Im Heiligen Tal

Pilzfarm „Kállampas“ im Heiligen Tal
28.05. – 31.05.2018

Heute gehen wir endlich auf die Pilzfarm im Heiligen Tal der Inkas.

Mit einem Colectivo ist die Anreise nach Calca von Cusco aus ein Kinderspiel. Die Farm zu finden stellt sich hingegen als schwierig heraus. Wir hatten eigentlich erwartet, dass jeder im Ort sie kennen würde, doch das ist absolut nicht der Fall.

Also lotsen wir den Motortaxi-Fahrer so gut wir können und lassen uns an der, der Farm am nächsten gelegenen, Kreuzung absetzen. Dann versuchen wir herauszufinden, wo genau dieser Punkt sein soll, der auf der Karte im Internet markiert ist.

Doch erst mit der Hilfe eines alten Herrn aus der Nachbarschaft, gelingt es uns das Tor zu finden. Da steht dann auch groß „Kállampas“. Wir schütteln nur den Kopf. Ein Schild an der Kreuzung hätte echt mehr geholfen als diese riesige Aufschrift am Ziel!

Es dauert eine Weile, bis jemand auf unser Klopfen reagiert. Doch der junge Mann, der dann öffnet, scheint sehr nett zu sein. Die Verständigung ist wie erwartet holprig, denn sein Englisch ist kaum besser als unser Spanisch. Aber wir wollten ja auch sprachlich etwas lernen.

Es stellt sich heraus, dass noch vier andere Backpacker da sind. Sie sitzen gerade im Hof und essen zu Mittag. Ein Pärchen arbeitet schon seit drei Wochen hier, die beiden anderen schon länger als eine Woche. Sie alle wollen jedoch in den nächsten Tagen weiterziehen.

Sie sprechen zwar hauptsächlich Spanisch miteinander, doch alle können Englisch. Das hilft uns einerseits bei der Verständigung, erschwert aber andererseits unser Vorhaben ganz im Spanischen zu bleiben.

Bei der Einführung übersetzt eine von ihnen für uns, was wir nicht verstehen. Wir bekommen einen Überblick über die verschiedenen Pilzsorten: Austernpilze, Shiitake, Rosen-Seitlinge, Kiefernpilze und noch eine Sorte, für die ich keine Übersetzung finden kann.

Der größte Teil der Einführung beschäftigt sich allerdings damit, wie toll das Projekt doch ist. So ökologisch (obwohl noch immer viel Plastik verwendet wird) und so sozial weil sie Dörfern helfen eigene Pilzkulturen zu züchten und damit für Nahrung und Arbeitsplätze sorgen. Und so weiter.

Gezüchtet wird auf einer Mischung aus geschreddertem Stroh und verschiedenen natürlichen Zusätzen. Diese Mischung wird in große Plastiksäcke gefüllt und erhitzt, um alle Bakterien abzutöten. Dann werden die Pilze „geimpft“.

Die Säcke kommen in eine große Halle, wo sie liegen bis der Pilz deutlich sichtbar wird, oder sogar das Plastik durchbricht. In diesem Stadium werden sie in die nächste Halle verlegt, wo dreimal täglich gewässert wird.

Hier wachsen die Pilze zu ihrer vollen Größe heran und werden für den Verkauf geerntet. Jeder Sack bleibt so lange liegen, wie er brauchbare Pilze hervorbringt, dann wandern die Reste auf den Kompost.

Die meisten Pilzsorten liegen in der gleichen Halle, vermutlich wegen Platzmangels. Nur die Shiitake-Pilze haben eigene Räumlichkeiten.

Abgesehen von den Pilzen und den Backpackern, leben auf der Farm noch zwei Hunde und ein Schaf. Einer der Hunde gehört zur Rasse der „peruanischen Nackthunde“ (Spanisch: Perro sin pelo del Perú). Diese Tiere haben eine schwarze, raue Haut, die an einen Elefanten erinnert. Doch auf dem Kopf wächst stets ein kleines Büschel Haare, das uns an einen Punk denken lässt… (rechts im Bild! Nicht der Hund bei Dario)

Wir finden sie furchtbar hässlich, doch zumindest der Charakter der Hündin hier auf der Farm ist ausgesprochen liebenswürdig, was das Aussehen vollkommen wett macht.
Im Ort sehen wir einen besonders witzig aussehenden Hund dieser Rasse. Wobei es sich vermutlich eher um einen Mischling handelt.

Die Leiter der Farm wohnen scheinbar nicht hier. Nur einer von ihnen hat überhaupt ein Zimmer im Farmhaus und auch er ist häufig nicht vor Ort.

Scheinbar läuft die Farm nur dank der Workaway-Leute.

Das entspricht schon mal nicht so ganz unseren Vorstellungen davon, wie man diese Plattform nutzen sollte. Richtig enttäuscht sind wir dann, als wir unser Zimmer sehen. Es ist ein großer Raum im ersten Stock eines heruntergekommenen Hauses weiter hinten auf dem Gelände. Die Treppe sieht aus, als würden wir jedes Mal unser Leben riskieren, wenn wir hinaufsteigen.

Das Zimmer teilen wir mit einer der Backpackerinnen.
Sie hat das einzig ordentliche Bett inne, während für uns nur ein Stapel durchgelegener Matratzen übrig ist, an die jemand das Kopfend-Teil eines Bettes gestellt hat.
Wir nehmen lieber unser Isomatten und Schlafsäcke.

Das Bad ist im Haupthaus und somit gute 150m entfernt. Besonders sauber ist rein gar nichts hier.

In der Nach stellt sich auch noch heraus, dass es bitterkalt wird.
Ein Glück, dass wir die Decke vom Salkantay Trek behalten haben!

Am nächsten Morgen gibt es zum Frühstück Brot in Ei gebadet. Ganz nett, aber viel zu wenig.
Wir erfahren, dass dieser Mangel daran liegt, dass die Backpacker selten genug Geld für das Essen bekommen, wenn sie einkaufen gehen.

Langsam fühlt sich das hier wirklich blöd an.

Keine ordentliche Unterkunft, wenig Essen und dann auch noch ohne Bezahlung arbeiten…

Kein Wunder, dass niemand von den anderen für diesen Ort schwärmt. Das Pärchen ist auch nur noch hier, weil sie einfach kein Geld zum weiterreisen haben. Doch jetzt haben sie sich vorgenommen, einfach von hier aus zum Machu Picchu zu laufen.

Statt Dario eine interessante Aufgabe zu geben, weil er ja zum Lernen hergekommen ist, lassen sie ihn den ganzen Tag Kompost schaufeln. Während ich mit einer anderen Backpackerin die Shiitake-Pilze umsortiere. Sie kommt aus Frankreich und spricht ordentliches Spanisch, aber die Anweisungen sind trotzdem so vage, dass wir beim Umräumen vermutlich mehr Chaos als Ordnung schaffen.

Wir hätten ja nachgefragt, wie es genau gemacht werden soll, aber der Typ ist spurlos verschwunden. Also mache ich mich bald darauf daran, das Mittagessen zu kochen. Es gibt Pfannkuchen, schließlich kann ich nicht viel anderes zubereiten. Na gut, Salat halt noch.

Die Begeisterung ist jedoch groß, denn die anderen haben in letzter Zeit wohl immer nur Brot, Reis und Nudeln zu essen gehabt. Da ist so ein Pfannkuchen dann schon mal eine Abwechslung.

Nachmittags fahren wir nach Pisac, doch die Ruinen zu besuchen lohnt sich so spät am Tag nicht mehr. Also schlendern wir nur über den berühmten Handwerkermarkt und bedauern, dass unsere Rucksäcke schon so schwer sind.

Der nächste Tag wird nicht viel besser als der vorige.

Morgens holen wir Brot in der traditionellen Bäckerei in der Nähe.

Diesmal schreddert Dario Stroh, während ich immerhin beim Ernten und Verpacken helfen darf.
Wieder geht fast der ganze Tag herum, ohne dass er wirklich viel gelernt hätte. Nur dadurch, dass er immer mal wieder herumläuft, allen zuschaut und sich jeden Schritt erklären lässt, bekommt er einen Überblick über den gesamten Prozess. Damit haben die Leiter der Farm aber nicht viel zu tun, sie sind schließlich nicht da.

Als sich uns die Chance bietet, eine frühere Abreise anzukündigen, tun wir es. Ich habe keine Lust länger als nötig hierzubleiben. Drei der anderen gehen heute, die letzte morgen früh. Wir gehen übermorgen.

Ich will hier im Tal noch so viel sehen!

Und eine weitere Wanderung würden wir auch gerne noch machen.

Heute gehen wir wenigstens noch eine kleine Ruine in der Nähe anschauen. Der Spaziergang ist schön und noch beeindruckender als die Ruine finden wir eine große Mauer, die Terrassen für die Landwirtschaft hält. Alles Handarbeit. Die Felder wie auch die Mauer. Einfach irre.

Unser letzter Tag auf der Farm beginnt mit dem Verabschieden der letzten anderen Workaway-Arbeiterin.

Dann verpacken wir drei Kilo Pilze und haben Glück. Heute sollen wir nichts anderes machen, als diese auszuliefern. Und das auch noch in einem Ort, wo wir eh hinwollten.

Begeistert nehmen wir den Colectivo, liefern die Pilze ab und machen uns auf den Weg zu den Salinen (Salinas de Maras). Während wir den steilen Weg hinauf spazieren, diskutieren wir über die Farm. Es ist kein Wunder, dass die Jungs so knausrig sind, denn für die drei Kilo Pilze haben wir 60 Sol bekommen. So viel bezahlen wir normalerweise locker für eine Übernachtung oder ein gemeinsames Essen. Aber das verdienen sie pro Tag. Nicht mehr. Kein Wunder, dass auf der Farm niemand bezahlt werden kann.

Dario regt sich total auf, weil die Farm so viel effizienter betrieben werden könnte. Weniger Leute und besser koordinierte Arbeit. Regale für die Pilzsäcke. Ein besseres Bewässerungssystem. Er findet gar kein Ende.

Doch die Salinen bringen uns auf andere Gedanken. Sie sind wunderschön!

Jedes Becken ist von Hand angelegt und wir beobachten, wie ein Mann eines barfuß feststampft.

Die Ästhetik der Handarbeit, des Unikats, wird bei diesen Becken überdeutlich. Hinzu kommt, dass die Becken sich in ganz unterschiedlichen Stadien befinden. In manchen ist schon fast nur noch Salz, in andere fließt Wasser nach, wieder andere sind gerade leer.

Die Farbtöne variieren von ganz weiß bis zu einem dunklen Braun.

Die Ränder der Becken sind von Salzkristallen bedeckt.

Lange wandern wir zwischen den Becken herum.

Am Abend gießen wir noch die Pilze und gehen Essen. Es gibt ein kleines Lokal im Ort, wo wir schon zuvor zu Abend gegessen haben. 5 Sol (1,30 Euro) für ein Abendmenü, bestehend aus einer Suppe, einem Hauptgang, einem Tee und einer Nachspeise. Die Gerichte sind wohlschmeckend, allerdings kann die Suppe schon mal mit Hühnerfüßen sein.

Fast nebenan gibt es zudem ein nettes Café mit gutem Eis und anderen Leckereien, das von einer netten Frau mittleren Alters geführt wird, die Deutsch spricht. Wie sich herausstellt ist ihre Mutter Deutsche. Sie selbst hat auch einige Zeit in Deutschland verbracht, ihre Heimat ist aber wohl Peru.

Wir verstehen uns prima und ich bekomme meine Sonderwünsche erfüllt. Zum Beispiel Bananenmilch mit Schokoladeneis.

An unserem letzten Morgen sind wir ganz alleine auf der Farm. Wir gießen die Pilze, legen das Geld von der gestrigen Auslieferung auf den Tisch und schreiben gerade einen Zettel, als endlich einer der Leiter auftaucht.

Er will wissen, ob wir die Pilze für die heutige Auslieferung schon geerntet haben. Eine Auslieferung, von der wir noch nichts gehört haben. Absprache wird hier wirklich nicht groß geschrieben.

Wir verneinen, schultern unsere Rucksäcke und verabschieden uns. Dario trägt noch seine Liste mit Verbesserungsvorschlägen vor, dann machen wir uns auf den Weg ins Dorf.

Weil es uns hier gut gefällt, ziehen wir einfach nur um. In ein nettes Backpackers.

Als wir das gemütliche Zimmer betreten, atme ich auf. Schon viel besser.

Am Abend gebe ich noch meine Wanderstiefel beim Schuhmacher ab, denn nun löst sich die Sohle bereits auf drei Ebenen und auch an anderen Stellen lösen sich Elemente. Ein Glück, dass ich die neuen Schuhe in Cusco gekauft habe!

 

Das Heilige Tal der Inka – Ruinenstätten

Pisac
01.06.2018

Endlich besuchen wir die Ruinenstätten von Pisac. Hier heißt es laufen!

Über mehrere Hügel verteilt liegen die historischen Anlagen und wir verbringen den ganzen Tag damit, eine nach der anderen zu besichtigen.

Meine Wanderschuhe hole ich abends ab. Für 10 Sol (2,60 Euro) sind sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder „zusammengeschustert“ worden. Für einen weiteren Trek werden sie jetzt wohl noch halten!

 

Moray
02.06.2018

Unser heutiges Ziel ist nicht ganz so leicht zu erreichen. In Ermangelung besserer Informationen nehmen wir sogar einmal ein Taxi. Doch schließlich erreichen wir sie, die Ruinen von Moray.

Bei ihrem Anblick möchte man nur zu gerne an die Existenz von Ufos glauben.

Wir packen unser Mittagessen aus und machen es uns am Rand einer der Anlagen gemütlich.

Eigentlich schade, dass wir die Salinen schon gesehen haben, sonst könnten wir von hier aus an ihnen vorbei ins Tal wandern. So jedoch nehmen wir uns lieber ein weiteres Ziel vor und besichtigen am Nachmittag noch die Ruinen von Ollantaytambo.

Die Anlage hat eine wirklich schöne Struktur, ist aber etwas überlaufen, weil von diesem Ort aus die Züge nach Aguas Calientes (Machu Picchu) fahren.

Den letzten Tag im Heiligen Tal verbringen wir allen Ernstes im Bett. Es schüttet wie aus Kübeln.

 

Cusco
04.06.2018

Wir machen nochmal Zwischenstopp in Cusco, natürlich wieder bei Kettlin und Eduardo.

Den Tag verbringen wir damit, unsere Liste abzuarbeiten: Ein Besuch auf dem Markt, um uns nochmal mit Muña Tee einzudecken, ein zweites Paar Schuhe für mich bestellen und Abendessen im KusiKuy.

Wir vermuten zuerst, dass der Name von „Cuy“ (Meerschweinchen) kommt, denn das ist es, was wir dort essen werden. Doch im Internet finde ich heraus, dass „Kusikuy“ wohl eigentlich auf Quechua soviel wie „Mach dich selbst glücklich“ heißt.

Wie auch immer, wir wollen jedenfalls das traditionelle Gericht probieren, bevor wir Peru verlassen. Also gibt es heute Cuy.

Allerdings stellt sich heraus, dass das Cuy wohl nie zu unseren Lieblingsgerichten werden wird. Mal ganz abgesehen davon, dass es hier geradezu eine makabre Touristenattraktion zu sein schein. So wird es dekoriert fürs Foto serviert und geht dann zurück in die Küche, um kurz darauf zerlegt zum Verzehr serviert zu werden.
Auch der Pisco Sour, das hiesige Nationalgetränk, spricht uns nicht an. Eigentlich ein Glück, so werden wir in Deutschland sicher nichts vermissen.