Letzte Tage

Ruhiges Weltreise-Finale
13.06. – 18.06.2018

Die letzten Tage verbringen wir völlig unspektakulär in einem traumhaften AirBnB namens Pukayaku Lodge im selben Ort.

Das Paar, dem die Unterkunft gehört, ist unglaublich sympathisch und wir schließen sie schnell ins Herz. Einziges Manko ist das zweite Paar, das sich bei ihnen eingemietet hat: Ein uns absolut unsympathischer Deutscher mit seiner kolumbianischen „Freundin“, die uns wirklich leid tut.

Aber wir lassen uns die Laune nicht verderben und verlängern bis zum spätest möglichen Datum. Morgens kaufen wir auf dem Markt ein und genießen nochmal all das wundervoll reife Obst, das es hier gibt: Mangos, Feigen, Heidelbeeren, Himbeeren, Ananas, Passionsfrucht, Physalis, Erdbeeren und vieles mehr. Alles in bester Qualität und dem Geschmack vollreifer Früchte.

Belissa, die Hausherrin, kocht für uns, wann immer wir darum bitten. Das Frühstück ist ohnehin inklusive. Es ist eine dieser Unterkünfte, die im Vergleich zunächst etwas teuer erscheinen, bei denen man dann aber feststellt, dass sie eigentlich viel zu billig sind für das, was man bekommt.

Sogar selbstgebrautes Bier bieten sie uns an, und wir prophezeien und wünschen ihnen eine gute Zukunft mit vielen deutschen Gästen! Daher hier auch ein Link, denn wie gesagt können wir dieses AirBnB wirklich nur empfehlen.

Den größten Teil der Tage verbringen wir in der Hängematte auf der Terrasse und genießen einfach das Ambiente und die Ruhe.

Am letzten Morgen verabschieden wir uns herzlich von den beiden und besteigen das Motortaxi, das sie für uns bestellt haben.

Jetzt geht es wieder nach Lima.

 

Lima-Shopping
19.06.2018

Wir dürfen unser Gepäck über den Tag noch in der netten Unterkunft lassen, die wir in Lima gefunden haben. Diese wird vom Gründer einer hiesigen Hilfsorganisation (Voices4Peru) geleitet, was uns sehr entgegen kommt: Wir lassen alles, was wir nicht mehr brauchen, einfach da, – zum Nutzen der Organisation.

Den Tag nutzen wir, um noch günstig den Akku des Handys ersetzen zu lassen und noch ein wenig zu shoppen, denn nachdem wir Zelt, dicke Decke und einiges anderes aussortiert haben, ist nun noch ordentlich Platz in den Rucksäcken für weitere Mitbringsel. 

Am Abend lassen wir uns dann mit Uber zum Flughafen bringen.

 

Heimreise
20.06. – 21.06.2018

Der Heimflug mit langem Zwischenstopp in Toronto verläuft absolut entspannt.

Nur einmal erschrecken wir uns, als wir beim Check des Handgepäcks zum Bildschirm gewinkt werden, weil das Personal herumrätselt, was wir da seltsames mit uns herumschleppen.

Auch wir sind erst etwas irritiert von dem, was zu sehen ist. Überkreuzte Metallstäbe? Schaut fast wie Shurikens (japanische Wurfmesser) aus. Doch schließlich stellt sich heraus, dass die Stäbe in einem Mobilee vom Titicacasee verarbeitet sind. Von dem dachten wir eigentlich, es sei komplett aus Schilf gemacht.

Auch das Flughafenpersonal muss lachen, als es das hübsche und absolut nicht furchteinflößende Mobilee sieht.

Als wir 24 Stunden später in Frankfurt Flughafen landen, kann ich es kaum glauben. Selbst unser Gepäck ist da. Nichts geht schief.

Draußen erwartet uns sogar überraschend mein wunderbarer Cousin. Wir hatten zwar allen großspurig erklärt „Wir sind um die Welt gereist, da werden wir es ja wohl alleine bis nach Hause schaffen“, aber abgeholt zu werden … – das ist eben doch mehr als nur eine Hilfe beim Finden des Weges!

Tja, und hier sind wir nun.

Zurück zuhause.

 

Abenteuerlustige Grüße,

Elisabeth & Dario

Der Santa Cruz Trek

Fahrt zum Santa Cruz Trek
06.06. – 08.06.2018

Einmal mehr verabschieden wir uns von Kettlin und Eduardo.

Dann beginnt eine wahre Odyssee, denn allein die Fahrt nach Lima dauert 21 Stunden.

Und es regnet in der Wüstenregion. Unglaublich.

Mittags erreichen wir Lima, wo wir einen Teil unseres Gepäcks bei unserem ersten AirBnB abholen müssen, da die Dame uns nun doch nicht bei der Abreise beherbergen kann. Diesen Teil des Gepäcks und auch einige andere Dinge bringen wir dann in ein anderes AirBnB, das wir nun für den Abreisetag gebucht haben.

Anschließend essen wir noch zu Abend, dann setzten wir uns für weitere neun Stunden in den Bus nach Huaraz.

Dort kommen wir morgens an. Wir kaufen noch Essen für die Wanderung ein, dann nehmen wir ein Colectivo (oder ist es ein kleiner Bus?) nach Caraz.

Vor Ort suchen wir uns ein Hotel, wo wir nach dem Trek übernachten werden und schon heute einen Teil unseres Gepäcks lassen können.

Anschließend geht es wieder per Colectivo einen Ort zurück Richtung Huaraz (Yungay) und von dort zum Startpunkt des Treks. Bei der Abfahrt im Ort wundern wir uns noch, weshalb der Fahrer an einer Autowerkstatt hält, alle Reifen fester zieht und gleich zwei Ersatzreifen aufs Dach lädt.

Doch bald darauf verstehen wir es.

Die Fahrt durch die Berge ist abenteuerlich. Die Straße ähnelt oft einem Flussbett voller Steine, während der Hang an einer Seite steil abfällt. Ängstliche machen hier besser die Augen zu. Wir behalten sie offen, denn wir haben mittlerweile eine wirklich große Gelassenheit gewonnen. Es bringt nichts, sich über Dinge aufzuregen, wenn noch gar nichts passiert ist.

So genießen wir stattdessen die fantastischen Aussichten.

Und müssen lachen, als wir auf dem Dach eines entgegenkommenden Busses einen besonderen Passagier entdecken: eine Ziege!

Kurz vor Vaqueria, dem kleinen Ort am Startpunkt (bzw. für Touren häufig der Endpunkt) des Santa Cruz Trek, liegt eine schöne Unterkunft namens Illariy Lodge.

Hier lassen wir uns absetzen. Der Fahrer ist sogar so nett und ruft noch die Besitzerin herbei.

Ein Zimmer zu bekommen ist kein Problem, denn heute sind wir die einzigen Gäste.

Die nette Dame kocht auch für uns, wobei die Preise akzeptabel erscheinen, bis wir das Essen sehen… Sie hatte eigentlich etwas von Reis und Hühnchen gesagt, später noch etwas über Eier und daraus hatte unsere Fantasie ein sehr schmackhaftes Mal kreiert. Leider sieht die Realität anders aus. Es gibt eine Art Spiegelei und total fettige, pampige Pommes. Ich kann sie kaum essen, weil mir schon nach kurzer Zeit schlecht davon wird.

Aber satt werden wir, und das ist ja die Hauptsache.

 

Santa Cruz Trek – Tag 1
09.06.2018

Nach einem frühen Frühstück, das der (miesen) Qualität des Abendessens in nichts nachsteht, unsere Laune aber nicht mal ankratzt, machen wir uns auf den Weg.

Die Landschaft ist wahrhaft traumhaft. Vom ersten Moment an.

In dem kleinen Dorf (Vaqueria), das wir durchqueren müssen, laufen die meisten Tiere frei herum.
Einige Kinder rennen herum, manche haben Rucksäcke dabei und scheinen es eilig zu haben. Hoffentlich sind sie auf dem Weg zu einer Schule. Die erwachsenen Frauen kümmern sich um den Haushalt, wir sehen einige vor einem Haus sitzen und Mais pulen, während die Männer auf den Feldern zugange sind. Auch gebaut wird, mit selbstgemachten Lehmziegeln.

Auf einer für Zusammenkünfte tauglich geformten Wiese haben sich einige Männer versammelt. Sie diskutieren irgendwas. Wir grüßen freundlich und gehen weiter. An einem Esel vorbei, der friedlich grast.

Etwa hundert Meter später fällt uns auf, dass der Esel uns nachläuft.

Wir bleiben stehen und versuchen, ihn zum Umkehren zu bewegen. Mit wenig Erfolg.
Ein Mann bemerkt uns und den Esel, springt auf und läuft in unsre Richtung. Also beschränken wir uns darauf, den Esel nicht vorbeizulassen, bis sein Herr uns einholt.

Dieser bedankt sich sehr. „Der wäre euch jetzt bis auf den Pass gefolgt“, meint er kopfschüttelnd.

Bald darauf stecken wir im Stau.

Eine Schafherde blockiert in aller Gemütsruhe den Weg. Die Hirten sind einige kleine Jungs. Wir passen eine günstige Stelle ab, um uns durchzudrängeln.

Nach einiger Zeit erreichen wir eine Hütte, in der ein Mann sitzt und unsere Tickets für den Nationalpark kontrolliert. Ab dort treffen wir nur noch selten auf andere Menschen.

Der Weg führt uns durch wunderschöne Landschaften, und der Zeltplatz, den wir bereits am frühen Nachmittag erreichen, liegt mit Blick auf einen großen Gletscher.

Obwohl wir theoretisch noch weitergehen könnten, beschließen wir, es uns hier für die Nacht gemütlich zu machen. Wir bauen unser Zelt auf und essen etwas.

Vier andere Backpacker kommen noch vorbei, machen eine kurze Pause und gehen weiter. So haben wir wider allen Erwartungen den Zeltplatz ganz für uns alleine. Perfekt.
Wir sammeln Feuerholz. Kurz vor der Dämmerung spazieren wir noch den benachbarten Hang hinauf, um einen besseren Blick auf den Gletscher zu bekommen.

Als die Dunkelheit hereinbricht, was hier bereits um 18:00 Uhr der Fall ist, entzünden wir ein Feuer und verbringen den restlichen Abend vor den knisternden Flammen.

 

Santa Cruz Trek – Tag 2
10.06.2018

Wir brechen recht früh auf, denn wir haben heute eine lange Strecke vor uns. Allerdings nicht so früh, wie empfohlen. Was soll‘s, wir machen uns keine Gedanken. Denn die höchste Stelle der Wanderung ist der Pass mit 4.750m, und auf der Höhe haben wir während dem Quyllurit’i Festival ja sogar ein Nickerchen gehalten, bei dem wir nur in Decken gewickelt waren. Wir sind also ziemlich optimistisch, dass wir in jedem Fall überleben werden.

Der heute zu bewältigende Aufstieg ist allerdings nicht ohne, und obwohl wir schon so lange in den Bergen unterwegs sind, spüren wir erneut deutlich die Höhe.

Aber die Landschaft ist so wundervoll, dass jede Verschnaufpause doppelter Genuss ist.

Gegen Mittag treffen wir eine Gruppe von Männern mit ihren Maultieren, die wohl für die Versorgung von Touristengruppen zuständig sind. Sie fragen uns, wohin wir heute noch wollen, und lassen uns wissen, dass wir von hier bis zum Pass noch etwa drei Stunden brauchen werden.
Wir bedanken uns und wünschen ihnen einen schönen Tag.

Kurz danach kommen wir an einer schrägen Felsplatte vorbei, über die ein Bach herabfließt. Laut der Karte liegt oberhalb von ihr eine „Laguna“, wie die kleinen Bergseen hier genannt werden.

Wir mögen nicht widerstehen und kraxeln hinauf. Das geht erstaunlich gut.
Die Lagune liegt allerdings noch ein ganzes Stück höher. Dort essen wir zu Mittag.

Statt danach auf den Weg zurückzukehren, folgen wir den Pfaden der Kühe an zwei weiteren Lagunen entlang. Der Blick auf den Pass und die schneebedeckten Gipfel daneben öffnet sich, und wir sind im Paradies eines jeden Wanderers.

Der Salkantay war ja schon schön, aber ganz allein in einer solchen Traumlandschaft unterwegs zu sein ist doch nochmal eine Steigerung.

Wir sind unglaublich froh, dass wir nicht auf den jungen Deutschen gehört haben, der uns diesen Trek mit einer Tour empfohlen hat. Es ist immer wieder interessant, wie Leute über ihre Entscheidungen reflektieren. Wer mit einer Tour gegangen ist, denkt oft, er hätte sich nicht besser entscheiden können, obwohl er keine Bekanntschaft mit der Alternative gemacht hat. Man neigt wohl dazu, sich selbst gerne rechtzugeben 😉

Auch wir geben uns recht: Besser hätten wir es nicht machen können. Wer braucht schon einen Guide und Packesel? Wir jedenfalls nicht!

Die Ruhe ist unbeschreiblich. Wir genießen sie in vollen Zügen.

Und machen etliche Fotos von einer toten Kuh, deren Verwesungszustand ein geradezu fotogenes Stadium erreicht hat. Sie besteht nur noch aus Knochen und Fell.

Erst kurz vor dem finalen Passaufstieg kehren wir auf den Weg zurück.

Dieser letzte Teil hat es wirklich in sich. Immer wieder bleiben wir stehen und verschnaufen. Es ist ziemlich steil. Doch abgesehen davon: die Aussicht ist absolut erhaben!

So trödeln wir hinauf, zu dieser Wand aus schwarzem Fels, in der nur an einer Stelle eine Lücke klafft: der Pass.

Die letzten Meter zum Pass sind so steil, dass eine Treppe gebaut wurde.

An manchen Stellen ist der Boden vereist.

Wir erreichen den Durchstieg gerade in dem Moment, als die Sonne dahinter verschwinden will.

Auf der anderen Seite erwartet uns eine Überraschung: Der Gletscher reicht fast bis an den Pass heran und endet in einer wunderschönen Lagune.

Während wir noch staunen überholt uns die Gruppe mit den Mauleseln, die uns mittags entgegengekommen ist. Ein junger Mann mit schelmischem Grinsen fragt nach der Uhrzeit. Wir haben über fünf Stunden gebraucht. Für die Strecke, für die sie uns drei Stunden angegeben hatten.

Sie winken uns nochmal zu, dann sind sie auf und davon, springen und rennen gemeinsam mit den Maultieren die Felsen hinab wie Gämse.

In den letzten Sonnenstrahlen steigen wir bis zu einer ebenen Stelle an einem Bach hinab. Dort schlagen wir vollkommen erschöpft unser Lager auf. Der Gletscher wacht über uns.

In der Nacht wache ich mit voller Blase auf, will aber erst gar nicht hinaus in die Kälte. Als ich mich schließlich überwinde, werde ich jedoch belohnt: Der Himmel ist unglaublich klar und die Milchstraße leuchtet direkt über dem schneebedeckten Gipfel. Es ist ein Anblick voller Naturmagie, der ein wohliges Staunen in jedem Teil meines Körpers auslöst. 

Eine Sternschnuppe zieht übers Firmament und die kalte Nachtluft lässt mich erschaudern, als hauche mich der Gletscher persönlich an.

Mit weit aufgerissenen Augen die Realität träumend klettere ich zurück ins kuschlige Zelt.

Dieser Anblick wird uns hoffentlich für immer in Erinnerung bleiben.

 

Santa Cruz Trek – Tag 3
11.06.2018

Bereits um fünf Uhr morgens wachen wir auf. Kein Wunder, da wir bereits gegen 19:00 Uhr gestern geschlafen haben.

Es ist so kalt, dass wir nicht frühstücken, sondern nur schnell alles zusammenpacken und gleich losgehen. Immer wieder drehen wir uns zum Gletscher um, dessen Magie uns nicht loslässt.

Die heutige Strecke ist toll, da es permanent sanft bergab geht.

Weiter unten überholen wir etliche der Leute, die gestern an unserem Campingplatz vorbeimarschiert sind. Heute sind sie noch dabei, zusammenzupacken.

Die Strecke ist abwechslungsreicher als erwartet.

Es geht über grüne Heide, durch lila Blumenpracht, an weiteren schneebedeckten Bergen und einem riesigen Erdrutsch vorbei, dann über eine wüstenartige Ebene, durch die ein Fluss fließt, und an Wasserfällen sowie einer weiteren Lagune entlang.

Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Recht früh erreichen wir den Zeltplatz und beobachten erneut, wie andere Backpacker noch weitergehen. Wir suchen uns eine schöne Stelle und schlagen unser Zelt auf.

Wobei wir kurz darauf nochmal umziehen müssen, da unser Zelt offenbar im „Revier“ zweier Eseldamen liegt, die uns einfach nicht in Ruhe lassen wollen.

So finden wir zum Glück ein noch schöneres Plätzchen. Geschützt, weit genug weg vom lauten Fluss und mit perfektem Blick zurück zum Gletscher.

In einem kleinen Laden können wir zum ersten Mal seit Verlassen des Dorfes am Beginn des Treks einige Kleinigkeiten kaufen. Es gibt Wasser, Klopapier und Snacks.

Wir nehmen ein paar Chips und etwas zu trinken, da wir nicht wissen, ob wir beim morgigen Abstieg nochmal gut auffüllen können. Seit unseren Darmproblemen sind wir übervorsichtig. Selbst das Bergwasser, dass wir die letzten Tage getrunken haben, haben wir mit Micropur Tabletten behandelt und gefiltert.

Wir kuscheln uns ins Zelt.  Mit Pumpernickel, unseren anderen Leckereien, den Chips und einem guten Hörbuch ausgestattet, erfreuen wir uns noch stundenlang an der Aussicht. Selbst als es schon lange dunkel ist und wieder der wundervolle Sternenhimmel seine Arme über uns ausbreitet.

 

Santa Cruz Trek – Tag 4
12.06.2018

Wir wachen mit der Sonne auf und machen uns an den letzten Teil des Weges.

Er führt die meiste Zeit an dem Flüsschen entlang, neben dem wir auch übernachtet haben.

Heute ist der Weg teilweise etwas steiler und wir sind froh, dass wir den Trek in dieser Richtung (von Vaqueria nach Cashapampa) gemacht haben und nicht wie die meisten Touren in entgegengesetzter Richtung. Wir mussten wesentlich weniger Meter bergauf gehen und die Route ist wunderschön.

Immer und immer wieder bewundern wir die Maulesel, Esel und Pferde samt ihren Treibern, die diesen Weg tagtäglich bewältigen und häufig weit größere Strecken zurücklegen als wir Backpacker.

Schließlich ist es so weit: Wir winken dem Gletscher, dessen Anblick uns die letzten Tage begleitet hat ein letztes Mal zu.

Erneut sind wir früh dran, als wir das Ende unserer Wanderung, Cashapampa, erreichen.

Mit einem Colectivo fahren wir dann zurück nach Caraz, weil wir keine Lust haben, auf einen überfüllten Bus zu warten. Nicht die beste Idee, denn wie sich herausstellt ist es bei den hiesigen Colectivos keinesfalls mit voll besetzten Plätzen getan. Und auch nicht, wie bei unserer Erfahrung am Ende des Salkantay, mit vier Personen auf der Rückbank.

Nein, hier müssen zwei Personen auf den Beifahrersitz, mindestens vier oder fünf auf die Rückbank und dann noch so viele in den Kofferraum wie irgend möglich. Unser Fünfsitzer ist am Ende mit zehn Personen vollgestopft. Davon nur zwei Kinder.

Aber wir kommen an, und das ist ja bekanntlich die Hauptsache.

Im Hotel holen wir gleich unsere zurückgelassene Habe ab, beziehen unser Zimmer, duschen warm (himmlisch!) und machen erst mal ein Mittagsschläfchen.

Dann buchen wir unsere Unterkunft für morgen und gehen essen.

Mehr kriegen wir nicht hin, die vier Tage Wandern mit den vorausgegangenen zwei Tagen im Bus hatten es ganz schön in sich. Wir sind völlig kaputt.

Vor allem, weil wir während der beiden Nächte auf um die 4.000m nicht wirklich gut geschlafen haben. Vielleicht war das wirklich die Höhe.

Im Heiligen Tal

Pilzfarm „Kállampas“ im Heiligen Tal
28.05. – 31.05.2018

Heute gehen wir endlich auf die Pilzfarm im Heiligen Tal der Inkas.

Mit einem Colectivo ist die Anreise nach Calca von Cusco aus ein Kinderspiel. Die Farm zu finden stellt sich hingegen als schwierig heraus. Wir hatten eigentlich erwartet, dass jeder im Ort sie kennen würde, doch das ist absolut nicht der Fall.

Also lotsen wir den Motortaxi-Fahrer so gut wir können und lassen uns an der, der Farm am nächsten gelegenen, Kreuzung absetzen. Dann versuchen wir herauszufinden, wo genau dieser Punkt sein soll, der auf der Karte im Internet markiert ist.

Doch erst mit der Hilfe eines alten Herrn aus der Nachbarschaft, gelingt es uns das Tor zu finden. Da steht dann auch groß „Kállampas“. Wir schütteln nur den Kopf. Ein Schild an der Kreuzung hätte echt mehr geholfen als diese riesige Aufschrift am Ziel!

Es dauert eine Weile, bis jemand auf unser Klopfen reagiert. Doch der junge Mann, der dann öffnet, scheint sehr nett zu sein. Die Verständigung ist wie erwartet holprig, denn sein Englisch ist kaum besser als unser Spanisch. Aber wir wollten ja auch sprachlich etwas lernen.

Es stellt sich heraus, dass noch vier andere Backpacker da sind. Sie sitzen gerade im Hof und essen zu Mittag. Ein Pärchen arbeitet schon seit drei Wochen hier, die beiden anderen schon länger als eine Woche. Sie alle wollen jedoch in den nächsten Tagen weiterziehen.

Sie sprechen zwar hauptsächlich Spanisch miteinander, doch alle können Englisch. Das hilft uns einerseits bei der Verständigung, erschwert aber andererseits unser Vorhaben ganz im Spanischen zu bleiben.

Bei der Einführung übersetzt eine von ihnen für uns, was wir nicht verstehen. Wir bekommen einen Überblick über die verschiedenen Pilzsorten: Austernpilze, Shiitake, Rosen-Seitlinge, Kiefernpilze und noch eine Sorte, für die ich keine Übersetzung finden kann.

Der größte Teil der Einführung beschäftigt sich allerdings damit, wie toll das Projekt doch ist. So ökologisch (obwohl noch immer viel Plastik verwendet wird) und so sozial weil sie Dörfern helfen eigene Pilzkulturen zu züchten und damit für Nahrung und Arbeitsplätze sorgen. Und so weiter.

Gezüchtet wird auf einer Mischung aus geschreddertem Stroh und verschiedenen natürlichen Zusätzen. Diese Mischung wird in große Plastiksäcke gefüllt und erhitzt, um alle Bakterien abzutöten. Dann werden die Pilze „geimpft“.

Die Säcke kommen in eine große Halle, wo sie liegen bis der Pilz deutlich sichtbar wird, oder sogar das Plastik durchbricht. In diesem Stadium werden sie in die nächste Halle verlegt, wo dreimal täglich gewässert wird.

Hier wachsen die Pilze zu ihrer vollen Größe heran und werden für den Verkauf geerntet. Jeder Sack bleibt so lange liegen, wie er brauchbare Pilze hervorbringt, dann wandern die Reste auf den Kompost.

Die meisten Pilzsorten liegen in der gleichen Halle, vermutlich wegen Platzmangels. Nur die Shiitake-Pilze haben eigene Räumlichkeiten.

Abgesehen von den Pilzen und den Backpackern, leben auf der Farm noch zwei Hunde und ein Schaf. Einer der Hunde gehört zur Rasse der „peruanischen Nackthunde“ (Spanisch: Perro sin pelo del Perú). Diese Tiere haben eine schwarze, raue Haut, die an einen Elefanten erinnert. Doch auf dem Kopf wächst stets ein kleines Büschel Haare, das uns an einen Punk denken lässt… (rechts im Bild! Nicht der Hund bei Dario)

Wir finden sie furchtbar hässlich, doch zumindest der Charakter der Hündin hier auf der Farm ist ausgesprochen liebenswürdig, was das Aussehen vollkommen wett macht.
Im Ort sehen wir einen besonders witzig aussehenden Hund dieser Rasse. Wobei es sich vermutlich eher um einen Mischling handelt.

Die Leiter der Farm wohnen scheinbar nicht hier. Nur einer von ihnen hat überhaupt ein Zimmer im Farmhaus und auch er ist häufig nicht vor Ort.

Scheinbar läuft die Farm nur dank der Workaway-Leute.

Das entspricht schon mal nicht so ganz unseren Vorstellungen davon, wie man diese Plattform nutzen sollte. Richtig enttäuscht sind wir dann, als wir unser Zimmer sehen. Es ist ein großer Raum im ersten Stock eines heruntergekommenen Hauses weiter hinten auf dem Gelände. Die Treppe sieht aus, als würden wir jedes Mal unser Leben riskieren, wenn wir hinaufsteigen.

Das Zimmer teilen wir mit einer der Backpackerinnen.
Sie hat das einzig ordentliche Bett inne, während für uns nur ein Stapel durchgelegener Matratzen übrig ist, an die jemand das Kopfend-Teil eines Bettes gestellt hat.
Wir nehmen lieber unser Isomatten und Schlafsäcke.

Das Bad ist im Haupthaus und somit gute 150m entfernt. Besonders sauber ist rein gar nichts hier.

In der Nach stellt sich auch noch heraus, dass es bitterkalt wird.
Ein Glück, dass wir die Decke vom Salkantay Trek behalten haben!

Am nächsten Morgen gibt es zum Frühstück Brot in Ei gebadet. Ganz nett, aber viel zu wenig.
Wir erfahren, dass dieser Mangel daran liegt, dass die Backpacker selten genug Geld für das Essen bekommen, wenn sie einkaufen gehen.

Langsam fühlt sich das hier wirklich blöd an.

Keine ordentliche Unterkunft, wenig Essen und dann auch noch ohne Bezahlung arbeiten…

Kein Wunder, dass niemand von den anderen für diesen Ort schwärmt. Das Pärchen ist auch nur noch hier, weil sie einfach kein Geld zum weiterreisen haben. Doch jetzt haben sie sich vorgenommen, einfach von hier aus zum Machu Picchu zu laufen.

Statt Dario eine interessante Aufgabe zu geben, weil er ja zum Lernen hergekommen ist, lassen sie ihn den ganzen Tag Kompost schaufeln. Während ich mit einer anderen Backpackerin die Shiitake-Pilze umsortiere. Sie kommt aus Frankreich und spricht ordentliches Spanisch, aber die Anweisungen sind trotzdem so vage, dass wir beim Umräumen vermutlich mehr Chaos als Ordnung schaffen.

Wir hätten ja nachgefragt, wie es genau gemacht werden soll, aber der Typ ist spurlos verschwunden. Also mache ich mich bald darauf daran, das Mittagessen zu kochen. Es gibt Pfannkuchen, schließlich kann ich nicht viel anderes zubereiten. Na gut, Salat halt noch.

Die Begeisterung ist jedoch groß, denn die anderen haben in letzter Zeit wohl immer nur Brot, Reis und Nudeln zu essen gehabt. Da ist so ein Pfannkuchen dann schon mal eine Abwechslung.

Nachmittags fahren wir nach Pisac, doch die Ruinen zu besuchen lohnt sich so spät am Tag nicht mehr. Also schlendern wir nur über den berühmten Handwerkermarkt und bedauern, dass unsere Rucksäcke schon so schwer sind.

Der nächste Tag wird nicht viel besser als der vorige.

Morgens holen wir Brot in der traditionellen Bäckerei in der Nähe.

Diesmal schreddert Dario Stroh, während ich immerhin beim Ernten und Verpacken helfen darf.
Wieder geht fast der ganze Tag herum, ohne dass er wirklich viel gelernt hätte. Nur dadurch, dass er immer mal wieder herumläuft, allen zuschaut und sich jeden Schritt erklären lässt, bekommt er einen Überblick über den gesamten Prozess. Damit haben die Leiter der Farm aber nicht viel zu tun, sie sind schließlich nicht da.

Als sich uns die Chance bietet, eine frühere Abreise anzukündigen, tun wir es. Ich habe keine Lust länger als nötig hierzubleiben. Drei der anderen gehen heute, die letzte morgen früh. Wir gehen übermorgen.

Ich will hier im Tal noch so viel sehen!

Und eine weitere Wanderung würden wir auch gerne noch machen.

Heute gehen wir wenigstens noch eine kleine Ruine in der Nähe anschauen. Der Spaziergang ist schön und noch beeindruckender als die Ruine finden wir eine große Mauer, die Terrassen für die Landwirtschaft hält. Alles Handarbeit. Die Felder wie auch die Mauer. Einfach irre.

Unser letzter Tag auf der Farm beginnt mit dem Verabschieden der letzten anderen Workaway-Arbeiterin.

Dann verpacken wir drei Kilo Pilze und haben Glück. Heute sollen wir nichts anderes machen, als diese auszuliefern. Und das auch noch in einem Ort, wo wir eh hinwollten.

Begeistert nehmen wir den Colectivo, liefern die Pilze ab und machen uns auf den Weg zu den Salinen (Salinas de Maras). Während wir den steilen Weg hinauf spazieren, diskutieren wir über die Farm. Es ist kein Wunder, dass die Jungs so knausrig sind, denn für die drei Kilo Pilze haben wir 60 Sol bekommen. So viel bezahlen wir normalerweise locker für eine Übernachtung oder ein gemeinsames Essen. Aber das verdienen sie pro Tag. Nicht mehr. Kein Wunder, dass auf der Farm niemand bezahlt werden kann.

Dario regt sich total auf, weil die Farm so viel effizienter betrieben werden könnte. Weniger Leute und besser koordinierte Arbeit. Regale für die Pilzsäcke. Ein besseres Bewässerungssystem. Er findet gar kein Ende.

Doch die Salinen bringen uns auf andere Gedanken. Sie sind wunderschön!

Jedes Becken ist von Hand angelegt und wir beobachten, wie ein Mann eines barfuß feststampft.

Die Ästhetik der Handarbeit, des Unikats, wird bei diesen Becken überdeutlich. Hinzu kommt, dass die Becken sich in ganz unterschiedlichen Stadien befinden. In manchen ist schon fast nur noch Salz, in andere fließt Wasser nach, wieder andere sind gerade leer.

Die Farbtöne variieren von ganz weiß bis zu einem dunklen Braun.

Die Ränder der Becken sind von Salzkristallen bedeckt.

Lange wandern wir zwischen den Becken herum.

Am Abend gießen wir noch die Pilze und gehen Essen. Es gibt ein kleines Lokal im Ort, wo wir schon zuvor zu Abend gegessen haben. 5 Sol (1,30 Euro) für ein Abendmenü, bestehend aus einer Suppe, einem Hauptgang, einem Tee und einer Nachspeise. Die Gerichte sind wohlschmeckend, allerdings kann die Suppe schon mal mit Hühnerfüßen sein.

Fast nebenan gibt es zudem ein nettes Café mit gutem Eis und anderen Leckereien, das von einer netten Frau mittleren Alters geführt wird, die Deutsch spricht. Wie sich herausstellt ist ihre Mutter Deutsche. Sie selbst hat auch einige Zeit in Deutschland verbracht, ihre Heimat ist aber wohl Peru.

Wir verstehen uns prima und ich bekomme meine Sonderwünsche erfüllt. Zum Beispiel Bananenmilch mit Schokoladeneis.

An unserem letzten Morgen sind wir ganz alleine auf der Farm. Wir gießen die Pilze, legen das Geld von der gestrigen Auslieferung auf den Tisch und schreiben gerade einen Zettel, als endlich einer der Leiter auftaucht.

Er will wissen, ob wir die Pilze für die heutige Auslieferung schon geerntet haben. Eine Auslieferung, von der wir noch nichts gehört haben. Absprache wird hier wirklich nicht groß geschrieben.

Wir verneinen, schultern unsere Rucksäcke und verabschieden uns. Dario trägt noch seine Liste mit Verbesserungsvorschlägen vor, dann machen wir uns auf den Weg ins Dorf.

Weil es uns hier gut gefällt, ziehen wir einfach nur um. In ein nettes Backpackers.

Als wir das gemütliche Zimmer betreten, atme ich auf. Schon viel besser.

Am Abend gebe ich noch meine Wanderstiefel beim Schuhmacher ab, denn nun löst sich die Sohle bereits auf drei Ebenen und auch an anderen Stellen lösen sich Elemente. Ein Glück, dass ich die neuen Schuhe in Cusco gekauft habe!

 

Das Heilige Tal der Inka – Ruinenstätten

Pisac
01.06.2018

Endlich besuchen wir die Ruinenstätten von Pisac. Hier heißt es laufen!

Über mehrere Hügel verteilt liegen die historischen Anlagen und wir verbringen den ganzen Tag damit, eine nach der anderen zu besichtigen.

Meine Wanderschuhe hole ich abends ab. Für 10 Sol (2,60 Euro) sind sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder „zusammengeschustert“ worden. Für einen weiteren Trek werden sie jetzt wohl noch halten!

 

Moray
02.06.2018

Unser heutiges Ziel ist nicht ganz so leicht zu erreichen. In Ermangelung besserer Informationen nehmen wir sogar einmal ein Taxi. Doch schließlich erreichen wir sie, die Ruinen von Moray.

Bei ihrem Anblick möchte man nur zu gerne an die Existenz von Ufos glauben.

Wir packen unser Mittagessen aus und machen es uns am Rand einer der Anlagen gemütlich.

Eigentlich schade, dass wir die Salinen schon gesehen haben, sonst könnten wir von hier aus an ihnen vorbei ins Tal wandern. So jedoch nehmen wir uns lieber ein weiteres Ziel vor und besichtigen am Nachmittag noch die Ruinen von Ollantaytambo.

Die Anlage hat eine wirklich schöne Struktur, ist aber etwas überlaufen, weil von diesem Ort aus die Züge nach Aguas Calientes (Machu Picchu) fahren.

Den letzten Tag im Heiligen Tal verbringen wir allen Ernstes im Bett. Es schüttet wie aus Kübeln.

 

Cusco
04.06.2018

Wir machen nochmal Zwischenstopp in Cusco, natürlich wieder bei Kettlin und Eduardo.

Den Tag verbringen wir damit, unsere Liste abzuarbeiten: Ein Besuch auf dem Markt, um uns nochmal mit Muña Tee einzudecken, ein zweites Paar Schuhe für mich bestellen und Abendessen im KusiKuy.

Wir vermuten zuerst, dass der Name von „Cuy“ (Meerschweinchen) kommt, denn das ist es, was wir dort essen werden. Doch im Internet finde ich heraus, dass „Kusikuy“ wohl eigentlich auf Quechua soviel wie „Mach dich selbst glücklich“ heißt.

Wie auch immer, wir wollen jedenfalls das traditionelle Gericht probieren, bevor wir Peru verlassen. Also gibt es heute Cuy.

Allerdings stellt sich heraus, dass das Cuy wohl nie zu unseren Lieblingsgerichten werden wird. Mal ganz abgesehen davon, dass es hier geradezu eine makabre Touristenattraktion zu sein schein. So wird es dekoriert fürs Foto serviert und geht dann zurück in die Küche, um kurz darauf zerlegt zum Verzehr serviert zu werden.
Auch der Pisco Sour, das hiesige Nationalgetränk, spricht uns nicht an. Eigentlich ein Glück, so werden wir in Deutschland sicher nichts vermissen.

Abenteuer Quyllurit’i

Quyllurit’i
26.05. – 27.05.2018

Den Tag verbringen wir entspannt. Abends um zehn verlassen wir mit Kettlin das Haus und nehmen ein Taxi zur Busstation. Dort herrscht schon ordentlich Gedränge und verschiedene Unternehmen konkurrieren um Fahrgäste.

Wir lassen Kettlin einfach entscheiden.
Im Bus wird geschlafen. Gegen ein Uhr nachts erreichen wir unser Ziel.

Einen kleinen Ort in den Bergen. Irgendwo.

Überall an der Straße sind kleine Verkaufsstände, Richtung Berg werden es immer mehr. Ein ganzer Markt, auf dem man alles kaufen kann, was man für das Festival brauchen könnte: Warme Kleidung, Campingequipment, Essen, Glücksbringer.

Kettlin kauft ein Kinderjäckchen für ihren winzigen Hund, weil es so kalt ist. Wir haben unsere warme Decke mitgebracht, aber während dem Laufen kann sie natürlich nur einer gut tragen, daher kaufen wir gleich noch eine weitere.

Dann beginnen wir mit dem Aufstieg.
Das erste kurze Stück ist ziemlich steil und wir merken, dass wir uns bereits jetzt auf gut 4.000 m befinden, als unsere Herzen ordentlich zu pumpen beginnen und wir etwas kurzatmig werden.

Zum Glück wird der Weg schon kurz darauf wesentlich angenehmer und führt sehr schonend bergauf.

Mit Tausenden anderer Menschen wandern wir unter dem Vollmond dahin. Nur wenige Taschenlampen sind in Gebrauch, denn es ist hell genug, um den Weg zu erkennen.
Der Sternenhimmel ist atemberaubend, und immer wieder erklingt Musik von den kostümierten Musikgruppen.

An manchen Stellen stehen Kreuze. Hier werden Kerzen angezündet und kleine Opfergaben dargebracht.  Die Musiker bleiben auf ihrem Weg an jedem dieser Orte stehen und spielen.

Fasziniert beobachten wir das Treiben.

Schon hier, noch auf dem Weg,  wird die Verwobenheit von altem Glauben an die Naturgeister und dem neuen Glauben des Christentums deutlich. „Heilige“ Kreuze und „heidnische“ Rituale.
Kerzen, Opfergaben, Musik und Tänze.

Alle paar Kilometer stehen mehrere Zelte, in denen man warmes Essen und Getränke erstehen kann. Zudem gibt es meist ein Baño (Toilette), das aus einer simplen Holzkonstruktion besteht, die mit Plastikplanen verkleidet ist.

Ab und zu müssen wir für einige Pferde Platz machen. Wer nicht schnell genug aus dem Weg geht, läuft Gefahr, gestoßen zu werden.

Als wir immer höher steigen, sind manche Stellen vereist. Hin und wieder rutscht einer von uns plötzlich aus, doch zum Glück fangen wir uns jedes Mal rechtzeitig und keiner verletzt sich. Mit der Zeit lernen wir, auf das leichte Schimmern auf dem Eis zu achten und auch das Verhalten der Leute vor uns gut zu beobachten, um glatte Stellen rechtzeitig zu erkennen.

Nun macht sich die Höhe immer stärker bemerkbar. In Kombination mit der Müdigkeit würde ich am liebsten alle paar Meter stehenbleiben, um wieder zu Atem zu kommen.

Wir wandern fast die ganze Nacht.

Acht Kilometer sind es bis zum Festival.
Kurz nach fünf Uhr morgens rasten wir in einem Essenszelt. Eine Tasse mit heißer Mais-Suppe wärmt wunderbar, und Dario döst ein, während wir Frauen uns leise unterhalten. Ich frage mich, ob es für Kettlin unangenehm ist mit mir in Englisch reden zu müssen, während so viele andere Leute um uns herum sind. Aber zum Glück scheint sie völlig entspannt.

Trotzdem bemühe ich mich auch immer wieder mal, Spanisch zu sprechen. Gerade mit ihr geht das gut, denn sie kann mir wiederum helfen, wenn ich Schwierigkeiten habe.

Während wir weiter Suppe schlürfen, macht sich Kettlins Hund begeistert über einige Hühnerreste aus der Mülltüte des Kochzeltes her.

Gegen sechs Uhr wecke ich Dario und wir machen uns wieder auf den Weg. Hinter der nächsten großen Wegbiegung erwartet uns das Festival.

Der erste Anblick ist eigentlich wenig beeindruckend. Eine große, ziemlich schäbige Zeltstadt. Hauptsächlich billige Zelte, die gegen Kälte und Feuchtigkeit mit zusätzlichen Planen abgedeckt sind.

Doch wenn man den Blick hebt, die schneebedeckten Gipfel betrachtet und sich klar macht, dass diese Zeltstadt auf 4.700 m steht und kein einziges Fahrzeug für den Antransport benutzt wurde, dann ist das schon beeindruckend. Ebenso beeindruckend ist Kettlins Auskunft, dass dieses Fest seit gut 1.300 Jahren jedes Jahr stattfindet (genaueres habe ich dazu allerdings nicht gefunden).

Wir wandern zu einem kleinen Platz vor einer Kapelle, wo eine kostümierte Gruppe musiziert und tanzt. Von dem kurzen Marsch schon wieder vollkommen fertig, hocken wir uns zwischen die Zuschauer. Die Decken wickeln wir so eng wie möglich um uns. Es ist verdammt kalt!

Als die Gruppe mit ihrer Vorführung fertig ist, betritt sofort die nächste den Platz, und so geht es immer und immer weiter.

Kettlin erklärt uns, dass während des Festivals die ganze Zeit getanzt wird. Tag und Nacht.

Jede Gruppe hat andere Kostüme, auch wenn immer wieder ähnliche Stile zu beobachten sind. Besonders wichtig sind die maskierten Männer in den Fransentrachten. Sie sind die Hüter des Gletschers und steigen auch hoch in diesen hinauf, um ihre Opfergaben zu erbringen. Dabei müssen zwar immer wieder welche von ihnen ihr Leben lassen, doch es gilt als große Ehre, auf dem Gletscher sein Ende zu finden.

So verstehe ich jedenfalls Kettlins Erklärung. Bitte nehmt es mir nicht übel, falls irgendwas mal nicht ganz stimmt. Ich möchte auf die interessanten Details nicht verzichten, nur weil ich mir über deren Richtigkeit nicht hundert prozentig sicher bin…

Auch die Tänze der verschiedenen Gruppen haben untereinander Ähnlichkeiten. Häufig werden Peitschen benutzt. Wir können immer wieder traditionelle Kämpfe zwischen zwei Kontrahenten beobachten. Die Männer wechseln sich mit dem Angriff ab. Mit der Peitsche wird auf die Wade des Gegners gezielt. Ein Schiedsrichter beurteilt die Kämpfenden. Wie gut ist der Umgang mit der Peitsche? Wie werden die Schläge ertragen?

Der Schiedsrichter entscheidet den Kampf.

Diese traditionellen Peitschenkämpfe entsprechen wohl in etwa dem vornehmen Duellieren. Sie werden eingesetzt, um Streitigkeiten zwischen zwei Personen zu lösen.

Ob auch Frauen da mitmachen? Bei den Tänzen tun sie es jedenfalls. Und stecken lachend die Hiebe auf die Waden ein, die sie von ihren Mittänzerinnen erhalten.

Bei anderen Tänzen werden akrobatische Elemente, wie das Errichten eines menschlichen Turms, eingebaut.

Die Kostüme sind prächtig, und viele Hirten schmücken sich mit ausgestopften Jungtieren. Einige tragen sogar Vicuñas. Alpakaähnliche Geschöpfe, deren Fell zu unglaublichen Preisen gehandelt wird.

Einzig die schlechten Lautsprecher stören die Faszination ein wenig. Die Musiker kämen auch gut ohne Verstärker zurecht. Aber Hauptsache modern, oder?

Kettlin lässt uns eine Weile alleine bei den Tänzern zurück, um ihre kleine Opfergabe an den Gletscher zu bringen. Sie ist Archäologin und folgt dem alten Glauben.

Anschließend nimmt sie uns auch mit an den Gletscher.

Für den Aufstieg brauchen wir allerdings ziemlich lange. Zuerst muss ich eine Toilette finden. Dann bewundern wir einen Bereich des Festivalgeländes, wo die Leute aus herumliegenden Steinen Miniaturverionen ihrer Traumhäuser bauen. Natürlich nicht sehr akkurat, aber das spielt beim Träumen und Wünschen keine Rolle.

Wenn das Werk beendet ist, wird auch gerne mal Konfetti drüber gestreut oder ein Böller gezündet. An kleinen Verkaufsständen kann man auch fertige Miniaturhäuser und allerhand Glücksbringer erstehen, wie etwa ein Bündel mit falschen Dollarscheinen – „10.000 Dollar por 1 Sol!“ – oder Spielzeugautos. Letztere kann man dann gleich in die Steingarage stellen … – und hoffen, dass die Wünsche wahr werden.

An einem großen Stein kann zudem gleich geheiratet werden. Nur zum Spaß natürlich. Die Urkunde gilt nicht offiziell.

Wir verzichten dankend, denn wenn wir endlich heiraten, dann schon richtig 😉

Es ist aber ein Freude, den Paaren zuzusehen. Der „Priester“ hat seinen Spaß und weiht seine Opfer immer und immer wieder mit Wasser aus einer Trinkflasche. Aus den Lachern der Menge lässt sich schließen, dass der Text auch nicht gerade dem Standard einer Hochzeit entspricht.
Ab und an geht auch ein Spritzer aus der Flasche ans Publikum. Oder einfach mal über die Schulter des „Priesters“… möge es treffen wenauchimmer!

Ab und zu sehen wir mal andere „Weiße“, doch die können wir an einer Hand abzählen. Zwischen den gut 80.000 einheimischen Festivalteilnehmern fallen sie kaum auf.

Kettlins kleiner Hund erregt jedenfalls mehr Aufmerksamkeit als alle Touristen zusammen. Er wird von allen bewundert und immer wieder quietscht begeistert ein Kind bei seinem Anblick. Hände werden ausgestreckt, und bleibt das kleine Kerlchen einmal stehen, erhält es alsbald eine Streicheleinheit.

Auf der nächsten Hügelkuppe stellen wir fest, dass wir eigentlich mal was zu futtern vertragen könnten.  Und nachdem wir ein wenig gefrühstückt haben, stellen wir fest, dass wir eigentlich total müde sind.

Jetzt, wo es langsam auch warm wird, bietet sich ein Mittagsschläfchen in der Sonne geradezu an.

Viel später setzen wir unseren Weg zum Gletscher fort. Immer wieder müssen wir stehen bleiben, um Atem zu schöpfen. Ich bewundere all die Kinder und älteren Leute, die ebenfalls ihren Weg hinauf über Geröll und große Steinbrocken finden. Oft in viel zu lange getragenen Schuhen, gegen die selbst meine maroden Wanderstiefel noch ganz prima wirken.
Dabei musste ich sie für diese Wanderung schon kleben …

Kettlin und ihr kleiner Hund sind zum Glück geduldig mit uns.
Als wir endlich den Gletscher erreichen, müssen wir feststellen, dass einige der „Hüter“ ihn bewachen und niemanden hinauf lassen.

Eigentlich ganz sinnvoll, denn die Spuren der vielen Menschen, die den Gletscher während des Festes besuchen, zeichnen das Eis nur zu deutlich.

An vielen Stellen sind Namen in die oberen Schichten gezeichnet und ganze Stücke herausgebrochen. Das heilige Eis wird gerne verspeist. Wobei Dario, der sonst durchaus als Schneefresser durchgeht, hier keine Gelüste verspürt – die Stellen am Rand sind alle zu dreckig.

Wer dem Gebot der Hüter trotzt und sich dennoch nahe an den Gletscher heran wagt, wird von ihnen angebrüllt und wenn nötig sogar mit wilden Peitschenhieben verjagt.

Das gefällt vor allem Dario gut, der breit grinsend vor einem von ihnen zu mir flüchtet.

Ohne Bedauern wandern wir ohne eine Gletscherbegehung zurück ins Tal. Dieses Tal auf 4.700 m, das höher liegt als der Pass des Salkantay …. – wie hoch liegt dann wohl der Gletscher?
Sicherlich über 5.000 m.

Ein wenig beobachten wir noch das Treiben, und Kettlin versucht uns zu überreden, noch die Kirche zu besuchen, wo die Tänze am intensivsten sind.
Doch die Schlange ist so lang, dass wir dankend ablehnen. Sie müsste schließlich auf uns warten, weil der Hund gar nicht in die Kirche darf.

Gemächlich machen wir uns an den Abstieg und nehmen diesmal einen weniger begangenen Pfad über Wiesen voller Lamas.

Als wir endlich wieder im Bus sitzen, der zu aller Missfallen teurer ist als auf der Hinfahrt (klar, denn anders kommt man von hier ja nicht weg), schlafen wir sofort ein.

Es dunkelt schon wieder, als wir endlich zuhause ankommen.

Der Machu Picchu

Der Machu Picchu
24.05.2018

Als wir um kurz vor 5:00 Uhr morgens an der Bushaltestelle ankommen, trifft uns schier der Schlag. Die Schlange ist so lang, dass sie sich nach über hundert Meter in der Dunkelheit verliert. Als wir sie entlanglaufen, will sie gar kein Ende nehmen.

Ich stelle mich an und Dario geht in die französische Bäckerei, die wir bereits gestern entdeckt haben und kauft Pain au Chocolat. Als er wiederkommt, sind wir uns einig: Lieber laufen wir den Berg hoch und haben wenigstens eine Chance, früh da zu sein, als ewig hier zu warten!

Also laufen wir los. Es ist 5:10 Uhr und aus den Berichten, die ich gelesen habe weiß ich, dass der Aufstieg meist ca. 1,5 Stunden braucht. In 50 Minuten öffnen die Tore des Machu Picchu.

„Wollen wir rennen?“, fragt Dario mich und ich nicke. Hier auf der Straße, die die ersten 1,5km vom Dorf aus bergab führt, läuft es sich schließlich noch gut. Und es ist schön, nur noch mit Tagestasche unterwegs zu sein statt mit den großen Rucksäcken!

Als wir den unteren Eingang des Machu Picchu erreichen, der sich am Fluss befindet, ist es noch immer dunkel. Von hier aus sind es noch weitere 1,5km, ab jetzt allerdings steil bergauf, denn 450 Höhenmeter müssen bewältigt werden.

Nur mit Handytaschenlampe bewaffnet, denn die Stirnlampen liegen natürlich im Hotel, steigen wir auf den unwegsamen Pfaden empor. Heute sind wir diejenigen, die überholen. Wann immer wir auf eine andere Gruppe treffen, ziehen wir an ihnen vorbei.

Nur drei von den alten Joggern, die wir gestern schon gesehen haben, sind noch schneller als wir.

Im Rausch, dass wir so viel schneller unterwegs sind als die meisten und es vielleicht wirklich noch unter den ersten zum Haupteinlass schaffen, gönnen wir uns keine Pause.

Als wir oben ankommen zeigt die Stoppuhr 59:59, es ist 6:10 Uhr und vor uns sind vielleicht um die 100 Leute. Nicht wenig, aber schon wesentlich besser als noch unten an der Bushaltestelle! Neben und hinter uns kommt es vermutlich auf nochmal so viele und mit jeder Minute werden es mehr.

Bald darauf sind wir drin und können gerade noch Fotos von einer menschenleeren Stadt machen.

Alle, die jetzt schon drin sind, befinden sich noch auf dem ersten Hang und nicht im Zentrum der Anlage. Doch schon wenige Minuten später füllen sich die Wege langsam aber sicher mit Menschen.

Wir schlendern noch etwas herum, dann gehen wir zum Eingang des Montaña Machupicchu, der um 7:00 Uhr aufmachen wird. Kaum zu glauben, dass wir es so pünktlich geschafft haben.

Während wir warten, geht die Sonne hinter den Bergen auf.

Und kaum dass dieses Spektakel vorbei ist, kommen einige Lamas und drängeln sich rücksichtslos durch die Wartenden. Dieser Ort ist wahrlich ein Königreich für ein Lama 😉

Diesmal sind nur etwa 20 Personen vor uns, doch es dauert etwas, bis alle sich in einem großen Buch eingetragen haben.

Obwohl wir natürlich alle Zeit der Welt haben, schlagen wir ein zügiges Tempo an. Bald schon lassen wir wieder die ersten anderen Wanderer hinter uns. Ohne unsere schweren Wanderrucksäcke fühlen wir uns ein wenig, als hätten wir Superkräfte. So leicht steigt es sich empor.

Das heißt aber natürlich nicht, dass die Beine nicht irgendwann anfangen zu kribbeln. Und auch der Atem geht schnell, wir schwitzen wie verrückt. Aber wir haben Freude daran, uns zu beeilen. Vielleicht schaffen wir es als allererste auf den Gipfel?

Ganz schaffen wir es nicht. Als wir oben ankommen, sind bereits ein Italiener und ein anderes deutsches Paar da. Zu unserer großen Befriedigung sind sie aber nicht von Aguas Calientes aus gelaufen, sondern haben den Bus genommen. Wir sind heute also immerhin die ersten, die ganz von Aguas Calientes bis hier auf den Gipfel gestiegen sind!

Das ist natürlich etwas, das ich für vollkommen sinnlosen Ehrgeiz halte, aber es macht Spaß.
Man nutze jede Gelegenheit, um sich gut zu fühlen und da gibt es ja bekanntlich kaum etwas besseres als sich sportlich zu betätigen.

Mit dem anderen Pärchen verstehen wir uns auf Anhieb gut. Wir frühstücken zusammen, während wir einen der besten Ausblicke genießen, die man sich wünschen kann. Und machen natürlich jede Menge Fotos.

Eine ganze Weile haben wir den Gipfel für uns alleine. Unter den ersten nach uns ist ein weiteres sympathisches Paar, dass uns alle überrascht, als er plötzlich vor ihr auf Knie fällt und seinen Hochzeitsantrag vorbringt. Zum Glück ist seine Herzensdame angemessen gerührt und erfreut, wenn auch nicht übermäßig überrascht.

Wir müssen alle lachen, als wir uns vorstellen, wie jemand seine Liebste dazu drängt so schnell wie möglich diesen Berg zu erklimmen, um als erstes oben zu sein und in der perfekten Atmosphäre einen Antrag machen zu können. So steil wie der Berg ist, könnten wir uns gut vorstellen, dass das das Ende einer Beziehung sein könnte.

Wir nehmen uns viel Zeit, bevor wir wieder absteigen. Unterwegs sehen wir immer wieder Leute, die den Aufstieg abbrechen. Es ist wirklich ganz schön steil.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, uns einen schönen Platz mit guter Aussicht nach dem anderen zu suchen, sodass ich die Ruinen aus allen möglichen Perspektiven zeichnen kann.

Es ist unglaublich schön!

Nicht, dass die Gemäuer so unglaublich wären, aber einfach die Lage und Anordnung machen die Anlage zu etwas ganz besonderem. Ich hatte eigentlich erwartet, dass ich enttäuscht sein würde. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich kann mich gar nicht sattsehen.

Besonderen Spaß haben wir auch mit den Lamas und den Reaktionen der Touristen. Manche Menschen sind ziemlich dreist und rücken den geduldigen Tieren so auf die Pelle, dass sie vom Personal zurecht gewiesen werden. Andere erschrecken sich furchtbar, wenn plötzlich ein Lama neben ihnen auftaucht.

Mittags essen wir auf einem kleinen Vorsprung, vermutlich eine ehemals landwirtschaftlich genutzte Terrasse. Neben uns dösen zwei Frauen. Als plötzlich ein Lama von einer leicht nach hinten versetzten Terrasse zu uns herüber springt, erschrecken sich die beiden so, dass sie alles stehen und liegen lassen und kreischend davonrennen. Selbst ein Schuh geht bei der Flucht verloren.

Das alles geht so schnell, dass wir uns – so entspannt wie wir sind – noch kaum bewegt haben. Adrenalin ist schon etwas Erstaunliches… Ich hätte nicht gedacht, dass diese beiden so schnell sein können.

Wir bleiben fast bis zur Schließung in der Anlage, dann nehmen wir den Bus zurück ins Dorf. Wenigstens die eine Fahrt des teuren Tickets erweist sich somit als brauchbar. Und ist nach dem langen Tag sehr angenehm.

 

Rückfahrt nach Cusco
25.05.2018

Wir stehen bei Zeiten auf und laufen an den Schienen entlang zurück.

Dann fahren wir mit Colectivos zurück nach Cusco, wo unsere lieben AirBnB-Gastgeber uns schon wieder erwarten.

Bevor wir zum Salkantay aufgebrochen sind, hatte Kettlin uns von einem Festival erzählt, dass dieser Tage wie jedes Jahr in den Bergen in der Nähe von Cusco stattfindet. Es soll etwas ganz Besonderes sein und sie hatte vorgeschlagen, wir könnten vielleicht gemeinsam hingehen.

Daran erinnern wir sie nun und machen aus, dass wir gleich morgen Abend hingehen.

Zwei Deutschen, die auch gerade hier wohnen, erzählen wir von unserer tollen Zeit auf dem Trek und geben gleich ordentlich Tipps weiter. Die beiden beschließen ihn auch zu machen und wir machen aus, dass sie uns auch ihre Erlebnisse mitteilen werden, damit wir sie in unseren Beitrag zum „Salkantay ohne Guide 2018“ aufnehmen können.

Wir statten der Innenstadt auch noch einen kurzen Besuch ab und ich kaufe mir Schuhe in einem Laden, der mir schon die ganze Zeit ins Auge gestochen ist.

Der Salkantay Trek

Salkantay Tag 0 – von Cusco nach Mollepata
17.05.2018

Einen großen Teil unseres Gepäcks lassen wir bei Kettlin und Eduardo. Wir haben schon ausgemacht, dass sie uns an den Tagen nach dem Trek wieder bei sich aufnehmen.

Dann geht es los.

Da es schon Mittag ist werden wir es heute nur bis zum Dorf Mollepata schaffen, dass den ersten Startpunkt für den Salkantay bildet. Um am selben Tag die Wanderung beginnen zu können, hätten wir laut Kettlin um 3:00 Uhr nachts los gemusst. Und das liegt uns bekanntlich nicht sonderlich.

Eigentlich sollte der Colectivo bis Mollepata fahren, aber als in einem Dorf alle bis auf uns aussteigen, will er wohl lieber umkehren. Wobei wir uns über die genauen Umstände nicht recht klar werden, denn er versucht nicht mal, es uns zu erklären. Stattdessen deutet er nur auf einen Mann und macht uns klar, dass wir mit diesem weiterfahren sollen. Jeder der beiden erhält nun die Hälfte des Gesamtfahrtpreises, für uns macht es preislich also keinen Unterschied.

Unser neuer Fahrer scheint recht nett zu sein und will natürlich wissen, wie unsere Pläne aussehen.
Als wir ihm erzählen, dass wir morgen den Trek beginnen wollen, bietet er uns an, gegen ein Trinkgeld bei ihm zu zelten.

Als wir schließlich im Dorf ankommen, beginnt es schon zu dämmern und wir sind heilfroh, dass wir nicht noch einen Platz zum Zelten suchen müssen.

Plötzlich beginnt unser Fahrer mit einer Hand zu wedeln und will uns irgendetwas verständlich machen. Wir stehen total auf dem Schlauch, denn wir verstehen nur „billete“, also Ticket.
Wir nicken erst mal, denn ja, wir wissen, dass der Eintritt zum Salkantay 10 Soles kostet.

Doch dann kapieren wir, dass wir uns ducken sollen, um dieser Gebühr zu entgehen. Wir sind so erstaunt, dass wir einfach gehorchen. Erst anschließend denken wir, was für ein Quatsch das war. 2,50 Euro zum Erhalt des Nationalparks beizutragen ist schließlich echt keine Katastrophe.

Die Idee hinter dieser Aktion wird uns bald darauf auch klar. Wenn jemand einem 10 Soles pro Person erspart hat, wie viel Trinkgeld gibt man ihm dann wohl fürs Zelten?

 

Salkantay Tag 1 – Mollepata nach Soraypampa
18.05.2018

Gegen 7:00 Uhr fährt unser Gastgeber mit seinem Pick-up nach Soraypampa.
Er hat uns seine großen Waschmaschinen gezeigt und erklärt, dass er für ein Hotel in Soraypampa wäscht. Während er diese ohnehin notwendige Fahrt macht, verdient er dazu, indem er Colectivo spielt.

Wagen und Ladefläche sind schon dicht mit Menschen besetzt, als wir das Haus verlassen, um einzusteigen. Aufsteigen trifft es dann jedoch besser, denn wir können uns nur noch auf die Ladefläche zwängen. Normalerweise lieben wir es, auf Ladeflächen mitzufahren, doch es ist so eng, dass die Fahrt dann wenig vergnüglich ist.

Wir steigen unterwegs an einem der Startpunkte des Salkantay aus. Ganz von Mollepata aus wollten wir nicht laufen, denn wir möchten es heute gemütlich angehen lassen. Lieber wollen wir am Nachmittag noch zu einer Lagune wandern.

Diesmal wird unser netter Gastgeber aber recht dreist und knöpft uns 20 Soles pro Person ab. Ich verfluche mich kurz, weil ich am Vorabend nicht auf eine Antwort bezüglich des Preises gepocht habe. Da schien er meine Frage nicht gehört zu haben, doch nun bin ich mir recht sicher, dass er sie ignoriert hat.

Kurz schimpfen wir dem Wagen hinterher, dann rechnen wir den Verlust aus. Wir haben vermutlich das doppelte vom normalen Preis bezahlt (wie uns später von einer Einheimischen bestätigt wird), also gemeinsam 5 Euro zu viel.

Es lohnt das Aufregen nicht.

Wieder einmal kommen uns die Worte des buddhistischen Mönches in den Kopf, der uns in Thailand in die Meditation eingeführt hat: „Wenn du etwas verlierst, dann verliere nicht auch noch deine Gelassenheit, denn sonst sind es ja bereits zwei Dinge, die dir abhanden gekommen sind.“

Also richten wir unsere Blicke auf die Schönheit der Natur um uns herum und beginnen die Wanderung. In der Ferne locken bereits die weißen Gipfel.

Niemand begegnet uns auf dem Weg nach Soraypampa, wir haben die ganze Pracht für uns alleine.

Der Weg führt die meiste Zeit an einer Wasserrinne entlang und wann immer er abzweigt, balancieren wir einfach weiter auf der Betoneinfassung entlang.

Als wir das Dorf schließlich erreichen, präsentiert es sich als Touristenort. Eine ganze Reihe Busse steht da und auf den Feldern grasen Reitpferde.

Es gibt ein Hotel, ein Hostel, mehrere Unterkünfte mit Schlafkuppeln und mindestens zwei Zeltplätze.

Wir nehmen einfach den ersten und bauen gleich das Zelt auf.

Erst später finden wir den zweiten Zeltplatz mit überdachten Zeltplätzen.

Dann wandern wir zur Lagune, vermeiden dabei jedoch den einfachsten Weg, da dort zu viele Touristen unterwegs sind.

Der Pfad durch die Wiesen stellt sich zudem als ausgesprochen schön heraus.

Die einzigen, die wir unterwegs treffen, sind drei Kanadier, die tatsächlich ihre schweren Rucksäcke dabeihaben. Sie wollen an der Lagune zelten.

Als wir schließlich oben ankommen, scheint gerade Mittagsessensflaute zu sein. Außer uns sind nur fünf andere Menschen da. Und ein Mann, der aufpasst, dass alle Verbote eingehalten werden. Diese sind auf einem großen Schild zu lesen und beinhalten unter anderem: Kein Schwimmen, kein Picknicken und kein Campen.

Die armen Kanadier mit ihrem schweren Gepäck.

Wir beschränken uns also darauf, ein paar Müsliriegel zu knabbern, und reden uns ein, dass wir uns ohne das Badeverbot sicher ins eiskalte Wasser gewagt hätten.

Wir genießen die Stille, die Sonne, das Wasser und den Schnee.

Erst als nach und nach wieder mehr Gruppen auftauchen, machen wir uns an den Abstieg. Wieder auf einem anderen Weg, der sich als noch schöner als der Aufstieg herausstellt.

Als wir am Mittag Wasser vom größten der kleinen Shops im Ort gekauft haben, hat uns die Besitzerin gesagt, dass sie auch kocht. Daher gehen wir zu ihr und fragen, wie es denn nun mit Abendessen aussieht.

Sie bittet uns, in einem überdachten Raum in der Nähe zu warten, wo die Touristengruppen essen. Diese werden jedoch von ihren eigenen Köchen bekocht.

Erst sind wir verwirrt, doch dann holt uns die Frau wieder ab und geleitet uns in ihr kleines Wohnzimmer, in dem es nur einen einzigen Tisch und zwei Stühle gibt. Vermutlich waren bis gerade eben noch andere Gäste da.

Kurz darauf bekommen wir eine wunderbare Suppe und anschließend je einen Teller mit Reis und Hühnchen, der so voll ist, dass wir kaum alles schaffen.

Proppenvoll und zufrieden spazieren wir zurück zum Zelt. Da es nicht stockfinster ist, lassen wir die Stirnlampen aus und erfreuen uns am Sternenhimmel. Irgendwo auf halber Strecke kommt uns dann jedoch etwas komisch vor … – und ich mache meine Lampe an.
Wir sind auf dem steinigen Weg einmal falsch abgebogen, und statt der erwarteten Brücke stehen wir nun knapp vor einem Abhang! Gerade nochmal Glück gehabt!

Die Nacht im Zelt wird kühl, aber nicht kalt. Die zusätzliche Decke hält uns wunderbar warm, und die dicken Jacken tun das Übrige.

 

Salkantay Tag 2 – Soraypampa bis Huairaspampa
19.05.2018

Als wir etwas nach fünf Uhr morgens aufwachen, stehen wir gleich auf und hoffen, noch vor den Touristengruppen loszukommen. Mit klamm werdenden Händen packen wir das Zelt zusammen, von dessen Überzelt wir eine dünnen Eisschicht abschütteln müssen.

Wir befinden uns auf 3.800 Metern Höhe, das Thermometer zeigt -5°C Außentemperatur.

Unser gutes Vorhaben gelingt leider nicht, denn als wir um kurz nach sechs Uhr losmarschieren, sind die Gruppen zum großen Teil auch schon auf den Beinen.

In einem nicht enden wollenden Strom aus Touristen ersteigen wir die erste Anhöhe. Als die Sonne herauskommt, machen wir gleich mal Pause und frühstücken. Sollen die Gruppen doch alle an uns vorbeiziehen …

Doch auch dieser Plan geht nicht auf, denn als wir mit dem Frühstück fertig sind, ist der Strom von Wandergruppen mit leichtem Tagesgepäck noch immer nicht ganz versiegt.

Ab und zu entdecken wir darunter auch Backpacker, aber zwischen all den Touren machen sie sich eher rar.

Wir machen uns wieder auf deie Beine und erklimmen den Berg weiter Richtung Pass. Da wir mittlerweile auf über 4.000 Metern sind, ist das leichter gesagt als getan. Zwar haben wir kein Kopfweh, denn immerhin sind wir schon seit Wochen auf über 2.000 Metern (Arequipa 2.300m, Titicacasee 3.800m, Cusco 3.400m) und damit gut akklimatisiert, aber wir werden schnell kurzatmig und müssen viele Pausen einlegen.

In einer der geführten Gruppen hinter uns klappt eine Frau zusammen. Tja, wenig Gepäck hin oder her, mit der Höhe ist nicht zu spaßen. Aber daher haben die Touren auch meist ein Pferd dabei, auf welches erschöpfte Teilnehmer gesetzt werden können. Entsprechend wird auch mit der Frau verfahren, sobald sie dazu in der Lage ist.

Wir schauen uns an und sind froh, dass es uns trotz unsren Rucksäcken gut geht. So schwer wie bei unserer ersten Tagestour im Colca Canyon sind diese nun auch nicht mehr, denn wir haben aus unserem Fehler gelernt und massiv aussortiert.

Drei andere Backpacker kommen in Sicht, die genauso schnaufen wie wir. Sehr tröstlich. Immer wieder ziehen wir oder sie vorbei, nur um dann wieder bei der nächsten Verschnaufpause erneut überholt zu werden.

Gegen Mittag erreichen wir endlich den Pass auf 4.630 Metern.

Die umliegenden Berge sind in dichten Nebel gehüllt, und als wir uns an den Abstieg machen, beginnt es zu nieseln. Die Regencapes schleppen wir also nicht umsonst mit. Geradezu beruhigend, denn sie sind ziemlich schwer.

Bergab sind wir schneller, aber als wir Huairaspampa erreichen, beschließen wir, zu bleiben.
Insbesondere, weil die Besitzerin des Zeltplatzes uns versichert, dass am Morgen die Sonne scheinen wird.

Wir bauen unser Zelt in einem der großen Zelte auf, in denen tagsüber die Gruppen mit ihren Guides dinieren. Und finden es sehr angenehm, trotz Nieselregen nicht herausfinden zu müssen, wie dicht unser Billigzeltlein ist…

Kurz nach uns treffen zwei von den Kanadiern ein, die wir am Vortag an der Lagune getroffen haben, und ein Österreicher. Der dritte Kanadier ist krank geworden. Armer Kerl. Aber immerhin konnten die drei tatsächlich die Nacht an der Lagune verbringen. Als der Aufpasser sah, wie schlecht es ihrem Kameraden ging, ließ er sie gewähren.

Allerdings sei es verdammt kalt gewesen, sagen sie.

Wir essen alle gemeinsam zu Abend und tauschen Geschichten aus. Die Kanadier gehören alle zum selben Studiengang. Nach ihrer Ankunft in Peru haben sie zuerst Wasserproben untersucht, und jetzt haben sie etwas Zeit, um zu reisen.

Der Österreicher ist begeisterter Wanderer und Bergsteiger. Er scheint sich mit allem rund ums Thema Bergsteigen auszukennen und hat sogar mal in Erwägung gezogen, den Mount Everest zu besteigen.

Aber der sei mittlerweile auch viel zu touristisch, erklärt er uns. Und 50.000 $ seien es ihm nun wirklich nicht wert, um dann in einer Reihe mit anderen Touristen zu wandern. (50.000 … ! Ich habe nachgeschaut, und es stimmt. Je nach Anspruch zahlt man etwas weniger oder auch einiges mehr).

Es gebe sogar Chinesen, die zwei Guides nehmen: Einer zieht, der andere schiebt. An das Gipfelfoto könnten sich viele der reichen Herren letztendlich und trotz Sauerstoffmaske dann jedoch nicht erinnern …

Zu unserem Glück gibt es neben guten Geschichten auch noch heißen Tee, denn die anderen haben Gaskocher dabei und mehr Gasvorrat als nötig, weshalb sie uns gerne mitversorgen.

 

Salkantay Tag 3 – Huairaspampa bis kurz vor Playa
20.05.2018

Als wir morgens aus dem Zelt treten, erwarten uns strahlender Sonnenschein und der Blick auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel.

Es ist unglaublich schön (kann mir bitte mal jemand ein paar neue Umschreibungen für „schön“, „wundervoll“, „traumhaft“ und „zauberhaft“ zukommen lassen? In den letzten Jahren wiederhole ich mich ständig …).

Als uns der Österreicher zum Frühstück erneut mit heißem Tee versorgt, ist der Morgen perfekt.

Glücklich wandern wir los und hüpfen über leicht vereiste Pfützen. Dario macht sich manchmal nicht die Mühe und stapft einfach hindurch. Seit er neue Wanderschuhe hat, ist das kein Problem mehr. Ich hingegen vermeide tunlichst jeden Kontakt mit Wasser, denn meine Sohle löst sich bereits an zwei Stellen und hält vermutlich nur noch dank meiner UHU-Behandlung.

Besonders an den Stellen, wo kleine Bäche einfach quer über den Weg fließen, muss ich immer wieder akrobatisch über Steine tanzen, um nasse Füße zu vermeiden.

Während wir immer weiter absteigen, verändert sich spürbar das Klima. Es wird wärmer und die Pflanzen sind dichter und grüner.

Da die geführten Gruppen immer in Chaullay oder Collpapampa übernachten, sind sie uns 9km voraus und die, die heute erste in Soraypampa starten, sind natürlich noch weit hinter uns. So sind wir vollkommen alleine unterwegs, was wir immer wieder zu schätzen wissen. Nur ab und zu kommen uns einige Esel entgegen.

Noch vor dem Mittag erreichen wir Chaullay. In einem kleinen Lokal bestellen wir Mittagessen. Es gibt Reis mit Ei.

Besonders gut ist, dass wir unsere Wäsche zum Trocknen aufhängen können. Wir haben die letzten beiden Tage immer gleich abends die Wäsche vom Tag gewaschen, aber bisher ist noch kein einziges Kleidungsstück komplett getrocknet. Jetzt, in der Sonne, haben sie endlich eine Chance.

Als nach gut einer Stunde wenigstens die Unterhosen und ein paar der Socken trocken sind, packen wir wieder zusammen und ziehen weiter.

Hinter dem Dorf sind wir kurz auf einer Straße unterwegs, bis wir eine Stelle erreichen, an der wieder ein Fußweg abgeht. Wie wir dank anderen Bloggern wissen, ist dieser Teil des Weges seit knapp einem Monat wieder begehbar. Zuvor war er seit der Regenzeit wegen Erdrutschen gesperrt.

Hier müssten auch irgendwo die Pools sein, von denen jemand berichtet hat …

Tatsächlich befinden sie sich gleich unten am Fluss, doch auch sie sind in Mitleidenschaft gezogen worden und statt Wasser nur noch mit Erde gefüllt. Schade. Aber da wir ohnehin gerade erst ein Pause geamcht haben und auch keines Bades bedürfen (bisher gab es an jedem Campingplatz eine Dusche!), ist es zumindest für uns jetzt nicht weiter enttäuschend. 

Das heutige Ziel liegt tiefer als unser jetziger Standpunkt, trotzdem müssen wir immer wieder kleine Passagen hochsteigen. Das ist der Preis für den schönen Fußweg; die Straße auf der anderen Seite des Flusses führt die allermeiste Zeit kontinuierlich bergab.

Aber es lohnt sich, denn der Weg geht richtig schön durchs Grüne. Sogar an einem kleinen Wasserfall kommen wir vorbei.

Spannend wird es an den Erdrutschen, wo die neu angelegten Pfade oft kaum mehr als 40cm breit sind. Vor allem, wenn es dann mal kurz richtig steil wird. Bloß nicht abrutschen!

Als wir eine Gruppe überholen, die allesamt nur winzige Tagesrucksäcke dabeihaben, geben wir uns high five.

Ab und an kommen wir an einem Häuschen mit Shop und Garten vorbei, doch niemand ist dort. Vermutlich, weil der Großteil der Touristen zu einer anderen Tageszeit hier unterwegs ist.

Die einzige Anbindung dieser Häuschen an die Straße erfolgt über Seilbahnen, die über den Fluss gespannt sind. Sie bestehen aus einem Stahlseil, an dem eine kleine Platform hängt, und einem Seil, an dem man diese heranziehen und sich dann über den Fluss ziehen kann.

Auf maps.me ist kurz vor Playa eine Unterkunft eingezeichnet. Vielleicht kriegen wir da eine warme Dusche? Doch als wir ankommen, ist alles etwas anders als erwartet. Da ist eine große Mauer, die das „Hostel“ vom Weg abschirmt. Die Mauer ist aber eigentümlich lang, und dahinter verbirgt sich ein großes Gelände mit Gebäuden und zwei Pools. Diese sind zwar gefüllt und wir sehen sogar, dass Pumpen arbeiten, aber der Ort ist vollkommen menschenleer.

Links vom Weg hingegen gibt es einen kleinen Shop und eine überdachte Terrasse auf Stelzen. Vor dem Shop sitzen zwei Frauen und wir fragen, wo wir hier übernachten oder zelten können.

Natürlich können wir bei ihnen zelten. Entweder auf einer kleinen Wiese oder auf der Terrasse. Als Preis nennen sie nur, dass wir etwas im Shop kaufen sollen. Das hätten wir eh gemacht.

Während wir uns auf der Terrasse mit Blick über die Mauer und auf den Fluss niederlassen und das Zelt aufbauen, bringen uns die Frauen sogar einen Tisch und Hocker herauf, sodass wir geradezu stilvoll dinieren können.

Einziges Manko: Es gibt gar keine Dusche, sondern nur einen Brunnen mit eiskaltem Bergwasser. Das kostet ganz schön Überwindung…

Als ich in der Nacht aufs Klo muss, ist es stockfinster und nieselt. Während ich noch zur Stirnlampe greife, mache ich schon den ersten Schritt … – und habe die Lage einer Lücke zwischen den Brettern offensichtlich falsch in Erinnerung. Ehe ich noch recht begreife, wie mir geschieht, liege ich auf dem Boden, das rechte Bein bis zum Knie zwischen zwei Brettern im Boden versunken.

„Autsch“ fluche ich, bin jedoch im selben Moment schon dankbar, dass nichts schlimmeres passiert ist. Mit beiden Händen ziehe ich das Bein wieder heraus und begutachte die oberflächliche Schürfwunde. Zum Glück keine Verletzung am Fuß, dass wäre unangenehm geworden.

Noch immer über meine Unvorsichtigkeit schimpfend, gehe ich hinunter und wasche unterwegs zum Klo am Brunnen die Wunde aus.

Danach räume ich unsere Schuhe und Rucksäcke näher ans Zelt und decke sie mit den Regencapes ab, denn das Dach ist nicht ganz dicht und der Wind weht noch zusätzlich Regen von der Seite herein.

Dann krabble ich endlich wieder ins Zelt und desinfiziere die Wunde noch zusätzlich. Dabei lächle ich über Dario. Er ist nicht mal aufgewacht.

 

Salkantay Tag 4 (Umweg) – von Playa nach Santa Teresa
21.05.2018

Am Morgen ziehen wir nicht gleich los, sondern frühstücken auf der Terrasse, während das Zelt übers Geländer gehängt trocknet.

Heute werden wir vom eigentlichen Salkantay Trek abweichen, denn wir wollen Kettlins Empfehlung folgen und die heißen Quellen in Santa Teresa besuchen.

Hinter Playa wird der Weg breiter und ist sehr bequem zu gehen. Wir sehen viele hübsche Blumen, und wir fangen an, sie zu fotografieren. Unversehens wird das zu unserer heutigen Beschäftigung, denn während wir weiter absteigen verändert sich die Flora beständig, und immer mehr neue Blumenarten tauchen auf …

 

Irgendwann kommen Schmetterlinge hinzu. Am meisten begeistern mich die großen blauen, aber auch die vielen kleineren sind wunderschön. Einfach zauberhaft.

Die Bauern hier leben inmitten von einem Dickicht aus Kaffee, Avocados, Orangen und Bananen. Das nenne ich mal Mischkultur. So dicht wie alles miteinander verwachsen ist, kann hier ausschließlich von Hand geerntet werden. Auch Kakao ist dabei – ein Highlight, denn den haben wir bisher noch nirgends gesehen (außer in Fernsehsendungen natürlich).

In Santa Teresa angekommen, gehen wir erst mal essen. Wir sind die einzigen Gäste in einem Lokal, dass eindeutig für Gruppen angelegt ist und locker 100 Personen fassen kann.

Im Ort kaufen wir Obst und Haferflocken, dann wandern wir weiter zu den heißen Quellen. Theoretisch könnten wir auch ein Motortaxi nehmen, denn die gibt es hier … Aber sind wir nicht auf einer Wanderung?

Als die heißen Quellen in Sicht kommen, fragen wir uns, wann Kettlin wohl das letzte Mal hier war. Sie hatte – unsre Vorlieben richtig einschätzend – gesagt, es sei „nicht touristisch“. Doch bereits der Parkplatz ist voller weißer Vans, und als wir einen Blick in die Anlage werfen, schätzen wir Zahl der Besucher auf über 100.

Da es schon dunkel wird, bauen wir unser Zelt auf und gehen dann trotz der vielen Menschen baden. Die Anlage ist wirklich gelunegn, das lässt sich nicht bestreiten. Alles ist aus Naturstein, und besonders gut gefallen uns die Duschen, die sich aus einem Bach speisen und in einem natürlichen Wasserfall fortsetzen.

 

Salkantay Tag 5 – von Santa Teresa nach Hidroelectrica (bzw. kurz dahinter)
22.05.2018

Wir hatten ursprünglich geplant, einen ganzen Tag an den heißen Quellen zu bleiben, aber dafür ist uns der Ort dann einfach doch zu überlaufen. Jetzt am Morgen ist es natürlich wesentlich leerer, also genießen wir das warme Wasser nochmal ausgiebig, bevor wir weiterziehen.

Da uns maps.me auf der ganzen Strecke bisher gute Dienste geleistet hat, folgen wir einem verzeichneten Fußpfad ins Flusstal. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass es die Brücke nicht mehr gibt. Egal. Wir laufen einfach mal am Fluss entlang, optimistisch, dass es irgendwo schon eine Überquerungsmöglichkeit geben wird. Auf der anderen Seite sind schließlich Häuser.

Über einen Seitenarm des Flusses führt eine Hängebrücke.

Der Weg ist ordentlich angelegt, zwischen den Steinen wachsen hohe Gräser.

Als wir uns langsam zu fragen beginnen, ob wir den Fluss wirklich werden überqueren können, oder ob wir letztendlich oben auf der Straße weiterlaufen müssen, treffen wir auf einen Mann, der Steine schaufelt.

Er grüßt uns strahlend und bedeutet uns auch gleich, dass wir ruhig weitergehen sollen. Mit den Händen macht er eine Bewegung, als würde er sich an einem Seil entlangziehen.
Wir verstehen sofort: Wir werden den Fluss mit einer dieser Seilbahnen überqueren müssen. Perfekt!

Es reizt uns schon die ganze Zeit, so eine zu benutzen.

So viel Spaß hatten wir noch nie bei einer Flussüberquerung!

Als wir an später eine Kreuzung kommen, steht dort das erste Schild, und darauf: Machu Picchu!

Laut Karte müssen wir ab hier ein Stück der Straße folgen, die von Santa Teresa nach Hidroelectrica führt. Doch als wir die Stelle erreichen, wo wieder ein Fußweg abgehen sollte, ist dort nichts. Vielleicht haben wir ihn gerade verpasst? Wir sind kurz zuvor an einem Grundstück mit offener Einfahrt vorbeigekommen. War das der Zugang?

Aber wir haben eigentlich keine Lust, zurück zu gehen. Wenn der Weg so ist wie gestern, wird es bestimmt bald wieder eine Seilbahn geben, die die andere Seite mit der Straße verbindet. Also gehen wir einfach weiter. Doch als endlich eine entsprechende Konstruktion in Sicht kommt, ist sie verfallen und es gibt kein Seil mehr.

Der Weg auf der anderen Seite ist auch kaum zu erkennen. Während wir noch nach einer Stelle suchen, wo wir den Fluss vielleicht einfach auf großen Steinen überqueren können, sehen wir plötzlich den Grund für die Vernachlässigung des Fußweges: Auf der anderen Seite des Flusses, wo sich der Fußweg befinden sollte, ist hier nur ein riesiger Steinrutsch zu sehen. Wir observieren den Abschnitt sehr genau, können jedoch keinen neu angelegten Weg erkennen.

Als wir weitergehen, sehen wir, dass sogar das einzige Haus auf der anderen Seite zum Teil weggerissen wurde. Da drüben ist wohl einfach nichts mehr los. Keine Ahnung, ob der Weg überhaupt noch begehbar ist, und noch unwahrscheinlicher ist, dass man dieses abgerutschte Hangstück sicher überqueren kann.

Wohl oder übel müssen wir auf der Straße bis Hidroelectrica laufen. Was durchaus eine schöne Strecke ist, doch wird man immer wieder von den vorbeirauschenden Touristenbussen eingestaubt.

Da unsere Tickets für den Machu Picchu erst für übermorgen sind, bleiben wir entspannt. Am Nachmittag wandern wir ganz alleine die Gleise entlang. Vermutlich gibt es kein anderes Schild mit der Aufschrift „Zu Ihrer Sicherheit: laufen sie nicht auf den Bahngleisen“ auf dieser Erde, das häufiger ignoriert wird als dieses hier.

Morgen früh werden wir vermutlich ganze Menschenströme auf der Strecke treffen, denn dies ist die einzige Möglichkeit, zum Machu Picchu zu kommen ohne den teuren Zug zu nehmen. 

Bei einer Familie, die ein nettes Lokal an den Gleisen leitet, können wir unser Zelt aufschlagen.

Zu meiner Begeisterung gibt es einen Wurf Welpen. Erst denken wir, es seien fünf, doch dann tauchen immer mehr auf, bis wir schließlich zehn Stück zählen!
Sie sind so goldig und tapsig, dass auch Dario sie sofort ins Herz schließt. Einzig die Hundemama tut uns wirklich leid, denn sie hat dieser Horde von Wildfängen nicht viel entgegenzusetzen. Sie ist vollkommen abgemagert, tut aber trotzdem ihr bestes, um alle zu versorgen. Der Hundepapa übernimmt, wenn sie sich verkriecht.

Als die Welpen schließlich für die Nacht untergebracht werden, kommt ein kleines Katzenbaby aus dem Haus. Es ist ganz alleine und noch winzig. Als wir die liebe Frau des Hauses fragen, wo seine Mama sei, schüttelt sie nur den Kopf.

Aber das kleine Miezchen scheint gut zurecht zu kommen. Neugierig klettert es auf uns herum und lässt alles mit sich machen. Vielleicht hat es ja Glück und kann sich mit den Hunden anfreunden?

Sofort muss ich an einen bestimmten Hund aus unserem Bekanntenkreis denken, der jedes kleine Wesen bemutterte, das es nötig hatte. Seien es kleine Katzen, Hühnchen oder Enten.

 

Salkantay Tag 6 – Hidroelectrica (bzw. kurz dahinter) bis Aguas Calientes
23.05.2018

Als wir erwachen, ist um uns herum schon einiges los. Die Welpen nehmen unsere Sachen auseinander. Zwei zerren an einer Tasche für die Isomatten, andere an einem Socken, der eigentlich trocknen sollte.

Wann immer möglich lassen wir unser Gepäck nämlich außerhalb des Zeltes liegen, da wir sonst drinnen kaum Platz haben.

Als die Kleinen mitbekommen, dass wir wach sind, drängen sie sich alle am Zelteingang und stapeln sich regelrecht übereinander, bis wir kaum noch rauskommen. Entsprechend lustig wird auch das Zusammenpacken, denn was immer wir kurz lose liegen lassen, wird sofort zum Spielzeug erklärt.

Beinahe zwei Stunden brauchen wir, bis wir gepackt, gefrühstückt und alle Welpen nochmal ordentlich geknuddelt haben.

Währenddessen können wir schon beobachten, wie die ersten anderen Touristen die Gleise entlangkommen. Heute wird es zeitweise ganz schön voll auf ihnen werden.

Immer wieder rennen sogar Jogger an uns vorbei, meist ältere, die anscheinend eine eigene Gruppe bilden.

Das tut der Strecke jedoch keinen Abbruch. Sie ist sehr idyllisch und nur ein oder zweimal müssen wir Zügen Platz machen.

Mittags mieten wir uns in Aguas Calientes ein, können warm duschen und genießen den Luxus eines Restaurants. Die Menschenmassen im Ort sind allerdings schon erschreckend.

Für den nächsten Morgen kaufen wir Bustickets zu unverschämten Preisen.
Alle Fahrzeuge, die in Aguas Calientes die Straßen befahren, sind mit dem Zug hergebracht worden. Und dieses Monopol lassen sich die Gesellschaften gut bezahlen.

Aber da wir ja auch noch den Montaña Machupicchu besteigen wollen, möchten wir es morgen langsam angehen. Auf meine Frage, wann man denn an der Bushaltestelle sein müsse, um unter den ersten oben zu sein, nennt mir die Frau am Schalter nur immer wieder die Abfahrtszeit des ersten Busses. Also 5:30 Uhr morgens.

Ich frage mich, ob sie meine eigentliche Frage nicht verstanden hat oder nicht verstehen will…

 

Cusco

Cusco
14.05. – 16.05.2018

Wieder geht es im Bus weiter. Diesmal nach Cusco.

Die Fahrt durch die Berge ist schön und wir kommen entspannt in Cusco an.

Mit einem Taxi fahren wir zu unserem AirBnB und treffen gleichzeitig mit zwei anderen Gästen ein. Das kanadische Paar war mit uns im Bus.

Sowohl sie als auch unsere Gastgeber sind uns auf Anhieb sympathisch. Letztere heißen Eduardo und Kettlin und ihr AirBnB liegt in einer Wohnung ganz oben im Haus, im sechsten Stock. Die Einrichtung ist so liebevoll und alles so sauber, dass wir uns sofort zuhause fühlen.

Eduardo spricht ausgesprochen gut Englisch und gibt uns eine sehr ausführliche Einführung zu Cusco. Danach haben wir das Gefühl, dass wir nun mehr über das Zurechtkommen in Cusco wissen, als nach drei Wochen über Arequipa.

Eigentlich war geplant, dass wir von hier aus ins Heilige Tal der Inka fahren um dort auf einer Workaway-Pilzfarm zu arbeiten. Das interessiert Dario nämlich.
Doch die Farm hat im Moment keinen Platz frei und so hängen wir kurz in der Luft.

Also gehen wir einfach mal in die Stadt.

In einem kleinen Museum können wir neben einigen der über 3.000 peruanischen Kartoffelsorten auch etliche traditionelle Masken bewundern.

Wofür wohl all die Masken benutzt werden? Sie erinnern uns an den schwäbischen Karneval.

Nachtrag: Erfahrt es in unserem Beitrag zu unserem „Abenteuer Quyllurit’i“!

Ein schönes Restaurant ist auch schnell gefunden.

Da wir am nächsten Tag nicht viel weiser sind als am vorangegangenen, gehen wir einfach mit den beiden Kanadiern zu einer der nahe gelegenen Ruinen. Sacsayhuamán ist eine der wirklich beeindruckende archäologischen Stätten in der Region. Es wird gesagt, dass Cusco, die Stadt der Inka-Herrscher, nach dem Vorbild eines Pumas angelegt worden sei und Sacsayhuamán sei der Kopf.

Wenn man die gigantischen Mauern anblickt, die wie Zähne in einem Maul gezackt sind, leuchtet das sofort ein. Das Maul umschließt eine große Wiese, auf der heute friedlich Lamas grasen und Touristen Selfies schießen.

Wir bleiben etwas länger als die beiden anderen und besichtigen anschließend noch drei weitere Ruinenstätten. Denn sie sind auf dem Ticket ohnehin mit inbegriffen.

Q’enko, die nächste Stätte die wir besuchen, hat eine Höhle mit einer Art Altar auf dem vermutlich früher Tote mumifiziert wurden. Ansonsten ist das auffälligste Merkmal während unseres Besuches der unendlich scheinende Strom an chinesischen Touristen.

Puka Pukara, kann ebenfalls kaum als spektakulär bezeichnet werden. Ein paar Mauern mit Gras sind alles, was noch zu sehen ist.

Tambomachay hingegen gefällt uns gut. Die Anordnung der Mauern und des Brunnens ergeben ein idyllisches, skulpturales Bild das zum Verweilen und Betrachten einlädt.

Zum Glück fahren auf der Strecke ständig Colectivos, sodass wir am Abend schnell in die Stadt zurück kommen.

Wegen der Vorläufigen Absage der Pilzfarm entscheiden wir uns einfach gleich den Salkantay Trek zum Machu Picchu zu wandern. Unser Beschluss wird sogar noch beschleunigt, als wir erfahren, dass Eduardo und Kettlin in zwei Tagen selbst verreisen.

Kettlin ist unglaublich gerne in den Bergen unterwegs und ist den Salkantay schon vier Mal gewandert. Sie setzt sich mit mir zusammen und berät uns zu unserer Ausrüstung.
Das Problem, dass wir nur Sommerschlafsäcke dabei haben wischt sie zur Seite wie eine kleine Mücke: „Ihr kauft einfach noch eine Decke, die ihr im Schlafsack um euch wickelt“.

Auch was man gut als Proviant mitnehmen kann und wo wir die Decke und warme Jacken günstig erstehen können, erklärt sie mir genau.

Einen ganzen Tag verbringen wir damit unsere Besorgungen in der Stadt zu machen. Vor allem die Tickets für den Machu Picchu müssen wir erstehen, denn der ist zu dieser Jahreszeit meist einige Tage im Voraus ausgebucht. Nur 2.500 Besucher pro Tag dürfen die berühmten Ruinen besuchen.

Für die beiden Berge auf dem Gelände gibt es jeweils sogar nur 500 Tickets. Der Huayna Picchu ist bereits ausverkauft. Wir wollen die Anlage aber durchaus von oben sehen, also nehmen wir Tickets für den Montaña Machupicchu.

Während unserer Besorgungen sehen wir auch einiges von der Stadt.

Statt uns einen Gaskocher zu kaufen, beschließen wir auf nahrhaftes Brot zu setzen. Zum Glück ist Cusco so touristisch, dass man in der Nähe des Plaza de Armas sogar Pumpernickel kaufen kann. Es geht doch einfach nichts über deutsches Vollkornbrot…

Wobei wir vermutlich die günstigen Restaurants bei unserer Heimkehr sehr vermissen werden. Für ein nobles Essen zu zweit samt Smoothies werden wir hier selten mehr als 25 Euro los.

Die Betonung liegt dabei auf „nobel“, denn für ein einheimisches Mittagsmenü (Suppe, Hauptgang, Dessert und Getränk) bezahlt man in der Regel gerade mal 5 – 10 Sol pro Person. Das sind 1,30 – 2,60 Euro.
Allerdings kann es sich bei der Suppe schon mal um ein Rezept mit Hühnerfüßen handeln…

Einziger Punkt auf der Tagesordnung, der weder mit Equipment noch Essen zu tun hat, ist das Abschicken von Postkarten. Hier in Cusco wird das glatt zum Erlebnis, denn wo sonst werden die Sendungen von einem Löwen verspeist? 😉

Die letzten Postkarten machen sich auf den Weg nach hause.

Titicacasee

Titicacasee – das höchste kommerziell schiffbare Gewässer der Erde
11.05. – 14.05.2018

Puno, die Stadt auf peruanischer Seite des Titicacasees (die andere Seite gehört zu Bolivien), in der die Busse halten, gefällt uns überhaupt nicht. Aber sie ist ja auch nur als Ausgangspunkt für unsere Tour auf den See gedacht.

Unser Hostel ist zudem ganz nett und dank der vielen Touristen, die durch diesen Ort kommen, gibt es mehr als genug ansprechende Restaurants.

Gleich für den nächsten Tag buchen wir unsere Tour. Mit Übernachtung auf einer der Inseln.

Normalerweise meiden wir ja geführte Touren, aber bei einer Bootsfahrt lässt es sich kaum vermeiden. Zudem gibt es wohl keine untouristischen schwimmenden Inseln mehr. Und sehen wollen wir diese auf jeden Fall.

Der Titicacasee ist übrigens nicht nur das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde, er ist auch der größte natürliche Süßwassersee Südamerikas.

Mit seinen 8.288m² ist seine Fläche fast 15,5 mal so groß wie die des Bodensees!

Unser Gepäck lassen wir größtenteils im Gepäckraum des Hostels, nur den kleinen Tagesrucksack mit ein paar Klamotten und Snacks nehmen wir mit.

Punos Hafen ist voller Touristenboote, die in knappen Abständen ablegen. Das Boot, mit dem wir fahren, hat Platz für über zwanzig Personen und ist bis auf den letzten Platz besetzt. Allerdings dürfen immer nur sechs Personen auf Deck, und zu unserem Glück ist das in etwa die Anzahl junger Reisender, die sich an Bord befinden.

So verbringen wir die meiste Zeit ziemlich ungestört mit den anderen Backpackern in der Sonne. Kein einziges Mal macht einer der anderen Reisenden Anstalten, die Leiter herauf zu klettern. Sie treten höchstens mal kurz aus der Kabine, um ein Foto zu schießen. Dann verschwinden sie wieder.

Gemütlich fahren wir über den durchschnittlich 107 Meter tiefen See hinweg. Die tiefste Stelle erreicht sogar 284 Meter, laut unserem Guide. Unser erstes Ziel sind die schwimmenden Inseln. Jede dieser Inseln ist wie ein winziges Dorf. Und jede dieser Gemeinschaften empfängt eine Touristengruppe.

Der Guide erklärt uns, gemeinsam mit dem Inseloberhaupt und mit Zuhilfenahme eines Modells, wie die Inseln gebaut werden: Soweit ich verstanden habe, werden die Wurzeln des Seegrases in Blöcke geschnitten, mit Pflöcken und Seilen vertäut und mit Schilf belegt. Laut diesem Artikel kommt der Auftrieb der Inseln – schließlich sind es die „schwimmenden Inseln“ – von einem Gas, das die Wurzeln freisetzen.

Früher hatten die Hütten einen runden Grundriss und erinnerten mehr an Zelte denn an Häuschen. Die neueren Modell sind rechteckig, bestehen jedoch noch immer größtenteils aus Schilf. Wobei gelegentlich leider auch farbige Plastikfolien zum Einsatz kommen, die das idyllische Bild etwas beeinträchtigen. Aber sie sind eben die billigste Form, ein Dach schnell dicht zu bekommen, und wer liegt schon gerne im Nassen? Zum Glück ist dieser Anblick aber wirklich nicht allzu häufig.

Nach dem Vortrag dürfen wir die Insel besichtigen, einen Blick in die schlichten Hütten werfen und natürlich Souvenirs kaufen.

Anschließend wird uns eine Fahrt auf einem der Schilfboote angeboten, sie kostet natürlich extra. Unser Guide erklärt das Ganze so umständlich, dass wir alle denken, die Fahrt würde zwei Stunden dauern, und viele nehmen das Angebot an.

 

Es stellt sich jedoch heraus, dass sie kaum fünfzehn Minuten dauert, und einen Großteil der Zeit ist eine einheimische Kindergruppe um uns, um noch mehr Münzen aus den Touristen heraus zu holen. Nichts gegen Kinder, denn deren Idee war das sicher nicht, aber angenehm finden wir es nicht. Vor allem, weil es auf den Inseln sicher keine Gesangsschule gibt. Und viele der Lieder sind nicht mal traditionell, sondern solche die ihnen Touristen beigebracht haben – zum Beispiel „Alle meine Entchen“.

Wir sind regelrecht dankbar, als wir wieder auf Deck unseres Motorboots liegen.

Mittags erreichen wir die große Insel Amantani, auf der uns bereits eine Schar herausgeputzter Einheimischer Erwartet. Immer drei oder vier Touristen werden einer Familie zugeteilt.

Dario und mir wird eine junge allein reisende Frau zugeteilt. Wir schätzen sie auf etwas jünger als uns selbst. Zusammen bekommen wir eine Insel-Mami, eine kleine hutzelige Frau. Sie ist sehr goldig, aber leider ist unser aller Spanisch kaum ausreichend, um uns mit ihre zu unterhalten.

Wenigstens finden wir jedoch heraus, dass sie nur alle paar Wochen Touristen aufnehmen. Es gibt ein Rotationssystem nach dem bestimmt wird, welche Familien auf der Insel mit der Aufnahme der Touristen an der Reihe ist. So können jeden Tag Besucher kommen, ohne die Insulaner zu belästigen.

Im Haus ihrer Familie bekommen wir ein kleines Zimmer mit drei großen Betten, dann serviert sie uns im winzigen Essraum neben der noch kleineren Küche eine vorzüglich Quinoasuppe.

Nachmittags treffen wir uns wieder mit der großen Gruppe am Plaza de Armas, um zu den Tempeln der Insel zu spazieren. Wir ärgern uns allerdings schon bald über die Tour, denn wären wir einfach gleich nach dem Essen alleine los spaziert, hätten wir locker beide Tempel besichtigen können. So jedoch wird es bereits dunkel als wir den ersten erreichen.

Nach dem Abendessen gibt es eine „Party“ für die Touristen.

Als wir unserer „Mami“ sagen, dass wir uns die Feier wenigstens ansehen werden, läuft sie sofort zu einer Kammer und bringt uns einen großen Stapel traditioneller Kleidung.

Dario wird mit Poncho und Mütze ausgestattet und wir Frauen beneiden ihn um die simple Ausstattung sobald wir an der Reihe sind und Schicht um Schicht anziehen müssen: Eine Art unförmiges langes Unterhemd, dann eine Bluse und darüber einen Rock, um den ein breiter Gürtel gebunden wird. Zu guter Letzt auch noch ein langes Kopftuch.

Wir betrachten uns gegenseitig und verstehen plötzlich, warum alle Frauen auf der Insel so rundlich wirken. Das sind einfach nur die ganzen Klamotten!

Die Mami bringt uns zur Feier, auf der bereits laut musiziert und munter getanzt wird.

Zwei Tänze lang schließen wir uns größeren Gruppen an, die den Anweisungen der Einheimischen folgend traditionelle Tänze tanzen. Zumindest glauben wir das, denn wir kennen die hiesigen Tänze ja nicht.

Mir ist furchtbar warm, sodass ich mich aus dem Kostüm schäle, um wenigstens eine Schicht meiner eigenen Kleidung abzulegen und versuche anschließend das Kostüm wieder zu richten.
Doch die Mami schüttelt nur den Kopf und eilt herbei um mich wieder zu richten.

Dann tanzen wir einfach eine Mischung aus dem gerade erlernten Tanz und unserem Disko Fox, was niemanden zu stören scheint und bald schon dazu führt, dass auch andere Paare ihnen bekannte Tänze einfließen lassen.

Da wir uns auf fast 4.000 Metern Höhe befinden, sind wir allerdings bald fix und fertig.
Beim Tanzen rast unser Puls wie noch selten und wir werden kurzatmig.

Wir gehen früh zu Bett.

 

Am nächsten Tag geht es bei Zeiten weiter.
Alle nehmen am Bootssteg Abschied von ihren Insel-Familien und auf geht die Fahrt.

Wir besuchen noch eine weitere Insel und machen eine kleine Wanderung. Unser Guide zeigt uns die Nationalblume Perus, die Cantua buxifolia.

Auf dem großen Platz der Insel gibt es einen großen Laden mit handgemachter Kleidung. Wir bummeln hindurch und ich kann nicht widerstehen, als ich Mützen im französischen Baskenstil mit Alpaka-Muster entdecke…

Später erklärt er uns auch die Gewandungen der Bewohner.
Bei den Frauen zeigt ein schwarzer Rock an, dass sie verheiratet sind. Nur unverheiratete Frauen dürfen bunte Röcke tragen.
Bei den Männern zeigt die Mütze den Status an: Rote Mütze bedeutet verheiratet, rotweiße Mütze bedeutet Single.

Allerdings ist das nicht alles. Trägt etwa ein junges Mädchen schwarze Röcke wie eine verheiratete Frau, so ist sie die Tochter von Autoritäten.

Und nur Autoritäten dürfen Regenbogenfarben tragen. Von ihnen gibt es 25 auf der Insel.

Anschließend lernen wir nicht nur die Menschen zu kategorisieren, sondern auch die Tiere:
Ein Alpaka erkennt man am kurzen Hals und hängendem Schwanz.
Lamas hingegen haben einen längeren Hals und ihr Schwanz steht hoch.
Becunjas sind noch kleinere Tiere, die den Lamas ähneln aber so selten und nicht domestizierbar sind, dass ein Pulli aus ihrer Wolle gut 1.000 USD kosten kann. Im Vergleich: Alpaka-Pulli ca. 100 Soles (etwa 26 EURO), Alpakababy-Pulli ca. 200 Soles.

Nachtrag: Mit den Preisen ist es allerdings schwierig, denn Teilweise haben wir noch viel günstigere Angebote bekommen. Da fragt man sich dann, ob der Guide uns zu hohe Preise genannt hat um die Kauffreude anzustacheln, oder ob bei den günstigen Produkten etwas nicht stimmt…

Das Mittagessen bekommen wir in einem offenen Restaurant serviert, von dem aus wir einen schönen Blick auf den See haben.

 

Anschließend folgt die mehrstündige Fahrt zurück ans Festland.

Zwischenstopp Arequipa

Arequipa – diesmal nur ein Zwischenstopp
10.05.2018

Wir sind wieder bei unserer peruanischen Familie in unserem Lieblingshostel untergekommen. Auch Isabel, die ältere Dame aus den USA, ist wieder da, obwohl sie eigentlich mittlerweile wo anders sein wollte.

Statt gleich weiterzufahren beschließen wir, noch eine Fahrradtour zu buchen, die uns in den Angeboten des Hostels schon zuvor verlockend erschienen war.

Tatsächlich sind wir die einzigen Touristen, die heute teilnehmen. Mit einem Van werden wir einen der hohen Berge hinaufgefahren, was uns dann also sehr komfortabel eine lange Talfahrt beschert. Unser Guide hat noch einen Bekannten dabei, und so sind wir zu viert plus dem Fahrer des Vans.

In einem kleinen Dorf halten wir an und kommen zufällig gerade pünktlich zu einer kirchlichen Zeremonie, die damit beginnt, dass erst mal auf der Plaza de Armas eine Menge Böller gezündet werden, sodass es ohrenbetäubend kracht und der ganze Platz im Rauch versinkt.

Die anderen kaufen noch ein paar Snacks, dann geht es weiter hinauf.

Kaum, dass Dario sein Rad bestiegen hat um eine Proberunde zu drehen, reißt auch schon die Kette.
Also muss erst mal repariert werden.

Mit dem Resultat, dass nun nicht mehr alle Gänge funktionieren. Der Guide nimmt das beschädigte Rad und Dario bekommt ein anderes.

Zuerst geht es einfach die normale Straße bergab, wobei wir feststellen, dass wir die Kurven mit den dicken Staubschichten nicht so toll finden.

Dann beginnen wir, nette Abkürzungen zu fahren, schließlich ist es eine „Downhill-Tour“.
Mit dem Geholper haben wir wenig Schwierigkeiten, aber sobald Staubschichten hinzu kommen, müssen wir sehr vorsichtig fahren.

Besonders schön finden wir, wenn Lamas oder Alpakas in der Nähe grasen, und auch der Blick auf den großen Vulkan ist beeindruckend.

Als wir am Ende eines Abschnitts ankommen, hat der Freund des Guides einen Platten.

Wieder ist Reparatur angesagt, aber das Loch im Schlauch befindet sich an einer ziemlich ungünstigen  Stelle. Also muss auch dieses Fahrrad aussortiert werden. Da der Van schon in einem Ort weiter unten wartet, entscheidet der Guide, dass er das defekte Rad zu Fuss dorthin bringt. Seinem Bekannten erklärt er unsere Tourenstrecke, und so wir fahren dann also zu dritt weiter.

Dario und ich fragen uns, warum er sich nicht einfach von dem Van abholen lässt …
Aber am Ende liegt die Entscheidung natürlich beim Guide.

Keine fünf Minuten, und geht es wieder bergauf.

Gerade dieser letzte Abschnitt durch die Felder ist zauberhaft.

Als wir bei dem Van ankommen, ist der Guide noch nicht da und ein wundervoller Sonnenuntergang kündigt sich an.

Da wir die ganze Zeit nur bergab geradelt sind und die anspruchsvolleren Strecken recht kurz waren, haben wir das Gefühl, kaum etwas getan zu haben. Also fragen wir den Fahrer, ob wir einfach die Straße Richtung Arequipa weiterfahren können und der Van uns aufsammeln kann, wenn Guide und defektes Rad angekommen sind. Und genauso wird es gemacht.

Der Bekannte des Guides begleitet uns weiterhin, wobei er es zu bereuen scheint, sobald es das erste Mal richtig bergauf geht. Er ist nicht gerade schlank.

Wie vorauszusehen war, ist der Sonnenuntergang berauschend schön.

Wir erfreuen uns an ihm und radeln anschließend noch ein wenig weiter. Als es dämmrig wird und es nur noch bergauf geht, halten wir am Straßenrand an. Gerade noch rechtzeitig für unseren etwas  außer Puste geratenen Begleiter, der die letzten Meter sein Rad schiebt.

Eine gute Viertelstunde später taucht endlich der Van auf.
Die Rückfahrt nach Arequipa stellt sich dann als erstaunlich kurz heraus; den Großteil der Strecke hatten wir also schon per Rad zurückgelegt.

Am nächsten Tag wird sich wieder groß im Hostel verabschiedet, bevor wir den Bus nach Puno nehmen.

Colca Canyon

Endlich wirklich im Colca Canyon
04.05. – 09.05.2018

Natürlich lassen wir uns von dem Busunglück nicht abschrecken und fahren bald darauf selbst wieder in den Canyon. Unfälle können sich schließlich jederzeit und überall ereignen.

Am Morgen unserer Abreise begleitet Silvia uns an die Straße, winkt ein Taxi herbei und verhandelt den Preis. Dann macht sie uns klar, dass wir, sollten wir im Canyon abermals krank werden oder aus sonstigen Gründen Hilfe brauchen, uns gefälligst bei ihr melden sollen.

Viele Umarmungen und Wangenküsschen später sind wir schließlich auf dem Weg zur Busstation.

Der Canyon ist einfach wunderschön und wir sind happy, wieder in der Natur zu sein. Wir übernachten im selben netten Hostel wie schon bei unserer ersten Anreise und starten gleich am nächsten Morgen unsere Wanderung nach Llahuar.

Es geht die meiste Zeit recht steil hinab in den Canyon. Insgesamt eine Strecke von über zehn Kilometern. Das hörte sich für uns bisher nach gar nicht so viel an, aber bald wird uns klar, dass wir zu viel Gewicht in unseren Rucksäcken herumschleppen. Vor allem, weil wir nicht gerade in bester Kondition sind.

Trotzdem ist die Strecke wunderschön.

Als wir endlich die Straße im Tal erreichen, wären wir absolut bereit, ein Taxi zu nehmen … Doch natürlich gibt es hier keines. Also schleppen wir uns auch noch die letzten Kilometer bis zur Lodge.
Wir sind so fertig, dass wir tatsächlich einen Bungalow mieten, statt unser Zelt aufzubauen. Der Preisunterschied ist ohnehin gering.

Wir buchen eine Nacht.

Zur Lodge gehören heiße Quellen. Zwei Betonbecken, die gleich unten am Fluss liegen. Es sitzen bereits recht viele Backpacker darin, doch diesmal stört uns das kaum. Wir sind einfach nur fertig und genießen die wohltuende Wärme und den traumhaften Blick über den Fluss.

Beim Abendessen stellen wir fest, dass viele der Leute total nett sind, und es ergibt sich eine größere Runde, mit der wir Karten spielen.

Wir beschließen, mindestens eine weitere Nacht zu bleiben. Es ist einfach zu schön.

In der Früh stellt sich heraus, dass das eine absolut weise Entscheidung war. Wir haben so schlimmen Muskelkater, dass wir uns kaum bewegen können.

In die heißen Wasserbecken schaffen wir es aber natürlich, und dort bleiben wir dann auch. Stundenlang genießen wir sie vollkommen alleine, die Wanderer kommen alle erst gegen Mittag an.

Es gefällt uns hier so gut, und unser Muskelkater bessert sich so wohltuend, dass wir einfach alle Nächte in Llahuar verbringen. An einem Tag wandern wir, nur mit Wasser und Mittagsessen ausgerüstet, in ein Seitental des Canyons und nehmen genussvoll die Natur in uns auf.

Zu Mittag essen wir am Fluss, dann kehren wir um.

Die Strecke ist wunderschön, der Weg nur ein enger Fußpfad an einem steilen Hang entlang. Einmal kommen uns Esel entgegen und wir erinnern uns an eine Warnung: Wenn Esel im Anmarsch sind, immer an die Hangseite stellen, niemals an die Talseite!

Die gemütlichen und wirklich goldig dreinblickenden Tiere nehmen auf den engen Pfaden wohl nicht allzu viel Rücksicht auf unvorsichtige Touristen. Da landet schon mal einer im Gestrüpp oder kullert den Hang hinab … Das wollen wir nicht zu unseren Abenteuern zählen können.

Den Abend verbringen wir wieder in unseren geliebten heißen Bädern.

Wir entscheiden uns dafür, unser vieles Gepäck nicht wieder nach Cabanaconde hinaufzuschleppen, sondern stattdessen den kleinen Bus zu nehmen, der einmal am Tag hinauffährt.

Mehr als überpünktlich sind wir morgens an der Bushaltestelle, denn wir wissen ja, wie relativ Zeit hier ist. Auch wenn in der Regel eine Verspätung wahrscheinlicher ist, als das Gegenteil. Aber da wir nur eine Chance heute haben, wollen wir sie nicht verpassen.

Bald darauf kommt noch eine Gruppe von vier Touristenmädels von der Lodge angelaufen. Alle mit winzigen Rucksäcken. Dario und ich werfen uns einen Blick zu, der sagt: „Ich wünschte, wir hätten so wenig Gepäck, dann würden wir nämlich weiterwandern“.

Als einziger Einheimischer gesellt sich schließlich noch ein hutzeliger alter Mann mit einem großen Sack voller Grünzeug zu uns.

Doch als der „Bus“, ein weißer Van mit Platz für ca. 12 Personen, schließlich eintrifft, ist er schon rappelvoll mit Einheimischen. Dass der alte Mann noch reinpassen muss, ist für uns klar. Aber dann wären ja wohl eigentlich wir dran, oder? Wir waren schließlich zuerst da und die fettesten Rucksäcke haben wir auch…

Doch da wir uns nicht gleich hineinquetschen – schließlich müssten unsere Rucksäcke auf dem Dach verstaut werden – sind die Mädels  schneller. Sie ignorieren uns einfach.

Als der Van von dannen holpert und außer uns auch noch eine Staubwolke zurücklässt, blicken wir ihm düster nach.

Vollkommen planlos setzen wir uns erst mal wieder auf die Bank der Bushaltestelle.

„Was machen wir denn jetzt?“, frage ich Dario.

„Jedenfalls nicht wieder zurück in die Lodge gehen!“, kommt prompt die Antwort, als wisse er bereits, worauf ich hinaus will. Ich hätte nicht viel gegen eine weitere Nacht an den heißen Quellen einzuwenden. Andererseits hat er recht, dass es uns eigentlich weiter zieht.

„Hoch laufen will ich aber auch nicht“, gebe ich bekannt. Die Rucksäcke sind wirklich furchtbar schwer, unsere Beine schmerzen noch immer leicht und zehn Kilometer steil bergauf sind wirklich heftig. In dem kleinen Guide für die Strecken im Canyon, den wir von unserem Hostel in Colcapampa erhalten haben, wird die Strecke in dieser Richtung nicht mal aufgeführt…

Während wir merken, wie wir etwas gereizt werden, kommt plötzlich ein weißer Pickup-Truck um die Kurve. Ich stehe sofort auf und strecke den Daumen raus.

Der Wagen hält an und die beiden Männer darin wollen wissen, wohin wir denn möchten.

„Colcapampa?“

„Si!“

„No problema.“

Wir steigen ein und fühlen uns sehr vom Glück begünstigt. Unsere Rucksäcke liegen auf der Ladefläche und wir haben jede Menge Platz auf der bequemen Rückbank.

Zudem fühlen wir uns in diesem Wagen wesentlich sicherer als wir es auch nur beim Anblick des total überfüllten, alten Vans getan hatten.

Es dauert zudem gar nicht lange, bis wir den „Bus“ überholen. Und obwohl wir einige Male anhalten, um Fotos zu machen – die beiden scheinen auch Touristen zu sein – kommen wir eine halbe Stunde vor den anderen in Colcapampa an. Deren Eintreffen können wir nämlich bequem beobachten, während wir bereits auf der Terrasse eines Cafés unser Mittagessen einnehmen.

Anschließend spazieren wir in die umliegenden Felder. Es ist traumhaft schön. All die kleinen Terrassen mit Reis und Gemüse. Dazwischen die Kanalsysteme.
 

Dario hilft einer Frau dabei, einen klemmenden Kanal zu öffnen und sie bedankt sich herzlich.

Wir sind jedes mal beeindruckt, wenn eine der Frauen an uns vorbeizieht. Denn trotz ihrer schweren Lasten sind sie stets sehr zügig unterwegs.

Am Abend regnet es und wir nehmen wieder ein Zimmer im Hostel, statt unser Zelt zu testen.

Mit dem ersten Bus um 7:00 Uhr fahren wir für wenige Soles hinauf zum „Cruz del Condor“.
Leider ist der Himmel wolkenverhangen, weshalb es keine Thermik gibt, auf der die großen Vögel sich in die Höhen schwingen könnten. Entsprechend bekommen wir erst mal keine zu sehen.

Doch nach gut einer Stunde bricht die Sonne durch und schon kurz darauf gleiten die ersten Herrscher der Lüfte an uns vorbei. Lange beobachten wir das Spektakel der majestätischen Gleiter mit ihren gut zwei Metern Spannweite (sogar über drei Meter sind möglich), die oft nur wenige Meter über den Köpfen der Hunderte von Beobachtern vorbeirauschen.

Dann fahren wir mit einem weiteren Bus in einen kleinen Ort namens Yanque, der ebenfalls wunderschön in den Feldern gelegen ist. Hier zeichne ich die Dorfkirche. Sie liegt an einer beeindruckenden „Plaza de Armas“, wie sie wohl jeder von den Spaniern angelegte Ort hier hat.
Selbst die ganz kleinen Dörfer verfügen häufig über einen Platz von der Größe eines Fußballfeldes.

Wenigstens dies ist etwas Gutes, das die Spanier hergebracht haben. Denn diese Plätze werden rege genutzt. Sie bilden den perfekten Treffpunkt und genug Platz für alle möglichen Aktivitäten. Für Fußball und dergleichen gilt dies allerdings nicht, denn die Plätze sind in der Regel fast schon kleine Parks mit großen bepflanzten Bereichen, zwischen denen sich Wege und kleinere Plätze ergeben.

Zu Mittag essen wir in einem hübschen Restaurant mit Blick auf die Felder und Hügel. Es gefällt uns so gut, dass wir kurz überlegen, noch zwei Tage hier zu bleiben. Doch es weht ein kalter Wind, und ein Blick auf die Wettervorhersage verheißt regnerische Zeiten.

Also nehmen wir den Nachmittagsbus zurück nach Arequipa.

Arequipa

Arequipa
12.04.2018 – 03.05.2018

Weiter geht es nach Arequipa, einer Stadt im Süden Perus. Im Vergleich zu Lima ist Arequipa einfach traumhaft. Die Altstadt ist schön und voller alter Gebäude aus Naturstein.

Auch kulinarisch können wir nicht klagen, denn es gibt eine reiche Auswahl an verlockenden Restaurants. Besonders gut gefällt uns ein Kartoffelrestaurant, welches verschiedene Gerichte auf einer immer gleichen Basis aus mehreren Kartoffelsorten serviert.

Für mich ist der Höhepunkt eine Besichtigung des Kloster Santa Catalina.

Die verwinkelten Gässchen sind ein Traum. Gerade bewegt man sich noch zwischen rötlich gestrichenen Mauern, dann geht man durch einen kurzen Gang und befindet sich plötzlich auf einem weiten, blau gestrichenen Innenhof.

Das Kloster ist wie eine Stadt in der Stadt.

Überall stehen Blumentöpfe und alle Wohnräume der Nonnen haben irgendwie einen Ausblick. Und sei es nur auf eine gegenüberliegende Mauer mit Blumentopf. Denn dank dem farbigen Putz und den wunderschönen Blumen ist selbst das absolut bezaubernd.

Abends kaufen wir ein Zelt für die bevorstehenden Wanderungen.
Da die guten Zelte nicht nur sehr teuer, sondern auch ziemlich schwer sind, entscheiden wir uns für ein ganz leichtes Modell aus dem Baumarkt.

Es wiegt gerade mal 1,5 Kilo. Wir haben ein bisschen Bammel, dass es den Anforderungen nicht gewachsen sein könnte… Daher kaufen wir noch eine ganz leichte Plane, die wir im Notfall darüber ausbreiten können.

 

Von Arequipa aus fahren wir in den Colca Canyon, wo wir wandern gehen wollen. Das Dorf in dem wir ankommen, Cabanaconde, liegt auf etwa 3300 Metern. Nach der sechsstündigen Busfahrt sind wir viel erschöpfter als sonst und kippen nach dem Abendessen sofort ins Bett.

Doch nur wenig später wachen wir wieder auf. Dario glüht.

„Oh Scheiße…“, murmle ich und messe seine Temperatur.

Fast vierzig Grad Fieber.

Das ist für Dario extrem ungewöhnlich. Da ich weiß, dass große Höhe dem Körper ganz schön zu schaffen machen kann, beschließe ich, dass wir am nächsten Tag wieder nach Arequipa zurückfahren.

 

Und in Arequipa beschließen wir zu bleiben, bis wir uns endlich mal wieder richtig, richtig fit fühlen. Zudem ist das Hostel in dem wir wohnen sehr familiär und nett und wir fühlen uns durchaus nach einem etwas längeren Aufenthalt. Die Familie besteht aus Silvia, der Leiterin des Hostels, ihrer kleinen Tochter und dem Opa. Zudem residiert eine ältere Amerikanerin namens Isabel, die sich schon seit vierzehn Jahren in Peru aufhält, ebenfalls für längere Zeit hier.

Mit Silvia und Isabel besuchen wir den lokalen Markt.
Endlich mal ein Land in dem ich zur selben Zeit all meine Lieblingsfrüchte in bester Qualität bekomme! Wir decken uns ordentlich ein: Ananas, Mango, Papaya, Erdbeeren, Heidelbeeren und Feigen. Es ist festlich.

Und natürlich gibt es ganze Stände nur mit Kartoffeln!

In einem Lokal am Plaza de Armas, wie der zentrale Platz vieler Orte in Peru genannt wird, finden wir ein Restaurant mit sehr alten traditionellen Speisen. Als Erlebnis okay, allerdings fühlen wir uns beinahe in die Steinzeit versetzt. Das essen ist kaum gewürzt und besteht hauptsächlich aus einzelnen gekochten Gemüsen. Dieses ist qualitativ allerdings so hochwertig und lecker, dass wir nicht klagen können.

Wesentlich begeisterter sind wir jedoch von einem vegetarischen Sushi-Restaurant.

Einen Kochkurs belegen wir auch. Es ist jedoch ein recht kurzer und das einzige, was uns wirklich begeistert ist der sogenannte „Chicha Morada“. Dabei handelt es sich um ein tief lilafarbenes Getränk, dass aus einer nahezu schwarzen Maissorte hergestellt wird.
Es ist süßlich und wir kriegen gar nicht genug davon.

Den Rest der Zeit verbringen wir mit immer wiederkehrenden Aktivitäten wie Arbeiten am Computer (die Webseite muss an die neue Datenschutzverordnung – DSGVO – angepasst werden), Kochen und Zeichnen. Für letzteres finden sich jede Menge geeignete Orte in der Stadt.

 

An einem Tag ruft Mama uns plötzlich ziemlich früh an. Wobei man natürlich dazusagen muss, dass es nur für uns früh ist, denn Deutschland ist sieben Stunden voraus.

„Geht es euch gut?“

„Klar“, sagen wir und wundern uns. Wir sind so lange von zuhause fort, dass selten jemand wissen will, ob wir irgendwo gut angekommen sind. Und jetzt sind wir ja nicht mal wirklich unterwegs.

Es stellt sich heraus, dass ein Bus auf der Fahrt in den Colca Canyon schwer verunglückt ist. Das ist kein Wunder, denn an der kurvigen Strecke gibt es keine Leitplanken, sodass bereits ein kleiner Fehler einen Sturz den Steilhang hinab bedeutet.

Zwei Deutsche sind tot und weitere zwölf schwer verletzt.

„Uns geht es gut“, versichern wir erneut und sind froh, dass wir nicht früher als geplant zurück in den Canyon gefahren sind.

 

An einem der Tage, kurz bevor wir weiterreisen, bereiten Isabel und wir eine kleine Überraschungsparty für die Hostelfamilie vor. Sie freuen sich riesig und sind richtig gerührt.

Wir haben sie ganz schön ins Herz geschlossen…


Photo by Isabel

 

Zwischenstop Lima

Wieder in Lima
10.04. – 11.04.2018

Diesmal begrenzen wir unseren Aufenthalt in Lima auf einen einzigen Tag.
Nachmittags gehen wir gemütlich essen.

Am Abend besuchen wir den „Magic Water Circuit“. Dabei handelt es sich um einen recht großen Park mit etlichen Wasserinstallationen, die abends zauberhaft beleuchtet werden.
Traumwandlerisch spazieren wir umher und lassen das Plätschern und die Farbspiele auf uns einwirken.

 

Ica

Ica – Voll im Sand
06.04. – 10.04

Unser Hostel liegt wieder etwas außerhalb. Doch angeblich soll man ganz einfach ein Colectivo nehmen können. Also halten wir Ausschau, doch wir entdecken nur Taxis.

Erst nach einer ganzen Weile wird uns klar, dass die Colectivos hier anders als in Mexiko sind. Während es sich dort um Busse handelt, sind die Colectivos hier einfach kleine Taxis mit der Aufschrift eines bestimmten Ortes an der Frontscheibe.

Wir entdecken den richtigen Ortsnamen und quetschen uns samt Rucksäcken in den Wagen – mit all dem Gepäck sollten wir nächstes mal vielleicht doch lieber ein normales Taxi nehmen …

Doch wir kommen problemlos an, und das ist die Hauptsache. Unser Zimmer liegt im obersten Stockwerk und hat einen Blick bis zu den Dünen auf der anderen Seite der Stadt. Es ist riesig und doch behaglich, perfekt!

So können wir gut entspannen. Für den nächsten Tag nehmen wir uns nichts vor, doch für den darauffolgenden buchen wir beim Hostelbesitzer eine Quad-Tour. Die Tour ist einer der Gründe, weshalb wir uns für diese Unterkunft entschieden haben.

Der Sonnenuntergang vom Zimmer aus ist atemberaubend, und wir freuen uns schon darauf, ihn während der Tour dann von den Dünen aus beobachten zu können.

 

Mit dem Quad in den Dünen

Die Quad-Tour beginnt am Nachmittag, unser Guide ist der Bruder des Hostelbesitzers. Startpunkt ist Huacachina, die berühmte Oase, die große Touristenströme anzieht.

Das ist der Grund, weshalb wir hier kein Zimmer gebucht haben. Es ist ein reiner Touri-Ort. Tatsächlich finden wir den ganzen Ort ziemlich hässlich. Ein Hotel neben dem anderen, unzählige Verkäufer und die Oase ist so trüb, dass wir nicht mal in ihre Nähe wollen.

Nur von weitem sieht das Wasser in der Wüste verlockend aus.

Nachtrag: Später treffen wir auf der Reise einige Studenten, die hier in Peru das Wasser untersuchen. Sie erzählen uns unter anderem, dass die Oase von Huacachina schon lange keine natürliche Oase mehr ist. Genau wie in Paracas sinkt der Grundwasserspiegel beständig, sodass bereits seit den 80er Jahren Wasser in die Oase gepumpt werden muss, um sie als Attraktion zu erhalten. Der tatsächliche Grundwasserspiegel liegt heutzutage 20m unter der „Oase“.

Wir sind heute die einzigen, die eine Quad-Tour gebucht haben und damit die einzigen überhaupt, die auf einem Quad unterwegs sind. Allerdings brausen jede Menge große Vehikel durch die Gegend, in denen jeweils gut 10 Touristen sitzen. Diese Dinger können in den Dünen fahren und verwandeln die Wüstenlandschaft um Huacachina in einen Fun-Park.

Zum Glück fahren wir mit dem Quad etwas abseits der normalen Routen. Unser Guide fährt mit einem kleinen Buggy voraus und schert sich nur wenig um uns, sodass wir richtig unseren Spaß haben. Wir testen die Beweglichkeit des Quad und sind absolut fasziniert, wie leicht das Gefährt über den Sand düst.

Ich fahre zuerst, Dario sitzt hinter mir. Eine schöne Art der Fortbewegung. Das Gefühl, wie sich das Quad durch den Sand bewegt, erinnert noch am ehesten an das Snowmobil im Schnee. Wir machen aus, das wir immer wieder wechseln. Abgesehen davon, dass das Fahren großen Spaß macht, ist es auch recht anstrengend für die Arme, sodass ich froh bin, immer mal wieder den Lenker abgeben zu können.

An einer kleineren Düne halten wir oben an und dürfen die Sandboards ausprobieren. Sie sehen ähnlich wie Snowboards aus und entsprechend versucht Dario sogleich, sich seines an die Füße zu schnallen.

Unser Guide lacht jedoch nur und erklärt, dass diese Bretter nicht zum Fahren im Stehen taugen. Sie sind nicht wendig genug. Stattdessen legt man sich mit dem Bauch darauf, stützt sich auf die Ellbogen und ab geht die Post.

Ich verziehe das Gesicht. Ich hasse es, mit dem Kopf voraus Hügel hinabzurasen.

Dario hingegen liebt es. Entsprechend bittet er um etwas Wachs für den Boden des Boards, wirft sich darauf und saust los. Eine Sandwolke staubt hinter ihm auf.

Ich bitte um gaaaaanz wenig Wachs und schiebe mich vorsichtig über den Rand der Düne, die Fußspitzen fest in den Sand gegraben. Doch schnell stellt sich heraus, dass es eine recht langsame Angelegenheit ist. Ich nehme die Füße hoch und entspanne mich. Die Fahrt ist kurz und wenig spektakulär – also muss eine größere Düne her.

Unser Guide fragt, ob wir ab jetzt lieber nur Quad fahren wollen, oder auch nochmal Sandboarden möchten. Wir wollen beides. Ob es dann gleich die größte Düne in der Umgebung sein soll? Ja klar!

Noch eine ganze Weile haben wir Spaß auf dem Quad und danach sogar noch genügend Zeit, kurz die Poi auszupacken.

Dann treffen wir den Hostelbesitzer, der mit zwei Mädels eine Buggy-Tour macht. Im Konvoi machen wir uns auf den Weg zu der ganz großen Düne.

Als wir dort ankommen, beginnt gerade der Sonnenuntergang. Trotzdem gehen wir alle gleich mit den Brettern auf die Dünenspitze, und kurz darauf verschwinden die beiden Mädels auf ihren Brettern über die Kante.

Dario und ich schauen uns an. Von dort unten wird man den Sonnenuntergang nicht sehen können. Also bestehen wir darauf, erst zu Sandboarden, wenn die Sonne hinter den Dünen verschwunden ist. Die beiden Guides nicken und der Hostelbesitzer schickt seinen jüngeren Bruder mit einem der Buggys zu den Mädels hinab, damit die nicht warten müssen.

Wir setzten uns auf den Dünenkamm, schütteln den Kopf über die Guides, die uns doch tatsächlich bei der Sunset-Tour den Sunset hätten verpassen lassen, und genießen.

Anschließend darf einer von uns Sandboarden, der andere muss das Quad die Düne hinabfahren.
Wir spielen Schnick Schnack Schnuck und ich gewinne.

Also darf ich mit dem Sandboard diese riesige Düne hinabrasen. Diesmal wird es recht flott, aber immer noch angenehm. Am Fuß des Hügels haben sich durch den Wind wellenartige Muster im Sand gebildet. Ich halte mich gut fest, denn ich habe zuvor gesehen, wie eines der Mädels hier seitlich vom Board gerutscht und dann durch den Sand gerollt ist. Sah nicht sehr gemütlich aus.

Erfreulich sicher lasse ich das Board gleiten, bis es von alleine anhält.

Dann beobachte ich, wie Dario mit dem Quad die unglaublich steile Düne herabfährt. Das sieht wesentlich gruseliger aus, als mit dem Sandboard zu fahren.

Da es eine ganze Weile dauert, laufe ich ein Stückchen an der nächstgelegenen kleinen Düne hoch, schnalle mir das Board unter die Füße und lasse mich hinabgleiten. Die Düne ist nicht steil genug um richtig Fahrt aufzunehmen, daher muss ich nicht mal lenken.
So vertreibe ich mir die Zeit, bis Dario strahlend mit dem Quad neben mir anhält.

„Das war der Hammer!“, sagt er.

Aber jetzt brauchen wir natürlich noch eine weitere große Düne, damit Dario auch einmal richtig Sandboarden kann und ich das Quad eine Düne hinab manövrieren darf.

Wir bekommen sie.

Während der Weiterfahrt wird uns klar, dass wir Glück gehabt haben, mit dem jüngeren Bruder unterwegs zu sein. Der Hostelbesitzer ist wesentlich vorsichtiger und weist uns immer wieder zurecht. Wir sollen hinter den Buggys herfahren und nicht über kleinere Dünenkämme, denn dahinter könnte es sehr steil sein und so weiter…

Wir nicken einfach, statt ihm zu erklären, dass wir darauf natürlich acht geben und uns daher in den letzten zwei Stunden auch noch nichts passiert ist. Ohnehin müssen wir jetzt anfangen langsamer zu fahren, denn es beginnt zu dämmern.

Es wird schon dunkel, als Dario mit dem Board die letzte große Düne in die Tiefe rauscht.
Ich folge vorsichtig mit dem Quad. Dazu muss man das Fahrzeug ganz gerade ausrichten und den Lenker stur festhalten. Es ist mehr ein Hinabrutschen als ein Fahren.

Wohlbehalten treffen wir uns alle unten wieder und machen uns auf die Rückfahrt zur Oase.

Das hat Spaß gemacht!

Abend in den Dünen

Am Abend bevor wir für eine Nachuntersuchung wieder nach Lima fahren, lassen wir uns von einem Taxi nochmal zur Oase bringen und laufen in die Dünen hinauf. Ein Hund schließt sich uns an und begleitet uns die ganze Zeit.

Oben auf einer schönen Düne angekommen, spielen wir Poi bis zum Sonnenuntergang.

  

Anschließend versuchen wir es mit Feuer, doch es stellt sich heraus, dass das hiesige Lampenöl (das einzige, das wir in ganz Ica auftreiben konnten) eine absolute Katastrophe ist.

Also machen wir uns auf den Rückweg.

Paracas

Paracas
04.04 – 06.04.2018

Wir reisen nach Paracas, einem Küstenort südlich von Lima.
In dem kleinen Backpacker-Hostel außerhalb des Ortes sind wir die einzigen Gäste. Der nette junge Mann, der sich um alles kümmert, ist uns sofort sympathisch.

Mit seinem wenigen Englisch und unserem wenigen Spanisch schaffen wir es mit vereinten Kräften, kleinere Unterhaltungen zu bewältigen. Im Zweifelsfall mit der Unterstützung unseres treuen digitalen Übersetzers.

Er erzählt uns, dass es hier nur ungefähr zweimal im Jahr regnet und auch dann nicht viel. Das Süßwasser für die Sanitäranlagen wird zu bestimmten Uhrzeiten aus dem Boden hochgepumpt und in Tanks gespeichert. Mehr gibt es nicht.

Und aufgrund der großen Farmen, die ebenfalls das Grundwasser nutzen, sinkt der Wasserspiegel rapide in die Tiefe. Etliche Meter in den letzten Jahren. Das Wasser schwindet, der Agrar-Export blüht. Ein für die Zukunft verheerendes Problem, das sich vielerorts beobachten lässt.

Obwohl wir mitten in einer trockenen Ebene sitzen, umgeben von hohen Mauern, die uns vor den Nachbarn abschotten, fühlt es sich für uns wie eine Oase an.
Die Tage in Lima haben ein tiefes Verlangen nach Ruhe und Natur in uns hinterlassen.
So liegen wir einfach in den Hängematten und entspannen.

Für den nächsten Tag buchen wir unseren Ausflug zu den Inseln und in den Nationalpark an der Küste.

 

Islas Ballestas & Nationalpark

Die Bootstour stellt sich als sehr touristisch heraus. Etliche Boote legen in engen Abständen vom kleinen Hafen ab, vollgestopft mit Besuchern.

Vollgas voraus brausen wir auf die offene See hinaus und fangen trotz schönstem Wetter und Sonnenschein bald an zu frieren. Die Meere, über die wir im letzten Jahr gefahren sind, waren alle angenehm warm. Bikinitemperatur. Das Meer hier in Peru ist dank seiner kalten Strömungen vollkommen anders. Und ebenso verhält es sich mit der Luft über dem Wasser. Kalt!

Mein dünner Pulli, den ich glücklicherweise mitgenommen habe, hilft ein wenig. Wir ziehen uns den Schal über den Kopf und kuscheln uns zusammen, bis das Boot wieder langsamer wird.
Vor uns an einem Hügel prangt ein riesiges Zeichen, das an einen dekorativen Kerzenleuchter erinnert. Die Dekorationen erinnern an Kornähren.

Dieses Zeichen gehört zu den sogenannten Nazca-Linien. Das sind große bis gigantische Bilder, die in den Wüstenboden gescharrt sind. Geometrische Formen und Abbildungen von Lebewesen. Die ältesten stammen angeblich aus einer Zeit zwischen 800 bis 200 v. Chr.
Die Bilder sind aus der Ferne gut zu erkennen, da durch das Entfernen der obersten Gesteinsschichten die helleren Sedimente zum Vorschein kommen.

Weiter geht es zu den Inseln, und wir verstecken uns wieder unter dem Schal. Brrrrrr…

Die Inseln stellen sich als durchaus schön heraus, wobei wir ganz froh sind, dass man sie nicht betreten darf. So viel Vogelkacke haben wir noch nie auf einem Haufen gesehen. Es stinkt regelrecht zum Himmel – und natürlich bis hin zu den Booten.

Die Vögel, Seelöwen und selbst die Pinguine scheinen sich nicht an den täglichen Besuchern zu stören und gehen ihren üblichen Aktivitäten nach: Die Vögel jagen Fische und kacken die Touristen voll, die Seelöwen dösen, die Männchen versuchen die Weibchen zu beeindrucken und zwei von ihnen Kämpfen sogar. Selbst das sieht recht gemächlich aus.
Und die Pinguine watscheln unbeirrbar die Felsen empor.

Wieder am Festland angekommen, haben wir Zeit, essen zu gehen. Ich probiere endlich mal Ceviche, ein Fischgericht, das sich auch in Mexiko großer Popularität erfreut.

Anschließend treffen wir unseren netten Gastgeber wieder, der mit uns in den Nationalpark fährt. Schön untouristisch!

Wir besichtigen in aller Ruhe ein kleines Museum, dann die wunderschön roten Felsformationen entlang der Küste. Im Felsboden zeigen sich an vielen Stellen weiße Flächen. Es sind Salze.

Zu guter Letzt begutachten wir noch eine Fläche mit vielen Muschelfossilien, dann geht’s zurück zum Hostel.

 

Zeit der Entspannung

Wir entdecken ein Spiel für uns, das wir zuvor noch nirgends gesehen haben: Man wirft mit schweren Münzen auf ein horizontales Brett, in welchem zwanzig Löcher sind. Auf einem der Löcher sitzt ein Metallfrosch mit geöffnetem Maul, drei andere Löcher sind mit kleinen Rädchen versehen.

Die Löcher haben unterschiedliche Punktezahlen. Die meisten Punkte gibt es, wenn man in das Maul des Frosches trifft. Wir spielen Runde um Runde, es ist ganz schön verflixt! Erst nach über einer Stunde gelingt uns der erste Treffer ins Maul.

Weil es so beschaulich hier ist, bleiben wir noch einen Tag länger und relaxen einfach nur.
Dann nehmen wir den Bus nach Ica, einer Wüstenstadt mitten in den Dünen, nur wenige Stunden entfernt.

Lima

Lima
27.03. – 03.04.2018

Wir kommen in Lima an und zum ersten Mal auf unserer Reise steht schon ein Fahrer für uns bereit. Mit Namensschild. Den hat unsere AirBnB-Gastgeberin für uns organisiert.

In der Unterkunft angekommen, stellt sich heraus, dass sie und ihre Familie sehr nett sind. Und im Gegensatz zum Rest der Wohnung sind unser Zimmer und Bad ausgesprochen sauber. Ein Glück, hier lässt es sich aushalten.

Denn ganz so schnell wie wir gerne würden, werden wir Lima wohl nicht verlassen. Erst mal heißt es herausfinden, warum ich noch immer nicht wieder ganz fit bin. Das Ergebnis des Arztbesuches sind ein Antibiotikum und die Anweisung, mich zu erholen. Das ist keine wirkliche Überraschung.

Wir lassen es also entspannt angehen. Dank Uber gar kein Problem, denn mit dem zuverlässigen Fahrservice kommen wir vollkommen relaxt überall hin. Sei es ins Kino oder ans Meer. Wobei der Ausflug zu letzterem uns eher enttäuscht.

Es ist recht kühl und Limas Strände sind steinig. Zudem liegen sie an einer großen Straße. Die Stadt selbst liegt dreckig und doch erhaben auf der Abbruchkante darüber. Interessant ist zu sehen, wie viele Menschen es in die Gärten oben an der Kante zieht, wo man mit guter Aussicht flanieren kann. Dank den Osterfeiertagen ist es rappelvoll.

Mit interessant ist dann aber auch schon alles gesagt. Denn auch die Osterprozessionen mit ihren Heiligenstatuen sind nicht unser Geschmack und alles in allem wären wir gerade viel lieber in den heimischen Gärten unserer Familien.

Am nächsten Tag besichtigen wir eine historische Stätte mitten in der Innenstadt. Der Tempel Huaca Pucllana birgt Überreste verschiedener Kulturen aus dem ersten Jahrtausend n.Chr. und seine Lehmziegelkonstruktion erinnern an ein vollgestopftes Bücherregal.

In den angrenzenden Gärten können wir landestypische domestizierte Tiere und Pflanzen begutachten.
In Peru gibt es viele Lamas und Alpakas, sowie einige weitere verwandte Arten. Schafe sind auch recht beliebt. In unseren europäischen Augen ist wohl als einziges die Nutzhaltung von Meerschweinchen ungewöhnlich.

„Eine typisch peruanische Delikatesse“, erklärt uns der Guide mit einem Grinsen und vielsagenden Blicken auf die gut zwanzig Meerschweinchen im Gehege.

Wir schauen uns an. Wenn es eine traditionelle Delikatesse ist, müssen wir sie wohl irgendwann mal probieren… Aber das hat ja noch viel Zeit. Eilig haben wir es damit nicht.

Oben vom Hügel lässt sich deutlich erkennen, dass die Architekten des dahinterliegenden Glaskastens ihre Hausaufgaben gemacht haben: Fassade mit Anlehnung an die Struktur der Pyramide.

Zudem befinden sich hier Gräber.

 

An einem anderen Tag besuchen wir das Museo Larco, dessen Sammlung uns durchaus begeistert, obwohl das Museum an sich recht klein ist. Besonders die Keramikschätze faszinieren uns.

Auch das Lager des Museums ist für Besucher geöffnet. Hier stapeln sich eben diese Keramiken, ordentlich nach Motiven sortiert.

Erheiternd ist auch die in gesonderten Räumen stattfindende Ausstellung zum Thema Sex. Hier fühle ich mich in meine Schulzeit zurückversetzt, als das Trierer Museum die Sonderausstellung „100.000 Jahre Sex“ zeigte. Wohl eine der wenigen Ausstellungen die ein breites Publikum an Schülern anlockte. Auch wir Mädchen gingen hin. Giggelnd, uns vielsagend anstupsend und voller Fragen, über die wir dann doch nicht sprachen.

Heute beobachten wir die anderen Gäste der Ausstellung. Die verstohlenen Blicke, die leichte Peinlichkeit, gerötete Wangen oder der Versuch, eine gleichgültige Miene beizubehalten.

Anschließend machen wir es uns im Gartenlokal gemütlich und trinken etwas.
Die Blumen sind wunderschön.

 

So versuchen wir, jeden Tag etwas Schönes in Lima zu finden. Allerdings stellt sich das schon bald als recht schwer heraus. Denn im Vergleich zu anderen Orten können uns die Gebäude und selbst die Kirchen kaum beeindrucken.

Gut gefällt uns hingegen ein romantisches Café im Stadtteil Barranco, das in einem alten Zugwaggon untergebracht ist.

Viel Spaß haben wir zudem mit den zahlreichen Grafitis.

Das war es dann aber auch schon. Lima ist keine Stadt, in der wir auch nur einen Tag länger als notwendig bleiben wollen.
Sobald wie möglich verlassen wir die Stadt, um uns andere Orte anzuschauen.

Riviera Maya

Von Belize zurück nach Mexiko
21.03.2018

Nach diesem Abschied beginnt für uns eine kleine Odyssee. Wir fahren mit dem Boot zum Festland, was dank größerer Wellen die reinste Achterbahngaudi ist. Immer wieder fliegt das Boot regelrecht und wir jauchzen, was das Zeug hält.

Am Festland angekommen müssen wir eine ganze Weile auf den Bus nach Belize City warten.

Dort schließlich angekommen, werden wir gleich gefragt, ob wir an die Grenze zu Mexiko wollen. Wir haben zwei Optionen: Den Bus zu nehmen, der schon neben unserem steht, und an der Grenze umzusteigen, oder bis abends zu warten und den Nachtbus zu nehmen.
Letzteres wollen wir eigentlich nicht, denn wir haben eine nette Unterkunft in Playa del Carmen gebucht.

Also springen wir direkt in den nächsten Bus, obwohl das bedeutet, dass wir nicht mal kurz aufs Klo gehen können.

So können wir es kaum erwarten, die Grenze zu erreichen.

Nachdem wir das Wichtigste – also den Gang zur Toilette – erledigt haben, reisen wir aus und wechseln noch unsere letzten Belize-Dollar in Mexikanische Peso. Dann heißt es: laufen … – denn die Taxis auf dieser Seite der Grenze wollen unglaubliche 60 Belize-Dollar (fast 25 Euro) für den Transport nach Mexiko.

Dabei sind es nur wenige Kilometer bis zur mexikanischen Grenzstation! Außerdem ist es ja mal ganz interessant, durch eine „Zona libre“ zu spazieren.
Wobei die Häuser, an denen wir vorbeikommen, ziemlich heruntergekommen sind.

„Stell dir mal vor“, sage ich zu Dario „wenn jetzt etwas passieren würde weshalb Deutsche nicht mehr nach Belize oder Mexiko einreisen dürften.“
Dabei denke ich an den Film „Terminal“, in dem ein Mann jahrelang an einem Flughafen festsitzt.

Doch wir können problemlos nach Mexiko einreisen.

Während wir im Taxi zur Fernbusstation der nur wenige Kilometer entfernten Stadt Chetumal sitzen, stellen wir fest, dass wir die Zeitzonen diesmal nicht bedacht haben. Plötzlich verlieren wir eine Stunde. Das bedeutet, wir haben den frühen Bus schon verpasst.

An der Busstation angekommen, kriegen wir gerade noch so den nächsten Bus. Kaum sitzen wir, rufe ich unsere Unterkunft an, um mitzuteilen, dass wir nun leider erst gegen Mitternacht ankommen. Doch diesmal haben wir wirklich Pech: Unser Zimmer wurde schon weitervermietet, weil wir auf die Mails des Anbieters nicht reagiert haben.
Wie auch? Wir haben erst gestern Abend gebucht, und das war das letzte Mal, dass wir Internetzugang hatten. Für Belize hatten wir schließlich keine SIM-Karte.

Nun muss ich also mit booking.com telefonieren. Die wollen jedoch nicht einfach die Buchung stornieren, sondern müssen etwas Neues für uns finden. Leichter gesagt als getan, denn die Verbindung bricht immer wieder ab.
Die erste Alternativunterkunft stellt sich als schon ausgebucht heraus. Die zweite ist es auch, und als wir endlich wieder Verbindung haben und insgesamt mehrere Stunden am Telefon verbracht haben, kommen wir schließlich ohne Buchung in Playa del Carmen an.

Schließlich – endlich – kriegen wir dann ein Hotel zugewiesen, das tatsächlich noch Zimmer frei hat und 24 Stunden Rezeption bietet. Zwar ist es eine herbe Enttäuschung im Vergleich zu allen anderen Unterkünften, die uns bisher angeboten wurden, aber besser als nichts. Und die Preisdifferenz wird uns erstattet.

So kriegen wir wenigstens noch etwas Schlaf, bevor wir morgen früh zum Kochkurs gehen.

 

Kochkurs – wir lernen traditionelle mexikanische Küche!
22.03.2018

Wir frühstücken eine Kleinigkeit und werden kurz darauf vom Shuttle Service der Kochschule abgeholt.

Als wir die vierspurige Straße der an der Südostküste Yukatans entlang fahren, sehe ich plötzlich ein großes Straßenschild, auf dem „Cirque du Soleil“ steht.

Ich schaue sofort im Internet nach, was es damit auf sich hat. Und tatsächlich hat der berühmte Cirque du Soleil hier ein festes Aufführungshaus. Zudem kann man ein luxuriöses Drei-Gänge-Menü genießen, wenn man etwas mehr bezahlt.
Das hört sich ganz schön verlockend an …

Allerdings wollen wir ja morgen schon wieder weiter. Playa del Carmen ist nicht so unser Ding. Viel zu touristisch.

Die Kochschule liegt zwischen Playa del Carmen und Cancun. Etwas abseits der großen Straße, schon quasi im Dschungel. Das war einer der Gründe, warum Dario sie ausgesucht hat.

Als wir ankommen, sind noch nicht alle Teilnehmer da und wir nutzen die Zeit, um den Zirkus anzusprechen.
„It‘s absolutely great! And you have to take the dinner! It‘s the best I‘ve had in this area of Mexico.”, lässt sich sofort die Kochlehrerin begeistert darüber aus.
Auch eine der Teilnehmerinnen, die schon dort war, stimmt sofort zu.

Nun ist es für uns klar. Wir müssen da heute Abend hin!

Als alle angekommen sind, sind wir insgesamt sieben Kursteilnehmer.
Die Leiterin der Kochschule gibt den Kurs. Ihr assistieren zwei weitere Köche, zudem gibt es eine Spülkraft und eine Maya-Frau, die speziell für die handgemachten Tortillas zuständig ist.
Das macht fünf Arbeitskräfte für sieben Kursteilnehmer!

Entsprechend reibungslos läuft alles.

Der Kurs beginnt mit einem kleinen, gemeinsamen Frühstück. Hauptsächlich süße Teilchen, weshalb wir froh sind, dass wir schon was im Magen haben.

Zu den Backwaren werden traditionelle Getränke serviert:

Einen Kaffee, der mit Orangenschale, Zimt und Nelken gebraut wurde und natürlich Kakao, das rituelle Getränk der Maya.

Obwohl der Kakao wohl ursprünglich aus Südamerika stammt, waren die Mayas die ersten, die Kakao als Getränk benutzten. Allerdings durften ihn lange Zeit nur Adelige und Priester als zeremonielles Getränk zu sich nehmen.

Wobei ich dazusagen muss, dass dieses bittere, mit Wasser angerührte Zeug nicht wirklich unseren Vorstellungen von heutigem „Kakao“ entsprach. Wir haben den „ursprünglichen“ Kakao in San Christobal probiert und fanden ihn ziemlich ungenießbar…

Zum Glück gibt es heute eine neumodische und wesentlich schmackhaftere Variante. Der Kakao ist mit Zimt, Mandeln, und Zucker gewürzt und wird mit Milch zubereitet. Der, den wir hier trinken, stammt von einem Kooperationsbetrieb der Kochschule, der Kakao biologisch anbaut. Es ist der beste, den wir bisher in Mexiko getrunken haben!

Nach diesem genussvollen Beginn besichtigen wir den Garten.

Wir lernen, dass Vanille ursprünglich aus der Region um Papantla kommt und es nur dort die Insekten gibt, die die Vanille natürlich bestäuben (laut Wikipedia gibt es sie in Mexiko und auch anderen Orten in Mittelamerika). An allen anderen Orten muss von Hand bestäubt werden!
Hier im Garten gibt es eine, doch geblüht hat sie bisher noch nicht.

Die wichtigsten Gewürze der mexikanischen Küche sind natürlich auch vertreten: Epazote (Mexikanische Drüsengänsefuß), Cilantro (Koriander) und Oregano.

Zudem viele andere Pflanzen, von Zucchini, über Papaya und Tomatillos (gehört zur Familie der Physalis, wird für grünes Salsa verwendet) bis hin zu Hibiskus.

Chaya ist für uns eine neue Pflanze, sie ist eine traditionelle Heilpflanze der Mayas und wird mit Eiern oder als Tee serviert. Helfen soll sie unter anderem gegen Nierensteine.

Der Gärtner arbeitet nach traditionellen Verfahren und richtet sich beim Aussähen und Umpflanzen nach dem Mond.

Dieses Vorgehen haben sie auch selbst mit der normalen Vorgehensweise verglichen, und die Ergebnisse des Pflanzens nach Mondzyklus waren wesentlich besser.

Die einzigen hier angebauten Pflanzen, die nicht gegessen werden, sind jene gegen Moskitos und Marigold (Ringelblume).

Marigold ist eine der wichtigsten Pflanzen in Mexiko, denn ihre Blütenblätter geleiten am „Dia de los Muertos“ die Verstorbenen ins Reich der Lebenden. Dort erwartet man sie mit lieben Gaben. Jeder bekommt das, was er zu Lebzeiten mochte. Selbst wenn jemand unter Alkoholeinfluss gestorben ist, bekommt er das geliebte Gesöff am Tag der Toten hingestellt.

Nach dem Gartenspaziergang machen wir uns an die Arbeit.

Während sechs Teilnehmer den Anweisungen der Lehrerin folgen, verbringt Dario die meiste Zeit damit, unsere Arbeitsschritte unauffällig zu überwachen und mit der „Meisterin“ zu diskutieren. Die beiden verstehen sich blendend und verlieren sich irgendwann in Ausschweifungen über Küchenatmosphäre und Messer.

Besonders interessant ist die Vorbereitung der Tamales. Das Wort „Tamales“ leitet sich aus einer der alten Sprachen ab, in welcher es so viel wie ‚Umschlag‘ bedeutet. Sehr passend, denn ein Maisblatt fungiert tatsächlich als Umschlag für das Gericht.

Wir streichen den Teig auf das Maisblatt, geben die Füllung darauf und falten den ‚Umschlag‘ zu. Damit er sich während des Kochens nicht öffnet, verschnüren wir ihn anschließend.

Als Snack zwischendurch gibt es Tortillas mit verschiedenen Saucen, sowie Mango, Sellerie und ein dem Rettich ähnliches Gemüse mit Chilipulver bestreut.

Das Dessert will auch rechtzeitig gemacht werden. Es ist ein simpler Reispudding.

Für die Tortillas wird ein Fleischsalat bereit gemacht, und als soweit alles fertig ist, kommt der besonders traditionelle Teil des Kurses: Die nette Maya-Frau zeigt uns, wie Tortillas von Hand gefertigt werden!

Es sieht so leicht aus, dass ich mich optimistisch sofort melde, um es selbst zu versuchen. Teige liegen mir im Allgemeinen recht gut.
Doch der Versuch einen auch nur annähernd so flachen und vor allem runden Fladen herzustellen, wie die rundliche kleine Dame es vormacht, scheitert kläglich.

Ich schüttle nur den Kopf über mich und vergesse sogleich noch, den Tortilla auf der heißen Platte zu wenden. Aber die Dame vergisst es natürlich nicht und rettet meinen Tortilla, während sie schon Dario unterweist.

Nachdem jeder, der möchte, sich an der traditionellen Herstellung der Tortillas versucht hat, setzen wir uns an den schön gedeckten Tisch.

Jetzt heißt es nur noch: Genießen!

Wir schwelgen in den Leckereien und bekommen gar nicht genug. Vor allem die Tortillas mit Fleischsalat sind eine Wonne. Immer und immer wieder nehmen sich alle nach, bis die Schalen leer und die Bäuche voll sind.

Sehr zufrieden verabschieden wir uns und fahren mit dem von zwei anderen Teilnehmern organisierten Taxi zu einem großen Ressort, das praktischerweise genau gegenüber vom Zirkus liegt.

Der Fahrer lässt uns einfach an der Einfahrt des Zirkus raus.

Da uns in Playa del Carmen nichts lockt, sehen wir keinen Grund, dorthin zurück zu kehren.
Stattdessen machen wir es uns in einem der Lokale gemütlich, die dem Zirkushaus vorgelagert sind.

 

Cirque du Soleil – Show & Dinner

Es ist ein fantasievolles Gebäude, das mich mit seiner „Krone“ ein wenig an das Tempodrom in Berlin erinnert. Zwar wirkt es aus der Ferne nicht ganz so elegant, doch ich finde es wesentlich romantischer. Während das Material des Tempodroms Beton ist, ist dieses träumerische Gebäude mit Palmblättern gedeckt. Die darunterliegende Stahlkonstruktion fällt nur bedingt auf.

Von der Kasse aus, an der wir unsere Tickets abholen, sieht man das Gebäude zwar schon, doch der Weg dorthin führt um eine künstliche Cenote herum, in deren Mitte eine Insel mit einem kleinen Baumhain liegt. Entlang des Stegs gibt es zwei Restaurants und einen Souvenirshop.

Wir machen es uns auf einer der Terrassen gemütlich und warten auf den Abend.

Vor der ersten Vorstellung gesellt sich ein nettes älteres Paar aus England zu uns. Wir unterhalten uns ganz locker mit Ihnen und erfreuen uns wie so oft daran, wie leicht uns das Unterhalten auf Englisch fällt.

Sie erzählen uns, dass sie schon die ganze letzte Woche in die Vorstellung wollten, es aber einfach keine freien Plätze gab. Wir schauen uns an. Da haben wir wohl ganz schön Glück gehabt.

Als ihre Vorstellung beginnt, sind wir froh, dass wir die zweite gebucht haben, denn wir sind immer noch pappsatt. Stattdessen begeben wir uns auf die kleine freie Fläche zwischen den Restaurants und tanzen. Der DJ geht sofort darauf ein und legt passende Musik für unseren Diskofox auf.

Auch die Wartenden freuen sich und schenken uns ihre Anerkennung. Wir sind so schön frei! Es kümmert uns nicht im Geringsten, ob wir alles richtig machen, denn es macht einfach Spaß. Ein- oder zweimal bekommen wir sogar Gesellschaft auf der Tanzfläche.

Als die erste Vorführung zu Ende ist, winkt uns das englische Paar nochmal strahlend zu und bestätigt, was wir ja schon gehört haben: Die Show sei fantastisch.

Knapp eine Stunde später können wir endlich rein. Über den geschwungenen Steg spazieren wir zum Zirkushaus empor. Von der höher gelegenen Terrasse des Eingangsbereichs rauscht ein Wasserfall in die künstliche Cenote.

An der Ticketkontrolle nimmt uns ein Servicemitglied in Empfang und führt uns durch den verglasten Eingangsbereich hinein ins Traumland.
Und das ist es tatsächlich. Das ganze Innere des Gebäudes ist ein einziges, riesiges Bühnenbild. Da hängen grüne Ranken von der Decke und gigantische Bücherregale zieren die Wände. Fantasievolle Kronleuchter, die wie Wesen aus der Tiefsee wirken, ergänzen das mystische Bild.

Ein großer, geschwungener Vorhang verdeckt noch den größten Teil der Bühne.

Der Kellner führt uns die Treppen hinab bis an den Rand der Bühne. Wir haben einen der Tische ganz vorne in der Mitte. Näher geht es nicht.
Wir grinsen uns an und sind richtig aufgeregt

Alsbald wird der erste Gang serviert: Die Menükarte!
Guten Appetit.

Und dann folgt die tatsächliche Vorspeise (ich hoffe, die Übersetzung stimmt ungefähr): Marinierte Wassermelone, Ziegenkäse, geröstete Chiasamen, Iberico-Schinken serviert mit Chaya-Blattsalat, essbaren Blumen und beträufelt mit Vinaigrette. Tatar vom kalt geräucherten Fang des Tages, mit MayaLimettenkugel und Avocado-Püree. Weicher Jicama-Taco (Jicama ist eine Kletterpflanze, deren Knollen man isst) mit Dzik-Krabbensalat und Koriander-Rettich-Salat mit knusprigen blauen Maischips.

In der Mitte des Tellers steht ein Töpfchen mit Rosmarin, in welches der Kellner theatralisch etwas Flüssigstickstoff gießt. Der wabernde weiße Nebel ergießt sich über den Teller.

Es schmeckt fantastisch!

Dazu gibt es vier verschiedene Arten von Brot, von denen zwei baumartige Formen haben, und natürlich den Sekt. Eine ganze Flasche ist im Preis enthalten.

Während wir schmausen, beginnt der große Vorhang sich langsam zu öffnen und offenbart die Bühnenwelt. Solch ein Bühnenbild haben wir wahrhaftig noch nie gesehen! Ein riesiges Portal umgeben von Büchern, Wendeltreppen, die zu kleineren Bühnenbereichen auf drei Ebenen führen, gigantischen Buchrücken, die ebenso hoch wie die Wendeltreppen reichen, und eine Flut von Details wohin das Auge auch blickt.

Während wir noch staunen, kommt ein Amuse-Gueule aus der Küche: Für jeden ein Löffel mit irgendetwas Cremigem, sowie getrockneten Himbeeren und Erdbeeren.
Der Kellner erklärt uns, dies sei der „Drachenatem“ und man solle alles auf einmal essen, um den gewünschten Effekt zu erhalten.

Auf drei schieben wir uns also beide den Löffel in den Mund. Es schmeckt fein, doch was ist nun das Besondere? Als ich jedoch den Mund öffne, um Dario zu fragen, was er davon hält, wallt weißer Nebel heraus! Das ist also der Drachenatem. Wir lachen uns qualmend an.

Dann öffnet sich ein rundes Loch in der Mitte der Bühne und eine munter spielende Band, bestehend aus drei älteren Herren, wird heraufgefahren.

Wir haben je einen der beiden Hauptgänge bestellt.
Darios wird unter einer metallenen Essensglocke serviert, in deren Oberfläche ein Schlüsselloch geschnitten ist, aus welchem es geheimnisvoll rot leuchtet.
Ich hingegen bekomme einfach einen großen Steinbrocken serviert.

Unter Darios Glocke befindet sich geschmorte Querrippe mit geröstetem Knochenmark, ein Joya-Mais-Crisp, frischer Kräutersalat mit lokaler Limette, geräucherter Kürbis, Maya-Asche und Chilisoße.

Mein Fels enthüllt Lachsfilet mit Pomeranzen-Annatto-Samen-Sauce, Koriander-Püree, Ananas-Jicama-Avocado-Salat und zudem Süßkartoffel und Mais.

Zu der Band auf der Bühne gesellen sich abwechselnd verschiedene andere Künstler. Mal ein wilder Geiger, dann wiederum eine Opernsängerin.

Die Nachspeise wird in großen Büchern serviert. Es gibt einen kleinen Schokoladenkuchen, einen tropischen Brotpudding, eine Hibiskusblütenmehl-Crème brûlée und ein yukatanisches Limetten-Crème-Törtchen.

Wir essen so gemütlich, dass wir noch gar nicht fertig sind, als die Band nach gut einer Stunde wieder im Boden verschwindet und die eigentliche Show beginnt.

Doch wir werden nicht gedrängt und schmausen einfach weiter, während das Spektakel beginnt.

Bei der Geschichte sind wir uns nicht ganz einig. Klar ist nur: Ein alter Herr besitzt ein sehr wichtiges Buch, das gestohlen wird. Ein junges Mädchen, vermutlich seine Enkelin, macht sich auf den Weg um es zurück zu holen. Doch soll der alte Mann Gott darstellen und handelt es sich um das Buch der Schöpfung? Oder geht es eigentlich nur um Träume? Darum, wie viel Spannung und Abenteuer ein Kind mit Fantasie in der Bibliothek seines Großvaters finden kann?

Während die Künstler unseren Erwartungen nur gerade so gerecht werden, lässt die Inszenierung nichts zu wünschen übrig. Die ganze Show ist eine fantastische bunte Welt. Jeder Akt ist Teil der Geschichte.

Um nur einige zu nennen: Da sind die Ikarier (ein Artist liegt auf dem Rücken und jongliert den anderen auf seinen Füßen), die als Fallschirmspringer von der Decke herabgelassen werden und sich während ihrer Nummer die ganze Zeit um das gestohlene Buch prügeln. Dann die Piraten, deren Schiff sich aus einem der großen Buchrücken entfaltet. Und schließlich springt unsere Heldin durch das Loch im Boden und taucht ein in die Unterwasserwelt. Sie schwebt schwerelos zusammen mit Meeresgestalten von der Decke herab, als sänke sie im Meer nach unten, während die Bühne wieder von dem transluzenten Vorhang verhüllt wird, hinter dem dann plötzlich, durch Licht sichtbar gemacht, ein riesiges Meeresungetüm auf Jagd geht. Und gegen Ende der Engel am Vertikalseil, der das Buch sicher in die Arme des Mädchens übergibt.

Doch schließlich geht der Traum zu Ende und wir verlassen wie Traumwandler das Zirkushaus.


Cavelands

23.03.2018

Wir folgen Gastons Empfehlung und nehmen ein Colectivo zurück Richtung Tulum. In einem kleinen Dörfchen steigen wir aus und laufen zu „Cavelands“.

Das Stück Land mit mehreren kleinen Höhlen und einer winzigen Cenote gehört einem Freund von Gaston. Der ältere Herr ist ebenfalls Holländer und hat hier vor zwanzig Jahren begonnen, sich ein idyllisches Leben aufzubauen. Einige kleine Hüttchen, mehrere Wohnwagen, ein Tipi, ein paar fest stehende Zelte und Platz zum Campen ermöglichen die Aufnahme recht vieler Gäste.

Allerdings zu nicht ganz günstigen Preisen, weshalb wir uns für eines der Zelte entscheiden.

Das einzige echte Manko sind allerdings die Heerscharen von Moskitos, die am Abend über uns herfallen und uns zu einem Rückzug ins Zelt zwingen.

 

Schnorcheln in einer Höhle
24.03.2018

Wir haben Lust uns zu bewegen und so laufen wir die zehn Kilometer zu den Cenotes Sac Actún.

Als wir ankommen, geht gerade eine Tour los, doch wir wollen erst noch kurz Pause machen. Also setzen wir uns erst mal in den Schatten.

Als eine Gruppe mit Mädels ankommt, beginnen wir alle gemeinsam die Tour, müssen jedoch feststellen, dass wir einfach nur der bereits begonnenen Tour zugeteilt werden und nach der Hälfte einsteigen. Doch der Guide beruhigt uns sofort, indem er uns mitteilt, dass wir den ersten Teil am Ende auch noch alleine machen können.

Mit der Gruppe schnorcheln wir also durchs kalte Wasser, kurz darauf ist die Höhlendecke nur noch kaum einen Meter von unseren Köpfen entfernt und wir müssen aufpassen, damit wir uns nicht den Kopf an den Stalaktiten stoßen.

Dank der Taucherbrillen können wir sehr gut sehen, dass es am Rand der Höhle unter Wasser weitergeht. Das Unterwasserhöhlensystem, zu dem die Cenotes Sac Actún gehören, ist mit 352,9 km Länge und 226 Cenoten das größte bekannte der Welt.

Wir staunen viel, beginnen jedoch auch zu frieren, weshalb wir ganz froh sind, als der geführte Teil zu Ende ist. Nach einem kurzen Sonnenbad machen wir uns zu zweit an die Erkundung der anderen Höhle und genießen die Ruhe. Endlich keine kreischenden Mädels mehr.

Durch Löcher in der Höhlendecke fallen vereinzelte Sonnenstrahlen herab und sorgen für ein geradezu magisches Licht.

Als wir schließlich bibbernd und glücklich an die Erdoberfläche zurückkehren und uns auf den Weg machen, ist es schon recht spät. Doch unterwegs gabelt uns ein Local auf und wir dürfen auf der Ladefläche des Pickup Trucks bis zur großen Straße mitfahren.
Dort dauert es nur ein paar Sekunden, bis wir in einem Colectivo sitzen.

 

Ein letztes Bad
25.03.2018

Zum Abschluss gehen wir in eine kleinere, aber ausgesprochen hübsche Cenote zum Schwimmen. Sie liegt gleich gegenüber von Cavelands, nur wenige Gehminuten von der Straße entfernt.

Sie ist richtig eingewachsen. Wären da nicht all die Menschen, würden wir uns glatt vorkommen wie im tiefsten Dschungel.

Anschließend heißt es leider: Abfahrt nach Cancun!
Dort haben wir ein nettes AirBnB für unsere letzte Nacht in Mexiko gebucht.

 

Auf nach Peru!
26.03.2018

Unser Flug geht erst Abends, doch da unser netter Gastgeber für heute keine Buchung hat, dürfen wir bis zur Abfahrt da bleiben. Ein Bekannter von ihm bringt uns zum Flughafen.

Auf der Fahrt finden wir heraus, dass er eigentlich für UBER fährt, aber das seit fast einem Monat hier vorläufig verboten wurde. Denn auch hier gibt es Schwierigkeiten mit den offiziellen Taxis.
Wieder einmal bekommen wir unschöne Geschichten zu hören.
Unser Fahrer wurde mal von mehreren Taxis angehalten und sein Fahrgast genötigt, in eines der Taxis umzusteigen.

Noch schlimmer, wenn auch mit schwarzem Humor betrachtet geradezu witzig, ist die Geschichte von zwei Fahrern, die mitten auf der Straße aufeinander losgehen wollten. Ein Taxifahrer und ein UBER-Fahrer.
Doch als sie aus ihren Wagen gestiegen waren und aufeinander zuliefen, kam gerade ein großer Lastwagen.
Tja, und das war es dann für die beiden …

Wir wünschen dem sympathischen jungen Mann alles Gute und geben ihm ein nettes Trinkgeld.

Unseren Flug bekommen wir sehr entspannt. In Mexiko Stadt müssen wir während der Nacht umsteigen. Ausnahmsweise haben wir für die Stunden zwischen den Flügen sogar ein Zimmer gebucht.
So gestaltet sich die ganze Reise recht angenehm.

Peru, wir kommen!

Belize

Belize
09.03.2018

Morgens um fünf oder sechs Uhr erreichen wir die Grenze zu Belize.

An der mexikanischen Grenzstation müssen wir unsere Flugquittungen vorlegen um zu beweisen, dass wir die Touristensteuer bezahlt haben. Zudem müssen wir unsere Touristenkarten abgeben, die wir bei der Einreise erhalten haben.

Das alles klappt reibungslos. Allerdings hat uns unser Glück sehr geholfen. In Valladolid war nämlich ein Pärchen in unserer Unterkunft, die diese Ausreise schon hinter sich hatten. Und die haben uns die Sache mit dem Nachweis der Touristensteuer erklärt. Die Quittungen hätten wir sonst nie parat gehabt.

Als nächstes halten wir an der Grenzstation von Belize und immigrieren. Auch das kein Problem.

Danach können wir noch ein paar Stunden schlafen, bis wir gegen acht Uhr in Belize City ankommen.

Wir sind sehr überrascht, als wir in Belize City aussteigen.
Irgendwie hatten wir uns die Stadt etwas städtischer vorgestellt. Doch was wir sehen erinnert mehr an ein Dorf. Niedrige Hütten. Ein kleiner Markt neben dem Busbahnhof. Der Busbahnhof selbst ist auch winzig und ist gerade mal ein besserer Schuppen mit ein paar Verkaufsständen. Nicht mal einen Geldautomaten gibt es.

Doch zum Glück befindet sich nicht weit entfernt eine Bank und so schaffen wir es zu einigen Belize-Dollar zu kommen. Dieser ist übrigens im Verhältnis 2 zu 1 an den US-Dollar gebunden. 1 US-Dollar ist immer 2 Belize-Dollar wert. Deshalb werden viele Preise für Touristen in US-Dollar angegeben. Ganz schön verwirrend.

Wir fühlen uns, als seien wir auf einem völlig anderen Kontinent gelandet. Kein Spanisch mehr, sondern hauptsächlich Englisch wird um uns herum gesprochen und die Bevölkerung ist größtenteils afrikanischer Abstammung. Das liegt daran, dass Belize eine Kolonie von England war und die Engländer Arbeitskräfte von ihren anderen Kolonien hierher brachten.

Besonders deutlich wird der Zusammenhang mit England, als wir die ersten lokalen Busse sehen. Es sind durchweg alte englische Schulbusse. Und dann entdecken wir auch noch die Queen auf den Geldscheinen.

Als ich die Busstation einmal kurz alleine verlasse (einer muss ja immer bei den Rucksäcken bleiben) werde ich ununterbrochen von Männern aller Altersklassen angequatscht. Das ist ja fünf Minuten lang mal ganz nett, aber ich bin einmal mehr dankbar, dass ich nicht alleine unterwegs bin und meistens meinen Mann zur Seite habe. Da bleibt einem schon viel erspart…

Mit einem der netten, alten Schulbusse fahren wir weiter. Schon an der zweiten Station wird es ganz schön voll und ein rundlicher Mann fragt uns, ob er sich zu uns setzen kann. Obwohl die Sitzbänke gerade so für zwei dünne Menschen reichen. Erst verstehen wir also nicht ganz, was er meint, doch dann sehen wir, wie die ersten Stehenden wieder aus dem Bus geschickt werden und auch andere Sitze zu dritt belegt werden. Ich setze mich auf Darios Schoß und der Mann quetscht sich dankbar zu uns.

Nach und nach gewöhnen wir uns auch an die hiesige Aussprache und beginnen eine Unterhaltung. Er erklärt uns, dass das ein neues Gesetz ist. Wenn der Bus die Station verlässt, darf niemand stehen. Danach ist es egal. Er will auch tatsächlich wieder aufstehen, doch wir versichern ihm, dass es kein Problem ist, wenn er sitzen bleibt. Ich hab´s ja bequem auf Darios Schoß.

So erfahren wir einiges über das Land und die touristischen Orte. Etliche davon sollen so voll sein, dass sie gleich auf unserer Liste „Einen weiten Bogen drum herum machen“ landen.

Zwei Reihen vor uns fiept ein Hühnerküken. Nicht umsonst werden die Busse hier auch gerne als „Chicken Buses“ bezeichnet. Aber auch große Säcke, Kisten, Benzinkanister und vieles mehr wird transportiert.

Unsere Unterkunft in Hopkins ist einige der wenigen ohne Meerblick und damit die einzige günstige, die wir überhaupt gefunden haben. Wir bereuen unsere Wahl jedoch nicht, denn die Besitzer sind total nett und wir haben eine Terrasse ganz für uns alleine.

Wir bringen unsere Wäsche weg und gehen essen. Das Ergebnis ist der Beschluss ab jetzt selbst zu kochen. Im Vergleich zu Mexiko ist es nämlich ziemlich teuer und nicht besonders gut.

 

Bi̱olumineszenz – Schwimmen im Sternenhimmel
10.03.2018

Den Tag verbringen wir gemütlich. Wir gehen einkaufen und sitzen auf der Terrasse.

Abends laufen wir zu der Stelle, an der unsere Tour startet. Es sind fast fünf Kilometer, aber wir haben ja Zeit und das ist allemal besser als auch noch den Transport zu bezahlen.

Auf diesem kleinen Nachtspaziergang kommen wir aus dem Wundern gar nicht mehr heraus. Hinter dem Ort, der hauptsächlich aus kleinen Hütten und Touristenunterkünften besteht, erstreckt so etwas wie ein zweiter Ort, der nur aus Villen und Ressorts am Meer besteht.

Am Anleger lernen wir unseren Guide kennen und kurz darauf treffen auch die anderen Touristen ein. Drei Kanadier, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstehen und zwei weitere Frauen.

Die Tour beginnt mit Tierbeobachtung und wir sind wirklich baff, was unser Guide so alles in der Dunkelheit entdeckt. Wir sehen verschiedene Vögel, Leguane die in den Bäumen schlafen und sogar Babykrokodile, die kaum mehr als 20cm messen.

Doch richtig aufgeregt werden wir, als das Boot durch einen engen Kanal zwischen Mangroven Richtung Lagune gleitet.

„Please turn off the ligths“, sagt unser Guide.

Es wird dunkel um uns herum, als einer nach dem anderen seine Taschenlampe ausknipst. Doch als das Boot das Wasser der Lagune aufwirbelt, bildet sich ein leuchtender Schweif. „Oooooooh“, raunen wir andächtig.

Neben uns hüpft ein Fisch aus dem Wasser und hinterlässt schimmernde Kreise.

Das Boot wird langsamer und dann kommt die Frage, auf die wir nur gewartet haben: „Anybody wants to go for a swim?“

„Yes!“, rufe ich sofort und bin im Wasser, ehe noch jemand anderes überhaupt angefangen hat sich auszuziehen. Dario hat gut recherchiert und so haben wir unsere Badesachen schon im Hostel angezogen.

Es ist magisch.

Jede Bewegung im Wasser erzeugt ein unglaubliches Leuchten. Taucht man nur sanft die Hand hinein, sieht es aus, als würden Sterne darauf tanzen.

Über uns funkeln die Sterne und um mich herum erschaffe ich meine eigene Milchstraße in den dunklen Fluten.

Das Wasser ist teils richtig warm, teils spüre ich kalte Strömungen. Tief ist es nicht. Nur etwas über einen Meter.

Dario kommt zu mir, von den anderen folgt uns nur eine Frau. Wir können uns gar nicht satt sehen. Ein leichtes Unbehagen spüre ich bei Dario allerdings schon. Er mag es nicht, wenn er nicht sehen kann was im Wasser um ihn passiert. Und hier gibt es ja tatsächlich Krokodile.

Doch die Magie des Ortes ist stärker als das Unbehagen. Immer und immer wieder streichen wir mit den Fingern sanft durch Wasser und erzeugen Sterne oder planschen so stark es geht, um ganze Lichtwolken hervorzurufen.

Erst als wir wieder an Bord sind, erklärt uns der Guide, dass das Leuchten eine Selbstverteidigung des Planktons ist. Es beleuchtet seine Feinde, damit sie von größeren Lebewesen gefressen werden.

Das Gute ist aber, dass man natürlich auch sehen würde, wenn zum Beispiel ein Krokodil angeschwommen kommt. Selbst am Grund ist das Leuchten deutlich zu sehen.

Erst nach und nach wird uns klar, was für ein Glück wir mit dem heutigen Tag haben. Das Wasser hat angeblich gerade eine gute Mischung aus Süß- und Salzwasser, weshalb das Leuchten besonders stark ist. Und es ist Neumond, wodurch wir einen fantastischen Sternenhimmel haben, es aber trotzdem schön dunkel ist, was das Leuchten im Wasser besonders hervorhebt.

Nur ist unsere Zeit auf der Lagune leider viel zu kurz. Ich könnte ewig im Wasser bleiben.
Selbst als das Boot schon wieder auf dem Rückweg ist, hängen Dario und ich noch immer über der Reling, die Arme in leuchtende Fluten getaucht.

 

Mal wieder sehr gemütlich
11.03.2018

Da wir erst ab morgen auf der Insel reserviert haben und weder in Hopkins noch in Dangriga eine günstigere Unterkunft finden, bleiben wir einfach eine Nacht länger.

So verbringen wir einen überaus gemütlichen Tag auf der Terrasse. Ab und zu tanzen wir ein wenig, was vor allem die kleinen Kinder begeistert. Wir wissen gar nicht, wessen Kinder das eigentlich sind, aber sie sind immer in der Nähe des Hauses. Wenn wir tanzen, setzen sie sich in den Sand und schauen zu.

Die Frau, die wohl die Mutter unseres jungen Gastgebers ist, bringt uns sogar einige frisch gebackene Brötchen.

 

Reif für die Insel
12.03.2018 – 21.03.2018

Die Taxifahrer in Belize scheinen zu wissen, wie man Geld macht. Als wir auf den Bus warten hält einer an und erzählt uns, der Bus würde heute nicht fahren, weil Feiertag ist.

Leider stimmt Letzteres und da wir natürlich kein Risiko eingehen wollen, lassen wir uns tatsächlich zur Bushaltestelle an der großen Straße bringen. Von dort nehmen wir einen Bus nach Dangriga, wo ich dann herausfinde, dass der Bus von Hopkins aus sehr wohl auch gefahren wäre.

Glück für den Taxifahrer, ca. 15 Euro weniger für uns.

Auch an der Anlegestelle werden wir mit aufdringlichen Fahrern konfrontiert.
Wir wollen einfach nur auf den Kapitän warten, den unser Gastgeber Jerome für uns reserviert hat. Aber das sehen die anderen hier nicht ein. Die meisten Leute, die nach Tobacco Caye wollen, haben es vermutlich eiliger als wir und bezahlen gerne mehr, um ein paar Stündchen früher dort zu sein. Aber wir haben alle Zeit der Welt.

Als wir weiterhin die Angebote ablehnen, rufen sie sogar Jerome an, damit er uns sagt, dass wir jedes Boot nehmen können. Er sagt so sei es, aber das Boot, das er uns genannt hat sei eben größer und günstiger. Schon allein aus Sturheit warten wir. Wir wollen uns nicht nötigen lassen!

Allerdings bekommen wir solche Dinge zu hören wie „I´ll beat you up“ und „You have 10 minutes to leave“. Ein wenig gruselig finde ich das schon. Andererseits reden hier viele Leute so miteinander. Es fühlt sich ein wenig wie in einem riesigen Ghetto an.

Wir tun so, als würden wir die meisten Bemerkungen gar nicht hören und spielen Karten.
Da viele Leute und immer wieder sogar Touristen in der Nähe sind machen wir uns auch nicht wirklich sorgen, uns könne etwas passieren.

Als Dario noch schnell losgeht, um zu schauen ob wir hier Lampenöl kaufen können, mache ich mir aber doch sorgen, jemand könne ihm folgen. Tja, jetzt sind wir schon so lange unterwegs und ich bin immer noch jedes Mal total nervös, wenn mal einer von uns alleine loszieht. Dabei ist es mitten am Tag und Dario geht bloß um die Ecke. Überall sind Menschen. Und kurz darauf ist er schon wieder da. Sogar tatsächlich mit Lampenöl!

Während wir warten lernen wir einige Inselbewohner kennen, die auch alle auf das große Boot warten, statt mit einem der kleineren zu fahren.
Eine Französin leitet schon seit ein paar Jahren die Marinestation auf Tobacco Caye, eine andere Frau wohnt auf der Insel und unterrichtet am Festland Kinder. Und die einzige von den drei Damen, die tatsächlich aus Belize kommt, wohnt auf dem Festland und leitet auf der Insel Schnorcheltouren.

Sie sind alle sehr nett und jetzt fühlen wir uns schon viel wohler.

Kurz bevor unser Boot ablegt kommt ein Bus mit amerikanischen Studenten (Fachrichtung Meeresbiologie?) an, die von der Französin und der Tourenleiterin unter ihre Fittiche genommen werden. Solche Gruppen haben sie immer wieder da. Die absolvieren auf der Insel einen praktischen Teil ihres Studiums.

Und dann geht es endlich los!
Das Boot fliegt über die Wellen und bringt uns ins heiß ersehnte Paradies.

Tobacco Caye ist eine ziemlich kleine Insel. Sogar kleiner als Gili Nanggu, wo das Pirates Retreat in Indonesien stattfand. Allerdings gibt es diesmal nicht nur ein Ressort sonder vier oder fünf. Trotzdem mögen wir die Insel sofort, denn im Gegensatz zu Gili Nanggu ist sie sehr sauber.

„Gill‘s Cove“ heißt unsere Unterkunft und mit der Wegbeschreibung des Kapitäns finden wir das gelbe Haus sofort. Unser Zimmer ist sehr schlicht und vor dem Fenster gibt es kein Moskitonetz. Wir hängen sofort unseres übers Bett. Aber wir haben uns ja bewusst für die preiswerteste Unterkunft der Insel entschieden. Neben dem Preis soll sie nämlich noch andere Vorzüge haben…

Das erweist sich über die Zeit als wahr.

Jerome ist unglaublich nett und führt uns gleich ein wenig herum. Vom Steg aus, der kurz hinter dem Haus beginnt, zeigt er uns die Fischer, die gerade Conchs (auf Deutsch übrigens Große Fechterschnecke) ausnehmen. Das sind diese großen, wunderschönen Muscheln die man sogar als Blashorn verwenden kann. Hier türmen sie sich. Überall. Im Wasser, am Inselrand und überall als Dekorationen auf der Insel.

Die ungenießbaren Teile des Muschelfleischs werden ins Wasser geworfen und große Stachelrochen kommen herbei um sie zu verputzen.

Neben dem Steg ragen die Überreste einer hölzernen Konstruktion aus dem Wasser. Vier Stämme und ein Dach. Darauf befindet sich das Nest eines Osprey (Fischadler) Pärchens. Das Küken ist schon groß genug, dass man es vom Steg aus gut sehen kann.

„Die nisten jedes Jahr hier“, erklärt Jerome uns.

Nicht nur vom Steg, sondern auch von den Hängematten aus, die zu unserem Häuschen gehören, kann man die wundervollen Vögel perfekt beobachten.

Wir schnappen uns unsere Schnorchel und springen kurz zur Abkühlung ins Meer. Dann gibt es auch schon Mittagessen. Conch-Soup! Sie schmeckt hervorragend.

Damit haben sich schon mal zwei Dinge als wahr herausgestellt: Jerome ist super nett und er kocht fantastisch!

Jetzt sind wir uns sicher, dass wir hier eine gute Woche haben werden.

Etwas später gesellt sich noch zwei liebe Seelen zu uns. Rocky und Sara, die ursprünglich aus Kap Verde kommen, aber schon lange in den USA leben. Sie haben sich bei dem Bekannten eines Bekannten auf der Insel eingemietet und wohnen somit als einzige in einer Unterkunft ohne Verpflegung. Sie beschließen bei uns zu essen und wir freuen uns über die Gesellschaft, denn wir verstehen uns auf Anhieb alle super.


(Photo by Sara)

Nach einer gemütlichen Verdauungspause verbringen wir den Nachmittag schnorchelnd und holen uns trotz Sonnencreme einen heftigen Sonnenbrand.
Selbst Sara bleibt trotz ihrer dunklen Haut nicht verschont. Die vielen Stunden im Wasser bescheren auch ihr einen schmerzhaften Sonnenbrand. Hier muss man echt aufpassen…

Von Jerome bekommen wir ein Schüsselchen mit Conch-Resten, die wir kurz vor Sonnenuntergang am Steg ins Wasser leeren. Auf dem Bauch liegend können wir dann wunderbar die Tiere beobachten, die sich daran gütlich tun.

Neben den großen Stachelrochen kommen auch ein paar Eagle Rays (Adlerrochen) und zwei riesige Kugelfische.
Die Eagle Rays gehören zu den faszinierendsten, schönsten und vor allem anmutigsten Wesen, die ich wohl je gesehen habe. Sie gleiten majestätisch wie die Adler der Lüfte durchs Wasser und sehen dabei mit ihrem gepunkteten Muster absolut zauberhaft aus.

Wir können uns gar nicht sattsehen.

Zum Abendessen gibt es frischen Fisch, gegrillt und mit Gemüse serviert. Yummy!
So fühlt sich echtes Inselleben an!

Wir schlafen fantastisch und setzen dieses wunderbar gemütliche Leben im Paradies fort.

Die freie Fläche neben dem Haus, um die sich der Esstisch und die Palmen mit den Hängematten guppieren, eignet sich fantastisch zum Poispielen, Jonglieren und Tanzen.

Wir gehen mit Rocky und Sara schnorcheln und sehen zum ersten Mal, wie man Fische mit der Harpune jagt und Oktopusse mit einem Haken aus ihrer Höhle zieht.


(Photo by Sara)

Erst danach erfahren wir, dass hier im Naturschutzgebiet eigentlich nur die Einheimischen fischen dürfen. Allerdings scheint das ausschließlich die Parkwächter zu interessieren, die hin und wieder auf der Insel vorbeischauen. Und wenn man es genau nimmt, ist es für die Tiere ziemlich egal, ob Jerome sie für uns fangen muss, oder ob Rocky seine Freude daran hat.

Von Jerome lernen wir, wie man die Conchs, die großen Muscheln, ausnimmt.
Wer essen kann, muss schließlich auch den Prozess bis zum Essen bestreiten können.
Allerdings habe ich immer noch den Verdacht, dass ich sehr schnell Vegetarier werden würde, wenn ich mich um all mein Essen selbst kümmern müsste…

Die Stachelrochen freuen sich jedenfalls über den Snack.

Um die Kokosnüsse hingegen müssen wir uns nicht selbst kümmern, denn die holt einer der Inseljungs für uns von den Palmen. Es gibt zwei von diesen Jungs hier. Cookie und Leon. Beide sind lieber auf der Insel oder auf dem Wasser als zuhause auf dem Festland.
Sie gehen nur zur Schule, wenn die Fischer sich weigern sie mitzunehmen.

Kurz vor dem Abendessen entzünden wir unsere Feuerpoi und geben zur Begeisterung von Jerome, Rocky und Sara ein wenig unsere Künste zum Besten. Es ist immer wieder wundervoll, die Flammen um sich tanzen zu lassen!

So vergeht die Zeit mit gutem Essen, Schnorcheln, Tanzen und Relaxen.
Während Dario viel Zeit in der Hängematte verbringt, widme ich mich endlich mal wieder ein paar Kunstprojekten. Einen besseren Ort, als einen Tisch mit Blick aufs Meer gibt es dafür kaum.


(Photo by Sara)

Jeden Abend tanzen wir mit dem Feuer.

 

Krimi-Insel

An einem Abend zeigt Jerome uns eine traditionelle Art hier große Fische zu angeln.
Man befestigt einen „kleinen“ (gute 25cm großen) Fisch an einem Haken und wirft ihn vom Ende des Stegs aus ganz weit raus.

Dann geht man Abendessen oder was auch immer.

Und wenn nichts angebissen hat, geht man eben ins Bett und schaut am nächsten Morgen nach.

Am nächsten Morgen ist leider eine Muräne am Haken.
Die werden hier jedoch nicht gegessen und stattdessen zurück ins Meer geworfen.

Wir angeln einen neuen „kleinen“ Fisch und warten wieder.

Ab und zu schauen wir nach, ob was angebissen hat.

Nach ein paar Stunden sehen wir einen der Inselbewohner auf den Steg gehen und mit einem riesigen Fisch zurückkommen.

Da Jerome uns erst letzte Nach von einem „schwarzen Schaf“ der Insel erzählt hat, berichten wir ihm sofort was wir gesehen haben.

Bald darauf ist der Täter gestellt und wir kriegen zumindest die Hälfte unseres Fisches wieder!
Ein Glück, denn sonst wäre das Abendessen womöglich ungewohnt karg ausgefallen.

 

Feuerfisch-Massaker und Abschied

An dem Tag, an dem Rocky und Sara abreisen, findet ein Feuerfisch-Wettbewerb statt.
Die Regierung vergibt Preise in diversen Kategorien wie z.B. den größten Feuerfisch, den kleinsten Feuerfisch und für die meisten Feuerfische.

Diese wunderschönen, ziemlich giftigen Fische vermehren sich hier wie verrückt und werden schnell zum Problem.

Daher findet alljährlich dieser Wettbewerb statt. Die Fischerleute, die heute am Steg anlegen, haben ganze Boxen voll Feuerfische an Bord. Stolz präsentieren sie uns ihre Fänge, allerdings stets sehr behutsam und auf ihre Finger bedacht, um sich nur ja nicht an einem der vielen Stacheln zu piksen.

Auch die Fischer, die Rocky und Sara ans Festland bringen, haben einige an Bord. Bevor die Fahrgäste aufgenommen werden, wird die giftige Ladung sicher verstaut.

Etwas traurig winken wir den beiden hinterher. Selbst nach so vielen Treffen und Abschieden in den letzten anderthalb Jahren fallen Abschiede noch immer nicht ganz leicht.

Auch sie wollen eigentlich gar nicht weg, doch ihr Urlaub ist bald schon wieder vorbei.
Zwei Wochen Urlaub erscheinen uns mittlerweile wie ein Fingerschnippen.
Wie soll das nur werden, wenn wir wieder selbst nur so wenig Zeit für Reisen haben?
Andererseits freuen wir uns mehr und mehr auf Zuhause, je näher der Heimflug rückt.

Und gerade hier auf der Insel merken wir auch, wie wohl es tut einen einigermaßen geregelten Tagesablauf zu haben, der sich durch die von Jerome festgelegten Essenszeiten ergibt.

 

Raus ans Riff!

Am nächsten Tag sitzt plötzlich jemand neues bei uns am Tisch. Ein großer, hagerer Typ der bei weitem nicht mehr der Jüngste ist aber dennoch jung wirkt mit blondem Wuschelhaar, braungebrannt und muskelbepackt.

Ich glaube, einen so braunen weißen Menschen habe ich überhaupt noch nie gesehen.

Er stellt sich als Gaston aus Holland vor, doch Jerome nennt ihn nur „Ironman“. Diesen Spitznamen, bei dem ihn die Inselbewohner rufen, verdankt er seinem Schiff aus Eisenholz.
Seit gut zwanzig Jahren ist er mit dem romantischen Segler, der über 100 Jahre alt ist unterwegs.

Wir verstehen uns gut mit ihm und gehen nachmittags mit ihm zum Harpunieren ans Riff. Endlich kommen wir mal richtig weit raus, denn ohne Boot ist es geradezu unmöglich die besonders schönen Stellen des Riffs zu erreichen. Man muss um die Kannte des Riffs herumschwimmen und dann daran entlang, aber da die Strömung permanent gegen einen arbeitet, kommt man nur sehr langsam voran.

Heute genießen wir also den Luxus die ganze Zeit mit der Strömung zu schwimmen. Wir sehen einen kleinen Hai, einen Feuerfisch den Gaston sogleich zur Strecke bringt und unzählige andere, wunderschöne Fische.

Besonders eine kleine schwarze Fischsorte, mit funkelnden dunkelblauen Punkten zieht mich in ihren Bann. Sie sehen so zauberhaft auf. Wie ein winziger Nachthimmel mit blauen Sternen.

Anschließend fahren wir noch mit Gaston zu seinem Schiff. Seine zwei Hunde, die sich in der Zwischenzeit die Pfoten auf der Insel vertreten haben stehen dabei so sicher auf dem Rand des Schlauchboots als wäre dies die natürlichste Umgebung für einen Hund.

Bei einem Sundowner aus Rum (wir sind schließlich in der Karibik!), Saft und Limetten unterhalten wir uns, während langsam die Sonnen hinter dem Horizont verschwindet.

 

Die meiste Zeit sind wir Jeromes einzige Gäste. Nur einmal kommt noch ein deutsches Paar dazu, reist jedoch gleich am nächsten Tag weiter.

Zum Schnorcheln versuchen wir immer so weit wie möglich raus ans Riff zu kommen. Als beste Möglichkeit stellt sich Hitchhiken heraus.
Der Sohn eines reichen Ressortbesitzers ist zur Zeit auf der Insel und geht seiner Leidenschaft, dem Angeln großer Fische nach. Dazu fährt er nachmittags stets mit seinem flotten Boot hinaus. Da wir zu selben Zeit vorne an der Kante des Riffs sind, halten wir einfach den Daumen raus und er nimmt uns tatsächlich mit. Zum Dank rufen wir ihm zu, wann immer wir einem Schwarm riesiger Fische begegnen.

 

Wir beschließen noch zwei Tage länger auf der Insel zu bleiben.
Am liebsten würden wir unseren Aufenthalt sogar noch weiter ausdehnen, aber wir wollen auch unbedingt noch einen mexikanischen Kochkurs belegen und der hat nur noch an einem einzigen Datum vor unserer Abreise Plätze frei.

Allerdings bekommen wir während dieses verlängerten Insellebens auch noch die Schattenseite der kleinen Inselgesellschaft zu sehen.

Gerade sitzen wir gemütlich mit Jerome in der Küche, als plötzlich der Dieb auf der Veranda auftaucht. Dieser Typ, das schwarze Schaf der Insel, wegen dem wir unseren Barrakuda nicht selbst aus dem Meer ziehen konnten.

Jerome geht ihm sofort entgegen. Der Typ schreit ihn an. Jerome redet mit bestimmten Ton dagegen. Wir verstehen kaum ein Wort, weil sie sich im hiesigen Slang unterhalten.

Dann geht der Kerl plötzlich auf Jerome los und es fliegen die Fäuste. Doch so schnell wie es begonnen hat, hört es auch wieder auf und der Störenfried stürmt davon.

Jerome hat uns schon zuvor erzählt, dass der Kerl auch sein Navigationsgerät gestohlen hat und er noch überlegt, was er machen soll. Nun hat dieser Typ wohl irgendwie Angst bekommen, Jerome würde die Polizei rufen. Da der Kerl sogar wegen Mordes schon mal im Gefängnis saß, will er das um jeden Preis vermeiden. Besonders klug ist seine Vorgehensweise aber nicht, denn die Gewalt, die er gerade an den Tag gelegt hat, macht die Sache erst richtig schlimm.

Wir machen uns Sorgen um Jerome, vor allem als uns klar wird, dass der Typ auf seinen Hals gezielt hat. Die Folge ist eine so starke Heiserkeit, dass er ein paar Stunden später kaum noch mit uns reden kann.

Doch er versichert uns, dass er schon klarkommt.
Und wir glauben es ihm, denn was bleibt uns auch anderes übrig in einem Land, in dem man sich auf das Gesetz nicht verlassen kann?

Am letzten Tag bringt Gaston noch ein paar andere Gäste vorbei und wir freuen uns, dass es etwas voller wird. Voller bedeutet sicherer. Zwei von ihnen sind ein junges Paar aus den USA mit denen wir uns auch gleich prächtig verstehen. Die anderen sind schon älter, kommen aber aus Kanada und sind auch sehr nett.

Es stellt sich heraus, dass das Pärchen auch Poi spielt und gemeinsam veranstalten wir einen unvergesslichen letzten Abend. Wir tanzen mit dem Feuer bis tief in die Nacht und obwohl Jerome extra nochmal Kerosin besorgt hat, geht uns schließlich der Brennstoff aus.

Was für eine wundervolle Zeit!
 

 

An unserem letzten Morgen begleiten uns Jerome und Gaston zum Steg, von wo das große Boot uns wieder ans Festland bringt. Schweren Herzens verabschieden wir uns.
„Bis hoffentlich bald!“

Cancun bis Uxmal

In Cancun
23.02.2018

Wir haben ein sehr schönes AirBnB mit Pool, und obwohl wir früh angekommen sind, bringen wir nicht mehr die Motivation für einen Krankenhausbesuch auf.

Mit dem Argument, dass wir jetzt ja in sicherer Nähe zu Krankenhäusern sind, verpennen wir fast den ganzen restlichen Tag.

 

Ein Besuch im Krankenhaus
24.02.2018

Heute können wir uns nicht mehr drücken. Wir gehen ins Krankenhaus. Als wir davor stehen, mache ich beinahe einen Rückzieher, weil es mir ja eigentlich wieder ganz gut geht.

Aber dann gehen wir doch rein.

Wir müssen ziemlich lange warten, denn ich bin ja kein Notfall. Das sehen wir auch ein, vor allem, als ein junger Mann hereinkommt, der voller Blut ist und anscheinend eine heftige Verletzung am Arm hat. Der Wartesaal wird daraufhin ganz schön eng, denn der hübsche Kerl scheint eine große Familie und viele Freunde zu haben, die ihn am liebsten alle sofort sehen wollen.

Wir warten also, bis sich der Trubel wieder gelegt hat.

Dann nimmt sich der Arzt auch jede Menge Zeit für mich. Allerdings verwirren ihn meine Angaben zusehends. Vor allem, als ich ihm erzähle, wie lange wir schon unterwegs sind und dass ich bisher nie Unverträglichkeiten hatte. Mal abgesehen von ein klein wenig Durchfall.

Er ordnet diverse Labortests an, die wir allerdings erst morgen früh durchführen lassen können.

Also sehen wir zu, dass wir in ein nettes Lokal kommen.
Tacos und flambierter Käse auf Kaktus (Nopales) stehen für uns auf dem Programm.

Langsam habe ich auch eindeutig wieder Appetit.

 

Die Massen stürmen die Strände
25.02.2018

Nachdem wir alle Proben fürs Labor im Krankenhaus gelassen haben (inklusive meines Blutes), lassen wir uns von einem Taxi an den Strand bringen.

Ein Fehler.

Wir haben nicht bedacht, dass Sonntag ist. Und wir sind ja in Cancun. Touristenhochburg Mexikos. Einstimmig befinden wir, dass wir noch nie so einen vollen Strand gesehen haben. Man hat nicht mal Lust baden zu gehen, denn selbst im Meer ist kaum Platz.

Tja, vielleicht gibt es auch ruhigere Strände, aber für uns ist damit klar: Cancun ist nichts für uns! Wie bereits angedacht, werden wir also nur zum Abflug nochmal herkommen.

Nachmittags müssen wir noch einmal ins Krankenhaus, um uns die Ergebnisse anzuhören. Der Arzt erklärt mir, dass die Ergebnisse der Urinprobe für ihn nach irgendeiner Infektion der Blase aussehen. Ein Wert im Blut könnte allerdings auch auf Salmonellen hinweisen. Nicht sehr konkret.

Natürlich will er mir gleich ein Antibiotikum verschreiben.
Ich erkläre ihm meine Einstellung dazu und er schlägt mir vor, es die nächsten Tage erst mal mit viel Vitamin C zu versuchen und dann nochmal einen Test machen zu lassen.

Das finde ich schon besser und so besorgen wir noch eine extra Dosis Vitamin C, bevor wir in den Bus nach Valladolid steigen.

 

Valladolid
26.02.2018

Unser neues AirBnB ist nett und hat vor allem einen gemütlichen Garten mit Küche und Sitzecken. Wir sind auch sehr gemütlich drauf und schaffen es gar nicht, etwas zu unternehmen. Obwohl wir es uns eigentlich vorgenommen hatten.

Wir lernen Alan kennen, einen Franzosen, der mittlerweile in Kanada lebt. Er ist Koch und gerade in Rente gegangen. Jetzt radelt er fünf Monate lang durch Mexiko und steckt voller Geschichten.

 

Chichén Itzá – die bestbesuchte Ruinenstätte Yukatans
27.02.2018

Mit einem Colectivo fahren wir zur Tempelanlage Chichén Itzá, der wohl berühmtesten Anlage hier in Yukatan. Die bestbesuchte ist es auf jeden Fall. Etwas zu voll, für unseren Geschmack.

Also verbringen wir die Mittagszeit im Schatten und wandern erst nachmittags, kurz vor Schließung,  herum.

Abends dinieren wir in einem schönen Restaurant mit einer Terrasse, die auf etwa drei oder vier Meter Höhe um mehrere Bäume herum gebaut ist. 
Das Ambiente ist fantastisch, doch die Speisen sind zu sehr an Touristen angepasst. Mexikanische Gerichte ohne mexikanische Würze.

Wie so oft spielen wir Karten und genießen eben, was es zu genießen gibt. In diesem Fall den Ort.

 

Cenotes – Wasserlöcher ohnegleichen
28.02.2018

Heute fühlen wir uns schon fitter und mieten ein Tandem. Allerdings stellt sich das liebe Fahrrad ganz schön störrisch an. Die Kette quietscht und die hinteren Pedale sind viel zu niedrig, sodass bei jeder Unebenheit eines aufsetzt und einen Ruck durch mein Bein schickt. BÄNG. Autsch …

Wir fahren zur Cenote Oxman, die Alan uns empfohlen hat. Leider ist der letzte Teil der Straße noch nicht befestigt, und so geht es mindestens einen Kilometer lang: Strampel, BÄNG, Strampel, BÄNG, … Absteigen, weil wir selbst winzige Hügelchen von vielleicht 2m Höhenunterschied nicht hochkommen.

Aber am Ende erwartet uns eine wundervolle Oase.

Ein Restaurant mit Pool bildet den touristischen Teil der Anlage. Recht nett angelegt. Dahinter befindet sich das riesige Loch im Boden. Die Cenote.

Mindestens 15m geht es steil nach unten, in der Tiefe schimmert verwunschen dunkles, kristallklares Wasser. Selbst von hier oben können wir die Fische sehen, die darin schwimmen.
Die Tiefe des Wassers beträgt etwa 35m, wie wir von einem Guide erfahren, der zusammen mit seinen Kunden im kühlen Nass planscht. Die Cenoten sind durch unterirdische Flüsse verbunden und werden so ständig mit Frischwasser versorgt.

Die Wurzeln der Bäume am Rand des Loches reichen teilweise bis hinab ins Wasser. Leguane leben in den Wänden, und an einem Bienennest herrscht emsiges Treiben. Es ist wunderschön.

Nach einer kurzen Ruhepause im Restaurant machen wir uns an den Abstieg. Die Treppe liegt in einem Schacht neben der Cenote. Von unten hören wir immer wieder ein lautes PLATSCH!

An einem langen Seil mit Griff kann man sich mutig bis in die Mitte des Wasserbeckens schwingen. Das müssen wir natürlich ausprobieren. Es macht riesig Spaß.
Und das Wasser hat eine wunderbare Temperatur. Kühl, aber nicht eisig, einfach perfekt.

Ich springe zum ersten Mal in meinem Leben eine Distanz von mehreren Metern in die Tiefe, ohne mir dabei die Nase zuzuhalten. Es gibt schon sehr unpraktische Angewohnheiten. Diese zu besiegen hat mich viele Jahre gekostet.

Während ich also glücklich über meine kleinen Fortschritte bin, wird Dario zum Held der Höhle, als er ein gutes Gefühl für den Strick entwickelt und Köpfer und Saltos hinab ins kühle Blau macht.

So fühlt sich Leben an!

Da die Cenote um fünf Uhr schließt, zuckeln wir noch weiter, zur nächsten.

Unterwegs kommen wir an der örtlichen Müllhalde vorbei und erkennen erst danach, dass es eine Abkürzung gab, die uns diesen Teil erspart hätte.

Die nächste Cenote ist wesentlich bekannter als die erste, aber wir sind so spät dran, dass der Parkplatz leer ist. Es ist kurz nach fünf.

Wir bezahlen den Eintritt für beide Cenoten auf diesem Gelände. Die eine ist sehr groß und hat eine hohe Decke. Nur durch ein kleines Loch fällt Licht. Einige Touristen schwimmen herum, vielleicht sechs oder sieben.

Wir gehen weiter zur zweiten, um einen Vergleich zu bekommen.

Auch diese ist eine Höhle, aber sie gefällt uns noch viel besser als die andere, denn es ist die reinste Tropfsteinhöhle. Und niemand ist da. Wir haben sie ganz für uns alleine!

Schnell in die Badesachen gestiegen und ab ins Wasser. Fasziniert schwimmen wir zwischen den Tropfsteinen umher. Ein wenig gruselig ist es aber auch, denn man hat keine Ahnung, wie tief es im Wasser hinab geht.

Um kurz nach sechs Uhr kommt ein Aufpasser herunter und sagt, dass wir schnell rausgehen sollen. Wir verstehen ihn nicht ganz, kriegen aber mit, dass die Anlage schließt und er noch irgendwas über Moskitos sagt. Und „gefährlich“.

Erst als wir schon draußen sind, wird uns klar, worum es dabei ging: Ein Team läuft mit einer Maschine herum, die ein Insektizid in dicken Nebeln versprüht. Pfui!!!

Wir sehen zu, dass wir Land gewinnen.

Zurück im Ort gehts wieder auf Restaurantsuche, doch diesmal landen wir einen Volltreffer und schwelgen.

 

 

Fish Spa in der Cenote
01.03.2018

Wieder mieten wir einen radelbaren Untersatz, diesmal aber zwei getrennte Fahrräder. Wir wählen einfach irgendeine Cenote in MapsMe aus und strampeln los.

Sie ist schön, aber nicht sehr spektakulär und entsprechend untouristisch. Außer uns ist nur eine einheimische Familie da.

Das Tolle: Hier gibt es jede Menge kleine Putzerfische.
Lange lassen wir einfach nur die Beine ins Wasser baumeln und genießen den Fish-Spa. Die kleinen Fischchen merkt man kaum, doch die größeren sind gewöhnungsbedürftig. Es kribbelt ganz schön, wenn sie an der Haut saugen!

 

Weils so schön war…
02.03.2018

Weil es so schön war, radeln wir nochmal zur Cenote Oxman, und diesmal haben wir sogar Schnorchel dabei, um die Fische und die Felsformationen unter Wasser zu bewundern.

Auch den Sprung vom Seil können wir gar nicht oft genug genießen.

Etwas später kommt auch noch eine Familie vorbei, die wir aus der Unterkunft kennen. Sie kommen aus Australien und sind ebenfalls auf Weltreise. Wir haben ihnen diese Cenote empfohlen und sie sind sehr zufrieden.

Am späten Nachmittag nehmen wir einen Bus nach Izamal.

 

Izamal die gelbe Stadt
03.03.2018

Unser Hotel ist ausgesprochen schön und passt zum Rest der Stadt: Es ist gelb gestrichen.

Dieser Anstrich ist sogar der Hauptgrund für unseren Besuch hier, denn die „Gelbe Stadt“ hörte sich wirklich interessant an.

Tatsächlich stellt sich heraus, dass sie sogar noch mehr zu bieten hat.
Etliche Pyramiden verweisen auf eine Geschichte, die bis in die Mittlere Präklassik zurückreicht (700 – 300 v. Chr.). Sie sind über die Stadt verteilt, immer mal wieder entdeckt man plötzlich eine beim Schlendern.

Zuerst besteigen wir die große Pyramide und freuen uns darüber, dass mal nicht so viel restauriert wurde.

Dann gönnen wir uns ein Eis, spazieren noch ein wenig durch die Stadt und dösen anschließend im Bogengang des Convento Franciscano.

 

Celestun, das Fischerdorf
04.03.2018

Weiter geht es nach Celestun, einem verschlafenen Fischerdörfchen an der westlichen Küste Yukatans.

Hier sieht fast alles so aus, als sei es vor mindestens fünfzig Jahren erbaut worden und als habe seitdem nie wieder jemand etwas repariert oder neu gestrichen. Selbst die Karusselle auf dem großen Platz, bei denen munter der Lack abblättert.

Auch unser Hotel stellt da keine Ausnahme dar. Obwohl es teurer ist als uns letztes, das absolut perfekt aussah und ja sogar einen Pool hatte. Tja, aber die Preise sind eben von Ort zu Ort unterschiedlich. Und hier kommen wohl genug Leute her, um solche Preise verlangen zu können.

Wir genießen den Sonnenuntergang am Meer und freuen uns über die kühle Prise, die hier weht.

 

Flamingos, Krokodile und Delfine
05.03.2018

Gleich morgens gehen wir an den Strand, um eine Tour zu den Flamingos zu machen, wegen denen wir hier sind. Allerdings dauert es fast eine Stunde, bis wir endlich sechs Personen sind und das Boot langsam bezahlbar wird. Wobei der Gesamtpreis für das Boot allerdings auch mit jeder Person zu steigen scheint.

Schön, wieder mal auf dem Wasser zu sein!

Wir sehen zwei Krokodile, eines davon liegt mit weit aufgerissenem Maul in der Sonne. Wer findet es im Bild? Die Viecher sind echt gut getarnt.

Bis wir die Flamingos erreichen, sehen wir schon jede Menge andere Vögel. Doch die rosa Berühmtheiten sind hier nicht zu unrecht die Hauptattraktion. Hunderte und aberhunderte von ihnen stehen im Wasser oder fliegen durch die Lüfte.

Sie sehen so filigran aus, mit ihren langen Beinen und ebenso langen Hälsen!

Wenn sie hintereinander fliegen, sehen sie von weitem wie eine rosa schimmernde Kette von Lampions aus.

Eine ganze Weile bewundern wir sie, dann gibt es noch eine kleine Exkursion in den Mangrovenwald, in dem wir auch aussteigen dürfen, um eine Süßwasserquelle zu bewundern.

Davon gäbe es tausende, sagt ein Guide. Wie so oft nutzen wir es aus, wenn jemand anders für einen bezahlt hat, und lauschen einfach mit. In dem Teich kann man schwimmen. Aber leider haben wir nur 20 Minuten. Diese Touren sind einfach immer so eng getaktet.

Aber zu unserer Freude sehen wir ein kleines Krokodil!

Auf der Rückfahrt taucht dann völlig unerwartet ein weiteres Highlight aus den Wogen auf: Delfine. Unser Bootsfahrer wedelt mit einem Lappen im Wasser neben dem Boot herum und klopft auf das Holz des Bootes. Damit versucht er, die Delfine anzulocken.

Ich weiß natürlich nicht, ob das eine wirklich gut funktionierende Methode ist oder nicht. Aber die Delfine kommen jedenfalls zu uns. Sie springen ums Boot herum und fast können wir sie berühren.

Ich kann gar nicht oft genug sehen, wie ihre schimmernden Leiber sich aus den Wogen erheben. Sie sind so anmutig. Delfin sein würde ich gerne mal ausprobieren.

Den Abschluss der Tour bilden dann noch zahlreiche Pelikane.

 

Ruinen unter den Sternen
06.03.2018

Nach dem Frühstück nehmen wir einen Bus bis Merida. Von dort einen anderen nach Uxmal.
Zum Glück kennen wir mittlerweile die Busse zweiter Klasse gut, und so fragen wir einfach, ob der Fahrer uns an unserem Hotel rauslassen kann. Es liegt genau auf der Strecke. Kein Problem.

Das Hotel ist etwas nobler als unsere sonstigen Unterkünfte, weil es so nah an den Ruinen einfach nichts günstigeres gibt. Und wir wollten unbedingt in Laufnähe wohnen.

Das Zimmer ist schick und es gibt einen großen Pool. Obwohl das Hotel riesig ist, sind die Anlagen so gut wie leer. Die meisten Leute bleiben vermutlich nur eine Nacht, um die Ruinen zu besichtigen.

 

Wir machen es uns gemütlich und duschen erst mal. Am Abend machen wir uns auf den Weg zu den Ruinen. Heute steht die Light Show an.

Eigentlich wollen wir die kostenlosen Fahrräder des Hotel nutzen, doch diese werden gerade weggeräumt. Also müssen wir laufen.

So kommen wir ein wenig zu spät, aber das macht nichts. Die Show besteht daraus, dass die Ruinen in verschiedenen Farben beleuchtet werden und Stimmen eine Geschichte aus der Zeit der Maya erzählen. Allerdings auf Spanisch, weshalb es für uns nicht relevant ist, alles mitzubekommen.

Wir machen es uns auf der Tribüne bequem und genießen einfach das Szenario. Dies ist tatsächlich der perfekte Ort für eine solche Inszenierung, denn die Gäste sitzen alle am großen Platz mit Blick auf die imposante Pyramide und mehrere kleine Gebäude im Hintergrund.

Und auch der Sternenhimmel ist heute besonders schön.

 

 

Entspannung ist wichtig
07.03.2018

Weil wir uns beide nicht gerade fit fühlen, verlängern wir unseren Aufenthalt um eine Nacht. Außerdem ist das Restaurant des Hotels gut und nicht teuer. Wir verbringen den Tag am Pool und in einem kleinen Pavillon, der genau die richtige Größe zum Tanzen und Poi spielen hat.

Reisetag
08.03.2018

Wir nutzen die kühlen Morgenstunden, um die Ruinen auch noch bei Tag zu besichtigen. Insbesondere, weil ich die schöne Konstellation der Gebäude zeichnen möchte.

  

Das Hotelpersonal hat uns freundlich Auskunft über die Buszeiten gegeben, und so checken wir kurz vor zwölf Uhr mittags aus und stellen uns an die Straße.

Und warten.

Und warten.

Und warten.

Eine Stunde später laufe ich nochmal zum Hotel und frage, ob sie sicher sind, dass ein Bus kommt. Sie sind sich sicher. Aber der Bus könne natürlich Verspätung haben.

Und so warten wir.

Und warten.

Und warten.

Nochmal eine Stunde. Dann beginnt es exakt nach Wettervorhersage zu tröpfeln. Das war der Grund, warum wir uns für den frühen Bus entschieden haben. Und nicht den um drei Uhr nehmen wollten. Wir stehen nicht gerne im Regen.

Gerade als wir unser Rucksäcke schultern, um Richtung Hotel zu flüchten, kommt der Bus.

Naja, zwei Stunden Verspätung. Kommt halt mal vor, oder?

In Merida müssen wir dann ohnehin bis zum Abend warten. Der Bus nach Belize fährt nur über Nacht. Aber zum Glück haben wir schon bei unserer letzten Durchreise ein nettes Lokal am Busbahnhof entdeckt. Hier lassen wir uns mit Tacos und frischen Säften verwöhnen.

Tuxtla bis Palenque

Zoo mit einheimischen Tieren – exotischer geht es nicht
15.02.2018

In Tuxtla angekommen sind wir vollkommen erschöpft. Wir nehmen ein Taxi zum Hotel Frida Khalo (ja, das Hotel heißt tatsächlich so, bitte fragt mich nicht, wer sich da so verschrieben hat), welches sich als etwas schäbig aber trotzdem ganz nett herausstellt.

Erst mal duschen und ausruhen.

Dann suchen wir uns was zu futtern und machen uns anschließend mit dem hiesigen öffentlichen Verkehr vertraut. Das Mittel der Wahl sind hier die sogenannten „Colectivos“. Das sind ganz kleine Busse, die jeden auf ihrer Route aufsammeln, der mit möchte und einen ebenso flexibel auch wieder aussteigen lassen.

Sobald man mal rausbekommen hat, von wo der richtige Colectivo losfährt, ist die Sache also ganz einfach. Zum Glück kennen sich die Locals gut aus und wir fragen uns problemlos durch.

Der Zoo ist richtig nett. Es werden nur einheimische Tiere gezeigt, aber das bedeutet für uns einige Überraschungen. Schließlich sind wir ja nicht einheimisch.

Da gibt es fantastische Vögel und goldige „Ratten“, die frei herumlaufen und die wir mit Kokosnuss-Stückchen füttern. Zudem alle möglichen Insekten, Greifvögel, Schildkröten und Wildkatzen.

Besonders begeistert sind wir von den schwarzen Panthers und einem kleinen Wildkatzenpärchen. Als wir an ihr Gehege kommen, pennen sie grade tief und fest, die Pfoten baumeln entspannt von einem Ast in die Tiefe.

Weil ich auch so müde bin, machen wir es uns einfach auf einer Bank gemütlich und dösen auch. Erst als es langsam kühler wird, wachen wir alle auf. Die Katzen beginnen elegant durch das Gehege zu tigern und jagen gerne auch mal eine Vogel, der sich zu nah heran wagt. Wir bewundern sie noch ein wenig, dann setzen wir unseren Spaziergang fort.

Auch die Tapire finde ich faszinierend. Ihr Fiepsen passt so gar nicht zu ihren großen Körpern.

 

Bootsfahrt durch den großen Canyon
16.02.2018

Heute nehmen wir ein Colectivo in den Nachbarort Chiapa de Corzo. Es ist eines der zauberhaften Dörfchen und von hier starten Bootstouren in den Sumidero Canyon.

Die Steilwände ragen mehrere hundert Meter in die Höhe und immer wieder gibt es faszinierende Felsstrukturen. Außerdem sehen wir zum ersten Mal Krokodile in freier Wildbahn!

Leider gibt es auch hier, wie an so vielen Orten dieser Welt, ein Müllproblem. An bestimmten Stellen sammelt sich alles, was die Strömung so zu fassen kriegt. Überwiegend Plastik.

Am Abend gehen wir ins Restaurant „Las Pichanchas“ in Tuxtla, zu dem ich eine ungewöhnlich begeisterte Empfehlung gefunden habe.

Wir bestellen das Getränk des Hauses „El Pumpo“ und hätten keine bessere Wahl treffen können!
Der Cocktail wird in einem Flaschenkürbis serviert und jedes Mal, wenn ein Kellner einen „El Pumpo“ an einen Tisch bringt, läutet er zuerst eine Glocke an der Ausgabetheke und ruft „El Pumpo“, dann geht er in die Mitte des Lokals und wiederholt diese Zeremonie. Auch dort hängt eine Glocke. Die anderen Kellner greifen den Ruf auf und so schallt es aus allen Ecken „El Pumpo“. Und zu guter Letzt wird noch ein kleines Glöckchen geläutet, das über einem jedem Tisch hängt und dann wird das Getränkt mit großer Geste in die Gläser geschenkt. Vorzüglich.

Auch das Essen ist gut und bald darauf beginnt sogar eine traditionelle Tanzvorführung inmitten der Tische. Die Tänze sind schwungvoll und witzig. Immer wieder wird sogar das Publikum eingebunden. Es gibt Blumenkränze für die Damen und bei einem Tanz werden Rasseln zum Mitmusizieren verteilt. Ein andermal dürfen die Gäste tanzen.

Beschwipst von dem vielen „El Pumpo“ und beschwingt von dem schönen Abend spazieren wir zurück ins Hotel.

 

San Cristobal – Touristenhochburg
17.02.2018

Wir ziehen in das nahegelegene Touristenörtchen San Cristobal um. Hier wimmeln die Straßen von Gauklern und Musikanten. Kunsthandwerk kann erstanden werden und Bernstein ohne Ende.

Wir fühlen uns sofort wohl und verbringen den Nachmittag bummelnd.

Unter anderem besuchen wir ein kleine Kakaomuseum und probieren den traditionellen Kakao. Einen mit Chili, einen mit Amarant, einen mit Zimt und einen mit Honig. Leider sind sie auf Wasserbasis und wir finden sie ganz furchtbar.

 

Kerzen, Hühneropfer und kleine Kinder
18.02.2018

Wieder mal besteigen wir ein Colectivo. Doch diesmal bringt es uns in ein abgelegenes Dörfchen.

Doch was haben wir hier eigentlich zu suchen?
In diesem Ort gibt es etwas, das eine kleine aber beständige Zahl an Touristen anzieht: Eine Kirche.

Es ist jedoch keine gewöhnliche Kirche. Denn in Chamula leben die Nachfahren der Maya, die Tzotzil, noch nach alten Traditionen. Sie sprechen ihre eigene Sprache und lehnen die moderne Welt ab. Wobei das natürlich nicht ganz klappt. Auch hier kann man die gleichen Souveniers kaufen wie überall und es gibt sogar einen kleinen Laden mit neuer Elektronik.

Nachdem wir eine kleine Touristengebühr entrichtet haben und darüber belehrt worden sind, dass wir weder Fotos machen noch filmen dürfen, können wir die Kirche betreten.

Es ist dämmrig, denn der Raum wird nur von Kerzen erhellt. Es sind tausende. Die meisten stehen auf Tischen an den Seiten.

Der Boden ist mit Baumnadeln ausgelegt. Wir spazieren einmal durch diesen mystischen Raum, dann setzten wir uns im Schneidersitz recht weit hinten hin und beobachten zwei Familien bei ihren Ritualen.

Zuerst wird ein kleiner Bereich des Bodens freigekehrt. Dann werden mehrere Reihen Kerzen aufgeklebt. Die Reihe, die am weitesten weg von der Familie steht, ist die größte, dann folgen mehrere in kleinen Abstufungen. Direkt vor der Familie wird eine Reihe aus Trinkflaschen aufgestellt. Dabei scheint der Inhalt egal zu sein. Die einen bringen nur Wasser mit, bei anderen darf es auch mal Coca Cola sein.

Nach endlosen Gebeten wird etwas von den Getränken über die Kerzen gegossen, dann wird getrunken, gerülpst, gebetet und anschließend folgt die Opferung des mitgebrachten Huhns.

Dank einiger Recherche wissen wir, was diese Rituale bewirken sollen. Ein Rülpser ist so etwas wie eine Reinigung und kann von Krankheit oder auch Sünde befreien. Bei der Ausstoßung eines solchen hilft natürlich die Cola. Danach kommt das Huhn ins Spiel, in das das Böse fahren soll.
Es wird getötet wird und das war´s dann mit der Krankheit oder der Sünde.

Ja, diese Riten sind es, die immer wieder Touristen anlocken.
Es ist eine wilde Mischung aus christlichem Glauben und den Traditionen der Maya.

Man könnte nun meinen, das für uns „zivilisierte“ Leute irgendwie gruselig, aber ganz im Gegenteil. Die Familien mit ihren kleinen Kindern erzeugen eine ganz lockere, wenn auch zeremonielle Stimmung. Denn die Kleinen dürfen sich auch mal auf den Boden legen, miteinander schwatzen oder spaßen. Die Frau vor uns, die gleich vier kleine Kinder dabei hat, tut sich zeitweise ganz schön schwer ihr Ritual fortzusetzen. Ein Kind häuft dem Baby Baumnadeln auf den Kopf, ein anderes wischt sie wieder herunter. Das Huhn guckt uns nur fragend an.

In letzter Zeit ist uns immer mehr und mehr aufgefallen, wie viele Kinder auf der Straße arbeiten. Auch dieser kleine Ort stellt da keine Ausnahme da und in San Cristobal, mit all seinen Touristen, wird es besonders deutlich.

Nachmittags sehen wir einen Truck, der lauter Kinder einsammelt, die alle Zuckerwatte verkaufen. Organisierte Kinderarbeit wie bei Slumdog Millionär? Gut vorstellbar.

Was für ein hartes Leben. Die Gesichter sprechen oft schon bei den Sechs- oder Siebenjährigen von einer bereits vergangenen Kindheit.

Ebenso sitzen viele alte Leute auf der Straße. Hier gibt es keine Rente. Keine soziale Absicherung.

Wir versuchen immer Kleingeld in der Hosentasche zu haben, um ein wenig spenden zu können.

 

Von kalt nach heiß
19.02.2018

Wieder einmal verbringen wir einen Tag im Bus.

Teils schaffe ich es, ihn zum Schreiben zu nutzen, doch manche Abschnitte der Strecke sind schlichtweg zu kurvenreich.

Als wir mittags an einem Imbiss anhalten, merken wir, wie heiß es plötzlich draußen ist.

Es ist bereits dunkel, als wir Palenque erreichen. Zum Glück ist unser AirBnB ganz in der Nähe der Busstation. Es gehört einem alten Professor, der uns sehr nett willkommen heißt.
Wirklich begeistert von unserer Ankunft ist seine junge Hündin, die mich schier auffrisst. Da hat der nette Herr Professor noch einiges an Erziehungsarbeit vor sich.

 

Agua Azul – Wasserfälle zum Staunen
20.02.2018

Es ist heiß!

Und mir geht es irgendwie nicht so toll.
Leichte Übelkeit und einfach unbehaglich.

Also beschließen wir, gleich mal zu den Wasserfällen zu fahren. Zum Entspannen.
Noch bevor wir die Haltestelle der Colectivos erreichen, kommt uns schon einer entgegen und gabelt uns auf. Perfekt, wir sitzen ganz vorne und haben eine tolle Sicht auf den Urwald, durch den wir fahren.

Die Straße ist abenteuerlich, denn sie scheint hauptsächlich aus engen Kurven zu bestehen und immer wieder sind ganze Stellen weggebrochen. Zudem kann unser Fahrer seinen Freunden erzählen, er sei hauptberuflich Rennfahrer, ohne dabei wirklich zu lügen.

Mein Magen findet das gar nicht gut.
Normalerweise kann mir ja keine Kurvenstrecke der Welt etwas anhaben, aber in meinem heutigen Zustand leide ich dann doch.

So froh anzukommen, war ich noch selten. Wäre diese Geschichte ein Comic, wäre ich in diesem Moment mit grünem Kopf und herausquellenden Augen dargestellt.

Leider müssen wir von der Kreuzung, an der uns das Colectivo abgesetzt hat, noch ein Taxi für die letzten Kilometer zum Wasserfall nehmen. Um das zu überstehen, muss ich mich zuvor erst kurz auf einer Bank erholen.

Als wir schließlich das kühle Nass erreichen, werden mir zwei Dinge klar.
Erstens: Es war die Tortur wert!!!
Zweitens: Mir ist so schlecht, dass ich nicht mal baden mag.

Also beginnen wir mit der Entspannung und ich halte eine Mittagsschläfchen.
Anschließend gehen wir baden und staunen ohne Ende über die vielen Kaskaden, die sich den Hang herab ergießen. Auf etlichen Ebenen kann man Schwimmen gehen. Es ist zauberhaft.

 

Wir gehen alles ganz langsam an.

Obwohl ich den ganzen Tag leide, ist es einfach wunderschön.

Die Rückfahrt ist noch schlimmer als die Hinfahrt. Wieder in der Unterkunft gehe ich gleich ins Bett. Kurz darauf bekomme ich Fieber. Ach du Sch****!!!

Fieber in so einem Land zu bekommen stand nicht auf unserer To-Do-Liste.
Natürlich denken wir gleich an Malaria. Das ist vermutlich typisch deutsch. Immer gleich das Schlimmste befürchten. Wir überlegen, gleich am nächsten Tag nach Cancun zu fahren, wo es größere Krankenhäuser gibt und viele Leute Englisch sprechen.

Doch nach einigen Telefonaten mit Ärzten in Deutschland und natürlich mit Mama, beschließen wir uns wenigstens noch einen Tag zu erholen und dann erst zu fahren.

Die ganz schlimme Form der Malaria gibt es hier wohl gar nicht und außerdem haben wir ja sogar selbst ein Mittel zur Behandlung im Notfall dabei.

 

Was man so tut, wenn man krank ist…
21.02.2018

Ich verbringe den ganzen Tag im Bett und auch Dario scheint die Erholung dringen nötig zu haben.
Ihm geht es auch nicht richtig gut. Vielleicht haben wir uns irgendwas eingefangen. Oder es sind Salmonellen.

 

Was man eigentlich NICHT tut, wenn man krank ist…
22.02.2018

Da es uns wieder etwas besser geht, beschließen wir heute Abend mit dem Nachtbus nach Cancun zu fahren. Sicherheitshalber.

Aber zuvor wollen wir noch die berühmten Pyramiden hier in Palenque anschauen. Die standen schließlich groß auf unserem Programm. Und so ein kleiner Ausflug ist ja auch nicht so anstrengend.

Klar, es ist trotzdem eine Dummheit. Aber wir werden nicht noch mal herkommen und wollen die Pyramiden halt unbedingt sehen.

Gesagt, getan. Wir schaffen es sogar ganz gut, die Anlage zu besichtigen. Es gibt mehrere sehr schöne Tempel und einige eingewachsene Ruinen, die ihre ganz eigene Schönheit haben.

Im Gegensatz zu sonst steigen wir allerdings kaum auf ein Gebäude hinauf, sondern verbringen lieber die Zeit irgendwo im Schatten und schauen einfach nur.

Für die Fahrt nach Cancun wählen wir einen etwas nobleren Bus und schaffen es tatsächlich zu schlafen.

Xilitla bis Oaxaca

Fahrt durch Klimazonen
06.02.2018

Wieder ein Tag im Bus. Diesmal geht es durch eine irre Hügellandschaft. Kurve um Kurve, Hügel um Hügel nähern wir uns dem Dörfchen Xilitla, unserem heutigen Ziel.

So viele Kurven sind es, dass ich schnell jegliche Tätigkeit an irgendwelchen Bildschirmen einstelle und nur noch aus dem Fenster schaue. Auch Dario schlließt sich mir dabei bald an. Alles andere führt zu Übelkeit.

Die Strecke ist aber eh wunderschön und so bietet es sich an, sie zu genießen. Anfangs ist es unglaublich trocken, Kakteen über Kakteen strecken sich zum Himmel.
Doch dann kommen Bäume hinzu und schon zwei Hügelkuppen später befinden wir uns im Urwald. Es ist wie eine Fahrt in eine andere Welt.

Scheinbar regnen sich die Wolken immer auf dieser Seite der Hügel ab, sodass auf der anderen Seite kaum ein Tropfen ankommt. Entsprechend werden die Sonnenstrahlen bald weniger und wir versinken im Nebel.

Als wir schließlich aussteigen, stellen wir fest, dass es aber trotzdem angenehm warm ist. Wir machen uns auf die Suche nach unserem AirBnB und finden es mit Hilfe einiger Einheimischer schließlich auch. Wieder dauert es aber noch eine Weile, bis wir tatsächlich ins Haus kommen. Die Frau ist noch nicht da.

Dafür stellt sich unsere Unterkunft als sehr nett heraus. Wir haben einen hübschen kleinen Balkon mit Blick übers Dorf und auf die Hügel. Trotz Nebel.

Auch finden wir ein gutes Restaurant. Schon ist die Welt in Ordnung. Der Ort fühlt sich irgendwie gut an. Auch als es dunkel wird sind noch Frauen und Kinder in den Straßen unterwegs. Wir fühlen uns sicher.

 

Der surrealistische Skulpturengarten des Edward James
07.02.2018

Heute besichtigen wir den Ort, wegen dem wir hergekommen sind: Den surrealistischen Skulturengarten des Edward James. Besagter Mann war ein britischer Multimillionär und unter anderem Kunstsammler, Landschaftskünstler und eben Anhänger der surrealistischen Bewegung.
Wir laufen hin. Schloss und Garten liegen etwas außerhalb des Ortes. Es ist ein wunderschöner kleiner Spaziergang durch den Urwald. Überall zwitschern Vögel. So haben wir uns Urwald vorgestellt, nicht wie in Indonesien, wo es kaum noch freie Vögel gibt.

Und zu unserer großen Begeisterung, scheint es so gut wie keine Stechmücken zu geben. Besser geht es kaum!

Der Garten und die „Skulpturen“, die eher an ein weitläufiges Schlösschen erinnern, sind absolut faszinierend. Man fühlt sich wie in den Ruinen einer Magier-Schule. Ein mystischer Ort, an dem Heute malerische Strukturen und Urwald verschmelzen.
Wir wandeln herum wir in einem Traum.

In Deutschland wäre ein Ort wie dieser undenkbar. Treppen bis ins dritte Geschoss, ohne Geländer.
Die wenigen Bereiche, die hier gesperrt sind, betritt man in diesem Fall lieber wirklich nicht.

Das Grundstück ist ein absoluter Traum. Sollten wir jemals etwas annähernd schönes finden, hoffe ich, dass wir dort leben können. Sogar einen Wasserfall gibt es. Mehrere Becken laden zum Baden ein. Blöd nur, dass ich kein Handtuch eingepackt habe.

Wir beobachten einen einheimischen jungen Mann, der von einem Felsen in eines der Becken springt. Falls es morgen auch noch warm ist, müssen wir nochmal herkommen! Egal, was meine langsam abklingende Erkältung davon hält!

Wir treffen eine Deutsche, die alleine unterwegs ist und gehen gemeinsam ins Dorf zurück. Von ihr bekommen wir einige gute Tipps zum Finden von Busverbindungen und erfahren, dass wir eines unserer Ziele streichen können. Einen Ort, an dem man um diese Jahreszeit für gewöhnlich jede Menge Schmetterlinge beobachten kann. Aber diesmal sind es wohl gar nicht viele. Der Aufwand lohnt nicht und wir sind ganz froh, unseren Zeitplan zu entspannen.

Abends essen wir in einem Lokal mit schöner Aussicht, von dem aus man auch das tatsächliche Schlösschen des Edward James sehen kann. Es befindet sich mitten im Ort und ist heute ein Hotel.

 

Im Nebel
08.02.2018

Leider hat es nachts geregnet und abgekühlt. Aus baden gehen wird also nichts. Wir machen uns einen gemütlichen Tag und nehmen Abends den Bus nach Mexiko Stadt.

Eigentlich wären wir lieber tagsüber gefahren, aber die einzige Verbindung, die wir gefunden haben geht über Tampico. Und diese Stadt gehört zu denen mit Reisewarnung.

Da wir ja entschieden haben, uns lieber nicht entführen zu lassen, geht das also nicht. Und so ziehen wir die Nachtfahrt in sicheren Regionen vor. Es geht auch alles gut. Gegen vier Uhr morgens erreichen wir den Busbahnhof und steigen in den Anschlussbus nach Papantla.

 

Papantla – Pueblo Mágico – ein magisches Dorf
09.02.2018

Gegen 13:00 Uhr kommen wir in Papantla an. Zum Glück ist unser Hotel sehr nah an der Bushaltestelle und wir können gemütlich hinlaufen.

Erst mal unter die Dusche, nach dieser langen Fahrt! Danach kuschel ich mich erst mal ins Bett, während Dario Recherchen am Computer betreibt.

Später schlendern wir in den Ort. An einem Stand erstehen wir eine frische Kokosnuss, die wir genüsslich schlürfen. Die erste seit Indonesien! Kaum zu glauben, aber das ist schon wieder über ein halbes Jahr her.

Am Dorfplatz, der sehr schön gestaltet ist, finden wir ein nettes offenes Restaurant im ersten Obergeschoss, das uns mit seinem bunten Mobiliar und fröhlicher Musik lockt.
Von dort haben wir einen guten Blick über den Platz, auf dem viele Bäume stehen und dessen Mitte von ein Pavillon geziert wird.
Von uns aus gesehen rechts befindet sich die Dorfkirche, an deren Fuße sich ein tolles Relief befindet.

Wir bestellen eine Vor- und zwei Hauptspeisen, merken jedoch schnell, dass das ein Fehler war. Die Vorspeise würde glatt für uns beide als ganzes Essen reichen.
Allerdings ist alles so lecker, dass wir auch gerne weiter futtern.

Überall um uns herum ertönt Vogelgezwitscher. Auf diesem einen Platz scheinen mehr freie Vögel zu sein, als in ganz Indonesien. Immer mal wieder sieht man auch ein Eichhörnchen durch die Baumwipfel huschen.

Es ist Freitag Nachmittag und es herrscht ein gemütliches Treiben. Es wird gebummelt und gekauft, die vielen kleinen Stände auf dem Platz bieten vor allem Essen an.
Andere weiße Touristen entdecken wir nicht.

Bald darauf sehen wir einige bunt kostümierte Männer an einem langen Mast neben der Kirch hinaufklettern. Was wird denn das?

Ihre Bewegungen sind stark und sicher. Schnell haben fünf Mann die Spitze erreicht. Sie beginnen lange Seile hinauf zu ziehen, während sie selbst auf einem Quadratischen Gerüst aus Stangen auf der Spitze des Mastes sitzen. Mit den Füßen stoßen sie sich am Mast ab und bringen das Gerüst zum Rotieren. So drehen sie sich da oben wie auf einem kleine Karussell. Die Seile werden dabei und die Spitze des Mastes gewickelt.

Als die Seile komplett aufgewickelt sind, beginnt einer der Männer Flöte zu spielen. Schnell stellen wir die Verbindung zu einer großen Statue eines Flötenspielers her, die auf dem Hügel hinter der Kirche steht. Das muss hier etwas Wichtiges sein.

Ein älterer Herr im gleichen Kostüm betritt nun das Restaurant und sammelt spenden für die Gruppe ein. Anschließend sammelt er auf dem ganzen Platz, während weiter die Flötenlaute in der Luft liegen. Wir haben das Gefühl, dass da noch mehr passieren wird und können kaum weiter essen, weil wir die Augen nicht von den Männern auf dem Mast lassen wollen.

Und dann geht es los: Vier von ihnen gleiten in die Tiefe. Kopfüber, je mit nur einem der Seile gesichert. Wie in einem Kettenkarussell dreht das Gerüst dabei weiter und der fünfte Mann fährt fort auf der Spitze des Mastes die Flöte zu spielen und zu trommeln.

Im Restaurant sind unauffällig zwei Gitarristen aufgetaucht, die die Vorstellung für uns mit weiteren sanften Klängen begleiten.

Es ist eine magische Atmosphäre.

Die Männer, die kreisend in die Tiefe gleiten, je weiter sich die Seile abwickeln. Die Gitarristen. Das Vogelgezwitscher. Und die emsigen Menschen auf dem Platz, für die das alles ganz normal zu sein scheint.

Mexikanischer Tanzabend

Nach dem Essen spazieren wir zurück zum Hotel und entdecken dabei, dass auf dem Dorfplatz eine Band ihre Instrumente aufbaut. Hinter ihnen steht ein großes Schild, auf dem irgendwas mit „Danzón“ steht. Das hört sich nach Tanzen an.

Eigentlich bin ich ziemlich müde, aber Darios Augen funkeln. „Lass uns da hingehen, vielleicht können wir tanzen“.

Also bringen wir unseren Rucksack ins Hotel und kehren auf den Platz zurück, auf dem mittlerweile bereits die Musikanten aufspielen und die ersten Paare sich zur Musik wiegen.
Direkt vor der Bühne tanzen einige ältere Pärchen, die sogar alle ähnlich gekleidet sind. Dunkle Kleidung, die Damen jedoch in roten Röcken.

Wir schauen interessiert zu und einige Leute die herumsitzen, bedeuten uns wir sollen doch einfach mittanzen. Hinter dem Pavillon, der ja die Mitte des Platzes bildet, entdecken wir Paare, die etwas lockerer tanzen. Wir gehen hinüber und bevor wir recht wissen, wie uns geschieht, kommt ein Paar auf uns zu und fordert uns zum Tanz auf.

Mein Tanzpartner ist ein uralter Herr. Sein Gesicht ist einerseits würdevoll, andererseits voller Lachfalten. Er trägt einen weißen Anzug und ist gut einen Kopf kleiner als ich.
Darios Partnerin ist noch etwas jünger, vielleicht die Tochter des Alten.

Sie zeigen uns die Schritte des Tanzes. Der Grundschritt ist ähnlich wie beim langsamen Walzer. Besonders gute Lehrer sind sie allerdings nicht, denn viele Schritte bleiben uns unklar, da das Muster nicht klar wird und sich oft zu schnell wieder ändert. Aber Spaß haben wir alle! Und das ist die Hauptsache.

Für den nächsten Tanz führen die Mexikaner Dario und mich wieder zusammen. Wir versuchen es mit einer Mischung aus Disko Fox und Walzer. Es macht so viel Spaß, dass wir es sogar schaffen all die Dörfler zu ignorieren, die uns zuschauen und häufig sogar filmen. Wir sind die einzigen Touristen. Schon bald kommt der alte Herr wieder zu uns und wackelt mit dem Zeigefinger, was so viel heißen soll wie: „Na, na, na, ihr tanzt viel zu schnell und die Schritte stimmen auch nicht.“
Das verstehen wir sogar ohne Worte.

Er grinst dabei, nimmt uns an den Händen und wieder geht es in diese Art langsamen Walzer, bei dem es scheinbar besonders wichtig ist, wie lange man auf welchem Fuß steht. Und das ganz langsam. Unsere Versuche werden mit einem zufriedenen Kopfnicken und Daumen hoch quittiert.

Nach jedem Lied machen die Musiker einige Ansagen und wir bekommen mit das wir begrüßt werden. Jemand fragt woher wir kommen (diese Frage verstehen wir mittlerweile meistens) und gibt die Information an den Ansager weiter. Wir sind jetzt für alle die „Amigos de Alemania“ (Freunde aus Deutschland).

Während den nächsten Tänzen, in die wir jetzt mehr den typischen Grundschritt des hiesigen Tanzes einbinden, werden wir immer wieder mal von unseren Tanzlehrern gelobt.

Bei einem der letzten Musikstücke wollen die beiden dann nochmal mit uns Tanzen. Die Bewegungen der Tänzer um uns herum scheinen über den Abend etwas lockerer geworden zu sein. Und so tanzen wir jetzt ein wildes Kuddelmuddel, von dem wir keine Ahnung haben, ob das alles auch noch zum ursprünglichen Tanz gehört oder nicht.

Der alte Herr lebt richtig auf und wir enden alle gemeinsam in einer Reihe, untergehakt, eine Art Stepptanz wie beim Karneval tanzend. Passt ja. Zuhause ist grad auch Fasching.

Lachend machen wir noch einige Fotos zusammen. Leider liegt unser Handy im Hotel und so müssen wir diesen Abend im Herzen mit uns forttragen, statt auf einem Bild.
Das gemeinsame Fotos machen, dass der alte Herr angeregt hat, zeigt uns aber, dass zumindest hier das digitale Zeitalter schon voll angekommen ist.

Ob wir je in einen dieser Orte kommen werden, in denen man die Leute echt noch fragen muss, ob man ein Foto machen darf und sie womöglich sogar nein sagen?

Wir verabschieden uns von der lustigen Gruppe mit vielen Umarmungen und Küsschen. Ein paar Leute, die wir bisher gar nicht wahrgenommen haben, nicken oder winken uns zu und eine alte Dame klopft mir zum Abschied lächelnd auf den Arm.

Was für ein wundervoller Abend.

Als wir gerade zurück ins Hotel wollen, spricht uns eine junge Frau auf Englisch an. Sie hat gehört, dass wir aus Deutschland kommen und möchte wissen, wie es da so ist. Wir erzählen ihr, was wir von Mexikanern gehört haben, die schon in Deutschland waren. Nämlich dass sie die Deutschen meist als kalt empfinden. Und dass es teuer ist. Wir empfehlen stattdessen Asien.

Von ihr erfahren wir auch, was es mit den Karussell-Männern auf sich hat. Das sind Indigene, die ein altes Ritual für Fruchtbarkeit gute Ernten durchführen.
Sie machen das jeden Tag, außer wenn es regnet.

Auch von der jungen Frau verabschieden wir uns mexikanisch mit Umarmung und Küsschen. Ein Küsschen auf die linke Wange um genau zu sein. So gehört sich das hier.

Glücklich kehren wir in unser nettes Hotel zurück.
Danke mein Schatz, es war eine fantastische Idee zum Tanzen zu gehen.

 

Die Ruinen von El Tajin
10.02.2018

Wir haben uns einen Wecker gestellt, machen ihn aber einfach aus und schlafen noch eine Weile weiter.

Schließlich gehen wir frühstücken, wieder in das Restaurant am großen Platz. Wie es der Zufall will, ist unser Timing mal wieder unschlagbar. Erneut können wir die kopfüber hängenden Männer bei ihrer Karussellfahrt bewundern.

Anschließend suchen wir nach dem lokalen Bus, der nach El Tajin fährt. Gar nicht so einfach, aber wir fragen uns durch. Ja tatsächlich. Mit wenig Worten, aber es klappt.

So sind wir knapp eine halbe Stunde später am Ziel. Die Ruinenstadt ist viel kleiner als Teotihuacán, hat aber eine faszinierende Struktur und schöne Dekorationen. Wir fühlen uns unglaublich wohl, vor allem weil wir fast die einzigen Besucher sind.

Lange dösen wir auf einer steinernen Bank im Schatten und ich zeichne. Was für ein tolles Stadtzentrum das mal gewesen sein muss. Zu gerne würde ich einen Blick in die Vergangenheit werfen können.

 

Wenn die Archäologen Recht haben, gibt es hier unter anderem sieben Anlagen für Ballspiele und einen großen Marktplatz.

Gegen Nachmittag nehmen wir den Bus zurück, der genau gegenüber der Stelle abfährt, an der wir ausgestiegen sind. Wir haben allerdings schon festgestellt, dass diese Busse eigentlich fast überall halten, wenn man ihnen winkt.

Den Abend müssen wir leider damit verbringen, eine alternative Busverbindung nach Oaxaca zu finden. Die, die wir herausgesucht hatten, fährt entweder nicht sonntags oder ist ausgebucht. Schließlich kriegen wir aber raus, dass wir einen Bus von der nächsten Stadt aus nehmen können.

Unser netter Hotelbesitzer und seine Frau erklären uns die Möglichkeiten morgens dorthin zu kommen. Letztendlich entscheiden wir uns für ein Taxi, denn er kann eines für uns rufen und es kostet nicht mal 10 Euro für die mehr als 20km. Würde unser Bus etwas später fahren, hätten wir es natürlich mit einem lokalen Bus versucht. Aber so ist uns diese entspannte Variante sehr recht.

 

Auf nach Oaxaca
11.02.2018

Unser netter Hotelbesitzer ruft wie versprochen ein Taxi für uns. Der Fahrer ist sehr nett und quatscht in einem fort auf Spanisch. Wir sagen, dass wir kaum Spanisch sprechen, aber das interessiert ihn überhaupt nicht. Und wir wundern uns, wie viel wir tatsächlich verstehen. Er erzählt etwas von einem Freund, der hier wohnt aber eigentlich aus Bayern kommt. Und als ich ihm sage, dass ich die mexikanische Musik mag, zählt er auf, welche Instrumente er und seine Freunde spielen.

Als wir Poza Rica erreichen, sehe ich eine riesige Pumpe und frage, was das ist. Es ist eine Erdölpumpe. Wir entdecken auf der Weiterfahrt durch die Stadt jede Menge davon. Auch entdecken wir, dass hier Abfackelung betrieben wird. Das ist typisch für Erdöl-Förderanlagen. Es handelt sich dabei um ein langes Rohr an dessen Ende sich eine Zündvorrichtung befindet. Verbrannt werden Abgase und das ganze sieht aus als würden riesige Flammen aus einem langen Schornstein schießen. Jetzt erklärt sich auch der seltsame Geruch, der seit einiger Zeit in der Luft liegt.

Und ist das da hinten ein Förder- oder ein Kirchturm?

Die Busfahrt nutze ich hauptsächlich zum Schreiben.
Immer wieder genieße ich aber auch den Blick auf kakteenbewachsene Hügel und Schluchten.

 

Oaxaca und die Pyramiden von Monte Albán
12.02.2018

Wir schlafen aus und gehen gemütlich Frühstücken.
Ja, dieser Satz bildet häufig den Beginn unseres Tages und das ist wichtig!

Da es dann schon nicht mehr so ganz früh ist, nehmen wir ausnahmsweise mal ein Taxi. Wir lassen uns zur Tempelanlage Monte Albán bringen, die auf einem Hügel über Oaxaca thront.

Die Anlage ist schön und es ist nicht viel los. Unter einem Baum dösen wir im Schatten und spielen Poi. Für uns ist das Dasein oft am wichtigsten. Wir müssen gar nicht jedes Detail über die Geschichte eines Ortes kennen, um ihn zu schätzen. Einfach das Gefühl an so einem Ort zu sein, ist wunderbar. Zwischen den alten Gemäuern und Bäumen fühlen wir uns wohl.

Das Museum besichtigen wir aber natürlich auch. Wie immer finden sich einige besonders interessante Kunstobjekte und natürlich Gebeine.

Abends suchen wir zum ersten Mal ein europäisches Restaurant auf, eine Pizzeria, weil Darios Verdauung eine Auszeit von der Schärfe fordert.

 

Die „versteinerten Wasserfälle“
13.02.2018

Heute müssen wir etwas früher aus den Federn, um das gemütliche Frühstücken zu ermöglichen, denn wir haben eine Tour gebucht.

Wir frühstücken in der Schokolaterie gegenüber des Hostels und stellen fest, dass das eine gute Wahl ist. In der Region wird nämlich Kakao angebaut und hier bekommt man ihn ganz frisch serviert.

Was mir am besten gefällt, sind die Hölzernen Kunstwerke, mit denen der Kakao aufgeschäumt wird. Es ist ein Stab mit Schnitzereien, der zwischen den Händen gedreht wird, als wolle man damit ein urzeitliches Feuer entfachen. Um ihn zu benutzen hat man den Kakao am besten in einer bauchigen Vase, denn so spritzt nichts heraus. Erst nach dem Aufschäumen wird die köstliche Flüssigkeit in eine Tasse gegossen.

Wir sind die Letzten, die vom Tourbus aufgesammelt werden. 11 andere Gäste sind schon in dem kleinen Gefährt untergebracht. Nur ein Platz bleibt frei.

Unser erstes Ziel ist der „Árbol del Tule“, der große Baum von Tule. Er ist angeblich der dickste Baum der Welt (über 14m Stammdurchmesser) und tatsächlich sehr beeindruckend. Wir müssen natürlich gleich an den großen Baum in Namibia denken, den wir vor über zehn Jahren besucht haben. Die beiden sind etwa gleich alt: gute 2.000 Jahre. Ähnlich aussehen tun sie nicht, doch beide sind sie auf ihre Weise majestätisch.

Als wir so dasitzen und dieses alte Wesen bewundern, spricht uns ein älteres Paar unserer Reisegruppe auf Deutsch an. Wir lachen, denn wir haben uns schon gedacht woher sie kommen. Mittlerweile haben wir ein ganz gutes Gespür für „typisch Deutsche“.

Die beiden sind sehr nett, wir verstehen uns auf Anhieb. Sie sind schon viel gereist und zwei ihrer Söhne, von denen sie uns erzählen, haben auch schon Langzeitreisen hinter sich.

Unser nächstes Ziel sind einige kleinere Ruinen in Mitla. Erst denke ich, dass so eine kleine Ausgrabungsstätte wohl kaum einen Besuch wert ist, doch die fantastischen Ornamente belehren mich eines Besseren.

Von unserem Tourguide lernen wir, dass einige von ihnen sogar noch original sind. Andere sind rekonstruiert. Jeder Tempel ist einem Gott gewidmet, nie mehreren. Allerdings ist es häufig schwierig, den Begünstigten zu identifizieren, da die Spanier bei ihrer Ankunft die Bildnisse der Götter zerstört oder zumindest vom Tempel entfernt haben.

Gerne benutzten sie auch die Steine der Tempel für ihre eigenen Bauten. So verschmelzen hier in Mitra die alten Tempelbauten mit der christlichen Kirche.

Da der Großteil der Gruppe für Mittagessen stimmt, müssen wir in einem dieser typischen Touren-Restaurants absteigen. Ein großes Lokal mit Buffet, keine anderen gastronomischen Einrichtungen in Laufweite.

Wir vier Deutschen halten davon nicht viel, denn das Buffet ist nichts für den kleinen Hunger. Also bestellen wir nur was zu Trinken. Es stellt sich heraus, dass die beiden Skat spielen können und so ist es klar, womit wir uns die nächste Stunde vertreiben.

Anschließend steht endlich der Höhepunkt dieser Unternehmung auf dem Programm: Die „Versteinerten Wasserfälle“. Dabei handelt es sich um eine sehr mineralhaltige Quelle, die über eine Felskante fließt und dabei Strukturen wie in einer Tropfsteinhöhle bildet.

Diese erinnern tatsächlich an Wasserfälle.
Besonders schön sind auch die Wasserbecken, die sich dabei oben an der Kante bilden. Und in diesen kann man baden gehen. Genau das machen wir.

Das Wasser ist angenehm kühl und an der Quelle sogar Sprudel. Dario probiert es und ist ganz begeistert. Viel zu schnell verfliegt die Zeit. Die Tour ist ja wirklich schön, aber wie immer bei solchen gebuchten Angelegenheiten ist das Programm etwas straffer als unser gewöhnliches Reisetempo.

Vor allem geht es jetzt zu dem Programmpunkt, von dem ich nicht so viel halte: Die Mezcal-Verkostung. Das ist der lokale Schnaps, der aus Guaven gewonnen wird.
Während Tequila ein geschützter Name ist, der nur in der Region Tequila verwendet werden darf und zudem nur aus einer einzigen Guavenart (der blauen Guave) gewonnen wird, kann Mezcal aus jeder beliebigen Guavenart gewonnen werden.

Beim Mezcal wird das Herz der Guave drei bis fünf ganze Tage gekocht, dann eine Woche ruhen gelassen und anschließend zerquetscht. Ganz traditionell noch mit einem großen Mahlstein, der von einem Esel bewegt wird.

Wie erwartet schmeckt mir der Schnaps nicht besonders, da kann auch der Spezialschnaps mit eingelegtem Wurm nichts dran ändern. Doch zu meiner freudigen Überraschung gibt es Liköre. Und die sind gar nicht übel. Munter probieren wir uns durch Schokolikör, Marakujalikör, Nusslikör, Hibiskuslikör, Mangolikör und etliche andere.

Entsprechend lustig wird die ganze Gruppe.

So beschwingt geht es weiter zur Teppichherstellung im Nachbarort. Auch dieser Halt stellt sich als sehr interessant heraus. Wir bekommen eine richtige kleine Vorführung.

Die Wolle wird mit einer besonderen Wurzel, die als Seife fungiert, gewaschen. Dann wird sie gekämmt und gesponnen, wie wir es auch aus der Waldorfschule kennen.

Anschließend folgt die Färbung mit natürlichen Farbstoffen. Hierzu wird ausführlich erläutert, welche Farbe wie zustande kommt. Gelb etwa wird aus der wilden Ringelblume und Baumflechten gewonnen und Blau aus Indigo.Besonders überrascht sind wir, als der Webermeister uns die Cochenilleschildläuse zeigt. Diese leben auf den Nopales, den Kakteen die hier auch gerne gegessen werden. Zerquetscht man die Schildläuse, erhält man ein wunderschönes, tiefes Rot.

Der Webermeister gibt etwas von dem Karmin (so nennt man diesen Rotton) in ein Glas mit Wasser. Dann gibt er etwas Zitronensaft, also Säure, hinzu. Die Farbe wird Orange. Dann gibt er Kalzium hinzu und erhält ein tiefes Lila. Ich hoffe das stimmt alles so, wie ich es hier niederschreibe.
Natürlich gibt es noch wesentlich mehr natürliche Farbstoffe.

Durch verschiedene Abstufungen jeder Farbe entsteht so ein recht breites Spektrum an Farbtönen. Am Webstuhl entstehen dann in Monate langer Arbeit Teppiche mit kunstvollen Mustern.

Wieder in der Stadt verabschieden wir uns herzlich von der Gruppe und dinieren in einem feinen Restaurant. Allerdings stellt sich das ausnahmsweise als keine so gute Idee heraus.
Das Essen wird unseren hohen Ansprüchen nicht gerecht.
Tja, wenn man so verwöhnt ist wie wir, kann das eben auch mal passieren.

 

Noch ein Tag in Oaxaca
14.02.2018

Da unser Bus erst abends abfährt, machen wir uns einen gemütlichen Tag und bummeln durch die Gassen.

Der Markt gefällt mir ganz gut, hier gibt es alle möglichen Leckereien und natürlich jede Menge hübschen Krimskrams.

Besonders gerne beobachten wir die Standbesitzer, manche sind wahre Unikate.

Der große Platz in Oaxaca hingegen hat für uns etwas befremdliches. Einerseits gibt es hier große Restaurants, ein Kirche, es wird Musik gespielt und alles verkauft, was man sich nur so vorstellen kann. Anderseits stehen zwischen den Bäumen provisorische Zelte in denen wohl gelebt wird.

Armut und Reichtum prallen massiv auf einander.

Wir vermeiden es uns hier aufzuhalten und besichtigen stattdessen lieber eine Kunstgalerie.

Abends steigen wir in den Bus und bereuen, die „Holzklasse“ gebucht zu haben. Die Abstände zwischen den Sitzen sind eng und es ist nicht sehr gemütlich. Schlafen nahezu unmöglich. Brrrrrr. Zudem kommen wir fast eine Stunde später an als geplant, da wir nach den ersten paar Kilometern umkehren müssen um den Bus zu wechseln. Wohl wegen eines Defektes.

 

Mexico City bis San Miguel de Allende

Mexico City
24.01.2018

Unser Flug landet morgens um 7:00 Uhr.
Also jede Menge Zeit, um sich zurechtzufinden und anzukommen.
Viel gelesen haben wir auch schon und so steuern wir nach dem ersten Geldabheben zielsicher einen offiziellen Taxistand „Sitio“ an.

Das Taxi bringt uns bis an unser Hostel „Mexiqui“ am Zócalo (Zentraler Platz einer Stadt), welches sogar noch schöner ist, als wir erwartet haben. In allen Räumen findet sich Kunst an den Wänden. Es gibt einen Raum zum abhängen und eine Dachterrasse mit Blick auf die Kathedrale. Fabelhaft.

Beim Einchecken entdecken wir eine Tafel mit umgangssprachlichen Wörtern. Ein paar davon dürfen gerne zu unserem neuen Vokabular hinzukommen. Andere werden wir wohl eher nicht benötigen…

Da wir unser Zimmer noch nicht beziehen können, machen wir es uns auf der Dachterrasse gemütlich. Hier wird gerade der Künstler, der das ganze Hostel dekoriert hat, von einem Fernsehteam interviewed.

Ein paar Minuten schauen wir dem Geschehen zu, dann dösen wir in der Sonne ein.

Tatsächlich verlassen wir das Hostel an diesem Tag höchsten für eine Stunden. Wir laufen eine der Einkaufsstraßen entlang bis zu einem großen Platz, an dem ein Handyladen liegen soll. Hier steht auch der Palacio de Bellas Artes.

Neben dem Gebäude erlebe ich ein Déjà-vu, denn der Eingang zur Metro-Station ist eine Kopie der Metroeingänge von Hector Guimard in Paris.

Wir finden den Handyladen, aber wir sind so müde, dass wir die Entscheidung für einen Tarif auf morgen verschieben. Stattdessen entscheiden wir einstimmig „kein Stress!“ und kehren einfach ins Hostel zurück.

Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant mit fünf verschiedenen Küchen, die einem sowohl europäische als auch mexikanische Gerichte servieren und zudem gibt es auch noch Sushi. Wir sind also auch für´s Abendessen gut bedient.

Eine gute Entscheidung, denn dank Klimawandel regnet es fast den ganzen Abend, was die Einheimischen geradezu unverschämt finden.

Im Gemeinschaftsraum ist niemand und nutzen wir ihn zum Tanzen und Poispielen. Schon gegen sieben oder acht Uhr ist auf der Straße tote Hose. Doch dann beginnt auf dem Platz neben der Kathedrale jemand zu trommeln und es kommen immer mehr Menschen zusammen, die wild tanzen. Fasziniert unterbrechen wir immer wieder unseren eigenen Tanz, um ihnen zuzusehen.
Es sieht geradezu wie ein altertümliches Ritual aus.
Vielleicht sind es die Tanzgruppen, die Tags für Geld auf ebendiesem Platz auftreten?

Das Museo Soumaya und die Straßen in Mexico City
25.01.2018

Nachdem uns gestern alles etwas zu viel war, fühlen wir uns heute schon wieder etwas fitter.
Wir erstehen recht schnell ein SIM-Karte und nehmen dann die Metro, um in die Nähe eines architektonisch interessanten Museums zu kommen.

Von der Station zum Museum sind es etwa 2km.
Wir entscheiden zu laufen, denn über dieses Viertel haben wir nichts schlechtes gehört.

Tatsächlich ist es recht nett. Viele der Häuser sind bunt angestrichen und die Leute grüßen lächelnd zurück. Auf einem kleinen Markt erstehen wir Hibiskusblüten und Bananen.

Das Museum gefällt uns gut, es wurde von einem mexikanischen Architekten entworfen, der vor der Gründung seines eigenen Büros ein paar Jahre für Rem Koolhaas gearbeitet hat. Die geschwungene Form ist angeblich von den Skulpturen Rodins inspiriert, einem der Lieblingskünstler des Auftragsgebers, wie sich unschwer in der Ausstellung erkennen lässt.
Carlos Slim Helú stand zum Zeitpunkt des Baus (2011) auf Platz eins der Liste der Reichsten der Welt. Das Museum ließ er für seine Privatsammlung im Wert von 700 Millionen Dollar errichten.

Abgesehen von vielen Gemälden von Heiligen und natürlich den Rodin-Werken gibt es auch eine asiatische Ausstellung mit filigranen Schnitzereien.

Weil uns das Laufen gut gefallen hat, spazieren wir weiter Richtung eines Parks, in dem sich auch einige Sehenswürdigkeiten befinden.

Allerdings werden wir unterwegs aufgehalten.
Wir entdecken in einem Schaufenster alle möglichen, gebackenen Leckereien.
Das sieht aus, wie die teigigen Bestseller aus aller Welt in einem einzigen Laden?!
Geht man in den Laden hinein, kann man sogar durch eine Glasscheibe die Produktion beobachten.

Wir können einfach nicht widerstehen und kaufen ein paar Teilchen.

So ins Futtern gekommen, machen wir gleich wieder Halt, als wir einen Straßenstand mit langer Schlange entdecken.
„Wo viele anstehen, da soll man essen!“, lautet das Motto hier in Mexiko.
Und es stimmt; die Tacos sind fantastisch!

Endlich im Park angekommen, ist es schon zu spät um noch etwas zu besichtigen.

Wir werden wohl wiederkommen müssen. Die Eichhörnchen machen zum Glück noch nicht Feierabend. Sie sind in diesem Park überall.

Und sie sind zahm! Hält ihnen jemand etwas zu Futtern hin, kommen sie herbei und nehmen es ganz vorsichtig aus seinen Fingern.

Wieder im Hotel versuchen wir unseren Aufenthalt um drei Nächte verlängern, doch unser Privatzimmer ist schon von jemand anderem gebucht und so müssen wir uns eine neue Bleibe suchen, obwohl im Hostel insgesamt nicht viel los ist. Aber leider sind die anderen Zimmer eben alle Schlafsäle.

So nutzen wir an diesem Abend nochmal den großen Raum zum Tanzen und Poispielen.

 

Die Pyramiden „Teotihuacán“
26.01.2018

Wir stehen früh auf uns checken aus. Die Rucksäcke bleiben im Hostel.

Mit der Metro fahren wir zur Station für Fernbusse und von dort geht es mit dem Bus zu den Pyramiden.

Die Fahrt dauert gute 40 Minuten, vorbei an abertausenden von Häusern. Manche sind in den für Mexiko so typischen Farben gestrichen, bei anderen lässt sich schwer sagen, ob sie noch im Bau oder schon im Verfall sind. Oder beides.

Bei den Pyramiden angekommen, verschlägt es uns schier den Atem. Das Gelände ist riesig.
Zwei gigantische und etliche kleinere Pyramiden bedecken es.

Wir setzen uns erst mal einfach hin und staunen.

Ich erliege mal wieder der Architekten-Krankheit und streichle Wände.
Diese hier ist sehr schön restauriert. Nur leider weiß ich nicht, ob die Steinchen in den Fugen auch früher schon verwendet wurden. Tja, machmal wäre ein Guide doch ganz nützlich.

Dann suchen wir uns einen Weg durch eine Schar von Souvenir-Händlern und klettern die ersten zwei Etagen der großen Sonnenpyramide empor. Dort, auf höchstens halber Höhe, spazieren wir auf die Rückseite.

Während auf der Vorderseite ein fortlaufender Strom an Touristen das Bild bestimmt, ist hier tote Hose. Wir machen es uns gemütlich uns dösen ein wenig in der Sonne.
Es ist einfach zu gemütlich und der Blick auf die Mondpyramide ist wunderbar.

Als sich Wolken vor die Sonne schieben und wir langsam wieder etwas wacher werden, machen wir ein paar Aufnahmen mit den Poi.

Dann erklimmen wir die letzten zwei Etagen der großen Pyramide und genießen gemeinsam mit hunderten anderer Touristen die Aussicht. Unser kleiner „Privatplatz“ zwei Stockwerke tiefer, war gemütlicher. Wenn man die gigantische Aussicht von ganz oben alleine genießen will, muss man vermutlich wesentlich früher aufstehen!

Obwohl wir etliche Stunden für die Besichtigung eingeplant haben, schaffen wir es am Ende nicht mal mehr ins Museum.
Die zu laufenden Strecken sind wirklich nicht gerade klein und häufig geht es Treppen hoch und Treppen runter. Und wir sind zudem bekanntlich sehr gemütlich.

Kurz bevor die Anlage schließt, verlassen wir das Gelände. Eine Deutsche spricht uns an und fragt, ob wir wüssten, wo der Bus abfährt.

Wir verneinen, aber als ich einen Händler anspreche, zeigt er mit dem Finger einfach auf die andere Straßenseite. Tatsächlich versteckt sich dort ein blaues Schild mit einem Bus.

Wieder in der Stadt stellen wir leider in der letzten Metro fest, dass die Rushhour beginnt. Die wollten wir gerne vermeiden. Aber dann denken wir uns, dass wir das ja ruhig auch mal erlebt haben können.

Als wir es ganz schön eng finden, erklärt uns die Deutsche, dass das noch lange nicht die Rushhour sei. Da käme man oft gar nicht mehr in den Wagon hinein.

Als wir aussteigen, stellt sich heraus, dass der kleine Geldbeutel aus Darios Hosentasche verschwunden ist. Erst fluchen, dann lachen wir.

Damit hatten wir ja gerechnet. Es war auch nicht viel Geld drin. Und keine Dokumente.
Trotzdem ärgert Dario sich.

Kommentar Dario: Ich wollte wenigstens mitbekommen, wenn ich bestohlen werde!

Wir trösten uns mit leckeren Tacos und bewundern die aufwändig kostümierten Tänzer auf dem Platz vor der Kathedrale.

Dann verabschieden wir uns von unserer Busbekanntschaft, holen unsere Rucksäcke und ziehen in unser neues Hotel um.

Dieses ist zu unserer Überraschung gar nicht jenes, das wir eigentlich buchen wollten. Da haben wir uns wohl verklickt… Aber es liegt nah am Castillo de Chapultepec und das Zimmer ist schwer in Ordnung. Wie der Zufall doch manchmal spielt!

 

Das Castillo de Chapultepec
27.01.2018

Wir schlafen aus und dinieren dann im hoteleigenen Restaurant. Das Frühstück ist nämlich inklusive. Wer auch immer das „Foyer“ mit „Rezeption“ und „Restaurant“ geplant hat, dem wünsche ich mal einen längeren Aufenthalt in einer Tiefgarage. Denn all diese Funktionen befinden sich zwischen Parkplätzen im Erdgeschoss.

Geht man von der Rezeption über die Ausfahrt, so ist man schon im Restaurant.
Gut, für uns mag das noch in Ordnung sein, denn unser Aufenthalt beschränkt sich auf weniger als eine Stunde während des gesamten Aufenthaltes, doch ich möchte nicht in der Haut der Angestellten stecken.

Nach dem Frühstück spazieren wir Richtung Park. Unterwegs erstehen wir bei einem alten Herrn einen Orangensaft und lernen gleich mehrere neue Worte:

„Jugo de Naranja“ = Orangesaft (gesprochen „Hugo de Naranka“)
„Medio litre“ = halber Liter

Das werden ab jetzt sehr wichtige Worte für mich! Denn das Obst hier schmeckt fantastisch.

Im Park angekommen, gehen wir gleich ins Schloss Chapultepec. Chapultepec heißt übrigens Grashüpfer, obwohl es sich für uns überhaupt nicht danach anhört. Aber wir hätten ja auch nie gedacht, dass „La cucaracha“ (Titel des wohl bekanntesten mexikanischen Liedes) eigentlich „Die Kakerlake“ bedeutet.

Das Schloss ist schön und hat gleich zwei hübsche Gärten mit grandioser Sicht über die Stadt.

Eine permanente Ausstellung zeigt originale Einrichtungen aus der Zeit von Kaiser Maximilian um 1864.
Viel interessanter finden wir aber die Gemälde, die die Zeit der Kolonialisierung zeigen.

Beim Betrachten der Ausstellung frage ich mich, warum Gewalt für die Menschheit so essenziell ist. Da sind die Urvölker mit ihren grausamen Ritualen und Hinrichtungen. Dann kommen die Eroberer in ihren schicken Uniformen und Anzügen und wälzen alles um. Sie sind die „Bösen“, dargestellt mit arrogantem, höhnischem Grinsen. 

Ja und dann? Dann stecken plötzlich diese Menschen mit dem dunkleren Teint in den feinen Anzügen… Sind das die Nachfahren der indigenen Bevölkerung? Sie tragen nun oft ein ebenso grausam wirkendes Grinsen.

Geht es denn gar nicht ohne? Früher musste man sich natürlich gegen wilde Tiere verteidigen, doch heute sind wir hauptsächlich unsere eigenen Feinde. Mensch gegen Mensch gegen Mensch.

Aber warum nur? Wo immer wir hinkommen, sehen wir friedlich miteinander lebende Leute.
Wo immer wir hinkommen, sehen wir Träume und Menschen die sie leben.
Wo immer wir hinkommen, sehen wir Liebe und Glück.

Warum gibt es noch diese andere Seite?

Als in einer Stadt in Mexiko das Küssen in der Öffentlichkeit verboten werden sollte, erhoben sich die Menschen dagegen. Hier wird immer geküsst. Und überall gekuschelt.
Es gibt viel Hilfsbereitschaft und lächelnde Gesichter.

Das passt so gar nicht zu all der Armut auf den Straßen und noch weniger zu all den Horrorgeschichten von Mafia-Herrschaft und Gewalt.

Es wäre so schön, wenn alle Menschen einfach friedlich miteinander leben könnten.
Wir müssten doch eigentlich langsam so weit sein, dass das möglich ist.
Die Technik ist so weit und das Wissen so groß.

Und doch scheint alles den Bach hinunter zu gehen. Egal ob man das Weltgeschehen betrachtet oder nur kleine Ausschnitte. Alles ist so fragil.

Klavierklänge wabern in den Hof und als wir den Dachgarten betreten, zu dem sich die historischen Schlafzimmer öffnen, entdecken wir die dortige Piano-Aufführung.

„Ich glaube, ich möchte gerne die Ballettaufführung sehen“, sage ich zu Dario.
Da stand nämlich ein Schild am Eingang. „Ballet Folklorico“.

Er ist erst mal nicht so begeistert. Vor allem, weil Regen angesagt ist. Also einigen wir uns auf „vielleicht morgen“ (was meistens „nie“ bedeutet) und gehen nach einem fantastischen Essen ins Kino.

Wir haben nämlich herausgefunden, dass viele Filme auf Englisch mit spanischem Untertitel gezeigt werden. Allerdings treffen wir es mit „La Forma del Agua“ in dieser Hinsicht nicht optimal. Der Film ist zwar toll, doch die Hauptrolle ist stumm und die Gestensprache wird natürlich nur auf spanisch übersetzt. Hinzu kommt noch, dass eine andere wichtige Rolle ein russischer Spion ist. Auch Russisch wird selbstverständlich nur auf Spanisch übersetzt.

 

Der Templo Mayor
28.01.2018

Heute fahren wir tatsächlich nochmal in die Gegend unseres ersten Hostels. Denn wir wollen noch die Kathedrale von innen sehen und den Templo Mayor besichtigen.

Die Kathedrale ist nett, aber schnell abgehakt.

Der Templo Mayor hingegen nimmt mehr Zeit in Anspruch.
Dieser Tempel war der größte und wichtigste in Tenochtitlán, der Hauptstadt der Azteken.
Die Überreste der Tempelanlage selbst sind zwar nicht sehr groß, aber im Museum verbringen wir dann doch einige Zeit.

Tenochtitlán fiel am 13. August 1521, als die Azteken den Spaniern unterlagen.
Der größte Teil der Anlage ist zerstört.

Ein Ort blutiger Opfer und Auseinandersetzungen. Ob es den einen oder anderen gruselt, wenn er solche Stätten betritt? Die meisten haben dafür natürlich gar keine Zeit, denn alle Sinne müssen auf das Finden des richtig Winkels für den Selfie-Stick verwendet werden!

In dem dichten Gedränge, das dank Wochenende gerade herrscht, fällt es allerdings auch uns schwer, ein Gefühl für den Ort zu entwickeln. Meist sind alte Ruinen für uns Orte der Ruhe, doch das trifft hier nicht gerade zu.

Danach geht’s wieder in unseren Lieblingspark. Diesmal kaufen wir Erdnüsse und füttern die Eichhörnchen. Sie sind so süß!!! Wunderschön und sooo vorsichtig, wenn sie einem die Nüsse aus den Fingern nehmen.

Auch heute ist wieder Regen angesagt, „Aber ich möchte wirklich gerne das Ballett sehen!“.

Also kaufen wir Karten und gehen zur Vorstellung. Einer Empfehlung aus dem Internet folgend, sind wir über eine Stunde vor Vorstellungsbeginn da.

Diesmal dürfen wir jedoch nicht selbst zum Schloss hinauf laufen, sondern werden mit kleinen Bussen gefahren. Oben angekommen heißt es warten. Wir vertreiben uns die Zeit mit Tanzen. Das hält auch schön warm. Die Leute vor und hinter uns in der Schlange zeigen sich verständnisvoll und lassen uns genug Platz. Als es schließlich voran geht, hören wir auf, doch kurz darauf müssen wir schon wieder stehen bleiben.

Wir sind nur bis unter einen Bogengang gelassen worden, denn es fängt an zu regnen. Hier stehen wir geschützt, während die Veranstalter wohl noch entscheiden, ob heute überhaupt etwas auf der Bühne passieren wird.

Eine elegant gekleidete Dame aus der Gruppe hinter uns, spricht uns an.
Wir entschuldigen uns und erklären, dass wir kaum Spanisch verstehen. Immerhin das können schon. In diesem Fall ist es allerdings nicht das Ende des Gesprächs, denn sie wiederholt einfach auf Englisch, dass wir doch ruhig wieder tanzen sollen, es mache ihr solchen Spaß zuzuschauen.

Doch statt wieder zu tanzen werden wir schnell in ein Gespräch mit der ganzen Gruppe verwickelt. Sie sprechen alle perfektes Englisch, zwei von ihnen leben sogar in den USA. Diese beiden schauen beständig in den Regen, sie haben sich so auf die Vorführung gefreut.
Wir sind da weniger besorgt. Es kommt wie es kommt. Von der eleganten Dame bekommen wir etliche gute Tipps für Orte an die wir noch kommen werden und so vergeht die Zeit wie im Fluge.

Es hört auf zu regnen und wir nehmen unsere Plätze ein. Während wir noch nach guten Plätzen in der zweiten oder dritten Reihe Ausschau halten, füllen diese sich schon. Aber wir stehen genau vor der ersten Reihe. Kurzentschlossen nehmen wir einfach die Plätze genau in der Mitte der ersten Reihe. Man muss ja nicht immer anderen den Vortritt lassen.

Die Aufführung ist bombastisch. Schon ein paar Minuten nach Beginn flüstert Dario mir zu „Danke, das war eine super Idee“.

Anderthalb Stunden lang fliegen die Röcke, knallen die Sohlen und spielen die Musikanten. Die Truppe besteht aus mindestens dreißig Personen. Zwischen den einzelnen Stücken gestalten einige wenige die Übergänge, während die anderen sich umziehen, um uns mit immer neuen Kostümen und Tänzen zu begeistern.

Sogar im fliegenden Lasso wird noch getanzt. Die umgesetzten Geschichten erzählen von guten und von schweren Zeiten, von Liebe und von Krieg.

Ganz verzaubert machen wir uns auf den Heimweg.

 

Im Bus nach Guadalajara
29.01.2018

Wie schon beim Besuch der Pyramiden, fahren wir zum Busbahnhof „Autobuses del Norte“. Dort steigen wir in einen Bus, der uns direkt nach Guadalajara bringt, wo Daniela wohnt.

Daniela hat mit mir zusammen bei LAVA in Sydney gearbeitet.
Sie hat uns erst darauf gebracht, nach Mexiko zu fahren. Eigentlich wollten wir in die Karibik. Auf die Bahamas und nach Cuba. Aber sie hat uns überzeugt, dass Mexiko viel interessanter ist. Naja, außerdem waren die Flüge einfacher und preiswerter. Und jetzt besuchen wir sie also.

Im Gegensatz zu Thailand nehmen wir aber keinen Nachtbus, denn die sollen hier nicht ganz so sicher sein. Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls ist größer und die Gefahr überfallen zu werden steigt auch. Das wollen wir doch beides lieber vermeiden.

So kommen wir abends an. Mit Uber fahren wir ins Hostel und gehen bald darauf auch schon schlafen. Morgen sind wir mit Daniela verabredet.


Mexiko mit einer Mexikanerin
30.01.2018

Daniela holt uns morgens am Hostel ab. Sie hat ein Auto, was ich gar nicht wusste. Das ist natürlich perfekt, um viel anzuschauen. So beginnen wir mit dem Stadtzentrum von Guadelajara.

Guadalajara ist übrigens die zweitgrößte Stadt Mexikos. Wir müssen zusehen, dass wir bald mal wieder in ländlichere Gefilde kommen.

Architektonisches Highlight ist für mich ein ehemaliges Waisenhaus, das Hospicio Cabañas. Die Kinder wohnen hier allerdings schon längst nicht mehr. Das Bauwerk hat eine lange Geschichte hinter sich. Es wurde sogar schon als Kaserne genutzt und vor seiner Zeit als Museum war es eine Art Schule.

Große Hallen und Patios mit Springbrunnen bilden die Gebäudestruktur. Heute hängen an den Wänden Gemälde, die in der größten Halle werden sogar von aufwändigen Malereien des berühmten einheimischen Künstlers José Clemente Orozco geziert. Diese sind zum Glück auch erst aus der Zeit nach den Kindern, denn ihre düsteren Themen fände ich in einem Waisenhaus eher kontraproduktiv.

 

Anschließend besichtigen wir die Kathedrale und bummeln zurück zum Auto. Dabei futtern wir Chips mit Chilisauce, frische Mangostückchen, Kokosnuss und Pizza in Waffelform. Straßenstände mit Leckereien gibt es nämlich mehr als genug.

Zurück am Auto müssen wir feststellen, dass unser Auto mittlerweile zugeparkt ist. Dabei parken wir doch auf einem kostenpflichtigen und gut bewachten Parkplatz! Fragend schauen wir Daniela an. „Ach, das ist ganz normal hier“.

Tatsächlich gibt jeder, der in der zweiten Reihe parken will, einfach seinen Schlüssel ab. So werden jetzt munter Autos umgeparkt, bis wir mit unserem raus kommen.
Dieses Land ist wirklich voller Widersprüche. Einerseits voller Vorsicht und Misstrauen, andererseits aber auch geprägt von Vertrauen.

Wir fahren nach Tlaquepaque, einem Ortsteil, der für seine Kunsthandwerker bekannt ist.
Hier bummeln wir durch die Gassen und können tatsächlich nicht widerstehen eine Kleinigkeit zu kaufen.

Wir kommen sogar an einer Pizzaria namens LAVA vorbei. Das weckt natürlich Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit in Sydney.

Zum Essen gehen wir in ein schönes Lokal mit einem Innenhof, in welchem ein Brunnen plätschert. Wir futtern uns quer durch die traditionelle Speisekarte. Danila bestellt.

Es gibt Nachos mit Guacamole, „Ertränktes Baguette“ (Baguette belegt mit Fleisch und mit Tomatensauce übergossen), Taco-Suppe (Tomatensuppe mit kleinen Tortilla-Stücken) und natürlich Tequila. Ich habe nicht damit gerechnet, dass der mir in irgend einer Weise schmecken würde, aber als Beigabe in einem großen Glas Mangosaft schmeckt er tatsächlich ausgezeichnet.

Und dann kommt sogar eine Gruppe Mariachis in Lokal. Das sind die traditionellen Musiker hier. Sie spielen und singen und reichen einen großen Sombrero herum, mit dem wir Fotos machen dürfen.

Vollgefuttert und zufrieden geht es weiter. Daniela fährt uns noch ein wenig in der Stadt herum und schließlich kaufen wir im „Red Pub“ Tickets für das Wrestling heute Abend.
Daniela erklärt uns, dass Wrestling eine sehr wichtige Angelegenheit hier in Mexiko ist. Sie selbst war allerdings auch erst einmal dort. Für ein Projekt an der Uni.

Wir trinken noch eine Kleinigkeit, dann bringt uns ein Bus zum Stadion.
Hier ist schon ordentlich was los. Wir suchen uns einen Platz auf den Plastikstühlen, die ersten Kämpfe laufen schon. Einige Reihen hinter uns ist ein Zaun, der die Plätze dahinter von den vorderen Reihen abtrennt.

Daniela erklärt uns, dass das die „billigen Plätze“ sind, wo die armen Leute sitzen. Das sind diejenigen, die hier für Stimmung sorgen. Nebst der Musik und den Trommeln.

Sie feuern mal die Kämpfer an, mal denken sie sich irgend welche Sprüche aus, die sie dann im Chor rufen. Meist beziehen diese sich auf die „Reichen“. Am liebsten auf welche mit Glatze. Aber auch mal auf eine junge Frau der vorderen Ränge, die mit einem Mann auf den hinteren Rängen spricht „Küssen, küssen, küssen, …“

Manches kann Daniela uns übersetzen, anderes versteht selbst sie nicht. Zuviel Slang. Wir lernen natürlich auch fluchen, was ich hier jetzt aber gar nicht zum Besten geben möchte, da dieser Blog dann nicht mehr jugendfrei wäre.

Ich muss allerdings dazu sagen, dass bei diesem ganzen „Gehänsel“ keinerlei Aggressivität in der Luft liegt. Es ist eher ein freundschaftliches Geplänkel zwischen den zwei Bereichen.

Nach einer Weile beginnen wir bei den Kämpfen ein wenig durchzublicken. Es treten meist Gruppen gegeneinander an. Drei gegen drei. Männer gegen Männer oder Frauen gegen Frauen. Die Kämpfe zweier Gruppen gehen immer drei Runden lang. Was wir allerdings nicht verstehen ist, wann einzelne Kämpfer der Gruppen gegeneinander antreten und wann einfach alle auf einmal draufhauen. Jedenfalls ist das ganze eine einzige große Show.

Die Kämpfer fliegen durch die Gegend, springen Saltos oder hüpfen vom obersten Seil der Ringabsperrung auf ihren Gegner drauf, klammern sich mit den Beinen um seinen Hals und reißen ihn so zu Boden.

Jedes Mal, wenn neue Gruppen die Manege betreten, wird daraus ein Event gemacht. Auf einem Laufsteg schreiten sie zum Ring.

Besonders gut gefallen uns die akrobatischen Gruppen. Weniger gut gefallen uns die Gruppen, die den Kampf aus dem Ring heraus und in den Bereich vor der ersten Sitzreihe verlegen. Durchaus mal, indem sie sich vom Ring hinab auf ihre Gegner außerhalb werden.

Eine Zuschauerin wird dabei sogar verletzt, andere fliehen schnell in die hinteren Reihen. Ein andermal wird jemandem ein Becher aus der Hand geschlagen und sein Inhalt verteilt sich auf etliche Leute. Das Publikum quittiert derartige Ausschreitungen schließlich mit dem Werfen von Pappbechern. Was vom Sicherheitspersonal wiederum mit Verwarnungen beantwortet wird.

Was für eine Gaudi.

Als der Abend zur Neige geht, rufen die hinteren Reihen so was wie „Ihr müsst jetzt gehen, sonst verpasst ihr den Bus!“ und einige aus den vorderen Rängen rufen zurück „Wenigstens müssen wir nicht laufen“, oder so ähnlich.

Wir nehmen den Bus zurück und gehen mit Daniela noch Tacos essen. Endlich verstehen wir mal die Speisekarte und lernen, dass es solche Beläge wie „Hirn“ und „Innereien“ gibt. Au weih. Das haben wir bestimmt schon gegessen ohne es zu merken!

Daniela setzt uns wieder am Hostel ab und wir machen aus, dass wir nochmal zusammen Essen gehen, bevor wir weiterreisen. Wir brauchen eh noch etwas Zeit, um zu recherchieren und herauszufinden, wo wir eigentlich als nächstes hinwollen.

Erkältung und Kino
31.01.2018

Ich wache auf und bin erkältet. Typisch. Bei -20 Grad in Kanada war alles okay und hier jetzt so was. Es sollte eigentlich viel wärmer sein!

Wir müssen die Unterkunft wechseln, weil unser Zimmer leider schon gebucht ist und wir nur für zwei Nächte reserviert hatten. Aber das ist vielleicht ganz gut, denn ich vermute, dass ein Luftzug im Zimmer für meine Erkältung verantwortlich ist.

Wir verbringen den Tag sehr gemütlich und recherchieren ein wenig. Am Abend gehen wir ins Kino. „The Greatest Showman“ zieht uns in seinen Bann und sorgt für Begeisterung. Es ist schön, in Ländern unterwegs zu sein, wo im Kino noch geklatscht wird.

 

Tag im Bett
01.02.2018

Tja, man fühlt sich auch mal kacke auf Reisen. So bleibe ich heute einfach im Bett und überlasse Dario die Recherche. Allerdings verliert er bei einem Absturz des Programms etliche markierte Orte wieder, was für Frust und eine weitere Verlängerung unseres Aufenthaltes in Guadalajara sorgt.

Abends holt Daniela uns wieder ab und wir gehen zusammen essen und anschließend in eine Bar. Obwohl ich eigentlich total fertig bin genießen wir dieses gemütliche Beisammensein sehr.
Daniela erklärt uns auch immer wieder neue Dinge, die wir noch nicht wissen. Wie man etwas richtig ausspricht. Wie man sich verhält. Wie viel Trinkgeld man gibt.

In der Bar kennt sie die Leute und wir werden nett begrüßt. Mit einem Eierlikör der aufs Haus geht. Für die deutschen Freunde, die wirklich nach Mexiko gekommen sind.

Tja, und dann heißt es schweren Herzens Abschied nehmen.
Morgen fährt Daniela zu ihren Eltern, wir werden sie also nicht nochmal sehen. Zumindest nicht hier in Mexiko. Obwohl sie am liebsten mit uns reisen würde, aber das geht im letzten Semester des Studiums eben nicht.

Trotz Erkältung geht eine Verabschiedung in Mexiko nicht ohne Umarmung und Küsschen.
Wir winken dem Auto hinterher, bis es hinter einer Kurve veschwindet.

 

Neue Schuhe
02.02.2018

Dario wiederholt seine Recherchearbeit, bis wir schließlich wissen, wie es weitergeht. Dann googeln wir nach Outdoor-Läden und finden tatsächlich einen. Dario hat ja leider einen seiner Wanderschuhe in Australien verloren. Und seine Sportschuhe, die er schon zuhause mehrere Jahre getragen hat, sind langsam wirklich durch. Da bröckelt schon die Sohle ab.

Heute ist also der große Tag, an dem diese treuen Gefährten schweren Herzens in die nächste Mülltonnen wandern und gegen neue ausgetauscht werden. Es ist schon seltsam, dass man sogar eine Beziehung zu solchen Dingen aufbaut…

In Mexiko könnte es ja sogar sein, dass ihre Nutzphase noch nicht zu ende ist. Wer weiß schon, ob sie nicht an den Füßen eines Bettlers enden? Wäre nett. Wobei auch der vermutlich nicht mehr sehr lange etwas von ihnen hätte. Selbst die Zehen schauen seit ein paar Tagen schon raus.

Wieder ziehen wir in ein anderes Hostel um. Diesmal haben wir uns für ein ganz billiges entschieden und Dario wertet es als eines der schlechtesten unserer Reise. Keine Fenster, Schimmelgeruch und ein Bad, in dem wir uns beide nicht nach duschen fühlen.

Andererseits liegt es nicht schlecht. Gleich nebenan ist ein großer Platz mit Kirche und Restaurants.

Wir gehen ins Kino. In den neuen Jumanji. Erst als wir die Tickets schon gekauft haben, bemerken wir dass der Film auf Spanisch ist. Wir beschließen ihn trotzdem anzuschauen.

Es stellt sich heraus, dass wir erstaunlich viel auch mit unseren begrenzten Sprachkenntnissen verstehen. Beziehungsweise erahnen. Nur einige Witze erschließen sich uns nicht. Aber das lässt sich ja bei Gelegenheit nachholen. Wir können den Film ja nochmal schauen.

Eine kurze Zeit lang machen wir uns einen Spaß und versuchen zu übersetzen. Dabei sind wir uns allerdings so uneinig, was die exakte Bedeutung angeht, dass wir bald wieder aufhören.

 

Endlich weiter – in eine traumhafte Stadt
03.02.2018

Ich bin immer noch total Erkältet, aber wir wollen endlich weiter.

Wir haben uns entschieden, nach San Miguel de Allende zu fahren. Die Stadt hat uns Daniela empfohlen und sie sieht wirklich sehr schön aus, auf den Bildern.

Wir sitzen wir im Busterminal. Der Bus ist schon bezahlt.
Ein Hotel sollte schnell gefunden sein.
Doch Fehlanzeige.

Fast alle Unterkünfte, die über das Internet verfügbar sind, sind bereits ausgebucht.
Normalerweise würden wir jetzt einfach vor Ort suchen gehen, aber weil es mir immer noch so schlecht geht beißen wir in den sauren Apfel und buchen eine für unsere Verhältnisse viel zu luxuriöse Unterkunft. Naja, vielleicht auch mal ganz schön.

In San Miguel de Allende angekommen müssen wir ein Taxi nehmen. Es geht durch enge Gassen mit Kopfsteinpflastern. Die Häuser sind alle sehr hübsch. Wir fühlen uns sofort wohl.
Auch ist unser Taxifahrer sehr nett und versucht uns einige Tipps zu geben, was wir hier alles machen können. Einiges verstehen wir sogar. Blumenmarkt, Kirche, Botanischer Garten.

Und in der Tat wohnen wir diese Nacht sehr angenehm. Für morgen suchen wir uns allerdings ein AirBnB raus, das nur ein Drittel kostet.

 

Bummeltag
04.02.2018

Nach dem Frühstück schlendern wir Richtung Altstadt.

Dabei kommen wir über den riesigen Blumenmarkt, von dem uns unser Taxifahrer gestern Abend schon erzählt hat. Hier werden jede Menge Kakteen und wunderschöne Blumen angeboten. Zu schade, dass wir davon nicht mitnehmen können.

An einer traumhaft schönen Kirche futtern wir Tacos und machen es uns in der Sonne gemütlich. Endlich ist es schön warm. Ich zeichne, Dario döst.

 

Schnell wird klar, warum die meisten Unterkünfte ausgebucht sind, denn die Stadt wimmelt von Touristen. Das ist allerdings wirklich verständlich. Verträumt bummeln wir durch die Gassen und sind immer wieder entzückt. Von irgendeiner Gasse. Von Bäumen die aus Mauern wachsen. Von Lampions im Wind.

Ein nettes Lokal mit gutem Essen rundet den gemütlichen Tag ab.

Nun folgt der weniger gemütliche Teil. Wir holen unsere Rucksäcke vom Hotel und wandern zu unserem AirBnB. Problematisch ist, dass die Adresse nicht ganz eindeutig ist, wodurch wir eine ganze Weile herumirren.

Dann stellt sich auch noch heraus, dass der Link nicht funktioniert, der die Anleitung zum Einchecken enthalten sollte. So dauert es schließlich über eine Stunde, bis wir tatsächlich im Haus sind. Erschöpft möchte ich den Jakuzzi in unserem Bad einweihen, stelle aber fest, dass er unseren Sauberkeitsansprüchen nicht gerecht wird. Ich will ihn aber benutzen! Also wird geputzt. Als ich fertig bin, wird das Wasser kalt. Na toll. Für einen Probelauf reicht es aber. Dieser befördert einen Haufen grünes Zeugs aus den Leitungen. Pfui.
Heute wird das jedenfalls nichts mehr.

 

Botanischer Garten mit Canyon
05.02.2018

Dario beginnt den Tag mit einem weiteren Probelauf des Jakuzzi. Das sieht jetzt schon viel besser aus. Heute Abend können wir ihn benutzen.

Weil die Stadt so schön ist, spazieren wir zum Botanischen Garten, der auf einem Hügel liegt.

Der Garten ist sehr groß und bietet eine große Vielfalt an Kakteen. Besonders schön sind die Blicke in einen kleinen Canyon.

Zurück nehmen wir ein Taxi und bekommen zum ersten Mal wirklich zu viel abgeknöpft. Und das nach so langer Zeit Reise. Tja, jetzt ist uns das auch mal passiert. Unter den umgerechnet fünf Euro leiden wir zum Glück nicht. Soll sich der Taxifahrer eben freuen.

Trotzdem nehmen wir uns fest vor, dass uns das nicht nochmal passiert. Je mehr dumme Touristen so mit sich umgehen lassen, desto unverschämter werden die Taxifahrer.
Wir geben ja gerne mal ein Trinkgeld, wenn jemand besonders nett war. Aber das ist wieder etwas ganz anderes, als über den Tisch gezogen zu werden.

 

Winter in der kanadischen Wildnis

Mittlerweile wissen wir, wie man die hohen Gebühren bei der Fahrt zum Flughafen umgeht. Mit dem Zug fahre wir bis Mascot Station. Gleich um die Ecke fährt der Bus ab, der uns ohne zusätzliche Kosten bis vor den Eingang des Airports bringt (All unsere Tipps zu Sydney HIER).

Mit knapp 5$ auf seiner Busfahrkarte kommt Dario genau hin. Damit haben wir über 15$ pro Person gespart.

Am Schalter beim Einchecken erleben wir auch noch eine schöne Überraschung. Den langen Flug von Sydney nach Vancouver hat das Reisebüro gebucht, den kurzen Anschlussflug von Vancouver nach Prince George haben wir gebucht. Da aber beide Flüge mit Air Canada sind, müssen wir unser Gepäck nicht abholen und nochmal einchecken. Noch viel besser ist, dass unser Gepäck auch nichts kostet, wie es eigentlich bei Air Canada Inlandflügen der Fall ist.

Unser restliches Bargeld investieren wir in Briefmarken. 21$ für unsere sieben Kärtchen.

Ja, das liebe Geld lässt einen besonders in diesem Land nicht los. Dario hat mich letztens darauf hingewiesen, dass ich mal aufhören soll, immer so viel über Geld zu schreiben (und zu denken!). Ständig freue ich mich über Schnäppchen oder fluche über hohe Preise. Oft schon haben wir viel Zeit auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft verbracht. Ob wir es schaffen, all diese Gewohnheiten abzulegen?

„Endlich weg aus Australien!“, sage ich zu Dario, während wir zum Gate gehen.

Er strahlt mich an und ich strahle zurück.
Wir sind uns einig: Es war eine schöne Zeit, aber wir sind verdammt froh, Australien zu verlassen!
Halb laufen, halb hüpfen wir durch den Flughafen, so beschwingt sind wir.

Da wir sehr früh dran sind, dauert es noch eine ganze Weile, bis wir ins Flugzeug können, und wir nutzen die Zeit, um noch etwas an der Homepage zu arbeiten.
Doch dann ist es endlich so weit.

Tickets zeigen, im Gang zum Flugzeug Schlange stehen, die Stewardess begrüßen, warten bis alle vor uns ihre Koffer verstaut haben, die richtigen Plätze finden, Gurte anlegen, ein halbes Ohr und Auge den Sicherheitsinstruktionen widmen und schließlich, schließlich! Wir heben ab.

Rasch entfernen wir uns vom australischen Boden, ein Hochgefühl.

Passend zu unserer guten Laune haben wir auch die perfekten Plätze. Ganz hinten im Flugzeug gibt es einige wenige Sitzreihen, in denen am Fenster nur zwei statt drei Sitze sind.
Wir klappen die mittlere Armlehne hoch und widmen uns glücklich der Filmauswahl des Flugzeugs.
Besser als erste Klasse oder Business Class! Erstere wäre für uns der pure Horror, ist man doch durch eine Wand vom Nachbarn getrennt. Auch zweitere würde uns nicht glücklich machen, denn die Armlehnen können nicht hochgeklappt werden.

Gute 14 Stunden dauert der Flug. Mit Schlafen und Filmeschauen eine sehr gemütliche Sache.

Das Umsteigen in Vancouver verläuft so reibungslos wie alles andere. Wir telefonieren sogar noch kurz mit Mama.

IMG_0729

Es regnet in Strömen vor den großen Scheiben des Flughafens und wir sind heilfroh, dass wir unser endgültiges Ziel noch nicht erreicht haben.
Wir haben fünf Stunden fürs Umsteigen, der Weiterflug selbst dauert nicht lange.

Meist sehen wir durch die dichte Wolkendecke gar nichts, doch ab und an erhaschen wir einen Blick auf die Landschaft. Statt Regen sehen wir bald Raureif, dann dünne Schneefelder und schließlich immer dichteres Weiß.

Wir landen auf Schneematsch. Problemlos, denn das Flugzeug ist dafür ausgelegt.

Kühle, frische Luft füllt unsere Lungen, als wir die Treppe zum kanadischen Boden hinabsteigen. Juchhu!!!

Als wir die Tür zum Flughafengebäude öffnen, steht meine glücklich Mama vor uns.
Wir fallen uns in die Arme und machen einen ganz schönen Freudenlärm.

Als unsere Rucksäcke auf dem Laufband in Sicht kommen, löst Dario sich aus dem Knäuel. Die beiden, mittlerweile alt gedienten Gepäckstücke kommen direkt hintereinander. Da hat sich wohl jemand schon gedacht, dass die zusammen gehören. Wir sind die einzigen Backpacker, die sich hierher verirrt haben.

Mama hat uns warme Jacken, Handschuhe und Mützen mitgebracht. Die hatten wir schon zusammengepackt, als wir noch in Deutschland waren. Mama hat dann ein großes Paket per Post vorausgeschickt.

So eingemummelt stapfen wir zum Auto. Allerdings ist es gerade mal um die null Grad. Keine -15 Grad, wie noch vor ein paar Tagen. Zum Eingewöhnen also ganz gut. Wir kommen schließlich aus dem australischen Frühling mit guten 25 Grad plus.

Die notwendigen Erledigungen hat Mama schon fast alle gemacht. Unser einziger Punkt auf der Liste lautet „Stiefelkauf“.

Im sogenannten „Canadian Tires“ gibt es alles, was der Mensch in der Wildnis zum Überleben braucht. Wir probieren alle möglichen Stiefel an. Fette, klobige Dinger.

Ich finde welche, die so dick gepolstert sind, dass ich in ihnen wie auf Wolken gehe.

Dario findet ebenfalls ein Modell, das ihm gefällt und behält sie direkt an. Seine Sportschuhe waren noch nie wasserfest und sind mittlerweile auf dem besten Wege, zu Barfußschuhen zu werden.

Nun also gut ausgerüstet, machen wir uns auf die lange Fahrt nach Hause.

Durch eine schön verschneite Welt geht es den Highway entlang. Die Straße ist gut geräumt und wir haben keine Schwierigkeiten. Mama fährt entspannt und wir erzählen und erzählen.

Ungewohnt ist für uns, dass auf der rechten Straßenseite gefahren wird. Das hatten wir tatsächlich seit Deutschland nicht mehr. Also ganze 13 Monate lang.

Irgendwann schläft Dario auf der Rückbank ein.

Bereits gegen 4 Uhr wird es dunkel.

Gute sechs Stunden nach Abfahrt, mit nur einem kurzen Zwischenstopp in der einzigen größeren Ortschaft auf dem Weg, erreichen wir unser Winterquartier in der Wildnis.

Die letzte Stunde geht es über eine Mischung aus Schnee und Sand auf unbefestigter Straße, die dennoch recht gut geräumt und gestreut ist.

Nur wenige Kilometer müssen wir dann noch durch Schnee zurücklegen, doch selbst hier wurde zumindest per Traktor geräumt: Edwin, unser wundervoller Freund, hat sogar den Weg bis zur Hütte freigemacht.

Die kleine Hütte schimmert goldgelb in der Dunkelheit und heißt uns willkommen.

Als wir vor der Veranda halten, kommt Pino uns schon entgegen.

Wir begrüßen uns herzlich.

Der Sternenhimmel über uns ist so klar, dass wir über den am Uluru nur lachen können. Hier gibt es außer unserem Licht weit und breit kein anderes.

Der Tisch wird rasch gedeckt, das Essen ist schon fertig.

Im Kamin und auch im Ofen knistern Feuer.

Ein schöneres Willkommen könnte es kaum geben.

So gemütlich ist es, dass wir nur noch strahlen können.

Dank Dunkelheit ist von Jetlag nichts zu spüren und so kuscheln wir uns bereits um halb Zehn zufrieden in unsere warmen Decken.

 

Tag ohne Technik
20.11.2017

Wir schlafen ordentlich aus und erwachen mit einem glücklichen Lächeln.

Pino hat das Feuer im Kamin nicht ausgehen lassen und von Frieren kann keine Rede sein.

Es ist genau, wie es sich gehört: Draußen wundervoll kalt und drinnen wunderbar warm.

Nicht wie in Australien, wo man selbst bei über +20°C Außentemperatur im Haus fror!

Wir beschließen, heute kein technisches Gerät zu benutzen und genießen einfach, dass wir genau hier und nirgends sonst sind.

Mama und Pino zeigen und erklären uns alles. Das letzte Mal waren Dario und ich vor neun Jahren hier. Wir erinnern uns an vieles nicht mehr.

Im Winter war von uns überhaupt noch nie jemand hier.

Wir sind also die deutschen „Greenhorns“ (entspricht dem deutschen „Grünschnabel“).

Aber wir fühlen uns nicht danach, uns deswegen Sorgen zu machen. Stattdessen krame ich meine Rezepte aus dem Gepäck und beschließe, Zimtschnecken zu backen.

Das einzige was fehlt, sind Eier. Aber zum Glück bekommt man diese bei Linda. Ihr Shop ist am See, nur etwa sieben Kilometer entfernt.

Mama fährt mit mir hin, denn ich kenne Linda noch gar nicht. Als ich vor neun Jahren hier war, gab es den Shop noch nicht.

Als wir an den See kommen, bin ich überwältigt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Seen ist er noch nicht gefroren. Er ist zu groß und tief.

Spiegelglatt und dunkel liegt er da. Kontrastiert von all dem Weiß.

Das „Open“-Schild an Lindas Haus leuchtet uns rot entgegen.

Als wir auf den Eingang zugehen, kommen zwei kleine Hunde angerannt. Ein schwarzer Winzling und ein kleiner blonder Kuschelbär.

Der Winzling springt sofort an uns hoch, kommt aber kaum bis zu den Knien. Der andere hält sich im Hintergrund, schaut aber sehr neugierig und gewinnt sofort mein Herz.

Blöd nur, dass er nicht so zutraulich ist wie ich.

Ich komme nicht mal nah genug heran, um ihn zu streicheln.

Also gehen wir in den Laden. Oder besser: wir klopfen an die Haustür und werden in den Eingangsbereich gebeten. Hier gibt es einen einfachen Tisch mit Kasse, einen Kühlschrank, einige Strickklamotten und ansonsten alles, was man zuhause im Eingangsbereich hat. Volle Schuhregale und Jacken an Haken.

Geht man geradeaus in den nächsten Raum, reihen sich um einen Esstisch Regale mit Konservendosen und anderen haltbaren Lebensmitteln.

Gleich dahinter ist das Wohnzimmer. Der Fernseher läuft.

Unsere Wasserkanister werden von Linda in der Küche mit frischem Seewasser aufgefüllt. Ein Gefallen, für den Mama immer noch etwas mehr kauft oder eine kleine Spende dalässt.

Unser eigenes Wasser kommt aus einem Brunnen und ist recht begrenzt, könnte aber auch getrunken werden. Wir sparen es für den Notfall.

Während Mama unsere „Einkäufe“ regelt, versuche ich den süßen Hund zu mir zu locken. Aber er ist ziemlich scheu.

Wir bedanken uns und fahren wieder heim. Ich mache mich sofort ans Backen.

Allerdings mit Mamis Unterstützung, denn die Brotmaschine kann den Teig vorbereiten, braucht aber andere Mengen und darf nicht überfüllt werden.

Einen Versuch ist es wert, denn letztes Mal waren die Zimtschnecken noch nicht perfekt.

Dario erstellt einen Essensplan, denn morgen gehen wir einkaufen. Immer Dienstags, so hat es sich bei Mami und Pino eingebürgert.

Mami und ich versuchen auf dem Weg vor dem Haus zu rodeln. Allerdings ist der billige Bob nicht besonders gut und wir kommen kaum voran. Also probieren wir den Lastschlitten aus.

Der hat zwar so hohe Ränder, dass man kaum lenken kann, aber dafür fährt er richtig gut.

Als die Zimtschnecken fertig sind, besuchen wir zu dritt Edwin.

Wir können nämlich nicht mit leeren Händen bei ihm auftauchen. Er nennt es das „canadian protocol“. Wenn man jemanden besucht, bringt man eine Kleinigkeit mit.

Da er sich stets daran hält, tun wir es auch.

Ohne Edwin wäre das alles hier kaum möglich. Er ist Holzfäller und hat eine kleine Sägemühle. Mit seinen Söhnen hat er damals unsere Hütte gebaut.

Er passt auf alles auf, ist guter Freund und auch Retter in der Not.

Zudem Ansprechpartner in allen Wildnis- und Hausbelangen.

Mit einem breiten Lächeln, das seinen letzten verbliebenen Zahn enthüllt, empfängt er uns in der Haustür.

Wir drücken ihn. Ich freue mich riesig, ihn zu sehen.

Er ist einer der beeindruckendsten Menschen, die ich kenne. Ein Wildnis-Intellektueller, denn er hat auf einigen Gebieten ein immenses Wissen, das er ständig erweitert und durch Nachforschungen und eigene Analysen ergänzt.

Außerdem kann er so ziemlich alles bauen und reparieren. Mit seinem Garten versorgt er sich fast vollständig selbst und kleine Windräder auf dem Dach erzeugen Strom.

Ein wenig sieht es aus wie bei Pettersson und Findus. Alles hängt und liegt über- und untereinander.

Passenderweise leben unter dem Haus jede Menge Katzen.

Das war schon immer so.

IMG_1714

Als kleines Kind habe ich sie gerne gezähmt, während die Erwachsenen drinnen stundenlang auf Englisch schwatzten.

Heute sind Dario und ich gerne drinnen dabei, schließlich verstehen wir mittlerweile fast jedes Wort und Edwin steckt voller spannender Geschichten.

Er erzählt, wie er mal mit Holzfällern im Winter Straßen freigemacht hat und an einer Stelle im Schnee versank, der so tief war, dass er seine Kettensäge über den Kopf hochhalten musste, damit die anderen sehen konnten, wo er war.

Oder wie der Schnee so hoch war, dass er überall um die Hütte richtige Gänge graben musste und dann in einem solchen Gang auf eine Elchkuh traf. Die sind ab Januar ziemlich ungemütlich. Besonders wenn sie ein Kalb dabei haben.

Sie jagte ihn durch den Gang und er schaffte es gerade so, auf seine Veranda zu schlittern, die Tür zu öffnen und nach drinnen zu flüchten.

Außerdem liest er gerade ein Buch über den Alten Fritz (Friedrich der Große) und kommt immer wieder auf dessen Erlebnisse zurück.

Edwin hat mehr Geschichtswissen als die meisten Europäer. Und das in der kanadischen Wildnis, weit ab von jeglichen Bildungseinrichtungen und ganz ohne Internet.

Als wir schließlich gehen, ist es schon dunkel.

Nach dem Abendessen spielen wir Skat, dann gehen wir auch schon ins Bett.

IMG_1056

 

Einkaufen
21.11.2017

Um neun wecken uns Mama und Pino. Denn wir wollen nicht zu spät zur Stadt fahren. Das Auto ist schon eingesteckt; per Kabel und Steckdose kann man nämlich den Motor vorheizen, um diesen vor Kälteschäden zu bewahren.

Ohne Frühstück brausen wir los, dieses gibt es gute anderthalb Stunden später in ein Café in der Stadt.

Die Fahrt am See entlang ist wunderschön.

 

IMG_0762

IMG_0765

IMG_0768

Wir brauchen fast den ganzen Tag, um alles zu erledigen. Obwohl wir uns die Aufgaben aufteilen. Die Männer gehen Lebensmittel einkaufen, Mama und ich den Rest.

Viel Zeit verbringen wir in der Bibliothek, denn hier können wir ins Internet.

Auf dem Heimweg fahre ich zum ersten Mal das Auto. Auf der rechten Straßenseite. Aber die Strecke ist ja nicht besonders schwierig, denn es geht immer nur geradeaus.

Die letzten Kilometer sind die schwersten, denn ich bin nicht so geübt auf Schnee und Eis. Aber es klappt.

Zum Abendessen gibt es Grillhähnchen, auch eine Dienstags-Tradition. So sparen wir uns die Essenszubereitung am Abend.

Daher bleibt wieder Zeit fürs Skatspielen.

Wir haben auch ein paar Maronen gekauft und ich experimentiere, wie sie am einfachsten und schnellsten zuzubereiten sind. Im Backofen dauert es mir zu lange, aber in Alufolie eingewickelt und in die Kohlen gelegt, funktioniert es ganz gut.

Allerdings trocknen sie mit Schlitz zu sehr aus, ich mache wohl irgendwas beim Einritzen falsch.

Schließlich lege ich zwei ohne Schlitz in den Ofen.

Das Ergebnis: Als ich eine öffnen will, explodiert sie. Auf meinem T-Shirt klebt mehr, als noch in der Schale ist, aber egal: Sie schmeckt ausgezeichnet. Ausgetrocknet ist sie jedenfalls nicht. Allerdings habe ich mir die Hand an ihr verbrannt.

Nun bin ich voller leckerer Marone. Sie schmeckt ausgezeichnet. Nur schade, dass mehr auf meinem T-Shirt klebt, als noch in der Schale ist.

Ausgetrocknet ist sie jedenfalls nicht.

Irgendwie habe ich mir auch noch die Hand an dem Mistding verbrannt.      Aber im kanadischen Winter ist das ja kein Problem.

Mit einer Plastiktüte hole ich eine Handvoll Schnee von draußen und lege sie auf die malträtierte Stelle.

Beim nächsten Versuch lege ich die Maronen neben uns zum Abkühlen, während wir weiterspielen.

Etwa zwei Minuten vergehen, dann tut es einen ordentlichen Knall und wir sind alle voller Marone. Es war eine große.

Tja, solche Dinge passieren, wenn man kein Internet hat, um schnell mal „Zubereitung Maronen Holzfeuer“ zu googeln.

Zum Glück können alle darüber lachen.

 

Ravioli
22.11.2017

Wir frühstücken spät und Dario steht fast den ganzen Tag in der Küche.

Er macht Ravioli mit Tomatensauce.

Ich backe Zitronenkuchen und bereite für morgen Bircher Müsli vor.

Edwin kommt zum Abendessen, bereits um 16:30 Uhr ist er da.

Es schmeckt fantastisch und wir futtern bis nichts mehr da ist. Sogar der Kuchen wird komplett verputzt.

Danach kippen wir nur noch ins Bett.

 

Mit der Motorsäge im kanadischen Wald
23.11.2017

Es taut, aber da kann man halt nichts machen.

Nach dem Frühstück führt Mama uns ein wenig herum und wir besprechen, an welchen Stellen Bäume gefällt werden sollen.

Einerseits als Brennholz, andererseits als Brandschutz. Denn im Sommer toben hier im Moment schreckliche Feuer. 

Das liegt an einer tragischen Begebenheit. Der kanadische Wald ist nämlich größtenteils eine Monokultur. Kiefern.

Es gibt einen Käfer, den sogenannten „Pine Beetle“ (Bergkiefernkäfer), der normalerweise tote und kranke Kiefern frisst.

Aber seit den späten 1990ern, dank einigen relativ warmen Wintern (Quelle: https://www2.gov.bc.ca/gov/content/industry/forestry/managing-our-forest-resources/forest-health/forest-pests/bark-beetles/mountain-pine-beetle), konnten sich die Tierchen ungehemmt vermehren.

Sie begannen auch an die gesunden Bäume zu fressen, bis schließlich fast der ganze Wald tot war.

Die Wälder bestanden bald zu großen Teilen nur noch aus rotbraunen Baumskeletten.

Wie die Winter, so wurden auch die Sommer wärmer und trockener.

Waldbrände waren unausweichlich und bald schon an der Tagesordnung.

Als wir vor neun Jahren hier waren, brannte es auch. Zum Glück ist unser Gebiet bisher verschont geblieben. Oft allerdings nur sehr knapp.

Mama hat schon ein paar Mal im Urlaub den Rauch erlebt und einmal eine Beinahe-Evakuation, und Edwin kann von Feuern berichten, die nur wenige Kilometer von uns entfernt gestoppt wurden.

Auch das nur mit viel Glück, denn wenn der Wind schlecht steht, sind wohl auch die Löschflugzeuge machtlos.

Es gibt Menschen hier, die ihre Häuser gegen das Feuer verteidigt haben. Sie haben Wassersprinkler, wie sie auf großen Farmen im Einsatz sind, um ihre Häuser aufgestellt und eine „grüne Blase“ gegen das Feuer geschaffen.

Sie haben tatsächlich überlebt.

Doch viele Gebäude sind auch schon abgebrannt, und im Sommer 2017 gab es Todesopfer.

Mittlerweile gibt es aber auch schon wieder viele grüne Tannen und Laubgewächse zwischen den abgestorbenen Bäumen, und das Risiko nimmt ganz langsam ab. Gebannt ist es aber noch lange nicht.

Eine Lichtung um das Haus herum zu schaffen ist also wichtig.

Heute machen wir uns aber erst einmal mit der Motorsäge vertraut.

Probeweise fällen wir einen ganz kleinen Baum, danach zerlegen wir einige große, die schon oben am Weg liegen.

IMG_1268

Mit dem Holzschlitten bringen wir die Stücke zum Haus. Dario sitzt auf dem Holz und genießt die Abfahrt. Ich fotografiere.

IMG_1088

IMG_1102

 

Es schneit!
24.11.2017

Während dem Frühstück fängt es an zu schneien.

Ich backe Linzer Torte und es duftet im ganzen Haus. Wir sind so glücklich!

Mittags fahren Mama und ich zu Linda Eier holen.
Diesmal ist der Hund schon zutraulicher und lässt sich schließlich sogar streicheln.

Danach besuchen wir Edwin.

Er freut sich sehr über die halbe Linzer Torte und hat auch eine Überraschung für mich. Ich darf mir seine alten Schneeschuhe leihen.

Die sehen geradezu historisch aus und ich habe sie schon als kleines Kind bewundert.

Meine Oma hat mir immer Indianergeschichten erzählt, als ich noch klein war. Mit sechs Jahren bekam ich mein erstes Taschenmesser und baute meinen ersten provisorischen Bogen.

Schneeschuhe herzustellen konnte ich aber nie ausprobieren, denn wir waren ja immer nur im Sommer in Kanada.

Und jetzt ist es endlich so weit.

Aber heute ist es schon zu dunkel, um sie auszuprobieren.

Wie immer bleiben wir recht lange. Als wir gerade aufbrechen wollen, gibt Edwin mir noch eine weitere Leihgabe: Ein Handbuch fürs Schneemobil.

Wir sollen es lesen, dann dürfen wir sein Schneemobil ausprobieren.

Strahlend bedanke ich mich. Dieser Winter ist schon jetzt genial!

 

Es schneit noch mehr!
25.11.2017

Als wir erwachen und aus dem Fenster schauen, ist die Freude groß.

Gute 20 Zentimeter Neuschnee bedecken Haus, Wiesen und Bäume. Der reinste Weihnachtszauber.

In Deutschland hätten wir jetzt Sorge, dass das vielleicht auch schon wieder der letzte Schnee für dieses Jahr gewesen sein könnte. Doch hier denken wir: „Prima! Und für Weihnachten wird es noch mehr!“

Zum Glück haben wir in der Stadt am Dienstag eine große Schneeschaufel und Arbeitshandschuhe gekauft. So fängt Dario gleich munter an zu schaufeln.

Als die wenigen notwendigen Pfade frei sind, beginnt er mit einer Bobbahn.

IMG_1198

Da unsere zweite Schaufel etwas klein ist, helfe ich erst mal mit der Astschere. Einige kleine Bäumchen müssen für dieses Projekt nämlich dran glauben. Der Hang hinter der Hütte ist recht zugewachsen.

Allerdings soll das ganze Kleinzeug eh weg. Wir machen also nur den Anfang.

Als ich keine Lust mehr habe, suche ich mir ein anderes Bauprojekt. Da ich ja nur die kleine Schaufel habe, suche ich nach einem Schneehaufen und finde ihn hinterm Haus.

Hier kommt, genau wie auch vor dem Haus, immer der Schnee vom Dach gerutscht. Vorne schaufeln wir aber immer in der Mitte weg, da dort der Eingang ist. Hier hinten liegt eine richtig schön lange Schlange. Sogar mit Rückenkamm.

Die Sache ist klar: Das wird ein Schneedrache!

IMG_0807

Der Strom fällt aus, aber erst mal stört es uns nicht. Es ist ja noch hell.

Etwas später dröhnt Maschinenlärm von der Straße her und Edwin kommt auf seinem Traktor daher. Er räumt unsere Straße zur Hütte, damit wir Greenhorns nicht im Schnee feststecken.

IMG_1132

Wir revanchieren uns mit einer Tasse heißem Ingwer-Tee und einem Kanister mit Benzin.

Bei ihm ist auch der Strom weg. Er sagt, dass sei ganz normal bei solchem Schneefall. Irgendein toter Baum kracht auf die Leitung und schon war´s das.

Es dauere in der Regel etwas fünf Stunden, bis der Schaden repariert und die Versorgung wieder hergestellt sei.

Wie wir so alle drinnen am Esstisch sitzen, röhrt draußen schon wieder ein Motor. Es ist einer der deutschen Jungs auf seinem Schneemobil. Seine Eltern sind ein deutsches Paar, das wir schon lange kennen. Sie wohnen unten am See.

Er ist ein netter Kerl, wenn auch nicht übermäßig gesprächig. Aber er erkundigt sich, was Dario und ich die letzten Jahre so gemacht haben und erzählt auch, er sucht nach einem Job als Holzfäller. Sein Zwillingsbruder hat sich hingegen eine Schmiede zuhause eingerichtet.

Die drei Kinder der Familie sind alle zuhause unterrichtet worden und hatten wenig Kontakt zu anderen Menschen. Entsprechend waren sie stets begeistert, wenn wir zu Besuch kamen.

Obwohl die Jungs damals noch echt klein waren, habe ich ihn sofort erkannt. Er hat immer noch so ein nettes, verschmitztes Gesicht wie damals. Ich bin gespannt wie sein Zwillingsbruder jetzt aussieht, denn die beiden sind zweieiige Zwillinge und waren schon immer grundverschieden.

Schließlich verabschiedet sich der gesamte Besuch wieder.

Das Abendessen genießen wir bei Kerzenschein, denn der Strom ist noch nicht wieder da.

Es gibt Braten mit einer fantastischen Sauce von Dario. An der hat er aber auch lange gearbeitet. Wir können gar nicht aufhören zu essen.

Als wir schließlich doch fertig sind, ist der Strom wieder da.

Rundum glücklich und zufrieden gehen wir zu Bett.

 

Weiter im Schneeparadies
ab 26.11.2017

So leben wir also vor uns hin. In unserer gemütlichen Hütte und mit dem wundervollen Schnee vor der Tür.

Dario baut jeden Tag an der Bobbahn weiter. Oft helfe ich ihm.

Wer die Bahn mit der größten Begeisterung nutzt? Mama!

Jeden Tag geht’s mit Juchhee und Juchei die kurvige Strecke hinab.

Es gibt stets wunderbares Essen und viele Spieleabende.

IMG_2122

IMG_0831

Wir besuchen Edwin und er uns.

Unsere deutsche Bekannte und ihr zweiter Sohn Maurice kommen vorbei und schenken uns eine wunderschöne Öllampe. Selbstgemacht, gefüllt mit Tannenzapfen und ein wahres Kunstwerk.

Maurice ist ein gutes Stück größer als sein Zwillingsbruder und redet etwas mehr.

Er kommt danach öfter mal bei uns vorbei, fährt Bob und hilft die Bahn weiterbauen.

IMG_1036

IMG_1048

IMG_1061_Snapshot

IMG_0993

IMG_1016

Ab und zu besuchen wir Edwin, wobei Dario und ich gerne Mama und Pino mit dem Auto vorausschicken und mit den Schneeschuhen hinüber wandern.

Es sind vielleicht 2km, denn mit den Schneeschuhen können wir eine Abkürzung durch den Wald nehmen. Highlights dieser Wanderroute sind schneebedeckte Bäume, durch deren Äste die Sonne scheint, und Autowracks.

Letztere sieht man in Kanada häufig, denn jeder hat seinen eigenen Fuhrpark-Friedhof. Statt ins Oldtimer-Museum kann man hier einfach einen Spaziergang auf die Felder machen.

Auch schreiben Dario und ich an unseren Projekten. Für mich ist das unser Reiseblog.

IMG_0933

Ich bearbeite noch einen Teil des Indonesien-Blogs und erinnere mich an unseren Besuch des Dorfes auf Lombok.

Damals fand ich die Vorstellung ganz schrecklich, mit der ganzen Familie in einem Raum zu schlafen. Hier in unserer Hütte machen wir im Prinzip genau das: Es gibt zwar ein Dachgeschoss, dass jedoch nur ein Galeriezimmer ist. Im Grunde gibt es also nur einen einzigen großen Raum. Naja, plus Klo und Keller.

Und es ist überhaupt kein Problem.

Allerdings bin ich durchaus froh, dass nicht noch etliche Geschwister herum wuseln.

An einem Einkaufstag besuchen Mama und ich eine alte Freundin. Sie war Trapper (Fallenstellerin), ist mittlerweile aber fast 90 Jahre alt und vor kurzem in ein Altenheim in der Stadt gezogen.

Früher habe ich kein Wort verstanden, wenn sie sprach. Jetzt verstehe ich immerhin mehr als die Hälfte, auch wenn ich mich noch immer schwer tue. Sie spricht einen sehr starken Slang.

Sie ist wie Edwin ein beeindruckender Mensch. Kaum 1,5m groß, hat sie ihr ganzes Leben in der Wildnis verbracht und mit dem Fallenstellen ihren Lebensunterhalt bestritten.

Mit Fallen meine ich aber keine kleinen Fallen, sondern ordentlich große, die man erst mal öffnen können muss. Fallen, mit denen man sogar Bären fangen kann.

Für mich war als Kind besonders einprägsam, dass sie in einem Wohnwagen lebte. Obwohl auf dem Grundstück sogar ein kleines, altes Häuschen stand. In dem lebte der Hund.

Ihr Geschirr war immer furchtbar schmutzig, sodass ich gar nicht davon essen wollte. Aber der Blaubeerkuchen war wiederum so gut, dass stets die Gier siegte.

Apropos Essen: Dario macht die besten Burger der Welt! Danke, mein Schatz 🙂

 

Adventskalender
01.12.2017

Mama darf endlich das erste Bild des Adventskalenders öffnen, den ich ihr geschenkt habe.
Natürlich ist er selbstgebastelt.

Jedes Bild zeigt einen Ausschnitt aus unserer Weltreise und wir erzählen die Geschichte dazu.

 

Der Karten-Krieg
04.12.2017 und 05.12.2017

Wir fahren in die Stadt.

Unterwegs lassen wir am See eine Packrat frei. Packrats sind kleine, süße Tierchen, die leider ausgesprochen gute Veranlagungen für die Zerstörung von Häusern haben.
Vom Aussehen her ähneln Siebenschläfern.

IMG_0860_Snapshot 2

Mit Gimp habe ich unsere Weihnachtskarten nach Mamas Wünschen zusammengeschustert. Sehr simpel, aber nett.

Heute wollen wir sie drucken lassen.

In einem kleinen Laden gibt es einen ordentlichen Drucker. Die Frauen, die hier arbeiten, sind sehr nett. Verkauft werden Schreibwaren und Spiele. Zudem erledigen sie eben Druckaufträge.

Der erste Probedruck geht schnell.

Mein Entsetzen folgt sogar noch schneller: Ein dicker, blauer Streifen zieht sich vertikal durchs Bild! Was zum…?

„Oh, we had this problem allready last week“, sagt die nette Frau.

Der Fehler wurde auch letzte Woche schon behoben, aber jetzt ist er eben wieder da. Verflixt!

Wir wollen die Karten auf keinen Fall später losschicken. Sie sollen schließlich vor Weihnachten ankommen. Und erfahrungsgemäß dauert das etwa zwei Wochen.

Aber der Streifen gefällt mir ganz und gar nicht.

Und Mama soll auch nicht nochmal extra in die Stadt fahren, es sind schließlich 160km hin und zurück. Ich muss eine andere Lösung finden.

Am Computer im Shop ändern wir das Layout.

Statt zwei kleinen Karten drucken wir nun pro Seite eine große, bei der der blaue Balken genau über die Schrift geht. Da er nicht deckend ist, sieht es aus als läge er hinter der Schrift und betont nun geradezu das „Frohe Festtage“.

Ein paar kleine Karten ganz ohne Streifen bekommen wir auch noch, allerdings eben auch nur eine pro bedrucktem Blatt, statt zwei. Aber uns wird nur der ursprünglich vereinbarte Preis berechnet. Wir lassen ein Trinkgeld da, denn es hat ganz schön viel Zeit in Anspruch genommen, bis die Karten meinen Ansprüchen wenigstens annähernd genügten.

Noch immer bin ich nicht ganz zufrieden, denn die Ränder sind nicht gleichmäßig. Das war der Grund, warum ich ursprünglich gar keine Ränder geplant hatte, aber die nette Dame hat das beim Umstellen des Layouts einfach so gemacht und es schien mir unangebracht jetzt nochmal eine Änderung zu beantragen.

Mama und Pino haben schließlich auch die ganze Zeit gewartet und wollen endlich weiter.

Dario sitzt zum Glück im Café und erledigt Sachen im Internet.

Abends, als wir endlich zuhause sind, beginnt der „Karten-Krieg“.

Vierzig Karten sind zu schreiben. Wir sind vier Personen, davon zwei Männer. Männer schreiben nicht so viele Karten. Macht also mehr als 10 Karten pro Frau.

Zwar macht das Schreiben durchaus Spaß, aber irgendwann tut das Handgelenk weh.

Wir verschieben den Rest auf den nächsten Tag.

Doch Mama möchte ja so schnell wie möglich die Karten in den Briefkasten im Ressort werfen. Sie hofft, dass sie noch heute weg gehen.

So wird gleich nach dem Frühstück Stress aufgebaut und auf dem Schlachtfeld fliegen fast die Fetzen.  

Als wir es endlich hinter uns haben, ist die Erleichterung groß.

Liebe Grüße an euch alle zuhause!

Wir vermissen euch.

Aber jetzt genießen wir erst mal wieder unsere Wildnis-Ruhe!

IMG_0968

IMG_0977

IMG_1182

IMG_1283

IMG_1160

IMG_1064

IMG_1159

IMG_0871

 

Erste Fahrt auf dem Schneemobil
13.12.2017

Mittags dröhnt der wohl vertraute Lärm von Maurices Schneemobil die Einfahrt herab.

Er fragt, wie´s denn bei uns aussieht und ob wir vielleicht endlich mal Edwins Schneemobil ausprobieren wollen?

Edwin hat uns ja schon vor einer ganzen Weile angeboten sein Schneemobil zu benutzen. Und das Handbuch haben wir auch schon brav gelesen. Aber bisher hat uns die Bobbahn gereicht, und wenn wir bei Edwin waren hatten wir nie das Gefühl, dass der passende Moment für eine Einweisung gekommen sei.

Da sagen wir nun gerne ja und fahren sofort mit dem Auto zu Edwin.

Maurice folgt uns auf seinem Schneemobil.

Edwin freut sich und erklärt uns nochmal die wichtigsten Dinge.

Vor allem den Panik-Knopf, den wir drücken sollen, wenn irgendwas schiefgeht. Also wenn zum Beispiel der Gashebel bei Full Speed einfriert.

Die erste Fahrt mache ich mit Maurice. Er fährt ein paar hundert Meter und ich schaue zu. Dann fahre ich zurück. Danach ist Dario dran mit Üben.

Das Fahrgefühl ist vollkommen anders als alles, was wir bisher kennen gelernt haben. Der Lenker ist sehr breit und man muss ganz schön Körpereinsatz beim Lenken leisten.

Der Wenderadius ist riesig –  und das Ding hat keinen Rückwärtsgang! Wenn man nicht um die Kurve kommt, heißt es also absteigen und die Maschine an den Kufen herumziehen oder heben.

Und man gleitet eben damit, was doch etwas ungewohnt ist.

Doch unsicher fühlen wir uns nicht, und so machen wir gleich eine Fahrt bis zur Hauptstraße hinunter. Maurice voraus und Dario und ich auf Edwins Schneemobil hinterher. Mit dem Fahren wechseln wir uns wie immer ab.

IMG_1247

IMG_1245

Nach höchstens einer Stunde ist es Dario kalt, denn er hat keine Skihose an.
Wie wir im „Snowmobiler´s Safety Handbook“ gelernt haben, macht der Wind enorm viel aus. Ist es zum Beispiel -5°C kalt und man fährt mit 20km/h, so ist der Kühleffekt -17°C. Das nennt man hier den „wind chill factor“. Je kälter es ist, desto größer ist dieser Faktor. Logisch.

Außerdem wird es bald schon dunkel. Also fahren wir zurück zu Edwin.

Der grinst uns an, als wir wieder in die Hütte kommen und erklärt, dass nun, da wir wissen wie das Schneemobil funktioniert, wir ihm gleich mal neues Feuerholz holen können.

Das liegt in einem kleinen Schuppen.

Der Lastschlitten zum Einhängen am Schneemobil steht vor der Tür.

Diesen Gefallen tun wir ihm natürlich gerne und danach setzen wir uns auch noch eine Weile zu ihm und quatschen.

Von nun an holt Maurice uns immer wieder zum Schneemobilfahren ab. Er zeigt uns die Trails, die er und sein Bruder schon angelegt haben.

In dem jungen Mann mit seinen gerade mal 17 Jahren haben wir einen guten Guide und einen Freund gefunden. Er weiß sehr viel über die Gegend, die Leute, das Jagen und überhaupt alles, was hier eben von Bedeutung ist.

 

Truck im Graben und Poi auf Wrack
15.12.2017

Vormittags kommt Edwin zu Besuch. Wir hören den Motor auf der Zufahrt, doch dann geschieht nichts mehr. Schließlich gehen wir raus und schauen, was los ist.

Edwin steckt mit seinem Truck neben der Scheune fest.

Als wir angelaufen kommen, lacht er uns entgegen.

Er wollte wenden, um auf dem kleinen Parkplatz schräg gegenüber von der Scheune rückwärts einzuparken. Dabei ist er zu weit an die Seite gefahren. Der Schnee dort sieht zwar aus, als gehöre er zu Straße, tatsächlich beginnt dort aber schon der Graben. Und in dem steckt er nun fest.

Wir schütten Asche unter die Reifen, versuchen sie freizugraben, schieben – doch es nützt alles nichts.

Die Reifen sind heiß und verwandeln den Schnee in Eis, da ist kein Vorankommen mehr möglich.

Schließlich gehen wir alle ins Haus.

Mit unserem Auto kommen wir an seinem nicht vorbei. Also bleibt nur das Laufen.

Obwohl Edwin sich schon damit abgefunden hat, möchten wir nicht, dass er nach Hause laufen muss. Schließli