backpacker, die sich hierher verirrt haben.

Mama hat uns warme Jacken, Handschuhe und Mützen mitgebracht. Die hatten wir schon zusammengepackt, als wir noch in Deutschland waren. Mama hat dann ein großes Paket per Post vorausgeschickt.

So eingemummelt stapfen wir zum Auto. Allerdings ist es gerade mal um die null Grad. Keine -15 Grad, wie noch vor ein paar Tagen. Zum Eingewöhnen also ganz gut. Wir kommen schließlich aus dem australischen Frühling mit guten 25 Grad plus.

Die notwendigen Erledigungen hat Mama schon fast alle gemacht. Unser einziger Punkt auf der Liste lautet „Stiefelkauf“.

Im sogenannten „Canadian Tires“ gibt es alles, was der Mensch in der Wildnis zum Überleben braucht. Wir probieren alle möglichen Stiefel an. Fette, klobige Dinger.

Ich finde welche, die so dick gepolstert sind, dass ich in ihnen wie auf Wolken gehe.

Dario findet ebenfalls ein Modell, das ihm gefällt und behält sie direkt an. Seine Sportschuhe waren noch nie wasserfest und sind mittlerweile auf dem besten Wege, zu Barfußschuhen zu werden.

Nun also gut ausgerüstet, machen wir uns auf die lange Fahrt nach Hause.

Durch eine schön verschneite Welt geht es den Highway entlang. Die Straße ist gut geräumt und wir haben keine Schwierigkeiten. Mama fährt entspannt und wir erzählen und erzählen.

Ungewohnt ist für uns, dass auf der rechten Straßenseite gefahren wird. Das hatten wir tatsächlich seit Deutschland nicht mehr. Also ganze 13 Monate lang.

Irgendwann schläft Dario auf der Rückbank ein.

Bereits gegen 4 Uhr wird es dunkel.

Gute sechs Stunden nach Abfahrt, mit nur einem kurzen Zwischenstopp in der einzigen größeren Ortschaft auf dem Weg, erreichen wir unser Winterquartier in der Wildnis.

Die letzte Stunde geht es über eine Mischung aus Schnee und Sand auf unbefestigter Straße, die dennoch recht gut geräumt und gestreut ist.

Nur wenige Kilometer müssen wir dann noch durch Schnee zurücklegen, doch selbst hier wurde zumindest per Traktor geräumt: Edwin, unser wundervoller Freund, hat sogar den Weg bis zur Hütte freigemacht.

Die kleine Hütte schimmert goldgelb in der Dunkelheit und heißt uns willkommen.

Als wir vor der Veranda halten, kommt Pino uns schon entgegen.

Wir begrüßen uns herzlich.

Der Sternenhimmel über uns ist so klar, dass wir über den am Uluru nur lachen können. Hier gibt es außer unserem Licht weit und breit kein anderes.

Der Tisch wird rasch gedeckt, das Essen ist schon fertig.

Im Kamin und auch im Ofen knistern Feuer.

Ein schöneres Willkommen könnte es kaum geben.

So gemütlich ist es, dass wir nur noch strahlen können.

Dank Dunkelheit ist von Jetlag nichts zu spüren und so kuscheln wir uns bereits um halb Zehn zufrieden in unsere warmen Decken.

 

Tag ohne Technik
20.11.2017

Wir schlafen ordentlich aus und erwachen mit einem glücklichen Lächeln.

Pino hat das Feuer im Kamin nicht ausgehen lassen und von Frieren kann keine Rede sein.

Es ist genau, wie es sich gehört: Draußen wundervoll kalt und drinnen wunderbar warm.

Nicht wie in Australien, wo man selbst bei über +20°C Außentemperatur im Haus fror!

Wir beschließen, heute kein technisches Gerät zu benutzen und genießen einfach, dass wir genau hier und nirgends sonst sind.

Mama und Pino zeigen und erklären uns alles. Das letzte Mal waren Dario und ich vor neun Jahren hier. Wir erinnern uns an vieles nicht mehr.

Im Winter war von uns überhaupt noch nie jemand hier.

Wir sind also die deutschen „Greenhorns“ (entspricht dem deutschen „Grünschnabel“).

Aber wir fühlen uns nicht danach, uns deswegen Sorgen zu machen. Stattdessen krame ich meine Rezepte aus dem Gepäck und beschließe, Zimtschnecken zu backen.

Das einzige was fehlt, sind Eier. Aber zum Glück bekommt man diese bei Linda. Ihr Shop ist am See, nur etwa sieben Kilometer entfernt.

Mama fährt mit mir hin, denn ich kenne Linda noch gar nicht. Als ich vor neun Jahren hier war, gab es den Shop noch nicht.

Als wir an den See kommen, bin ich überwältigt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Seen ist er noch nicht gefroren. Er ist zu groß und tief.

Spiegelglatt und dunkel liegt er da. Kontrastiert von all dem Weiß.

Das „Open“-Schild an Lindas Haus leuchtet uns rot entgegen.

Als wir auf den Eingang zugehen, kommen zwei kleine Hunde angerannt. Ein schwarzer Winzling und ein kleiner blonder Kuschelbär.

Der Winzling springt sofort an uns hoch, kommt aber kaum bis zu den Knien. Der andere hält sich im Hintergrund, schaut aber sehr neugierig und gewinnt sofort mein Herz.

Blöd nur, dass er nicht so zutraulich ist wie ich.

Ich komme nicht mal nah genug heran, um ihn zu streicheln.

Also gehen wir in den Laden. Oder besser: wir klopfen an die Haustür und werden in den Eingangsbereich gebeten. Hier gibt es einen einfachen Tisch mit Kasse, einen Kühlschrank, einige Strickklamotten und ansonsten alles, was man zuhause im Eingangsbereich hat. Volle Schuhregale und Jacken an Haken.

Geht man geradeaus in den nächsten Raum, reihen sich um einen Esstisch Regale mit Konservendosen und anderen haltbaren Lebensmitteln.

Gleich dahinter ist das Wohnzimmer. Der Fernseher läuft.

Unsere Wasserkanister werden von Linda in der Küche mit frischem Seewasser aufgefüllt. Ein Gefallen, für den Mama immer noch etwas mehr kauft oder eine kleine Spende dalässt.

Unser eigenes Wasser kommt aus einem Brunnen und ist recht begrenzt, könnte aber auch getrunken werden. Wir sparen es für den Notfall.

Während Mama unsere „Einkäufe“ regelt, versuche ich den süßen Hund zu mir zu locken. Aber er ist ziemlich scheu.

Wir bedanken uns und fahren wieder heim. Ich mache mich sofort ans Backen.

Allerdings mit Mamis Unterstützung, denn die Brotmaschine kann den Teig vorbereiten, braucht aber andere Mengen und darf nicht überfüllt werden.

Einen Versuch ist es wert, denn letztes Mal waren die Zimtschnecken noch nicht perfekt.

Dario erstellt einen Essensplan, denn morgen gehen wir einkaufen. Immer Dienstags, so hat es sich bei Mami und Pino eingebürgert.

Mami und ich versuchen auf dem Weg vor dem Haus zu rodeln. Allerdings ist der billige Bob nicht besonders gut und wir kommen kaum voran. Also probieren wir den Lastschlitten aus.

Der hat zwar so hohe Ränder, dass man kaum lenken kann, aber dafür fährt er richtig gut.

Als die Zimtschnecken fertig sind, besuchen wir zu dritt Edwin.

Wir können nämlich nicht mit leeren Händen bei ihm auftauchen. Er nennt es das „canadian protocol“. Wenn man jemanden besucht, bringt man eine Kleinigkeit mit.

Da er sich stets daran hält, tun wir es auch.

Ohne Edwin wäre das alles hier kaum möglich. Er ist Holzfäller und hat eine kleine Sägemühle. Mit seinen Söhnen hat er damals unsere Hütte gebaut.

Er passt auf alles auf, ist guter Freund und auch Retter in der Not.

Zudem Ansprechpartner in allen Wildnis- und Hausbelangen.

Mit einem breiten Lächeln, das seinen letzten verbliebenen Zahn enthüllt, empfängt er uns in der Haustür.

Wir drücken ihn. Ich freue mich riesig, ihn zu sehen.

Er ist einer der beeindruckendsten Menschen, die ich kenne. Ein Wildnis-Intellektueller, denn er hat auf einigen Gebieten ein immenses Wissen, das er ständig erweitert und durch Nachforschungen und eigene Analysen ergänzt.

Außerdem kann er so ziemlich alles bauen und reparieren. Mit seinem Garten versorgt er sich fast vollständig selbst und kleine Windräder auf dem Dach erzeugen Strom.

Ein wenig sieht es aus wie bei Pettersson und Findus. Alles hängt und liegt über- und untereinander.

Passenderweise leben unter dem Haus jede Menge Katzen.

Das war schon immer so.

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Als kleines Kind habe ich sie gerne gezähmt, während die Erwachsenen drinnen stundenlang auf Englisch schwatzten.

Heute sind Dario und ich gerne drinnen dabei, schließlich verstehen wir mittlerweile fast jedes Wort und Edwin steckt voller spannender Geschichten.

Er erzählt, wie er mal mit Holzfällern im Winter Straßen freigemacht hat und an einer Stelle im Schnee versank, der so tief war, dass er seine Kettensäge über den Kopf hochhalten musste, damit die anderen sehen konnten, wo er war.

Oder wie der Schnee so hoch war, dass er überall um die Hütte richtige Gänge graben musste und dann in einem solchen Gang auf eine Elchkuh traf. Die sind ab Januar ziemlich ungemütlich. Besonders wenn sie ein Kalb dabei haben.

Sie jagte ihn durch den Gang und er schaffte es gerade so, auf seine Veranda zu schlittern, die Tür zu öffnen und nach drinnen zu flüchten.

Außerdem liest er gerade ein Buch über den Alten Fritz (Friedrich der Große) und kommt immer wieder auf dessen Erlebnisse zurück.

Edwin hat mehr Geschichtswissen als die meisten Europäer. Und das in der kanadischen Wildnis, weit ab von jeglichen Bildungseinrichtungen und ganz ohne Internet.

Als wir schließlich gehen, ist es schon dunkel.

Nach dem Abendessen spielen wir Skat, dann gehen wir auch schon ins Bett.

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Einkaufen
21.11.2017

Um neun wecken uns Mama und Pino. Denn wir wollen nicht zu spät zur Stadt fahren. Das Auto ist schon eingesteckt; per Kabel und Steckdose kann man nämlich den Motor vorheizen, um diesen vor Kälteschäden zu bewahren.

Ohne Frühstück brausen wir los, dieses gibt es gute anderthalb Stunden später in ein Café in der Stadt.

Die Fahrt am See entlang ist wunderschön.

 

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Wir brauchen fast den ganzen Tag, um alles zu erledigen. Obwohl wir uns die Aufgaben aufteilen. Die Männer gehen Lebensmittel einkaufen, Mama und ich den Rest.

Viel Zeit verbringen wir in der Bibliothek, denn hier können wir ins Internet.

Auf dem Heimweg fahre ich zum ersten Mal das Auto. Auf der rechten Straßenseite. Aber die Strecke ist ja nicht besonders schwierig, denn es geht immer nur geradeaus.

Die letzten Kilometer sind die schwersten, denn ich bin nicht so geübt auf Schnee und Eis. Aber es klappt.

Zum Abendessen gibt es Grillhähnchen, auch eine Dienstags-Tradition. So sparen wir uns die Essenszubereitung am Abend.

Daher bleibt wieder Zeit fürs Skatspielen.

Wir haben auch ein paar Maronen gekauft und ich experimentiere, wie sie am einfachsten und schnellsten zuzubereiten sind. Im Backofen dauert es mir zu lange, aber in Alufolie eingewickelt und in die Kohlen gelegt, funktioniert es ganz gut.

Allerdings trocknen sie mit Schlitz zu sehr aus, ich mache wohl irgendwas beim Einritzen falsch.

Schließlich lege ich zwei ohne Schlitz in den Ofen.

Das Ergebnis: Als ich eine öffnen will, explodiert sie. Auf meinem T-Shirt klebt mehr, als noch in der Schale ist, aber egal: Sie schmeckt ausgezeichnet. Ausgetrocknet ist sie jedenfalls nicht. Allerdings habe ich mir die Hand an ihr verbrannt.

Nun bin ich voller leckerer Marone. Sie schmeckt ausgezeichnet. Nur schade, dass mehr auf meinem T-Shirt klebt, als noch in der Schale ist.

Ausgetrocknet ist sie jedenfalls nicht.

Irgendwie habe ich mir auch noch die Hand an dem Mistding verbrannt.      Aber im kanadischen Winter ist das ja kein Problem.

Mit einer Plastiktüte hole ich eine Handvoll Schnee von draußen und lege sie auf die malträtierte Stelle.

Beim nächsten Versuch lege ich die Maronen neben uns zum Abkühlen, während wir weiterspielen.

Etwa zwei Minuten vergehen, dann tut es einen ordentlichen Knall und wir sind alle voller Marone. Es war eine große.

Tja, solche Dinge passieren, wenn man kein Internet hat, um schnell mal „Zubereitung Maronen Holzfeuer“ zu googeln.

Zum Glück können alle darüber lachen.

 

Ravioli
22.11.2017

Wir frühstücken spät und Dario steht fast den ganzen Tag in der Küche.

Er macht Ravioli mit Tomatensauce.

Ich backe Zitronenkuchen und bereite für morgen Bircher Müsli vor.

Edwin kommt zum Abendessen, bereits um 16:30 Uhr ist er da.

Es schmeckt fantastisch und wir futtern bis nichts mehr da ist. Sogar der Kuchen wird komplett verputzt.

Danach kippen wir nur noch ins Bett.

 

Mit der Motorsäge im kanadischen Wald
23.11.2017

Es taut, aber da kann man halt nichts machen.

Nach dem Frühstück führt Mama uns ein wenig herum und wir besprechen, an welchen Stellen Bäume gefällt werden sollen.

Einerseits als Brennholz, andererseits als Brandschutz. Denn im Sommer toben hier im Moment schreckliche Feuer. 

Das liegt an einer tragischen Begebenheit. Der kanadische Wald ist nämlich größtenteils eine Monokultur. Kiefern.

Es gibt einen Käfer, den sogenannten „Pine Beetle“ (Bergkiefernkäfer), der normalerweise tote und kranke Kiefern frisst.

Aber seit den späten 1990ern, dank einigen relativ warmen Wintern (Quelle: https://www2.gov.bc.ca/gov/content/industry/forestry/managing-our-forest-resources/forest-health/forest-pests/bark-beetles/mountain-pine-beetle), konnten sich die Tierchen ungehemmt vermehren.

Sie begannen auch an die gesunden Bäume zu fressen, bis schließlich fast der ganze Wald tot war.

Die Wälder bestanden bald zu großen Teilen nur noch aus rotbraunen Baumskeletten.

Wie die Winter, so wurden auch die Sommer wärmer und trockener.

Waldbrände waren unausweichlich und bald schon an der Tagesordnung.

Als wir vor neun Jahren hier waren, brannte es auch. Zum Glück ist unser Gebiet bisher verschont geblieben. Oft allerdings nur sehr knapp.

Mama hat schon ein paar Mal im Urlaub den Rauch erlebt und einmal eine Beinahe-Evakuation, und Edwin kann von Feuern berichten, die nur wenige Kilometer von uns entfernt gestoppt wurden.

Auch das nur mit viel Glück, denn wenn der Wind schlecht steht, sind wohl auch die Löschflugzeuge machtlos.

Es gibt Menschen hier, die ihre Häuser gegen das Feuer verteidigt haben. Sie haben Wassersprinkler, wie sie auf großen Farmen im Einsatz sind, um ihre Häuser aufgestellt und eine „grüne Blase“ gegen das Feuer geschaffen.

Sie haben tatsächlich überlebt.

Doch viele Gebäude sind auch schon abgebrannt, und im Sommer 2017 gab es Todesopfer.

Mittlerweile gibt es aber auch schon wieder viele grüne Tannen und Laubgewächse zwischen den abgestorbenen Bäumen, und das Risiko nimmt ganz langsam ab. Gebannt ist es aber noch lange nicht.

Eine Lichtung um das Haus herum zu schaffen ist also wichtig.

Heute machen wir uns aber erst einmal mit der Motorsäge vertraut.

Probeweise fällen wir einen ganz kleinen Baum, danach zerlegen wir einige große, die schon oben am Weg liegen.

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Mit dem Holzschlitten bringen wir die Stücke zum Haus. Dario sitzt auf dem Holz und genießt die Abfahrt. Ich fotografiere.

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Es schneit!
24.11.2017

Während dem Frühstück fängt es an zu schneien.

Ich backe Linzer Torte und es duftet im ganzen Haus. Wir sind so glücklich!

Mittags fahren Mama und ich zu Linda Eier holen.
Diesmal ist der Hund schon zutraulicher und lässt sich schließlich sogar streicheln.

Danach besuchen wir Edwin.

Er freut sich sehr über die halbe Linzer Torte und hat auch eine Überraschung für mich. Ich darf mir seine alten Schneeschuhe leihen.

Die sehen geradezu historisch aus und ich habe sie schon als kleines Kind bewundert.

Meine Oma hat mir immer Indianergeschichten erzählt, als ich noch klein war. Mit sechs Jahren bekam ich mein erstes Taschenmesser und baute meinen ersten provisorischen Bogen.

Schneeschuhe herzustellen konnte ich aber nie ausprobieren, denn wir waren ja immer nur im Sommer in Kanada.

Und jetzt ist es endlich so weit.

Aber heute ist es schon zu dunkel, um sie auszuprobieren.

Wie immer bleiben wir recht lange. Als wir gerade aufbrechen wollen, gibt Edwin mir noch eine weitere Leihgabe: Ein Handbuch fürs Schneemobil.

Wir sollen es lesen, dann dürfen wir sein Schneemobil ausprobieren.

Strahlend bedanke ich mich. Dieser Winter ist schon jetzt genial!

 

Es schneit noch mehr!
25.11.2017

Als wir erwachen und aus dem Fenster schauen, ist die Freude groß.

Gute 20 Zentimeter Neuschnee bedecken Haus, Wiesen und Bäume. Der reinste Weihnachtszauber.

In Deutschland hätten wir jetzt Sorge, dass das vielleicht auch schon wieder der letzte Schnee für dieses Jahr gewesen sein könnte. Doch hier denken wir: „Prima! Und für Weihnachten wird es noch mehr!“

Zum Glück haben wir in der Stadt am Dienstag eine große Schneeschaufel und Arbeitshandschuhe gekauft. So fängt Dario gleich munter an zu schaufeln.

Als die wenigen notwendigen Pfade frei sind, beginnt er mit einer Bobbahn.

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Da unsere zweite Schaufel etwas klein ist, helfe ich erst mal mit der Astschere. Einige kleine Bäumchen müssen für dieses Projekt nämlich dran glauben. Der Hang hinter der Hütte ist recht zugewachsen.

Allerdings soll das ganze Kleinzeug eh weg. Wir machen also nur den Anfang.

Als ich keine Lust mehr habe, suche ich mir ein anderes Bauprojekt. Da ich ja nur die kleine Schaufel habe, suche ich nach einem Schneehaufen und finde ihn hinterm Haus.

Hier kommt, genau wie auch vor dem Haus, immer der Schnee vom Dach gerutscht. Vorne schaufeln wir aber immer in der Mitte weg, da dort der Eingang ist. Hier hinten liegt eine richtig schön lange Schlange. Sogar mit Rückenkamm.

Die Sache ist klar: Das wird ein Schneedrache!

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Der Strom fällt aus, aber erst mal stört es uns nicht. Es ist ja noch hell.

Etwas später dröhnt Maschinenlärm von der Straße her und Edwin kommt auf seinem Traktor daher. Er räumt unsere Straße zur Hütte, damit wir Greenhorns nicht im Schnee feststecken.

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Wir revanchieren uns mit einer Tasse heißem Ingwer-Tee und einem Kanister mit Benzin.

Bei ihm ist auch der Strom weg. Er sagt, dass sei ganz normal bei solchem Schneefall. Irgendein toter Baum kracht auf die Leitung und schon war´s das.

Es dauere in der Regel etwas fünf Stunden, bis der Schaden repariert und die Versorgung wieder hergestellt sei.

Wie wir so alle drinnen am Esstisch sitzen, röhrt draußen schon wieder ein Motor. Es ist einer der deutschen Jungs auf seinem Schneemobil. Seine Eltern sind ein deutsches Paar, das wir schon lange kennen. Sie wohnen unten am See.

Er ist ein netter Kerl, wenn auch nicht übermäßig gesprächig. Aber er erkundigt sich, was Dario und ich die letzten Jahre so gemacht haben und erzählt auch, er sucht nach einem Job als Holzfäller. Sein Zwillingsbruder hat sich hingegen eine Schmiede zuhause eingerichtet.

Die drei Kinder der Familie sind alle zuhause unterrichtet worden und hatten wenig Kontakt zu anderen Menschen. Entsprechend waren sie stets begeistert, wenn wir zu Besuch kamen.

Obwohl die Jungs damals noch echt klein waren, habe ich ihn sofort erkannt. Er hat immer noch so ein nettes, verschmitztes Gesicht wie damals. Ich bin gespannt wie sein Zwillingsbruder jetzt aussieht, denn die beiden sind zweieiige Zwillinge und waren schon immer grundverschieden.

Schließlich verabschiedet sich der gesamte Besuch wieder.

Das Abendessen genießen wir bei Kerzenschein, denn der Strom ist noch nicht wieder da.

Es gibt Braten mit einer fantastischen Sauce von Dario. An der hat er aber auch lange gearbeitet. Wir können gar nicht aufhören zu essen.

Als wir schließlich doch fertig sind, ist der Strom wieder da.

Rundum glücklich und zufrieden gehen wir zu Bett.

 

Weiter im Schneeparadies
ab 26.11.2017

So leben wir also vor uns hin. In unserer gemütlichen Hütte und mit dem wundervollen Schnee vor der Tür.

Dario baut jeden Tag an der Bobbahn weiter. Oft helfe ich ihm.

Wer die Bahn mit der größten Begeisterung nutzt? Mama!

Jeden Tag geht’s mit Juchhee und Juchei die kurvige Strecke hinab.

Es gibt stets wunderbares Essen und viele Spieleabende.

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Wir besuchen Edwin und er uns.

Unsere deutsche Bekannte und ihr zweiter Sohn Maurice kommen vorbei und schenken uns eine wunderschöne Öllampe. Selbstgemacht, gefüllt mit Tannenzapfen und ein wahres Kunstwerk.

Maurice ist ein gutes Stück größer als sein Zwillingsbruder und redet etwas mehr.

Er kommt danach öfter mal bei uns vorbei, fährt Bob und hilft die Bahn weiterbauen.

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Ab und zu besuchen wir Edwin, wobei Dario und ich gerne Mama und Pino mit dem Auto vorausschicken und mit den Schneeschuhen hinüber wandern.

Es sind vielleicht 2km, denn mit den Schneeschuhen können wir eine Abkürzung durch den Wald nehmen. Highlights dieser Wanderroute sind schneebedeckte Bäume, durch deren Äste die Sonne scheint, und Autowracks.

Letztere sieht man in Kanada häufig, denn jeder hat seinen eigenen Fuhrpark-Friedhof. Statt ins Oldtimer-Museum kann man hier einfach einen Spaziergang auf die Felder machen.

Auch schreiben Dario und ich an unseren Projekten. Für mich ist das unser Reiseblog.

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Ich bearbeite noch einen Teil des Indonesien-Blogs und erinnere mich an unseren Besuch des Dorfes auf Lombok.

Damals fand ich die Vorstellung ganz schrecklich, mit der ganzen Familie in einem Raum zu schlafen. Hier in unserer Hütte machen wir im Prinzip genau das: Es gibt zwar ein Dachgeschoss, dass jedoch nur ein Galeriezimmer ist. Im Grunde gibt es also nur einen einzigen großen Raum. Naja, plus Klo und Keller.

Und es ist überhaupt kein Problem.

Allerdings bin ich durchaus froh, dass nicht noch etliche Geschwister herum wuseln.

An einem Einkaufstag besuchen Mama und ich eine alte Freundin. Sie war Trapper (Fallenstellerin), ist mittlerweile aber fast 90 Jahre alt und vor kurzem in ein Altenheim in der Stadt gezogen.

Früher habe ich kein Wort verstanden, wenn sie sprach. Jetzt verstehe ich immerhin mehr als die Hälfte, auch wenn ich mich noch immer schwer tue. Sie spricht einen sehr starken Slang.

Sie ist wie Edwin ein beeindruckender Mensch. Kaum 1,5m groß, hat sie ihr ganzes Leben in der Wildnis verbracht und mit dem Fallenstellen ihren Lebensunterhalt bestritten.

Mit Fallen meine ich aber keine kleinen Fallen, sondern ordentlich große, die man erst mal öffnen können muss. Fallen, mit denen man sogar Bären fangen kann.

Für mich war als Kind besonders einprägsam, dass sie in einem Wohnwagen lebte. Obwohl auf dem Grundstück sogar ein kleines, altes Häuschen stand. In dem lebte der Hund.

Ihr Geschirr war immer furchtbar schmutzig, sodass ich gar nicht davon essen wollte. Aber der Blaubeerkuchen war wiederum so gut, dass stets die Gier siegte.

Apropos Essen: Dario macht die besten Burger der Welt! Danke, mein Schatz 🙂

 

Adventskalender
01.12.2017

Mama darf endlich das erste Bild des Adventskalenders öffnen, den ich ihr geschenkt habe.
Natürlich ist er selbstgebastelt.

Jedes Bild zeigt einen Ausschnitt aus unserer Weltreise und wir erzählen die Geschichte dazu.

 

Der Karten-Krieg
04.12.2017 und 05.12.2017

Wir fahren in die Stadt.

Unterwegs lassen wir am See eine Packrat frei. Packrats sind kleine, süße Tierchen, die leider ausgesprochen gute Veranlagungen für die Zerstörung von Häusern haben.
Vom Aussehen her ähneln Siebenschläfern.

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Mit Gimp habe ich unsere Weihnachtskarten nach Mamas Wünschen zusammengeschustert. Sehr simpel, aber nett.

Heute wollen wir sie drucken lassen.

In einem kleinen Laden gibt es einen ordentlichen Drucker. Die Frauen, die hier arbeiten, sind sehr nett. Verkauft werden Schreibwaren und Spiele. Zudem erledigen sie eben Druckaufträge.

Der erste Probedruck geht schnell.

Mein Entsetzen folgt sogar noch schneller: Ein dicker, blauer Streifen zieht sich vertikal durchs Bild! Was zum…?

„Oh, we had this problem allready last week“, sagt die nette Frau.

Der Fehler wurde auch letzte Woche schon behoben, aber jetzt ist er eben wieder da. Verflixt!

Wir wollen die Karten auf keinen Fall später losschicken. Sie sollen schließlich vor Weihnachten ankommen. Und erfahrungsgemäß dauert das etwa zwei Wochen.

Aber der Streifen gefällt mir ganz und gar nicht.

Und Mama soll auch nicht nochmal extra in die Stadt fahren, es sind schließlich 160km hin und zurück. Ich muss eine andere Lösung finden.

Am Computer im Shop ändern wir das Layout.

Statt zwei kleinen Karten drucken wir nun pro Seite eine große, bei der der blaue Balken genau über die Schrift geht. Da er nicht deckend ist, sieht es aus als läge er hinter der Schrift und betont nun geradezu das „Frohe Festtage“.

Ein paar kleine Karten ganz ohne Streifen bekommen wir auch noch, allerdings eben auch nur eine pro bedrucktem Blatt, statt zwei. Aber uns wird nur der ursprünglich vereinbarte Preis berechnet. Wir lassen ein Trinkgeld da, denn es hat ganz schön viel Zeit in Anspruch genommen, bis die Karten meinen Ansprüchen wenigstens annähernd genügten.

Noch immer bin ich nicht ganz zufrieden, denn die Ränder sind nicht gleichmäßig. Das war der Grund, warum ich ursprünglich gar keine Ränder geplant hatte, aber die nette Dame hat das beim Umstellen des Layouts einfach so gemacht und es schien mir unangebracht jetzt nochmal eine Änderung zu beantragen.

Mama und Pino haben schließlich auch die ganze Zeit gewartet und wollen endlich weiter.

Dario sitzt zum Glück im Café und erledigt Sachen im Internet.

Abends, als wir endlich zuhause sind, beginnt der „Karten-Krieg“.

Vierzig Karten sind zu schreiben. Wir sind vier Personen, davon zwei Männer. Männer schreiben nicht so viele Karten. Macht also mehr als 10 Karten pro Frau.

Zwar macht das Schreiben durchaus Spaß, aber irgendwann tut das Handgelenk weh.

Wir verschieben den Rest auf den nächsten Tag.

Doch Mama möchte ja so schnell wie möglich die Karten in den Briefkasten im Ressort werfen. Sie hofft, dass sie noch heute weg gehen.

So wird gleich nach dem Frühstück Stress aufgebaut und auf dem Schlachtfeld fliegen fast die Fetzen.  

Als wir es endlich hinter uns haben, ist die Erleichterung groß.

Liebe Grüße an euch alle zuhause!

Wir vermissen euch.

Aber jetzt genießen wir erst mal wieder unsere Wildnis-Ruhe!

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Erste Fahrt auf dem Schneemobil
13.12.2017

Mittags dröhnt der wohl vertraute Lärm von Maurices Schneemobil die Einfahrt herab.

Er fragt, wie´s denn bei uns aussieht und ob wir vielleicht endlich mal Edwins Schneemobil ausprobieren wollen?

Edwin hat uns ja schon vor einer ganzen Weile angeboten sein Schneemobil zu benutzen. Und das Handbuch haben wir auch schon brav gelesen. Aber bisher hat uns die Bobbahn gereicht, und wenn wir bei Edwin waren hatten wir nie das Gefühl, dass der passende Moment für eine Einweisung gekommen sei.

Da sagen wir nun gerne ja und fahren sofort mit dem Auto zu Edwin.

Maurice folgt uns auf seinem Schneemobil.

Edwin freut sich und erklärt uns nochmal die wichtigsten Dinge.

Vor allem den Panik-Knopf, den wir drücken sollen, wenn irgendwas schiefgeht. Also wenn zum Beispiel der Gashebel bei Full Speed einfriert.

Die erste Fahrt mache ich mit Maurice. Er fährt ein paar hundert Meter und ich schaue zu. Dann fahre ich zurück. Danach ist Dario dran mit Üben.

Das Fahrgefühl ist vollkommen anders als alles, was wir bisher kennen gelernt haben. Der Lenker ist sehr breit und man muss ganz schön Körpereinsatz beim Lenken leisten.

Der Wenderadius ist riesig –  und das Ding hat keinen Rückwärtsgang! Wenn man nicht um die Kurve kommt, heißt es also absteigen und die Maschine an den Kufen herumziehen oder heben.

Und man gleitet eben damit, was doch etwas ungewohnt ist.

Doch unsicher fühlen wir uns nicht, und so machen wir gleich eine Fahrt bis zur Hauptstraße hinunter. Maurice voraus und Dario und ich auf Edwins Schneemobil hinterher. Mit dem Fahren wechseln wir uns wie immer ab.

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Nach höchstens einer Stunde ist es Dario kalt, denn er hat keine Skihose an.
Wie wir im „Snowmobiler´s Safety Handbook“ gelernt haben, macht der Wind enorm viel aus. Ist es zum Beispiel -5°C kalt und man fährt mit 20km/h, so ist der Kühleffekt -17°C. Das nennt man hier den „wind chill factor“. Je kälter es ist, desto größer ist dieser Faktor. Logisch.

Außerdem wird es bald schon dunkel. Also fahren wir zurück zu Edwin.

Der grinst uns an, als wir wieder in die Hütte kommen und erklärt, dass nun, da wir wissen wie das Schneemobil funktioniert, wir ihm gleich mal neues Feuerholz holen können.

Das liegt in einem kleinen Schuppen.

Der Lastschlitten zum Einhängen am Schneemobil steht vor der Tür.

Diesen Gefallen tun wir ihm natürlich gerne und danach setzen wir uns auch noch eine Weile zu ihm und quatschen.

Von nun an holt Maurice uns immer wieder zum Schneemobilfahren ab. Er zeigt uns die Trails, die er und sein Bruder schon angelegt haben.

In dem jungen Mann mit seinen gerade mal 17 Jahren haben wir einen guten Guide und einen Freund gefunden. Er weiß sehr viel über die Gegend, die Leute, das Jagen und überhaupt alles, was hier eben von Bedeutung ist.

 

Truck im Graben und Poi auf Wrack
15.12.2017

Vormittags kommt Edwin zu Besuch. Wir hören den Motor auf der Zufahrt, doch dann geschieht nichts mehr. Schließlich gehen wir raus und schauen, was los ist.

Edwin steckt mit seinem Truck neben der Scheune fest.

Als wir angelaufen kommen, lacht er uns entgegen.

Er wollte wenden, um auf dem kleinen Parkplatz schräg gegenüber von der Scheune rückwärts einzuparken. Dabei ist er zu weit an die Seite gefahren. Der Schnee dort sieht zwar aus, als gehöre er zu Straße, tatsächlich beginnt dort aber schon der Graben. Und in dem steckt er nun fest.

Wir schütten Asche unter die Reifen, versuchen sie freizugraben, schieben – doch es nützt alles nichts.

Die Reifen sind heiß und verwandeln den Schnee in Eis, da ist kein Vorankommen mehr möglich.

Schließlich gehen wir alle ins Haus.

Mit unserem Auto kommen wir an seinem nicht vorbei. Also bleibt nur das Laufen.

Obwohl Edwin sich schon damit abgefunden hat, möchten wir nicht, dass er nach Hause laufen muss. Schließlich ist er nicht so fit.

Also machen Dario und ich uns mal wieder mit Schneeschuhen auf den Weg.

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Es ist wundervolles Wetter und wir nutzen die Gelegenheit, um auch einige sehr schöne Fotos zu machen und Filme vom Poispielen auf den Autowracks.

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Bei Edwins Haus angekommen, packen wir die Schneeschuhe hinten auf das Schneemobil und fahren damit wieder zu unserer Hütte.

Edwin fährt mit dem Schneemobil nach Hause und holt seinen Traktor.

Mit diesem alten Gefährt hat er schon sehr viele Autos aus Gräben gezogen.

Sogleich befestigen wir einen alten Strick an seinem Wagen und dann wird mit dem Traktor gezogen. Diesen Strick, so verkündet Edwin, habe er schon beim Bau unserer Hütte vor über zwanzig Jahren verwendet und er sei immer noch gut.

Letzteres wird allerdings kurz darauf widerlegt: Der Strick reißt.

Zum Glück findet sich irgendwo am Traktor auch noch eine Kette.

Mit der klappt es dann.

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Während wir das Schneemobil geholt haben, hat Mama Edwin endlich die Bobbahn gezeigt. Bisher war er nämlich meistens da, wenn es schon dunkel wurde und wir haben ihm nur davon erzählt.

Als wir später mit Maurice nochmal bei Edwin auftauchen, um Schneemobil zu fahren, lässt er uns wissen, dass er von der Bobbahn schwer beeindruckt ist.

Sehr zufrieden begeben wir uns heute mit dem Schneemobil schon auf etwas unwegsameres Gelände, besonders ein kleiner Abschnitt durch den Wald hat es in sich: Immer wieder geht es steil bergab und um sehr enge Kurven. Wir sind vorsichtig, denn wir wollen es tunlichst vermeiden mit einem Baum zu nahe Bekanntschaft zu machen.

 

Weihnachtsbäckerei und Pläne
17.12.2017

Dario macht zum Frühstück etwas ganz besonderes: Ein “Sonnenrad”.

Das wird aus einem geschmeidigen Teig geflochten und ist gefüllt mit Pesto und Tomatensauce.

„Endlich mal nichts Süßes zum Frühstück!“, sind Pino und Dario sich einig. Denn selbst wenn es, wie oft, Brot zum Frühstück gibt, stehen immer gleich jede Menge Marmeladen auf dem Tisch. Das sind Mama und ich eben so gewohnt.

Jetzt, in der Weihnachtszeit, stimmen wir den Männern aber zu. Ein bisschen weniger Süß tut uns allen gut.

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Da der alte Holzfeuer-Backofen nun ohnehin schon heiß ist, nutzen wir die Gelegenheit und machen uns ans Plätzchenbacken.

Das ist etwas, dass sich dieses Jahr bei uns durch die ganze Weihnachtszeit zieht: Plätzchen und Zitronenkuchen backen. Mit letzterem experimentiere ich immer weiter herum, in der Hoffnung, ihn irgendwann so hinzubekommen, dass er Darios Kindheitserinnerungen gerecht wird.

Auch schmieden wir Pläne für eine Sonnwendfeier am 21. Dezember.

Wir wollen Gäste einladen, ein großes Feuer machen und es soll Gulasch, Punsch und Plätzchen geben.

 

Besuch früh am Morgen – wer wagt es?!
18.12.2017

Morgens um 8:00 Uhr werden wir alle von einem Klopfen aus unseren Nachtträumen in die Wirklichkeit befördert. Was ist denn jetzt los?

Es folgen Stimmen und dann wird auch schon die Haustür geöffnet und jemand stapft herein.

Quasi ins Schlafzimmer, denn Mama und Pino schlafen im Wohnzimmer am Kamin.

Es sind ein alter Deutscher und seine Freundin.

Allerdings lebt er schon ewig hier und geht mittlerweile auf die 90 zu. Seine Freundin hat er erst vor ein paar Jahren kennengelernt, als sie in die Gegend gezogen ist.

Sie ist Kanadierin und sehr reiselustig. Immer wieder zieht es sie hinaus in die Welt, doch ihr Zuhause und Rückzugsort ist am See.

Beide sind Frühaufsteher.

Und jetzt wissen sie, dass wir es nicht sind.

Pino macht Tee für unsere Gäste, während wir anderen ein paar Minuten brauchen, um richtig wach zu werden und aus den Betten zu krabbeln.

Aber wie könnten wir den Beiden böse sein, haben sie doch selbstgemachtes Short Bread mitgebracht, das absolut fantastisch schmeckt. Es wird ein unterhaltsamer Morgen mit viel Lachen.

 

Sonnwendfeier und Feuer
21.12.2017

Wir haben all unsere Bekannten eingeladen.

Jetzt heißt es, letzte Vorbereitungen treffen.

Dario macht den Punsch fertig und ich die Torte. Mama putzt.

Anschließend schneiden Dario und ich die unteren Äste von Bäumen ab und häufen sie zu einem großen Haufen für das Feuer auf. Das ist sogar eine sehr sinnvolle Arbeit, denn es mindert die Brandgefahr im Sommer. Das Feuer wandert nämlich häufig über den Boden und geht erst in die Bäume hinauf, wenn es vom Boden aus die Äste erwischt.

Dann fällen wir einen Baum und machen daraus Baumstammfackeln.
Inzwischen sind wir etwas spät dran, denn es dauert länger als gedacht.

Als wir im Wald noch damit beschäftigt sind, die Stämme einzuschneiden, kommt schon Maurice mit seinem Schneemobil. Er gesellt sich zu uns.

Ich gehe zum Haus, um den Lastschlitten zu holen, und als ich die Einfahrt wieder hoch laufe, kommen mir schon die nächsten Gäste entgegen.

Ein Stück weiter oben kommt Maurices Bruder mit seinem Truck rückwärts die Zufahrt herunter. Ich bereite mich darauf vor, auf den Tiefschnee auszuweichen, doch als er mich sieht, will er Platz schaffen und weicht selbst etwas aus.

Leider überschätzt auch er dabei die tatsächliche Breite der Straße. Der Schnee ist trügerisch.

Und so landet er prompt im Graben.

Gekonnt manövriert er den Wagen und schafft es beinahe wieder heraus, doch eben nicht ganz.

Maurice braust mit seinem Schneemobil zu Edwin, der daraufhin einfach mit dem Traktor zur Feier kommt. Er zieht den Wagen aus dem Graben und parkt den Traktor vor der Veranda.

Jetzt sind wir vollständig.

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Alle sind schon mit Punsch versorgt und der Gulasch kommt auch ausgezeichnet an.

Der alte Deutsche futtert eine Portion nach der anderen und lobt, dass der Gulasch genauso gut wie sein eigener sei. Auch Plätzchen, Lebkuchen und Zitronenkuchen werden auf den Wohnzimmertisch geräumt. Jeder isst, worauf er gerade Lust hat.

Schließlich gehen wir jungen Leute wieder nach draußen und zünden das große Feuer an.

Es brennt schnell lichterloh und Funken steigen in den winterlichen Himmel auf.

Einige Schneeflocken schweben aus der Dunkelheit herab und vervollkommnen das Bild.

Wir stellen eine Holzbank für die älteren Gäste auf und geleiten sie zum Feuer.

Dann zünden Dario und ich die Feuerpoi an und geben eine kleine Vorführung.

Zwar ist das auf dem unebenen, rutschigen Untergrund etwas schwierig, doch das Publikum ist ein dankbares und sehr begeistert.

Während alle noch eine Weile das Feuer genießen, fahren Maurice und wir abwechselnd die Bobbahn hinab. In der Dunkelheit macht das fast noch mehr Spaß, die Fahrt fühlt sich länger und zugleich schneller an.

 

Stecken geblieben
22.12.2017

Mama und Pino fahren zu Linda zum Einkaufen, wir bleiben zuhause.

Die beiden sind ganz schön lange weg, vermutlich sind sie mittlerweile bei Edwin und haben sich dort verquatscht.

Als sie gegen sechs Uhr abends zurück kommen, können sie allerdings eine etwas andere Geschichte erzählen. Sie sind nämlich auf halber Strecke zwischen Edwin und Linda stecken geblieben. Wie die anderen, hat auch Mama die Breite der Straße überschätzt.

Also mussten sie zu Edwin laufen. Bei -17°C war da die Begeisterung eher mäßig. Auch Edwins; schon wieder jemand stuck!

Aber sie haben es zusammen geschafft.

Und jetzt sitzen wir wieder alle beisammen.

Pino sieht sogar richtig munter aus. Trotz Herzschrittmacher und etwas dünnen Klamotten hat er die Wanderung klasse überstanden. Der kanadische Winter scheint bisher ausgezeichnet für die Gesundheit zu sein!

 

Wir, die Holzfäller
23.12.2017

Heute machen wir das, was wir Mama und Pino schon lange versprochen haben: Wir fällen Bäume und machen Feuerholz.

Dario hat heute die Hosen an.

Im wörtlichen Sinne, denn wir haben nur eine Schutzhose. Derjenige, der die trägt, bedient die Kettensäge. Heute also Dario.

Insgesamt vier Bäume fallen. Allerdings muss keiner von ihnen das Zeitliche segnen, denn sie sind alle schon lange tot. Opfer des Pine Beetle.

Wenigstens beim Feuerholzmachen ist das ein Vorteil, denn die Bäume sind schon trocken und müssen nicht lange gelagert werden, bevor sie für den Ofen taugen.

Den ganzen Tag, bis in die Dunkelheit hinein, sind wir damit beschäftigt die mächtigen Stämme zu entasten, den Stamm in handliche Stücke zu zerteilen und mit den beiden Schlitten (Bob und Lastschlitten) zur Scheune zu ziehen.

Es ist eine Beschäftigung, die sehr zufrieden macht.

Als krönenden Abschluss fälle ich mit dem Beil noch eine kleine, grüne Tanne:

Unseren Weihnachtsbaum!

Da wir keinen richtigen Weihnachtsbaumhalter haben, stellen wir die Tanne einfach in eine Vase und stapeln zur Fixierung Holzscheite drum herum.

 

Weihnachten in der kanadischen Zauberwelt
24.12.2017

Neuer Glitzerschnee liegt auf den Wipfeln, die -15°C sind schön kalt.

Wir fahren Bob, „Yeeeha!“.

Die Bobbahn ist mittlerweile übrigens fertig und richtig, richtig lang. Einige hundert Meter locker. Die Fahrt dauert etwa anderthalb Minuten.

Sie geht vom Hügel hinter dem Haus bis ins Tal.

Am Startpunkt hat man eine wundervolle Aussicht über die Baumwipfel und bis auf die fernen, schneebedeckten Hügel auf der anderen Seite des Sees.

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Danach machen wir einen Spaziergang auf die Felder. Weihnachtlicher könnte es kaum sein – wir fangen sogar an, Weihnachtslieder zu singen.

Endlich passt sogar „Leise rieselt der Schnee…“ mal wieder.

Anschließend schmücken wir den Weihnachtsbaum.

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Die Dekoration besteht aus einigem Christbaumschmuck, den wir aus Deutschland hergeschickt haben. Die Kerzen habe ich selbst gezogen, denn für unsere Halterungen gibt es hier keine Kerzen zu kaufen. Und als kleines Extra können wir noch einige Lebkuchen-Eiskristalle aufhängen, die wir in der Stadt im Café geschenkt bekommen haben, weil die einfach viel zu viele davon hatten.

Dario macht einen tollen Entenbraten und ich bereite das Dessert vor: Eine Platte mit Lebkuchen, Linzer Plätzchen, Zitronenkuchen, Brownies und Frischkäse-Honig-Creme in karamellisiertem Strudelteig.

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Edwin folgt unserer Einladung und kommt zum Essen.

Es schmeckt fantastisch.

Dario und ich spülen ab, während am Tisch noch geplauscht wird. Dann machen wir Musik an und tanzen im Wohnzimmer, bis die anderen dazu kommen.

Die Bescherung ist sehr bescheiden, aber umso schöner.

Besonderes, unerwartetes Highlight ist Edwins Geschenk an uns: Eine Feuerwerksbatterie.
Jetzt kann Silvester kommen!

Den Weihnachtsabend lassen wir mit zwei fliegenden Lampions ausklingen, die über die Baumwipfel davontreiben.

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Der See friert zu
27.12.2017

Der See verwandelt sich langsam von einer großen, dampfenden Fläche in eine glitzernde Ebene.

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Immer wieder sind wir begeistert von der Traumwelt um uns herum.

Selbst die lange Fahrt zum Einkaufen wird so zum Genuss.

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Ja, wir sind verwöhnt!
29.12.2017

Es geht uns sowas von gut.

Selbst die Zeit vor dem Computer könnte gemütlicher nicht sein.
Das Kaminfeuer im Rücken und die Aussicht auf die Schnee-Zauberwelt.

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Im Moment können wir ab und zu eine große Eule beobachten, die vor dem Haus jagt.

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Und überhaupt werden wir sehr verwöhnt, besonders dank Darios Kochkünsten.

Jeder Tag wird zum Feiertag.

Unermüdlich probiert er aus und erschafft wahre Kunstwerke – sowohl für´s Auge als auch für den Gaumen.

Pino schreibt in sein Tagebuch: “Wenn Dario kocht, dinieren wir. Wenn jemand anderes kocht, essen wir.”

 

 

 

 

Silvester in der Wildnis
31.12.2017

Wir beginnen den letzten Tag des Jahres so wie sehr viele Tage dieses wundervollen Jahres: Wir schlafen ordentlich aus.

Mir geht es wieder ganz gut, nachdem ich die letzten Tag ziemlich angeschlagen war und das Haus nicht verlassen habe. Doch jetzt werde ich den Übergang vom alten ins Neue Jahr gebührend begehen können.

Nach dem Frühstück holen wir gleich Die Siedler aus dem Regal und spielen mit Mama.

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Wie immer ist es ein harter Kampf, denn Dario und ich schenken uns nichts. Auch Mama wird langsam besser. Nur den Räuber benutzt sie noch immer nicht ordentlich, sie ist einfach zu nett.
Am Ende gewinne ich knapp vor Dario. Ein Glück, nach meiner Niederlage gegen ihn beim letzten Mal.

Gegen vier Uhr beginnen wir mit der Vorbereitung des grandiosen Abendessens.

Vor dem letzten Einkauf hat er mich gefragt, was ich gerne an Silvester essen möchte und meine Antwort kam ziemlich prompt: Burger!

Hätte mich jemand noch vor fünf Jahren jemand gefragt, zu welchem Anlass ich gerne Burger essen würde, hätte ich erwidert: „Zu keinem!“

Doch seit Dario auf Burg Staufeneck die Kunst der Gourmet-Burger erlernt und sogar noch verfeinert hat, sieht die Sache ganz anders aus. Da Mama und Pino dank Dario ebenso zum Burger gefunden haben wie ich, wird mein Wunsch erfüllt.

Während Dario also alles für die Gourmet-Burger und einen großen Salat vorbereitet, mache ich kleine Quarkklößchen und schneide Äpfel für das Dessert: „Apfel-Champagner-Süppchen mit Krokant-Quarkklößchen“.

Zugegeben, den Champagner ersetzen wir dieses Mal durch einen alkoholfreien Sekt. Aber das ist keine schlechte Wahl, denn der Sekt ist sehr schön fruchtig und passt wunderbar zu den Äpfeln.

Schon um fünf Uhr brummt ein Motor draußen und dann stapft Edwin herein.

„You`re early!“, begrüßt Dario ihn, denn wir sind noch lange nicht in der Küche fertig.

„My name is Edwin, not Early.“, kommt prompt die Antwort, begleitet von Edwins humorvollem, einzahnig-einzigartigem Lächeln.

Die „Erwachsenen“, wie wir sie gerne immer noch nennen, machen es sich im Wohnzimmer gemütlich.

Als wir sie schließlich zum Essen rufen, werden „Oh“s und „Ah“s laut.

Solch riesige Burger hat wohl noch keiner von ihnen bisher gesehen.

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Und der Salat ist auch eine Wonne.

Schnell wird noch angestoßen. Mit dem leckeren Weißwein von der Mosel, den man hier im Liquor Store erstehen kann und den Edwin besonders liebt.

Danach hört man für eine ganze Weile nur noch glückliches Mampfen, gelegentlich unterbrochen von Lobeshymnen auf den Koch und sein Werk.

Jeder findet seine eigene Taktik, die wenig mundgerechten Burger zu verspeisen: Edwin und Pino essen sich von oben nach unten durch, Mama kreuz und quer, Dario schneidet ihn wie eine Pizza und ich benutze als einziger meine Hände, quetsche den Burger zusammen, reiße den Mund weit auf und esse ihn wie jeden anderen Burger auch.

Allerdings muss ich mir danach nicht nur die Hände waschen.

Wir sind alle so was von happy!

Zum Glück ist die Nachspeise eher luftig und leicht, sonst müssten wir sie wohl auf später verschieben. Auch hier wird Begeisterung laut, allerdings kein Vergleich zu der vorangegangenen bei den Burgern. Uuuuh, beim Schreiben kriege ich doch tatsächlich schon wieder Hunger!

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Dario und ich räumen auf, während im Wohnzimmer die Gespräche fortgesetzt werden.

Edwin sagt schon vor acht Uhr, dass es jetzt langsam Zeit für ihn sei, wieder nach Hause zu fahren. Wir erklären ihm, dass er aber wenigstens das Feuerwerk, das er uns ja geschenkt hat, mit uns zusammen erleben muss. Wir erklären auch, dass wir bereit sind es schon jetzt zu veranstalten, aber dass Mitternacht uns natürlich lieber wäre.

Leider haben wir vergessen Dinner for One zu besorgen, aber stattdessen fange ich an Fotos von unserer Reise zu zeigen. Das funktioniert in diesem Fall so: Ich zeige etwa fünf bis zehn Minuten lang Fotos und dann fällt Edwin wieder irgendein historisches Ereignis zu dem Thema ein und er redet 15 Minuten lang.

Auf die Art merkt er gar nicht, wie die Zeit vergeht und ist sehr verwundert, als es plötzlich schon kurz vor Mitternacht ist. Sogar überaus verwundert, denn sonst ist er um diese Zeit schon lange im Bett.

Jetzt können wir also doch den Übergang ins Neue Jahr ganz wie gewohnt begehen.

Der Sekt wird eingeschenkt und wir gehen mit unseren Gläsern nach draußen in die Kälte.

Dario passt ganz genau auf, wie spät es ist, doch wir sind schon wieder alle am Reden als er verkündet: „Zeit anzustoßen!“

 

Rutsch ins Neue Jahr
01.01.2018

„Happy New Year!“

Ich verteile Wunderkerzen und wir zünden sie an.
Anschließend zünden wir zwei römische Lichter.
Und dann die große Batterie.

Das Feuerwerk ist toll!
Eine wunderschöne Abfolge von bunten Lichtern und mein Lieblingsabschluss, der Funkenregen.

Wir bringen Edwin zu seinem Auto und genießen den leichten Schneefall.

Ich strecke die Zunge heraus und fange ein paar Flocken.
Dario leuchtet mit einer Taschenlampe in die Luft und bringt die Flöckchen zum glitzern und funkeln.

Wir winken Edwin hinterher, dann schnappen wir uns den Bob und laufen auf den Hügel hinterm Haus. Es ist ziemlich hell dank zunehmendem Mond.

Die erste Bobfahrt des Jahres!

Das nenne ich mal einen „Rutsch ins Neue Jahr“!

 

Nie genug vom Winter Wonderland

Maurice kommt uns alle zwei oder drei Tage mal besuchen. Manchmal basteln wir noch an der Bobbahn herum, ein andermal spielen wir Brettspiele.

Und natürlich gehen wir Schneemobil fahren.
Ab und zu sehen wir dabei Wild, etwa Rehe oder Kojoten.

Besonders spaßig wird es, als wir bei Maurice zuhause Ski finden, die Dario passen.
Danach zieht Maurice ihn mit dem Schneemobil über die Felder. Eine riesige Gaudi!

Selbst die Bobbahn ist vor Dario und seinen Ski nicht sicher, stellt sich aber als etwas zu eng heraus. Diese Fahrt macht er nur einmal.

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Wir spielen ja viel Skat, aber so witzig wie in dieser Zeit war es noch nie. Einmal endet Pino, der sonst häufig mit 100 bis 200 Punkten gewinnt, bei fast 1000 Minuspunkten.
Dario eifert ihm nach, landet aber nur bei -350.

Der absolut schönste Abend ist aber einer, an dem einfach ein Lacher den nächsten gibt, sodass Mama sich am Ende fast zu Tode lacht. Kein Witz, da Lachanfall und Verschlucken nicht die beste Kombination sind. Doch alles geht gut und wir lachen nun auch noch darüber.
Endergebnis an diesem Abend: Am meisten gelacht haben Mama, Dario und ich. Jeder von uns hat mehr als 200 Minuspunkte. Pino als zumeist derjenige, der alle anderen zum Lachen gebracht hat, gewinnt mit über 200 Pluspunkten.

An einem Tag wird es so warm, dass es regnet. Zum Glück erst gegen Abend, als wir gerade aus der Stadt zurückkommen, denn bald danach ist es bereits spiegelglatt.
Aber das kann uns jetzt ja egal sein: wir sind daheim und haben jede Menge Futtervorräte.

Ganz im Gegenteil: Wir freuen uns sogar! Denn so glatt war die Bobbahn noch nie.
Wir müssen etliche Kurven aufstocken, um nicht darüber hinaus zu schießen.

Danach schneit es zwar immer wieder, aber wir räumen jedes Mal die Bahn, sodass das Eis wieder frei liegt. Perfekte Bedingungen.

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Wir haben mittlerweile den Plan, ein Jonglage- und Poi-Video von der Reise zusammenzuschneiden.
Auf der Bobbahn drehen wir auch ein paar Szenen.
In die Filmbearbeitung arbeiten wir uns allerdings gerade erst ein, das dauert also noch eine Weile.

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Spaziergang auf dem See
10.01.2018

Der See ist jetzt wirklich dick genug zugefroren, um sich auf ihn zu wagen.
Allerdings halten wir uns trotzdem eher am Rand.

Wir sind nicht scharf darauf, mit dem kalten Wasser Bekanntschaft zu schließen.

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Ski-Ausflug
11.01.2018

Nachdem wir uns schon eine ganze Weile darüber Gedanken gemacht haben und unser Gepäck bereits seit ein paar Tagen bereit steht, tun wir es heute endlich: Wir stehen um 4:00 Uhr auf und fahren in das fast 300km entfernte Skigebiet.

Das letzte Stück des Weges in die Berge ist absolut zauberhaft.
Die Bäume sehen aus, als seien sie aus Zuckerguss. Kaum sieht man noch etwas grünes, alles ist sooooo weiß!
Gegen 10:00 Uhr erreichen wir den Parkplatz, leihen uns Ski und auf geht‘s.

Es ist unglaublich: Wir sind fast die einzigen auf der Piste!

Obwohl unter der Woche nur zwei Lifte aufhaben, gibt es jede Menge Pisten zu erkunden. Wir fahren wie im Traum durch eine Märchenwelt.
Von so etwas habe ich immer geträumt.
Da ist niemand hinter uns, in dessen Weg ich geraten könnte. Und niemand vor uns.
Oft fahren wir eine komplette Abfahrt ohne auch nur einem einzigen Menschen zu begegnen.
Die Sonne scheint und der Schnee glitzert, keine einzige Eisplatte erschwert die Fahrt. Der Schnee auf den Pisten ist griffig, und neben den Pisten ist schönster Tiefschnee, zum Teil noch völlig unberührt.

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Allerdings merken wir schnell die -25°C und den Wind. Beheizte Lifte gibt es natürlich nicht, da können zehn Minuten im Sessellift ganz schön lang werden.
Nach knapp drei Stunden spüre ich meine Fingerspitzen nicht mehr und wir machen Mittagspause vor dem Ofen der Gaststube.
Danach fahren wir bis zum Schluss, allerdings bleiben wir meist vor jeder Fahrt einige Minuten oben stehen und genießen andächtig die Aussicht.

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Müde und durchfroren, aber mit einem überglücklichen Lächeln auf den Lippen, fahren wir in die nahe gelegene Stadt und suchen uns ein Hotel.

Auf dem Weg in die Stadt sehen wir sogar endlich zwei Elche!

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Leider bleibt es bei diesem einen Tag, denn Dario hat sich eine Sehne gezerrt.
Am nächsten Tag geht es also wieder nach Hause.

Aber der Plan steht fest: Wir kommen wieder!


Eishockey
12.01.2017

Während wir beim Skifahren waren, hatten Mama und Pino Besuch von einem der Jungs.
Er hat die frohe Botschaft gebracht, dass der See endlich dick genug zugefroren ist, um Eishockey zu spielen, und heute ist es daher so weit: Aus der ganzen Umgebung kommen die Leute zusammen und spiele gemeinsam.

Wir fahren auch zum See, um etwas zuzuschauen.

So viele Leute habe ich hier noch nie auf einem Haufen gesehen!
Wir können uns gar nicht alle Namen merken.

Es stellt sich heraus, dass das Eis ganz schön hubbelig ist, von dem Regen vor einiger Zeit. Daher haben nicht alle Spieler Schlittschuhe an.
Was uns wiederum die unerwartete Möglichkeit gibt, mitzuspielen.

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Und wir schlagen uns gar nicht schlecht. Vor allem Dario, der als Kind manchmal Eishockey gespielt hat, legt ordentlich los und schießt etliche Tore.

Ich erinnere mich kaum noch an die wenigen Hockeystunden in der Schulturnhalle, aber zum Glück gibt es hier kaum Regeln, also kloppe ich einfach mit dem Schläger dem Puck hinterher, und das klappt irgendwie auch.

Bald verstehen wir, warum Maurice trotz -12°C im T-Shirt spielt.


Letzte Tage

Die letzten Tage verbringen wir sehr gemütlich mit unseren gewohnten Beschäftigungen wie Bobfahren, mit Schneemobil und Skiern die Umgebung unsicher machen, Spiele spielen, Spazieren gehen, Freunde besuchen und natürlich gut kochen und essen.

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Langsam macht sich das bekannte Reisekribbeln bemerkbar.

Wir überlegen, ob wir mit dem Taxi oder dem Zug vom Flughafen in Mexico City zum Hotel fahren und sprechen durch, wie wir uns im Falle eines Überfalls zu verhalten haben.
Wir haben so einiges von unseren Freunden in Sydney gehört, von denen einige aus Mexiko und Südamerika stammen oder schon dort waren.
Besonders eingeprägt hat sich die Warnung, dass viele Überfälle unter Drogen durchgeführt werden, weil die „Bösewichte“ so etwas sonst gar nicht tun würden. Aber sie müssen stehlen um zu überleben, also nehmen sie Drogen, um die Hemmschwelle zu senken.
Das große Problem: Geht etwas schief, wehrt sich zum Beispiel das Opfer, so reagieren diese unter Drogen stehenden Diebe oft unvorhersehbar und es gibt schnell Tote.
Fazit: Einfach alles rausrücken.

Wir hoffen natürlich sehr, so etwas nie zu erleben.
Aber so unangenehm es auch ist, man spricht es besser mal durch.

Auch entscheiden wir, Daniela (eine Freundin aus Sydney, LAVA-Architects) nicht in ihrer Studienstadt zu besuchen, da das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für diesen Ort ausgesprochen hat. Und an diese Warnungen halten wir uns wenn irgend möglich.

Natürlich freuen wir uns auch auf all das Neue, das uns bald erwartet.
Allerdings fällt es wirklich schwer, diese weiße, idyllische Zauberwelt zu verlassen.

Ganz fest nehmen wir uns vor, so bald wie möglich wieder herzukommen.

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Tipps und Tricks für Sydney

Wer sich tatsächlich für´s Arbeiten oder Reisen in Sydney entscheidet, kann einiges sparen, wenn er weiß wie.

Hier unsere besten Tipps:

1. Die Flughafen-Falle

Die Flughafen-Falle ist ein weit verbreitetes Phänomen: Der öffentliche Nahverkehr kostet ein vielfaches vom normalen Preis, wenn man an einer Flughafen-Haltestelle ein oder aussteigt.
In Sydney sind allerdings nur die Züge das Problem. Das Ein- oder Aussteigen am Flughafen kostet
13,80$ (Quelle: Airportlink). Dazu kommt dann der normale Fahrpreis (in die Innenstadt bis zu 4$, in der Regel aber weniger).

Lösung A: Wer faul oder mit mehreren Personen unterwegs ist nimmt einfach einen UBER. Der kostet in die Innenstadt etwas 30$ und bringt einen bis vor die Tür.

Lösung B: Ganz schlaue Sparfüchse nehmen einen Bus vom Flughafen bis zur Haltestelle “Mascot” und steigen dort in den Zug um. So kommt man für ca. 3-4$ zu jedem Ziel in der Innenstadt.
Lest dazu aber unbedingt Punkt zwei, denn der erklärt das System des Nahverkehrs.

 

2. Öffentlicher Nahverkehr leicht gemacht

Step 1: Man kauft eine sogenannte “Opal Card”.
            Sie ist Voraussetzung um den öffentlichen Nahverkehr (Bahn, Bus und einige Fähren) nutzen zu können.
            Opal Cards an sich sind kostenlos, man muss sie aber mit mindestens 10$ Guthaben aufladen.
            Erhältlich sind sie am Flughafen, an Tankstellen und allen möglichen Läden (von Woolworth bis hin zu kleinen Einzelhandeln). 

Step 2: Man benutzt Google Maps um Fahrten zu finden. Das funktioniert wunderbar. Eine spezielle App für Sydney ist nicht notwendig.
             Aber ACHTUNG: Die Verbindung Bus-Bahn vom Flughafen in die Stadt und umgekehrt, kann man hier nicht finden.
             Man darf also nicht die ganze Strecke eingeben, sondern muss erst die Zeiten für den Zug nachschauen und dann für den Bus zwischen Mascot und dem Flughafen.

Was kostet die Fahrt?
Das ist eine etwas komplizierte Frage in Sydney.
Denn die Preise für eine Fahrt richten sich z.B. nicht nur nach Zonen, sondern auch nach Tageszeiten.
Zur Hauptverkehrszeit sind die Preise höher. Zumindest wurde es mir so erklärt.
Nicht vergessen: Man muss auch beim Aussteigen die Karte an´s Gerät halten, sonst wird der Preis bis zur Endstation abgebucht!

Grundsätzlich kosten Fahrten in der Stadt selten mehr als 4$. Im Zentrum sind es in der Regel etwas über 2$.

Das Tages-Maximum liegt aktuell bei 15,40$ (Fahrten vom und zum Flughafen stellen eine Ausnahme dar).


!!! Der 2,60$ Sonntag !!!
Sonntags kann man für 2.60$ den ganzen Tag, soweit man will, mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren.
Da bietet sich zum Beispiel ein Ausflug in die Blue Mountains oder sogar nach Newcastle an.
Oder etwas näher, nach Manly, denn die Fährfahrt zwischen Circular Point und Manly ist die schönste, die Sydney zu bieten hat (natürlich darf man nicht die Fast Ferry nehmen, sonst wird´s teuer).

Aktuelle Preise und Informationen findet man unter www.transportnsw.au.

 

3. Teuer oder kostenlos

In Sydney ist fast alles entweder teuer oder kostenlos.

Auf Seiten wie Eventbrite, Groupon, etc. finden sich haufenweise kostenlose Veranstaltungen.

Einige Museen, wie z.B. das Maritime Museum und die Art Gallery of New South Wales sind ebenfalls kostenlos.

Und ich weiß zwar nicht, wie es bei anderen Metiers aussieht, aber wir waren auf etlichen Architekturveranstaltungen mit kostenlosem Essen, Wein und Sekt.

 

4. Für Kino-Fans

Besorgt euch im EventCinema sofort die Cinebuzz-Card. Jede Woche gibt es einen Film, den man für wirklich günstige 10$ anschauen kann.
Wer also etwas warten kann und nicht jeden Film gleich nach dem Erscheinen sehen muss, kann damit wirklich Freude haben.
 

 

 

Arbeiten in Sydney – meine Meinung

 

Arbeiten in Sydney – Meine Meinung

Für die faulen Wenig-Leser: Es ist nicht so einfach und einträglich, wie man vielleicht denkt.
Selbst wenn das Gehalt hoch ist, die Lebenshaltungskosten sind es auch.
Und ein Leben weit weg von zuhause ist zudem auch nur ein Leben. Dem einen gefällt´s, dem anderen nicht.
Wir haben alle paar Wochen heulende Backpacker gesehen. Meist im Bus und wir sind nicht mal viel gefahren.
Auch wir waren immer wieder mal frustriert, hatten aber insgesamt eine gute Zeit und sind mit einem annehmbaren Plus fortgegangen.

Wir planen nie wieder nach Australien zu reisen, denn von allen Reiseländern können wir ihm am wenigsten abgewinnen.
Trotzdem könnten wir uns vorstellen, nochmal in Sydney zu leben, denn die kulturelle Vielfalt, das nahe Meer und all die Parks haben es uns angetan.
Wir haben sie aber auch zur Genüge genossen und hoffen wo anders glücklich zu werden.

 


Bevor wir entschieden in Australien zu arbeiten, hatten wir schon einige Backpacker getroffen, die in Australien gearbeitet hatten.

Und jeder hatte eine etwas andere Meinung zu seinem Aufenthalt.

Da gab es den Lehrer, der zugab, dass man ganz gut verdienen könne. Allerdings müsse man, um zu sparen, eben auch sehr sparsam leben.

Dann ein Paar, das nach der Schule losgezogen und sehr frustriert war. Sie hatten ein Jahr hauptsächlich als Erntehelfer gearbeitet, um überhaupt das Visum bezahlen und weiterreisen zu können.

Ein junger Mann hingegen war hochzufrieden mit sich und der Welt, weil er ganz ohne Ausbildung den einen oder anderen richtig gut bezahlten Job bekommen hatte.
Teilweise allerdings nur dank Lügen, etwa dass er die großen Feldmaschinen fahren könne.

Für uns war Australien einfach günstig, weil wir in Neuseeland entschieden, dass wir wirklich wieder arbeiten wollten und als nächstes Australien anstand.
Außerdem lag es auch gut, um von Indonesien dorthin zurück zu kehren.

Sydney – eine Liebestragödie

Uns ging es so wie vermutlich vielen. Wenn man an Australien denkt, kommen einem sofort drei Orte in den Sinn: Sydney, Uluru, Great Barrier Reef.
Bei genauerer Betrachtung ist davon nur einer ein Ort zum leben.

Wo will man also hin? Klar, nach Sydney.
Alle lieben Sydney.

Das Problem: Das wollen viele.

Zwar muss ich sagen, dass Sydney diese Aufmerksamkeit tatsächlich verdient hat, denn sie ist eine wundervolle Stadt, doch die Lebenshaltungskosten sind dadurch unerträglich hoch.
Und machen vielen das Leben schwer.

Mietpreise und Zimmersuche

In Sydney wird die Miete meist pro Person, statt pro Zimmer berechnet.

Unterkünfte, die für Backpacker infrage kommen, liegen pro Person meist zwischen 600$ und 1500$ pro Monat (das entspricht ca. 385 bis 963 Euro).
Allerdings muss man bei der Suche aufpassen, denn was für uns Deutschen anfangs etwas irritierend sein kann ist, dass die Miete stets pro Woche angegeben wird.
Getrickst wird zudem gerne, indem die Nebenkosten erst im Beschreibungstext ersichtlich werden, statt unter “Nebenkosten” auch als solche eingetragen zu sein.

Wer ein nettes Zimmer haben will, muss es meist mit jemandem teilen.
Und auch das muss man erst mal finden!

Wir kamen in der Nebensaison an und hatten uns schon Wochen vorher auf Flatmates registriert und begonnen, Anfragen zu senden.

Die einzige positive Antwort, die wir bekamen, war mit großer Sicherheit von einem Betrüger.
Ein angeblich chinesischer Geschäftsmann, suchte nach jemandem, der seine 3 Zimmer Wohnung in “The Rocks” (einer der besten Gegenden Sydneys) hüten sollte.
Nach einigem Hin und Her war ich ziemlich sicher, dass seine Antwortschreiben vorgefertigt waren, denn sie hätten stets nicht nur auf uns als Paar, sondern ebenso auf eine einzelne Person wie auch eine ganze Familie gepasst. Und dann kam der Hammer: Er wollte 2.000$ Kaution im Voraus.
Mit der Behauptung, er würde Unterlagen und Schlüssel losschicken, sobald das Geld bei ihm eingegangen sei.

Als ich die Anzeige von Flatmates überprüfen lassen wollte, fand ich heraus, dass sie schon gar nicht mehr existierte. Ab da schrieben wir nur noch über die Flatmates-Seite mit möglichen Vermietern bis wir deren Telefonnummern bekamen, aber nicht nochmal per Email.

Und als wir dann vor Ort waren, war es auch noch ein Kampf.
Natürlich wurde er dadurch erschwert, dass wir recht zentral wohnen wollten, um es Dario zu ermöglichen, auch nach langen Arbeitstagen schnell zuhause zu sein.

Mehrere Termine, die wir schon ausgemacht hatten, wurden kurz darauf wieder abgesagt.
Und wir wollten auch nicht wochenlang im Backpackers wohnen. Bezahlbar waren hier nämlich nur Zimmer mit 6 – 30 Betten!
(um die 21$ pro Person im 30er Schlafsaal)

Eine Annonce wurde als Betrugsversuch entfernt, kurz nachdem wir begonnen hatten, mit der “Vermieterin” zu schreiben.

Ein Zimmer in Surry Hills, das für uns gemeinsam 1.120$ pro Monat gekostet hätte und sich nach einem echten Schnäppchen anhörte, war so schrecklich, dass wir auf dem Absatz kehrt machten.
Die Küche war dunkel, der Kühlschrank halb zerfallen. Alles triefte vor Schmutz und Fett. Das einzige Bad war draußen und nach dessen Anblick hätte man die Küche beinahe loben wollen.
Alle Zimmer befanden sich im ersten Stock, die Möblierung war entweder schon sehr lange hier oder vom Sperrmüll. Vielleicht sogar beides.
Die Besichtigung wurde von einem Agenten geführt. Der einzige potentielle Mitbewohner, den wir sahen, würdigte uns nicht mal eines Blickes.
Wir waren uns sofort einig, dass wir einen Platz unter einer hübschen Brück bevorzugen würden.
In meinen Notizen schrieb ich damals: “Da war Harry Potters Besenkammer ja noch eher ein Zuhause!”

Dank intensiver Bemühungen, bekamen wir schon am zweiten Tag nach unserer Ankunft eine Zusage. Allerdings für ein Zimmer, in das wir erst eine Woche später einziehen konnten.
Und zu dessen Mietpreis
von 1.400$ pro Monat noch Stromkosten hinzukamen, die in der Annonce überhaupt nicht erwähnt waren.
Wegen des Winters und schlechter Hausisolierung, die permanent laufende Heizlüfter zur Folge hatten, waren das letztendlich nochmal
fast 500$.

Für fünf Monate, für zwei Personen, für ein 14m2 großes, möbliertes Zimmer nahe Oxford-Street, in einer dreier-WG haben wir also 7.500$ bezahlt.

Und das war ein verdammt guter Preis.

Lebenshaltungskosten insgesamt

Die sind einfach hoch.
Wir schätzen sie auf etwa 50$ pro Person, pro Tag.
Bei uns setzt sich das so zusammen: Günstige Miete (25$ Tag/Person), sehr günstiges Essen (20$ Tag/Person) und ab und zu mal was nettes unternehmen (5$ Tag/Person).
Wer öfter mal abends was trinkt oder gar raucht, wird diesen Rahmen aber schnell sprengen.

 

 

Jobs…

Da wir stets um des Arbeiten willens und der Erfahrung wegen arbeiten wollen, stand für uns fest, dass wir nur Jobs in unseren Metiers annehmen würden.
Und nur im absoluten Notfall hätte ich noch zusätzlich einen Job als Kellnerin angenommen. Mit dem Hintergedanken, etwas mehr von Dario´s Restaurant-Welt kennen zu lernen.

…für Backpacker

Die Gehalte für typische Backpacker-Arbeiten und auch andere Jobs findet ihr zum Beispiel auf dieser Seite.
An alle Planenden: Fragt euch aber bitte rechtzeitig, ob ihr wirklich Lebenszeit damit verbringen wollt, auf Sydneys Straßen rumzustehen und den Verkehr umzuleiten.

Ich will damit nicht sagen, dass es keine interessanten Jobs für ungelernte Backpacker gibt, aber sie sind sicher nicht die Regel.

Vielmehr frage ich mich wie es sein kann, dass in Australien Backpacker das sind, was bei uns Polen und Rumänen sind: Billige Arbeitskräfte.
Die einzige Antwort, die ich dafür gefunden habe lautet: Gutes Marketing.

Denn darin scheinen mir Australien und Neuseeland Meister zu sein.
Zuhauf strömen die Backpacker heran und bezahlen dabei noch gutes Geld für Flüge und Visa.

…für gelernte Fachkräfte

Da kommt es natürlich ganz darauf an, was man gelernt oder studiert hat. Und wie hold einem das Glück ist.

Wer schon mit einer Arbeitsplatzzusage ankommt, ist natürlich am besten dran. Dabei sollte man aber aufpassen, dass man sich nicht unter seinem (australischen) Wert verkauft.
Für uns hören sich Dollar-Gehalte schnell nach sehr viel an, aber im Moment ist 1$ = 0,64 Euro.

Viele junge Leute kommen aber nach Australien und finden überhaupt keine Arbeit in ihrem Beruf.

So ging es zum Beispiel unseren spanischen Mitbewohnern, deren Freunden und auch vielen anderen, die wir getroffen haben.
Sie arbeiten dann stattdessen in der Gastronomie. Meist als Bedienung.

…in unserem Fall

Auch für uns war es nicht so einfach, wie wir dachten.

Ein australischer “Graduate Architekt” verdient normalerweise 4.500$ pro Monat. Aber für Ausländer sieht die Sache in Sydney etwas anders aus, wie mir meine Kollegen erklärt haben.
Einer von ihnen, ein Spanier, hat als er damals nach Australien kam erst mal so ziemlich alle Büros Sydneys abgeklappert, bis er endlich einen Job bekam.

Melbourne ist für Designer und Architekten angeblich besser, aber das habe ich natürlich nur gehört.

Meine Entscheidung war eine Zugunsten des Stils. Denn ich wollte unbedingt für eine Büro arbeiten, das nicht die quadratisch-praktisch-gut-Theorie vertritt.
Ich hatte nämlich noch eine weitere Zusage, aber die Architektur des Büros gefiel mir überhaupt nicht.
LAVA lebt als Wettbewerbsbüro aber leider auch von billigen Arbeitskräften und so war mein Gehalt dort nicht so rosig.
 

Und Dario hatte es auch nicht ganz leicht, denn er wollte natürlich in der gehobenen Gastronomie arbeiten.
Seine Probetage bei einigen der besten Restaurants Sydneys verliefen auch durchweg sehr positi
v, doch dann stellte sich stets heraus, dass denen fünf Monate als zu kurz erschienen.

Es dauerte gut einen Monat, bis er einen festen Job hatte, der ihm wenigstens einigermaßen gefiel.
Denn vertrauensselig sagte er nach einem
Probetag mit positiver Rückmeldung keinen anderen Restaurants mehr Probetage zu.
Bis dann jedes Mal die große Enttäuschung kam.  

Seinen tollen Job als Postenchef bei Felix bekam er dann, weil irgendwie gar nicht über die Dauer geredet wurde – vielleicht vergessen?

 

Unsere (Spar)tipps findet ihr hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Probleme mit Hertz – Auto mieten in Australien

Probleme mit Hertz

Bei unserer Reise zum Uluru ist uns folgendes passiert:

Wir haben ein kleines Auto über Hertz im Internet gebucht. Für 233,02$, ohne Versicherung.
Die Vollversicherung stand auf unserer Buchung als mögliches Extra für 29,09$ (exklusive Steuern).

Als wir am Flughafen beim Uluru landeten und cash bezahlen wollten, kam dann der Schock:
1. Man konnte nicht cash bezahlen und die notwendige Kartenzahlung war mit einer Gebühr verbunden
2. Noch viel schlimmer war: Der Wagen kostete plötzlich 580,81$. Für drei Tage.

Wobei ich hinzufügen muss, dass der Typ am Schalter uns erst erklärte, unser gebuchter Wagen sei nicht mehr verfügbar und wir bekämen ein kostenloses Upgrade, bevor er uns die Rechnung auftischte.
Als ich geschockt war, quasselte er etwas von Steuern und “schenkte” er beschwichtigend jede Menge Extrakilometer.
Vermutlich ist übrigens auch das ein Trick, damit man vielleicht doch bis zum
Kings Canyon fährt, der dann aber noch mehr Kilometer verbraucht, als man geschenkt bekommen hat.

Da standen wir also. In der Mitte von Australien. Und brauchten dieses Auto.

Ich drehte schier durch und mir gingen natürlich alle Möglichen Ideen durch den Kopf, die bis hin zum per Anhalter fahren gingen.
Doch wie viel Sinn machen solch zeitintensive Vorgehen, wenn man für die Anreise und alle Faxen wahnsinnig viel Geld bezahlt hat und die Zeit so kurz bemessen ist? Keinen.

Das sah vor allem Dario so, der kurzentschlossen den Vertrag unterschrieb und bezahlte.

Dann gingen wir.

Unterwegs schaute ich mir unsere Unterlagen nochmal an und sah, wie geschickt die Internetseite aufgebaut ist.
Natürlich kann man nämlich auch online bezahlen. Bei anderen Websites würde man am Ende des Buchungsprozesses auf einen “Bezahlen”-Button drücken können.

Doch auf der australischen Hertz-Seite kriegt man einfach die Buchungsbestätigung, deren Ende so aussieht:

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Besonders interessant ist der letzte Satz dieses Ausschnittes “Amount to be paid at time of rent”.

Dann ließt man als gründlicher Mensch noch etwas weiter und stößt auf diesen Abschnitt:  

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Hier ist dieser Satz wichtig: “Pay later price is quoted based on cash payment and does not include credit card surcharge of 1,35% which will be applied on counter”.
Weiß man, wie die Sache ausgeht, versteht man ihn natürlich ganz anders als ich damals beim Buchen. Da dachte ich nämlich: Ach so, ja dann zahlen wir halt in Cash. 

Daran, wie man tatsächlich online bezahlen kann, erinnere ich mich schon gar nicht mehr.
Wer mit Hertz buchen will, sollte aber genau das unbedingt tun: Online bezahlen! Da kann einem dann nämlich nichts mehr verdreht werden. Hoffe ich zumindest.

Abends, als wir auf dem Parkplatz auf den Sonnenuntergang am Uluru warteten, formulierte ich sofort eine Beschwerde an Hertz und schickte sie ab.

Noch später, auf der Rückfahrt vom Field of Lights, trafen wir jemandem, dem das Gleiche passiert war.
Sie war vielleicht etwas älter als wir und hatte einen größeren Wagen gebucht, um damit in drei Tagen vom Uluru nach Alice Springs zu fahren.
Wegen der hohen Drop-Off-Gebühr (man gibt den Wagen an einem anderen Ort ab, als man ihn geliehen hat), hätte ihre Buchung eigentlich um die 500$ kosten sollen.
Jetzt verdoppelt diesen Preis ungefähr, dann wisst ihr, was sie tatsächlich bezahlt hat.

Von da an war ich sicher, dass irgendwas nicht stimmt.

Doch ich vermutete, dass wir keinen Cent zurück bekommen würden. Denn wir hatten ja den neuen Vertrag unterschrieben und damit auch der bezahlten Summe zugestimmt.

Um so überraschter und erfreuter war ich, als meine Beschwerde-Mail von Hertz mit einer Entschuldigung beantwortet wurde.
Außerdem hieß es darin, dass Hertz uns selbstverständlich die 203,44$, die wir zu viel bezahlt hätten, auf unser Konto zurück überweisen würde.

Woher diese Summe nun kam, leuchtete mir nicht ganz ein.
Aber erst mal war ich damit ja schon glücklich.

Trotzdem ließ ich mir eine neue Quittung schicken.
Tja, und bei der bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, was ich von ihr halten soll.
Denn eigentlich stehen die Steuern ja unten drunter, aber wie ist dann aus dem ursprünglichen Angebot (volle Versicherung ohne Steuern für 29,09$ pro Tag) diese Summe von 120$ für drei Tage entstanden?

Ausschnitt:
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Aber damit soll es nun gut sein, denn für alle, die das hier lesen ist nur wichtig: Lasst es nicht so weit kommen, bezahlt online!

 

 

 

Kunst am Meer

Art Walk
31.10.2017

Von einer Kollegin habe ich vom Art Walk nahe Bondi Beach erfahren, der jedes Jahr in Sydney stattfindet.

Und heute hat Dario frei und ich kann früher gehen. Perfekt.
Wir nehmen den Bus, der nur wenige Meter vom Büro entfernt abfährt.

Es ist eine geniale Idee, Kunst am Meer auszustellen.

Denn das Meer ist ja an sich schon eines der schönsten Dinge auf dieser Welt.

Mit jeder Tageszeit und jedem Wetter schafft es einen anderen, stimmungsvollen Hintergrund für die Werke.

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Uluru

Darios Traum wird wahr
20.10.2017

Nach gründlicher Überprüfung unserer Finanzen haben wir uns letztendlich entschlossen, Darios Traum zu verwirklichen.
Die Wahl, ob
Great Barrier Reef oder Uluru fiel ihm allerdings nicht leicht.
Beides ist unverhältnismäßig teuer und in meinen Augen zu touristisch.

Ich hätte gerne Adam und Rachel besucht, Jongleure, die wir während des Pirates Retreat in Indonesien kennen gelernt haben und die eine Zirkusschule im Town of 1770 führen.
Aber der Flug ist teuer und vom Flughafen sind es immer noch über hundert Kilometer zu den beiden.
Wir wollen ihnen nicht zumuten, uns abholen zu müssen und alles andere dauert zu lange.
Da ist ein Wochenende, selbst ein langes, einfach zu kurz.

Nach Cairns, wo wir ja bei unserem ersten Australienaufenthalt eigentlich ans Riff wollten, möchten wir auch nicht nochmal.
Vor allem, weil das Riff dort schon ziemlich malträtiert sein soll und wir seit Indonesien ja ziemlich verwöhnt sind, was die Unterwasserwelt angeht.

So ist unsere Wahl schließlich auf den Uluru gefallen.

 

Und heute geht es endlich los.

Wir haben uns beide vier Tage freigenommen. Freitag bis Montag gehören uns.
Alles ist gebucht: Flug, Mietauto, Campingplatz und Field of Light.

Als wir zur Bahnstation laufen, schüttet es in Strömen.
Zum ersten Mal seit Wochen ist schlechtes Wetter in Sydney und wir freuen uns wie verrückt, dass wir nicht zuhause rumhocken müssen.

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Gegen 13:00Uhr sehen wir aus dem Flugzeug die Olgas, eine große Felsformation, die nahe des Uluru liegt.
Der berühmte Fels selbst liegt leider auf der anderen Seite der Maschine.

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Kurz darauf erreichen wir Ayers Rock Airport (auch “Connellan Airport”).
“Ayers Rock” ist der Name, den die Kolonisten dem großen Felsen gegeben haben, die Aborigines verachten diesen Namen allerdings.

Beim Aussteigen weht uns warmer Wüstenwind ins Gesicht.
Wundervolles Wetter! Nicht zu heiß und nicht zu kalt.

Unser Gepäck tragen wir bei uns. Nur Handgepäck diesmal.
Mit unseren großen Rucksäcken wäre das natürlich nicht möglich.
Aber zum Glück haben wir damals im Backpackers einen kleineren Rucksack gefunden, den jemand ausrangiert und in einem der Zimmer hatte stehen lassen.
Und einen Koffer mit perfekten Handgepäck-Maßen hat uns unsere wundervolle Mitbewohnerin geliehen.

So sind wir gut ausgestattet, mit Isomatten, Schlafsäcken, Moskitonetz und eben dem Wichtigsten.

Betrogen von Hertz?

Am Hertz-Schalter folgt ein Schock.
Der Wagen, den wir über´s Internet gebucht haben, soll plötzlich fast doppelt so viel kosten wie erwartet.
Jetzt beträgt die Rechnung über 500$. Für drei Tage mit dem kleinsten zu mietenden Auto. 

Der Typ quasselt etwas von Steuern, aber das kann eigentlich nicht sein.

Außerdem war der Preis in cash angegeben und jetzt kann man gar nicht cash bezahlen und muss stattdessen per Karte zahlen.
Natürlich kostet das noch zusätzlich eine Gebühr.

Ich drehe fast durch, doch Dario regelt einfach alles und bezahlt.

Damit bin ich nicht wirklich glücklich, stimme ihm jedoch zu, dass wir sonst viel zu viel Zeit verlieren.
Und die ist hier tatsächlich viel wert. Zumindest wenn man danach rechnet, wie viel der Aufenthalt kostet.

Wie eine Drache schnaubend, werfe ich dem Hertz-Angestellten einen letzten, vernichtenden Blick zu, dann holen wir das Auto.

Wer wissen möchte, wie diese Sache ausging (denn sie war an dieser Stelle nicht zu Ende), kann die ganze Story HIER lesen.

Endlich angekommen

Wir fahren zum Campingplatz, der nur wenige Kilometer entfernt liegt.
Auf dem Weg dorthin kaufen wir im einzigen Supermarkt der Gegend ein. Zu unserer Freude gibt es frisches Brot und einiges an Belag. Wir werden überleben.
Zum Kochen sind wir diesmal nämlich nicht ausgerüstet.

Die Sache mit dem Auto drückt uns ganz schön auf´s Gemüt und es ist harte psychische Arbeit, sich zu sagen: “Wir werden sehen, was wir machen können, aber jetzt ist wieder alles in Ordnung. Wir sind hier, das ist toll, und wir werden schöne Tage haben”.  Und noch schwerer ist es, diesen Rat zu befolgen. Doch wir schaffen es.

Nach dem Einchecken am Campingplatz, suchen wir uns einen Aussichtspunkt und essen erst mal.

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Anschließend fahren wir zu einem großen Parkplatz, der extra angelegt ist, um den Touristen einen guten Blick zum Uluru während des Sonnenuntergangs zu gewähren, ohne dass sie die Straße verstopfen.
Auf einem zweiten halten die ganzen Tourenbusse.
Wir sind extrem früh dran, denn wir haben heute nichts anderes mehr vor und wollen einfach den Blick genießen.
 

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Während des Sonnenuntergangs sind insgesamt vielleicht 100 Leute auf unserem Parkplatz, aber sie verteilen sich ganz gut und es wirkt nicht voll.

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Field of Light – Missverständnis zu unseren Gunsten

Wieder auf dem Campingplatz duschen wir kurz, denn bald darauf geht schon der Shuttlebus zum Field of Light.

Er gabelt die Touristen von allen Unterkünften im Resort auf. Also von mehreren Hotels und dem Campingplatz.
Alle zusammen setzt er uns am Field of Light ab, wo wir sofort von einem Guide in Gewahrsam genommen werden.

Denn er muss uns erst ausführlich informieren, bevor wir alleine durch die magische Lichterwelt spazieren dürfen.

Das Field of Light ist eine Kunstinstallation von Künstler Bruce Munro. Er hat schon mehrere dieser farbenprächtigen Felder kreiert, das am Uluru ist aber das größte.
Das Kunstwerk besteht aus über 380km Fiberglaskabeln und 300.000 einzelnen Komponenten.

Die Installation bedeckt angeblich eine Fläche von mehr als 49.000m2 und d
ie LEDs werden ausschließlich mit Solarenergie betrieben, die von 36 Panels direkt vor Ort gewonnen wird.

So großartig dies aus ökologischer Sicht erscheint, so muss jedoch auch bedacht werden, dass das 15 Tonnen wiegende Kunstwerk vom 19.000km entfernten Studio des Künstlers zum Uluru gebracht werden musste.

Ein irrer Aufwand.
Aber das Ergebnis ist bezaubernd.

Uns wird eingeschärft, keinen Zentimeter vom Weg abzuweichen.
Einerseits wegen der Kabel, andererseits wegen all der giftigen Tiere, die angeblich von den Lichtern angezogen werden.

Der junge Guide ist allerdings gut drauf und meint munter, dass man sich keine Sorgen machen muss. Und verlaufen könne man sich ja auch nicht, selbst zum Resort gebe es schließlich nur einen einzigen Weg. Die Straße.

Wir fragen ihn, wann denn eigentlich die Lichter ausgehen.
Gegen 1:00Uhr nachts, lautet die Antwort.

Und wir seien lucky, denn heute sei Neumond und da sei das Feld am schönsten.
Das stimmt, denn das Feld sieht aus, als sei es unendlich. Als würden sich die Lichter in der Ferne verlieren.

Er scheint keine Bedenken zu haben, länger im Feld zu bleiben.

Wir warten, bis die anderen Besucher vorausgestürmt sind und machen uns dann gemütlich auf den Weg.
Wir haben ohnehin schon beschlossen, so lange wie möglich zu bleiben.

Die meisten nehmen gleich den ersten Bus zurück zum Ort, jeder hat für morgen vermutlich schon viel geplant.
Schließlich beobachten wir, wie die letzten gehen.

Ein letzter Guide wandert noch an uns vorbei, spricht uns jedoch nicht an.
Es scheint tatsächlich in Ordnung zu sein, dass wir bleiben. 

Jetzt haben wir das Feld ganz für uns allein.

Keine Blitzlichter stören mehr die Szene.
Eine wunderbare Stille senkt sich über uns und wir können uns gar nicht satt sehen an den langsam, wie ein Herzschlag pulsierenden Lichtern.

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Doch eine viertel Stunde später wird der Frieden prompt gestört.
Eine Frau tut lauthals kund, dass sie uns sucht.

Wir gehen ihr entgegen und fragen, was denn los sei.
Da stellt sich heraus, dass unser netter Guide noch ganz neu ist und sich nicht präzise ausgedrückt hat.

Niemand darf länger im Feld bleiben und ein ganzer Bus voll Leute wartet auf uns.

Ach du Sch****!

Das war natürlich nicht unsere Absicht.
Wir entschuldigen uns sehr.

Im Bus erwarten uns Gelächter und Geschichten von anderen, die sich sogar tatsächlich im Feld verirrt haben.
Der kleine Junge neben mir erzählt nur zu gerne, dass er sich mit seiner verlaufen habe und von einem Guide zum Bus gebracht worden sei.

So leid es uns tut, dass alle auf gewartet haben, können wir doch nicht umhin, uns insgeheim zu freuen.
Denn die letzten 15 Minuten, ganz alleine im Feld, waren mit Abstand die schönsten.

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Herausforderung: Moskitonetz statt Zelt

Wir haben es gewagt und sind nur mit unserem Moskitonetz ausgerüstet. Kein Zelt.
Das winzige Auto ist natürlich die Notlösung. Aber keine sehr attraktive.

Doch das Wetter ist ja wie erwartet gut, jetzt müssen wir nur noch eine Stelle auf dem Campingplatz finden, wo wir es aufhängen können.

Leichter gesagt als getan, denn alle Stellen zwischen Bäumen sind wegen des begehrten Schattens schon belegt.
Das Auto muss daher als Halt für zwei der Schnüre dienen, die andere Seite trägt ein dürres Bäumchen.

Passt perfekt.

Beim Duschen waschen wir auch gleich unsere T-Shirts, Unterhosen und Socken, denn wir haben jeder nur zwei Sets dabei.
Übermorgen müssen wir wieder die selben wie heute tragen.

Das Moskitonetz stellt sich als eine feine Sache heraus, denn es bietet etwas Schutz, lässt aber doch den Blick in den Sternenhimmel zu.
Wobei wir tatsächlich schon schönere gesehen haben. Hier auf dem Campingplatz ist der Lichtersmog zu groß.
Richtig im Outback ist man da vermutlich wesentlich besser dran.

Klar, wir sind hier quasi mitten im Nirgendwo, oder eben in der Mitte von Australien um genau zu sein.
Aber es ist eben ein ziemlich touristisches Nirgendwo.
Und vor allem eines voller Regeln.
Wildcampen verboten.
Der Nationalpark schließt um 20:00Uhr.
Nicht auf den Felsen rumklettern, sie sind heilig.

Und so weiter.

 

Einmal rund herum
21.10.2017

Gestern Abend waren wir noch hoch motiviert vor Sonnenaufgang wieder aufzustehen.
Heute sieht die Sache anders aus. Wir haben frei, wir schlafen aus.

Erst als er langsam warm wird und ein Schwarm schreiender Papageien über uns hinwegfliegt, schälen wir uns aus den Schlafsäcken. 

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Wir fahren in den Nationalpark und suchen uns ein schönes Plätzchen zum Frühstücken.

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Bevor wir unseren großen Spaziergang um den Uluru starten, besuchen wir das kulturelle Zentrum und lesen die Geschichte dieses Ortes.

Für die Aborigines sind der Uluru und auch viele andere Orte heilig.
Sie haben mythische Geschichten zu vielen Stellen rund um den Uluru.
Besonders wichtig ist natürlich das Leben spendende Wasserloch.

Allerdings ist Dario ziemlich enttäuscht, dass die Aborigines ihre Kultur nur so bruchstückhaft teilen.
Er würde gerne mehr über ihre Mythologie und Riten erfahren.

Dieser ganze Ort ist etwas befremdlich.
Das Land gehört wieder den
Aborigines, doch die große Kohle scheinen immer noch die Einwanderer damit zu machen.

Irgendwie eh irre, dass dieser große Fels, der wohl eigentlich die Spitze eines Berges ist, so gut vermarktet wird, dass die Menschen aus aller Welt herbeiströmen, um ihn zu sehen.
Und dafür sehr, sehr viel Geld bezahlen. Und große Mengen Kerosin verbrauchen. Denn man muss ja nicht nur selbst herfahren oder -fliegen, sondern alle das Wasser und die Lebensmittel müssen auch irgendwie an diesen einsamen Ort gelangen!

Ich bin schon immer eher skeptisch gewesen, was den Uluru angeht.
Als ich noch in der Schule war, haben wir im Englischunterricht mal einen ziemlich negativen Artikel über den Tourismus hier gelesen.
Daher lag mir nie viel daran herzukommen.

Dario dagegen hat tolle Reportagen gesehen, die den Uluru als eines der Wunder der Welt priesen.
Als mythischen Ort voller Kraft.

Aber wer hat nun Recht?

Die Antwort liegt natürlich auf der Hand: Keiner und beide.

Die Art, wie mit diesem Ort umgegangen wird, ist sehr fragwürdig.
Aber der Ort an sich ist fantastisch.

Das wird uns bei unserer Wanderung um den Uluru klar. Denn der Fels ist, für einen ziemlich kahlen Felsen, unglaublich abwechslungsreich.
Hinter jeder Biegung des Weges erwartet einen wieder ein neuer Anblick.

Gerne würden wir auch den steilen Pfad emporsteigen, der als einziger Weg auf den Uluru manchmal für Touristen freigegeben ist.
Doch heute ist kein solcher Tag. Der Wind ist zu stark.
Ein Gutes hat es aber: Ich komme in kein moralisches Dilemma, denn eigentlich möchten die
Aborigines nicht, dass man klettern geht.

Falls es morgen weniger windet, können wir ja nochmal drüber nachdenken.

Heute genießen wir einfach die 10km um den Uluru mit all seinen Facetten.

Ich bin schwer beeindruckt, denn erwartet hatte ich von diesem “großen Steinchen”, wie ich ihn gern nenne, nicht besonders viel.

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Wir machen langsam und verweilen immer wieder.

Außerdem verknackst Dario sich ein wenig den Fuß, was uns erst recht zur Gemütlichkeit zwingt.

Aber langsam ist schön. Wir halten ein Nickerchen an einem schattigen Platz, meditieren am Fuße des Felsen und legen etliche Pausen ein, in denen wir von unserem Brot futtern.
Bei einer solchen Pause treffen wir auch einen netten jungen Mann, der auch Deutscher ist und einen Teil seines praktischen Studiensemesters (Medizin) in Sydney absolviert.
Im Gegensatz zu uns hat er eine Tour gebucht und ist damit sehr zufrieden. Für uns wird aber schnell klar, dass wir für uns genau die richtige Entscheidung getroffen haben.

Er muss sich bald wieder auf den Weg machen, um seine Gruppe einzuholen und den Bus nicht zu verpassen.
Wir bleiben einfach sitzen so lange wir wollen.

Die meiste Zeit sind wir weit und breit die einzigen Spaziergänger.
So gefällt es uns gut.

Wir erfinden zum Spaß unsere eigenen Mythologien zu dem Ort. Von kämpfenden Riesen, versteinerten Körpern und ewigen Mahnmalen.
Findet ihr das Foto, das die Stelle zeigt, an der dem Riesen das Herz herausgerissen wurde?

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Zum Sonnenuntergang fahren wir diesmal zu einem Parkplatz, der eigentlich für den Sonnenaufgang gedacht ist.

Hier ist fast nichts los.

Das Farbspiel ist zwar lange nicht so schön, wie von dem anderen Parkplatz gesehen, aber dafür kann man den Uluru und die Olgas sehen.
Die Sonne geht links von ihnen unter und erschafft ein sehr schönes Gesamtbild.

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Die Olgas
22.10.2017

Wir schlafen wieder aus.

Dann kaufen wir ein und fahren zu den Olgas. Es windet nämlich immer noch und das Besteigen des Uluru kommt nicht infrage.

Das Frühstück genießen wir ganz allein an einem Aussichtspunkt.

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Dank des Windes ist es nicht zu heiß zum Wandern und wir machen die große Runde durch die Olgas.
Ein schöner Wanderweg, aber wir kriegen uns dann ganz schön in die Haare darüber, ob wir die heiligen Felsen erklettern sollten oder nicht.
Letztendlich klettern wir nicht. Bereuen es aber später, denn der Ausblick wäre sicherlich gigantisch gewesen.
Und wir hätten ja niemandem damit geschadet. Wir hinterlassen schließlich keinen Müll in der Natur und nehmen immer Rücksicht.
Aber es ist zu spät. Und wir planen nicht, noch einmal herzukommen.

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Lange trauern wir der Gelegenheit aber nicht hinterher.
Wir suchen uns einen schönen Ort an einem anderen Wanderweg und spielen dort Poi bis zum Sonnenuntergang.

Wieder sind wir ganz alleine.
Und sehr zufrieden.

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Das Wochenende war wunderschön.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Royal Nationalpark

Ganz spontan
08.10.2017

Über Eventbrite haben wir ein Event des Royal Nationalpark gefunden.
Kostenlose Shuttlebusse holen einen von einem Bahnhof ab und bringen einen in den Nationalpark.

Was da genau stattfindet? Keine Ahnung.

Wir fahren einfach spontan hin.

Es stellt sich heraus, dass die Veranstaltung irgendwas mit dem Erhalt des Nationalparks zu tun hat, was wir natürlich gut finden.
Wir spazieren ein wenig auf dem vollen Festgelände herum.

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Wir testen die VR-Brillen, die hier dazu genutzt werden, den Zuschauer an einer virtuellen Führung teilnehmen zu lassen.
Aborigines erzählen Geschichten zu Sydney.

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An einem kleinen Stand mit Tieren bekomme ich endlich einen wachen Koala zu sehen.
Damit hatte ich schon gar nicht mehr gerechnet.

In Slow Motion greift der Koala nach einem Blatt, reißt es langsam ab, führt es zur Nase, schnuppert, stopft es sich in den Mund und beginnt unendlich langsam zu kauen. Lange.  

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Ein paar Stände mit Bumerangs und anderen handgeschnitzten Aborigines-Werken schauen wir uns noch an.
Eigentlich sind wir ja zum Wandern hergekommen.

Ein blick auf Maps.Me verrät uns, dass es 15km zu einer Fähre sind, mit der wir wiederum zu einer Bahnstation gelangen und zurück in die Stadt fahren könnten.
Leider haben wir keinen Empfang und so können wir nicht herausfinden, wann denn die letzte Fähre heute geht.

Weltreise-optimistisch wie wir sind, laufen wir trotzdem einfach los.

Wir begegnen auf den verwachsenen Pfaden kaum Leuten, sind aber offenbar nicht die ersten, die diesen Weg heute einschlagen, denn kein einziger Spinnfaden stört unser Vorankommen.
Es wundervoll still.

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Wir kommen an ein paar kleinen Wasserfällen vorbei. Es hat lange nicht geregnet, das sieht man ihnen an.
Wobei es heute noch dazu kommen könnte. Der Himmel ist bewölkt. Sehr angenehm und vor allem gut für unsere Haut.
Denn bekanntlich hat es die australische Sonne ganz schön in sich.

Später gibt es einige Stellen, von denen aus wir im Dunst die Skyline erkennen können.

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Als wir schließlich wieder Empfang haben, sind es noch gute 5km bis zur Fähre.
Und die letzte, so stellt sich heraus, fährt in 40 Minuten.
Weil Sonntag ist, denn sonst würden noch mehr gehen.

Google Maps geht nicht davon aus, dass wir das schaffen und zeigt von unserem jetzigen Standpunkt aus erst wieder Fahrten für morgen an.

Das sehen wir aber anders!

Denn wir müssen morgen beide arbeiten und werden sicher kein Geld für einen UBER ausgeben, der von hier vermutlich über 100$ kosten würde.
Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht schaffen.

Die meiste Zeit joggen wir, aber es macht sich bemerkbar, dass ich schon seit ein paar Monaten wieder die meiste Zeit vorm Computer im Büro verbringe.
Ganz schön aus der Puste muss ich ab und zu doch langsamer machen.

Aber wir schaffen es. Sogar recht gut, denn die Fähre ist nicht sehr pünktlich und bis alle an Bord sind dauert auch.

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Hoch zufrieden und dank des vielen Sports sehr glücklich, genießen wir die Überfahrt.

Was für ein Tag. Das hat wirklich Spaß gemacht!

 

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Taronga Zoo

Einer der schönsten Zoos
09.09.2017

Wieder ein Tag, um einen Plan umzusetzen, den wir schon länger gefasst haben: Wir wollen endlich den viel gepriesenen Zoo besuchen.

Wir lieben es, all die Tiere ganz aus der Nähe und in aller Ruhe zu betrachten.
Die Zeit zu haben, sie sogar zu zeichnen.

In Sydney erreicht man den Zoo am besten mit der Fähre.

Ich nutze die Fahrt, um meinem neuen Hobby nachzugehen: Schnellskizzieren.
Immer, wenn ich auf einer Fähre
bin, zücke ich Block und Stift und lege los. Zeichne was ich sehe, so schnell ich kann.
Es bereitet mir großen Spaß und manchmal bin ich sogar recht zufrieden.

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Vom Anleger läuft man hinüber zu einer Seilbahnstation und fährt in einer Gondel hinauf zum Eingang des Zoos.
Das Tolle: die Seilbahn führt über die Gehege.

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In unserer Gondel sitz auch ein älteres Paar mit seinen zwei Enkeltöchtern.
Die zwei kleine Mädchen fangen an
zu singen, als sich unsere Kabine in Bewegung setzt.

Auf dem Programmzettel, den wir uns am Eingang holen, sehen wir, dass gleich die Seerobbenshow beginnt.

Vor dem Eingang der Show wird klar, wer heute hauptsächlich im Zoo unterwegs ist: Eltern mit kleinen Kindern.

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Die Show ist schön.
Für Dario ist es erst die zweite dieser Art und er ist wieder begeistert.

Danach spazieren wir eine Weile herum, fotografieren und zeichnen. Der Zoo ist wirklich ausgesprochen schön angelegt.

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Bald steht schon die Vogel-Show an und diesmal sind wir absolut hin und weg.
Sie ist fantastisch!
Mit Abstand die schönste, die ich je gesehen habe.

Schon allein das Panorama, das Meer mit der Skyline im Hintergrund, ist fantastisch.

Die Vögel fliegen knapp über die Köpfe der Zuschauer dahin, ein Papageienflügel streift sogar meinen Kopf.

Die Tiere haben gelernt, dass auf den umliegenden Bäumen kleine Belohnungen auf sie warten.
Sicher aufbewahrt in kleinen Kästchen, die vor allem die Papageien sehr gekonnt öffnen.

Auch die Zugänge zur Bühne sind sehr geschickt angelegt. Es sieht aus, als kämen die Vögel geradewegs aus der Natur angeflogen.

Ein kleiner Papagei landet auf Befehl sogar auf der Hand einer Zuschauerin, nimmt ihr vorsichtig eine Münze aus den Fingern und bringt diese in die Manege.

Den Abschluss bildet ein ganzer Schwarm weißer Tauben, der noch immer herumfliegt, als die meisten Zuschauer schon gegangen sind.

Wir verweilen noch etwas an diesem schönen Ort, essen und zeichnen die Aussicht.

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Es gibt viele Highlights in diesem Park.
Die Tiere sehen gut aus.
Selbst die riesigen Gorillas, Giraffen und Tiger
.

Wir bleiben bis der Zoo schließt und haben es gerade so geschafft, fast alles zu sehen.
Das bedeutet, das andere Leute vermutlich zwei bis fünf Stunden brauchen, bis sie wieder gehen wollen.

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Kunstmesse

Ein Besuch auf der Kunstmesse
08.09.2017

Da ich kostenlose Tickets bekommen habe und Dario frei hat, statten wir der Kunstmesse einen Besucht ab.
Sie findet in einer alten Eisenbahnhalle statt.

Sie ist verrückt und vielfältig.

Es gibt alles, von wunderschönen Kunstwerken und Bonsai Bäumchen bis hin zu Spongebob Schwammkopf-Vasen und herumtanzenden Geschlechtsorganen.

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Besonders lange diskutieren wir über den Mann im Käfig.
Er hat eine
VR-Brille auf und ein Bildschirm zeigt, dass er eine Wiese und Felsen sieht.
Neben ihm liegt, zumindest in der Realität, ein Hund.

Immer wieder begibt er selbst sich auf alle Viere, um seine Umgebung zu erkunden.

Doch was ist die Message?

Der Mensch begibt sich jetzt freiwillig auf Niveau des Tieres?

Oder ist es ein Zukunftsszenario?
Wird so die Welt der Arbeitslosen bald aussehen? Von denen gibt es schließlich immer mehr. Die Armut in der Welt wächst und der Reichtum verlagert sich immer mehr auf einige wenige.

Und liegt es da nicht auf der Hand, für den Rest der Menschheit eine einfache und vor allem billige Beschäftigungsmethode zu entwickeln?

Beinahe die gleiche Szene findet sich übrigens auch an einer Hauswand in Sydney. Wir haben sie vor ein paar Wochen fotografiert.
Ein stark tätowierter Hund, der sogar Armreife trägt, liegt gegenüber einem nackten, mageren, menschenartigen Wesen. Dieses trägt eine
VR-Brille und hält in der einen Hand eine Flasche, während es die andere vor sich ausgestreckt hält, die Finger gekrümmt als würde es etwas halten.
Die Bewegung erinnert ein wenig an die eines Schurken, der sich vorstellt die Welt in Händen zu halten.
Nur, dass da nichts ist und das nackte Wesen auf der kahlen Erde hockt. Im Hintergrund eine Stadt und am Himmel die Sonne.

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Watsons Bay

Ausflug an die Spitze
05.08.2017

Dario hat jetzt meistens Freitags und Samstags frei.
Sie haben ihn tatsächlich gefragt, ob er betreffs seiner freien Tage irgendwelche Wünsche hat
(was für ein toller unterschied zu Burg Staufeneck!).
Und seine Antwort war, dass wenigstens ein Tag am Wochenende schön wäre, um mit mir was zu unternehmen.
Und den bekommt er jetzt so gut wie immer!

Heute fahren wir mit dem Bus bis Watsons Bay.
Diese liegt nördlich vom berühmten Bondi Beach.

Und von Watsons Bay kann man wunderbar zu einem Kliff wandern, das die eine Spitze der Meerenge bildet, durch welche alles Schiffe hindurch fahren müssen, wenn sie von der offenen See nach Sydney wollen.

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Unterwegs bieten sich tolle Ausblicke, etwa zur Skyline und auf die Klippen von Manly, die die andere Seite der Meerenge bilden.

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Leider ist der Spaziergang aber kein Rundweg, denn einen Militärbasis versperrt hinter dem Ausguck den Weg.
So müssen wir ein Stück zurück gehen, bevor wir wieder gegenüber von Watsons Bay ans Meer können.

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Wir spazieren bis zu einer besonders schönen Stelle, spielen dort Poi und essen unsere mitgebrachten Leckereien.

Dann suchen wir uns die nächste Bushaltestelle und fahren nach Hause.

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Den Abend verbringen wir wie die meisten gemeinsamen Abende:
Wir kaufen ein, machen ein wunderbares Essen und schauen einen schönen Film an.

 

 

 

 

 

 

 

 

El Circo – Zirkus oder Stripper Club?

El Circo
21.07.2017

Schon sind wir auf dem Weg zum Einkaufen an einem Eingangsportal in Oxford Street vorbeigelaufen, an dem Plakate mit Artisten für “El Circo” werben.
Zu der Show gibt es angeblich ein mehrgängiges Menü.

Mit umgerechnet etwa 80Euro pro Person schien uns das Vergnügen nicht zu teuer und vor einer Woche haben wir tatsächlich gebucht.

Da konnte ich noch nicht ahnen, dass heute eine ziemlicher Stress im Büro herrschen würde.
Wir sind nämlich spät zu einem Wettbewerb eingeladen worden und das ganze Team stampft jetzt in nicht mal zwei Wochen eine Abgabe für ein Hochhaus aus dem Boden.

Andererseits bin ich ganz froh, dass ich einen Grund habe früh zu gehen, denn sonst würde ich wahrscheinlich erst um Mitternacht ins Wochenende kommen.

Wir machen uns so fein, wir es mit unseren Klamotten von H&M eben können und spazieren die zweihundert Meter bis zum El Circo.

Ganz deutsch sind wir die ersten. Vielleicht deswegen oder vielleicht durch Zufall, bekommen wir einen Tisch direkt an der Bühne.

Wir haben noch jede Menge Zeit, Fotos zu machen, bevor es losgeht.

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Erster Act sind zwei junge Männer, die den Beginn des Spektakels verkünden, verbunden mit etwas Akrobatik.
Sie übergeben an eine Dame, die eine Nummer am Ring über den Köpfen der staunenden Zuschauer vollführt.

Insgesamt zählen wir fünf verschiedene Künstler plus die Ansagerin.

Jeder Künstler spielt in mindestens zwei Nummern.

Einer der zwei Männer ist wirklich gut an der Poledance Stange. 

Ewig hält er sich als lebende Flagge in der Horizontalen und vollführt allerlei Kunststücke.
Seine Füße reichen fast bis zu unserem Tisch.
Nun gut, zugegeben, ganz so na möchte ich seine rasierten Beine eigentlich nicht sehen.
Und von denen sieht man so ziemlich alles, denn er trägt nur eine enge Unterhose. 

Aber seine Show ist wirklich gut!

Wir haben jedenfalls unseren Spaß.

Je weiter der Abend fortschreitet, desto weniger wird die Kleidung.

Nachdem ich eben schon nur noch von einer Unterhose sprach, ist klar, wohin das führte.

Eine wirklich schöne Nummer führte eine junge Artistin vor, die wir zuvor schon bei einer Kontorsionsnummer gesehen haben.
Ihr Oberkörper ist hinter einem Vorhang verborgen und sie tanzt sinnlich zur Musik.
Das Ende der Nummer ist, dass sie beginnt, ihr Höschen etwas herabzuziehen, doch bevor man wirklich mehr sehen kann, fällt der Vorhang.
Sehr geschickt.

Die letzte Aufführung geht noch einen Schritt weiter.
Beide Männer treten nur mit einem lockeren Tuch bekleidet auf, das immer mehr und mehr freigibt, bis sie es schließlich gerade noch mit einer Hand vor ihrem **** halten.

Diese Art Show hatten wir nicht erwartet.

Was für ein witziger Abend.

 

 

 

 

 

Whale watching

Whale watching
09.07.2017

Wieder ein traumhaft schöner Sonntag.
Spontan buchen wir endlich eine Whale watching Tour. Das nehmen wir uns schon seit einer ganzen Weile vor.

Wie immer, wenn man von Circular Quai aus startet, sind die ersten Attraktionen das Opernhaus und die Harbour Bridge.

Tatsächlich wird das Opernhaus für mich nie langweilig. Zumindest nicht von außen.

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Wir teilen uns das Schiff mit mindestens 50 anderen Touristen, wahrscheinlich sind es sogar noch mehr.
Aber das macht die Wale ja nicht weniger schön.

Nur, dass wir mit dem großen Schiff nicht so nah herankommen, wie die kleinen Speedboote, ist natürlich schade.

Natürlich sind wir nicht die einzige, die nach Walen Ausschau halten und so ist es ziemlich leicht, welche zu finden.
Das erste Anzeichen ist immer die Fontäne, die die großen Meeressäuger beim Auftauchen ausstoßen und sobald ein Boot welche entdeckt hat, folgt es ihnen und das bekommt jeder mit.

So fahren wir schon kurze Zeit später zwei Walen hinterher und beobachten sie immer und immer wieder bei Auf- und Abtauchen.
Wir machen einige wenige Fotos und genießen danach nur noch, während die meisten anderen Touristen es bevorzugen, diese fantastischen Wesen ausschließlich durch ihr Handy zu betrachten.

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Einen weiteren Wal entdecken wir an diesem Tag noch, verbringen aber auch viel Zeit mit sinnloser Suche.

Für uns, die wir noch nie zuvor einen Wal in freier Wildbahn gesehen haben, ist das ausgesprochen zufriedenstellend.

Einzig der Ansager des Schiffs sorgt für schlechtere Gefühle, denn er bekundet ohne Ende seine Enttäuschung darüber, dass wir so wenige Wale und keinen einzigen beim Sprung aus dem Wasser gesehen haben.
Hätte er die ganze Zeit bejubelt, wie erfolgreich dieser Ausflug war, wären alle glücklicher von Bord gegangen.

Wir lassen uns den Tag von ihm zum Glück nicht vermiesen und sind trotzdem hoch zufrieden.

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Ausflug in die Blue Moutains

Wandern in den Blue Mountains
02.07.2017

Es ist ein wundervoller, etwas kühler Sonntagmorgen.
Wir stehen für unsere Verhältnisse sehr früh auf (8:00Uhr), packen etwas zu Futtern ein und nehmen den Bus zur Central Station.

Von dort geht es mit Bahn in die Berge.

Wir nutzen die Zeit um noch etwas zu schlafen.

Da es in den Blue Mountains unzählige Wanderrouten gibt, sind wir nicht ganz sicher, wo wir denn eigentlich aussteigen wollen.

Schließlich steigen wir in Leura aus und laufen von dort Richtung “Three Sisters”, einer berühmten Felsformation.

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Dabei kommen wir an einigen kleinen Wasserfällen vorbei.

Wir entscheiden uns für den langen Weg durchs Tal und die Strecke ist wunderschön.

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Das letzte Stück zu den Three Sisters bilden die “Giant Stairways”, eine wahnsinnig lange Treppe, die eine Steilwand hinauf führt.
Sie teils in den Fels geschlagen, teils aus Metall gebaut.

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Es ist wunderschön, sie hinaufzusteigen, denn die Aussicht ist fantastisch.

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Oben angekommen erwartet uns dann der Tourismus-Schock, denn es gibt leider einen zweiten Zugang und der ist auch für Faule einfach genug.
Es ist rappelvoll. Mal wieder schaffen wir es die Fotos trotzdem idyllisch wirken zu lassen.
So viel fake im Internet.

Am schlimmsten sind all die Fotos der Reisbüros.
Auf meinem Weg zur Arbeit komme ich an etlichen Reklametafeln vorbei, die im Moment Werbung für Neuseeland machen.
Wir kennen all die Orte, aber um so leere Fotos zu machen muss man vermutlich entweder eine Sperrung vornehmen, stundenlang warten oder gleich nach Sonnenaufgang dort sein.

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Da wir ganz schön hungrig sind, machen wir es trotzdem auf einer Bank bequem und futtern erst mal was. Dann sehen wir zu, dass wir schnell weiterkommen.

Wir suchen uns einen neuen Weg abseits der touristischen Pfade, hören Hörspiel, finden ein Autowrack und spielen Poi.

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Als es schon dunkel ist, nehmen wir den Zug von Katoomba aus nach Hause.

Unser Alltag in Sydney

Ab hier verändert sich meine Vorgehensweise ein wenig.

Vielleicht habt ihr schon bemerkt, dass ich manchmal jeden Tag einzeln beschreibe und an anderen Stellen mehrere zusammenfasse.

Für Australien werde ich in diesem Abschnitt rückblickend einfach unseren ganzen Alltag zusammenfassen.

In den weiteren Kapiteln findet ihr dagegen einzelne Highlights unseres Aufenthalts, wie etwa die Reise zum Uluru.

Und in anderen rückblickend meine Meinung zum Arbeiten in Sydney und einige Tipps.

 

In Kürze

Wie unser Alltag in Sydney eigentlich aussieht?
Hier ein kleiner Überblick Winking smile

 

Unsere Bude

Das Reihenhäuschen, in dem sich unsere WG befindet, hat die Adresse 304a Palmer Street. Das ist eine Seitenstraße von Oxford Street.
Oxford Street ist eine sehr belebte Straße und der Abschnitt an dem wir wohnen vor allem für seine homosexuelle Szene bekannt.
Es gibt jede Menge nette Bars und Lokale.
Naja, und etliche Sex-Shops.

Obwohl es von unserem Häuschen aus nur etwa 100m zur Oxford Street sind, kriegen wir von dem ganzen Trubel gar nicht so viel mit.

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Es gibt ziemlich viele Graffitis, sogar in unserer WG.

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Besonders lieben wir die kleinen Balkone, die für die hiesigen Reihenhäuschen, die sogenannten “Terrace Houses” typisch sind.

Einer gehört zum Wohnzimmer und liegt an der Palmer Street.

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Der andere ist Teil unseres Zimmers und geht auf einen kleinen Hinterhof hinaus.
Schön ruhig und perfekt um etwas Morgensonne abzubekommen.

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Wir haben das größte Zimmer der vierer WG. Unsere beiden Mitbewohner, ein Spanier und eine Spanierin, haben jeweils ein Einzelzimmer am Flur. Ohne direkte Fenster nach außen.
Unseres dagegen hat ein kleines Zimmer zum freien Nachbargrundstück, auf dem ein wundervoll gelb blühender Baum steht und eben den Balkon.

Das einzige, was wir an unserem möblierten Zimmer auszusetzen haben, ist die ziemlich alte Matratze, deren Sprungfedern wir spüren. Aber wir gewöhnen uns schnell daran.

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Unsere spanischen Mitbewohner sind sehr nett.

Sie verbringt die meiste Zeit in ihrem Zimmer und er vor dem Computer. Bevorzugt schlafend während eines Filmes.
Außer wenn es ums Party machen geht, da sind sie gerne mal unterwegs.

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Hydepark

Abends treffen wir uns häufig am Memorial im Hydepark zum Poispielen.
Der ist nämlich nur fünf Minuten von unserem Zuhause entfernt und liegt für Dario auf dem Heimweg.

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Dario kocht

Dario arbeitet hauptsächlich im Restaurant “Felix”, das zu der bekannten Merivale Group gehört.
Er hat aber auch in einige andere Restaurants Einblicke erhalten.

Ein Artikel von ihm über diese Zeit ist in Arbeit.  

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Auch zuhause

Man sollte ja meinen, der Koch hätte nach der Arbeit erst mal genug vom Kochen.
Aber Dario zaubert für mich immer auf´s Neue auch zuhause die wunderbarsten Leckereien.

Ich werde wirklich furchtbar verwöhnt!

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Ich backe
Aber ab und zu kann ich auch mal etwas zurückgeben, denn immerhin liegt mir das Backen und so gibt es immer mal wieder Kuchen.
Nachdem wir so lange keinen Backofen hatten, lege ich richtig los.
Fast jede Woche gibt es Brownies, Zitronenkuchen oder irgend eine andere Leckerei.

Und zu Dario´s Geburtstag gibt´s dann so was:

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Aber das lässt er natürlich wiederum nicht auf sich sitzen und zu meinem Geburtstag sieht´s dann so aus:

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Im Architekturbüro

Während Dario im Restaurant schuftet, arbeite ich im Architekturbüro LAVA (Laboratory for visionary Architecture), wie ich es so gerne wollte.
Hier kann ich genau das tun, was ich liebe: Gebäude und Räume entwerfen, die alles andere als quadratisch und langweilig sind.

Leider kann ich an dieser Stelle noch nicht viel davon zeigen, denn die Projekte sind alle noch in Arbeit.

Einzig unser Entwurf zum “Garden Island” in Sydney und das Modell eines experimentellen Pavillons, das ich in der ersten Woche zusammengebaut habe, sind schon öffentlich.

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Garden Island by LAVA Architects (Quelle: http://www.l-a-v-a.de/projects/garden-island-concept/)

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Das LAVA-Team ist ganz wundervoll. Wir kommen aus allen Ecken der Welt und verstehen uns einfach prima.
So multikulturell war meine Umgebung zuvor tatsächlich noch nie, denn jetzt verbringe ich den ganzen Tag mit Leuten aus China, Spanien, Italien, Brasilien, Mexiko und natürlich Australien.
Und es ist toll! Klar haben wir alle Vorurteile und viele davon bestätigen sich sogar, aber das tut der kollegialen Freundschaft keinen Abbruch.
Jeder versteht mal was nicht und alle helfen sich gegenseitig.

 

Die Royal Botanic Gardens

Besonders gerne verbringen wir unsere Freizeit im und um den botanischen Garten, wenn wir nicht gerade größere Ausflüge machen.
Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf das Meer und das Opernhaus.
Von manchen Stellen auch auf die Harbour Bridge.

Wir picknicken, liegen in der Sonne, spielen Poi und zeichnen.

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Was ich mir übrigens vorher noch nie überlegt hatte: Was findet man in einem botanischen Garten am anderen Ende der Welt?
Irgendwie hatte ich nur Kakteen und andere exotische Pflanzen erwartet. Natürlich gibt es die schon auch, aber ebenso
findet man Stiefmütterchen, Flieder und jede Menge andere für Europa typische Blumen.
Eigentlich logisch, oder? 

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Hier feiern ein Kollege und ich auch zusammen unsere Geburtstage mit dem LAVA-Team samt Partnern.

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Auf dem Weg zum Restaurant können wir anschließend noch einige Lichtinstallationen bewundern, die gleich oberhalb des Gartens aufgebaut sind.
In Sydney ist einfach immer was los!

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Manly

Nach Manly fahren wir oft an Sonntagen, denn die Fährfahrt dauert über eine halbe Stunde und ist an allen anderen Tage nicht ganz günstig.

Manly ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel am Wochenende, denn hier gibt es einen wundervoll langen Strand und einen weiteren kleinen, der in einer geschützten Buch liegt.
Vielleicht gibt es sogar noch mehr, aber weiter haben wir die Gegend nicht erkundet.

Meistens kommen wir her, um uns mit den Akrobaten zu treffen.
Das ist eine lustige
Gruppe (hier zu ihrer Facebook-Seite), die sich jeden Samstag und Sonntag trifft und den ganzen Tag zusammen akrobatische Kunststücke trainiert.
Geleitet wird sie von einem unglaublich lieben Menschen namens Duncan, den wir sofort ins Herz geschlossen haben.

 

Obwohl wir meistens einfach nur Poi spielen oder jonglieren, sind wir gerne gesehen.
Einige der Akrobaten fangen sogar an, mit uns zu üben.

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Strand und Party in Sydney

Das sind wohl die beiden beliebtesten Aktivitäten hier.

Gerne wird auch beides verknüpft, wobei man aber gut aufpassen muss.
Denn Alkohol in der Öffentlichkeit ist verboten. Ein paar Bier haben die meistens Leute aber trotzdem am Strand dabei.

Ein paar Mal gehen wir mit dem LAVA-Team an den Strand. 
(Foto by Luca Alessi)

(Foto by Luca Alessi)

Und einmal auch mit Darios Kollegen aus der Küche. Das ist wirklich etwas besonderes, denn das Restaurant hat an diesem Tag zu und so sind wirklich alle da.
Dank der vielen anwesenden Köche ist das Essen natürlich ganz prima! 
 

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Noch beliebter als der Strand sind aber wohl die zahllosen Bars Sydneys.

Ich bin zugegebener Maßen noch nie so oft ausgegangen wie hier.
Immer mal wieder nach der Arbeit mit den Kollegen, denn die Bars liegen ja quasi auf dem Heimweg.

Auch mal mit unseren Mitbewohnern und zuhause wird natürlich ebenso gefeiert.

Einmal hatte unser Mitbewohner eine Party, bei der endlich unsere Ohropax zum Einsatz kamen.
Die schleppen wir schon die ganze Zeit und haben sie vorher nie gebraucht.

Am öftesten gehen wir eindeutig mit dem LAVA-Team aus.

Die wohl spektakulärste Party erleben wir an Halloween.
Eine Biermarke nutzt die Veranstaltung zu Werbezwecken, deshalb sind Eintritt, Essen und Bier umsonst.
Das ganze Gebäude ist rappelvoll und die Schlange davor lang.
Sogar eine Schlangentänzerin ist engagiert.
Da wir noch immer kein Bier mögen, gehen wir recht früh, denn alle um uns herum werden langsam so besoffen, dass man es nur noch betrunken lustig finden kann.

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Noch mehr ist nur los, als die “Same-sex marriage” erlaubt wird.
Das ist ganz Sydney in Oxford Street unterwegs und
Hyde Park wird zur Tanzfläche.

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Am letzten Abend haben wir vier WG-Bewohner dann zuhause zusammen gefeiert.
Und festgestellt, dass man sich in fünf Monaten ganz schön aneinander gewöhnen kann.
Wir werden sie vermissen!

Fotos von Sira (7)

Das Matahari Beach Resort

Die letzten Tage brechen an
14.06.2017

Wir erwachen im Paradies.

Allein das Zimmer ist schon ein Traum.
Zwar bietet es keinen Ausblick, doch dafür ist es umso gemütlicher gestaltet.

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Besonders gut gefällt uns die Dusche im Freien, in Form eines Drachen.

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Das Frühstück ist eine Wonne. Mit allem, was das Herz begehrt.
Besonders das deutsche Herz kommt nicht zu kurz, denn hier gibt es sogar wirklich gutes Brot, Käse und Wurst.

Die Anlage ist schön und verfügt über zwei, aber nicht übertrieben große Pools.
Der Strand wird hier gut genutzt. Liegen mit Handtüchern stehen bereit, zudem gibt es Boards, Kajaks, Golfequipment und andere spaßige Dinge.
Und die Drinks der Strandbar sind fantastisch.

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Wir verbringen fast den ganzen Tag am Strand.

Dabei stellen wir fest, dass fast alle anderen Hotelgäste auch deutschsprachig sind.
Das erklärt natürlich auch die Auswahl beim Frühstück. Ein Hotel auf Bali hauptsächlich für deutschsprachige Touristen. Sprich: Deutsche, Österreicher und Schweizer.  ‘
Stören tut es uns nicht. Die anderen Gäste sind nett.

Dario versucht Marina und Norman das Skatspielen beizubringen, kracht aber gegen eine Wand aus Entspannung und gibt schließlich auf.
Wir haben ja ohnehin nur noch wenige Tage gemeinsam.
Leider. 

Als die Eltern zur Massage gehen, leihen wir uns Golfschläger und testen den kleinen Golfplatz.
Wir haben beide noch nie Golf gespielt und wollen es einfach mal ausprobieren.
Damit sind wir dann auch recht schnell fertig, obwohl wir alle Löcher spielen.

Die Fläche wäre mit einer Minigolfanlage besser genutzt.

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Auch checken wir endlich ein.
Dabei treffen wir im Foyer den Manager des Hotels. Auch ein deutscher.
Dario lobt das Essen, gibt einige Anregungen und kritisiert die schlechte Beleuchtung des wunderbaren Frühstückbuffet.
So erfahren wir, dass der Manager früher Koch war und sogar eine Weile mit Darios deutschem Chef, Rolf Straubinger, im gleichen Restaurant gearbeitet hat.
Nette Zufälle gibt es immer wieder.
 

Abends gibt es im Hotelrestaurant eine Tanzaufführung.
Wir nehmen Teil, obwohl wir schon befürchten, dass wir nun zum dritten Mal die gleiche Geschichte zu sehen kriegen werden.

Doch zu unser aller Freude ist es ein ganz anderer Tanz.
Das Orchester und die Tänzer kommen aus den Reihen der Hotelangestellten und deren Familien.
Es sind etliche sehr junge Leute und sogar Kinder darunter.

Sie tanzen wundervoll.

Natürlich nicht so professionell wie die Theatergruppe auf Java, die das Stück schon ihr ganzes Leben spielt und das jeden Tag.
Aber für uns ist es genauso schön.

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Fische und Fledermäuse
15.06.2017

Auch beim Frühstück sitzt ein Musiker auf der Bühne und spielt für die Gäste.
Die Atmosphäre hier ist ganz schön perfekt. Nicht übertrieben Prunkvoll, sondern eher gemütlich und alles passt.
Besonders das Essen ist für uns ja immer ein großer Aspekt und das passt hier wirklich voll und ganz.

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Mittags gehen wir mit auf eine Schnorcheltour.
Eigentlich würde ich ja gerne das Biorock-Projekt sehen, wegen dem Dario und ich schon während unserer ersten Scouter-Tour auf Bali in diesem Ort waren, doch das Meer ist am Ufer einfach zu trüb.
In den letzten Tagen gab es viele Wellen, die den Sand aufgewirbelt haben.
Aber naja, die Erklärung des Projekts habe ich ja damals schon bekommen und auf Gili Nanggu haben wir auch ein paar Korallenzucht-Gitter gesehen.

Heute fahren wir zu einer nahen Insel, die eigentlich besonders für Taucher interessant ist.
Entsprechend sind einige andere Gäste dabei, die tauchen gehen.

15m vom Ufer der Insel entfernt, fällt der Meeresgrund nämlich schlagartig ab.
Diese Steilwand, die voller Korallen ist, ist für die Taucher so interessant.

Aber auch zum Schnorcheln ist die Insel okay. Die 15m bis zur Steilwand bieten schon auch einiges.
Allerdings nicht zu vergleichen mit unseren Erlebnissen während der Schiffsreise.

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Ich habe das Gefühl, die Unterwasserwelt ist schöner, je weiter man sich von Bali entfernt.

Dafür entdecken wir hier etwas anderes, überraschendes: In einigen der kleinen Höhlen am Rand der Insel, hängen hunderte von Fledermäusen.
Und man kann richtig nah an sie ran.

Auf diesen Ausflug folgt, dass wir gründlich unsere Sachen sortieren und packen müssen.

Das Abendessen unterbricht diese notwendige Tätigkeit auf sehr angenehme Weise.
Allerdings sind wir wirklich traurig, dass es unser letztes zu viert ist.

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Es stellt sich heraus, dass ein Fahrer vom Hotel zum Flughafen über zweihundert Euro kosten würde.
Das nenne ich mal Wucher! Also organisieren wir noch auf den letzten Drücker einen privaten Fahrer aus einem Ort in der Nähe.
Der macht die gleiche Fahrt für einen Bruchteil des Preises.

Zudem packen wir weiter und kommen kaum zum schlafen. Wir müssen genau entscheiden, welche Dinge uns weiterhin begleiten sollen und was mit den Eltern nach Hause fliegen wird.
Schweren Herzens verabschiede ich mich zum Beispiel von unseren beiden Diabolos. Ich benutze sie wirklich gerne und sie bleiben eines meiner liebsten Jongliergeräte, doch gemeinsam nutzen wir hauptsächlich Poi und Keulen. Die Diabolos sind meistens nur Ballast.

 

Abschied
16.06.2017

Ein letztes, wundervolles, gemeinsames Frühstück.

Als wir ins Foyer kommen, ist der Manager schon da, um uns zu verabschieden.
Dario und er machen ein Foto zusammen, das Dario an seinen Chef in Deutschland schickt.

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Dann steigen wir alle ins Auto.

Wie von dem jungen Fahrer versprochen, ist es groß genug, um locker alle Koffer und Rucksäcke unterzubringen.
Er ist super nett und wir verstehen uns sofort alle gut mit ihm.

Als wir die Hügel erreichen, gibt es eine Umleitung, die uns über unmöglich schmale Straßen mit engsten Kurven führt.
Hier lernen wir unseren Chauffeur wirklich schätzen, denn er meistert alle Situationen einwandfrei.

Wir halten auf dem Berg, um die zwei Seen zu bewundern und trinken etwas.
Ein anderer Fahrer zeigt unserem eine neue Macke, die er sich auf der Umleitung eingehandelt hat.

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Außerdem haben wir noch genug Zeit, um den Wassertempel anzuschauen, an dem Dario und ich letztes Mal einfach vorbeigefahren sind.

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Obwohl die Straßen zur Stadt hin immer voller werden, schlängelt unser Fahrer sich geschickt durch.
Er scheint jeden Schleichweg zu kennen und wir sehen Teile der Stadt, in denen wir noch nie waren.
Lange Straßen, in den oft nur Produktionsstätten zu einem einzige Thema befinden, etwa auf alt gemachte Möbel, Metallskulpturen oder Holzschnitzereien.

Sehr pünktlich erreichen wir den Flughafen.
Norman gibt ein dickes Trinkgeld und unser Fahrer verabschiedet sich strahlend.
Er sagt, seine Familie würde uns danken und er werde für uns beten.
Später schickt er uns ein Foto von sich mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter.

Die letzten Rupiah geben wir für Essen und weitere Postkarten aus, die wir alle gemeinsam schreiben.

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Dann heißt es Abschied nehmen.

Viele Umarmungen und gute Wünsche werden gewechselt.
Es wäre zu schön, wenn diese gemeinsame Reise noch viel länger sein könnte.

Wir winken Norman und Marina hinterher, bis sie im Gang zum Flugzeug verschwinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jogyakarta (auf Java)

 

Jogyakarta
10.06.2017

Den Morgen verbringen wir noch entspannt im Hotel, dann geht es erneut zum Flughafen.
Heute steigen wir in ein Flugzeug, das uns auf die Insel Java bringen und dort in der Stadt Jogyakarta landen wird.

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Vom Flughafen bringt uns ein TUI-Fahrer zum Hotel.

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Dort werden wir mit Blütenketten und dem obligatorischen Welcome-Drink in Empfang genommen.
Das Hotel ist in seiner Form und den Dekorationen an die berühmten Tempel angelehnt, die es in dieser Stadt gibt.

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Diese Tempel sind auch der Grund, weshalb wir hierher geflogen sind.

Heute steht zwar nur noch Entspannung und gutes Essen an, aber für die nächsten Tage ist eine Tour gebucht.

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Museen und Tempel
11.06.2017

Wir müssen recht früh aufstehen, da die Tour bei Zeiten beginnt.
Gleich nach dem Frühstück steht unser Guide schon in der Lobby bereit.

Er ist ein TUI-Guide und spricht ausgezeichnet Deutsch.
Zudem ist er überaus nett und extrem höflich.

Er erzählt uns viel über Ramadan, denn im Moment ist dieser muslimische Fastenmonat und Javas Bevölkerung ist größtenteils muslimisch.
Zum Glück müssen wir Touristen nicht darben.
 

Unsere Tour hat Marina individuell zusammengestellt.

So geht es als erstes in ein kulturelles Museum, das sich allerdings als ziemlich öde erweist.
Im “Ullen Sentalu Museum” sind hauptsächlich Hinterlassenschaften der Herrscherfamilie zu bewundern.

Von Fotos über Kleidung bis hin zu Mobiliar.

Ziemlich entsetzlich finde ich den Versuch, eine aufregende Architektur zu schaffen.
Der Sichtbeton mit den teils dreieckigen Fenstern ist kalt und dunkel, wie auch die Atmosphäre im restlichen Museum.
In der hohen Eingangshalle hallt es so schlimm, dass man kaum jemanden versteht. Selbst wenn derjenige kaum einen Meter entfernt steht.
Allerdings gehen hier die Meinungen ziemlich auseinander.

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Zum Glück dauert die Führung nicht sehr lange.

Da sind die Pflanzen, die wir auf der Fahrt sehen, spannender.

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Das Vulkanmuseum “Museum Gunung Merapi”, das am Fuße des Gunung Merapi liegt, gefällt uns inhaltlich im Vergleich recht gut.

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Die kuratorische Qualität beider Museen ist allerdings weit entfernt von dem, was wir gewöhnt sind.

 

Borobudur

Jetzt steht endlich der erste große Tempel an, der Borobudur.

Er ist ein buddhistischer Tempel, der über einem Hügel errichtet wurde.

Geziert wird er von 432 Buddha-Statuen in verschiedenen Haltungen.

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Unten sind die Buddha-Statuen in kleinen Nischen platziert.

Im oberen Teil sitzen sie unter steinernen Kuppeln, die nur kleine Einblicke gewähren.

Die Spitze des Tempels bildet eine besonders große Kuppel, die gänzlich geschlossen ist.
Dieser heiligste Bereich bleibt für den Besucher ein Geheimnis.

Obwohl ziemlich viele Touristen unterwegs sind, herrscht eine sehr schöne Atmosphäre.

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Sieht man genauer hin, sind viele Elemente beschädigt. Dieses Land wird immer wieder von Erdbeben und Vulkanausbrüchen gebeutelt.

Der komplette Tempel war lange Zeit unter Asche begraben. Man wunderte sich über den seltsamen Hügel, bis schließlich der Tempel ausgegraben wurde.

Norman, Marina, Dario und ich lieben solche Orte.
So brauchen wir ewig und erkunden jeden Winkel.
Wir wollen gar nicht mehr weg.

So sind wir ziemlich spät dran für´s Abendprogramm.

Ein kurzer Abstecher zum Hotel erlaubt es uns, uns frisch zu machen, dann geht es weiter.

Wir dinieren in einem hübschen, offenen Restaurant. Es gibt ein großes Buffet und ein Gamelan-Orchester spielt auf.

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Gleich neben dem Restaurant-Bereich ist ein kleines Theater.

In dieses gehen wir nach dem Essen, um ein weiteres Mal die tragische Liebesgeschichte des Ramayana.

 

Die Aufführung ist hoch professionell und wunderschön inszeniert, doch Dario und ich sind so müde, dass wir zeitweise tatsächlich einschlafen.

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Das finden besonders die von Jugendlichen gespielten kleinen Affen lustig.

Nach der Vorführung stehen sie allen für Fotos vor dem Theater zur Verfügung, doch als wir herauskommen, machen sie mit großer Gestik über uns lustig.

Wir grinsen und machen gemeinsam ein Foto.

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Dann geht es zur dringend nötigen Bettruhe ins Hotel.

 

Der Palast von Jogyakarta
12.06.2017

Schlaf ist im Moment tatsächlich wichtig, das straffe Programm ist ganz schön anstrengend.

Heute führt uns die erste Fahrt zum Palast von Jogyakarta.

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Der Sultan lebt hier noch immer, doch der Palast ist größtenteils zur Besichtigung freigegeben.

Ausgestellt wird eine prunkvolle Sammlung von Gamelan-Instrumenten, mal wieder viele Fotos und so ziemlich alles, was zur Geschichte der Sultansfamilie gehört.

Von Kleidung, über Auszeichnungen und Geschenke aus aller Welt bis hin zum Besteck aus der Studienzeit des jetzigen Sultans.

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Als wir vor einem Käfig mit Vögeln stehen bleiben, erklärt unser Guide uns, dass Vögel hier ein Hobby der Männer sind.

Wer etwas auf sich hält, besitzt einen schönen Singvogel.

Das erklärt endlich all die Käfige. Jeder möchte einen Vogel besitzen. Da gefällt mir unsere Art zuhause doch besser, wo jeder den Gesang der freien Vögel genießt.

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Innen vor den Eingängen des Palastes sind natürlich Dämonen abwehrende Mauern errichtet.
Auf ihnen thront ein Drachenpaar.

Rechts der männliche Drache, links der weibliche.
Entsprechend müssen Männer auf der rechten Seite entlanggehen und Frauen auf der linken.
Typisch.

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Gehütet wird der Palast von den “Wächtern”.

Das sind alte Männer, die freiwillig aus Respekt vor dem Sultan Zeit am Palast verbringen.
Alle tragen eine bestimmte Uniform, sind einfach präsent, sitzen beisammen und plauschen.

Dieser Dienst ist hoch angesehen.

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Vom Palast aus spazieren wir durch die Stadt.
Darios Eltern sind ganz begeistert von all den Rikschas.

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Der Weg führt über einen lokalen Markt.
Hier haben wir kaum noch fragen, können vielmehr Darios Eltern fast alles erklären.

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Das Ziel dieses kleinen Spaziergangs ist das Wasserschlösschen des Sultans.

Es ist ganz schön heruntergekommen, lässt aber die alte Pracht noch erahnen.

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Der Sultan saß in einem kleinen Turm, von wo aus er seine Haremsdamen in den zwei Pools und dem Innenhof beobachten konnte.
Wenn er eine zu sich holen wollte, warf er ihr eine Blume hinab.

Mit dieser Dame konnte er sich dann auf der anderen Seite des Gebäudes in einen weiteren Hof mit Pool zurückziehen.
Oder in die Sauna, die sich gleich neben einem Raum mit Bett befand.

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Sarong-Fabrik

Endlich lernen wir etwas über die Herstellung meiner geliebten Sarongs.

Wir besuchen eine kleine Fabrik und unser Guide erklärt alles sehr genau, wie immer übrigens.

Die Muster der Sarongs werden stets zuerst mit Wachs aufgetragen.
Dann werden die so präparierten Stoffe eingefärbt. Die Muster aus Wachs nehmen keine Farbei auf.

Im nächsten Schritt wird weiteres Wachs aufgetragen, dann wieder gefärbt.
Je aufwändiger das Muster, desto mehr Durchläufe sind erforderlich.

Zudem gibt es Muster, die einfach mit einem Stempel aufgetragen werden und andere, die komplett von Hand gemalt werden.

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Sie lassen sich leicht unterscheiden, denn bei den Handgemalten gibt es keine sich wiederholende Stellen.
Entsprechend sie sind wesentlich teurer, als die gestempelten Sarongs.

Nach der Führung geht es selbstverständlich in den Shop nebenan. Die Sachen sind wunderschön, aber die tollsten sind tatsächlich irre teuer. Bis hoch zu einigen tausend Euro gehen die Preise.

Wir nehmen einige einfachere Stücke mit.

Einen schlichten, aber handgemalten Sarong bekomme ich von Marina und bin überglücklich.
Er ist viel größer als meine anderen Sarongs. Ich werde wohl lernen müssen, ihn richtig zu benutzen.
Leider ist er dadurch aber auch schwer. Daher wird er mit Marina und Norman nach hause fliegen müssen, wir können ihn nicht mitnehmen.

Gut mitnehmen können wir dagegen einige neue Stofftaschentücher.

 

Nach dem Mittagessen steht der zweite große Tempel an.

Schade, wieder mit etwas Zeitdruck, denn im Anschluss geht unser Flug zurück nach Bali.

Wir sind einfach immer langsam unterwegs, außer der Druck wird wirklich groß.
Liegt die größte Attraktion am Ende, haben wir garantiert nicht mehr so viel Zeit übrig, wie wir gerne hätten.

Der Prambanan Tempel ist eine hinduistische Anlage.

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Als sie entdeckt wurde, war sie allerdings komplett zerstört.

In langer, noch immer andauernder Arbeit, wurde die Anlage restauriert.
Wie ein gigantisches, dreidimensionales Puzzle wurde sie Stück um Stück zusammengesetzt.

Was für eine Arbeit, zu erahnen, wo welches Stückchen hingehört!

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Wir sind traurig, dass wir so bald weiter zum Flughafen müssen.

Unser lieber Guide spielt zum Abschied ein selbst komponiertes Liedchen auf einem Musikinstrument aus Bambus.
Der Text ist eine Liebeserklärung an Deutschland. Obwohl er noch nie in unserem Land war.

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Als wir auf Bali aus dem Flugzeug steigen und einen Fahrer bestellen, da diesmal keiner gebucht ist, stellen Marina und Norman fest, dass sie etliche Papiere und Wertsachen im Hotelsafe auf Java vergessen haben.

Sofort rufen wir dort an und stellen sicher, das die Sachen noch da sind.

Während wir unser restliches Gepäck im Interkontinental Hotel abholen, diskutieren wir, was wir machen sollen.

Am liebsten ist es den beiden, wenn jemand von uns die Sachen abholt. Alles andere erscheint ihnen hier zu unsicher.
Da wir günstig Flüge für morgen früh finden, beschließen Dario und ich gemeinsam zu gehen.

So können die Eltern weiter entspannen und wir nochmal den Prambanan Tempel besuchen.

Wir quartieren uns in der Nähe des Flughafens ein, während Norman und Marina ins nächste gebuchte Hotel an der Nordküste Balis gefahren werden.

 

Bali-Java-Bali an einem Tag
13.06.2017

Früh morgens sitzen wir also schon wieder im Flugzeug nach Java, Jogyakarta.

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Wir laufen aus dem Flughafen, in der Hoffnung einen Scouter zu finden. Mit Erfolg. Gleich gegenüber der Ausfahrt können wir einen mieten.
So düsen wir kurz darauf glücklich los. Das Scouterfahren liegt uns einfach.

646 Scouter Java (D E)

Problemlos holen wir die Sachen im Hotel ab, Dario hat eine Vollmacht von Norman dabei.

Mittlerweile haben wir allerdings ganz schön Hunger, denn wir sind ohne Frühstück los und auf dem kurzen Flug gab es natürlich auch nur einen winzigen Snack.

Gleich um die Ecke vom Hotel entdecken wir eine französische Bäckerei.
Wir probieren ein Pain au Chocolat und sind sofort in Frankreich. Hmmmmmmm, so lecker!
Uns ist sofort klar, dass hier ein echter französischer Bäcker am Werk sein muss.
Und wir haben damit Recht.

Vollgefuttert geht es weiter.
Wir vermeiden Hauptstraßen und fahren ein paar kleine Umwege, um den Scouter auszukosten.

Am Prambanan haben wir diesmal mehrere Stunden Zeit.
Wir zeichnen, spielen Poi, meditieren und halten schließlich sogar ein kleines Nickerchen auf den alten Gemäuern.
Oh, ist das gemütlich!

648 wieder Prambanan (D E)649 wieder Prambanan (D E)

Ebenso entspannt fliegen wir zurück nach Bali.

Da wir natürlich wieder hungrig sind, nehmen wir einen UBER zu unserem geliebten Inka Restaurant.

Passend zu unserem letzten Besuch hier, spielt eine Live-Band.

651 Ingka Restaurant (D E)

Als wir fertig mit essen sind, rufen wir einen UBER und machen es uns auf der Rückbank bequem.

Wir fragen den Fahrer, ob die lange Fahrt in der Nacht für ihn wirklich in Ordnung ist und er bejaht.
Tatsächlich ist er ein Glücksgriff, denn er fährt die vielen Kurven über die Hügel sehr gemütlich und sicher, sodass wir sogar etwas schlafen können.
Gegen ein Uhr nachts kommen wir am Hotel an.

Der Fahrer bekommt ein nettes Trinkgeld und ist hoch zufrieden.

Wir sind ebenfalls glücklich, besonders als das Hotelpersonal uns das Einchecken etwas einfacher macht und sagt, dass wir den Papierkram wann anders machen können.

 

 

 

 

 

 

Die Aufnahmen in diesem Beitrag stammen von Dario, Elisabeth, Norman und Marina.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Süd-Bali

08.06. – 10.06.2017

InterContinental Hotel
08.06.2017

Die Fahrt vom Hafen zum Hotel dauert nicht lange und so sitzen wir schon bald im pompösen Foyer des InterContinental Hotels.

316 Intercontinental Bali (M)

Mal wieder gibt es einen Begrüßungstrunk und das Einchecken dauert ewig.
Das ist bei den schlichten Unterkünften, die Dario und ich gewohnt sind, wesentlich einfacher.
Hier muss sich jeder ausweisen, Beträge werden eingefroren und Dokumente ausgefüllt.

Doch schließlich können wir unsere Zimmer beziehen.
Sie sind sehr schön, mit Blick auf die zentralen Poolanlagen.
Diese sind mal wieder riesig, obwohl das Meer nur einen Steinwurf entfernt liegt.

318 Intercontinental Bali (M)319 Intercontinental Bali (M)

Mir geht immer wieder durch den Kopf, dass dieser ganzes Luxus natürlich sehr schön ist.
Aber andererseits hatten die meisten Unterkünfte, in denen Dario und ich vorher übernachtet haben, meistens auch alles was wir brauchen.
Diese Luxushotels haben vor allem eines: Überfluss.
Es gibt tausend Dinge hier, die man nicht braucht.

Manche davon sind allerdings wirklich toll, das gebe ich zu.
Wie etwa die Musiker, die einfach im Garten sitzen und für uns spielen.

317b Intercontinental Bali

Zu viert erkunden wir eingehend die Pools und verbringen den Rest des Tages einfach gemütlich.

320 Intercontinental Bali (M)321 Intercontinental Bali (M)325 Intercontinental Bali (M)326 Intercontinental Bali (M)

 

Uluwatu Tempel
09.06.2017

Es gibt mal wieder ein gigantisches Frühstücksbuffet mit Speisen aus aller Herren Länder.
Wir futtern uns halb tot.

Da wir morgen schon wieder weiterreisen, lassen wir uns mittags zu einem schönen Tempel fahren. Dem Uluwatu Tempel, der ganz an der Südspitze Balis liegt.
Wir nehmen einen UBER, weil Dario und ich uns einfach nicht an die horrenden Preise der Hotelfahrer gewöhnen können.
Nicht mal wenn wir eingeladen werden.

Der Fahrer ist nett und bringt uns prima ans Ziel, erklärt aber auch gleich, dass uns hier kein UBER wieder abholen könne.
Es gibt sogar Protestschilder gegen UBER an der Einfahrt zum Tempel.

Der Tempel ist auf eine steil abfallende Klippe gebaut und bietet grandiose Ausblicke.

Mächtige Wellen brechen sich an den Felsen.

327 Uluwatu Tempel (M)328 Uluwatu Tempel (N)329 Uluwatu Tempel (M)330 Uluwatu Tempel (M)332 Uluwatu Tempel (M)333 Uluwatu Tempel (M)334 Uluwatu Tempel (N)

Was wir richtig gut finden ist, dass mehrere Bereiche konsequent für Touristen gesperrt sind, sodass die Gläubigen hier weiterhin ungestört ihren Traditionen folgen können.

Andererseits sind wir natürlich auch ein wenig traurig, dass wir nicht alles besichtigen können.

Als wir gehen, kommt uns eine große Gruppe Hindus mit ihren Gabenkörben entgegen.

331 Uluwatu Tempel (M)335 Intercontinental Bali (N)336 Intercontinental Bali (N)

Wieder im Hotel genießen wir weiter unseren Luxus.
Nicht sehr spannend, aber ausgesprochen schön.

337 Intercontinental Bali (M)338 Intercontinental Bali (M)339 Intercontinental Bali (M)341 Intercontinental Bali (M) (26)341b Intercontinental Bali342 Intercontinental Bali (N)343 Intercontinental Bali (N)

Abends lassen wir uns extra zum Inka Restaurant bringen, damit Marina und Norman auch in den Genuss unseres ungeschlagenen Lieblingsrestaurants kommen.

 

 

 

 

Die Aufnahmen in diesem Beitrag stammen von Dario, Elisabeth, Norman und Marina.

 

 

 

 

 

Eine Schiffsfahrt, die ist lustig, …

Der Beginn einer Reise in der Reise
02.06.2017

Um 4:00 Uhr morgens klopft der Zimmerservice und serviert das Frühstück.
Im Halbschlaf futtern wir ein paar Kleinigkeiten und stopfen den Rest in unsere Taschen.

Kurz darauf sitzen wir auch schon wieder im Auto und sind auf dem Weg zum Flughafen.

Alles geht prima. Wir sind früh und Inlandsflüge sehr unproblematisch.

130 Auf zum Schiff (N)

Die Zeit im Flugzeug nutzt jeder intensiv auf seine Art: Ich schreibe, Dario spielt und die Eltern schlafen.

131 Auf zum Schiff (M)132 Auf zum Schiff (D E)133 Auf zum Schiff (N)

Auf Flores angekommen, werden wir schon erwartet.

Unser Guide und seine Assistentin stehen parat, um uns und die anderen Gäste, von denen die meisten auch gerade angekommen sind, unter ihre Fittische zu nehmen.

Verteilt auf mehrere Autos geht es los.
Erst zum Hafen, wo unser Gepäck abgeladen wird, dann weiter über die Insel.

Der Guide sitzt bei uns im Auto und erklärt, dass auf vielen der Inseln die Mehrheit der Bevölkerung katholisch ist. Daher gibt es auch viele Kirchen. 

134 Flores (N)

Allerdings haben sich die neuen Glaubensrichtungen wie Christentum und Islam mit den alten Bräuchen vermischt.

Daher werden wir heute einen für diese Region typischen Tanz sehen.
Die Veranstaltung findet an einem speziellen Ort, auf einer Hügelkuppe statt.

 

Traditioneller Tanz auf Flores

Wir werden alle begrüßt und dürfen es uns auf überdachten Sitzgelegenheiten aus Bambus bequem machen.
Die Aussicht ist fantastisch.

138 Flores (M)

137 Flores (M)

Die Schiffsreise wird von zwei Schiffen gemeinsam gemacht und so sind wir heute auch zwei Gruppen.
Wir befinden schon jetzt, dass wir auf dem richtigen Schiff gelandet sind, denn der Guide der anderen Gruppe ist uns sofort unsympathisch.

Im Gegensatz zu unserem ist er kein Indonesier und scheint wenig entspannt.

Von jeder Gruppe wird eine Person als Vertreter gewählt. Für die andere Gruppe eine Dame, für unsere Gruppe Dario.

An uns alle werden Kokosnussschalen mit einem Schnaps ausgeteilt.

Die Vertreter müssen mit dem Dorfältesten anstoßen, der eine lange Rede in seiner Sprache hält.
Ein jüngerer Mann übersetzt für uns. Es ist eine Art Willkommensgruß.

Auch Geldscheine werden ausgetauscht, die den Vertretern von den Guides zuvor in die Hand gedrückt werden.

Und anschließend ohnehin alle in einer Spendenbox landen. Aber dem Ritual muss eben Genüge getan werden. 

Zudem erhalten die beiden, und dann auch wir, Betelnüsse.

Das sind die Nüsse, die beim Kauen die Zähne furchtbar schwarz färben.
Sie schmecken ziemlich bitter und sind sehr gewöhnungsbedürftig.

Warum jemand sowas kaut?

Logisch. Es ist eine Droge und macht high.

Dazu muss man allerdings ziemlich lange darauf herumkauen.
Wir versuchen es, doch selbst mit dem Schnaps zusammen merken wir nur wenig.

Vielleicht ist die Menge zu klein, vielleicht halten wir aber auch einfach nicht lange genug durch.

# Kommentar Dario: Bitter, das war der einzige Geschmack den ich die nächsten Stunden im Mund hatte, nachdem ich die Nüsse weit über die Schmerzgrenze hinaus kaute.#

 

Die Erste Vorstellung ist eine Art Wettkampf, bei der immer ein Mann mit einer Peitsche auf den Schild eines anderen drischt.
Eine Mischung aus Tanz und Kriegsgehabe.

Untermalt wird die Szene von einem kleinen Orchester mit Trommeln und Gongs.

136 Flores (M)

Danach tanzen die Frauen, was weniger aufregend, dafür aber ästhetischer ist.

139 Flores

Und schön ist, dass sie einige von uns zum Mittanzen in ihre Reihen holen.

140 Flores (D E)

Am besten gefällt mir allerdings ein Tanzspiel, das darauf folgt.
Drei Frauenpaare, die jeweils zwei lange Bambusse zwischen sich halten, hocken sich auf den Boden.
Die Bambusse liegen dabei so übereinander, dass sie ein Muster aus Rechtecken ergeben.

141 Flores

Dann beginnt leise die Musik wieder zu spielen die Frauenpaare bewegen ihre zwei Bambusse im Rhythmus auseinander und zusammen.
Lücken werden geöffnet und geschlossen.

Weitere Frauen kommen hinzu und hüpfen zwischen die Bambusse, wenn sich gerade eine Lücke öffnet.

Was für ein wunderschönes Spiel!

Vermutlich weil ich die jüngste Zuschauerin bin, oder aber weil sie meine Begeisterung gesehen haben, werde ich dazu geholt und darf mithüpfen.
Allerdings erst, nachdem sie mir die Schrittfolge gezeigt haben.
Der rechte Fuß landet immer zuerst, dann der linke. Dann springt man in die nächste Lücke. Tap, tap und tap, tap und tap, tap und …

142 Flores

Ganz so elegant wie die Dame, die wir den Weg vortanzt, bin ich lange nicht.
Immer wieder komme ich aus dem Takt, aber wenigstens bleibe ich nicht an den Bambussen hängen.
Nach einer Weile wird der Takt schneller und der Weg ein bisschen komplizierter.

Ob ich das schon mal gemacht habe? Auf diese Frage kann ich den Frauen mit einem ehrlichen Nein antworten.
Ein wenig erinnert mich das Spiel aber natürlich an das Seilspringen in der Schule.

Gemeinsam wird noch eine landwirtschaftliche Zeremonie durchgeführt.
Die Männer gehen voraus und stampfen mit Stäben auf den Boden, als würden sie kleine Mulden machen.

Wir Frauen gehen schräg hinter ihnen und tun so, als würden wir aus kleinen Körbchen Samen in Richtung der imaginären Löchern werfen.

Zum Abschluss stellen wir uns für ein Foto auf. Die Veranstaltung ist in der Gegenwart angekommen.

143 Flores

Auf dem Weg zu den Autos entdecken wir eine Ananaspflanze mit Frucht!
Wie wir in Thailand gelernt haben, sind Ananas gar keine arg großen Pflanzen und tragen immer nur eine Frucht, nie zwei gleichzeitig.

144 Flores (M)

 

 

Unser Schiff

Jetzt geht es endlich auf´s Schiff!

Im Hafen steigen wir auf kleine Schlauchboote, die uns unserem neuen Zuhause entgegentragen.

Wieder sitzt der Guide bei Dario und mir im Boot.
Wir fragen ihn, ob wir während der Reise irgendwo Lampenöl oder Kerosin kaufen können.
Natürlich erklären wir auch wozu.

Er ist sofort begeistert, aber nicht sicher, ob wir welches kriegen werden.

Im Hafen liegen einige Schiffe und wir sind wahnsinnig gespannt, welches unsere ist.

Es ist ein elegantes, weißes Segelschiff.

145 Schiff (D E)146 Schiff (M)147 Schiff (D E)148 Schiff (M)

Das Schlauchboot legt an einer herabgelassenen Treppe an, auf der man sehr gemütlich das Deck erklimmen kann.

Oben werden wir mit einem Glas voll Smoothie begrüßt. Mmhmmmm!

Ebenso gemütlich sind die Kajüten.
Jede hat ein eigenes Bad mit WC und Dusche. Bis Taillenhöhe ist es sogar mit Naturstein verkleidet.
Die Betten sind für ein Schiff sehr groß.
Traumhaft!

149 Schiff (D E)150 Schiff (D E)151 Schiff (D E)

Wieder überlassen wir Norman und Marina die Wahl, denn eines der Zimmer hat nur ein Doppelbett, das andere ein Doppelbett und darüber noch ein Einzelbett.
Sie wählen letzteres, denn es bietet mehr Stauraum.

Und wir sind glücklich mit dem Doppelbett, von dem aus man durch ein Bullauge hinausschauen kann.

Als alle sich eingerichtet haben, gibt es ein kurzes Briefing auf Deck.

152 Schiff (D E)

Die Reiseroute wird kurz erläutert, den meisten ist sie aber ohnehin vertraut. Und uns interessiert sie wenig. Wir sind an Bord. Wir kriegen schon mit was passiert.
Außerdem kann man stets die Route einsehen, denn sie hängt über der Treppe zu den Kajüten.

152b Schiff (M)

Heute ist etwas Zeit, um an Bord anzukommen und die anderen Gäste kennen zu lernen.

Dario und ich sind mit Abstand die jüngsten Gäste an Bord.
Wir sind insgesamt eine kleine Gruppe, denn es gab einen Krankheitsausfall und wir sind zwei Personen weniger als erwartet.

Außer uns sind an Bord: Eine ältere Schweizerin mit ihrer Tochter, ein weiterer Schweizer, ein australisches Paar, ein australischer Single und ein Australier mit seiner indonesischen Frau.
Die Australier scheinen sich alle schon länger zu kennen, sie sind wohl gemeinsam hier.

Später machen wir einen ersten Schnorchelausflug.

Flossen und Brillen sind für alle da, jetzt wissen wir auch, weshalb bei der Buchung Schuhgrößen abgefragt wurden.

Die Unterwasserwelt ist wundervoll. Die schönste, die wir bisher gesehen haben!

Es wimmelt von bunten Fischen und überall sind farbenfrohe Korallen.
Unser sehr sympathischer, farbiger Schnorchel-Guide führt uns auf sehr angenehme und geradezu subtile Weise.
Ganz anders als bei unserer Tour von Gili Air aus, wo der Guide ständig am Rufen war.

Wir sehen Stachelrochen und sogar einen kleinen Hai.

Für Darios Eltern ist es das erste Erlebnis dieser Art und wir kehren alle strahlend aufs Schiff zurück.

Wieder werden wir schon mit einem leckeren Smoothie erwartet.

Zum Sonnenuntergang legen wir vor einer Insel an.

153 Schiff (N)154 Schiff (N)155 Schiff (M)156 Schiff (M)157 Schiff (N)

Dario und ich befestigen dünne Schnüre mit Schlaufen an unseren Poi. Die Schlaufen legen wir uns um die Handgelenke.
Nun können wir an Bord spielen, ohne Angst zu haben, dass die Poi bald im Meer versinken werden.

157b Schiff Poi

Als die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, wachen die Flughunde auf.
Zu tausenden und abertausenden erheben sie sich aus dem dichten Grün der Mangroven und färben den Himmel schwarz.
Was für ein Spektakel.

158 Schiff (D E)159 Schiff (M)

Anschließend wird das Abendessen serviert.
Es schmeckt absolut fantastisch! Jetzt sind wir wirklich im Paradies.

Während wir essen, fährt das Schiff wieder weiter. Die Segel werden dazu allerdings nicht gehisst. Ob sie überhaupt je benutzt werden?

Nach dem Abendessen stellt sich die Crew vor. Sie scheinen alle überaus nett und einige albern herum.
Der Kapitän ist allerdings recht ernst, er macht einen sehr verantwortungsbewussten Eindruck.
Kaum dass er sich vorgestellt hat, ist er auch schon wieder ans Steuer verschwunden.

 

Komododrachen
03.06.2017

Recht früh, aber noch durchaus erträglich, gibt es Frühstück.

Nach dem Schlaraffenland steigen wir aufs Schlauchboot und düsen auf eine Insel.

Hier werden wir hoffentlich Komodowarane sehen.
Zuvor lernen wir natürlich einiges über die berühmten Riesenechsen. Vor allem, wie gefährlich sie sein können.
Sie sehen zwar behäbig aus, können aber über kurze Distanzen extrem schnell rennen.

Und selbst wenn ihr Biss einen nicht direkt tötet, so stirbt man ohne schnelle Behandlung spätestens nach ein paar Tagen.
Erzählt wurde uns, das sei wegen der Bakterien im Mund der Drachen so, doch laut Spektrum handelt es sich um ein Gift (Artikel).

Immer wieder sterben Einheimische und auch Touristen sind den “Drachen” schon zum Opfer gefallen.

162 Komodos (N)163 Komodos (M)

Zu unserem Schutz werden wir auf der Insel von einheimischen Männern begleitet, die mit langen, zweizackigen Speeren bewaffnet sind.
Mit denen können sie im Notfall die Echsen fernhalten.

Wir haben Glück, denn vor kurzem hat irgendeine wichtige Persönlichkeit die Insel besucht und man hat die Warane angefüttert.
Das ganze Dorf ist voll von ihnen.

Sie liegen da und sonnen sich.

Perfekt für Fotoshootings.

164 Komodos (N)165 Komodos (M)

Selbst in einem Schuppen entdecken wir ein riesiges Vieh.

166 Komodos (D E)

Aber wie üblich machen wir auch noch einen großen Spaziergang über die Insel.
Er ist wunderschön, aber die Drachen scheinen alle im Dorf zu sein, denn wir sehen keinen einzigen.

167 Komodos (N)168 Komodos (N)

Zum Glück kommen wir auf dem Rückweg wieder durch das Dorf und können die beeindruckenden Reptilien noch etwas bewundern.

169 Komodos (M)

 

Diesmal werden wir auf dem Schiff mit einem Becher Eis begrüßt.
An dieses Leben kann man sich leicht gewöhnen!

170 Komodos (N)

Und dann steht auch schon bald Strand und Schnorcheln auf dem Programm.

171 Strand (N)172a Strand Poi172b Strand Poi174 Strand Poi179 Strand180 Strand181 Strand182 Strand183 Boot184 Schiff

Abends wird an Bord getrunken, musiziert und getanzt.

Leider geht es Dario nicht so gut und wir schauen nur zu.

Da wir trotzdem so lange wie möglich dabei bleiben wollen, machen wir es uns einfach auf dem vorderen Teil des oberen Deck zum Schlafen gemütlich.
Natürlich warm eingemummelt. Es ist wundervoll.

 

Manta Rochen
04.06.2017

Auf Deck haben wir viel besser geschlafen als in der Kajüte.
Damit steht fest, dass wir nur noch bei Regen diesen Traumhaften Platz unter dem Sternenhimmel verlassen werden.

 

Heute steht, wie jeden Tag, etwas ganz besonderes auf dem Programm: Manta Rochen.

Nach dem Frühstück klettern wir alle in voller Schnorchelmontur auf die Schlauchboote.

Dann heißt es Ausschau halten.

Einmal springen wir alle umsonst ins Wasser. Aber wir stellen bei diesem “Testlauf” fest, dass der Meeresgrund ganz schön weit weg und die Strömung extrem stark ist.
Hier kann man sich gut vorstellen, dass Leute einfach davongetragen werden und verschwinden.

184b Manta Tauchen (D E) (3)184b Manta Tauchen (D E) (4)

Aber unsere Schlauchbootführer sind sehr aufmerksam und lassen uns keinen Moment aus den Augen. 

Als wir wieder alle an Bord sind, hängt Dario den Kopf während der Fahrt ins Wasser und unterstütz die Suchenden.

184b Manta Tauchen (D E) (1)

Es dauert eine ganze Weile, bis wir Glück haben.

Unter uns schwimmt ein Manta, die Flügelartigen Flossen weit ausgebreitet.
Wunderschön.

Nur Dario und der Tauch-Guide schaffen es tief genug hinab, um schöne Fotos zu machen.
Ich darf wegen meiner Ohrverletzung leider noch immer nicht hinab.

184b Manta Tauchen (D E) (5)

Außerdem ist es ein echter Kampf, den Manta länger als ein paar Sekunden beobachten zu können.
Er schwebt seelenruhig in der Strömung, aber wir müssen wie die Weltmeister kraulen, um nicht davongetrieben zu werden!

Einer nach dem anderen kapitulieren wir und klettern zurück aufs Boot.
Erschöpft und zufrieden.

 

Auch Traumpaare streiten mal Winking smile

Zurück an Bord kriegen Dario und ich uns ein wenig über den gestrigen Abend in die Haare.
Weil ich so gerne tanzen wollte und er mir erst so spät gesagt hat, dass es ihm schlecht geht.
Und nun ist diese einmalige Gelegenheit, mit dieser einmaligen Stimmung einfach vorbei.
Da gibt es nichts besseres, als einmal den Mast hinauf zu klettern. Bald schon hängen wir zu zweit in der Takelage und alles ist wieder in Ordnung.

185 Schiff (D E)

Dario geht es aber leider nicht viel besser als gestern Abend.
Er hat Durchfall und fühlt sich etwas schwach. Ich bin auch ziemlich müde, obwohl es mir glänzend geht.
So bleiben wir an Bord, während die anderen eine weitere Insel mit Komodowaranen besuchen.

188 Schiff (D E)187 Komodos 2 (M)

 

Traumblick

Auf eine Wanderung am Nachmittag gehen wir aber mit.
Der kleine Berg sieht einfach zu verlockend aus und wir bereuen es nicht.

189 Wanderung (D E)190 Wanderung (N)191 Wanderung (N)192 Wanderung PoiVideo Shots (2)197 Wanderung (M)198 Wanderung (N)199 Wanderung (M)

Abendessen gibt es heute an einem Strand.
Die Gruppen beider Schiffe treffen hier zusammen und es gibt ein riesiges Buffet.

Am Lagerfeuer packen die Crewmitglieder ihre Instrumente aus und stimmen stimmungsvolle Lieder an.

Es gibt also doch eine zweite Gelegenheit.

Wir tanzen am Feuer unter den Sternen.

204 Grillabend (N)205 Grillabend (M)206 Grillabend (M)

 

Unser Freund, der Fisch
05.06.2017

Wieder ein wundervoller Tag, den wir mit einem Gähnen unter blauem Himmel begrüßen.

Nach dem Frühstück erobern wir einen neuen Strand und gehen Schnorcheln.

207 Schnorcheln und Surfen (M)208 Schnorcheln und Surfen (D E)209 Schnorcheln und Surfen (D E)210 Schnorcheln und Surfen (D E)211 Schnorcheln und Surfen (D E)212 Schnorcheln und Surfen (D E)

Irgendwann bemerke ich, dass ein kleiner Fisch Dario folgt.
Vielleich nutzt der Fisch Dario als Schutz vor größeren, gefährlichen Fischen?

Warum auch immer, der Fisch ist da und bleibt auch da.
Wenn Dario in die Tiefe taucht, wechselt er zu mir.
Sobald Dario wieder hochkommt, wechselt er zurück.

Wer findet ihn? Er ist auf allen drei Fotos.

213 Schnorcheln und Surfen (D E)214 Schnorcheln und Surfen (D E)215 Schnorcheln und Surfen (D E)

Nach einer halben Stunde taufen wir ihn ganz unkreativ auf den Namen Fischli und fühlen uns richtig schlecht, als wir ihn schließlich alleine im Wasser zurücklassen.

 

Wakeboarden im  Nirgendwo

Doch es wartet ja schon der nächste Spaß auf uns.
Ein Stand Up Paddle Board wird als Wakeboard missbraucht und wir lassen uns kreuz und quer durch die Bucht ziehen.

216 Schnorcheln und Surfen (D E)217 Schnorcheln und Surfen (D E)218 Schnorcheln und Surfen (D E)

Schließlich sogar zu zweit. Wie das ausging? Seht selbst…

219 Schnorcheln und Surfen (D E)220 Schnorcheln und Surfen (D E)221 Schnorcheln und Surfen (D E)222 Schnorcheln und Surfen (D E)

Mittags segeln wir weiter. Wie ich den Wind in den Haaren liebe!

Poi spielen wir meist auf dem oberen Deck, Dort gibt es einen kleinen Bereich ohne Sonnensegel, der häufig frei ist.
Er liegt vor der Kommandobrücke, wo unser Kapitän ruhig und sicher dafür sorgt, dass wir unser nächstes Ziel erreichen. 

Was für ein Leben! Obwohl es Dario nur zeitweise gut geht, würden wir am liebsten für Monate auf dem Schiff bleiben.

223 Schiff (M)

Nachmittags gehen wir wieder schnorcheln.

223b (D E) (1)223b (D E) (3)223b (D E) (4)223b (D E) (5)223b (D E) (7)223b (D E) (8)223b (D E) (9)223b (D E) (11)223b (D E) (15)

Und sehen sogar zwei Feuerfische.
Sie sind wunderschön.
Leider verstecken sie sich unter einem Felsen und die Kamera kann nicht mal ansatzweise einfangen, was wir erleben.

Aber so ist das eben mit Erlebnissen. Man kann sie teilen und anderen von dieser Traumwelt berichten, aber erleben kann man sie eben nur selbst.
All die kleinen Details, die guten und die schlechten Gefühle, was jemand zu einem sagt, der erste Fisch und der zweite Fisch, oh und da! Noch ein Fisch, …
Die meisten von ihnen bleiben kleine, einmalige, nie beschriebene Erlebnisse.
Und obwohl wir sie häufig auch schnell vergessen, bilden sie unser Leben.

Sein Leben kann man nur selbst leben.

So schweben die Feuerfische nur wenige Meter von uns entfernt und ihre Flossen bewegen sich langsam und elegant im Wasser.

223b (D E) (16)223b (D E) (17)

Abends bringen uns die Schlauchboote auf eine kleine Insel mit einem Dorf.

Die Kinder kommen uns entgegengelaufen.
Sie kennen Narto, unseren Guide, schon. 

Wie üblich bringt er etwas für die Kleinen mit. Einen ganzen Sack voll Bälle.

226 Dorfbesuch (N)225 Dorfbesuch (D E)

Ich bewundere ihn, denn er ist immer ruhig und gut gelaunt.
Er vermittelt perfekt zwischen Einheimischen und Touristen, behandelt jeden mit Respekt.

Auf diese sympathische Weise führt er uns durchs Dorf.

Er erklärt uns, wie hier die Boote gebaut werden. Alles noch von Hand.

227 Dorfbesuch (M)

Dann spazieren wir zwischen den Hütten hindurch.

Sie sind sehr einfach gebaut.
Wenn hier eine Flut kommt, ist alles weg.
Aber es ist auch nicht ganz so schwer, wieder Unterkünfte dieser aufzubauen.

Ich frage mich, wie es für die Menschen hier wohl ist, so zu leben.
Oder kennen sie es wirklich nicht anders?

Narto erklärt zu meiner Überraschung, dass viele der Familien zusätzliche feste Häuser auf einer größeren Insel haben, die wir in der Ferne sehen können.
Dort gibt es auch eine Schule.

Auf dieser Insel hier werden besonders kostbare Rinder gezüchtet.

So können die Männer der Familien häufig sogar das höchste Ziel im Leben eines Muslim hier erreichen: Eine Pilgerfahrt nach Mekka. 

228 Dorfbesuch (M)229 Dorfbesuch (M)

Eine alte Frau, mit von den Betelnüssen schwarz gefärbten Zähnen, führt auf Nartos Bitte hin vor, wie hier zum Beispiel Curry hergestellt wird.
Mit einem lange Stab drischt sie fachkundig in einen präparierten Baumstamm mit einer tiefen Mulde.

230 Dorfbesuch (M)

Als wir weitergehen, können wir beobachten, wie zwei neugeborene Zicklein ihre ersten Schritte machen.
Vollkommen gefesselt stehen wir da, ein lächeln auf den Lippen. Sind die süß!
Die Einheimischen schütteln wahrscheinlich alle die Köpfe über uns Touristen.

232 Dorfbesuch (M)

Der Schiffskoch ersteht ein Huhn.
Gar keine so leichte Sache, denn es muss erst mal eines eingefangen werden.
Es gibt einen großen Aufruhr. Hühner und Menschen rasen durch die Gegend.
Doch schließlich ist es geschafft.

233 Dorfbesuch (M)

Auf dem Weg zurück an den Strand, werden wir Zeugen einer Hausplatzierung.
Das Gerippe der Hütte ist bereits fertig. Es wird einfach von einer Gruppe Leute auf die Schultern gehoben und an seinen vorgesehenen Platz gebracht.

234b Dorfbesuch234c Dorfbesuch

Wir genießen den Sonnenuntergang und spiele etwas Poi.

234 Dorfbesuch (N)235 Dorfbesuch (N)236 Dorfbesuch (M)237 Dorfbesuch (M)237b Poi am Strand (1)237b Poi am Strand (2)237b Poi am Strand (4)237b Poi am Strand (5)237b Poi am Strand (8)

Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, lassen sich die meisten Touristen zurück aufs Schiff bringen.

Wir bleiben noch, denn vor kurzem hat Narto uns mit einem Kanister voll Kerosin überrascht. 
Den hat die Crew bei einem ihrer Einkaufsausflüge, von denen wir nie etwas mitbekommen, besorgen können.
Und heute ist der perfekte Tag, um es zu benutzen.
Wir haben eine wundervolle Kulisse und es geht kaum Wind.

237b Poi am Strand (11)237b Poi am Strand (14)237b Poi am Strand (15)237b Poi am Strand (17)237b Poi am Strand (18)237b Poi am Strand (25)237b Poi am Strand (30)237b Poi am Strand (33)237b Poi am Strand (38)

 

Der Inselsee
06.06.2017

Norman und Marina haben diese Nach auch auf Deck geschlafen.

Für uns steht ja schon lange fest: Wer braucht eine Kajüte, wenn man unter den Sternen schlafen kann?

Es ist einfach wunderschön. (Oh weih, wie oft habe ich das jetzt schon geschrieben?)

239 Schiff (N)

Nach dem Frühstück legen wir wieder an einer Insel an.
Auf ihr gibt es einen großen See. Wie wir es schon in Malaysia erlebt haben, liegen Salz- und Süßwasser nicht weit auseinander.

Während die anderen spazieren gehen, baden wir und genießen die Stille.

240 Insel mit See (N)241 Insel mit See (M)242 Insel mit See (D E)243 Insel mit See (D E)244 Insel mit See (D E)245 Insel mit See (D E)246 Insel mit See (D E)247 Insel mit See (D E)

Am Strand sind ein paar Backpacker, die auch mit einem Schiff da sind.
Bei diesen günstigeren Touren geht es etwas schlichter zu. Da hat zum Beispiel nicht jeder sein eigenes Bad.

Für uns wäre das sicher auch in Ordnung gewesen.
Aber wir genießen unseren Luxus natürlich schon sehr.
Alles andere wäre ja auch blöd, oder?

Gemeinsam spielen wir Volleyball. Dario schaut zu.
Mein Team gewinnt knapp.

248 Insel mit See (D E)

 

Unter vollen Segeln

An Bord steht mal wieder ein Event an: Die Segel werden gehisst!
Die Crew beweist, dass sie durchaus in der Lage ist, das Schiff auf historische Weise zu nutzen.

Selbst der alte Julius klettert behänd in die Takelage. 
Wir staunen nicht schlecht.

250b Schiff (D E)

Mit dem Schlauchboot werden wir abwechselnd um das Schiff herumgefahren, um es in seiner vollen Pracht bewundern zu können.
Und natürlich, um jede Menge Fotos zu machen.