Pirates Retreat

09.04.2017
Das Abenteuer beginnt

Frühstück wird aufs Zimmer gebracht. Wir bekommen Ei und Banana Pancake. Perfekt. Einen besseren Start in den Tag kann es nicht geben.

Gemütlich checken wir aus und machen uns auf den Weg nach Seminyak, wo wir heute Abend um 18:00 Uhr mit dem Bus abgeholt werden. Es gibt auch einen Abholpunkt in Ubud, aber wir müssen ja den Scouter zurückbringen.

Die Fahrt ist entspannt. Unterwegs bummeln wir noch in den Laden mit dem schönen Männerhemd. Es sieht aus wie aus einem mystischen Film oder Computerspiel. Dario probiert es an und es ist absolut perfekt. Auch ich probiere ein paar Teile an, doch keines passt perfekt. Zudem ist alles wahnsinnig teuer für hiesige Verhältnisse. Angeblich sind die Produkte alle aus Biobaumwolle hergestellt und mit speziellen Kristallen bedruckt. Wir gehen unverrichteter Dinge.

Danach schauen wir uns noch einen Laden mit traditionellen Trachten an. Hier kauft man kein fertiges Teil, sondern sucht nur Stoff und Schnitt aus. Alles wird von Hand angepasst. Dafür haben wir natürlich keine Zeit.

Pünktlich kommen wir in Seminyak an, allerdings ist der Motorradverleiher nicht vor Ort. Wir suchen die ganze Straße ab, können ihn aber nicht finden.

Also rufen wir ihn an und finden heraus, dass er heute in Denpasar (einige Kilometer entfernt) ist. Dabei haben wir ihm doch gestern geschrieben, dass wir heute den Scouter zurückgeben.

Wir erklären ihm also, wo der Abholpunkt für das Pirates Retreat ist und dass wir den Scouter dort werden stehen lassen müssen, wenn er ihn nicht rechtzeitig abholt.

Das wollen wir natürlich absolut nicht, hoffen aber ihm so genug Druck zu machen, damit er seine indonesische Zeiteinstellung beiseite schiebt und pünktlich ist.

Trotz des Drucks ist er nach einer Stunde noch nicht da. Die Pirates dagegen trudeln nach und nach ein. Zu unserer Freude sind mehr bekannte Gesichter dabei als erwartet und es beginnt ein großes Begrüßen und Kennenlernen.

Nett wie wir sind rufen wir aber auch nochmal beim Motorradverleiher an und erinnern ihn daran, dass unser Bus in zwanzig Minuten abfährt.

Er schafft es ganz knapp. Und dann stellen wir fest, dass unsere Reise mit den Pirates eher indonesisch ist, denn der Bus fährt nicht pünktlich ab. Aber das ist uns nun natürlich egal, wir sind froh, dass wir den Scouter regulär zurückgeben konnten.

Gemütlich unterhalten wir uns mit der bunten Truppe aus Feuerspielern. Sie kommen aus allen möglichen Ländern und sind sehr sympathisch.

Schließlich fahren wir los. In Ubud machen wir nochmal eine Stunde Pause, damit alle noch etwas essen können. Wir flitzen stattdessen nochmal zu dem Laden mit dem tollen Hemd, denn wir sind uns einig, dass es absolut perfekt ist. Das Geld muss eben investiert werden!

Zum Glück hat der Laden noch offen und wir können unseren Plan umsetzen. Das Hemd samt Stulpen und Halstuch ist kurz darauf unser Eigentum.

Nun schnell noch Nasi Goreng zum Mitnehmen und wieder zum Bus.

Gegen Mitternacht kommen wir am Hafen an und besteigen eine große Fähre. Als Piraten übernehmen wir natürlich den vorderen Teil des Schiffes. Draußen ist es eh viel angenehmer als drinnen, wo die Klimaanlage auf Hochtouren läuft und Kühlschrankatmosphäre schafft.

Gegen ein Uhr nachts bewegt sich unser Gefährt endlich.

Selbst an Bord sind Verkäufer allgegenwärtig und bieten neben Wasser und Bier auch Matratzen an.

Unterwegs wird getrunken, gesungen, getanzt, geschlafen, sich unterhalten und auch schon ein wenig mit Feuerstäben gespielt. Wenn auch ohne Feuer.

Vor allem Christian, den wir als Organisator der Phoenix (Feuerconvention) in Deutschland kennen spielt viel. Er und die anderen Deutschen sind heute erst aus Deutschland angekommen und vollkommen fertig mit der Welt. Hinter ihnen liegt ein Flug mit Umstieg und nun diese Nachtaktion.

Bisher hatten wir mit dem „Team“ der Phoenix nicht so viel zu tun, da sie alle in Leipzig wohnen und wir uns lediglich zur Phoenix und zur EJC (Europäischen Jonglierconvention) sehen. Auch wenn wir uns schon gelegentlich mit ihnen unterhalten haben.

Nun kommen wir schnell ins Gespräch, wenn auch alle reichlich müde.

Später schlafen Dario und ich dann aneinander gekuschelt aber doch ein.

10.04.2017-15.04.2017
Pirates Retreat

Erst gegen vier Uhr erreichen wir den Hafen und müssen nun auf kleinere Boote warten, die uns auf die Insel „Gili Nanggu“ bringen sollen.

Ganz indonesisch lassen diese auf sich warten, aber natürlich sind auch die Händler schon wach und versorgen uns Wartende mit Kaffee, Tee und Reis. Letzterer ist allerdings unerträglich scharf und hat nicht wirklich Frühstücksqualität.

#Kommentar Dario: Das Ganze ist so scharf, dass mir die Tränen in die Augen schießen. Später brennt das Ganze dann noch einmal.#

Doch für das Warten werden wir zum Glück von einem zauberhaften Sonnenaufgang entschädigt.

Als wir schließlich in die Fischerbötchen klettern, ist es schon hell.

Nach einer geradezu malerischen Fahrt mit den traditionellen Boten über das glatte Wasser, erreichen wir die Insel.

Unsere Begeisterung wird aber schnell in ihre Schranken verwiesen, denn der Strand ist voller Müll.

Müde warten wir, bis wir unsere Hütte zugeteilt bekommen. So fertig sind wir, dass wir uns nicht mal wirklich über die Klimaanlage wundern, die unsere Hütte gefühlt auf Gefriertemperatur hält. Wir hatten eigentlich nur Ventilator gebucht. Das war viel preiswerter.

Einzig die Tatsache, dass diese Hütten nicht unserer Vorstellung von indonesischem Touristenstandart entsprechen, dringt in unser beider müde Hirne durch. Zwar ist die Hütte groß, aber nicht wirklich sauber und das Wasser ist kalt. Bei hundert Euro pro Person pro Tag hatten wir eher das Gegenteil erwartet.

Aber nun gut. Ist ja Vollpension.

Wir legen noch einen letzten Motivationsschub hin und laufen einmal um die Insel. Sie ist klein.
An fast allen Stränden liegt Müll, aber sonst ist sie schon ganz hübsch.

Danach kippen wir ins Bett, können aber kaum einschlafen, weil das Zimmer so kalt ist.

Um zwölf Uhr trudeln nach und nach alle in der Essenshalle ein und nach einer kurzen Ansprache von Jay (unserem „Captain“) gibt es endlich was zu futtern. Dies führt bei uns prompt wieder zu langen Gesichtern, denn das Essen ist so ziemlich das schlechteste, das wir bisher in Indonesien bekommen haben.

Die netten Gespräche lassen uns das miese Essen jedoch schnell vergessen.

Danach beginnen die Workshops.

Das Konzept ist simpel und gut: Die meisten Lehrer geben jeden Tag einen Workshop. Diese sind immer mit dem gleichen Tool und bauen aufeinander auf.

Wir stürzen uns auf die Poi-Workshops, verbringen aber auch viel Zeit einfach mit den anderen tollen Piraten.

  

Am Abend beginnt das Feuer.
Auch hier wird ein schönes Prinzip verfolgt: Das Feuer darf nicht ausgehen!

Und das Feuer ist nur an den Tools.

Also muss immer jemand auf der Bühne sein.
Es sind so viele fantastische Feuerspieler da, dass wir uns heute noch vor einem Auftritt drücken.
Zuzuschauen macht unglaublichen Spaß.

Irgendwann gehen wir aber ins Bett und überlassen das Feuer den Hartgesottenen.

So vergehen alle Tage des Pirates Retreat mit wunderbaren Bekanntschaften, Workshops und feurigen Abenden. Ein großes Plus ist zudem das Riff, welches uns jeden Tag aufs neue beim Schnorcheln begeister. Farbenfrohe Korallen und jede Menge Fische. Nur die anderen Touristen, die tagsüber zum Schnorcheln herkommen, stören uns manchmal.

Manche Fische kommen ziemlich nah ran, denn sie sind es gewöhnt von Touristen gefüttert zu werden.

Andere verstecken sich unter Felsen und Korallen.

Und wieder andere tarnen sich einfach.

Die Sonnenuntergänge genießen wir abends alle gemeinsam.

Als wir uns schließlich zum Feuern auf die Bühne trauen (wir haben extra eine kleine Abfolge ausgemacht), läuft es ganz gut. Nur einmal kommen wir ins Stocken, woraufhin das Publikum beginnt für uns den Takt zu zählen „One, two, three, four, five, six, seven, eight!“

Zu unserer Verwunderung kassieren wir einen ordentlichen Applaus. Partner-Poi wird gerne gesehen aber nur selten gespielt.

Gleich mehrere Pirates möchten gerne von uns lernen und von Zeit zu Zeit geben wir nun kleine Privat-Workshops.

Das „One, two, three, four, five, six, seven, eight!“ unserer ersten kleinen Vorführung, wird zum Running Gag und bei jeder Gelegenheit angewendet.

Am letzten Abend wollen wir mal länger durchhalten und nehmen einfach unsere Sarongs mit an den Strand. Als wir zu müde werden, breiten wir sie aus und legen uns einfach hin. So sehen wir jedes Mal, wenn wir kurz erwachen vor uns das Feuer.
Und sind irgendwann nachts auch kurz noch mal wach genug um ein wenig teilzunehmen. Danach gehen wir dann aber doch ins Bett.

Als wir schließlich alle wieder an Bord gehen müssen, um zur Afterparty weiter nach Gili Air zu fahren, sind wir traurig, dass die Zeit schon wieder um ist. Essen und Unterkunft auf Gili Nanggu werden wir aber nicht vermissen!.