Hokitika bis Christchurch

Von Greymouth aus gibt es einen sehr schönen Radweg, dem wir eine Weile folgen.

Allerdings vermeiden wir Umwege und schauen zu, dass wir auf schnellstem Wege nach Hokitika kommen. Dort erwartet uns schon ein älterer Herr namens Kevin von WarmShowers. Und unser Handy.

Auch in dieser Zeit machen wir viele Bilder, doch unglücklicher Weise geht Darios Festplatte kurz nach der Übertragung kaputt und wir haben die Bilder noch nicht auf meine kopiert. Daher folgt nun eine Lücke. Nur einige wenige Bilder, die wir mit der Kamera und nicht mit dem Handy gemacht haben, dokumentieren die Zeit von nun an bis zur Abreise nach Australien.

Die Unterkunft ist gut und Kevin nett.

Da es beständig regnet und wir viele Dinge in der Bibliothek am Computer erledigen müssen, bleiben wir letztendlich drei Tage bei ihm. Dann gibt es endlich mal besseres Wetter und wir sehen zu, dass wir fortkommen.

Fort von der Westküste.

Wellington bis Hokitika

Auf in den kalten Süden
Tag 89 (09.01.2017)

Es dauert eine Weile, bis wir wieder alles auf den Rädern verstaut haben.

Wir brechen früher auf als nötig, denn wir wollen noch einmal ins Museum. Die Räder mit dem Gepäck schließen wir gut sichtbar direkt am Eingang an, sodass ein Dieb schon sehr dreist sein müsste, um nicht aufzufallen. Die kostbarsten Dinge nehmen wir natürlich mit. Und wir beeilen uns.

Als wir alles gesehen haben machen wir es uns noch ein wenig am Hafen gemütlich, dann radeln wir zur Fähre. Zum Glück sind wir früh dran, denn unterwegs löst sich eine Schraube von meinem Rad und wir können noch an einem Fahrradladen halten und sie ersetzen lassen. Eine solche Kleinigkeit wird zu unserer großen Freude nicht mal berechnet.

Die Fähre ist nicht ganz klein und wir vertäuen unsere Räder ordentlich. Zu dritt. Der andere Radfahrer ist natürlich auch wieder deutsch.

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Die Fährfahrt ist sehr schön und wir lassen uns den vielen Wind gerne um die Nase wehen. Besonders zauberhaft sind die vorgelagerten Inselchen vor der Südinsel, durch die wir tuckern.

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In Picton, der kleinen Stadt in der die Fähre landet, wartet schon ein älteres Ehepaar auf uns. Auch hier wird wieder gezeltet. Doch diesmal sind wir immerhin früh genug um noch auf einen Tee ins Haus gebeten zu werden. Mit frischer Minze aus dem kleinen aber feinen Garten.

Die beiden, Don und Val, sind sehr nett. Don ist allerdings ziemlich müde und hält sich im Hintergrund. Dafür erzählt Val uns umso mehr. Sie ist Künstlerin und hat das ganze Haus gestaltet. Einzelne Wände haben spezielle Farben, während die Vorhänge ganz schlicht sind. Die (angenehm) bunt gestreiften Sofakissen sind sogar selbst genäht und der Fernseher hat Vorhänge wie ein Puppentheater. Wenn ich es so lese, hört es sich ziemlich komisch an, aber alles ist dezent und angenehm. Wir fühlen uns auf Anhieb sehr wohl.

Zufrieden krabbeln wir ins Zelt.

Couchsurfen auf dem Schotterweg
Tag 90 (10.01.2017)

Wir wachen auf, weil es draußen langsam unruhig wird. Der Enkel der beiden wartet mit kindlicher Ungeduld auf unser Erwachen.

Da wir heute noch ein gutes Stück schaffen wollen, stehen wir auch zügig auf. Wir packen alles abreisefertig zusammen, dann jonglieren wir. Der kleine Kerl stellt jede Menge Fragen und will immer noch mehr sehen, aber irgendwann wollen wir dann doch los.

Val führt mich noch kurz ins Obergeschoss und zeigt mir ihr Atelier und die privaten Räume. Das Atelier hat einen traumhaften Blick über ein Flusstal und ich bekomme richtig Lust mal wieder selbst zu werkeln. Bisher habe ich nicht mal viele Skizzen gemacht. Seit Thailand eigentlich gar keine mehr. Ich würde aber gerne die Grundrisse aufzeichnen. Von all den Häusern, die wir gesehen haben – natürlich vor allem von den guten.

Wir verabschieden uns herzlich und radeln bei schönstem Sonneschein los. Schon bald geht es ordentlich berauf, aber dank Hörbuch fliegen die Kilometer nur so dahin. Auch versteckt sich hinter jeder Kurver ein neuer Ausblick auf´s Meer und die vorgelagerten Inseln.

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Die Sonne schimmert auf den Wellen und ein paar Buchten später können wir nicht mehr wiederstehen und machen Pause. Es ist so gemütlich, dass wir gar nicht weiterfahren wollen. Wir spielen etwas Poi und ich schaue nach, ob es zwischen Picton und Nelson vielleicht jemanden gibt, bei dem wir übernachten können.

Tatsächlich gibt es einen Couchsurfer, auch wenn sich sein Profil ein wenig seltsam anhört. Lebt er auf einer Baustelle? Wir sind nicht mal sicher ob er eine Dusche hat. Aber nun gut. Wir versuchen es trotzdem, wenigstens hätten wir dann sicher einen Platz für unser Zelt.

Kurz bevor wir weiter wollen taucht der Deutsche Radler von der Fähre wieder auf. Wir tauschen allerdings nur ein paar Worte und ziehen dann wieder jeder seiner Wege.

Wir haben schon Glück, so zu zweit unterwegs zu sein. Wir sind nie alleine.

Das ist wirklich etwas Schönes. In jedem Detail unserer Reise steckt gemeinsamkeit. Und wenn wir nur gemeinsam einen Berg hochstrampeln und dabei über ein Hörbuch lachen.

Natürlich überlegen wir manchmal – meistens zusammen – wie es ohne den anderen wäre. Das Ergebnis ist allerdings immer das Selbe: Irgendwie doof. Folglich geht’s stets zusammen weiter!

So kommen wir gegen Abend gemeinsam bei unserem Gastgeber an und sind uns – mal wieder – einig: Was für ein Chaot!

Der Kerl hat einen kleinen Berg (nuja, größerer Hügel) gekauft. Das ist hier wohl üblich. Nachdem ein Stück Land komplett gerodet wurde und daher für die Wirtschaft vorläufig uninteressant geworden ist, wird es an Privatleute verkauft. Die können dann zusehen, wie sie aus dem Kahlschlag samt Erosionsfolgen wieder einen netten Ort machen.

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Im Falle unseres Gastgebers wird die Natur allerdings alleine klarkommen müssen, denn er sitzt den ganzen Tag vor dem Computer. Es gibt eine kleine Hütte mit einem Bett und einer Küche. Auch wenn man letzteres kaum so nennen kann. Müllhalde mit Kochvorrichtung würde es wohl treffender beschreiben. In dem Bett schläft allerdings nicht unser Gastgeber, sondern sein Kumpel.

Er selbst wohnt im Wohnwagen gegenüber. Zusammen mit seinem großen Hund. Und natürlich dem Computer. Ganz wichtig.

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Ansonsten gibt es einen kleinen Schuppen mit etwas Baumaterial für das zukünftige Haus und immerhin noch ein Plumsklo (mit Vorhang statt Tür).

Wir wussten ja, dass wir nur unser Zelt aufstellen können, aber da das Gras nicht gemäht ist, ist selbst das eine Herausforderung. Wir suchen eine Weile nach einer halbwegs flachen Stelle, doch schließlich sehen wir ein, dass die beste Stelle in der Einfahrt ist. Wir fegen ein paar Steinchen beiseite und stellen das Zelt auf.

Dann gehen wir erst mal baden.

Ja, baden. Nein, es gibt kein Bad. Keine Dusche, keine Badewanne.

Es gibt einen Fluss!

Der ist leider kein wirklicher Geheimtipp und so haben auch die Moskitos schon von ihm gehört. Obwohl wir in menschlicher Hinsicht also vollkommen alleine sind und pudelnackig ins Wasser hüpfen können, haben wir keine Ruhe. Andererseits ist das Wasser so kalt, dass wir ohne die saugenden Plagegeister vielleicht nie hinein gegangen wären. So aber heißt es Flucht in die Fluten.

Lange halten wir es allerdings nicht in der Kälte aus und so machen wir uns dann bald an die Zubereitung des Abendessens. „Das ist die schlimmste Küche, in der ich je gekocht habe“, sagt Dario und macht jede Menge Fotos. Trotzdem zaubert er aus etwas Reis, einer alten Möhre und ein paar anderen Überresten ein passables Essen für vier Personen.

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Dieses verspeisen wir alle gemeinsam an einem zusammengeschusterten Tisch. Die beiden Typen sind sehr nett und der „Kumpel“ bietet uns sogar an unsere Räder anzuschauen. Er kenne sich damit aus. Und das macht er nach dem Essen auch und verbessert tatsächlich etwas, während wir unsere Poi auspacken und spielen. Unser Gastgeber hat einen selbstgebastelten Feuerstab und gesellt sich dazu.

Als es richtig dunkel wird und auch etwas zu nieseln beginnt, gehen wir ins Bett.

 
Nelson und zum Glück wieder WarmShowers
Tag 91 (11.01.2017)

Wir wachen früh auf, packen alles auf zusammen und auf die Räder und gehen nochmal baden. Der Hund kriegt mit, dass wir zum Fluss gehen und begleitet uns. Leider. Das Vieh ist ja wirklich eine gute Seele, aber so viel und so laut habe ich noch keinen Hund bellen gehört. Eine ziemlich schlechte Angewohnheit, wie auch die Stimmbänder zu finden scheinen, denn der Klang lässt melodisch zu wünschen übrig.

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Wir sehen zu, dass wir schnell fertig werden. Dann verabschieden wir uns und radeln los. Nix wie weg!

Leider fällt uns drei Kilometer später auf, dass mein Biki-Oberteil nicht mehr da ist. Da Dario die Badesachen an seinem Rucksack befestigt hat, ist es an ihm zurück zu radeln. Ich nutze die Zeit um weitere WarmShowers Anfragen zu senden.

Während ich warte kommt doch tatsächlich schon wieder dieser Deutsche Radler vorbei. Warum ausgerechnet er immer wieder auftaucht ist mir echt ein Rätsel. Wir sind so gar nicht auf einer Wellenlänge! Trotzdem schaffen wir es ein paar Worte zu wechseln, bis Dario endlich wiederkommt. Der Deutsche begleitet uns dann ein kleines Stück, bis wir einen Laden sehen uns anhalten. Da fährt er wieter und wir haben wieder unsere Ruhe.

Sein Glück, denn in der Gegend gibt es unglaublich viele schöne Briefkästen und wir halten ständig an, um Aufnahmen für unsere Fotoserie zu machen.

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So setzen wir ganz entspannt unsere Fahrt bis nach Nelson fort, wo wir bereits von einem WarmShowers Host erwartet werden.

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Er ist das komplette Gegenteil von unserem letzten Gastgeber. Super ordentlich und strukturiert. Wobei sie eine Gemeinsamkeit haben, denn auch er hat einen permanenten Gast.

So bekommen wir das Gästezimmer an der Garage statt im Haus. Es hat kein Bett, aber zwei sehr bequeme Matratzen und einen flauschigen Teppich. Nach der letzten Unterkunft ganz klar: Wir lieben es! Und wir haben zwei Nächte „gebucht“, da Regen angesagt ist.

Wir bekommen einen eigenen Schlüssel, sodass wir ein und ausgehen können wie wir wollen. Wir bedanken uns herzlich und bieten an zu kochen, aber die beiden haben schon gegessen und so machen wir nur für uns etwas. Für den nächsten Abend verabreden wir uns zum gemeinsamen Kochen. Jimmy, der Hausherr, möchte Hühnchen grillen. Ob wir etwas beisteuern überlässt er uns.

Zufrieden gehen wir schlafen.

 

Viele „der eine Ring“-Ringe
Tag 92 (12.01.2017)

Wie angekündigt sieht das Wetter ziemlich schlecht aus. Daher machen wir einen Ausflug in die Stadt um ins Kino zu gehen. Allerdings scheinen wir nicht die einzigen mit diesem Plan zu sein, denn die Vorstellung ist tatsächlich ausgebucht. Unglaublich.

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als uns die Stadt anzuschauen. Nelson ist nicht übermäßig interessant, aber wir besteigen einen Hügel mit Kirche und besuchen die Goldschmiede in der „der Eine Ring“ (bzw. Jede Menge davon) für den Herrn der Ringe gefertigt wurde.

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Dann gehen wir aber wirklich noch ins Kino und auf dem Heimweg machen wir noch einen Abstecher ans Meer und spielen Poi.

Pünktlich zum gemeinsamen Abendessen kommen wir nach Hause und zaubern noch schnell einen Salat zum Grillhuhn dazu. Keine große Kunst, da noch so viel von gestern übrig ist.

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Wir haben ein gemütliches Abendessen und bekommen viele gute Tipps für den nächsten Teil der Route, da der Dauergast mal in der Tourist Information gearbeitet hat.

So ändern sich auch unserer Pläne und wir beschließen statt dem Abel Tasman Coast Track (den wir nämlich schon vor Wochen hätten buchen müssen) einen Abstecher in die Golden Bay zu machen und um dort hin zu kommen einen Radweg an der Küste entlang zu nehmen.

 

Radlerglück – schöne Strecke und gute Unterkunft
Tag 93 (13.01.2017)

Gesagt, getan. Wir radeln am Meer entlang. Die Strecke ist zauberhaft. Über Stege und durch hohe Gräser geht es, bis wir schließlich nach „Rabbit Island“ kommen.

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Die kleine Halbinsel ist Naturschutzgebiet und der Strand so schön, dass wir einfach baden gehen müssen. Wir entscheiden auch nicht mehr viel weitere zu fahren und rufen spontan bei WarmShowerern in der Nähe an, die uns tatsächlich für nachher zusagen. Entspannt gehen wir baden.

Dann radeln wir über die Insel und nehmen eine kleine Fähre zurück ans Festland.

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Auf der Weiterfahrt finden wir einen kleinen Igel und retten ihn von der Straße.

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Einige Kilometer müssen wir noch machen, aber wir werden belohnt. Unsere Gastgeber sind zwar gar nicht zuhause, aber die beiden deutschen WWOOFER zeigen uns gerne das großzügige Haus und unser hübsches Zimmer. Nach dem Abendessen spielen wir auf der Terrasse Poi, bis unsere Gastgeber heimkommen. Dann plauschen wir noch ein wenig und gehen ins Bett.

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Über den Berg ins Paradies?
Tag 94 (14.01.2017)

Heute wollen wir in die Golden Bay. Dazu radeln wir erst mal nach Motueka, dem letzten größeren Ort vor dem „Berg“. Denn der Berg trennt die Golden Bay quasi vom Rest der Welt. Besonders wenn man ein Radfahrer ist.

Also informieren wir uns über unsere Optionen und finden heraus, dass ein Boot zur Golden Bay fährt und auch Räder an Bord nehmen kann. Allerdings ist Startpunkt in einem kleinen Ort mehrere Kilometer entfernt. Besser als eine Bergüberquerung, denken wir uns und radeln los. Hoffnungsvoll montieren wir ein Schild hinten am Gepäck mit Aufschrift „Golden Bay“. Vielleicht nimmt uns ja jemand mit.

So radeln wir dahin und kommen schließlich an die Abzweigung zu dem kleinen Ort, wo das Boot abfahren soll. Wir montieren unser Schild nun vorne ans Rad, da Autos die zur Golden Bay wollen nun höchstens von vorne kommen können. Aber eigentlich rechnen wir nicht mit einem Erfolg.

Umso erstaunter sind wir, als kurze Zeit später ein Pickup anhält, eine Frau aussteigt und uns lächelnd zuwinkt. Wir halten an und sie erklärt uns, dass wir in die falsche Richtung fahren, wenn wir in die Golden Bay wollen. Ja, das wissen wir auch. Wir erklären ihr die Sache mit dem Boot und sie nickt. „Aber von der Anlegestelle sind es noch etliche Kilometer bis nach Takaka! Das schafft ihr heute nie.“, klärt sie uns auf.

Als wir lange Gesichter machen, lächelt sie. „Aber ich könnte euch auf den Berg bringen“.

Da sagen wir natürlich nicht nein und packen sofort die Räder auf die Ladefläche. Unterwegs stellt sich heraus, dass sie extra nur für uns hinauf fährt und wir sind sehr dankbar dafür, denn es sind sehr sehr sehr viele Kurven hinauf. Selbst mit Hörspiel wäre das sicher nicht leicht geworden.

Unsere Chauffeurin ist Kindergärtnerin und sehr nett. Am höchsten Punkt des Berges „Takaka Hill“ setzt sie uns ab. Wir winken ihr hinterher, dann schwingen wir uns in die Sättel und ab geht die Post!

Was für ein Spaß! Es geht bergab und bergab. Kurve um Kurve sausen wir gen Tal und genießen die fantastischen Ausblicke. An einem Aussichtspunkt futtern wir unser Mittagessen und schreiben Anfragen an WarmShowerer in Takaka, dem kleinen Städtchen am Anfang der Golden Bay, das wir gemütlich in ein oder zwei Stunden erreichen können sollten.

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Tatsächlich bekommen wir auch eine Zusage, allerdings von einem nicht ganz gewöhnlichen Host. Er ist schon etwas älter und betreibt ein „clothing optional“ Backpackers. WarmShowerer können kostenlos im Garten zelten. Dario grinst, während ich einen Moment mit mir kämpfe und überlege ob wir nicht doch lieber für einen Campingplatz bezahlen.

Aber Offenheit ist ja bekanntlich eine wichtige Eigenschaft beim Reisen und so gebe ich mir einen Ruck. Wir sagen zu.

Als wir dann tatsächlich ankommen, schicke ich aber Dario vor, um die Lage auszukundschaften. Er kommt grinsend zurück. „Ist ganz nett, da war halt ein Nackter, der mich begrüßt hat. Am Tisch drinnen sitzt noch einer, die anderen sind alle angezogen.“

Ich schwitze ein bisschen, aber das Verlangen nach einer warmen Dusche und einem kuscheligen Platz im Zelt siegen. Ich komme mit rein. Und habe Glück, denn unser Gastgeber ist nun aufgetaucht und er ist angezogen. Er drückt uns zur Begrüßung und erklärt, dass das in der Golden Bay die übliche Begrüßung sei. Golden Bay ist Hippieland.

Au weia, denke ich nur. Hoffentlich muss ich diese Höflichkeit keinem nackigen Typen entgegenbringen…

Unser Gastgeber führt uns durchs Haus und zum Glück begnügen sich die meisten Gäste mit einem Winken zur Begrüßung. Die Jungs sind fast alle nackt, die Mädchen ohne Ausnahme bekleidet.

Es ist ein nettes kleines Backpackers. Eine gemütliche Küche mit Computer und ein Wohnzimmer mit großer Couch, Fernseher und vielen Filmen. Im Garten hinterm Haus gibt es einen Whirlpool. Dieser darf aber nur nackig benutzt werden! Der Ausblick geht auf eine Wand, die den Garten begrenzt und eine Szene mit fliegenden Nackten zeigt. Auf dem Weg ins Paradies der Nackten?

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Gezeltet wird dagegen vor dem Haus. Und das Beste ist eindeutig das Bad, denn es beinhaltet eine Massage-Dusche mit Düsen aus allen nur erdenklichen Richtungen.

Abgesehen von einem Preis als „sonderbarste Unterkunft“, verleihe ich nun noch eine Medaille für die beste „warm shower“ unserer WarmShowers Unterkünfte.

Wir stellen das Zelt auf und belegen das Bad mit der tollen Dusche. Dann kuscheln wir uns ins Zelt.

 

Seelenverwandte
Tag 95 (15.01.2017)

Wir haben eine Zusage von einem deutschen Paar weiter nördlich in der Golden Bay, in Collingwood. Kurz bevor wir aufbrechen, stellen wir fest, dass das Handydisplay nicht mehr funktioniert. So ein Mist! Wir telefonieren mit dem Reparaturladen in Wellington, denn es muss deren Fehler sein und die lassen uns wissen, dass die einzige Lösung ist, das Ding zu ihnen zu schicken.

Dazu brauchen wir aber einen Ort, zu dem wir es danach wieder zurückschicken lassen können. Also verschicke ich etliche Anfragen an WarmShowers Host an der Westküste.

Danach verabschieden wir uns und ich drücke mich erfolgreich davor unseren nackten Gastgeber zum Abschied umarmen zu müssen. Auch wenn es ja wirklich schlimmere Dinge gibt.

Wir radeln entspannt durch die Golden Bay. Leider liegt die Straße nicht am Wasser, aber die Fahrt ist trotzdem ganz nett. Und als wir schließlich unser Ziel erreichen, sind wir hin und weg.

Ein riesiger Garten voller Obstbäume, Blumen und Kunstwerken empfängt uns. Als wir die Einfahrt entlangradeln entdecken wir auch unsere Gastgeber.

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Erhard und Christine sind gerade dabei ein Netz über einen der Bäume zu spannen. Wir winken und sie grüßen lächelnd zurück. Nachdem das Netz fertig befestigt ist, nehmen sie uns richtig in Empfang.

„So sind wir auch immer unterwegs“, lacht Erhard und deutet auf unseren Wok.

Dann gibt es erst mal etwas zu Trinken. Selbstgemachten Saft für uns und Wein für sie. Dazu knusprige Brotstückchen. Eingenommen werden die Schlemmereien auf der Terrasse neben dem Haus. Diese besteht aus einigen Sitzstufen und oben einem Podium mit eingelassenem Whirlpool.  An der Sitzstufe mit dem besten Blick gibt es einen Grill. Das ganze ist überdacht – und selbstgebaut.

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Die beiden machen fast alles selber.

Wir stellen fest, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben und uns ganz prima unterhalten können. So müssen wir uns schließlich richtig zusammenreißen noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang das Zelt aufzustellen. Das mache ich, während Dario mit Erhard zusammen das Abendessen vorbereitet. Christine verschwindet derweil in ihr Atelier, wo sie gerade eine Kunstinstallation für einen Wettbewerb vorbereitet.

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Die beiden sind nämlich sehr engagiert in der Kunstszene der Golden Bay und haben etwa die „Art Bank“ neu organisiert. Das ist eine Galerie in Takaka, wo Künstler (und davon gibt es in der Golden Bay jede Menge) ihre Werke präsentieren können.

Das Essen schmeckt ausgezeichnet. Wie schon in Nelson hat Dario „nur“ den Salat (auch der ist natürlich ziemlich aufwändig) zubereitet und es stellt sich heraus, dass auch Erhard ein mehr als passabler Koch ist. Sein Fischcurry schmeckt super!

Wir sind alle total glücklich.

Die beiden erzählen uns viel aus ihrer Vergangenheit. Erhard war Lehrer, Christine ist schon lange Künstlerin. Das Haus in dem wir gerade sitzen ist ihr drittes.

Die anderen beiden Häuser hatten sie in Deutschland. Das erste haben sie komplett selbst entworfen und auch fast ganz selbst gebaut. Das zweite war ein Bauhaus, welches sie wieder komplett auf Vordermann gebracht haben.

Hier in Neuseeland sind sie wegen ihrer Tochter gelandet, die nämlich mit ihrem Neuseeländischen Mann und Kind nur ein paar hundert Meter weiter wohnt.

Die beiden sind einfach schaffenswütig und haben sich hier ein Paradies gezaubert. Mit Pflanzen, Tieren (Hühner und Schafe) und diesem gemütlichen Haus mit Traumblick.

Für den nächsten Tag planen wir das Versenden des Handys und einen Ausflug zum Farewell Spit und der Wharariki Beach. Erhard und Christine laden uns ein, doch noch eine Nacht zu bleiben.

Früher haben sie auch ein Zimmer für die Radfahrer zur Verfügung gestellt, aber weil sie einfach so nett und so gute Gastgeber sind, wurde ihr Ruf einfach zu gut. Bis sie schließlich Anfragen bekamen, die wohl etwa so lauteten: „Wir planen einen Abstecher in die Golden Bay, lassen unsere Räder aber in Nelson. Mitbringen brauchen wir ja nichts, wir haben gehört bei euch gibt es alles.“

Danach haben sie beschlossen nur noch einen Platz zum campen anzubieten und seitdem ausschließlich die Art von Gästen, die sie gerne haben möchten. Uns zum Beispiel. Was für ein Glück!

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Wharariki Beach
Tag 96 (16.01.2017)

Nach dem Frühstück düsen wir los in den Ort und bringen das Handy auf den Weg. Dann strampeln wir Richtung Farewell Spit – mal wieder gegen den Wind.

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Dort schließlich angekommen, laufen wir nur ein kleines Stück. Wenn man bis ganz auf die Spitze möchte, muss man ohnehin eine Eco-Tour buchen und so wie es heute windet und den Sand der Dünen durch die Lüfte wirbelt, sind wir gar nicht so scharf auf einen größeren Ausflug.

Also machen wir es uns gemütlich und futtern erst mal was. Pünktlich zur Ebbe wollen wir ohnehin am Wharariki Beach sein.

Auch auf dem Weg dorthin quält uns der obligatorische Gegenwind.

Erhards Empfehlung folgend laufen wir noch ein gutes Stück durch die Dünen, um den Strand an einer etwas entlegeneren Stelle zu betreten. Es ist richtig malerisch. Die Dünen sind bis nah ans Meer bewachsen und immer wieder müssen wir (an vorgegebenen Stellen) über Zäune steigen um von einer Schafweide auf die nächste zu gelangen.

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Wir erreichen den Strand kurz vor der Ebbe und genießen eine Weile den Blick auf die grandiosen Felsformationen, bis sich das Wasser weit genug zurückzieht und wir den Strand betreten können. Hier sind wir tatsächlich die einzigen und so wandeln wir fasziniert zwischen den Felsskulpturen umher.

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Unterwegs begegnen wir auch einem Seehund, der sich von unserer Anwesenheit allerdings nur mäßig begeistert zeigt und uns zu verstehen gibt, dass er gerne seine Ruhe hätte. Wir tun ihm den Gefallen und schländern lieber in die nächste Höhle. Und die übernächste. Und tanzen weiter vorne am Strand im aufspritzenden Wasser der seichten Wellen.

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Langsam kommen wir an den Hauptstrand, wo auch andere den Zauber genießen. Nur leider genießen wir so lange und langsam, dass es plötzlich schon ganz spät ist.

Dabei sind wir wieder zum Essen verabredet!

So machen wir leider den Fehler, nicht ganz bis zum Ende zu laufen und verpassen die Pools mit den spielenden Seehundbabys. Aber das erfahren wir natürlich erst später. Und sind trotzdem sehr zufrieden mit dem wundervollen Tag.

Auf dem Rückweg – natürlich mit Gegenwind – werden wir allen Ernstes von Erhard aufgegabelt, der uns extra entgegen gefahren ist. Er hat das Lamm im Ofen und möchte es zur perfekten Zeit servieren können. Und er hat sich schon gedacht, dass wir nicht so schnell wieder vom Strand aufgebrochen sind.

Wir genießen also ein weiteres wundervolles Abendessen zusammen und sind richtig traurig, dass wir morgen weiter müssen. Und das müssen wir wohl tatsächlich, denn Erhard und Christine erklären uns, dass ein Unwetter im Anmarsch ist und wir zusehen sollen, dass wir ins Inland kommen.

 

Über den Berg zurück – doch wohin dann?
Tag 97 (17.01.2017)

Erhard nimmt uns mit nach Takaka und schweren Herzens verabschieden wir uns von den beiden. Hoffentlich sehen wir sie eines Tages wieder!

Takaka Hill kommt schleppend langsam näher, heute ist von schlechtem Wetter noch keine Spur. Sengend heiß trifft es schon eher.

Wir machen Pause an einem Fluss und nehmen für die „Fotoserie Wok“ noch ein Bild auf: Dario beim Goldsuchen. Ohne viel Hoffnung, obwohl es hier in der Golden Bay durchaus möglich ist – allerdings eher wenn man weiß wo.

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Unmotiviert befestigen wir wieder unser Schild am Gepäck, diesmal mit der Aufschrift „Motueka“. Doch Auto um Auto zieht an uns vorbei und es wird immer steiler. Und dann, kurz bevor wirklich der Berg beginnt, hält ein Pickup. Der Fahrer hat vollstes Verständnis für unsere fehlende Motivation.

„Es ist besser oben zu sein“, sagt er und setzt uns auf der Spitze ab. Extra damit wir die Abfahrt auf den Rädern genießen können.

Am Fuße des Berges machen wir eine Umweg über Motueka und kaufen eine Karte. Eine echte Straßenkarte. Aus Papier! Die totale Steinzeit setzt ein. Und die Steinzeit kostet auch noch richtig Kohle.

Doch dann stellen wir fest, dass die Steinzeit Radwege kennt und diese speziell verzeichnet sind. Gar nicht so übel.

Also suchen wir nach dem Radweg für die Weiterfahrt, was auf dem Papier leider einfacher ist, als auf der Straße. Schließlich müssen wir feststellen, dass wir in einer Sackgasse gelandet sind. Einer ziemlich langen Sackgasse. Und es wird langsam dunkel.

Weit und breit kein Campingplatz. Wir klopfen an einem Haus und fragen, ob wir vielleicht unser Zelt in den Garten stellen dürfen, oder ob es einen Ort in der Nähe gäbe, wo es erlaubt sei.

Das ältere Paar ist leider nicht sehr offen und verweist uns auf einen Spielplatz mit Toilette in der Nähe. Da sei campen erlaubt. Und sie erklären uns, wie wir wieder auf den Radweg kommen.

Wir sind nicht dazu aufgelegt noch weiter zu suchen und folgen einfach der Angabe.

Sicherheitshalber stellen wir den Wecker auf sechs Uhr…

 

Vom Regen in die Traufe, doch unverhofft kommt oft!
Tag 98 (18.01.2017)

…und schalten ihn grummelnd aus.

Eine Stunde später klopft es ans Zelt. „Aufwachen, ihr zeltet hier illegal!“

Wir stöhnen auf und murmeln verschlafen, dass der nette Herr einen Moment warten soll. Schnell ziehe ich mir etwas an und klettere aus dem Zelt.

Der ältere Beamte ist tatsächlich sehr nett. Ich reiche ihm die Hand, stelle mich vor und er lässt mich unsere Geschichte erzählen. Dass wir den Radweg verfehlt haben, scheint keine Seltenheit zu sein und tasächlich fährt auch just in diesem Moment ein Radler die Straße entlang – aus der Sackgasse zurück Richtung Radweg.

Der nette Herr erklärt, dass die Nachbarn in der näheren Umgebung es nicht gerne sehen, wenn hier gezeltet wird und verweist auch auf ein Schild mit „no camping“, welches wir in der Dunkelheit übersehen haben.

Ich entschuldige mich und versichere ihm, dass wir sofort aufbrechen werden. Daraufhin nickt er freundlich. Dario kommt nun auch aus dem Zelt und wir bekommen nochmal eine Erklärung, wie wir wieder auf den rechten Weg finden.

Wir verabschieden und bedanken uns, denn wir sind überfroh nicht 200 $ Strafe zahlen zu müssen.

Nun sehen wir zu, schnellstmöglich auf den Radweg zu kommen und finden heraus, warum fast all Radler hier falsch fahren. Man muss auf eine Straße zwischen zwei riesigen Hecken abbiegen und es gibt kein Schild. Erst ein paar hundert Meter weiter steht eines und lässt erkennen, dass wir diesmal richtig sind.

Dank dem freundlichen Weckservice sind wir mal richtig früh dran.

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Dafür überkommt uns aber mittags eine große Müdigkeit. Wir halten an einem Fluss und essen. Zum Glück in der Nähe einer Brücke, denn kurz darauf beginnt es zu regnen.

Wir verkriechen uns ins Trockene, lehnen uns aneinader und schlafen doch tatsächlich ein.

Natürlich wachen wir immer wieder auf, denn wirklich bequem ist es nicht. Und irgendwann ist mir auch kalt. Zum Glück hat der Regen etwas nachgelassen und in unsere Regenkleidung gepackt können wir weiterfahren.

Da der Radweg diesmal nur auf der normalen Straße entlangführt, versuchen wir eine Abkürzung zu nehmen. Hier ist viel weniger Verkehr und wir sind guter Dinge.

Dario setzt ein Spiel fort, das wir in letzter Zeit begonnen haben: Wir erzählen uns Kurzgeschichten. Allerdings holt er etwas zu weit aus und es wird eher der Anfang für ein Buch. Selbst schuld, so muss er ganz schön lange erzählen.

Das wird nicht einfacher, als die befestigte Straße aufhört und an ihre Stelle Schotter tritt.

Und dann beginnt es auch noch bergauf zu gehen.

Weiter und weiter.

So schlimm, dass wir sogar kurz überlegen, umzukehren. Aber das würde bedeuten, viele, viele Kilometer doppelt zu fahren.

Und so strampeln wir weiter. Auf der Schotterstraßen. Den Berg hoch. Bei Regen.

Häuser werden immer seltener und je höher wir kommen, desto dunstiger und trister wird es. Ich wusste gar nicht, dass es hier Berge gibt. Aber so fühlt es sich an. Immer wenn wir denken, dass wir nun endlich den höchsten Punkt erreicht haben, geht es nur ein paar Meter runter und dann noch höher hinauf.

Als endlich mal wieder ein Haus in Sicht kommt, überlege ich einfach hin zu fahren und um freundliche Aufnahme zu bitten. Doch es wirkt nicht sehr einladend und dann stellt sich auch noch heraus, dass es ein ganz schöner Umweg ist, da es noch höher als die Straße liegt und eine gewundene Einfahrt hinauf führt. Wir fahren weiter.

„Wir schaffen es schon bis zum Campingplatz“, sagt Dario.

„Kein besonders passendes Ende für so eine Abenteuerfahrt“, antworte ich.

Und wir strampel weiter.

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Dario spinnt mit bemerkenswerter Ausdauer (in Sachen Fantasie UND Puste) seine Geschichte fort. Das versüßt die Fahrt enorm, doch die Träume von einer warmen Dusche, trockenen Kleidern und einem weichen Bett werden immer übermächtiger.

Jetzt würde ich ja fast gerne meinen lieben Onkel Marcus anrufen. Von dem haben wir vor der Abreise nämlich einen Gutschein bekommen: Sollten wir mal gar nicht wissen wohin, oder das Zelt einfach nicht mehr aushalten, dann können wir bei ihm anrufen und er organisiert ein nettes Hotel für uns.

Die Sache hat aber zwei Haken.

Der kleinere Haken ist, dass wir mit zwei Rädern voller Gepäck irgendwo im Nirgendwo unterwegs sind. Folglich müsste uns jemand vom Hotel abholen. Aber das wäre sicher möglich.

Der wesentlich größere Haken ist, dass das „Notfall“-Gefühl noch viel zu schwach ist. Denn eigentlich ist ja alles in Ordnung. Klar, wir sind nass. Aber im Rucksack sind trockene Handtücher und Klamotten. Und theoretisch könnten wir jederzeit irgendwo unser Zelt aufstellen. Gut möglich, dass wir den Gutschein ein andermal dringender brauchen. Die Reise ist schließlich noch lang.

Oh nein, es sind übrigens drei Haken: Das Notfalltelefon (mein altes Steinzeithandy) hat hier keinen Empfang.

Wir strampeln weiter.

Plötzlich steht da ein Auto am Straßenrand. Darin sitzt ein junger Mann und starrt in den Regen. Dario klopft an die Scheibe und fragt, ob wir wirklich noch auf dem richtigen Weg sind. Der junge Mann bejaht, interessiert sich aber nicht wirklich für uns. Er scheint über irgendetwas wütend zu sein.

Wir lassen ihn in Ruhe und strampeln weiter.

Mittlerweile sind wir ganz schön erschöpft. Wir sind so früh aufgebrochen und haben ganz schön Strecke gemacht. Das macht sich nun langsam bemerkbar. Und dunkel wird es auch schon.

Eine Einfahrt kommt in Sicht und ein bellender Hund kommt uns entgegen gelaufen. Er ist zwar nass, aber total nett und ich kraule ihn unter Darios missbilligenden Blicken.

Nun kommt auch ein Mensch die Einfahrt entlang. Ein junger Mann. Er nickt uns zu und begrüßt uns standartmäßig mit „How are you doing?“. Wir entscheiden uns nicht ganz so standartmäßig zu antworten und erzählen ihm stattdessen von unserer Reise und dieser nassen Fahrt heute.

Er hört zu, ist selbst aber eher wortkarg. Fragt einfach nur, ob wir vielleicht frisches Wasser brauchen. Wir bejahen mit Blick auf unsere leeren Flaschen.

Die kurze Einfahrt enthüllt schnell den Blick auf eine kleine Holzhütte mit Veranda. Keine normale Hütte allerdings, denn der Grundriss ist alles anderes als rechtwinklig. Der Mittelteil ist sechseckig, darum herum sind niedrigere Elemente angeordnet.

Während wir unsere Flaschen an der Seite des Hauses auffüllen, holt der Mann seine Frau und ihre kleine Nichte aus dem Haus. Beide sind wesentlich weniger wortkarg und so sind wir schnell wieder am erzählen. Schließlich fragt sie uns, ob wir nicht bei ihnen übernachten wollen. Wir schauen uns an. Das wäre wunderbar. „Wir brauchen aber nur eine warme Dusche und ein Plätzchen für unser Zelt“, sagen wir mit Blick auf den nassen Garten.

Sie schüttelt den Kopf. „Wir haben eine Hütte am Hügel, da könnte ihr schlafen, gar kein Problem.“ Wir sehen in der angegebenen Richtung einen schmalen Pfad zwischen den Bäumen verschwinden. Dankend nehmen wir an.

Dann schieben wir unsere Räder auf dem kleinen Weg den Hang hinauf. Durch Matsch und über Wurzeln. Und überlegen, ob das wirklich eine gute Idee war.

Oben angekommen werden jedoch all unsere Zweifel ausgeräumt. Das Blockhüttchen ist perfekt. Und darin ist ein Kamin und ein großes, weiches Bett.

Wir schnappen unsere Handtücher und Klamotten und wandern wieder nach unten. Ein Bad gibt es nur im Haus.

Als wir Schweiß und klamme Regenfeuchte mit warmem Wasser und trockenen Handtüchern vertrieben haben, gesellen wir uns zu den anderen an den warmen Ofen im Wohnzimmer. Nur leise sollen wir sein, denn es gibt ein Baby, das schon schläft.

Bei frischem Apfelkuchen erzählen wir noch etwas mehr von unseren Reisen und erfahren auch ein wenig über unsere Gastgeber. Sie ist früher auch gereist, aber irgendwann hat ihre beste Freundin gefragt, ob sie sich nicht niederlassen möchte. Ihre Freundin war da gerade schwanger. Dann stellte sie ihr ihren heutigen Mann vor und hatte damit tatsächlich Erfolg.

Er ging mit ihr „trampen“, also durch die Berge wandern, und sie verliebten sich.

Jetzt wohnen sie in diesem hübschen Häuschen, haben ein Baby und er arbeitet in der Natur. Ich glaube irgendwas für die Regierung in Sachen Naturschutz. Das entspricht ihm gut, denn er ist ein richtiger Naturmensch. An der Wand hängt ein Foto von ihm, wie er mit dem Mountainbike über einen Bergkamm rast.

„Das könnten wir mit unseren Rädern total vergessen“, lachen wir.

Schließlich wünschen wir allen eine gute Nacht und wandern wieder durch Wald den Hang hinauf. Im Hüttchen angekommen, machen wir ein Feuer im Kamin und hängen unsere nassen Kleider auf.

Es ist so gemütlich!

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Der Regen prasselt nun immer heftiger auf das Dach und Donner grollt. Vor den Fenstern sehen wir wilde Blitze über den dunklen Himmel zucken. Das perfekte Wetter, um in einer gemütlichen Hütte am Feuer zu sitzen.

Tief in der Nacht donnert es ein Mal so laut, dass ich sogar aufwache. Ich lächle, kuschle mich an Dario und schlafe glücklich weiter.

 

Viel Verkehr und wieder Zelten
Tag 99 (19.01.2017)

Wir schlafen aus, frühstücken eine Kleinigkeit und rutschen dann mit den Rädern den Hang hinunter.

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Der Herr des Hauses ist schon auf der Arbeit, aber es quatscht sich ja ohnehin leichter mit den beiden Damen. So erfahre ich noch, dass das Haus eine recht witzige Geschichte hat.

Die nächsten Nachbarn haben nämlich das gleiche Haus. Die Nachbarin ist Deutsche, hat einen Kiwi (Neuseeländer) geheiratet und das Haus entworfen. Dieses gefiehl dem Mann, dem das Grundstück gehörte bevor unsere Gastgeber dorthin zogen, so gut, dass er darum bat es kopieren zu dürfen. So gibt es nun zwei gleiche Häuser auf zwei benachbarten Grundstücken. Allerdings mit so viel Wald dazwischen, dass es wohl niemandem auffällt, der es nicht weiß.

Während wir Frauen reden, geht Dario zu den Hundewelpen. Der Hund, der uns gestern zu unserem Glück verholfen hat, ist kürzlich Papa geworden. Die Hundemama kümmert sich liebevoll um ihre kleinen. Und die sind sowas von süß. Sogar Dario ist richtig begeistert und nimmt einen der kleinen auf den Arm. Wären wir jetzt zu Hause in Deutschland, hätten wir ab heute ein neues Familienmitglied.

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Schließlich verabschieden wir uns dann aber doch entgültig und treten wieder in die Pedale. Heute abend wartet wieder jemand auf uns. Ein Paar von WarmShowers.

Der Tag verläuft recht ereignislos. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die befestigte Straße und bald darauf ist richtig viel Verkehr. Hier fahren die ganzen LKW, die wegen der durch das Erdbeben vor unserer Ankunft zerstörten Straße nun nicht mehr die Ostküste entlang fahren können.

Bald wünschen wir uns zurück auf die Schotterstraße. Einmal biegen wir sogar ab, um erneut eine „Abkürzung“ zu wagen. Doch dann kommt uns ein anderer Radler entgegen und berichtet von Flüssen, die über die Schotterstraße brausen und wir überlegen es uns anders.

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Am Nachmittag erreichen wir den Ort, doch wo genau unsere Gastgeber wohnen, finden wir auf der Karte nicht heraus. Wir fragen jemanden an der Straße und er erklärt uns, dass es bis dort noch gute zehn Kilometer sind. Na toll. Wir waren echt froh, angekommen zu sein.

Er sieht unsere langen Gesichter und die hilfsbereite Seite der Kiwis blüht auf. Wir dürfen die Räder auf den Pickup laden und er fährt uns bis zum Ziel.

Unser Glück ist gleich doppelt groß, denn diesen Ort hätten wir alleine nie gefunden! Es gibt keine Hausnummer und keinen Briefkasten. Die Einfahrt ist zwischen all den Bäumen kaum zu erkennen. Unser netter Fahrer erklärt uns auch die seltsamen Hausnummern des ländlichen Neuseelands: Es ist eine Kilometerangabe! Unsere Gastgeber wohnen in der Nummer 333. Also 3,33km vom Begin der Straße aus.

Allerdings sind sie ganz schöne Chaoten, er hat einen etwas unangehmen Charakter und wir fühlen uns nicht richtig wohl bei ihnen.

Auch unbefriedigend ist, dass sie keine Verbindung zur Außenwelt haben. Es gibt in der ganzen Gegend keinen Empfang. Dabei müssten wir unbedingt mit dem Handyladen in Wellington telefonieren. Die brauchen nämlich immer noch die entgültige Adresse, an die sie das Handy schicken sollen.

Interessant ist allerdings, dass sie uns von der „Flut“ erzählen. Es hat in der letzten Nacht wohl so viel geregnet, dass am Morgen eine richtige Flutwelle durchs Tal ging und die Katze der beiden musste von einem Mann mit Kajak aus einem Baum gerettet werden.

Dario koch und wir bekommen Tipps zu ein paar Radrouten. Dann sehen wir zu, dass wir in unser Zelt kommen. Morgen wollen wir früh los.

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Was braucht man mehr
Tag 100 (20.01.2017)

Wir kommen tatsächlich zeitig los, müssen jedoch schon wieder anhalten, kaum dass wir die Straße erreichen. Bei meinem Gepäckträger ist eine Schraube gebrochen.

Just in diesem Moment kommen zwei deutsche Radfahrer in unserem Alter vorbei. Sie halten an und wir erklären unser Problem. Sie lachen. Auch ihre Gepäckträger stammen von AdventureCycles in Auckland und auch bei ihnen ist schon mal die Schraube gebrochen.

Ich laufe zurück zu unseren Gastgebern, die glücklicherweise eine entsprechende Schraube dahaben. Gerettet!

Weiter geht’s. Unterwegs fragen wir andere Reisende, ob wir ihr Handy benutzen können, doch wir sind noch immer in dem Gebiet ohne Empfang unterwegs.

Wir fluchen und hoffen auf ein Wunder. Oder eine Telefonzelle.

Schließlich finden wir beides in einem winzigen Örtchen. Dort gibt es nämlich nicht nur eine Telefonzelle, sondern auch einen kleinen Laden, dessen sehr nette Besitzerin uns sogar telefonieren lässt. Und was noch viel besser ist, sie hat Internet.

Durch einen witzigen Umstand sogar das schnellste, das wir in letzter Zeit zur Verfügung hatten. Ganz in der Nähe wohnt nämlich eine sehr reiche Familie und die haben hunderttausende von Dollar dafür aufgewendet, eine ordentliche Internetverbindung herstellen zu lassen. Wovon auch die Dörfler profitieren.

Und nun wir, denn sie lässt uns all unsere Angelegenheiten regeln. Wozu zum Beispiel auch gehört, mal wieder ein Lebenszeichen an Mami zu senden.

Wir kaufen während dem Organisieren zwei Eis im Laden und überlegen, ob wir der netten Dame ein paar Dollar zum Dank geben sollen. Statt dessen drückt sie uns jedoch zum Abschied sogar noch Gemüse aus dem Garten in die Hand.

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Die Landschaft auf der Weiterfahrt ist wunderschön und abends halten wir einfach an einem Bauernhof und fragen einen alten Mann im Schaukelstuhl, ob wir unser Zelt auf der Kuhweide aufbauen dürfen.

Er lacht und genehmigt es gerne. Dann wünscht er uns viel Glück auf der Suche nach einem trockenen Fleckchen. Dieses finden wir tatsächlich nur mit Mühe, vor allem, da wir zudem den Anspruch hegen unser Zelt nicht auf einem Kuhfladen zu errichten.

Die Mühe wird jedoch belohnt, denn wir blicken über ein wunderschönes nebeliges Tal. Und als es dunkel wird in einen klaren Sternenhimmel.

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Westport
Tag 101 (21.01.2017)

Heute erreichen wir Westport und mieten uns auf dem dortigen Campingplatz ein. Leider wird die Stadt ihrem Ruf gerecht und es beginnt zu regnen. Wir ziehen das trockene Kino anderen Aktivitäten vor.

Westküste – Wind, Regen, Wunder
Tag 102 (22.01.2017)

Als wir aufbrechen regnet es noch nicht. Doch dieser Zustand währt kaum zehn Minuten. Und bald darauf gießt es in Strömen. Hinzu kommt massiver Gegenwind.

Das Ergebnis: Wir kommen kaum von der Stelle und sind bald schon völlig durchnässt.

Wir überlegen wirklich umzukehren, doch das fühlt sich so unbefriedigend an, dass wir lieber weiter kämpfen. Irgendwann werden Regen und Wind schwächer und wir können die Fahrt wieder genießen.

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Tatsächlich radeln wir weiter und weiter, statt schnellstmöglich eine neue Bleibe zu suchen. Und am Nachmittag ist es endlich so weit: Wir überqueren eine Hügelkuppe und zu unseren Füßen liegt das tosende Meer der Westküste.

Gekrönt wird der Zauber von einem gradiosen Sonnenuntergang.

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Einen Campingplatz finden wir schließlich auch. Und das Beste: Nichts und Niemand weit und breit in Sicht, bei dem man bezahlen könnte. Wir fühlen uns auch nicht so richtig in der Pflicht, denn es gibt nicht mal eine Toilette. Die wäre schon Minimum um einen Ort wirklich als Campingplatz durchgehen zu lassen.

 

Pancake Rocks
Tag 103 (23.01.2017)

Wir brechen früh auf und machen einen schönen Spaziergang an die Küste.

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Selbst die Pancake Rocks erreichen wir, bevor die großen Touristenmassen sie stürmen. Diese Felsen sind besonders schöne Formationen an der Küste. Und ungewöhnlich ist, dass ihre Schichtung horizontal ist. Halt wie gestapelte Pancakes.

Zudem spritzen die Wellen hoch zwischen ihnen auf. Sehr effektvoll.

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Die Fahrt an der Westküste entlang ist sehr schön, aber auch sehr anstregend. Es geht viel auf und ab. Als es gegen Abend wieder zu regnen beginnt (wir sind gerade mal einigermaßen trocken), haben wir keine Lust mehr, die letzten Kilometer bis Greymouth zu fahren. Stattdessen fragen wir bei zwei kleinen Motels an, ob sie nicht vielleicht für ein paar Dollar einen Platz für unser Zelt haben.

Der Besitzer des einen reagiert recht unfreundlich. Dafür ist die Besitzerin des anderen umso freundlicher. Es gibt keinen wirklich guten Platz für unser Zelt, aber dafür macht sie uns einen überaus netten Preis für eines der Studios. 50$ sind so gut, dass wir tatsächlich einwilligen. Denn letztendlich käme der teure Campingplatz in Greymouth sicher fast auf den gleichen Preis. Nur, dass wir jetzt ein sehr bequemes, kuscheliges Bett und ein eigenes Bad haben. Und genug Platz um unsere feuchten Kleider aufzuhängen.

Morgen geht es weiter nach Hokitika.

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Rotorua bis Wellington

WAIMANGU VOLCANIC VALLEY
Tag 81-82 (01.-02.01.2017)

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Wir radeln los, wenn auch mal wieder nicht ganz früh und genießen die Fahrt auf einer speziellen Radstrecke. Teils ist sie sehr angenehm, teils recht abenteuerlich. Einmal geht es sogar ueber liegende Baume, die fürs Mountainbiken abgeflacht und präpariert sind. Abenteuerlich mit unseren Klapperrädern, aber machbar.

IMG_6528IMG_6565IMG_6588Am Abend erreichen wir das Volcanic Valley. Da es bereits geschlossen hat, fahren wir weiter und suchen nach einem Ort zum übernachten. Nur wenige Kilometer weiter werden wir fündig, denn hier gibt es einen schönen Campingplatz am See, wo wir uns niederlassen können.

Am nächsten Morgen radeln wir die kurze Strecke zurück und kaufen ein Ticket fürs Valley. Dann wandern wir, bewundern die dampfenden Seen und machen einige schöne Aufnahmen von der Natur und uns beim Jonglieren.

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Danach fahren wir weiter und entscheiden uns wieder für die Radstrecke statt der Straße. Diesmal weniger erfolgreich, denn immer wieder ist es zu steil oder die Baumwurzeln sind zu dick, sodass wir (vor allem ich) schieben müssen. Aber es ist gleichzeitig wunderschön. Grün und abenteuerlich.

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Wir halten an einem See, der von gelben Schwefelbrocken und roten roten Felsen umgeben ist. Und ja, wir tun was schon viele vor uns getan haben und klettern über einen schmalen Pfad hinab, um über die aufgerissene Erde und die dampfenden Spalten zu wandern. Das Risiko vor Augen schnappen wir uns allerdings einen Stock und prüfen den Untergrund, bevor wir darüberlaufen. Und sind vorsichtig beim Auftreten.

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Schließlich kommen wir tatsächlich an eine Kreuzung und folgen dem Schild „Kerosene Creek“, das wie wir wissen zu einer heißen Quelle führen muss.

Allerdings entwickeln wir bald leichte Zweifel daran, dass wir auf diesem Wege irgendwohin kommen werden. Er ist total zugewachsen und wird immer enger. Äste schlagen uns ins Gesicht und Dornen greifen nach unseren Beinen.

Doch wir fühlen uns nicht wirklich nach aufgeben. Zähne zusammenbeißen und Augen zusammenkneifen und weiter gehts.

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Und tatsächlich spuckt uns der Urwald irgendwann wieder aus. Auf einen vollkommen überlaufenen Parkplatz. Na toll.

Trotzdem wollen wir jetzt baden und gesellen uns zu den vielen anderen Touristen in die ziemlich heißen Fluten. Der ganze Fluss ist warm, egal an welcher Stelle. Sogar so warm, dass wir nur für ein paar Fotos an den Wasserfall gehen und dann schnell wieder an die kühle Luft flüchten.

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Am besten sind die Stellen, an denen man auf einem Stein oder Ast sitzen kann und nur die Füße ins Wasser baumeln. So genießen wir eine Weile das Wasser, bevor wir unseren Weg fortsetzen.

Allerdings stellt sich bei einem Anruf heraus, das der Campground ausgebucht ist und wir keine sonderlich attraktiven Alternativen haben. Wir hassen es zwar Strecken zurück zu fahren, doch da der Campground am See von letzter Nacht über die normale Straße nur wenige Kilometer entfernt ist (ja, wir haben heute viel Zeit damit verbracht uns durch die Wildnis zu schlagen), entscheiden wir uns doch für ihn.

Wie manch einem schon aufgefallen sein mag, ist es keine leichte Sache, Gelassenheit zu erlernen. Auch auf einer Weltreise liegen die Dinge nicht anders und so ärgern wir uns nun natürlich darüber, dass wir unser ganzes Gepäck durch die Gegend geschleppt haben, nur um unser Zelt wieder genau an der gleichen Stelle zu errichten, an der wir es am Morgen abgebaut haben.

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WAI-O-TAPU
Tag 83 (03.01.2017)

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, nur einen der vulkanischen Parks anzuschauen, aber da Wai-O-Tapu nochmal ganz anders als das Volcanic Valley sein soll uns uns das ganze Gedampfe unglaublisch fasziniert, beschließen wir diesen auch noch anzuschauen.

Pünktlich um kurz vor zehn Uhr erreichen wir den Park. Pünktlich ist hier wichtig, denn jeden Tag gegen 10:15Uhr wird vor einem recht beachtlichen Publikum eine Packung biologisch abbaubares Waschmittel in den Lady Knox Geysir gekippt, was diesen zu einem Ausbruch provoziert. Das Ergebnis ist eine etwa 20m hohe Fontäne. Nun ja, der Geysir in Rotorua ist ehrlich gesagt schöner.

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Aber der Rest vom Park hat es dafür in sich! Bunte Wasserbecken, von denen eines nicht ohne Grund Artist’s Palette genannt wird. In den Champagne Pool möchte man am liebsten reinspringen, denn er ist unglaublich klar. Doch sobald man einen Blick auf die Warnschilder und die Temperaturangaben geworfen hat, überlegt man es sich doch anders. Bei 73°C bis 260°C kann man nicht gerade von einer entspannenden Thermalquelle sprechen.  

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Auf dem Weg zurück zur Straße begeistern zum Abschied noch die blubbernden und spotzenden Schlammbecken.

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Kurz vor unserem Ziel kommen wir an den Aratiatia Rapids vorbei. Die Stromschnellen liegen in einem malerischen Tal. Wären sie nicht so gefährlich, man würde sofort hineinspringen wollen.

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Unser heutiger Campground ist ausnahmsweise kostenpflichtig, doch viel geprisen. Und tatsächlich liegt er recht malerisch zwischen hohen Bäumen an einem Fluss. Es wimmelt von Tieren: Jede Menge Hühner, ein paar majestätische Pfaue, Alpakas und ein Schaf. Für Familien sicher ganz nett, aber wir bemängeln die kleine Küche, die kaum warmen Duschen und den dafür doch recht hohen Preis – durch Couchsufen und WarmShowers sind wir mittlerweile ganz schön verwöhnt.

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Zudem wimmelt es von Deutschen. Sogar der einzige andere Radfahrer ist Deutscher.

 

HUKA FALLS – UND WIR BUSKEN DOCH!
Tag 84 (04.01.2017)

Nur einige Kilometer entfernt liegen die Huka Falls. Sie führen besonders viel Wasser und dank traumhaftem Sonnenschein bieten sie heute ein rechtes Spektakel.

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Wir sind allerdings nicht die einzigen, die das finden und so drängen sich Menschenmassen über die kleine Brücke.

Dario erkennt die Gelgenheit und wir beschließen, gleich am anderen Ende der Brücke, wo alle durchkommen, ein bisschen zu jonglieren. Wir stellen den Wok hin, werfen ein paar Münzen hinein und sind etwa eine Stunde später um dreißig Dollar reicher. Und das ganz ohne Show. Wir haben nur ein wenig geübt.

Zufrieden radeln wir weiter, passieren die kleine Stadt Taupo und blicken über den See zum nächsten Objekt unserer Begierde: Mount Ngauruhoe – der „Schicksalsberg“ aus dem Herrn der Ringe. Den wollen wir besteigen.

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Doch zuvor müssen wir auf die andere Seite des Sees und das heißt mal wieder ordentlich in die Pedale treten. Sogar sehr ordentlich, denn der Wind findet wir sollen den schönen Blick doch etwas länger genießen und verlangsamt uns durch beständige Pusten von vorne.

Allerdings ist es einfach zu schön, um sich zu beschweren, denn es gibt einen fantastisch schönen Weg direkt am Wasser entlang.

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Wir legen eine frühe Mittagspause ein, als wir einen unglaublichen Kyter entdecken und vergessen schier zu essen, während er sich vom Wind hoch in die Lüfte tragen lässt, Saltos schlägt und dann zurück aufs Wasser gleitet. Er ist extrem schnell und sein Board rast über die Wellen, wenn er nicht gerade fliegt.

Eine zweite Pause legen wir nur kurze Zeit später ein, als die hohen Wellen zu verführerisch werden. Ich hätte nicht gedacht, dass es an einem See solche Wellen geben kann, aber da sind sie.

Und wir werfen uns hinein. Das kühle Nass weckt alle Sinne und wir grinsen uns an. So fühlt sich leben an! Eine ganze Weile tanzen wir mit den Wellen auf und ab, prustend und lächelnd. Glücklich.

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Danach schwingen wir uns wieder auf die Drahtesel und setzen beschwingt den Kampf gegen den Wind fort.

Allerdings geht der schöne Weg nicht ganz um den See und wir müssen irgendwann auf die normale Straße wechseln. Als es langsam zu dämmern beginnt, bietet uns ein Pickupfahrer an, uns mitzunehmen. Doch heute fährt es sich einfach gut und die Aussichten auf den See belohnen beständig das Gestrampel. Wir lehnen dankend ab.

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Als wir den „Free Campground“ in Turangi erreichen, wünschen wir uns jedoch wir hätten eingewilligt. Überall stehen Schilder mit „NO Camping“ oder „No Camping beyond this point“. Mindestens zehn Stück. Ratlos stehen wir da und sehen zu, wie ein großer Campingwagen angefahren kommt, die Schilder sieht und einfach umdreht, um zum nächsten Campground zu fahren. Ja lustig, der ist aber über zehn Kilometer entfernt. Und es ist mittlerweile stockdunkel!

Unetschlossen stehen wir da und überlegen, ob wir uns einfach mit unseren Isomatten ins nächste Gebüsch legen sollen.

Doch dann sehe ich drei Jungs, die am Steg angeln. Und ein Auto. Das scheinen Einheimische zu sein. Ich gehe hin und meine Vermutung bestätigt sich. Es sind sogar Moari.

Ich frage sie, ob sie wüssten wo wir vielleicht unser Zelt hinstellen können. Nur für eine Nacht. Sie sind allerdings alle noch recht jung und verweisen mich auf ihre Oma, die im Auto sitzt.

Auch die scheint noch recht jung zu sein, zumindest für eine Oma.

Ich schildere ihr unsere Lage und sie fragt, was wir denn bezahlen könnten. Ich bin etwas verwirrt und erkläre ihr, dass wir versuchen mit wenig Geld zu reisen und normalerweise eben kostenlose Campgrounds benutzen oder bei Leuten übernachten.

„Aber zehn Dollar pro Person könnt ihr schon bezahlen, oder?“, fragt sie und ich bejahe.

Noch immer ist mir schleiherhaft was das werden soll.

Sie ruft ihren Bruder an und nickt bestätigend.

„Ihr könnt neben dem Hot Pool campen. In dem Hotel, gleich am Ende der Straße.“

Sie erklärt mir den Weg noch etwas genauer, nennt mir den Namen ihres Bruders und schickt uns los. Sie käme dann mit den Jungs nach.

Noch immer etwas verwirrt radeln wir hin. Doch als wir ankommen wird alles klar.

Es ist tatsächlich ein Hotel, aber die einzigen Gäste sind Mitglieder der großen Maori-Familie. Sie renovieren die alten Gebäude.  

In der Mitte des Komplexes gibt es tatsächlich einen Hot Pool, der direkt aus einer Thermalquelle gespeist wird. Direkt daneben dürfen wir unser Zelt aufstellen. Duschen und WCs sind auch da.

Perfekt.

Als alles für die Nacht gerichtet ist, machen wir es uns im heißen Wasser gemütlich.

Danach versuche ich noch für den nächsten Tag die Tour zum Berg zu buchen, denn man muss ja irgendwie hinkommen. Es ist nämlich kein Rundweg, sondern man läuft von einem Startparkplatz zu einem Zielparkplatz. Doch leider ist für den nächsten Tag absolut alles ausgebucht.

 

IM CHAOS-HOTEL
Tag 85 (05.01.2017)

Das traumhafte Wetter macht klar, weshalb alle Fahrten ausgebucht sind. Leider kommen wir nicht auf die Idee jemanden von der Familie als Chauffeur anzuheuern.

Stattdessen buchen wir die Tour für den nächsten Tag und verbringen den Tag im Hotel, was allerdings auch sehr interessant ist.

Es wird als das „Chaos-Hotel“ in die Geschichte eingehen, denn überall liegt Krempel herum. Es gibt ganze Säle voller Matratzen, Lampen und anderen Hotel Accessoires. Und überall sind Baustellen. Offene Ohre, durchlöcherte Wände, eingebrochene Böden.

Es scheint als würde immer wieder irgendwo angefangen, aber nichts fertiggestellt.

Das alte Restaurant ist stockfinster und es gruselt mich regelrecht, als ich es betrete. Wir sind heilfroh, dass wir an diesem Projekt nicht beteiligt sind.

Dario bietet an am Abend für alle zu Burger zu machen und fährt mit der Oma zum einkaufen.

Ich verbringe meine Zeit damit, ein großes Schild zu malen auf dem steht, was ein Zimmer kostet, was es kostet zu campen (denn gleich neben dem Hotel gibt es eine große Fläche die dafür genutzt werden könnte) und dass es einen Hot Pool gibt. Ganz wichtig.

Keine übermäßig kreative Aufgabe, aber es macht doch Spaß mal wieder auf etwas großem zu zeichnen. Auch wenn es nur Buchstaben und Zahlen sind.

Am Abend helfe ich Dario mit den Burgern für fast zwanzig Personen. Sie schmecken fantastisch und alle sind happy. Wir fühlen uns zwar nicht ganz heimisch, aber doch recht wohl.

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Und zu unserem Glück stellt sich heraus, dass der Sohn des Besitzers morgen nach Wellington fährt. Was für ein Zufall! Er wird auf uns warten und wir können mitfahren, samt Rädern.

Danach spielen wir noch etwas Poi. Vor allem die jungen Maori-Mädchen sind hin und weg. Die Jungs scheinen eher fasziniert mal einen Mann mit Poi agieren zu sehen. Die Faszination schlägt allerdings schnell in Begeisterung um, als sie erfahren dass es sich eigentlich um Feuerpoi handelt.

Wir gehen früh zu Bett, denn der Bus holt uns morgen um 7:30Uhr ab.

 

DER SCHICKSALSBERG – MORDOR WIE IM FILME…
Tag 86 (06.01.2017)

Pünklich um kurz nach Sieben stehen wir vor dem Hotel. Kurze Zeit später kommt auch ein Bus, biegt allerdins vor dem Hotel ab und verschwindet wieder. Als er nicht nochmal auftaucht und auch sonst niemand kommt, um uns zu holen, rufen wir sofort den Veranstalter an.

Tatsächlich gab es ein Missverständnis, weil seit gut sieben Jahren niemand mehr an diesem Hotel abgeholt worden ist. Verständlich.

Der Bus kehrt um und holt uns.

Leider wird schon auf der Fahrt klar, dass das Wetter nicht so gut ist wie gestern. Es nieselt und windet. „Wir hätten doch gestern gehen sollen“, sagt Dario und ich kann ihm nicht wiedersprechen.

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Zum Glück regnet es aber nicht richtig und wir machen uns auf den Weg – wie sehr viele andere. Und wenn ich „sehr viele“ schreibe, dann meine ich das auch. Wir warten ein paar Minuten, bis alle aus dem Bus weg sind, weil wir den Weg gerne für uns hätten, aber es kommen einfach immer mehr Menschen. Es ist unmöglich weiter als dreißig Meter vom nächsten Wanderer entfernt zu sein und auch dies meist nur für ein paar Minuten.

Dafür ist der Weg sehr gut ausgebaut und die Strecke malerisch, selbst bei diesem Dreckswetter.

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Wir kommen an hübschen kleinen Bächen vorbei, an Moosen mit weißen Blümchen und erstarrten Lavaströmen.

An einem Punkt muss man sich entscheiden, ob man einen Abstecher auf den Krater macht, was normalerweise wohl gute zwei bis drei Stunden dauert. Es nieselt immer noch und ist ganz schön neblig. Ich bin dagegen.

Dario findet jedoch, dass eine Bergwanderung ohne Gipfel keine richtige Bergwanderung ist. Da es also Stimme gegen Stimme steht, fragen wir einen Mann, der gerade vom Gipfel kommt, wie es war.

Er ist vollkommen begeistert und zeigt und Bilder von der fantastischen Sicht. „Etwa 800 Meter, dann seid ihr über den Wolken und es wird traumhaft!“, versichert er uns. Zudem gibt er uns denn Tipp auf der linken Seite über die Felsen hochzuklettern und rechts im Aschefeld herunter zu rutschen. Beschwingt machen wir uns an den Aufstieg.

Wie Frodo und Sam kraxeln wir über die Felsen. Von Weg kann nun keine Rede mehr sein.

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Auch von Massenwanderung keine Spur mehr, nur ab und zu entdecken wir andere Abenteurer im Nebel. Mir läuft die Nase ohne Unterlass. Meist ist die Rotze bereits vom Wind verweht, bis ich sie abputzen kann. Er ist so stark, dass uns immer wieder winzige Steinwölkchen ins Gesicht geweht werden. Ja, das ist bäh!

Da wir nicht weit sehen können und nur schroffen Felsen und daneben die glatten, jedoch recht steil abfallenden Aschefelder erkennen, scheint die Welt schief zu sein. Vollkommen surreal.

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Immer und immer weiter kämpfen wir uns voran. Einmal scheinen die Wolken sich endlich zu lichten, doch dann zieht es sofort wieder zu.

Irgenwann kommen uns Leute entgegen und wir fragen, wie die Lage oben sei.

„Wir waren nicht oben, es ist zu windig. Wir gehn zurück“

Na toll. Wir müssen doch bald oben sein. Einige andere sehen wir nun auch umkehren, andere stapfen wie wir weiter. „Wenn es noch schlimmer wird, gehen wir aber auch zurück!“, sage ich. Dario grummelt, ist aber einverstanden. Jedes Jahr sterben Touristen auf dieser Tour. Da müssen wir nicht dazugehören.

Und tatsächlich erreichen wir den Krater!

Doch er liegt im Nebel und ist Windumtost. Wir kauern uns hinter einen Felsen, starren in die Tiefe und essen eine Kleinigkeit. Es ist ganz schön kalt und wir sehen einige Schneefelder. Trotzdem würden wir zu gerne dableiben und warten, bis es wieder aufklart. Doch dann werden wir den Bus zurück verpassen.

Schweren Herzens machen wir uns wieder an den Abstieg.

Zum Glück ist der allein den Aufstieg schon wert, denn es macht einen riesen Spaß auf den Aschefeldern in die Tiefe zu rutschen. Jeder Schritt trägt einen meterweit nach vorne. Die Nase läuft noch immer, aber jetzt ist auch das egal.

Es ist einfach nur schön.

Ich sammle etwas Asche für meine Lieben zu Hause, denn wenn ein Berg der „Schicksalsberg“ sein kann, dann ist es wirklich Mt. Ngauruhoe! Vor allem heute, bei diesem Wetter.

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Mein Onkel Markus war schon Herr der Ringe Fan lange bevor Peter Jackson Mittelerde auch für Lesefaule zugänglich machte. Und er hat seine wundervollen Kinder damit angesteckt. Die nächste Postkarte wird in einen Umschlag gesteckt und fliegt samt Asche nach Deutschland.     

Sehr zufrieden mit dieser mordorianischen Erfahrung machen wir noch ein paar Jonglierfotos am Fuße des Kraters. Sonst würden wir sie ja über 20km umsonst schleppen.

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Danach marschieren wir zackig weiter. Nun recht eilig, da wir ja den dummen Bus erreichen müssen.

Es windet so stark, dass wir manchmal nur unsere Jacken aufspannen müssen und regelrecht den Berg hinauf geweht werden.

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Es klart weit genug auf, dass wir die Landschaft Mordors mit ihren Lavafeldern bewundern können. Sogar einige blaue Seen liegen auf dem Weg, die sehr malerisch – und damit weniger mordorianisch – sind.

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Obwohl wir nun fast im Laufschritt unterwegs sind und alle überholen, sind wir noch immer spät drann.  

Wir erreichen den Bus rechtzeitig und der nette ältere Fahrer erzählt uns von seinen vergangenen Bergabenteuern bis wir wieder am Hotel sind.

Dort wartet schon unser Chauffeur. Schnell packen wir alles zusammen und dann geht es auf nach Wellington.

Unterwegs stellen sich zwei Dinge heraus.

Erstens: Der einzige Ort, an dem heute schlechtes Wetter herrscht, ist der Schicksalsberg. Denn überall um ihn herum strahlt die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Letztere klammern sich nämlich alle an diesen einen verflixten Berg!

Zweitens: Selbst bei Sturm wäre der Schicksalsberg wohl sicherer als diese Fahrt. Der junge Mann rast ganz schön, regt sich über alle anderen Fahrer auf, unterhält sich mit seiner Schwester und schaut sogar aufs Handy wenn sie es ihm reicht.

Wir haben nicht das Gefühl, dass eine Maßregelung viel bringen würde. Eine Zeit lang versuche ich aufzupassen, um eingreifen zu können, falls etwas passiert. Doch irgendwann bin ich einfach zu müde und überlasse die Arbeit unseren Schutzengeln.

Kurz vor Wellington wachen wir wieder auf und werden tatsächlich heil am Bahnhof abgesetzt. Wir bedanken uns höflich und nehmen den nächsten Zug ins Zentrum.

Es ist mittlerweile ganz schön spät und unsere Gastgeber lassen uns wissen, dass sie womöglich nicht mehr wach sein werden, wenn wir ankommen. Sie haben ein kleines Kind.

Wir bekommen eine lange und komplizierte Anleitung, wie wir am besten zu ihnen finden.

Die Einfahrt sei nicht so leicht zu finden, wir sollen nach einem bestimmten Auto Ausschau halten und dies sei der „code for the cable car“. Hä?

Wellington ist anders, als ich es von einer Stadt am Meer erwartet hätte.

Nur das Zentrum ist flach, die Wohngebiete liegen alle an steilen Hängen!

Auch das Haus unserer Gastgeber bildet da keine Ausnahme und wir müssen noch ganz schön schuften, bis wir die Einfahrt erreichen. An dieser fahren wir im Dunkeln auch erst noch vorbei, denn es ist nur ein leicht zugewachsener Fußweg, der zu einer „Cable Car“ führt.

Dieses Vehikel ist eigentlich nur eine große Metallkiste, die über Schienen an einem Stahlseil den Berg hinaufgezogen wird. Wir hieven unser Gepäck hinein, geben den Code ein und rattern den Berg hinauf.

Tatsächlich ist niemand mehr wach. Zum Glück war ohnehin nur campen vereinbahrt, da das ehemalige Gästezimmer nun Kinderzimmer ist.

Wir sind allerdings so müde, dass wir einfach nur unsere Isomatten auf die Terasse legen und promt einschlafen. Zum Glück regnet es nicht.

 

WELLINGTON – STADT DES WINDES UND DER WUNDER
Tag 87 (07.01.2017)

Am Morgen weckt uns die Sonne – und das Geräusch von kleinen rennenden Füßen. Als ich den Kopf drehe, schaue ich in das neugierige Gesicht eines kleinen Jungen, der von Innen die Hände gegen die Scheibe der Küchentür drückt und uns mustert. Er verzieht ein wenig das Gesicht, er findet wohl, dass wir hier nicht hingehören.

Seine Mama kommt nun auch in die Küche und ich richte mich auf, damit sie sieht, dass wir wach sind. Wir werden herzlich begrüßt und sollen ruhig alles benutzen, was wir in der Küche finden und auch an den Computer dürfen wir.

Der steht in einer Ecke der Küche, immer schnell zugänglich, da die beiden Seismologen sind und es jederzeit sein kann, dass sie Daten eines Erdbebens auswerten müssen. Selbst nachts kann es sein, dass ein Alarm losgeht und sie vor den Bildschirm holt. Als wäre ein Kleinkind nicht schlimm genug. Aber sie scheinen sehr zufrieden.

Wir verstehen uns prima. Da sie aber beide recht beschäftigt scheinen und nicht erwarten, dass wir ihnen Gesellschaft leisten, radeln wir in die Stadt.

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Erstmal suchen wir einen Reparaturladen fürs Handy auf.

Dann versuchen wir herauszufinden, ob wir zur rechten Zeit da sind, um einem Jongliertreffen beizuwohnen, doch Fehlanzeige.

Daher buchen wir die Fähre für Übermorgen. Dann haben wir noch die hälfte unserer Neuseelandzeit, um die Südinsel zu sehen.

Eine Frau erzählt uns, dass Wellington eine der windigsten Städte der Welt ist. Und es windet tatsächlich ganz schön. Die Stadt scheint allerdings ebenso lebendig wie der Wind, woran die Stadtplanung nicht ganz unbeteiligt sein dürfte.

Endlich eine Stadt, die ihre Lage am Meer voll ausschöpft!

Das ganze Ufer ist begehbar und es gibt kilometerlange Spazierwege. Am Hafen gibt es eine Planke, wie auf einem Piratenschiff und tatsächlich mit Totenkopfsymbol versehen, die weit über den Beton hinausragt. Hier kann man tatsächlich mal über die Planke gehen! Zum Glück warten im Wasser aber weder Haie noch Krododile und es gibt eine Leiter um wieder ans Ufer zu kommen.

Nur wenig weiter gibt es sogar ein angelegtes Becken mit einem Sprungturm, von welchem die Jugendlichen halsbrecherische Saltos ins Wasser schlagen. Und immer wieder finden sich Bereiche um schwimmen zu gehen. Auch wenn uns das Wasser doch etwas zu kalt ist…

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An Spielplätzen und Sitzgelegenheiten herrscht auch kein Mangel und ebenfalls am Wasser gelegen befindet sich das wohl schönste (und übrigens kostenlose) Museum Neuseelands. Da müssen wir unbedingt noch rein.

Am Hafen hole ich mir allerdings einen Platten und wir stellen die Räder erst mal ab und laufen zum Abendmarkt (überteuerte Fressmeile) und zum Kino.

Im Kino werden wir sehr positiv überrascht. Hinter der eher unauffälligen Fassade verbirgt sich ein Traum. Es gibt nur einen einzigen Saal, doch dieser ist größer als alle in denen wir je waren. Und prachtvoll! Eher wie eine alte Oper! Schneeweiß, mit Säulen und Stuck.

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Neben allen Sitzen sind Namensschildchen angebracht. Gleich neben uns etwa „Elijah Wood“ und „Sean Astin“. Hier hat die Premiere des Herrn der Ringe stattgefunden.

Auf dem Heimweg fahren wir von Tankstelle zu Tankstelle und blasen meinen Reifen immer wieder neu auf. Wir kommen wieder spät nach Hause und machen aus, am nächsten Tag zusammen zu abend zu essen. Dario wird kochen.

Da es regnen soll, stellen wir nun doch noch das Zelt auf.

 

ZU WENIG ZEIT
Tag 88 (08.01.2017)

Als wir aufwachen wird gerade an der Toilette gehandwerkt da etwas mit der Spülung nicht funktioniert und wir können das stille Örtchen nicht benutzen. Dario wechselt meinen Radschlauch, wir recherchieren ein wenig am Computer und warten darauf, dass die Morgentoilette möglich wird.

Doch die Sache zieht sich und als wir es schließlich nicht mehr aushalten (der Garten ist zu klein um diesen als Ausweg in Betracht zu ziehen), machen wir uns eilig auf den Weg in die Stadt.

Nachdem alle „dringenden Geschäfte“ erledigt sind, flanieren wir ein wenig. Dann gehen wir endlich ins Museum. Hier gibt es zahlreiche aufwändige Ausstellungen. Besonders schön ist die zur Maori-Kulur. Wir könnten den ganzen Tag hier verbringen!

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Doch auf das gemeinsame Abendessen mit unseren lieben Gastgebern freuen wir uns auch und so gehen wir schließlich einkaufen.

Es wird ein sehr schöner Abend und wir bekommen zahlreiche Tipps für schöne Radtouren auf der Südinsel.

Es ist so nett, dass wir richtig traurig darüber sind, dass wir schon für morgen die Fähre gebucht haben.  

Hikuai bis Rotorua

120KM BIS TAURANGA?!
Tag 67 (18.12.2016)

Wir schaffen es nicht früh aufzubrechen, weil wir eigentlich gar nicht weiter wollen. Stattdessen machen wir nochmal ein großes Frühstück mit Kaiserschmarn.

Schließlich verabschieden wir uns schweren Herzens.

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Es geht mal wieder über jede Menge Hügel. Warum sehen die auf der Karte nur immer sooooo viel kleiner aus? Heute haben wir uns eine extrem lange Strecke vorgenommen. 120km bis Tauranga. Da wird’s vermutlich spät werden.

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Mit Hörspiel, das wir über unsere JBL-Box laufen lassen, fährt es sich zum Glück recht leicht bergauf. So radeln wir munter weiter und weiter.

Gegen 6Uhr erreichen wir Waihi, hier ist gerade mal Halbzeit. Wir essen mit Blick in den Grater der Goldmine zu abend.

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Danach gehen wir einkaufen. Als wir aus dem Laden kommen, halten wir noch einmal an der Straße und ich schaue auf die Karte. Ein Mann kommt angeradelt, hält bei Dario an und beginnt mit ihm zu reden. Er sieht nett aus. Woher wir kommen und wohin wir fahren, möchte er wissen. „Das willst du gar nicht wissen“ sagen wir grinsend auf Englisch. „Heute noch nach Tauranga, wir sind total bescheuert“.

Das findet er auch ganz schön weit und dann… lädt er uns zu sich nach Hause ein, wir sollen doch bei ihm übernachten. Wir schauen uns an, lauschen den Argumenten unserer schmerzenden Beine, schauen auf die sinkende Sonne und nicken.

Fünf Minuten später stellt er uns seiner supernetten, rundlichen Frau vor. Wir bekommen ein eigenes Schlafzimmer, mit WC nebenan. Die beiden entschuldigen sich für ihre Unordnung und dass es nicht so arg sauber ist. Beides stimmt, stört uns aber überhaupt nicht.

Wir rufen noch kurz bei unserem Host in Tauranga an, um ihm zu sagen, dass wir heute doch noch nicht kommen und er sagt das sei kein Problem und wir können auch morgen noch kommen.

Da wir schon gegessen haben, beginnen wir im Garten zu jonglieren und die beiden setzen sich dazu. Sie sind total begeistert und wir albern herum. Besonders die Stechpalme hinter mir sorgt jedes Mal für ängstliche Rufe und dann Belustigung, wenn sie mich mal wieder nur fast aufspießt.

Kurze Zeit später taucht noch ein Bekannter auf, dem sie ein Video von uns geschickt haben und möchte auch zuschauen. Wir haben natürlich nichts dagegen.

Viel später gehen wir schlafen und die beiden geben uns noch die Nummer einer Verwandten, die auch auf unserem Weg wohnt. Die ganze Familie sei so, sie nähmen gerne Fremde bei sich auf. Wir sollen uns unbedingt melden, wenn wir dort vorbei kommen.

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60KM BIS TAURANGA
Tag 68 (19.12.2016)

Ausgeruht bringen wir die Strecke bis Tauranga gemütlich hinter uns. Unterwegs kommen wir passend zur Vorweihnachtszeit durch Bethlehem. Ja, ich dachte auch das liegt wo anders. Aber hier in Neuseeland gibt’s eben alles und Bethlehem ist ein Vorort von Tauranga.

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Vor Ort treffen wir unseren netten Host, der in einem hübschen sauberen Apartment nahe dem Strand wohnt. Unser Zimmer hat Hotelqualität und wieder haben wir sogar ein eigenes Bad.

Wir kochen für ihn, reden und gehen dann schlafen. Allerdings sind wir etwas traurig, dass wir nicht länger bleiben können und er nicht viel Zeit hat, denn er hat ein Boot und Surft. Sogar mit Kite, was wir unbedingt lernen wollen.

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DAS HÄRTESTE KOMMT ZUM SCHLUSS
Tag 69 (20.12.2016)

Heute sind es gute 90km bis Whakatane. Aber es gibt angeblich keinen einzigen Hügel auf der Strecke. Sollte also machbar sein.

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Es sind allerdings doch noch ein paar Kilometer mehr, da wir mit den Rädern ja nicht auf die Autobahn dürfen. Wir trösten uns unterwegs mit Erdbeeren.

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Die Strecke wird immer schöner, bis wir schließlich wieder am Meer entlangfahren und es richtig traumhaft wird.

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Als wir endlich Whakatane erreichen, schauen wir auf die Karte und stellen fest, dass unser Host in Ohope wohnt. Und Ohope liegt auf der anderen Seite eines grooooßen Hügels.

Erst ächzen wir, dann schalten wir das Hörspiel an und wundern uns, wie flott wir das Hindernis passiert haben.

Unser Ziel liegt direkt an der Strandstraße, hat Pool und Whirlpool. Wir klingeln und zwei Mädels kommen heraus. Sie sagen nicht mal wer sie sind, nur dass Al (der Hausherr) nicht da sei und zeigen uns unser wunderschönes Zimmer. Das halbe Erdgeschoss ist eine Art Ferienwohnung. Drei Schlafzimmer, Bad und Wohnküche. Ein anderer Couchsurfer wohnt hier schon.

Während wir unser Gepäck reintragen kommen ständig junge Leute aus dem Haus oder gehen hinein, es läuft Partymusik und jemand fragt uns ob wir den Rest der Pizza wollen.

Da sagen wir nicht nein und schließlich kriegen wir auch ein paar Informationen über die Zusammengehörigkeiten. Eines der beiden Mädels ist die Tochter von Al, die über die Ferien aus Australien hierher zu Besuch gekommen ist. Sie hat nur eine Freundin da, während sein Sohn einen Kumpel und mehrere Mädels zu Besuch hat. Al selbst ist in der Stadt, vermutlich auch feiern.

Wir buchen noch unsere Tour zu White Island für den nächsten Tag. 219$ pro Person.

Als wir schon im Bett liegen, bekommen wir einen Anruf von unserer nächsten Gastfamilie. Sie sind die ersten, die wir über „Hot Showers“, einer Seite für Radfahrer gefunden haben. Er ist Neuseeländer, sie Deutsche und ihre beiden Kinder bilingual.

Bei ihnen wollen wir bis zum 24. Dezember bleiben, danach gehen wir wohl auf einen Campingplatz, denn jemanden für Weihnachten zu fragen, trauen wir uns nicht.

„Hallo, hier ist Pete. Wir wollten euch fragen ob ihr vielleicht etwas länger in Rotorua bleiben möchtet. Wir fahren am 25. in Urlaub und unser Haussitter hat abgesagt. Jetzt wollten wir euch fragen, ob ihr das machen könnt. Eine Woche Haus und Hühner hüten?“

Dario ist kurz sprachlos, dann sagt er, er müsse das erst mit mir besprechen und er rufe gleich zurück.

Wir grinsen uns an. Das ist eigentlich prima. In Rotorua kann man ziemlich viel machen. Und dann haben wir einen Platz für Weihnachten und Neujahr und vermeiden die heftigen Verkehrstage. Außerdem kriegen wir Hühner und Hühner bedeuten Eier und Eier bedeuten Spiegelei, Rührei, Pancakes, Brownies, … mjam!

Wir rufen zurück und sagen zu.

WHITE ISLAND – DER AKTIVE VULKAN IM MEER
Tag 70 (21.12.2016)

Gleich morgens überqueren wir wieder den Hügel nach Whakatane. Wir wollen auf keinen Fall zu spät zu unserer Tour kommen und frühstücken am Hafen Müsli im Wok.

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Bald darauf sitzen wir mit etlichen anderen Touristen auf einem Boot und fahren Richtung White Island. Die Insel ist vom Festland auf nicht zu sehen und es dauert eine ganze Weile, bis sie in Sicht kommt.

Zum Glück ist sie nicht das einzig interessante in diesem Ozean. Unterwegs begleiten uns Delphine und auch die Fahrt an sich geniessen wir.

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Als wir die Insel schliesslich entdecken, schwebt eine riesige Qualmwolke über ihr, die den Himmel verdunkelt.

Endlich tut sich vor uns die Bucht auf und mit einem Schlauchboot werden wir auf den Vulkan gebracht. Ausgerüstet mit Helmen und Gasmasken sehen wir ganz schön abenteuerlich aus.

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Überall brodelt, blubbert und dampft es. Es riecht nach Schwefel und tatsächlich sind auch überall gelbe Stellen am Boden. Wir dürfen ihn probieren – in kleinen Mengen gar nicht übel!

Vor allem der Hauptkrater ist ziemlich beeindruckend, hier ist auch der Ursprung der riesigen Wolke. Mit enormem Druck sucht sich der Dampf seinen Weg aus den Spalten.

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Die Guides erklären uns, dass es hier immer wieder kleine Ausbrüche gibt. White Island ist Neuseelands aktivster Vulkan.

Ganz schön interessant, aber wohnen wollte ich hier nicht. Tatsächlich haben das jedoch schon Menschen gemacht, um den Schwefel abzubauen. Es gibt jede Menge tragische Geschichten, von Verschwundenen und bei Ausbrüchen getöteten Arbeitern.

In der großen Touristengruppe und vor allem mit den jungen, grinsenden Guides fühlt sich hier zwar nichts wirklich gruselig oder tragisch an, dafür ist der Genussfaktor recht groß.

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Wir machen noch einige Letzte Fotos in den alten Gemäuern, dann kehren wir aufs Boot zurück. Vorher säubern wir noch unsere Schuhe, denn die Guides warnen uns vor der Säure, die alle Materialien hier angreift.

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Darios Rucksack leidet leider wirklich, denn den hatten wir samt Jonglierkeulen mitgenommen. Als wir versuchen die Asche abzuwaschen, frisst sich die Säure in das Textil und hinterlässt aufgerauhte Stellen.

Auf dem Heimweg über den Hügel stellt Dario fest, dass sein Reifen kaputt ist. Entweder sehr seltsam an etlichen Stellen aufgeplatzt, oder jemand hat in aufgeschnitten. Jedenfalls reicht es grade noch um nach Hause zu kommen.

Es ist schon nicht mehr ganz früh als wir ankommen. Wir lernen unseren Host kennen und er bietet uns an, uns am nächsten Morgen früh über den Hügel mitzunehmen, wenn er zur Arbeit fährt. Wir nehmen danken an, denn wir wollen nicht riskieren mit all dem Gepäck und dem kaputten Reifen den Hügel zu überqueren.

Nach einem schönen Strandspaziergang gehen wir zufrieden und noch immer mit Gedanken an White Island schlafen.

IM STRÖMENDEN REGEN NACH ROTORUA
Tag 71 (22.12.2016)

Wie zugesagt bringt uns unser Host über den Hügel nach Whakatane bis zum Fahrradladen. Auf der Fahrt stellt sich heraus, dass er vier Restaurants im Ort besitzt. Wieder ein Arbeitsangebot für Dario. Nicht übel mit Unterkunft nahe dem großen Strand…

Aber wir haben ja bessere Pläne.

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Nachdem Dario den Reifen ersetzt hat, düsen wir los nach Rotorua. Etwas über 80km, das sollte machbar sein. Allerdings wartet ja die deutsche Familie auf uns und die sollen Zeit haben uns kennen zu lernen. Es wäre also schön, nicht zu spät anzukommen.

Leider ist etwas Regen angesagt.

Kaum sind wir auf der großen Straße angelangt, fahren wir an einem Truck vorbei, der an der Seite steht. So einer der Autos transportiert. Wir grüßen den Fahrer, der gerade zurück zum Fahrerhaus geht. Er fragt mich, ob wir nach Rotorua unterwegs sind und ich bejahe.

„D’you want a ride?“

Ich halte an und rufe Dario zurück. Warum eigentlich nicht? Das findet er auch und wir heben unsere Räder auf die Ladefläche. Dann klettern wir alle ins Fahrerhaus.

„Aber nur die halbe Strecke, den Rest fahren wir.“

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Unterwegs beginnt es tatsächlich zu regnen und dann kommen die Hügel. Einer nach dem anderen. Und es regnet. Wir freuen uns an der trockenen Truckkabine und bedauern den Fahrradfahrer, der uns entgegen kommt.

Rotorua kommt immer näher, aber wir wollen nicht aussteigen wenn es gerade bergauf geht und auch nicht während es schüttet…

Letztendlich setzt uns unser Chauffeur auf der Hügelkuppe vor dem Ort ab. Nur noch 17km und eigentlich nur noch bergab.

Wir bedanken uns herzlich und entscheiden nicht den kürzesten Weg zu nehmen, sondern einmal um den See zu radeln. In Rotorua selbst dampft es überall aus dem Boden. Die vulkanische Aktivitaet ist hier sehr hoch.

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Gegen 6Uhr kommen wir bei der Familie an und werden warmherzig in Empfang genommen. Wir dürfen in das Kinderbaumhaus einziehen und es gibt Rehbraten.

Die Kinder sind zuerst etwas scheu, tauen jedoch schnell auf als ich mit ihnen auf das Trampolin komme. Das steht direkt vor dem Baumhaus, sodass man von der kleinen Terrasse draufhüpfen kann.

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Wir verstehen uns alle prima und als wir fragen, wie sie Heiligabend verbringen und ob wir an dem Tag vielleicht etwas unternehmen sollen, sodass sie ihre Ruhe haben, schütteln sie den Kopf und laden uns ein Weihnachten mit ihnen zu verbringen.

Wir sind happy.

WEIHNACHTSVORFREUDE
Tag 72 (23.12.2016)

Wir verbringen einen schönen Tag mit der Familie und mit Weihnachtsvorbereitungen. Außerdem zeigen sie uns alles, was wir wissen müssen. Die Hühner sind hübsch und zahm, man kann sie sogar streicheln. Und der Garten ist voller Leckereien. Himbeeren, Erdbeeren, Boysenberrys (ähnlich Brombeeren), Gemüse, …

Dario kocht als Abendessen ein fantastisches Curry und ich backe Brownies.

HEILIGABEND
Tag 73 (24.12.2016)

Wir schlafen aus, dann helfen wir bei den Vorbereitungen des Fondues. Das gibt es mittags. Petes Bruder und einige Freunde kommen zu Besuch und wir schlemmen.

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Den Nachmittag verbringen wir im Garten und die Kinder führen eine Show auf dem Trampolin vor. Dann kommt das Christkind, Mama Eva liest die Weihnachtsgeschichte vor und wir singen einige Weihnachtslieder.

Dann setzen wir uns alle an den Tisch und es wird reihum gewürfelt. Wer eine 6 würfelt darf ein Geschenk holen, schauen für wen es ist und es überreichen. So haben auch Dario und ich viel Spaß.

Glücklicherweise haben wir sogar für fast jeden ein Geschenk aus Thailand dabei. Purer Zufall, dass es so gut passt.

Für den kleinen Lucas eine Kokosnussschildkröte, für Ballerina Yulia eine rosa Haarblüte und für Mama Eva einen Schal. Nur Papa Pete geht leer aus, aber das macht nichts weil er von anderen viele Geschenke bekommt.

Auch wir bekommen etwas. Dario zwei Tafeln Schokolade und ich die schönste Perlmuttmuschel, die ich je gesehen habe.

TAGE IN ROTORUA
Tag 74-80 (25.-31.12.2016)

Die Tage in Rotorua sind schön und abwechslungsreich. Nur eines ist immer gleich: Wir frühstücken gut und füttern die Hühner. Manchmal verbringen wir die ganze Zeit im Garten, spielen Poi und jonglieren.

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MAORI

Wir lernen die Maori-Kultur in einem ihrer Dörfer kennen, wo wir auch eine „Cultural-Show“ besuchen. Die Frauen spielen Poi. Diese Kunst kommt wohl von hier. Allerdings sind die Poi etwas anders als unsere. Sie werden aus Watte und Plastiktüten gebaut und als Rhythmusinstrument gegen die Arme geschlagen. Eine Kombination aus der Kunst die wir kennen und etwas ganz anderem.

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Der Ursprung dieser schönen Kunstform liegt leider im Krieg. Die ersten Poi waren Lederbälle an Schnüren mit denen die Männer ihre Arme trainierten. „Und dann haben die Frauen sie sich genommen“, sagt einer kopfschüttelnd.

Ich finde es schön, dass die Kunst statt dem Krieg überlebt hat.

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Bei einer Führung sehen wir, wie Dörfler die heissen Quellen tatsächlich nicht nur zum Baden sondern auch zum Kochen nutzen.

Fleisch und auch Gemuese werden dampfgegart. Wo auch immer sich eine Spalte im Dorf auftut wird ein Gitter darueber gelegt und eine Umrandung mit Deckel gebaut. Hier können die Bewohner nun ihre Speisen hinlegen.

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Recht praktisch. Wenn man morgens zur Arbeit geht, legt man das Abendessen hin und bis man wiederkommt ist es fertig gegart. Lachend erzählt unser Guide, der tatsächlich hier wohnt, dass man natuerlich keinem verraten darf, wenn man etwas besonders gutes auf dem Gitter liegen hat. „Es sind immer alles nur Kartoffeln“, sagt er zwinkernd „selbst wenn es das beste Fleisch oder der schönste Fisch ist“.

Eier werden in einem Hot Pool mit kochend heißem Wasser gekocht, da sie sich schlecht dämpfen lassen (sie explodieren schlichtweg). Im Hot Pool kann man dafuer wiederum kein Fleisch garen, da dieser auf dem Versuch mit einem Ausbruch reagiert.

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Besonders faszinierend finden wir jedoch den Geysir. Er sprüht die meiste Zeit vor sich hin und erhebt sich fast stündlich zu einer gut 30m hohen Fontäne. Leider will er und den Gefallen nicht tun und wir warten und warten und spielen Poi. Ein paar Mädchen kommen vorbei und wir tauschen ein paar Moves aus. Dann gehen sie in den See zu Füßen des Geysirs schwimmen und wir beneiden sie. Das Dorf ist mittlerweile für Touristen geschlossen, doch niemand scheint etwas dagegen zu haben, dass wir hier sind. Nur eine Frau weist uns schließlich darauf hin, dass wir bald gehen sollten. Nur noch ein paar Minuten, denken wir und betrachten sehnsüchtig den Geysir.

Und wir haben Glueck. Er erhebt sich bald darauf tatsächlich zu seiner vollen Größe.

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Am Abend wandern wir noch eine Weile durch den Thermalpark und schauen uns anschließend den Disneyfilm „Moana“ im Kino an, der die Maori-Kultur aufgreift und passender Weise gerade anläuft. Das Kino ist voll und am Ende wird geklatscht.

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UNSERE KLAPPERRÄDER SIND KEINE MOUNTENBIKES

An einem anderen Tag machen wir eine Seentour und versuchen optimistisch am Ende noch eine kleine Hot Water Beach zu erreichen. 15km off-road auf einem schmalen Fußpfad stellen sich dann jedoch als zu weit heraus. Wir wollen schließlich nicht in der Nacht zurückfahren. Trotzdem macht es Spaß und wir sind beeindruckt wie flott wir ohne Gepäck unterwegs sind.

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RAFTING DELUXE

Wir gehen Raften und sausen den „Höchsten kommerziell berafteten Wasserfall“ hinunter und haben einen riesen Spaß. Unser Steuermann ist einer von der lustigen Sorte und macht jede Menge Quatsch mit uns. Vorwärts zurück in die Fluten der Wasserfälle paddeln, die anderen Boote rammen und so weiter. Die zwei Australierinnen, die mit uns im Boot sind sorgen immer wieder für Erheiterung.

An einer Stelle dürfen alle die wollen von einem Vorsprung in den Fluss springen. Die Steuermänner (und –Frauen) sammeln sie dann wieder ein. Die Australierinnen springen allerdings bevor das Boot bereit ist und eine treibt ein ganzes Stück den Fluss hinab, bis wir sie wieder aufsammeln. Allerdings sind wir so gut behütet, dass keiner sich deswegen sorgen macht. Wir sind in einem ganzen „Rudel“ von Schlauchbooten unterwegs und haben zudem noch einen Assistenten im Kayak dabei der verlorenen Rudern hinterherjagt.

Später dürfen wir nochmal aussteigen und uns einen kleinen Wasserfall hinabtreiben lassen, auch hier wird’s wieder spannend als eine ihren Schuh verliert und wieder fast nicht zum Boot kommt. Doch die Laune bleibt gut und wir kommen alle strahlend am Ziel an.

Nur länger hät’s noch sein dürfen.

SILVESTER

Auch Silvester verbringen wir ganz entspannt im Garten. Dario macht Rehbraten, ich schreibe. Wir jonglieren ein wenig und bereiten unsere Abreise für den nächsten Tag vor.

Kurz vor Mitternacht radeln wir an den See. Auf dem Handy schauen wir Dinner For One an und genießen anschließend das Feuerwerk. Unser privates Feuerwerk beschränkt sich dieses Jahr auf das Anzünden einiger Streichhölzer.

Auckland bis Hikuai

WAS WERDEN SIE UNS NEHMEN?
Tag 50 (01.12.2016)

Den ganzen Flug über bibbern wir, was wohl der neuseeländische Zoll von uns nehmen wird. Denn wir wissen, dass die Vorschriften dort recht streng sind und wir einiges dabei haben, dass möglicherweise nicht durchkommt.

Wobei sich die Zeit des Bibberns zugegebener Maßen auf die Zeit zwischen den einzelnen Filmen (keine langen Abstände, da ja jeder seinen eigenen Bildschirm hat) und den restlichen Tagebucheinträgen zu Thailand beschränkt.

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Wir fliegen über Australien und staunen über die endlosen Weiten. Endlose Ebenen, endlose Felder, endlose Hügel. Der Umstieg in Sydney ist kein Problem und vor der Landung in Auckland erhalten wir unsere Einreiseformulare. Oh Gott, was man da alles angeben soll!

Die Große Überschrift “WARNHINWEIS: Eine falsche Angabe kann ein sofort zahlbares BUSSGELD von $400 nach sich ziehen” lässt uns schlucken.

Also kreuzen wir wahrheitsgemäß an:

JA, wir haben Lebensmittel dabei (Gewürze und Knabbernüsse).

Nein, keine tierischen Produkte (immerhin etwas, das wir nicht haben)

JA, Medikamente haben wir (und leider ohne Originalverpackung weil ich ja unbedingt Platz sparen wollte und die Rezepte sind auch nicht dabei)

JA, Pflanzen und Holz haben wir dabei (Gewürzblätter, Messerscheide, Essstäbchen)

JA, Gegenstände die wir bei Outdoor-Aktivitäten benutzt haben sind auch dabei… (Schuhe, Rucksack, Schlafsäcke, …)

JA, wir haben in den letzten 30 Tagen Wildgebiete außerhalb Neuseelands besucht und Kontakt mit Pflanzen und Tieren gehabt (die Farm hatte genug von all dem)

Auf dem Flughafen angekommen, holen wir unser Gepäck. Bevor es durch die Kontrolle geht, verschwinde ich noch schnell mit meinem Rucksack im Bad und wische zumindest die Vogelkacke ab. Außerdem finde ich noch eine ziemlich vergammelte Frucht in einer Netztasche an der Seite – holla, wie die wohl dahin kommt?

Wir stellen uns an und sind ziemlich nervös. Schließlich stehen wir vor dem Beamten, der die Liste mit uns durchgeht. Wir sagen ihm, was genau wir dabei haben und er nickt bei jedem Punkt verständnisvoll.

Ich sehe ihn schon die Rucksäcke auseinandernehmen, da winkt er uns zum Check. Nun gut, Gnadenfrist bis nach dem Röntgen. Wir gehen zum Ende des Fließbandes, unsere Rucksäcke kommen herausgefahren, wir nehmen sie hoch und schauen uns fragend um. Doch keiner beachtet uns mehr.

Ich gehe noch an einen Schalter und frage wegen des Australienvisums nach, das wir ja angeblich gebraucht hätten, doch die Beamten zucken nur mit den Schultern. Für hier bräuchten wir so etwas nicht, sagen sie.

Kopfschüttelnd verlassen wir den Flughafen, zum nochmals aufregen sind wir im Moment zu müde und auch zu froh darüber, noch im Besitz all unserer Thailändischen Schätze zu sein.

Wir basteln uns ein Schild und folgen der Empfehlung unseres Couchsurfing-Hosts: Wir hitchhiken.

Wir laufen zu einer nahen Straße Richtung Innenstadt und zu unserer großen Überraschung dauert es keine zehn Minuten, bis ein Wagen hält. Ein sehr nettes älteres Ehepaar. Die beiden haben gerade eine Verwandte zum Flughafen gebracht und freuen sich nun über unsere Gesellschaft. Sie erzählen von ihren eigenen Reisen, von Neuseeland, der zerstörten Strasse im Süden nach dem Erdbeben und vieles mehr.

Sie fahren sogar einen großen Umweg, um uns an einer sehr günstigen Stelle nur wenige Kilometer vor unserem Ziel abzusetzen. Wir bedanken uns herzlich, beginnen zu laufen und als ein Auto von hinten kommt, halte ich das Schild wieder hoch. Das Auto hält.

Es ist rappelvoll mit einer jungen Familie und einem Weihnachtsbaum, doch sie quetschen uns trotzdem mit rein und bringen uns bis vor die Haustür. Busfahren hätte länger gebraucht und nicht halb so viel Spaß gemacht!

Unsere Unterkunft liegt etliche Kilometer außerhalb von Auckland in einem Dorf. Wobei im Vergleich zu Bangkok selbst Auckland-City ein Dorf ist. In Bangkok leben 10Mio. Menschen während ganz Neuseeland von gerade mal 4Mio. Menschen bevölkert wird. Wir staunen richtig über die großzügigen Gärten und Bungalows.

Auch unsere Unterkunft ist nett. Das Häuschen hat einen kleinen Garten mit Aloe Vera und Hühnern. Unser Host ist nicht da, nur eine andere Couchsurferin, die uns die Tür aufmacht und unsere Couch zeigt. Wir gehen zum Strand, kaufen ein und warten auf unseren Host.

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Er kommt erst spät, sagt wir können alles benutzen und geht schlafen. Das Bad liegt leider hinter seinem Schlafzimmer, sodass man dort hindurchlaufen muss. Das ist uns unangenehm und wir versuchen es zu vermeiden während er schläft.

Wir kochen noch, dann gehen wir auch schlafen.

AUF FAHRRADSUCHE
Tag 51 – 52 (02. – 03.12.2016)

 

Die nächsten Tage verbringen wir mit der Suche nach Fahrrädern, obwohl uns alle für verrückt erklären, dass wir diese Tour auf nicht motorisierten Vehikeln machen wollen.

Wir sehen es gelassen, denn wir sind sicher, dass wir selbst mit Fahrrädern hitch hiken und so auch Verspätungen wieder aufholen könnten.

Auf unserer Suche sehen wir einiges von Auckland. Die Stadt ist ganz nett, mit vielen Parks, 57 Vulkanen und Hafen. Busker gibt es einige und die Leute scheinen ganz verrückt nach allen Arten von Straßenkünstlern zu sein. Dreimal rennt uns jemand hinterher, weil er die Keulen in unserem Rucksack entdeckt hat und bittet uns zu jonglieren.

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Die Weihnachtsvorbereitungen sind voll in Gange und wir schütteln den Kopf über die enormen Lichtdekorationen in der Sommerzeit. Es erscheint seltsam hier die Traditionen aus Ländern zu bewahren, die so viel mit den Wintermonaten zu tun haben. Eine humoristische Kurzgeschichte kommt uns wieder in den Sinn:

https://www.familie-ahlers.de/witze/stenkelfeld/weihnachtsbeleuchtung.html

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Einen Jongleur sehen wir auch bei der Arbeit und sprechen ihn an. Er reagiert sehr erfreut und erzählt uns von den Feierabenden. Wir sollen doch unbedingt vorbeischauen. Hört sich gut an.

Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns auch für Fahrräder. Wir nehmen gebrauchte von “Adventure Cycles”, einem kleinen Shop etwas außerhalb dessen Besitzer und seine tatkräftigen Helfer selbst Fahrradleichen wieder zum Leben erwecken. Etwas schwer fällt es uns allerdings schon Fahrräder auszusuchen, die nicht mal Reifen oder Sattel haben. Doch als wir das nächste Mal kommen sind alle fehlenden Teile montiert und unsere neuen Gefährte sehen tatsächlich brauchbar aus.

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Beim Hitchhiking haben wir auch viel Glück. Immer nehmen uns nette Leute mit. Ein Taiwanese, der sich über Gesellschaft freut weil er noch kaum Freunde in Neuseeland hat, eine Frau mit für den Flohmarkt vollgepacktem Wagen, die uns beide auf den Beifahrersitz quetscht, ein Chinese der uns nur mitnehmen kann, weil seine ängstliche Frau gerade zuhause in China ist, eine Familie im Pickup, die uns auf der Ladefläche mitnimmt, zwei Deutsche die nur englisch reden, weil sie schon so lange hier sind und und und.

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Nur am dritten Abend läuft es nicht gut weil es Samstag ist und wir zu spät versuchen aus Auckland raus zu kommen. Schließlich nehmen wir einen Bus und laufen noch ein paar Kilometer. Unser Host mit dem wir eigentlich kochen wollten ist schon im Bett.

FIRE AT MISSIONBAY
Tag 53 (04.12.2016)

 

Wir haben Kontakt zu einem der Feuerspieler aufgenommen und angefragt, ob er jemanden von den Jongleuren kenne, bei dem wir schlafen könnten. Die Feuerabende finden nämlich alle an schlecht erreichbaren Orten statt und wir würden es nicht bis zu unserer Couch zurück schaffen. Der Feuerspieler, Rory, bietet sich selbst als Gastgeber an.

So verabschieden wir uns von unserem netten Gastgeber, trampen in die Stadt und lassen uns von Rory aufsammeln. Er hat seinen Bruder und einen Kumpel dabei. Die drei arbeiten im Moment zusammen und bauen Möbel.

Wir fahren zu dem Kumpel nach Hause, wo ein bisschen gechillt und getrunken wird. So hatten wir uns dass nicht ganz vorgestellt, doch schließlich ist es Nachmittag und wir brechen zum Strand auf.

Rory entpuppt sich als schneller Lerner und guter Lehrer und wir haben viel Freude beim Trainieren. Auch der Firespace ist ganz ordentlich. Allerdings wieder kein ordentliches Lampenöl und mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen. Doch wenigstens gibt es genug Tools, sodass wir nicht unsere eigenen Poi opfern müssen.

Wir feuern bis spät in die Nacht, der einzige Makel ist der Alkoholkonsum, der deutlich höher als bei deutschen Jonglierveranstaltungen ausfällt.

Am Ende muss jemand den armen Straßenkünstler, den wir zuvor in der Stadt getroffen hatten, nach Hause bringen. Er kann kaum noch laufen und spricht auch nicht mehr deutlich. Armer Kerl. Er war mal Fischer, jetzt ist er Straßenkünstler weil ihm das besser erschien. Glücklich kann er aber nicht sein, sonst gäbe es nichts so viel im Alkohol zu ertränken.

Bei Rory angekommen machen wir es uns in einem frisch gestrichenen Raum mit Teppichboden gemütlich, recherchieren noch ein wenig und schlafen ein.

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UNSERE FAHRRÄDER
Tag 54 (05.12.2016)

 

Wir schlafen aus und fahren mit Rory in die Stadt. Er setzt uns bei Adventure Cycles ab und wir verabschieden uns. Leider sind die Räder noch nicht ganz fertig und dann haben wir auch noch ein Problem mit meiner Reise-Kreditkarte. Es dauert den ganzen Tag, bis wir schließlich tatsächlich stolze Besitzer zweier Fahrräder sind und losfahren können.

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Da es nun viel zu spät ist, um irgendwohin zu kommen, fahren wir einfach zu Rorys Kumpel, dessen WG nahe der Innenstadt liegt und okkupieren seine Couch.

LOS GEHT’S!
Tag 55 (06.12.2016)

 

Wir brechen halbwegs früh auf, besorgen noch ein paar letzte Dinge und gehen ins Kino. “Fantastic Beasts and Where to Find Them”, die neue Story von der Harry Potter Autorin, ist besser als erwartet.

Vor dem Kino bepacken wir unsere Fahrräder und der Plakatierer, der uns dabei beobachtet, gibt uns seine Visitenkarte. Für den Fall, dass wir unterwegs mal Hilfe brauchen. Nun gut.

Munter radeln wir los und lernen Neuseeland kennen – insbesondere seine hügelige Struktur. Bergauf, bergab, bergauf, bergab.

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Der Campingplatz ist noch weit entfernt, als es zu dämmern beginnt. Jedes Mal wenn wir stehen bleiben um auf die Karte (Handy) zu schauen, hält jemand mit dem Auto an und fragt ob alles okay ist. Beim dritten Mal ist es bereits dunkel und als die Familie im Wage uns anbietet in ihrem Garten ein paar hundert Meter voraus unser Zelt aufzuschlagen, nehmen wir dankend an.

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PRIVATER CAMPGROUND
Tag 56 (07.12.2016)

 

Unser Gastgeber schaut morgens wie es uns geht, bietet uns an bei ihm zu duschen und lässt uns wissen, dass er auch ein Haus auf der Südinsel hat. Wir sollen uns doch melden falls wir so weit in den Süden kommen.

Wir bedanken uns und radeln wieder los. Die Landschaft ist sehr schön und wir genießen die Fahrt obgleich der vielen Steigungen. Am Abend erreichen wir einen schönen Campground an der Küste.

img_4458img_4460img_4470img_4472img_4475Allerdings ist dort nichts und niemand, das Tor ist abgeschlossen, sodass man nicht mit dem Auto reinfahren kann, laufen geht jedoch. Wasser und Strom sind vorhanden. Ein Wagen mit drei Brasilianern hält, die sich ebenfalls über den leeren Campground wundern. Gemeinsam beschließen wir, dass ein geschlossenes Tor uns nicht verscheuchen kann und bauen unsere Zelte auf.

Leider haben wir nichts vernünftiges einkaufen können, weshalb unser Abendessen etwas mager auszufallen droht.

Aber das Glück ist uns mal wieder hold und die Brasilianer laden uns zu Nudeln ein.

ES REGNET
Tag 57 (08.12.2016)

 

Als wir aufwachen sind die Brasilianer schon weg und es regnet. Wir strecken die Nasen zum Zelteingang raus und beschließen uns nicht vom Fleck zu rühren.

Nur nachmittags kriechen wir mal ins Freie, spielen etwas Poi und machen einen kleinen Strandspaziergang.

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60KM KÜSTE
Tag 58 (09.12.2016)

 

Wir fahren um die Bucht. Luftlinie vermutlich 10km, außenrum jedoch über 60km. Die Strecke ist aber sehr angenehm, da flach. Zudem scheint die Sonne.

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Eine Couch für die Nacht erwartet uns bereits, daher sind wir ganz entspannt unterwegs. Kurz vor dem Ziel gehen wir noch einkaufen und futtern eine Kleinigkeit im Park am Meer. Eine ältere Dame kommt vorbei, redet ein wenig mit uns und lädt uns schließlich ein, doch bei ihr zu übernachten. Sie habe sonst immer Gäste, zum Beispiel wenn ihre Tochter sie mal wieder anrufe, sie solle jemanden vom Flughafen abholen. Die Gäste blieben schon auch mal ein paar Wochen, aber jetzt sei niemand da.

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Wir lehnen dankend ab, es wartet schließlich schon jemand auf uns.

Wir machen noch ein paar Jonglagefotos, dann radeln wir bei wundervoller Sonnenuntergangsstimmung die letzten Kilometer.

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Unser Gastgeber stellt sich tatsächlich als sehr nett, wenn auch vollkommen zugedröhnt heraus. Es läuft tranceartige Musik und er einen Aboriginee zu Besuch. Als Abendessen hatten sie bisher nur ein paar Riegel Schokolade.

Vollkommen überfordert müssen die beiden nun zusehen, wie Dario in der Küche zu zaubern beginnt. Schon bald gibt es für alle was ordentliches zu futtern und die Küche ist zudem ordentlicher als bei unserer Ankuft. Gleichzeitig läuft eine Maschine mit unserer Wäsche. Echt prima dieses Couchsurfen.

Nach dem Essen spielen wir Poi und die beiden schauen ganz fasziniert zu. Unserem Gastgeber scheint es nun nicht mehr zu genügen, uns nur eine Bleibe für die Nacht zu geben und er schenkt uns eine Packung Tee und möchte uns sogar noch eine Küchenreibe mitgeben. Die lehnt Dario jedoch grinsend ab: “Thanks man, but that’s too big – we have to carry everything on our bikes!”

MEHR MEER
Tag 59 (10.12.2016)

 

Wir fahren die wunderschöne Küste hinauf. Unterwegs schließt plötzlich ein Radler von hinten zu uns auf.

“Hi guys, where are you from?”

“Germany”

“Ach so, ich auch.”

Er radelt fast die gleiche Strecke wie wir und so setzen wir unseren Weg gemeinsam fort. An allen Hügeln muss er allerdings auf uns warten, wir sind einfach etwas langsamer als er.

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Mittags sehen wir uns gezwungen eine Pause einzulegen, da es stark regnet. Zum Glück finden wir einen überdachten Spielplatz.

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In Coromandel angekommen suchen wir nach einer Bleibe. Leider regnet es und niemand scheint gewillt drei Leuten einen Platz in seinem Garten zu gewähren. Dario und ich sind das Fragen bald leid, doch Leon möchte nicht aufgeben und ganz bestimmt nicht für einen Campingplatz bezahlen. So trennen wir uns schließlich und Dario und ich fahren alleine zum Campground. Der ist zwar nicht ganz billig, aber recht schön und liegt direkt am Meer.

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WHITIANGA
Tag 60 (11.12.2016)

 

Wir fahren von der Westseite der Halbinsel über einen großen Hügel nach Whitianga auf der Ostseite. Die Schotterstraße fährt sich besser als vermutet und die Strecke ist wunderschön. Unterwegs machen wir Pause an einem Wasserfall.

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Auf der Weiterfahrt fahren wir quasi durch eine Schweinefarm, denn die Tiere laufen kreuz und quer über die Straße. Hier lebt ein Mann mit etwa siebzig Schweinen zusammen. Sie sind seine Familie und werden nicht gegessen, sondern nur gestreichelt. Er drückt mir ein Ferkel in den Arm. Sind die Viecher süß!!! Solche hätte ich auch gerne. Nur nicht so viele.

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Später kommen wir an einem Honigstand mit Manukahonig vorbei. Der ist irre teuer, schmeckt aber so gut, dass wir nicht wiederstehen koennen und tatsächlich einen für 25$ kaufen. Das sind umgerechnet gut 800BAHT, also zwei schöne Übernachtungen in Thailand. Andererseits haben wir hier bisher nur einen Bruchteil unseres berechneten Tagesbudgets gebraucht, da Couchsurfen ja kostenlos und damit noch preiswerter als Übernachten in Thailand ist. Das meiste geben wir hier für Essen aus.

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In Whitianga haben wir auch schon einen Host. Seine Couchen sind zwar schon belegt, wir dürfen jedoch unser Zelt im Garten aufstellen. Leon möchte er allerdings nicht auch noch im Garten haben. Ein Zelt im Garten reicht ihm und es gibt auch nur eine Dusche für alle. So trennen sich unsere Wege wieder.

Wir kochen ein schönes Abendessen. Unser Host ist sehr nett und als wir nach dem Essen jonglieren gesellt er sich mit seiner Gitarre dazu und spielt. Ganz traumhaft.

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HOT WATER BEACH
Tag 61 (12.12.2016)

 

Wir radeln wieder los und erreichen am Abend die Hot Water Beach.

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Diesmal haben wir keinen Host und versuchen es auf einer Farm. Doch die Frau reagiert mit Ablehnung und an der nächsten Farm hängt sogar ein Schild mit “Campen verboten”. Hier sind wohl einfach zu viele Touristen. Also gehen wir auf den Campingplatz.

Nachdem unser Zelt steht, gehen wir an den Strand um zu essen. Wir haben allerdings das Brot im Zelt vergessen, also radel ich nochmal zurück.

Als ich wiederkomme ist Dario mit einem anderen Deutschen ins Gespräch vertieft. Die zwei verstehen sich gut. Jakob ist schon seit einem Jahr in Neuseeland, aber auch erst heute an der Hot Water Beach angekommen. Er hat einen gut (selbst) ausgebauten Campervan und eine Schaufel. Mit letzterer buddeln wir uns am Abend während der Ebbe einen schönen warmen Pool am Strand.

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Das ist nämlich das Besondere an der Hot Water Beach: Nu rein kleiner Teil ist warm. Ein Lavaeinschluss erhitzt das Wasser an einem bestimmten Teil des Strandes. Nur wenn man dort buddelt, stößt man auf heißes Wasser. Dieser Teil des Strandes wir aber vollkommen von der Flut überspült. Also kann man zweimal am Tag buddeln und sich dann für einige Stunden im heißen Wasser suhlen.

Gleich neben uns legen die Backpacker, die mit dem Kiwiexperience-Bus auf dem Campingplatz angekommen sind einen kleinen Pool an. Kleiner als unserer. Aber er muss für über zwanzig Leute herhalten, denn jeder will doch wenigstens mal seinen kleinen Zeh wärmen. Wir liegen in unserem Pool und schauen ihnen amüsiert und geniesserisch zu.

Zudem haben viele der Gruppen am Strand den Fehler gemacht einfach zu buddeln und das Wasser in ihren Pool ist unerträglich heiß. Wir haben an einer recht kühlen Stelle gegraben und einen Zufluss mit heißem Wasser geschaffen, sodass wir unsere optimale Temperatur selbst bestimmen können.

Während es am Anfang noch recht voll am Strand ist, leert dieser sich nach und nach. Wir gehen natürlich nicht. Stattdessen bauen die zwei Jungs unseren Pool noch ein wenig gemütlicher und wir genießen das Tosen der Wellen, das warme Wasser und den Vollmond (gutes Timing, in der Tat, das hatten wir nicht geplant).

Erst gegen drei Uhr schlagen die Wellen über die Mauer unseres Pools und scheuchen uns ins Bett. Wir sind aber nicht die letzten. Ein Mann hat noch fünf Minuten länger ausgeharrt als wir.

CATHEDRAL COVE
Tag 62 (13.12.2016)

 

Wir machen gemeinsam mit Jakob Pancakes auf dem Campingplatz. Wir nehmen sie mit zum Strand und schauen den Touristen (wir sind natürlich keine) dabei zu, wie sie ihre Pools in der Mittagsebbe bauen. Dicht gedrängt und irgendwie sinnfrei – den wie toll ist schon warmes Wasser wenn die Sonne einem auf den Schädel kracht?

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Danach nimmt Jakob uns mit zur Cathedral Cove, einem der Schauplätze von Narnia. Es ist ein schöner Ort und wir jonglieren dort eine Weile, während Jakob ein Buch liest. Er ist genauso Fantasy-besessen wie Dario.

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Danach albern wir ein wenig am Strand herum und machen ein paar Fotos für Darios Fotoserie mit dem Wok. Eines von mehreren Projekten die wir begonnen haben: Wok, Bäume, Briefkästen und natürlich Jonglage, Architektur und Essen.

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Abends kochen wir gemeinsam in seinem Van und bauen in der Nacht einen noch größeren und schöneren Pool als am Vortag. Während ich die meiste Zeit im warmen Wasser döse, bauen die Jungs einen regelrechten Wall. Der Mann vom Vorabend ist auch wieder da und diesmal gesellt er sich am Ende zu uns, da unser Pool offensichtlich das größte Potential bietet sich gegen die Wellen zu behaupten. Wir halten lange durch, doch am Ende wird auch dieses Bauwerk vom Meer verschluckt.

Das ist auch gut so, denn bei der nächsten Ebbe kann wieder jeder seinen eigenen Pool bauen – von dem Gewühle der vorherigen Ebbe ist dann nichts mehr zu sehen.

DIE FARM
Tag 63-66 (14.-17.12.2016)

 

Nun heißt es wieder weiterziehen. Wir haben einen Host gefunden, der auf einer Farm lebt. Dort radeln wir nun hin. Die Strecke ist nicht zu hügelig, aber auch nicht ganz flach. Am Ende sind wir jedenfalls platt. Mehr als sonst, vielleicht wegen den vorangegangenen Nächten im warmen Wasser…

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Evan, der Farmbesitzer, stellt sich als sehr offen, sympathisch und humorvoll heraus. Er ist Wasseringenieur, spielt aber auch Feuerstab und die Farm ist im Prinzip ein Hobby. Hier kommt er an seinen freien Tagen und in den Ferien her.

Das Farmhaus hat ein großes offenes Wohnzimmer mit hoher Decke und eine schöne Terrasse. Alles in allem perfekt um zu jonglieren und Poi zu spielen. Wir beschließen einfach ein paar Tage zu bleiben.

Und genau das machen wir. Jonglieren, kochen, genießen.

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Evan hat noch ein paar Termine, aber abends essen wir immer gemeinsam und quatschen. Danach spielen wir Poi und er musiziert. Entweder auf einer 12seitigen Gitarre oder auf diversen Trommeln. Er ist fantastisch und hat schon in etlichen Bands gespielt und sogar einen Preis gewonnen. Wir genießen es sehr.

Am dritten Abend kommt eine neue Couchsurferin an. Claire aus Paris. Sie kocht auch ganz ordentlich und ist sehr kommunikationsfreudig. Evan und sie verbringen am dritten morgen ziemlich viel Zeit am Wasserfall in der Nähe… sehr französisch, auch wenn wir das natürlich nur vermuten können.

Alle gemeinsam unternehmen wir später einen Ausflug. Zuerst schauen wir uns ein interessantes Haus an, dass in den Hang gebaut ist. Dieser wird durch alte Reifen stabilisiert, der Rest des Hauses hat Lehmwände, die Böden sind aus Beton. Die Wasserversorgung ist sehr interessant (Regenwassernutzung, Schwarzwasseraufbereitung etc.), funktioniert im Moment aber leider nicht ganz einwandfrei, weshalb Evan etwas nachhelfen und beraten muss. Das Haus ist sehr schön angelegt und vor allem der bepflanzte Flur gefällt uns sehr gut.

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Danach machen wir eine Wanderung auf einen Hügel in der Nähe. Hier gibt es auch kleine Wasserfälle und einen 500 Meter langen Goldminentunnel in dem Glowworms leben. Diese “Glühwürmchen” sind auch tatsächlich Würmer. Keine Käfer wie bei uns Zuhause. Die Gangdecke sieht aus wie ein Sternenhimmel.

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Auf dem Rückweg zeigt Evan uns eine Stelle, wo man wunderschön im Fluss baden kann. Wir teilen seine Begeisterung zuerst nicht, da wir es zum Baden etwas zu kühl finden. Er lässt sich jedoch nicht beirren und hüpft munter ins kühle nass. Ich mache meine Hosenbeine ab und strecke die Füße ins Wasser. Unerwarteter Weise hat es die perfekte Temperatur. Es ist erfrischend, aber nicht wirklich kalt. Obwohl wir keine Badesachen dabeihaben, kann ich nicht widerstehen und hüpfe in Unterhose und Hemd hinein, Dario und Claire folgen mir und schon plantschen wir alle herum und springen wie Evan von einem Felsen, wo das Wasser tief genug ist.

Glücklich und zufrieden kehren wir auf die Farm zurück.