Der Santa Cruz Trek

Fahrt zum Santa Cruz Trek
06.06. – 08.06.2018

Einmal mehr verabschieden wir uns von Kettlin und Eduardo.

Dann beginnt eine wahre Odyssee, denn allein die Fahrt nach Lima dauert 21 Stunden.

Und es regnet in der Wüstenregion. Unglaublich.

Mittags erreichen wir Lima, wo wir einen Teil unseres Gepäcks bei unserem ersten AirBnB abholen müssen, da die Dame uns nun doch nicht bei der Abreise beherbergen kann. Diesen Teil des Gepäcks und auch einige andere Dinge bringen wir dann in ein anderes AirBnB, das wir nun für den Abreisetag gebucht haben.

Anschließend essen wir noch zu Abend, dann setzten wir uns für weitere neun Stunden in den Bus nach Huaraz.

Dort kommen wir morgens an. Wir kaufen noch Essen für die Wanderung ein, dann nehmen wir ein Colectivo (oder ist es ein kleiner Bus?) nach Caraz.

Vor Ort suchen wir uns ein Hotel, wo wir nach dem Trek übernachten werden und schon heute einen Teil unseres Gepäcks lassen können.

Anschließend geht es wieder per Colectivo einen Ort zurück Richtung Huaraz (Yungay) und von dort zum Startpunkt des Treks. Bei der Abfahrt im Ort wundern wir uns noch, weshalb der Fahrer an einer Autowerkstatt hält, alle Reifen fester zieht und gleich zwei Ersatzreifen aufs Dach lädt.

Doch bald darauf verstehen wir es.

Die Fahrt durch die Berge ist abenteuerlich. Die Straße ähnelt oft einem Flussbett voller Steine, während der Hang an einer Seite steil abfällt. Ängstliche machen hier besser die Augen zu. Wir behalten sie offen, denn wir haben mittlerweile eine wirklich große Gelassenheit gewonnen. Es bringt nichts, sich über Dinge aufzuregen, wenn noch gar nichts passiert ist.

So genießen wir stattdessen die fantastischen Aussichten.

Und müssen lachen, als wir auf dem Dach eines entgegenkommenden Busses einen besonderen Passagier entdecken: eine Ziege!

Kurz vor Vaqueria, dem kleinen Ort am Startpunkt (bzw. für Touren häufig der Endpunkt) des Santa Cruz Trek, liegt eine schöne Unterkunft namens Illariy Lodge.

Hier lassen wir uns absetzen. Der Fahrer ist sogar so nett und ruft noch die Besitzerin herbei.

Ein Zimmer zu bekommen ist kein Problem, denn heute sind wir die einzigen Gäste.

Die nette Dame kocht auch für uns, wobei die Preise akzeptabel erscheinen, bis wir das Essen sehen… Sie hatte eigentlich etwas von Reis und Hühnchen gesagt, später noch etwas über Eier und daraus hatte unsere Fantasie ein sehr schmackhaftes Mal kreiert. Leider sieht die Realität anders aus. Es gibt eine Art Spiegelei und total fettige, pampige Pommes. Ich kann sie kaum essen, weil mir schon nach kurzer Zeit schlecht davon wird.

Aber satt werden wir, und das ist ja die Hauptsache.

 

Santa Cruz Trek – Tag 1
09.06.2018

Nach einem frühen Frühstück, das der (miesen) Qualität des Abendessens in nichts nachsteht, unsere Laune aber nicht mal ankratzt, machen wir uns auf den Weg.

Die Landschaft ist wahrhaft traumhaft. Vom ersten Moment an.

In dem kleinen Dorf (Vaqueria), das wir durchqueren müssen, laufen die meisten Tiere frei herum.
Einige Kinder rennen herum, manche haben Rucksäcke dabei und scheinen es eilig zu haben. Hoffentlich sind sie auf dem Weg zu einer Schule. Die erwachsenen Frauen kümmern sich um den Haushalt, wir sehen einige vor einem Haus sitzen und Mais pulen, während die Männer auf den Feldern zugange sind. Auch gebaut wird, mit selbstgemachten Lehmziegeln.

Auf einer für Zusammenkünfte tauglich geformten Wiese haben sich einige Männer versammelt. Sie diskutieren irgendwas. Wir grüßen freundlich und gehen weiter. An einem Esel vorbei, der friedlich grast.

Etwa hundert Meter später fällt uns auf, dass der Esel uns nachläuft.

Wir bleiben stehen und versuchen, ihn zum Umkehren zu bewegen. Mit wenig Erfolg.
Ein Mann bemerkt uns und den Esel, springt auf und läuft in unsre Richtung. Also beschränken wir uns darauf, den Esel nicht vorbeizulassen, bis sein Herr uns einholt.

Dieser bedankt sich sehr. „Der wäre euch jetzt bis auf den Pass gefolgt“, meint er kopfschüttelnd.

Bald darauf stecken wir im Stau.

Eine Schafherde blockiert in aller Gemütsruhe den Weg. Die Hirten sind einige kleine Jungs. Wir passen eine günstige Stelle ab, um uns durchzudrängeln.

Nach einiger Zeit erreichen wir eine Hütte, in der ein Mann sitzt und unsere Tickets für den Nationalpark kontrolliert. Ab dort treffen wir nur noch selten auf andere Menschen.

Der Weg führt uns durch wunderschöne Landschaften, und der Zeltplatz, den wir bereits am frühen Nachmittag erreichen, liegt mit Blick auf einen großen Gletscher.

Obwohl wir theoretisch noch weitergehen könnten, beschließen wir, es uns hier für die Nacht gemütlich zu machen. Wir bauen unser Zelt auf und essen etwas.

Vier andere Backpacker kommen noch vorbei, machen eine kurze Pause und gehen weiter. So haben wir wider allen Erwartungen den Zeltplatz ganz für uns alleine. Perfekt.
Wir sammeln Feuerholz. Kurz vor der Dämmerung spazieren wir noch den benachbarten Hang hinauf, um einen besseren Blick auf den Gletscher zu bekommen.

Als die Dunkelheit hereinbricht, was hier bereits um 18:00 Uhr der Fall ist, entzünden wir ein Feuer und verbringen den restlichen Abend vor den knisternden Flammen.

 

Santa Cruz Trek – Tag 2
10.06.2018

Wir brechen recht früh auf, denn wir haben heute eine lange Strecke vor uns. Allerdings nicht so früh, wie empfohlen. Was soll‘s, wir machen uns keine Gedanken. Denn die höchste Stelle der Wanderung ist der Pass mit 4.750m, und auf der Höhe haben wir während dem Quyllurit’i Festival ja sogar ein Nickerchen gehalten, bei dem wir nur in Decken gewickelt waren. Wir sind also ziemlich optimistisch, dass wir in jedem Fall überleben werden.

Der heute zu bewältigende Aufstieg ist allerdings nicht ohne, und obwohl wir schon so lange in den Bergen unterwegs sind, spüren wir erneut deutlich die Höhe.

Aber die Landschaft ist so wundervoll, dass jede Verschnaufpause doppelter Genuss ist.

Gegen Mittag treffen wir eine Gruppe von Männern mit ihren Maultieren, die wohl für die Versorgung von Touristengruppen zuständig sind. Sie fragen uns, wohin wir heute noch wollen, und lassen uns wissen, dass wir von hier bis zum Pass noch etwa drei Stunden brauchen werden.
Wir bedanken uns und wünschen ihnen einen schönen Tag.

Kurz danach kommen wir an einer schrägen Felsplatte vorbei, über die ein Bach herabfließt. Laut der Karte liegt oberhalb von ihr eine „Laguna“, wie die kleinen Bergseen hier genannt werden.

Wir mögen nicht widerstehen und kraxeln hinauf. Das geht erstaunlich gut.
Die Lagune liegt allerdings noch ein ganzes Stück höher. Dort essen wir zu Mittag.

Statt danach auf den Weg zurückzukehren, folgen wir den Pfaden der Kühe an zwei weiteren Lagunen entlang. Der Blick auf den Pass und die schneebedeckten Gipfel daneben öffnet sich, und wir sind im Paradies eines jeden Wanderers.

Der Salkantay war ja schon schön, aber ganz allein in einer solchen Traumlandschaft unterwegs zu sein ist doch nochmal eine Steigerung.

Wir sind unglaublich froh, dass wir nicht auf den jungen Deutschen gehört haben, der uns diesen Trek mit einer Tour empfohlen hat. Es ist immer wieder interessant, wie Leute über ihre Entscheidungen reflektieren. Wer mit einer Tour gegangen ist, denkt oft, er hätte sich nicht besser entscheiden können, obwohl er keine Bekanntschaft mit der Alternative gemacht hat. Man neigt wohl dazu, sich selbst gerne rechtzugeben 😉

Auch wir geben uns recht: Besser hätten wir es nicht machen können. Wer braucht schon einen Guide und Packesel? Wir jedenfalls nicht!

Die Ruhe ist unbeschreiblich. Wir genießen sie in vollen Zügen.

Und machen etliche Fotos von einer toten Kuh, deren Verwesungszustand ein geradezu fotogenes Stadium erreicht hat. Sie besteht nur noch aus Knochen und Fell.

Erst kurz vor dem finalen Passaufstieg kehren wir auf den Weg zurück.

Dieser letzte Teil hat es wirklich in sich. Immer wieder bleiben wir stehen und verschnaufen. Es ist ziemlich steil. Doch abgesehen davon: die Aussicht ist absolut erhaben!

So trödeln wir hinauf, zu dieser Wand aus schwarzem Fels, in der nur an einer Stelle eine Lücke klafft: der Pass.

Die letzten Meter zum Pass sind so steil, dass eine Treppe gebaut wurde.

An manchen Stellen ist der Boden vereist.

Wir erreichen den Durchstieg gerade in dem Moment, als die Sonne dahinter verschwinden will.

Auf der anderen Seite erwartet uns eine Überraschung: Der Gletscher reicht fast bis an den Pass heran und endet in einer wunderschönen Lagune.

Während wir noch staunen überholt uns die Gruppe mit den Mauleseln, die uns mittags entgegengekommen ist. Ein junger Mann mit schelmischem Grinsen fragt nach der Uhrzeit. Wir haben über fünf Stunden gebraucht. Für die Strecke, für die sie uns drei Stunden angegeben hatten.

Sie winken uns nochmal zu, dann sind sie auf und davon, springen und rennen gemeinsam mit den Maultieren die Felsen hinab wie Gämse.

In den letzten Sonnenstrahlen steigen wir bis zu einer ebenen Stelle an einem Bach hinab. Dort schlagen wir vollkommen erschöpft unser Lager auf. Der Gletscher wacht über uns.

In der Nacht wache ich mit voller Blase auf, will aber erst gar nicht hinaus in die Kälte. Als ich mich schließlich überwinde, werde ich jedoch belohnt: Der Himmel ist unglaublich klar und die Milchstraße leuchtet direkt über dem schneebedeckten Gipfel. Es ist ein Anblick voller Naturmagie, der ein wohliges Staunen in jedem Teil meines Körpers auslöst. 

Eine Sternschnuppe zieht übers Firmament und die kalte Nachtluft lässt mich erschaudern, als hauche mich der Gletscher persönlich an.

Mit weit aufgerissenen Augen die Realität träumend klettere ich zurück ins kuschlige Zelt.

Dieser Anblick wird uns hoffentlich für immer in Erinnerung bleiben.

 

Santa Cruz Trek – Tag 3
11.06.2018

Bereits um fünf Uhr morgens wachen wir auf. Kein Wunder, da wir bereits gegen 19:00 Uhr gestern geschlafen haben.

Es ist so kalt, dass wir nicht frühstücken, sondern nur schnell alles zusammenpacken und gleich losgehen. Immer wieder drehen wir uns zum Gletscher um, dessen Magie uns nicht loslässt.

Die heutige Strecke ist toll, da es permanent sanft bergab geht.

Weiter unten überholen wir etliche der Leute, die gestern an unserem Campingplatz vorbeimarschiert sind. Heute sind sie noch dabei, zusammenzupacken.

Die Strecke ist abwechslungsreicher als erwartet.

Es geht über grüne Heide, durch lila Blumenpracht, an weiteren schneebedeckten Bergen und einem riesigen Erdrutsch vorbei, dann über eine wüstenartige Ebene, durch die ein Fluss fließt, und an Wasserfällen sowie einer weiteren Lagune entlang.

Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Recht früh erreichen wir den Zeltplatz und beobachten erneut, wie andere Backpacker noch weitergehen. Wir suchen uns eine schöne Stelle und schlagen unser Zelt auf.

Wobei wir kurz darauf nochmal umziehen müssen, da unser Zelt offenbar im „Revier“ zweier Eseldamen liegt, die uns einfach nicht in Ruhe lassen wollen.

So finden wir zum Glück ein noch schöneres Plätzchen. Geschützt, weit genug weg vom lauten Fluss und mit perfektem Blick zurück zum Gletscher.

In einem kleinen Laden können wir zum ersten Mal seit Verlassen des Dorfes am Beginn des Treks einige Kleinigkeiten kaufen. Es gibt Wasser, Klopapier und Snacks.

Wir nehmen ein paar Chips und etwas zu trinken, da wir nicht wissen, ob wir beim morgigen Abstieg nochmal gut auffüllen können. Seit unseren Darmproblemen sind wir übervorsichtig. Selbst das Bergwasser, dass wir die letzten Tage getrunken haben, haben wir mit Micropur Tabletten behandelt und gefiltert.

Wir kuscheln uns ins Zelt.  Mit Pumpernickel, unseren anderen Leckereien, den Chips und einem guten Hörbuch ausgestattet, erfreuen wir uns noch stundenlang an der Aussicht. Selbst als es schon lange dunkel ist und wieder der wundervolle Sternenhimmel seine Arme über uns ausbreitet.

 

Santa Cruz Trek – Tag 4
12.06.2018

Wir wachen mit der Sonne auf und machen uns an den letzten Teil des Weges.

Er führt die meiste Zeit an dem Flüsschen entlang, neben dem wir auch übernachtet haben.

Heute ist der Weg teilweise etwas steiler und wir sind froh, dass wir den Trek in dieser Richtung (von Vaqueria nach Cashapampa) gemacht haben und nicht wie die meisten Touren in entgegengesetzter Richtung. Wir mussten wesentlich weniger Meter bergauf gehen und die Route ist wunderschön.

Immer und immer wieder bewundern wir die Maulesel, Esel und Pferde samt ihren Treibern, die diesen Weg tagtäglich bewältigen und häufig weit größere Strecken zurücklegen als wir Backpacker.

Schließlich ist es so weit: Wir winken dem Gletscher, dessen Anblick uns die letzten Tage begleitet hat ein letztes Mal zu.

Erneut sind wir früh dran, als wir das Ende unserer Wanderung, Cashapampa, erreichen.

Mit einem Colectivo fahren wir dann zurück nach Caraz, weil wir keine Lust haben, auf einen überfüllten Bus zu warten. Nicht die beste Idee, denn wie sich herausstellt ist es bei den hiesigen Colectivos keinesfalls mit voll besetzten Plätzen getan. Und auch nicht, wie bei unserer Erfahrung am Ende des Salkantay, mit vier Personen auf der Rückbank.

Nein, hier müssen zwei Personen auf den Beifahrersitz, mindestens vier oder fünf auf die Rückbank und dann noch so viele in den Kofferraum wie irgend möglich. Unser Fünfsitzer ist am Ende mit zehn Personen vollgestopft. Davon nur zwei Kinder.

Aber wir kommen an, und das ist ja bekanntlich die Hauptsache.

Im Hotel holen wir gleich unsere zurückgelassene Habe ab, beziehen unser Zimmer, duschen warm (himmlisch!) und machen erst mal ein Mittagsschläfchen.

Dann buchen wir unsere Unterkunft für morgen und gehen essen.

Mehr kriegen wir nicht hin, die vier Tage Wandern mit den vorausgegangenen zwei Tagen im Bus hatten es ganz schön in sich. Wir sind völlig kaputt.

Vor allem, weil wir während der beiden Nächte auf um die 4.000m nicht wirklich gut geschlafen haben. Vielleicht war das wirklich die Höhe.

Im Heiligen Tal

Pilzfarm „Kállampas“ im Heiligen Tal
28.05. – 31.05.2018

Heute gehen wir endlich auf die Pilzfarm im Heiligen Tal der Inkas.

Mit einem Colectivo ist die Anreise nach Calca von Cusco aus ein Kinderspiel. Die Farm zu finden stellt sich hingegen als schwierig heraus. Wir hatten eigentlich erwartet, dass jeder im Ort sie kennen würde, doch das ist absolut nicht der Fall.

Also lotsen wir den Motortaxi-Fahrer so gut wir können und lassen uns an der, der Farm am nächsten gelegenen, Kreuzung absetzen. Dann versuchen wir herauszufinden, wo genau dieser Punkt sein soll, der auf der Karte im Internet markiert ist.

Doch erst mit der Hilfe eines alten Herrn aus der Nachbarschaft, gelingt es uns das Tor zu finden. Da steht dann auch groß „Kállampas“. Wir schütteln nur den Kopf. Ein Schild an der Kreuzung hätte echt mehr geholfen als diese riesige Aufschrift am Ziel!

Es dauert eine Weile, bis jemand auf unser Klopfen reagiert. Doch der junge Mann, der dann öffnet, scheint sehr nett zu sein. Die Verständigung ist wie erwartet holprig, denn sein Englisch ist kaum besser als unser Spanisch. Aber wir wollten ja auch sprachlich etwas lernen.

Es stellt sich heraus, dass noch vier andere Backpacker da sind. Sie sitzen gerade im Hof und essen zu Mittag. Ein Pärchen arbeitet schon seit drei Wochen hier, die beiden anderen schon länger als eine Woche. Sie alle wollen jedoch in den nächsten Tagen weiterziehen.

Sie sprechen zwar hauptsächlich Spanisch miteinander, doch alle können Englisch. Das hilft uns einerseits bei der Verständigung, erschwert aber andererseits unser Vorhaben ganz im Spanischen zu bleiben.

Bei der Einführung übersetzt eine von ihnen für uns, was wir nicht verstehen. Wir bekommen einen Überblick über die verschiedenen Pilzsorten: Austernpilze, Shiitake, Rosen-Seitlinge, Kiefernpilze und noch eine Sorte, für die ich keine Übersetzung finden kann.

Der größte Teil der Einführung beschäftigt sich allerdings damit, wie toll das Projekt doch ist. So ökologisch (obwohl noch immer viel Plastik verwendet wird) und so sozial weil sie Dörfern helfen eigene Pilzkulturen zu züchten und damit für Nahrung und Arbeitsplätze sorgen. Und so weiter.

Gezüchtet wird auf einer Mischung aus geschreddertem Stroh und verschiedenen natürlichen Zusätzen. Diese Mischung wird in große Plastiksäcke gefüllt und erhitzt, um alle Bakterien abzutöten. Dann werden die Pilze „geimpft“.

Die Säcke kommen in eine große Halle, wo sie liegen bis der Pilz deutlich sichtbar wird, oder sogar das Plastik durchbricht. In diesem Stadium werden sie in die nächste Halle verlegt, wo dreimal täglich gewässert wird.

Hier wachsen die Pilze zu ihrer vollen Größe heran und werden für den Verkauf geerntet. Jeder Sack bleibt so lange liegen, wie er brauchbare Pilze hervorbringt, dann wandern die Reste auf den Kompost.

Die meisten Pilzsorten liegen in der gleichen Halle, vermutlich wegen Platzmangels. Nur die Shiitake-Pilze haben eigene Räumlichkeiten.

Abgesehen von den Pilzen und den Backpackern, leben auf der Farm noch zwei Hunde und ein Schaf. Einer der Hunde gehört zur Rasse der „peruanischen Nackthunde“ (Spanisch: Perro sin pelo del Perú). Diese Tiere haben eine schwarze, raue Haut, die an einen Elefanten erinnert. Doch auf dem Kopf wächst stets ein kleines Büschel Haare, das uns an einen Punk denken lässt… (rechts im Bild! Nicht der Hund bei Dario)

Wir finden sie furchtbar hässlich, doch zumindest der Charakter der Hündin hier auf der Farm ist ausgesprochen liebenswürdig, was das Aussehen vollkommen wett macht.
Im Ort sehen wir einen besonders witzig aussehenden Hund dieser Rasse. Wobei es sich vermutlich eher um einen Mischling handelt.

Die Leiter der Farm wohnen scheinbar nicht hier. Nur einer von ihnen hat überhaupt ein Zimmer im Farmhaus und auch er ist häufig nicht vor Ort.

Scheinbar läuft die Farm nur dank der Workaway-Leute.

Das entspricht schon mal nicht so ganz unseren Vorstellungen davon, wie man diese Plattform nutzen sollte. Richtig enttäuscht sind wir dann, als wir unser Zimmer sehen. Es ist ein großer Raum im ersten Stock eines heruntergekommenen Hauses weiter hinten auf dem Gelände. Die Treppe sieht aus, als würden wir jedes Mal unser Leben riskieren, wenn wir hinaufsteigen.

Das Zimmer teilen wir mit einer der Backpackerinnen.
Sie hat das einzig ordentliche Bett inne, während für uns nur ein Stapel durchgelegener Matratzen übrig ist, an die jemand das Kopfend-Teil eines Bettes gestellt hat.
Wir nehmen lieber unser Isomatten und Schlafsäcke.

Das Bad ist im Haupthaus und somit gute 150m entfernt. Besonders sauber ist rein gar nichts hier.

In der Nach stellt sich auch noch heraus, dass es bitterkalt wird.
Ein Glück, dass wir die Decke vom Salkantay Trek behalten haben!

Am nächsten Morgen gibt es zum Frühstück Brot in Ei gebadet. Ganz nett, aber viel zu wenig.
Wir erfahren, dass dieser Mangel daran liegt, dass die Backpacker selten genug Geld für das Essen bekommen, wenn sie einkaufen gehen.

Langsam fühlt sich das hier wirklich blöd an.

Keine ordentliche Unterkunft, wenig Essen und dann auch noch ohne Bezahlung arbeiten…

Kein Wunder, dass niemand von den anderen für diesen Ort schwärmt. Das Pärchen ist auch nur noch hier, weil sie einfach kein Geld zum weiterreisen haben. Doch jetzt haben sie sich vorgenommen, einfach von hier aus zum Machu Picchu zu laufen.

Statt Dario eine interessante Aufgabe zu geben, weil er ja zum Lernen hergekommen ist, lassen sie ihn den ganzen Tag Kompost schaufeln. Während ich mit einer anderen Backpackerin die Shiitake-Pilze umsortiere. Sie kommt aus Frankreich und spricht ordentliches Spanisch, aber die Anweisungen sind trotzdem so vage, dass wir beim Umräumen vermutlich mehr Chaos als Ordnung schaffen.

Wir hätten ja nachgefragt, wie es genau gemacht werden soll, aber der Typ ist spurlos verschwunden. Also mache ich mich bald darauf daran, das Mittagessen zu kochen. Es gibt Pfannkuchen, schließlich kann ich nicht viel anderes zubereiten. Na gut, Salat halt noch.

Die Begeisterung ist jedoch groß, denn die anderen haben in letzter Zeit wohl immer nur Brot, Reis und Nudeln zu essen gehabt. Da ist so ein Pfannkuchen dann schon mal eine Abwechslung.

Nachmittags fahren wir nach Pisac, doch die Ruinen zu besuchen lohnt sich so spät am Tag nicht mehr. Also schlendern wir nur über den berühmten Handwerkermarkt und bedauern, dass unsere Rucksäcke schon so schwer sind.

Der nächste Tag wird nicht viel besser als der vorige.

Morgens holen wir Brot in der traditionellen Bäckerei in der Nähe.

Diesmal schreddert Dario Stroh, während ich immerhin beim Ernten und Verpacken helfen darf.
Wieder geht fast der ganze Tag herum, ohne dass er wirklich viel gelernt hätte. Nur dadurch, dass er immer mal wieder herumläuft, allen zuschaut und sich jeden Schritt erklären lässt, bekommt er einen Überblick über den gesamten Prozess. Damit haben die Leiter der Farm aber nicht viel zu tun, sie sind schließlich nicht da.

Als sich uns die Chance bietet, eine frühere Abreise anzukündigen, tun wir es. Ich habe keine Lust länger als nötig hierzubleiben. Drei der anderen gehen heute, die letzte morgen früh. Wir gehen übermorgen.

Ich will hier im Tal noch so viel sehen!

Und eine weitere Wanderung würden wir auch gerne noch machen.

Heute gehen wir wenigstens noch eine kleine Ruine in der Nähe anschauen. Der Spaziergang ist schön und noch beeindruckender als die Ruine finden wir eine große Mauer, die Terrassen für die Landwirtschaft hält. Alles Handarbeit. Die Felder wie auch die Mauer. Einfach irre.

Unser letzter Tag auf der Farm beginnt mit dem Verabschieden der letzten anderen Workaway-Arbeiterin.

Dann verpacken wir drei Kilo Pilze und haben Glück. Heute sollen wir nichts anderes machen, als diese auszuliefern. Und das auch noch in einem Ort, wo wir eh hinwollten.

Begeistert nehmen wir den Colectivo, liefern die Pilze ab und machen uns auf den Weg zu den Salinen (Salinas de Maras). Während wir den steilen Weg hinauf spazieren, diskutieren wir über die Farm. Es ist kein Wunder, dass die Jungs so knausrig sind, denn für die drei Kilo Pilze haben wir 60 Sol bekommen. So viel bezahlen wir normalerweise locker für eine Übernachtung oder ein gemeinsames Essen. Aber das verdienen sie pro Tag. Nicht mehr. Kein Wunder, dass auf der Farm niemand bezahlt werden kann.

Dario regt sich total auf, weil die Farm so viel effizienter betrieben werden könnte. Weniger Leute und besser koordinierte Arbeit. Regale für die Pilzsäcke. Ein besseres Bewässerungssystem. Er findet gar kein Ende.

Doch die Salinen bringen uns auf andere Gedanken. Sie sind wunderschön!

Jedes Becken ist von Hand angelegt und wir beobachten, wie ein Mann eines barfuß feststampft.

Die Ästhetik der Handarbeit, des Unikats, wird bei diesen Becken überdeutlich. Hinzu kommt, dass die Becken sich in ganz unterschiedlichen Stadien befinden. In manchen ist schon fast nur noch Salz, in andere fließt Wasser nach, wieder andere sind gerade leer.

Die Farbtöne variieren von ganz weiß bis zu einem dunklen Braun.

Die Ränder der Becken sind von Salzkristallen bedeckt.

Lange wandern wir zwischen den Becken herum.

Am Abend gießen wir noch die Pilze und gehen Essen. Es gibt ein kleines Lokal im Ort, wo wir schon zuvor zu Abend gegessen haben. 5 Sol (1,30 Euro) für ein Abendmenü, bestehend aus einer Suppe, einem Hauptgang, einem Tee und einer Nachspeise. Die Gerichte sind wohlschmeckend, allerdings kann die Suppe schon mal mit Hühnerfüßen sein.

Fast nebenan gibt es zudem ein nettes Café mit gutem Eis und anderen Leckereien, das von einer netten Frau mittleren Alters geführt wird, die Deutsch spricht. Wie sich herausstellt ist ihre Mutter Deutsche. Sie selbst hat auch einige Zeit in Deutschland verbracht, ihre Heimat ist aber wohl Peru.

Wir verstehen uns prima und ich bekomme meine Sonderwünsche erfüllt. Zum Beispiel Bananenmilch mit Schokoladeneis.

An unserem letzten Morgen sind wir ganz alleine auf der Farm. Wir gießen die Pilze, legen das Geld von der gestrigen Auslieferung auf den Tisch und schreiben gerade einen Zettel, als endlich einer der Leiter auftaucht.

Er will wissen, ob wir die Pilze für die heutige Auslieferung schon geerntet haben. Eine Auslieferung, von der wir noch nichts gehört haben. Absprache wird hier wirklich nicht groß geschrieben.

Wir verneinen, schultern unsere Rucksäcke und verabschieden uns. Dario trägt noch seine Liste mit Verbesserungsvorschlägen vor, dann machen wir uns auf den Weg ins Dorf.

Weil es uns hier gut gefällt, ziehen wir einfach nur um. In ein nettes Backpackers.

Als wir das gemütliche Zimmer betreten, atme ich auf. Schon viel besser.

Am Abend gebe ich noch meine Wanderstiefel beim Schuhmacher ab, denn nun löst sich die Sohle bereits auf drei Ebenen und auch an anderen Stellen lösen sich Elemente. Ein Glück, dass ich die neuen Schuhe in Cusco gekauft habe!

 

Das Heilige Tal der Inka – Ruinenstätten

Pisac
01.06.2018

Endlich besuchen wir die Ruinenstätten von Pisac. Hier heißt es laufen!

Über mehrere Hügel verteilt liegen die historischen Anlagen und wir verbringen den ganzen Tag damit, eine nach der anderen zu besichtigen.

Meine Wanderschuhe hole ich abends ab. Für 10 Sol (2,60 Euro) sind sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder „zusammengeschustert“ worden. Für einen weiteren Trek werden sie jetzt wohl noch halten!

 

Moray
02.06.2018

Unser heutiges Ziel ist nicht ganz so leicht zu erreichen. In Ermangelung besserer Informationen nehmen wir sogar einmal ein Taxi. Doch schließlich erreichen wir sie, die Ruinen von Moray.

Bei ihrem Anblick möchte man nur zu gerne an die Existenz von Ufos glauben.

Wir packen unser Mittagessen aus und machen es uns am Rand einer der Anlagen gemütlich.

Eigentlich schade, dass wir die Salinen schon gesehen haben, sonst könnten wir von hier aus an ihnen vorbei ins Tal wandern. So jedoch nehmen wir uns lieber ein weiteres Ziel vor und besichtigen am Nachmittag noch die Ruinen von Ollantaytambo.

Die Anlage hat eine wirklich schöne Struktur, ist aber etwas überlaufen, weil von diesem Ort aus die Züge nach Aguas Calientes (Machu Picchu) fahren.

Den letzten Tag im Heiligen Tal verbringen wir allen Ernstes im Bett. Es schüttet wie aus Kübeln.

 

Cusco
04.06.2018

Wir machen nochmal Zwischenstopp in Cusco, natürlich wieder bei Kettlin und Eduardo.

Den Tag verbringen wir damit, unsere Liste abzuarbeiten: Ein Besuch auf dem Markt, um uns nochmal mit Muña Tee einzudecken, ein zweites Paar Schuhe für mich bestellen und Abendessen im KusiKuy.

Wir vermuten zuerst, dass der Name von „Cuy“ (Meerschweinchen) kommt, denn das ist es, was wir dort essen werden. Doch im Internet finde ich heraus, dass „Kusikuy“ wohl eigentlich auf Quechua soviel wie „Mach dich selbst glücklich“ heißt.

Wie auch immer, wir wollen jedenfalls das traditionelle Gericht probieren, bevor wir Peru verlassen. Also gibt es heute Cuy.

Allerdings stellt sich heraus, dass das Cuy wohl nie zu unseren Lieblingsgerichten werden wird. Mal ganz abgesehen davon, dass es hier geradezu eine makabre Touristenattraktion zu sein schein. So wird es dekoriert fürs Foto serviert und geht dann zurück in die Küche, um kurz darauf zerlegt zum Verzehr serviert zu werden.
Auch der Pisco Sour, das hiesige Nationalgetränk, spricht uns nicht an. Eigentlich ein Glück, so werden wir in Deutschland sicher nichts vermissen.

Abenteuer Quyllurit’i

Quyllurit’i
26.05. – 27.05.2018

Den Tag verbringen wir entspannt. Abends um zehn verlassen wir mit Kettlin das Haus und nehmen ein Taxi zur Busstation. Dort herrscht schon ordentlich Gedränge und verschiedene Unternehmen konkurrieren um Fahrgäste.

Wir lassen Kettlin einfach entscheiden.
Im Bus wird geschlafen. Gegen ein Uhr nachts erreichen wir unser Ziel.

Einen kleinen Ort in den Bergen. Irgendwo.

Überall an der Straße sind kleine Verkaufsstände, Richtung Berg werden es immer mehr. Ein ganzer Markt, auf dem man alles kaufen kann, was man für das Festival brauchen könnte: Warme Kleidung, Campingequipment, Essen, Glücksbringer.

Kettlin kauft ein Kinderjäckchen für ihren winzigen Hund, weil es so kalt ist. Wir haben unsere warme Decke mitgebracht, aber während dem Laufen kann sie natürlich nur einer gut tragen, daher kaufen wir gleich noch eine weitere.

Dann beginnen wir mit dem Aufstieg.
Das erste kurze Stück ist ziemlich steil und wir merken, dass wir uns bereits jetzt auf gut 4.000 m befinden, als unsere Herzen ordentlich zu pumpen beginnen und wir etwas kurzatmig werden.

Zum Glück wird der Weg schon kurz darauf wesentlich angenehmer und führt sehr schonend bergauf.

Mit Tausenden anderer Menschen wandern wir unter dem Vollmond dahin. Nur wenige Taschenlampen sind in Gebrauch, denn es ist hell genug, um den Weg zu erkennen.
Der Sternenhimmel ist atemberaubend, und immer wieder erklingt Musik von den kostümierten Musikgruppen.

An manchen Stellen stehen Kreuze. Hier werden Kerzen angezündet und kleine Opfergaben dargebracht.  Die Musiker bleiben auf ihrem Weg an jedem dieser Orte stehen und spielen.

Fasziniert beobachten wir das Treiben.

Schon hier, noch auf dem Weg,  wird die Verwobenheit von altem Glauben an die Naturgeister und dem neuen Glauben des Christentums deutlich. „Heilige“ Kreuze und „heidnische“ Rituale.
Kerzen, Opfergaben, Musik und Tänze.

Alle paar Kilometer stehen mehrere Zelte, in denen man warmes Essen und Getränke erstehen kann. Zudem gibt es meist ein Baño (Toilette), das aus einer simplen Holzkonstruktion besteht, die mit Plastikplanen verkleidet ist.

Ab und zu müssen wir für einige Pferde Platz machen. Wer nicht schnell genug aus dem Weg geht, läuft Gefahr, gestoßen zu werden.

Als wir immer höher steigen, sind manche Stellen vereist. Hin und wieder rutscht einer von uns plötzlich aus, doch zum Glück fangen wir uns jedes Mal rechtzeitig und keiner verletzt sich. Mit der Zeit lernen wir, auf das leichte Schimmern auf dem Eis zu achten und auch das Verhalten der Leute vor uns gut zu beobachten, um glatte Stellen rechtzeitig zu erkennen.

Nun macht sich die Höhe immer stärker bemerkbar. In Kombination mit der Müdigkeit würde ich am liebsten alle paar Meter stehenbleiben, um wieder zu Atem zu kommen.

Wir wandern fast die ganze Nacht.

Acht Kilometer sind es bis zum Festival.
Kurz nach fünf Uhr morgens rasten wir in einem Essenszelt. Eine Tasse mit heißer Mais-Suppe wärmt wunderbar, und Dario döst ein, während wir Frauen uns leise unterhalten. Ich frage mich, ob es für Kettlin unangenehm ist mit mir in Englisch reden zu müssen, während so viele andere Leute um uns herum sind. Aber zum Glück scheint sie völlig entspannt.

Trotzdem bemühe ich mich auch immer wieder mal, Spanisch zu sprechen. Gerade mit ihr geht das gut, denn sie kann mir wiederum helfen, wenn ich Schwierigkeiten habe.

Während wir weiter Suppe schlürfen, macht sich Kettlins Hund begeistert über einige Hühnerreste aus der Mülltüte des Kochzeltes her.

Gegen sechs Uhr wecke ich Dario und wir machen uns wieder auf den Weg. Hinter der nächsten großen Wegbiegung erwartet uns das Festival.

Der erste Anblick ist eigentlich wenig beeindruckend. Eine große, ziemlich schäbige Zeltstadt. Hauptsächlich billige Zelte, die gegen Kälte und Feuchtigkeit mit zusätzlichen Planen abgedeckt sind.

Doch wenn man den Blick hebt, die schneebedeckten Gipfel betrachtet und sich klar macht, dass diese Zeltstadt auf 4.700 m steht und kein einziges Fahrzeug für den Antransport benutzt wurde, dann ist das schon beeindruckend. Ebenso beeindruckend ist Kettlins Auskunft, dass dieses Fest seit gut 1.300 Jahren jedes Jahr stattfindet (genaueres habe ich dazu allerdings nicht gefunden).

Wir wandern zu einem kleinen Platz vor einer Kapelle, wo eine kostümierte Gruppe musiziert und tanzt. Von dem kurzen Marsch schon wieder vollkommen fertig, hocken wir uns zwischen die Zuschauer. Die Decken wickeln wir so eng wie möglich um uns. Es ist verdammt kalt!

Als die Gruppe mit ihrer Vorführung fertig ist, betritt sofort die nächste den Platz, und so geht es immer und immer weiter.

Kettlin erklärt uns, dass während des Festivals die ganze Zeit getanzt wird. Tag und Nacht.

Jede Gruppe hat andere Kostüme, auch wenn immer wieder ähnliche Stile zu beobachten sind. Besonders wichtig sind die maskierten Männer in den Fransentrachten. Sie sind die Hüter des Gletschers und steigen auch hoch in diesen hinauf, um ihre Opfergaben zu erbringen. Dabei müssen zwar immer wieder welche von ihnen ihr Leben lassen, doch es gilt als große Ehre, auf dem Gletscher sein Ende zu finden.

So verstehe ich jedenfalls Kettlins Erklärung. Bitte nehmt es mir nicht übel, falls irgendwas mal nicht ganz stimmt. Ich möchte auf die interessanten Details nicht verzichten, nur weil ich mir über deren Richtigkeit nicht hundert prozentig sicher bin…

Auch die Tänze der verschiedenen Gruppen haben untereinander Ähnlichkeiten. Häufig werden Peitschen benutzt. Wir können immer wieder traditionelle Kämpfe zwischen zwei Kontrahenten beobachten. Die Männer wechseln sich mit dem Angriff ab. Mit der Peitsche wird auf die Wade des Gegners gezielt. Ein Schiedsrichter beurteilt die Kämpfenden. Wie gut ist der Umgang mit der Peitsche? Wie werden die Schläge ertragen?

Der Schiedsrichter entscheidet den Kampf.

Diese traditionellen Peitschenkämpfe entsprechen wohl in etwa dem vornehmen Duellieren. Sie werden eingesetzt, um Streitigkeiten zwischen zwei Personen zu lösen.

Ob auch Frauen da mitmachen? Bei den Tänzen tun sie es jedenfalls. Und stecken lachend die Hiebe auf die Waden ein, die sie von ihren Mittänzerinnen erhalten.

Bei anderen Tänzen werden akrobatische Elemente, wie das Errichten eines menschlichen Turms, eingebaut.

Die Kostüme sind prächtig, und viele Hirten schmücken sich mit ausgestopften Jungtieren. Einige tragen sogar Vicuñas. Alpakaähnliche Geschöpfe, deren Fell zu unglaublichen Preisen gehandelt wird.

Einzig die schlechten Lautsprecher stören die Faszination ein wenig. Die Musiker kämen auch gut ohne Verstärker zurecht. Aber Hauptsache modern, oder?

Kettlin lässt uns eine Weile alleine bei den Tänzern zurück, um ihre kleine Opfergabe an den Gletscher zu bringen. Sie ist Archäologin und folgt dem alten Glauben.

Anschließend nimmt sie uns auch mit an den Gletscher.

Für den Aufstieg brauchen wir allerdings ziemlich lange. Zuerst muss ich eine Toilette finden. Dann bewundern wir einen Bereich des Festivalgeländes, wo die Leute aus herumliegenden Steinen Miniaturverionen ihrer Traumhäuser bauen. Natürlich nicht sehr akkurat, aber das spielt beim Träumen und Wünschen keine Rolle.

Wenn das Werk beendet ist, wird auch gerne mal Konfetti drüber gestreut oder ein Böller gezündet. An kleinen Verkaufsständen kann man auch fertige Miniaturhäuser und allerhand Glücksbringer erstehen, wie etwa ein Bündel mit falschen Dollarscheinen – „10.000 Dollar por 1 Sol!“ – oder Spielzeugautos. Letztere kann man dann gleich in die Steingarage stellen … – und hoffen, dass die Wünsche wahr werden.

An einem großen Stein kann zudem gleich geheiratet werden. Nur zum Spaß natürlich. Die Urkunde gilt nicht offiziell.

Wir verzichten dankend, denn wenn wir endlich heiraten, dann schon richtig 😉

Es ist aber ein Freude, den Paaren zuzusehen. Der „Priester“ hat seinen Spaß und weiht seine Opfer immer und immer wieder mit Wasser aus einer Trinkflasche. Aus den Lachern der Menge lässt sich schließen, dass der Text auch nicht gerade dem Standard einer Hochzeit entspricht.
Ab und an geht auch ein Spritzer aus der Flasche ans Publikum. Oder einfach mal über die Schulter des „Priesters“… möge es treffen wenauchimmer!

Ab und zu sehen wir mal andere „Weiße“, doch die können wir an einer Hand abzählen. Zwischen den gut 80.000 einheimischen Festivalteilnehmern fallen sie kaum auf.

Kettlins kleiner Hund erregt jedenfalls mehr Aufmerksamkeit als alle Touristen zusammen. Er wird von allen bewundert und immer wieder quietscht begeistert ein Kind bei seinem Anblick. Hände werden ausgestreckt, und bleibt das kleine Kerlchen einmal stehen, erhält es alsbald eine Streicheleinheit.

Auf der nächsten Hügelkuppe stellen wir fest, dass wir eigentlich mal was zu futtern vertragen könnten.  Und nachdem wir ein wenig gefrühstückt haben, stellen wir fest, dass wir eigentlich total müde sind.

Jetzt, wo es langsam auch warm wird, bietet sich ein Mittagsschläfchen in der Sonne geradezu an.

Viel später setzen wir unseren Weg zum Gletscher fort. Immer wieder müssen wir stehen bleiben, um Atem zu schöpfen. Ich bewundere all die Kinder und älteren Leute, die ebenfalls ihren Weg hinauf über Geröll und große Steinbrocken finden. Oft in viel zu lange getragenen Schuhen, gegen die selbst meine maroden Wanderstiefel noch ganz prima wirken.
Dabei musste ich sie für diese Wanderung schon kleben …

Kettlin und ihr kleiner Hund sind zum Glück geduldig mit uns.
Als wir endlich den Gletscher erreichen, müssen wir feststellen, dass einige der „Hüter“ ihn bewachen und niemanden hinauf lassen.

Eigentlich ganz sinnvoll, denn die Spuren der vielen Menschen, die den Gletscher während des Festes besuchen, zeichnen das Eis nur zu deutlich.

An vielen Stellen sind Namen in die oberen Schichten gezeichnet und ganze Stücke herausgebrochen. Das heilige Eis wird gerne verspeist. Wobei Dario, der sonst durchaus als Schneefresser durchgeht, hier keine Gelüste verspürt – die Stellen am Rand sind alle zu dreckig.

Wer dem Gebot der Hüter trotzt und sich dennoch nahe an den Gletscher heran wagt, wird von ihnen angebrüllt und wenn nötig sogar mit wilden Peitschenhieben verjagt.

Das gefällt vor allem Dario gut, der breit grinsend vor einem von ihnen zu mir flüchtet.

Ohne Bedauern wandern wir ohne eine Gletscherbegehung zurück ins Tal. Dieses Tal auf 4.700 m, das höher liegt als der Pass des Salkantay …. – wie hoch liegt dann wohl der Gletscher?
Sicherlich über 5.000 m.

Ein wenig beobachten wir noch das Treiben, und Kettlin versucht uns zu überreden, noch die Kirche zu besuchen, wo die Tänze am intensivsten sind.
Doch die Schlange ist so lang, dass wir dankend ablehnen. Sie müsste schließlich auf uns warten, weil der Hund gar nicht in die Kirche darf.

Gemächlich machen wir uns an den Abstieg und nehmen diesmal einen weniger begangenen Pfad über Wiesen voller Lamas.

Als wir endlich wieder im Bus sitzen, der zu aller Missfallen teurer ist als auf der Hinfahrt (klar, denn anders kommt man von hier ja nicht weg), schlafen wir sofort ein.

Es dunkelt schon wieder, als wir endlich zuhause ankommen.

Der Machu Picchu

Der Machu Picchu
24.05.2018

Als wir um kurz vor 5:00 Uhr morgens an der Bushaltestelle ankommen, trifft uns schier der Schlag. Die Schlange ist so lang, dass sie sich nach über hundert Meter in der Dunkelheit verliert. Als wir sie entlanglaufen, will sie gar kein Ende nehmen.

Ich stelle mich an und Dario geht in die französische Bäckerei, die wir bereits gestern entdeckt haben und kauft Pain au Chocolat. Als er wiederkommt, sind wir uns einig: Lieber laufen wir den Berg hoch und haben wenigstens eine Chance, früh da zu sein, als ewig hier zu warten!

Also laufen wir los. Es ist 5:10 Uhr und aus den Berichten, die ich gelesen habe weiß ich, dass der Aufstieg meist ca. 1,5 Stunden braucht. In 50 Minuten öffnen die Tore des Machu Picchu.

„Wollen wir rennen?“, fragt Dario mich und ich nicke. Hier auf der Straße, die die ersten 1,5km vom Dorf aus bergab führt, läuft es sich schließlich noch gut. Und es ist schön, nur noch mit Tagestasche unterwegs zu sein statt mit den großen Rucksäcken!

Als wir den unteren Eingang des Machu Picchu erreichen, der sich am Fluss befindet, ist es noch immer dunkel. Von hier aus sind es noch weitere 1,5km, ab jetzt allerdings steil bergauf, denn 450 Höhenmeter müssen bewältigt werden.

Nur mit Handytaschenlampe bewaffnet, denn die Stirnlampen liegen natürlich im Hotel, steigen wir auf den unwegsamen Pfaden empor. Heute sind wir diejenigen, die überholen. Wann immer wir auf eine andere Gruppe treffen, ziehen wir an ihnen vorbei.

Nur drei von den alten Joggern, die wir gestern schon gesehen haben, sind noch schneller als wir.

Im Rausch, dass wir so viel schneller unterwegs sind als die meisten und es vielleicht wirklich noch unter den ersten zum Haupteinlass schaffen, gönnen wir uns keine Pause.

Als wir oben ankommen zeigt die Stoppuhr 59:59, es ist 6:10 Uhr und vor uns sind vielleicht um die 100 Leute. Nicht wenig, aber schon wesentlich besser als noch unten an der Bushaltestelle! Neben und hinter uns kommt es vermutlich auf nochmal so viele und mit jeder Minute werden es mehr.

Bald darauf sind wir drin und können gerade noch Fotos von einer menschenleeren Stadt machen.

Alle, die jetzt schon drin sind, befinden sich noch auf dem ersten Hang und nicht im Zentrum der Anlage. Doch schon wenige Minuten später füllen sich die Wege langsam aber sicher mit Menschen.

Wir schlendern noch etwas herum, dann gehen wir zum Eingang des Montaña Machupicchu, der um 7:00 Uhr aufmachen wird. Kaum zu glauben, dass wir es so pünktlich geschafft haben.

Während wir warten, geht die Sonne hinter den Bergen auf.

Und kaum dass dieses Spektakel vorbei ist, kommen einige Lamas und drängeln sich rücksichtslos durch die Wartenden. Dieser Ort ist wahrlich ein Königreich für ein Lama 😉

Diesmal sind nur etwa 20 Personen vor uns, doch es dauert etwas, bis alle sich in einem großen Buch eingetragen haben.

Obwohl wir natürlich alle Zeit der Welt haben, schlagen wir ein zügiges Tempo an. Bald schon lassen wir wieder die ersten anderen Wanderer hinter uns. Ohne unsere schweren Wanderrucksäcke fühlen wir uns ein wenig, als hätten wir Superkräfte. So leicht steigt es sich empor.

Das heißt aber natürlich nicht, dass die Beine nicht irgendwann anfangen zu kribbeln. Und auch der Atem geht schnell, wir schwitzen wie verrückt. Aber wir haben Freude daran, uns zu beeilen. Vielleicht schaffen wir es als allererste auf den Gipfel?

Ganz schaffen wir es nicht. Als wir oben ankommen, sind bereits ein Italiener und ein anderes deutsches Paar da. Zu unserer großen Befriedigung sind sie aber nicht von Aguas Calientes aus gelaufen, sondern haben den Bus genommen. Wir sind heute also immerhin die ersten, die ganz von Aguas Calientes bis hier auf den Gipfel gestiegen sind!

Das ist natürlich etwas, das ich für vollkommen sinnlosen Ehrgeiz halte, aber es macht Spaß.
Man nutze jede Gelegenheit, um sich gut zu fühlen und da gibt es ja bekanntlich kaum etwas besseres als sich sportlich zu betätigen.

Mit dem anderen Pärchen verstehen wir uns auf Anhieb gut. Wir frühstücken zusammen, während wir einen der besten Ausblicke genießen, die man sich wünschen kann. Und machen natürlich jede Menge Fotos.

Eine ganze Weile haben wir den Gipfel für uns alleine. Unter den ersten nach uns ist ein weiteres sympathisches Paar, dass uns alle überrascht, als er plötzlich vor ihr auf Knie fällt und seinen Hochzeitsantrag vorbringt. Zum Glück ist seine Herzensdame angemessen gerührt und erfreut, wenn auch nicht übermäßig überrascht.

Wir müssen alle lachen, als wir uns vorstellen, wie jemand seine Liebste dazu drängt so schnell wie möglich diesen Berg zu erklimmen, um als erstes oben zu sein und in der perfekten Atmosphäre einen Antrag machen zu können. So steil wie der Berg ist, könnten wir uns gut vorstellen, dass das das Ende einer Beziehung sein könnte.

Wir nehmen uns viel Zeit, bevor wir wieder absteigen. Unterwegs sehen wir immer wieder Leute, die den Aufstieg abbrechen. Es ist wirklich ganz schön steil.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, uns einen schönen Platz mit guter Aussicht nach dem anderen zu suchen, sodass ich die Ruinen aus allen möglichen Perspektiven zeichnen kann.

Es ist unglaublich schön!

Nicht, dass die Gemäuer so unglaublich wären, aber einfach die Lage und Anordnung machen die Anlage zu etwas ganz besonderem. Ich hatte eigentlich erwartet, dass ich enttäuscht sein würde. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich kann mich gar nicht sattsehen.

Besonderen Spaß haben wir auch mit den Lamas und den Reaktionen der Touristen. Manche Menschen sind ziemlich dreist und rücken den geduldigen Tieren so auf die Pelle, dass sie vom Personal zurecht gewiesen werden. Andere erschrecken sich furchtbar, wenn plötzlich ein Lama neben ihnen auftaucht.

Mittags essen wir auf einem kleinen Vorsprung, vermutlich eine ehemals landwirtschaftlich genutzte Terrasse. Neben uns dösen zwei Frauen. Als plötzlich ein Lama von einer leicht nach hinten versetzten Terrasse zu uns herüber springt, erschrecken sich die beiden so, dass sie alles stehen und liegen lassen und kreischend davonrennen. Selbst ein Schuh geht bei der Flucht verloren.

Das alles geht so schnell, dass wir uns – so entspannt wie wir sind – noch kaum bewegt haben. Adrenalin ist schon etwas Erstaunliches… Ich hätte nicht gedacht, dass diese beiden so schnell sein können.

Wir bleiben fast bis zur Schließung in der Anlage, dann nehmen wir den Bus zurück ins Dorf. Wenigstens die eine Fahrt des teuren Tickets erweist sich somit als brauchbar. Und ist nach dem langen Tag sehr angenehm.

 

Rückfahrt nach Cusco
25.05.2018

Wir stehen bei Zeiten auf und laufen an den Schienen entlang zurück.

Dann fahren wir mit Colectivos zurück nach Cusco, wo unsere lieben AirBnB-Gastgeber uns schon wieder erwarten.

Bevor wir zum Salkantay aufgebrochen sind, hatte Kettlin uns von einem Festival erzählt, dass dieser Tage wie jedes Jahr in den Bergen in der Nähe von Cusco stattfindet. Es soll etwas ganz Besonderes sein und sie hatte vorgeschlagen, wir könnten vielleicht gemeinsam hingehen.

Daran erinnern wir sie nun und machen aus, dass wir gleich morgen Abend hingehen.

Zwei Deutschen, die auch gerade hier wohnen, erzählen wir von unserer tollen Zeit auf dem Trek und geben gleich ordentlich Tipps weiter. Die beiden beschließen ihn auch zu machen und wir machen aus, dass sie uns auch ihre Erlebnisse mitteilen werden, damit wir sie in unseren Beitrag zum „Salkantay ohne Guide 2018“ aufnehmen können.

Wir statten der Innenstadt auch noch einen kurzen Besuch ab und ich kaufe mir Schuhe in einem Laden, der mir schon die ganze Zeit ins Auge gestochen ist.

Der Salkantay Trek

Salkantay Tag 0 – von Cusco nach Mollepata
17.05.2018

Einen großen Teil unseres Gepäcks lassen wir bei Kettlin und Eduardo. Wir haben schon ausgemacht, dass sie uns an den Tagen nach dem Trek wieder bei sich aufnehmen.

Dann geht es los.

Da es schon Mittag ist werden wir es heute nur bis zum Dorf Mollepata schaffen, dass den ersten Startpunkt für den Salkantay bildet. Um am selben Tag die Wanderung beginnen zu können, hätten wir laut Kettlin um 3:00 Uhr nachts los gemusst. Und das liegt uns bekanntlich nicht sonderlich.

Eigentlich sollte der Colectivo bis Mollepata fahren, aber als in einem Dorf alle bis auf uns aussteigen, will er wohl lieber umkehren. Wobei wir uns über die genauen Umstände nicht recht klar werden, denn er versucht nicht mal, es uns zu erklären. Stattdessen deutet er nur auf einen Mann und macht uns klar, dass wir mit diesem weiterfahren sollen. Jeder der beiden erhält nun die Hälfte des Gesamtfahrtpreises, für uns macht es preislich also keinen Unterschied.

Unser neuer Fahrer scheint recht nett zu sein und will natürlich wissen, wie unsere Pläne aussehen.
Als wir ihm erzählen, dass wir morgen den Trek beginnen wollen, bietet er uns an, gegen ein Trinkgeld bei ihm zu zelten.

Als wir schließlich im Dorf ankommen, beginnt es schon zu dämmern und wir sind heilfroh, dass wir nicht noch einen Platz zum Zelten suchen müssen.

Plötzlich beginnt unser Fahrer mit einer Hand zu wedeln und will uns irgendetwas verständlich machen. Wir stehen total auf dem Schlauch, denn wir verstehen nur „billete“, also Ticket.
Wir nicken erst mal, denn ja, wir wissen, dass der Eintritt zum Salkantay 10 Soles kostet.

Doch dann kapieren wir, dass wir uns ducken sollen, um dieser Gebühr zu entgehen. Wir sind so erstaunt, dass wir einfach gehorchen. Erst anschließend denken wir, was für ein Quatsch das war. 2,50 Euro zum Erhalt des Nationalparks beizutragen ist schließlich echt keine Katastrophe.

Die Idee hinter dieser Aktion wird uns bald darauf auch klar. Wenn jemand einem 10 Soles pro Person erspart hat, wie viel Trinkgeld gibt man ihm dann wohl fürs Zelten?

 

Salkantay Tag 1 – Mollepata nach Soraypampa
18.05.2018

Gegen 7:00 Uhr fährt unser Gastgeber mit seinem Pick-up nach Soraypampa.
Er hat uns seine großen Waschmaschinen gezeigt und erklärt, dass er für ein Hotel in Soraypampa wäscht. Während er diese ohnehin notwendige Fahrt macht, verdient er dazu, indem er Colectivo spielt.

Wagen und Ladefläche sind schon dicht mit Menschen besetzt, als wir das Haus verlassen, um einzusteigen. Aufsteigen trifft es dann jedoch besser, denn wir können uns nur noch auf die Ladefläche zwängen. Normalerweise lieben wir es, auf Ladeflächen mitzufahren, doch es ist so eng, dass die Fahrt dann wenig vergnüglich ist.

Wir steigen unterwegs an einem der Startpunkte des Salkantay aus. Ganz von Mollepata aus wollten wir nicht laufen, denn wir möchten es heute gemütlich angehen lassen. Lieber wollen wir am Nachmittag noch zu einer Lagune wandern.

Diesmal wird unser netter Gastgeber aber recht dreist und knöpft uns 20 Soles pro Person ab. Ich verfluche mich kurz, weil ich am Vorabend nicht auf eine Antwort bezüglich des Preises gepocht habe. Da schien er meine Frage nicht gehört zu haben, doch nun bin ich mir recht sicher, dass er sie ignoriert hat.

Kurz schimpfen wir dem Wagen hinterher, dann rechnen wir den Verlust aus. Wir haben vermutlich das doppelte vom normalen Preis bezahlt (wie uns später von einer Einheimischen bestätigt wird), also gemeinsam 5 Euro zu viel.

Es lohnt das Aufregen nicht.

Wieder einmal kommen uns die Worte des buddhistischen Mönches in den Kopf, der uns in Thailand in die Meditation eingeführt hat: „Wenn du etwas verlierst, dann verliere nicht auch noch deine Gelassenheit, denn sonst sind es ja bereits zwei Dinge, die dir abhanden gekommen sind.“

Also richten wir unsere Blicke auf die Schönheit der Natur um uns herum und beginnen die Wanderung. In der Ferne locken bereits die weißen Gipfel.

Niemand begegnet uns auf dem Weg nach Soraypampa, wir haben die ganze Pracht für uns alleine.

Der Weg führt die meiste Zeit an einer Wasserrinne entlang und wann immer er abzweigt, balancieren wir einfach weiter auf der Betoneinfassung entlang.

Als wir das Dorf schließlich erreichen, präsentiert es sich als Touristenort. Eine ganze Reihe Busse steht da und auf den Feldern grasen Reitpferde.

Es gibt ein Hotel, ein Hostel, mehrere Unterkünfte mit Schlafkuppeln und mindestens zwei Zeltplätze.

Wir nehmen einfach den ersten und bauen gleich das Zelt auf.

Erst später finden wir den zweiten Zeltplatz mit überdachten Zeltplätzen.

Dann wandern wir zur Lagune, vermeiden dabei jedoch den einfachsten Weg, da dort zu viele Touristen unterwegs sind.

Der Pfad durch die Wiesen stellt sich zudem als ausgesprochen schön heraus.

Die einzigen, die wir unterwegs treffen, sind drei Kanadier, die tatsächlich ihre schweren Rucksäcke dabeihaben. Sie wollen an der Lagune zelten.

Als wir schließlich oben ankommen, scheint gerade Mittagsessensflaute zu sein. Außer uns sind nur fünf andere Menschen da. Und ein Mann, der aufpasst, dass alle Verbote eingehalten werden. Diese sind auf einem großen Schild zu lesen und beinhalten unter anderem: Kein Schwimmen, kein Picknicken und kein Campen.

Die armen Kanadier mit ihrem schweren Gepäck.

Wir beschränken uns also darauf, ein paar Müsliriegel zu knabbern, und reden uns ein, dass wir uns ohne das Badeverbot sicher ins eiskalte Wasser gewagt hätten.

Wir genießen die Stille, die Sonne, das Wasser und den Schnee.

Erst als nach und nach wieder mehr Gruppen auftauchen, machen wir uns an den Abstieg. Wieder auf einem anderen Weg, der sich als noch schöner als der Aufstieg herausstellt.

Als wir am Mittag Wasser vom größten der kleinen Shops im Ort gekauft haben, hat uns die Besitzerin gesagt, dass sie auch kocht. Daher gehen wir zu ihr und fragen, wie es denn nun mit Abendessen aussieht.

Sie bittet uns, in einem überdachten Raum in der Nähe zu warten, wo die Touristengruppen essen. Diese werden jedoch von ihren eigenen Köchen bekocht.

Erst sind wir verwirrt, doch dann holt uns die Frau wieder ab und geleitet uns in ihr kleines Wohnzimmer, in dem es nur einen einzigen Tisch und zwei Stühle gibt. Vermutlich waren bis gerade eben noch andere Gäste da.

Kurz darauf bekommen wir eine wunderbare Suppe und anschließend je einen Teller mit Reis und Hühnchen, der so voll ist, dass wir kaum alles schaffen.

Proppenvoll und zufrieden spazieren wir zurück zum Zelt. Da es nicht stockfinster ist, lassen wir die Stirnlampen aus und erfreuen uns am Sternenhimmel. Irgendwo auf halber Strecke kommt uns dann jedoch etwas komisch vor … – und ich mache meine Lampe an.
Wir sind auf dem steinigen Weg einmal falsch abgebogen, und statt der erwarteten Brücke stehen wir nun knapp vor einem Abhang! Gerade nochmal Glück gehabt!

Die Nacht im Zelt wird kühl, aber nicht kalt. Die zusätzliche Decke hält uns wunderbar warm, und die dicken Jacken tun das Übrige.

 

Salkantay Tag 2 – Soraypampa bis Huairaspampa
19.05.2018

Als wir etwas nach fünf Uhr morgens aufwachen, stehen wir gleich auf und hoffen, noch vor den Touristengruppen loszukommen. Mit klamm werdenden Händen packen wir das Zelt zusammen, von dessen Überzelt wir eine dünnen Eisschicht abschütteln müssen.

Wir befinden uns auf 3.800 Metern Höhe, das Thermometer zeigt -5°C Außentemperatur.

Unser gutes Vorhaben gelingt leider nicht, denn als wir um kurz nach sechs Uhr losmarschieren, sind die Gruppen zum großen Teil auch schon auf den Beinen.

In einem nicht enden wollenden Strom aus Touristen ersteigen wir die erste Anhöhe. Als die Sonne herauskommt, machen wir gleich mal Pause und frühstücken. Sollen die Gruppen doch alle an uns vorbeiziehen …

Doch auch dieser Plan geht nicht auf, denn als wir mit dem Frühstück fertig sind, ist der Strom von Wandergruppen mit leichtem Tagesgepäck noch immer nicht ganz versiegt.

Ab und zu entdecken wir darunter auch Backpacker, aber zwischen all den Touren machen sie sich eher rar.

Wir machen uns wieder auf deie Beine und erklimmen den Berg weiter Richtung Pass. Da wir mittlerweile auf über 4.000 Metern sind, ist das leichter gesagt als getan. Zwar haben wir kein Kopfweh, denn immerhin sind wir schon seit Wochen auf über 2.000 Metern (Arequipa 2.300m, Titicacasee 3.800m, Cusco 3.400m) und damit gut akklimatisiert, aber wir werden schnell kurzatmig und müssen viele Pausen einlegen.

In einer der geführten Gruppen hinter uns klappt eine Frau zusammen. Tja, wenig Gepäck hin oder her, mit der Höhe ist nicht zu spaßen. Aber daher haben die Touren auch meist ein Pferd dabei, auf welches erschöpfte Teilnehmer gesetzt werden können. Entsprechend wird auch mit der Frau verfahren, sobald sie dazu in der Lage ist.

Wir schauen uns an und sind froh, dass es uns trotz unsren Rucksäcken gut geht. So schwer wie bei unserer ersten Tagestour im Colca Canyon sind diese nun auch nicht mehr, denn wir haben aus unserem Fehler gelernt und massiv aussortiert.

Drei andere Backpacker kommen in Sicht, die genauso schnaufen wie wir. Sehr tröstlich. Immer wieder ziehen wir oder sie vorbei, nur um dann wieder bei der nächsten Verschnaufpause erneut überholt zu werden.

Gegen Mittag erreichen wir endlich den Pass auf 4.630 Metern.

Die umliegenden Berge sind in dichten Nebel gehüllt, und als wir uns an den Abstieg machen, beginnt es zu nieseln. Die Regencapes schleppen wir also nicht umsonst mit. Geradezu beruhigend, denn sie sind ziemlich schwer.

Bergab sind wir schneller, aber als wir Huairaspampa erreichen, beschließen wir, zu bleiben.
Insbesondere, weil die Besitzerin des Zeltplatzes uns versichert, dass am Morgen die Sonne scheinen wird.

Wir bauen unser Zelt in einem der großen Zelte auf, in denen tagsüber die Gruppen mit ihren Guides dinieren. Und finden es sehr angenehm, trotz Nieselregen nicht herausfinden zu müssen, wie dicht unser Billigzeltlein ist…

Kurz nach uns treffen zwei von den Kanadiern ein, die wir am Vortag an der Lagune getroffen haben, und ein Österreicher. Der dritte Kanadier ist krank geworden. Armer Kerl. Aber immerhin konnten die drei tatsächlich die Nacht an der Lagune verbringen. Als der Aufpasser sah, wie schlecht es ihrem Kameraden ging, ließ er sie gewähren.

Allerdings sei es verdammt kalt gewesen, sagen sie.

Wir essen alle gemeinsam zu Abend und tauschen Geschichten aus. Die Kanadier gehören alle zum selben Studiengang. Nach ihrer Ankunft in Peru haben sie zuerst Wasserproben untersucht, und jetzt haben sie etwas Zeit, um zu reisen.

Der Österreicher ist begeisterter Wanderer und Bergsteiger. Er scheint sich mit allem rund ums Thema Bergsteigen auszukennen und hat sogar mal in Erwägung gezogen, den Mount Everest zu besteigen.

Aber der sei mittlerweile auch viel zu touristisch, erklärt er uns. Und 50.000 $ seien es ihm nun wirklich nicht wert, um dann in einer Reihe mit anderen Touristen zu wandern. (50.000 … ! Ich habe nachgeschaut, und es stimmt. Je nach Anspruch zahlt man etwas weniger oder auch einiges mehr).

Es gebe sogar Chinesen, die zwei Guides nehmen: Einer zieht, der andere schiebt. An das Gipfelfoto könnten sich viele der reichen Herren letztendlich und trotz Sauerstoffmaske dann jedoch nicht erinnern …

Zu unserem Glück gibt es neben guten Geschichten auch noch heißen Tee, denn die anderen haben Gaskocher dabei und mehr Gasvorrat als nötig, weshalb sie uns gerne mitversorgen.

 

Salkantay Tag 3 – Huairaspampa bis kurz vor Playa
20.05.2018

Als wir morgens aus dem Zelt treten, erwarten uns strahlender Sonnenschein und der Blick auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel.

Es ist unglaublich schön (kann mir bitte mal jemand ein paar neue Umschreibungen für „schön“, „wundervoll“, „traumhaft“ und „zauberhaft“ zukommen lassen? In den letzten Jahren wiederhole ich mich ständig …).

Als uns der Österreicher zum Frühstück erneut mit heißem Tee versorgt, ist der Morgen perfekt.

Glücklich wandern wir los und hüpfen über leicht vereiste Pfützen. Dario macht sich manchmal nicht die Mühe und stapft einfach hindurch. Seit er neue Wanderschuhe hat, ist das kein Problem mehr. Ich hingegen vermeide tunlichst jeden Kontakt mit Wasser, denn meine Sohle löst sich bereits an zwei Stellen und hält vermutlich nur noch dank meiner UHU-Behandlung.

Besonders an den Stellen, wo kleine Bäche einfach quer über den Weg fließen, muss ich immer wieder akrobatisch über Steine tanzen, um nasse Füße zu vermeiden.

Während wir immer weiter absteigen, verändert sich spürbar das Klima. Es wird wärmer und die Pflanzen sind dichter und grüner.

Da die geführten Gruppen immer in Chaullay oder Collpapampa übernachten, sind sie uns 9km voraus und die, die heute erste in Soraypampa starten, sind natürlich noch weit hinter uns. So sind wir vollkommen alleine unterwegs, was wir immer wieder zu schätzen wissen. Nur ab und zu kommen uns einige Esel entgegen.

Noch vor dem Mittag erreichen wir Chaullay. In einem kleinen Lokal bestellen wir Mittagessen. Es gibt Reis mit Ei.

Besonders gut ist, dass wir unsere Wäsche zum Trocknen aufhängen können. Wir haben die letzten beiden Tage immer gleich abends die Wäsche vom Tag gewaschen, aber bisher ist noch kein einziges Kleidungsstück komplett getrocknet. Jetzt, in der Sonne, haben sie endlich eine Chance.

Als nach gut einer Stunde wenigstens die Unterhosen und ein paar der Socken trocken sind, packen wir wieder zusammen und ziehen weiter.

Hinter dem Dorf sind wir kurz auf einer Straße unterwegs, bis wir eine Stelle erreichen, an der wieder ein Fußweg abgeht. Wie wir dank anderen Bloggern wissen, ist dieser Teil des Weges seit knapp einem Monat wieder begehbar. Zuvor war er seit der Regenzeit wegen Erdrutschen gesperrt.

Hier müssten auch irgendwo die Pools sein, von denen jemand berichtet hat …

Tatsächlich befinden sie sich gleich unten am Fluss, doch auch sie sind in Mitleidenschaft gezogen worden und statt Wasser nur noch mit Erde gefüllt. Schade. Aber da wir ohnehin gerade erst ein Pause geamcht haben und auch keines Bades bedürfen (bisher gab es an jedem Campingplatz eine Dusche!), ist es zumindest für uns jetzt nicht weiter enttäuschend. 

Das heutige Ziel liegt tiefer als unser jetziger Standpunkt, trotzdem müssen wir immer wieder kleine Passagen hochsteigen. Das ist der Preis für den schönen Fußweg; die Straße auf der anderen Seite des Flusses führt die allermeiste Zeit kontinuierlich bergab.

Aber es lohnt sich, denn der Weg geht richtig schön durchs Grüne. Sogar an einem kleinen Wasserfall kommen wir vorbei.

Spannend wird es an den Erdrutschen, wo die neu angelegten Pfade oft kaum mehr als 40cm breit sind. Vor allem, wenn es dann mal kurz richtig steil wird. Bloß nicht abrutschen!

Als wir eine Gruppe überholen, die allesamt nur winzige Tagesrucksäcke dabeihaben, geben wir uns high five.

Ab und an kommen wir an einem Häuschen mit Shop und Garten vorbei, doch niemand ist dort. Vermutlich, weil der Großteil der Touristen zu einer anderen Tageszeit hier unterwegs ist.

Die einzige Anbindung dieser Häuschen an die Straße erfolgt über Seilbahnen, die über den Fluss gespannt sind. Sie bestehen aus einem Stahlseil, an dem eine kleine Platform hängt, und einem Seil, an dem man diese heranziehen und sich dann über den Fluss ziehen kann.

Auf maps.me ist kurz vor Playa eine Unterkunft eingezeichnet. Vielleicht kriegen wir da eine warme Dusche? Doch als wir ankommen, ist alles etwas anders als erwartet. Da ist eine große Mauer, die das „Hostel“ vom Weg abschirmt. Die Mauer ist aber eigentümlich lang, und dahinter verbirgt sich ein großes Gelände mit Gebäuden und zwei Pools. Diese sind zwar gefüllt und wir sehen sogar, dass Pumpen arbeiten, aber der Ort ist vollkommen menschenleer.

Links vom Weg hingegen gibt es einen kleinen Shop und eine überdachte Terrasse auf Stelzen. Vor dem Shop sitzen zwei Frauen und wir fragen, wo wir hier übernachten oder zelten können.

Natürlich können wir bei ihnen zelten. Entweder auf einer kleinen Wiese oder auf der Terrasse. Als Preis nennen sie nur, dass wir etwas im Shop kaufen sollen. Das hätten wir eh gemacht.

Während wir uns auf der Terrasse mit Blick über die Mauer und auf den Fluss niederlassen und das Zelt aufbauen, bringen uns die Frauen sogar einen Tisch und Hocker herauf, sodass wir geradezu stilvoll dinieren können.

Einziges Manko: Es gibt gar keine Dusche, sondern nur einen Brunnen mit eiskaltem Bergwasser. Das kostet ganz schön Überwindung…

Als ich in der Nacht aufs Klo muss, ist es stockfinster und nieselt. Während ich noch zur Stirnlampe greife, mache ich schon den ersten Schritt … – und habe die Lage einer Lücke zwischen den Brettern offensichtlich falsch in Erinnerung. Ehe ich noch recht begreife, wie mir geschieht, liege ich auf dem Boden, das rechte Bein bis zum Knie zwischen zwei Brettern im Boden versunken.

„Autsch“ fluche ich, bin jedoch im selben Moment schon dankbar, dass nichts schlimmeres passiert ist. Mit beiden Händen ziehe ich das Bein wieder heraus und begutachte die oberflächliche Schürfwunde. Zum Glück keine Verletzung am Fuß, dass wäre unangenehm geworden.

Noch immer über meine Unvorsichtigkeit schimpfend, gehe ich hinunter und wasche unterwegs zum Klo am Brunnen die Wunde aus.

Danach räume ich unsere Schuhe und Rucksäcke näher ans Zelt und decke sie mit den Regencapes ab, denn das Dach ist nicht ganz dicht und der Wind weht noch zusätzlich Regen von der Seite herein.

Dann krabble ich endlich wieder ins Zelt und desinfiziere die Wunde noch zusätzlich. Dabei lächle ich über Dario. Er ist nicht mal aufgewacht.

 

Salkantay Tag 4 (Umweg) – von Playa nach Santa Teresa
21.05.2018

Am Morgen ziehen wir nicht gleich los, sondern frühstücken auf der Terrasse, während das Zelt übers Geländer gehängt trocknet.

Heute werden wir vom eigentlichen Salkantay Trek abweichen, denn wir wollen Kettlins Empfehlung folgen und die heißen Quellen in Santa Teresa besuchen.

Hinter Playa wird der Weg breiter und ist sehr bequem zu gehen. Wir sehen viele hübsche Blumen, und wir fangen an, sie zu fotografieren. Unversehens wird das zu unserer heutigen Beschäftigung, denn während wir weiter absteigen verändert sich die Flora beständig, und immer mehr neue Blumenarten tauchen auf …

 

Irgendwann kommen Schmetterlinge hinzu. Am meisten begeistern mich die großen blauen, aber auch die vielen kleineren sind wunderschön. Einfach zauberhaft.

Die Bauern hier leben inmitten von einem Dickicht aus Kaffee, Avocados, Orangen und Bananen. Das nenne ich mal Mischkultur. So dicht wie alles miteinander verwachsen ist, kann hier ausschließlich von Hand geerntet werden. Auch Kakao ist dabei – ein Highlight, denn den haben wir bisher noch nirgends gesehen (außer in Fernsehsendungen natürlich).

In Santa Teresa angekommen, gehen wir erst mal essen. Wir sind die einzigen Gäste in einem Lokal, dass eindeutig für Gruppen angelegt ist und locker 100 Personen fassen kann.

Im Ort kaufen wir Obst und Haferflocken, dann wandern wir weiter zu den heißen Quellen. Theoretisch könnten wir auch ein Motortaxi nehmen, denn die gibt es hier … Aber sind wir nicht auf einer Wanderung?

Als die heißen Quellen in Sicht kommen, fragen wir uns, wann Kettlin wohl das letzte Mal hier war. Sie hatte – unsre Vorlieben richtig einschätzend – gesagt, es sei „nicht touristisch“. Doch bereits der Parkplatz ist voller weißer Vans, und als wir einen Blick in die Anlage werfen, schätzen wir Zahl der Besucher auf über 100.

Da es schon dunkel wird, bauen wir unser Zelt auf und gehen dann trotz der vielen Menschen baden. Die Anlage ist wirklich gelunegn, das lässt sich nicht bestreiten. Alles ist aus Naturstein, und besonders gut gefallen uns die Duschen, die sich aus einem Bach speisen und in einem natürlichen Wasserfall fortsetzen.

 

Salkantay Tag 5 – von Santa Teresa nach Hidroelectrica (bzw. kurz dahinter)
22.05.2018

Wir hatten ursprünglich geplant, einen ganzen Tag an den heißen Quellen zu bleiben, aber dafür ist uns der Ort dann einfach doch zu überlaufen. Jetzt am Morgen ist es natürlich wesentlich leerer, also genießen wir das warme Wasser nochmal ausgiebig, bevor wir weiterziehen.

Da uns maps.me auf der ganzen Strecke bisher gute Dienste geleistet hat, folgen wir einem verzeichneten Fußpfad ins Flusstal. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass es die Brücke nicht mehr gibt. Egal. Wir laufen einfach mal am Fluss entlang, optimistisch, dass es irgendwo schon eine Überquerungsmöglichkeit geben wird. Auf der anderen Seite sind schließlich Häuser.

Über einen Seitenarm des Flusses führt eine Hängebrücke.

Der Weg ist ordentlich angelegt, zwischen den Steinen wachsen hohe Gräser.

Als wir uns langsam zu fragen beginnen, ob wir den Fluss wirklich werden überqueren können, oder ob wir letztendlich oben auf der Straße weiterlaufen müssen, treffen wir auf einen Mann, der Steine schaufelt.

Er grüßt uns strahlend und bedeutet uns auch gleich, dass wir ruhig weitergehen sollen. Mit den Händen macht er eine Bewegung, als würde er sich an einem Seil entlangziehen.
Wir verstehen sofort: Wir werden den Fluss mit einer dieser Seilbahnen überqueren müssen. Perfekt!

Es reizt uns schon die ganze Zeit, so eine zu benutzen.

So viel Spaß hatten wir noch nie bei einer Flussüberquerung!

Als wir an später eine Kreuzung kommen, steht dort das erste Schild, und darauf: Machu Picchu!

Laut Karte müssen wir ab hier ein Stück der Straße folgen, die von Santa Teresa nach Hidroelectrica führt. Doch als wir die Stelle erreichen, wo wieder ein Fußweg abgehen sollte, ist dort nichts. Vielleicht haben wir ihn gerade verpasst? Wir sind kurz zuvor an einem Grundstück mit offener Einfahrt vorbeigekommen. War das der Zugang?

Aber wir haben eigentlich keine Lust, zurück zu gehen. Wenn der Weg so ist wie gestern, wird es bestimmt bald wieder eine Seilbahn geben, die die andere Seite mit der Straße verbindet. Also gehen wir einfach weiter. Doch als endlich eine entsprechende Konstruktion in Sicht kommt, ist sie verfallen und es gibt kein Seil mehr.

Der Weg auf der anderen Seite ist auch kaum zu erkennen. Während wir noch nach einer Stelle suchen, wo wir den Fluss vielleicht einfach auf großen Steinen überqueren können, sehen wir plötzlich den Grund für die Vernachlässigung des Fußweges: Auf der anderen Seite des Flusses, wo sich der Fußweg befinden sollte, ist hier nur ein riesiger Steinrutsch zu sehen. Wir observieren den Abschnitt sehr genau, können jedoch keinen neu angelegten Weg erkennen.

Als wir weitergehen, sehen wir, dass sogar das einzige Haus auf der anderen Seite zum Teil weggerissen wurde. Da drüben ist wohl einfach nichts mehr los. Keine Ahnung, ob der Weg überhaupt noch begehbar ist, und noch unwahrscheinlicher ist, dass man dieses abgerutschte Hangstück sicher überqueren kann.

Wohl oder übel müssen wir auf der Straße bis Hidroelectrica laufen. Was durchaus eine schöne Strecke ist, doch wird man immer wieder von den vorbeirauschenden Touristenbussen eingestaubt.

Da unsere Tickets für den Machu Picchu erst für übermorgen sind, bleiben wir entspannt. Am Nachmittag wandern wir ganz alleine die Gleise entlang. Vermutlich gibt es kein anderes Schild mit der Aufschrift „Zu Ihrer Sicherheit: laufen sie nicht auf den Bahngleisen“ auf dieser Erde, das häufiger ignoriert wird als dieses hier.

Morgen früh werden wir vermutlich ganze Menschenströme auf der Strecke treffen, denn dies ist die einzige Möglichkeit, zum Machu Picchu zu kommen ohne den teuren Zug zu nehmen. 

Bei einer Familie, die ein nettes Lokal an den Gleisen leitet, können wir unser Zelt aufschlagen.

Zu meiner Begeisterung gibt es einen Wurf Welpen. Erst denken wir, es seien fünf, doch dann tauchen immer mehr auf, bis wir schließlich zehn Stück zählen!
Sie sind so goldig und tapsig, dass auch Dario sie sofort ins Herz schließt. Einzig die Hundemama tut uns wirklich leid, denn sie hat dieser Horde von Wildfängen nicht viel entgegenzusetzen. Sie ist vollkommen abgemagert, tut aber trotzdem ihr bestes, um alle zu versorgen. Der Hundepapa übernimmt, wenn sie sich verkriecht.

Als die Welpen schließlich für die Nacht untergebracht werden, kommt ein kleines Katzenbaby aus dem Haus. Es ist ganz alleine und noch winzig. Als wir die liebe Frau des Hauses fragen, wo seine Mama sei, schüttelt sie nur den Kopf.

Aber das kleine Miezchen scheint gut zurecht zu kommen. Neugierig klettert es auf uns herum und lässt alles mit sich machen. Vielleicht hat es ja Glück und kann sich mit den Hunden anfreunden?

Sofort muss ich an einen bestimmten Hund aus unserem Bekanntenkreis denken, der jedes kleine Wesen bemutterte, das es nötig hatte. Seien es kleine Katzen, Hühnchen oder Enten.

 

Salkantay Tag 6 – Hidroelectrica (bzw. kurz dahinter) bis Aguas Calientes
23.05.2018

Als wir erwachen, ist um uns herum schon einiges los. Die Welpen nehmen unsere Sachen auseinander. Zwei zerren an einer Tasche für die Isomatten, andere an einem Socken, der eigentlich trocknen sollte.

Wann immer möglich lassen wir unser Gepäck nämlich außerhalb des Zeltes liegen, da wir sonst drinnen kaum Platz haben.

Als die Kleinen mitbekommen, dass wir wach sind, drängen sie sich alle am Zelteingang und stapeln sich regelrecht übereinander, bis wir kaum noch rauskommen. Entsprechend lustig wird auch das Zusammenpacken, denn was immer wir kurz lose liegen lassen, wird sofort zum Spielzeug erklärt.

Beinahe zwei Stunden brauchen wir, bis wir gepackt, gefrühstückt und alle Welpen nochmal ordentlich geknuddelt haben.

Währenddessen können wir schon beobachten, wie die ersten anderen Touristen die Gleise entlangkommen. Heute wird es zeitweise ganz schön voll auf ihnen werden.

Immer wieder rennen sogar Jogger an uns vorbei, meist ältere, die anscheinend eine eigene Gruppe bilden.

Das tut der Strecke jedoch keinen Abbruch. Sie ist sehr idyllisch und nur ein oder zweimal müssen wir Zügen Platz machen.

Mittags mieten wir uns in Aguas Calientes ein, können warm duschen und genießen den Luxus eines Restaurants. Die Menschenmassen im Ort sind allerdings schon erschreckend.

Für den nächsten Morgen kaufen wir Bustickets zu unverschämten Preisen.
Alle Fahrzeuge, die in Aguas Calientes die Straßen befahren, sind mit dem Zug hergebracht worden. Und dieses Monopol lassen sich die Gesellschaften gut bezahlen.

Aber da wir ja auch noch den Montaña Machupicchu besteigen wollen, möchten wir es morgen langsam angehen. Auf meine Frage, wann man denn an der Bushaltestelle sein müsse, um unter den ersten oben zu sein, nennt mir die Frau am Schalter nur immer wieder die Abfahrtszeit des ersten Busses. Also 5:30 Uhr morgens.

Ich frage mich, ob sie meine eigentliche Frage nicht verstanden hat oder nicht verstehen will…

 

Cusco

Cusco
14.05. – 16.05.2018

Wieder geht es im Bus weiter. Diesmal nach Cusco.

Die Fahrt durch die Berge ist schön und wir kommen entspannt in Cusco an.

Mit einem Taxi fahren wir zu unserem AirBnB und treffen gleichzeitig mit zwei anderen Gästen ein. Das kanadische Paar war mit uns im Bus.

Sowohl sie als auch unsere Gastgeber sind uns auf Anhieb sympathisch. Letztere heißen Eduardo und Kettlin und ihr AirBnB liegt in einer Wohnung ganz oben im Haus, im sechsten Stock. Die Einrichtung ist so liebevoll und alles so sauber, dass wir uns sofort zuhause fühlen.

Eduardo spricht ausgesprochen gut Englisch und gibt uns eine sehr ausführliche Einführung zu Cusco. Danach haben wir das Gefühl, dass wir nun mehr über das Zurechtkommen in Cusco wissen, als nach drei Wochen über Arequipa.

Eigentlich war geplant, dass wir von hier aus ins Heilige Tal der Inka fahren um dort auf einer Workaway-Pilzfarm zu arbeiten. Das interessiert Dario nämlich.
Doch die Farm hat im Moment keinen Platz frei und so hängen wir kurz in der Luft.

Also gehen wir einfach mal in die Stadt.

In einem kleinen Museum können wir neben einigen der über 3.000 peruanischen Kartoffelsorten auch etliche traditionelle Masken bewundern.

Wofür wohl all die Masken benutzt werden? Sie erinnern uns an den schwäbischen Karneval.

Nachtrag: Erfahrt es in unserem Beitrag zu unserem „Abenteuer Quyllurit’i“!

Ein schönes Restaurant ist auch schnell gefunden.

Da wir am nächsten Tag nicht viel weiser sind als am vorangegangenen, gehen wir einfach mit den beiden Kanadiern zu einer der nahe gelegenen Ruinen. Sacsayhuamán ist eine der wirklich beeindruckende archäologischen Stätten in der Region. Es wird gesagt, dass Cusco, die Stadt der Inka-Herrscher, nach dem Vorbild eines Pumas angelegt worden sei und Sacsayhuamán sei der Kopf.

Wenn man die gigantischen Mauern anblickt, die wie Zähne in einem Maul gezackt sind, leuchtet das sofort ein. Das Maul umschließt eine große Wiese, auf der heute friedlich Lamas grasen und Touristen Selfies schießen.

Wir bleiben etwas länger als die beiden anderen und besichtigen anschließend noch drei weitere Ruinenstätten. Denn sie sind auf dem Ticket ohnehin mit inbegriffen.

Q’enko, die nächste Stätte die wir besuchen, hat eine Höhle mit einer Art Altar auf dem vermutlich früher Tote mumifiziert wurden. Ansonsten ist das auffälligste Merkmal während unseres Besuches der unendlich scheinende Strom an chinesischen Touristen.

Puka Pukara, kann ebenfalls kaum als spektakulär bezeichnet werden. Ein paar Mauern mit Gras sind alles, was noch zu sehen ist.

Tambomachay hingegen gefällt uns gut. Die Anordnung der Mauern und des Brunnens ergeben ein idyllisches, skulpturales Bild das zum Verweilen und Betrachten einlädt.

Zum Glück fahren auf der Strecke ständig Colectivos, sodass wir am Abend schnell in die Stadt zurück kommen.

Wegen der Vorläufigen Absage der Pilzfarm entscheiden wir uns einfach gleich den Salkantay Trek zum Machu Picchu zu wandern. Unser Beschluss wird sogar noch beschleunigt, als wir erfahren, dass Eduardo und Kettlin in zwei Tagen selbst verreisen.

Kettlin ist unglaublich gerne in den Bergen unterwegs und ist den Salkantay schon vier Mal gewandert. Sie setzt sich mit mir zusammen und berät uns zu unserer Ausrüstung.
Das Problem, dass wir nur Sommerschlafsäcke dabei haben wischt sie zur Seite wie eine kleine Mücke: „Ihr kauft einfach noch eine Decke, die ihr im Schlafsack um euch wickelt“.

Auch was man gut als Proviant mitnehmen kann und wo wir die Decke und warme Jacken günstig erstehen können, erklärt sie mir genau.

Einen ganzen Tag verbringen wir damit unsere Besorgungen in der Stadt zu machen. Vor allem die Tickets für den Machu Picchu müssen wir erstehen, denn der ist zu dieser Jahreszeit meist einige Tage im Voraus ausgebucht. Nur 2.500 Besucher pro Tag dürfen die berühmten Ruinen besuchen.

Für die beiden Berge auf dem Gelände gibt es jeweils sogar nur 500 Tickets. Der Huayna Picchu ist bereits ausverkauft. Wir wollen die Anlage aber durchaus von oben sehen, also nehmen wir Tickets für den Montaña Machupicchu.

Während unserer Besorgungen sehen wir auch einiges von der Stadt.

Statt uns einen Gaskocher zu kaufen, beschließen wir auf nahrhaftes Brot zu setzen. Zum Glück ist Cusco so touristisch, dass man in der Nähe des Plaza de Armas sogar Pumpernickel kaufen kann. Es geht doch einfach nichts über deutsches Vollkornbrot…

Wobei wir vermutlich die günstigen Restaurants bei unserer Heimkehr sehr vermissen werden. Für ein nobles Essen zu zweit samt Smoothies werden wir hier selten mehr als 25 Euro los.

Die Betonung liegt dabei auf „nobel“, denn für ein einheimisches Mittagsmenü (Suppe, Hauptgang, Dessert und Getränk) bezahlt man in der Regel gerade mal 5 – 10 Sol pro Person. Das sind 1,30 – 2,60 Euro.
Allerdings kann es sich bei der Suppe schon mal um ein Rezept mit Hühnerfüßen handeln…

Einziger Punkt auf der Tagesordnung, der weder mit Equipment noch Essen zu tun hat, ist das Abschicken von Postkarten. Hier in Cusco wird das glatt zum Erlebnis, denn wo sonst werden die Sendungen von einem Löwen verspeist? 😉

Die letzten Postkarten machen sich auf den Weg nach hause.

Titicacasee

Titicacasee – das höchste kommerziell schiffbare Gewässer der Erde
11.05. – 14.05.2018

Puno, die Stadt auf peruanischer Seite des Titicacasees (die andere Seite gehört zu Bolivien), in der die Busse halten, gefällt uns überhaupt nicht. Aber sie ist ja auch nur als Ausgangspunkt für unsere Tour auf den See gedacht.

Unser Hostel ist zudem ganz nett und dank der vielen Touristen, die durch diesen Ort kommen, gibt es mehr als genug ansprechende Restaurants.

Gleich für den nächsten Tag buchen wir unsere Tour. Mit Übernachtung auf einer der Inseln.

Normalerweise meiden wir ja geführte Touren, aber bei einer Bootsfahrt lässt es sich kaum vermeiden. Zudem gibt es wohl keine untouristischen schwimmenden Inseln mehr. Und sehen wollen wir diese auf jeden Fall.

Der Titicacasee ist übrigens nicht nur das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde, er ist auch der größte natürliche Süßwassersee Südamerikas.

Mit seinen 8.288m² ist seine Fläche fast 15,5 mal so groß wie die des Bodensees!

Unser Gepäck lassen wir größtenteils im Gepäckraum des Hostels, nur den kleinen Tagesrucksack mit ein paar Klamotten und Snacks nehmen wir mit.

Punos Hafen ist voller Touristenboote, die in knappen Abständen ablegen. Das Boot, mit dem wir fahren, hat Platz für über zwanzig Personen und ist bis auf den letzten Platz besetzt. Allerdings dürfen immer nur sechs Personen auf Deck, und zu unserem Glück ist das in etwa die Anzahl junger Reisender, die sich an Bord befinden.

So verbringen wir die meiste Zeit ziemlich ungestört mit den anderen Backpackern in der Sonne. Kein einziges Mal macht einer der anderen Reisenden Anstalten, die Leiter herauf zu klettern. Sie treten höchstens mal kurz aus der Kabine, um ein Foto zu schießen. Dann verschwinden sie wieder.

Gemütlich fahren wir über den durchschnittlich 107 Meter tiefen See hinweg. Die tiefste Stelle erreicht sogar 284 Meter, laut unserem Guide. Unser erstes Ziel sind die schwimmenden Inseln. Jede dieser Inseln ist wie ein winziges Dorf. Und jede dieser Gemeinschaften empfängt eine Touristengruppe.

Der Guide erklärt uns, gemeinsam mit dem Inseloberhaupt und mit Zuhilfenahme eines Modells, wie die Inseln gebaut werden: Soweit ich verstanden habe, werden die Wurzeln des Seegrases in Blöcke geschnitten, mit Pflöcken und Seilen vertäut und mit Schilf belegt. Laut diesem Artikel kommt der Auftrieb der Inseln – schließlich sind es die „schwimmenden Inseln“ – von einem Gas, das die Wurzeln freisetzen.

Früher hatten die Hütten einen runden Grundriss und erinnerten mehr an Zelte denn an Häuschen. Die neueren Modell sind rechteckig, bestehen jedoch noch immer größtenteils aus Schilf. Wobei gelegentlich leider auch farbige Plastikfolien zum Einsatz kommen, die das idyllische Bild etwas beeinträchtigen. Aber sie sind eben die billigste Form, ein Dach schnell dicht zu bekommen, und wer liegt schon gerne im Nassen? Zum Glück ist dieser Anblick aber wirklich nicht allzu häufig.

Nach dem Vortrag dürfen wir die Insel besichtigen, einen Blick in die schlichten Hütten werfen und natürlich Souvenirs kaufen.

Anschließend wird uns eine Fahrt auf einem der Schilfboote angeboten, sie kostet natürlich extra. Unser Guide erklärt das Ganze so umständlich, dass wir alle denken, die Fahrt würde zwei Stunden dauern, und viele nehmen das Angebot an.

 

Es stellt sich jedoch heraus, dass sie kaum fünfzehn Minuten dauert, und einen Großteil der Zeit ist eine einheimische Kindergruppe um uns, um noch mehr Münzen aus den Touristen heraus zu holen. Nichts gegen Kinder, denn deren Idee war das sicher nicht, aber angenehm finden wir es nicht. Vor allem, weil es auf den Inseln sicher keine Gesangsschule gibt. Und viele der Lieder sind nicht mal traditionell, sondern solche die ihnen Touristen beigebracht haben – zum Beispiel „Alle meine Entchen“.

Wir sind regelrecht dankbar, als wir wieder auf Deck unseres Motorboots liegen.

Mittags erreichen wir die große Insel Amantani, auf der uns bereits eine Schar herausgeputzter Einheimischer Erwartet. Immer drei oder vier Touristen werden einer Familie zugeteilt.

Dario und mir wird eine junge allein reisende Frau zugeteilt. Wir schätzen sie auf etwas jünger als uns selbst. Zusammen bekommen wir eine Insel-Mami, eine kleine hutzelige Frau. Sie ist sehr goldig, aber leider ist unser aller Spanisch kaum ausreichend, um uns mit ihre zu unterhalten.

Wenigstens finden wir jedoch heraus, dass sie nur alle paar Wochen Touristen aufnehmen. Es gibt ein Rotationssystem nach dem bestimmt wird, welche Familien auf der Insel mit der Aufnahme der Touristen an der Reihe ist. So können jeden Tag Besucher kommen, ohne die Insulaner zu belästigen.

Im Haus ihrer Familie bekommen wir ein kleines Zimmer mit drei großen Betten, dann serviert sie uns im winzigen Essraum neben der noch kleineren Küche eine vorzüglich Quinoasuppe.

Nachmittags treffen wir uns wieder mit der großen Gruppe am Plaza de Armas, um zu den Tempeln der Insel zu spazieren. Wir ärgern uns allerdings schon bald über die Tour, denn wären wir einfach gleich nach dem Essen alleine los spaziert, hätten wir locker beide Tempel besichtigen können. So jedoch wird es bereits dunkel als wir den ersten erreichen.

Nach dem Abendessen gibt es eine „Party“ für die Touristen.

Als wir unserer „Mami“ sagen, dass wir uns die Feier wenigstens ansehen werden, läuft sie sofort zu einer Kammer und bringt uns einen großen Stapel traditioneller Kleidung.

Dario wird mit Poncho und Mütze ausgestattet und wir Frauen beneiden ihn um die simple Ausstattung sobald wir an der Reihe sind und Schicht um Schicht anziehen müssen: Eine Art unförmiges langes Unterhemd, dann eine Bluse und darüber einen Rock, um den ein breiter Gürtel gebunden wird. Zu guter Letzt auch noch ein langes Kopftuch.

Wir betrachten uns gegenseitig und verstehen plötzlich, warum alle Frauen auf der Insel so rundlich wirken. Das sind einfach nur die ganzen Klamotten!

Die Mami bringt uns zur Feier, auf der bereits laut musiziert und munter getanzt wird.

Zwei Tänze lang schließen wir uns größeren Gruppen an, die den Anweisungen der Einheimischen folgend traditionelle Tänze tanzen. Zumindest glauben wir das, denn wir kennen die hiesigen Tänze ja nicht.

Mir ist furchtbar warm, sodass ich mich aus dem Kostüm schäle, um wenigstens eine Schicht meiner eigenen Kleidung abzulegen und versuche anschließend das Kostüm wieder zu richten.
Doch die Mami schüttelt nur den Kopf und eilt herbei um mich wieder zu richten.

Dann tanzen wir einfach eine Mischung aus dem gerade erlernten Tanz und unserem Disko Fox, was niemanden zu stören scheint und bald schon dazu führt, dass auch andere Paare ihnen bekannte Tänze einfließen lassen.

Da wir uns auf fast 4.000 Metern Höhe befinden, sind wir allerdings bald fix und fertig.
Beim Tanzen rast unser Puls wie noch selten und wir werden kurzatmig.

Wir gehen früh zu Bett.

 

Am nächsten Tag geht es bei Zeiten weiter.
Alle nehmen am Bootssteg Abschied von ihren Insel-Familien und auf geht die Fahrt.

Wir besuchen noch eine weitere Insel und machen eine kleine Wanderung. Unser Guide zeigt uns die Nationalblume Perus, die Cantua buxifolia.

Auf dem großen Platz der Insel gibt es einen großen Laden mit handgemachter Kleidung. Wir bummeln hindurch und ich kann nicht widerstehen, als ich Mützen im französischen Baskenstil mit Alpaka-Muster entdecke…

Später erklärt er uns auch die Gewandungen der Bewohner.
Bei den Frauen zeigt ein schwarzer Rock an, dass sie verheiratet sind. Nur unverheiratete Frauen dürfen bunte Röcke tragen.
Bei den Männern zeigt die Mütze den Status an: Rote Mütze bedeutet verheiratet, rotweiße Mütze bedeutet Single.

Allerdings ist das nicht alles. Trägt etwa ein junges Mädchen schwarze Röcke wie eine verheiratete Frau, so ist sie die Tochter von Autoritäten.

Und nur Autoritäten dürfen Regenbogenfarben tragen. Von ihnen gibt es 25 auf der Insel.

Anschließend lernen wir nicht nur die Menschen zu kategorisieren, sondern auch die Tiere:
Ein Alpaka erkennt man am kurzen Hals und hängendem Schwanz.
Lamas hingegen haben einen längeren Hals und ihr Schwanz steht hoch.
Becunjas sind noch kleinere Tiere, die den Lamas ähneln aber so selten und nicht domestizierbar sind, dass ein Pulli aus ihrer Wolle gut 1.000 USD kosten kann. Im Vergleich: Alpaka-Pulli ca. 100 Soles (etwa 26 EURO), Alpakababy-Pulli ca. 200 Soles.

Nachtrag: Mit den Preisen ist es allerdings schwierig, denn Teilweise haben wir noch viel günstigere Angebote bekommen. Da fragt man sich dann, ob der Guide uns zu hohe Preise genannt hat um die Kauffreude anzustacheln, oder ob bei den günstigen Produkten etwas nicht stimmt…

Das Mittagessen bekommen wir in einem offenen Restaurant serviert, von dem aus wir einen schönen Blick auf den See haben.

 

Anschließend folgt die mehrstündige Fahrt zurück ans Festland.

Zwischenstopp Arequipa

Arequipa – diesmal nur ein Zwischenstopp
10.05.2018

Wir sind wieder bei unserer peruanischen Familie in unserem Lieblingshostel untergekommen. Auch Isabel, die ältere Dame aus den USA, ist wieder da, obwohl sie eigentlich mittlerweile wo anders sein wollte.

Statt gleich weiterzufahren beschließen wir, noch eine Fahrradtour zu buchen, die uns in den Angeboten des Hostels schon zuvor verlockend erschienen war.

Tatsächlich sind wir die einzigen Touristen, die heute teilnehmen. Mit einem Van werden wir einen der hohen Berge hinaufgefahren, was uns dann also sehr komfortabel eine lange Talfahrt beschert. Unser Guide hat noch einen Bekannten dabei, und so sind wir zu viert plus dem Fahrer des Vans.

In einem kleinen Dorf halten wir an und kommen zufällig gerade pünktlich zu einer kirchlichen Zeremonie, die damit beginnt, dass erst mal auf der Plaza de Armas eine Menge Böller gezündet werden, sodass es ohrenbetäubend kracht und der ganze Platz im Rauch versinkt.

Die anderen kaufen noch ein paar Snacks, dann geht es weiter hinauf.

Kaum, dass Dario sein Rad bestiegen hat um eine Proberunde zu drehen, reißt auch schon die Kette.
Also muss erst mal repariert werden.

Mit dem Resultat, dass nun nicht mehr alle Gänge funktionieren. Der Guide nimmt das beschädigte Rad und Dario bekommt ein anderes.

Zuerst geht es einfach die normale Straße bergab, wobei wir feststellen, dass wir die Kurven mit den dicken Staubschichten nicht so toll finden.

Dann beginnen wir, nette Abkürzungen zu fahren, schließlich ist es eine „Downhill-Tour“.
Mit dem Geholper haben wir wenig Schwierigkeiten, aber sobald Staubschichten hinzu kommen, müssen wir sehr vorsichtig fahren.

Besonders schön finden wir, wenn Lamas oder Alpakas in der Nähe grasen, und auch der Blick auf den großen Vulkan ist beeindruckend.

Als wir am Ende eines Abschnitts ankommen, hat der Freund des Guides einen Platten.

Wieder ist Reparatur angesagt, aber das Loch im Schlauch befindet sich an einer ziemlich ungünstigen  Stelle. Also muss auch dieses Fahrrad aussortiert werden. Da der Van schon in einem Ort weiter unten wartet, entscheidet der Guide, dass er das defekte Rad zu Fuss dorthin bringt. Seinem Bekannten erklärt er unsere Tourenstrecke, und so wir fahren dann also zu dritt weiter.

Dario und ich fragen uns, warum er sich nicht einfach von dem Van abholen lässt …
Aber am Ende liegt die Entscheidung natürlich beim Guide.

Keine fünf Minuten, und geht es wieder bergauf.

Gerade dieser letzte Abschnitt durch die Felder ist zauberhaft.

Als wir bei dem Van ankommen, ist der Guide noch nicht da und ein wundervoller Sonnenuntergang kündigt sich an.

Da wir die ganze Zeit nur bergab geradelt sind und die anspruchsvolleren Strecken recht kurz waren, haben wir das Gefühl, kaum etwas getan zu haben. Also fragen wir den Fahrer, ob wir einfach die Straße Richtung Arequipa weiterfahren können und der Van uns aufsammeln kann, wenn Guide und defektes Rad angekommen sind. Und genauso wird es gemacht.

Der Bekannte des Guides begleitet uns weiterhin, wobei er es zu bereuen scheint, sobald es das erste Mal richtig bergauf geht. Er ist nicht gerade schlank.

Wie vorauszusehen war, ist der Sonnenuntergang berauschend schön.

Wir erfreuen uns an ihm und radeln anschließend noch ein wenig weiter. Als es dämmrig wird und es nur noch bergauf geht, halten wir am Straßenrand an. Gerade noch rechtzeitig für unseren etwas  außer Puste geratenen Begleiter, der die letzten Meter sein Rad schiebt.

Eine gute Viertelstunde später taucht endlich der Van auf.
Die Rückfahrt nach Arequipa stellt sich dann als erstaunlich kurz heraus; den Großteil der Strecke hatten wir also schon per Rad zurückgelegt.

Am nächsten Tag wird sich wieder groß im Hostel verabschiedet, bevor wir den Bus nach Puno nehmen.

Colca Canyon

Endlich wirklich im Colca Canyon
04.05. – 09.05.2018

Natürlich lassen wir uns von dem Busunglück nicht abschrecken und fahren bald darauf selbst wieder in den Canyon. Unfälle können sich schließlich jederzeit und überall ereignen.

Am Morgen unserer Abreise begleitet Silvia uns an die Straße, winkt ein Taxi herbei und verhandelt den Preis. Dann macht sie uns klar, dass wir, sollten wir im Canyon abermals krank werden oder aus sonstigen Gründen Hilfe brauchen, uns gefälligst bei ihr melden sollen.

Viele Umarmungen und Wangenküsschen später sind wir schließlich auf dem Weg zur Busstation.

Der Canyon ist einfach wunderschön und wir sind happy, wieder in der Natur zu sein. Wir übernachten im selben netten Hostel wie schon bei unserer ersten Anreise und starten gleich am nächsten Morgen unsere Wanderung nach Llahuar.

Es geht die meiste Zeit recht steil hinab in den Canyon. Insgesamt eine Strecke von über zehn Kilometern. Das hörte sich für uns bisher nach gar nicht so viel an, aber bald wird uns klar, dass wir zu viel Gewicht in unseren Rucksäcken herumschleppen. Vor allem, weil wir nicht gerade in bester Kondition sind.

Trotzdem ist die Strecke wunderschön.

Als wir endlich die Straße im Tal erreichen, wären wir absolut bereit, ein Taxi zu nehmen … Doch natürlich gibt es hier keines. Also schleppen wir uns auch noch die letzten Kilometer bis zur Lodge.
Wir sind so fertig, dass wir tatsächlich einen Bungalow mieten, statt unser Zelt aufzubauen. Der Preisunterschied ist ohnehin gering.

Wir buchen eine Nacht.

Zur Lodge gehören heiße Quellen. Zwei Betonbecken, die gleich unten am Fluss liegen. Es sitzen bereits recht viele Backpacker darin, doch diesmal stört uns das kaum. Wir sind einfach nur fertig und genießen die wohltuende Wärme und den traumhaften Blick über den Fluss.

Beim Abendessen stellen wir fest, dass viele der Leute total nett sind, und es ergibt sich eine größere Runde, mit der wir Karten spielen.

Wir beschließen, mindestens eine weitere Nacht zu bleiben. Es ist einfach zu schön.

In der Früh stellt sich heraus, dass das eine absolut weise Entscheidung war. Wir haben so schlimmen Muskelkater, dass wir uns kaum bewegen können.

In die heißen Wasserbecken schaffen wir es aber natürlich, und dort bleiben wir dann auch. Stundenlang genießen wir sie vollkommen alleine, die Wanderer kommen alle erst gegen Mittag an.

Es gefällt uns hier so gut, und unser Muskelkater bessert sich so wohltuend, dass wir einfach alle Nächte in Llahuar verbringen. An einem Tag wandern wir, nur mit Wasser und Mittagsessen ausgerüstet, in ein Seitental des Canyons und nehmen genussvoll die Natur in uns auf.

Zu Mittag essen wir am Fluss, dann kehren wir um.

Die Strecke ist wunderschön, der Weg nur ein enger Fußpfad an einem steilen Hang entlang. Einmal kommen uns Esel entgegen und wir erinnern uns an eine Warnung: Wenn Esel im Anmarsch sind, immer an die Hangseite stellen, niemals an die Talseite!

Die gemütlichen und wirklich goldig dreinblickenden Tiere nehmen auf den engen Pfaden wohl nicht allzu viel Rücksicht auf unvorsichtige Touristen. Da landet schon mal einer im Gestrüpp oder kullert den Hang hinab … Das wollen wir nicht zu unseren Abenteuern zählen können.

Den Abend verbringen wir wieder in unseren geliebten heißen Bädern.

Wir entscheiden uns dafür, unser vieles Gepäck nicht wieder nach Cabanaconde hinaufzuschleppen, sondern stattdessen den kleinen Bus zu nehmen, der einmal am Tag hinauffährt.

Mehr als überpünktlich sind wir morgens an der Bushaltestelle, denn wir wissen ja, wie relativ Zeit hier ist. Auch wenn in der Regel eine Verspätung wahrscheinlicher ist, als das Gegenteil. Aber da wir nur eine Chance heute haben, wollen wir sie nicht verpassen.

Bald darauf kommt noch eine Gruppe von vier Touristenmädels von der Lodge angelaufen. Alle mit winzigen Rucksäcken. Dario und ich werfen uns einen Blick zu, der sagt: „Ich wünschte, wir hätten so wenig Gepäck, dann würden wir nämlich weiterwandern“.

Als einziger Einheimischer gesellt sich schließlich noch ein hutzeliger alter Mann mit einem großen Sack voller Grünzeug zu uns.

Doch als der „Bus“, ein weißer Van mit Platz für ca. 12 Personen, schließlich eintrifft, ist er schon rappelvoll mit Einheimischen. Dass der alte Mann noch reinpassen muss, ist für uns klar. Aber dann wären ja wohl eigentlich wir dran, oder? Wir waren schließlich zuerst da und die fettesten Rucksäcke haben wir auch…

Doch da wir uns nicht gleich hineinquetschen – schließlich müssten unsere Rucksäcke auf dem Dach verstaut werden – sind die Mädels  schneller. Sie ignorieren uns einfach.

Als der Van von dannen holpert und außer uns auch noch eine Staubwolke zurücklässt, blicken wir ihm düster nach.

Vollkommen planlos setzen wir uns erst mal wieder auf die Bank der Bushaltestelle.

„Was machen wir denn jetzt?“, frage ich Dario.

„Jedenfalls nicht wieder zurück in die Lodge gehen!“, kommt prompt die Antwort, als wisse er bereits, worauf ich hinaus will. Ich hätte nicht viel gegen eine weitere Nacht an den heißen Quellen einzuwenden. Andererseits hat er recht, dass es uns eigentlich weiter zieht.

„Hoch laufen will ich aber auch nicht“, gebe ich bekannt. Die Rucksäcke sind wirklich furchtbar schwer, unsere Beine schmerzen noch immer leicht und zehn Kilometer steil bergauf sind wirklich heftig. In dem kleinen Guide für die Strecken im Canyon, den wir von unserem Hostel in Colcapampa erhalten haben, wird die Strecke in dieser Richtung nicht mal aufgeführt…

Während wir merken, wie wir etwas gereizt werden, kommt plötzlich ein weißer Pickup-Truck um die Kurve. Ich stehe sofort auf und strecke den Daumen raus.

Der Wagen hält an und die beiden Männer darin wollen wissen, wohin wir denn möchten.

„Colcapampa?“

„Si!“

„No problema.“

Wir steigen ein und fühlen uns sehr vom Glück begünstigt. Unsere Rucksäcke liegen auf der Ladefläche und wir haben jede Menge Platz auf der bequemen Rückbank.

Zudem fühlen wir uns in diesem Wagen wesentlich sicherer als wir es auch nur beim Anblick des total überfüllten, alten Vans getan hatten.

Es dauert zudem gar nicht lange, bis wir den „Bus“ überholen. Und obwohl wir einige Male anhalten, um Fotos zu machen – die beiden scheinen auch Touristen zu sein – kommen wir eine halbe Stunde vor den anderen in Colcapampa an. Deren Eintreffen können wir nämlich bequem beobachten, während wir bereits auf der Terrasse eines Cafés unser Mittagessen einnehmen.

Anschließend spazieren wir in die umliegenden Felder. Es ist traumhaft schön. All die kleinen Terrassen mit Reis und Gemüse. Dazwischen die Kanalsysteme.
 

Dario hilft einer Frau dabei, einen klemmenden Kanal zu öffnen und sie bedankt sich herzlich.

Wir sind jedes mal beeindruckt, wenn eine der Frauen an uns vorbeizieht. Denn trotz ihrer schweren Lasten sind sie stets sehr zügig unterwegs.

Am Abend regnet es und wir nehmen wieder ein Zimmer im Hostel, statt unser Zelt zu testen.

Mit dem ersten Bus um 7:00 Uhr fahren wir für wenige Soles hinauf zum „Cruz del Condor“.
Leider ist der Himmel wolkenverhangen, weshalb es keine Thermik gibt, auf der die großen Vögel sich in die Höhen schwingen könnten. Entsprechend bekommen wir erst mal keine zu sehen.

Doch nach gut einer Stunde bricht die Sonne durch und schon kurz darauf gleiten die ersten Herrscher der Lüfte an uns vorbei. Lange beobachten wir das Spektakel der majestätischen Gleiter mit ihren gut zwei Metern Spannweite (sogar über drei Meter sind möglich), die oft nur wenige Meter über den Köpfen der Hunderte von Beobachtern vorbeirauschen.

Dann fahren wir mit einem weiteren Bus in einen kleinen Ort namens Yanque, der ebenfalls wunderschön in den Feldern gelegen ist. Hier zeichne ich die Dorfkirche. Sie liegt an einer beeindruckenden „Plaza de Armas“, wie sie wohl jeder von den Spaniern angelegte Ort hier hat.
Selbst die ganz kleinen Dörfer verfügen häufig über einen Platz von der Größe eines Fußballfeldes.

Wenigstens dies ist etwas Gutes, das die Spanier hergebracht haben. Denn diese Plätze werden rege genutzt. Sie bilden den perfekten Treffpunkt und genug Platz für alle möglichen Aktivitäten. Für Fußball und dergleichen gilt dies allerdings nicht, denn die Plätze sind in der Regel fast schon kleine Parks mit großen bepflanzten Bereichen, zwischen denen sich Wege und kleinere Plätze ergeben.

Zu Mittag essen wir in einem hübschen Restaurant mit Blick auf die Felder und Hügel. Es gefällt uns so gut, dass wir kurz überlegen, noch zwei Tage hier zu bleiben. Doch es weht ein kalter Wind, und ein Blick auf die Wettervorhersage verheißt regnerische Zeiten.

Also nehmen wir den Nachmittagsbus zurück nach Arequipa.

Arequipa

Arequipa
12.04.2018 – 03.05.2018

Weiter geht es nach Arequipa, einer Stadt im Süden Perus. Im Vergleich zu Lima ist Arequipa einfach traumhaft. Die Altstadt ist schön und voller alter Gebäude aus Naturstein.

Auch kulinarisch können wir nicht klagen, denn es gibt eine reiche Auswahl an verlockenden Restaurants. Besonders gut gefällt uns ein Kartoffelrestaurant, welches verschiedene Gerichte auf einer immer gleichen Basis aus mehreren Kartoffelsorten serviert.

Für mich ist der Höhepunkt eine Besichtigung des Kloster Santa Catalina.

Die verwinkelten Gässchen sind ein Traum. Gerade bewegt man sich noch zwischen rötlich gestrichenen Mauern, dann geht man durch einen kurzen Gang und befindet sich plötzlich auf einem weiten, blau gestrichenen Innenhof.

Das Kloster ist wie eine Stadt in der Stadt.

Überall stehen Blumentöpfe und alle Wohnräume der Nonnen haben irgendwie einen Ausblick. Und sei es nur auf eine gegenüberliegende Mauer mit Blumentopf. Denn dank dem farbigen Putz und den wunderschönen Blumen ist selbst das absolut bezaubernd.

Abends kaufen wir ein Zelt für die bevorstehenden Wanderungen.
Da die guten Zelte nicht nur sehr teuer, sondern auch ziemlich schwer sind, entscheiden wir uns für ein ganz leichtes Modell aus dem Baumarkt.

Es wiegt gerade mal 1,5 Kilo. Wir haben ein bisschen Bammel, dass es den Anforderungen nicht gewachsen sein könnte… Daher kaufen wir noch eine ganz leichte Plane, die wir im Notfall darüber ausbreiten können.

 

Von Arequipa aus fahren wir in den Colca Canyon, wo wir wandern gehen wollen. Das Dorf in dem wir ankommen, Cabanaconde, liegt auf etwa 3300 Metern. Nach der sechsstündigen Busfahrt sind wir viel erschöpfter als sonst und kippen nach dem Abendessen sofort ins Bett.

Doch nur wenig später wachen wir wieder auf. Dario glüht.

„Oh Scheiße…“, murmle ich und messe seine Temperatur.

Fast vierzig Grad Fieber.

Das ist für Dario extrem ungewöhnlich. Da ich weiß, dass große Höhe dem Körper ganz schön zu schaffen machen kann, beschließe ich, dass wir am nächsten Tag wieder nach Arequipa zurückfahren.

 

Und in Arequipa beschließen wir zu bleiben, bis wir uns endlich mal wieder richtig, richtig fit fühlen. Zudem ist das Hostel in dem wir wohnen sehr familiär und nett und wir fühlen uns durchaus nach einem etwas längeren Aufenthalt. Die Familie besteht aus Silvia, der Leiterin des Hostels, ihrer kleinen Tochter und dem Opa. Zudem residiert eine ältere Amerikanerin namens Isabel, die sich schon seit vierzehn Jahren in Peru aufhält, ebenfalls für längere Zeit hier.

Mit Silvia und Isabel besuchen wir den lokalen Markt.
Endlich mal ein Land in dem ich zur selben Zeit all meine Lieblingsfrüchte in bester Qualität bekomme! Wir decken uns ordentlich ein: Ananas, Mango, Papaya, Erdbeeren, Heidelbeeren und Feigen. Es ist festlich.

Und natürlich gibt es ganze Stände nur mit Kartoffeln!

In einem Lokal am Plaza de Armas, wie der zentrale Platz vieler Orte in Peru genannt wird, finden wir ein Restaurant mit sehr alten traditionellen Speisen. Als Erlebnis okay, allerdings fühlen wir uns beinahe in die Steinzeit versetzt. Das essen ist kaum gewürzt und besteht hauptsächlich aus einzelnen gekochten Gemüsen. Dieses ist qualitativ allerdings so hochwertig und lecker, dass wir nicht klagen können.

Wesentlich begeisterter sind wir jedoch von einem vegetarischen Sushi-Restaurant.

Einen Kochkurs belegen wir auch. Es ist jedoch ein recht kurzer und das einzige, was uns wirklich begeistert ist der sogenannte „Chicha Morada“. Dabei handelt es sich um ein tief lilafarbenes Getränk, dass aus einer nahezu schwarzen Maissorte hergestellt wird.
Es ist süßlich und wir kriegen gar nicht genug davon.

Den Rest der Zeit verbringen wir mit immer wiederkehrenden Aktivitäten wie Arbeiten am Computer (die Webseite muss an die neue Datenschutzverordnung – DSGVO – angepasst werden), Kochen und Zeichnen. Für letzteres finden sich jede Menge geeignete Orte in der Stadt.

 

An einem Tag ruft Mama uns plötzlich ziemlich früh an. Wobei man natürlich dazusagen muss, dass es nur für uns früh ist, denn Deutschland ist sieben Stunden voraus.

„Geht es euch gut?“

„Klar“, sagen wir und wundern uns. Wir sind so lange von zuhause fort, dass selten jemand wissen will, ob wir irgendwo gut angekommen sind. Und jetzt sind wir ja nicht mal wirklich unterwegs.

Es stellt sich heraus, dass ein Bus auf der Fahrt in den Colca Canyon schwer verunglückt ist. Das ist kein Wunder, denn an der kurvigen Strecke gibt es keine Leitplanken, sodass bereits ein kleiner Fehler einen Sturz den Steilhang hinab bedeutet.

Zwei Deutsche sind tot und weitere zwölf schwer verletzt.

„Uns geht es gut“, versichern wir erneut und sind froh, dass wir nicht früher als geplant zurück in den Canyon gefahren sind.

 

An einem der Tage, kurz bevor wir weiterreisen, bereiten Isabel und wir eine kleine Überraschungsparty für die Hostelfamilie vor. Sie freuen sich riesig und sind richtig gerührt.

Wir haben sie ganz schön ins Herz geschlossen…


Photo by Isabel

 

Zwischenstop Lima

Wieder in Lima
10.04. – 11.04.2018

Diesmal begrenzen wir unseren Aufenthalt in Lima auf einen einzigen Tag.
Nachmittags gehen wir gemütlich essen.

Am Abend besuchen wir den „Magic Water Circuit“. Dabei handelt es sich um einen recht großen Park mit etlichen Wasserinstallationen, die abends zauberhaft beleuchtet werden.
Traumwandlerisch spazieren wir umher und lassen das Plätschern und die Farbspiele auf uns einwirken.

 

Ica

Ica – Voll im Sand
06.04. – 10.04

Unser Hostel liegt wieder etwas außerhalb. Doch angeblich soll man ganz einfach ein Colectivo nehmen können. Also halten wir Ausschau, doch wir entdecken nur Taxis.

Erst nach einer ganzen Weile wird uns klar, dass die Colectivos hier anders als in Mexiko sind. Während es sich dort um Busse handelt, sind die Colectivos hier einfach kleine Taxis mit der Aufschrift eines bestimmten Ortes an der Frontscheibe.

Wir entdecken den richtigen Ortsnamen und quetschen uns samt Rucksäcken in den Wagen – mit all dem Gepäck sollten wir nächstes mal vielleicht doch lieber ein normales Taxi nehmen …

Doch wir kommen problemlos an, und das ist die Hauptsache. Unser Zimmer liegt im obersten Stockwerk und hat einen Blick bis zu den Dünen auf der anderen Seite der Stadt. Es ist riesig und doch behaglich, perfekt!

So können wir gut entspannen. Für den nächsten Tag nehmen wir uns nichts vor, doch für den darauffolgenden buchen wir beim Hostelbesitzer eine Quad-Tour. Die Tour ist einer der Gründe, weshalb wir uns für diese Unterkunft entschieden haben.

Der Sonnenuntergang vom Zimmer aus ist atemberaubend, und wir freuen uns schon darauf, ihn während der Tour dann von den Dünen aus beobachten zu können.

 

Mit dem Quad in den Dünen

Die Quad-Tour beginnt am Nachmittag, unser Guide ist der Bruder des Hostelbesitzers. Startpunkt ist Huacachina, die berühmte Oase, die große Touristenströme anzieht.

Das ist der Grund, weshalb wir hier kein Zimmer gebucht haben. Es ist ein reiner Touri-Ort. Tatsächlich finden wir den ganzen Ort ziemlich hässlich. Ein Hotel neben dem anderen, unzählige Verkäufer und die Oase ist so trüb, dass wir nicht mal in ihre Nähe wollen.

Nur von weitem sieht das Wasser in der Wüste verlockend aus.

Nachtrag: Später treffen wir auf der Reise einige Studenten, die hier in Peru das Wasser untersuchen. Sie erzählen uns unter anderem, dass die Oase von Huacachina schon lange keine natürliche Oase mehr ist. Genau wie in Paracas sinkt der Grundwasserspiegel beständig, sodass bereits seit den 80er Jahren Wasser in die Oase gepumpt werden muss, um sie als Attraktion zu erhalten. Der tatsächliche Grundwasserspiegel liegt heutzutage 20m unter der „Oase“.

Wir sind heute die einzigen, die eine Quad-Tour gebucht haben und damit die einzigen überhaupt, die auf einem Quad unterwegs sind. Allerdings brausen jede Menge große Vehikel durch die Gegend, in denen jeweils gut 10 Touristen sitzen. Diese Dinger können in den Dünen fahren und verwandeln die Wüstenlandschaft um Huacachina in einen Fun-Park.

Zum Glück fahren wir mit dem Quad etwas abseits der normalen Routen. Unser Guide fährt mit einem kleinen Buggy voraus und schert sich nur wenig um uns, sodass wir richtig unseren Spaß haben. Wir testen die Beweglichkeit des Quad und sind absolut fasziniert, wie leicht das Gefährt über den Sand düst.

Ich fahre zuerst, Dario sitzt hinter mir. Eine schöne Art der Fortbewegung. Das Gefühl, wie sich das Quad durch den Sand bewegt, erinnert noch am ehesten an das Snowmobil im Schnee. Wir machen aus, das wir immer wieder wechseln. Abgesehen davon, dass das Fahren großen Spaß macht, ist es auch recht anstrengend für die Arme, sodass ich froh bin, immer mal wieder den Lenker abgeben zu können.

An einer kleineren Düne halten wir oben an und dürfen die Sandboards ausprobieren. Sie sehen ähnlich wie Snowboards aus und entsprechend versucht Dario sogleich, sich seines an die Füße zu schnallen.

Unser Guide lacht jedoch nur und erklärt, dass diese Bretter nicht zum Fahren im Stehen taugen. Sie sind nicht wendig genug. Stattdessen legt man sich mit dem Bauch darauf, stützt sich auf die Ellbogen und ab geht die Post.

Ich verziehe das Gesicht. Ich hasse es, mit dem Kopf voraus Hügel hinabzurasen.

Dario hingegen liebt es. Entsprechend bittet er um etwas Wachs für den Boden des Boards, wirft sich darauf und saust los. Eine Sandwolke staubt hinter ihm auf.

Ich bitte um gaaaaanz wenig Wachs und schiebe mich vorsichtig über den Rand der Düne, die Fußspitzen fest in den Sand gegraben. Doch schnell stellt sich heraus, dass es eine recht langsame Angelegenheit ist. Ich nehme die Füße hoch und entspanne mich. Die Fahrt ist kurz und wenig spektakulär – also muss eine größere Düne her.

Unser Guide fragt, ob wir ab jetzt lieber nur Quad fahren wollen, oder auch nochmal Sandboarden möchten. Wir wollen beides. Ob es dann gleich die größte Düne in der Umgebung sein soll? Ja klar!

Noch eine ganze Weile haben wir Spaß auf dem Quad und danach sogar noch genügend Zeit, kurz die Poi auszupacken.

Dann treffen wir den Hostelbesitzer, der mit zwei Mädels eine Buggy-Tour macht. Im Konvoi machen wir uns auf den Weg zu der ganz großen Düne.

Als wir dort ankommen, beginnt gerade der Sonnenuntergang. Trotzdem gehen wir alle gleich mit den Brettern auf die Dünenspitze, und kurz darauf verschwinden die beiden Mädels auf ihren Brettern über die Kante.

Dario und ich schauen uns an. Von dort unten wird man den Sonnenuntergang nicht sehen können. Also bestehen wir darauf, erst zu Sandboarden, wenn die Sonne hinter den Dünen verschwunden ist. Die beiden Guides nicken und der Hostelbesitzer schickt seinen jüngeren Bruder mit einem der Buggys zu den Mädels hinab, damit die nicht warten müssen.

Wir setzten uns auf den Dünenkamm, schütteln den Kopf über die Guides, die uns doch tatsächlich bei der Sunset-Tour den Sunset hätten verpassen lassen, und genießen.

Anschließend darf einer von uns Sandboarden, der andere muss das Quad die Düne hinabfahren.
Wir spielen Schnick Schnack Schnuck und ich gewinne.

Also darf ich mit dem Sandboard diese riesige Düne hinabrasen. Diesmal wird es recht flott, aber immer noch angenehm. Am Fuß des Hügels haben sich durch den Wind wellenartige Muster im Sand gebildet. Ich halte mich gut fest, denn ich habe zuvor gesehen, wie eines der Mädels hier seitlich vom Board gerutscht und dann durch den Sand gerollt ist. Sah nicht sehr gemütlich aus.

Erfreulich sicher lasse ich das Board gleiten, bis es von alleine anhält.

Dann beobachte ich, wie Dario mit dem Quad die unglaublich steile Düne herabfährt. Das sieht wesentlich gruseliger aus, als mit dem Sandboard zu fahren.

Da es eine ganze Weile dauert, laufe ich ein Stückchen an der nächstgelegenen kleinen Düne hoch, schnalle mir das Board unter die Füße und lasse mich hinabgleiten. Die Düne ist nicht steil genug um richtig Fahrt aufzunehmen, daher muss ich nicht mal lenken.
So vertreibe ich mir die Zeit, bis Dario strahlend mit dem Quad neben mir anhält.

„Das war der Hammer!“, sagt er.

Aber jetzt brauchen wir natürlich noch eine weitere große Düne, damit Dario auch einmal richtig Sandboarden kann und ich das Quad eine Düne hinab manövrieren darf.

Wir bekommen sie.

Während der Weiterfahrt wird uns klar, dass wir Glück gehabt haben, mit dem jüngeren Bruder unterwegs zu sein. Der Hostelbesitzer ist wesentlich vorsichtiger und weist uns immer wieder zurecht. Wir sollen hinter den Buggys herfahren und nicht über kleinere Dünenkämme, denn dahinter könnte es sehr steil sein und so weiter…

Wir nicken einfach, statt ihm zu erklären, dass wir darauf natürlich acht geben und uns daher in den letzten zwei Stunden auch noch nichts passiert ist. Ohnehin müssen wir jetzt anfangen langsamer zu fahren, denn es beginnt zu dämmern.

Es wird schon dunkel, als Dario mit dem Board die letzte große Düne in die Tiefe rauscht.
Ich folge vorsichtig mit dem Quad. Dazu muss man das Fahrzeug ganz gerade ausrichten und den Lenker stur festhalten. Es ist mehr ein Hinabrutschen als ein Fahren.

Wohlbehalten treffen wir uns alle unten wieder und machen uns auf die Rückfahrt zur Oase.

Das hat Spaß gemacht!

Abend in den Dünen

Am Abend bevor wir für eine Nachuntersuchung wieder nach Lima fahren, lassen wir uns von einem Taxi nochmal zur Oase bringen und laufen in die Dünen hinauf. Ein Hund schließt sich uns an und begleitet uns die ganze Zeit.

Oben auf einer schönen Düne angekommen, spielen wir Poi bis zum Sonnenuntergang.

  

Anschließend versuchen wir es mit Feuer, doch es stellt sich heraus, dass das hiesige Lampenöl (das einzige, das wir in ganz Ica auftreiben konnten) eine absolute Katastrophe ist.

Also machen wir uns auf den Rückweg.

Paracas

Paracas
04.04 – 06.04.2018

Wir reisen nach Paracas, einem Küstenort südlich von Lima.
In dem kleinen Backpacker-Hostel außerhalb des Ortes sind wir die einzigen Gäste. Der nette junge Mann, der sich um alles kümmert, ist uns sofort sympathisch.

Mit seinem wenigen Englisch und unserem wenigen Spanisch schaffen wir es mit vereinten Kräften, kleinere Unterhaltungen zu bewältigen. Im Zweifelsfall mit der Unterstützung unseres treuen digitalen Übersetzers.

Er erzählt uns, dass es hier nur ungefähr zweimal im Jahr regnet und auch dann nicht viel. Das Süßwasser für die Sanitäranlagen wird zu bestimmten Uhrzeiten aus dem Boden hochgepumpt und in Tanks gespeichert. Mehr gibt es nicht.

Und aufgrund der großen Farmen, die ebenfalls das Grundwasser nutzen, sinkt der Wasserspiegel rapide in die Tiefe. Etliche Meter in den letzten Jahren. Das Wasser schwindet, der Agrar-Export blüht. Ein für die Zukunft verheerendes Problem, das sich vielerorts beobachten lässt.

Obwohl wir mitten in einer trockenen Ebene sitzen, umgeben von hohen Mauern, die uns vor den Nachbarn abschotten, fühlt es sich für uns wie eine Oase an.
Die Tage in Lima haben ein tiefes Verlangen nach Ruhe und Natur in uns hinterlassen.
So liegen wir einfach in den Hängematten und entspannen.

Für den nächsten Tag buchen wir unseren Ausflug zu den Inseln und in den Nationalpark an der Küste.

 

Islas Ballestas & Nationalpark

Die Bootstour stellt sich als sehr touristisch heraus. Etliche Boote legen in engen Abständen vom kleinen Hafen ab, vollgestopft mit Besuchern.

Vollgas voraus brausen wir auf die offene See hinaus und fangen trotz schönstem Wetter und Sonnenschein bald an zu frieren. Die Meere, über die wir im letzten Jahr gefahren sind, waren alle angenehm warm. Bikinitemperatur. Das Meer hier in Peru ist dank seiner kalten Strömungen vollkommen anders. Und ebenso verhält es sich mit der Luft über dem Wasser. Kalt!

Mein dünner Pulli, den ich glücklicherweise mitgenommen habe, hilft ein wenig. Wir ziehen uns den Schal über den Kopf und kuscheln uns zusammen, bis das Boot wieder langsamer wird.
Vor uns an einem Hügel prangt ein riesiges Zeichen, das an einen dekorativen Kerzenleuchter erinnert. Die Dekorationen erinnern an Kornähren.

Dieses Zeichen gehört zu den sogenannten Nazca-Linien. Das sind große bis gigantische Bilder, die in den Wüstenboden gescharrt sind. Geometrische Formen und Abbildungen von Lebewesen. Die ältesten stammen angeblich aus einer Zeit zwischen 800 bis 200 v. Chr.
Die Bilder sind aus der Ferne gut zu erkennen, da durch das Entfernen der obersten Gesteinsschichten die helleren Sedimente zum Vorschein kommen.

Weiter geht es zu den Inseln, und wir verstecken uns wieder unter dem Schal. Brrrrrr…

Die Inseln stellen sich als durchaus schön heraus, wobei wir ganz froh sind, dass man sie nicht betreten darf. So viel Vogelkacke haben wir noch nie auf einem Haufen gesehen. Es stinkt regelrecht zum Himmel – und natürlich bis hin zu den Booten.

Die Vögel, Seelöwen und selbst die Pinguine scheinen sich nicht an den täglichen Besuchern zu stören und gehen ihren üblichen Aktivitäten nach: Die Vögel jagen Fische und kacken die Touristen voll, die Seelöwen dösen, die Männchen versuchen die Weibchen zu beeindrucken und zwei von ihnen Kämpfen sogar. Selbst das sieht recht gemächlich aus.
Und die Pinguine watscheln unbeirrbar die Felsen empor.

Wieder am Festland angekommen, haben wir Zeit, essen zu gehen. Ich probiere endlich mal Ceviche, ein Fischgericht, das sich auch in Mexiko großer Popularität erfreut.

Anschließend treffen wir unseren netten Gastgeber wieder, der mit uns in den Nationalpark fährt. Schön untouristisch!

Wir besichtigen in aller Ruhe ein kleines Museum, dann die wunderschön roten Felsformationen entlang der Küste. Im Felsboden zeigen sich an vielen Stellen weiße Flächen. Es sind Salze.

Zu guter Letzt begutachten wir noch eine Fläche mit vielen Muschelfossilien, dann geht’s zurück zum Hostel.

 

Zeit der Entspannung

Wir entdecken ein Spiel für uns, das wir zuvor noch nirgends gesehen haben: Man wirft mit schweren Münzen auf ein horizontales Brett, in welchem zwanzig Löcher sind. Auf einem der Löcher sitzt ein Metallfrosch mit geöffnetem Maul, drei andere Löcher sind mit kleinen Rädchen versehen.

Die Löcher haben unterschiedliche Punktezahlen. Die meisten Punkte gibt es, wenn man in das Maul des Frosches trifft. Wir spielen Runde um Runde, es ist ganz schön verflixt! Erst nach über einer Stunde gelingt uns der erste Treffer ins Maul.

Weil es so beschaulich hier ist, bleiben wir noch einen Tag länger und relaxen einfach nur.
Dann nehmen wir den Bus nach Ica, einer Wüstenstadt mitten in den Dünen, nur wenige Stunden entfernt.

Lima

Lima
27.03. – 03.04.2018

Wir kommen in Lima an und zum ersten Mal auf unserer Reise steht schon ein Fahrer für uns bereit. Mit Namensschild. Den hat unsere AirBnB-Gastgeberin für uns organisiert.

In der Unterkunft angekommen, stellt sich heraus, dass sie und ihre Familie sehr nett sind. Und im Gegensatz zum Rest der Wohnung sind unser Zimmer und Bad ausgesprochen sauber. Ein Glück, hier lässt es sich aushalten.

Denn ganz so schnell wie wir gerne würden, werden wir Lima wohl nicht verlassen. Erst mal heißt es herausfinden, warum ich noch immer nicht wieder ganz fit bin. Das Ergebnis des Arztbesuches sind ein Antibiotikum und die Anweisung, mich zu erholen. Das ist keine wirkliche Überraschung.

Wir lassen es also entspannt angehen. Dank Uber gar kein Problem, denn mit dem zuverlässigen Fahrservice kommen wir vollkommen relaxt überall hin. Sei es ins Kino oder ans Meer. Wobei der Ausflug zu letzterem uns eher enttäuscht.

Es ist recht kühl und Limas Strände sind steinig. Zudem liegen sie an einer großen Straße. Die Stadt selbst liegt dreckig und doch erhaben auf der Abbruchkante darüber. Interessant ist zu sehen, wie viele Menschen es in die Gärten oben an der Kante zieht, wo man mit guter Aussicht flanieren kann. Dank den Osterfeiertagen ist es rappelvoll.

Mit interessant ist dann aber auch schon alles gesagt. Denn auch die Osterprozessionen mit ihren Heiligenstatuen sind nicht unser Geschmack und alles in allem wären wir gerade viel lieber in den heimischen Gärten unserer Familien.

Am nächsten Tag besichtigen wir eine historische Stätte mitten in der Innenstadt. Der Tempel Huaca Pucllana birgt Überreste verschiedener Kulturen aus dem ersten Jahrtausend n.Chr. und seine Lehmziegelkonstruktion erinnern an ein vollgestopftes Bücherregal.

In den angrenzenden Gärten können wir landestypische domestizierte Tiere und Pflanzen begutachten.
In Peru gibt es viele Lamas und Alpakas, sowie einige weitere verwandte Arten. Schafe sind auch recht beliebt. In unseren europäischen Augen ist wohl als einziges die Nutzhaltung von Meerschweinchen ungewöhnlich.

„Eine typisch peruanische Delikatesse“, erklärt uns der Guide mit einem Grinsen und vielsagenden Blicken auf die gut zwanzig Meerschweinchen im Gehege.

Wir schauen uns an. Wenn es eine traditionelle Delikatesse ist, müssen wir sie wohl irgendwann mal probieren… Aber das hat ja noch viel Zeit. Eilig haben wir es damit nicht.

Oben vom Hügel lässt sich deutlich erkennen, dass die Architekten des dahinterliegenden Glaskastens ihre Hausaufgaben gemacht haben: Fassade mit Anlehnung an die Struktur der Pyramide.

Zudem befinden sich hier Gräber.

 

An einem anderen Tag besuchen wir das Museo Larco, dessen Sammlung uns durchaus begeistert, obwohl das Museum an sich recht klein ist. Besonders die Keramikschätze faszinieren uns.

Auch das Lager des Museums ist für Besucher geöffnet. Hier stapeln sich eben diese Keramiken, ordentlich nach Motiven sortiert.

Erheiternd ist auch die in gesonderten Räumen stattfindende Ausstellung zum Thema Sex. Hier fühle ich mich in meine Schulzeit zurückversetzt, als das Trierer Museum die Sonderausstellung „100.000 Jahre Sex“ zeigte. Wohl eine der wenigen Ausstellungen die ein breites Publikum an Schülern anlockte. Auch wir Mädchen gingen hin. Giggelnd, uns vielsagend anstupsend und voller Fragen, über die wir dann doch nicht sprachen.

Heute beobachten wir die anderen Gäste der Ausstellung. Die verstohlenen Blicke, die leichte Peinlichkeit, gerötete Wangen oder der Versuch, eine gleichgültige Miene beizubehalten.

Anschließend machen wir es uns im Gartenlokal gemütlich und trinken etwas.
Die Blumen sind wunderschön.

 

So versuchen wir, jeden Tag etwas Schönes in Lima zu finden. Allerdings stellt sich das schon bald als recht schwer heraus. Denn im Vergleich zu anderen Orten können uns die Gebäude und selbst die Kirchen kaum beeindrucken.

Gut gefällt uns hingegen ein romantisches Café im Stadtteil Barranco, das in einem alten Zugwaggon untergebracht ist.

Viel Spaß haben wir zudem mit den zahlreichen Grafitis.

Das war es dann aber auch schon. Lima ist keine Stadt, in der wir auch nur einen Tag länger als notwendig bleiben wollen.
Sobald wie möglich verlassen wir die Stadt, um uns andere Orte anzuschauen.