Riviera Maya

Von Belize zurück nach Mexiko
21.03.2018

Nach diesem Abschied beginnt für uns eine kleine Odyssee. Wir fahren mit dem Boot zum Festland, was dank größerer Wellen die reinste Achterbahngaudi ist. Immer wieder fliegt das Boot regelrecht und wir jauchzen, was das Zeug hält.

Am Festland angekommen müssen wir eine ganze Weile auf den Bus nach Belize City warten.

Dort schließlich angekommen, werden wir gleich gefragt, ob wir an die Grenze zu Mexiko wollen. Wir haben zwei Optionen: Den Bus zu nehmen, der schon neben unserem steht, und an der Grenze umzusteigen, oder bis abends zu warten und den Nachtbus zu nehmen.
Letzteres wollen wir eigentlich nicht, denn wir haben eine nette Unterkunft in Playa del Carmen gebucht.

Also springen wir direkt in den nächsten Bus, obwohl das bedeutet, dass wir nicht mal kurz aufs Klo gehen können.

So können wir es kaum erwarten, die Grenze zu erreichen.

Nachdem wir das Wichtigste – also den Gang zur Toilette – erledigt haben, reisen wir aus und wechseln noch unsere letzten Belize-Dollar in Mexikanische Peso. Dann heißt es: laufen … – denn die Taxis auf dieser Seite der Grenze wollen unglaubliche 60 Belize-Dollar (fast 25 Euro) für den Transport nach Mexiko.

Dabei sind es nur wenige Kilometer bis zur mexikanischen Grenzstation! Außerdem ist es ja mal ganz interessant, durch eine „Zona libre“ zu spazieren.
Wobei die Häuser, an denen wir vorbeikommen, ziemlich heruntergekommen sind.

„Stell dir mal vor“, sage ich zu Dario „wenn jetzt etwas passieren würde weshalb Deutsche nicht mehr nach Belize oder Mexiko einreisen dürften.“
Dabei denke ich an den Film „Terminal“, in dem ein Mann jahrelang an einem Flughafen festsitzt.

Doch wir können problemlos nach Mexiko einreisen.

Während wir im Taxi zur Fernbusstation der nur wenige Kilometer entfernten Stadt Chetumal sitzen, stellen wir fest, dass wir die Zeitzonen diesmal nicht bedacht haben. Plötzlich verlieren wir eine Stunde. Das bedeutet, wir haben den frühen Bus schon verpasst.

An der Busstation angekommen, kriegen wir gerade noch so den nächsten Bus. Kaum sitzen wir, rufe ich unsere Unterkunft an, um mitzuteilen, dass wir nun leider erst gegen Mitternacht ankommen. Doch diesmal haben wir wirklich Pech: Unser Zimmer wurde schon weitervermietet, weil wir auf die Mails des Anbieters nicht reagiert haben.
Wie auch? Wir haben erst gestern Abend gebucht, und das war das letzte Mal, dass wir Internetzugang hatten. Für Belize hatten wir schließlich keine SIM-Karte.

Nun muss ich also mit booking.com telefonieren. Die wollen jedoch nicht einfach die Buchung stornieren, sondern müssen etwas Neues für uns finden. Leichter gesagt als getan, denn die Verbindung bricht immer wieder ab.
Die erste Alternativunterkunft stellt sich als schon ausgebucht heraus. Die zweite ist es auch, und als wir endlich wieder Verbindung haben und insgesamt mehrere Stunden am Telefon verbracht haben, kommen wir schließlich ohne Buchung in Playa del Carmen an.

Schließlich – endlich – kriegen wir dann ein Hotel zugewiesen, das tatsächlich noch Zimmer frei hat und 24 Stunden Rezeption bietet. Zwar ist es eine herbe Enttäuschung im Vergleich zu allen anderen Unterkünften, die uns bisher angeboten wurden, aber besser als nichts. Und die Preisdifferenz wird uns erstattet.

So kriegen wir wenigstens noch etwas Schlaf, bevor wir morgen früh zum Kochkurs gehen.

 

Kochkurs – wir lernen traditionelle mexikanische Küche!
22.03.2018

Wir frühstücken eine Kleinigkeit und werden kurz darauf vom Shuttle Service der Kochschule abgeholt.

Als wir die vierspurige Straße der an der Südostküste Yukatans entlang fahren, sehe ich plötzlich ein großes Straßenschild, auf dem „Cirque du Soleil“ steht.

Ich schaue sofort im Internet nach, was es damit auf sich hat. Und tatsächlich hat der berühmte Cirque du Soleil hier ein festes Aufführungshaus. Zudem kann man ein luxuriöses Drei-Gänge-Menü genießen, wenn man etwas mehr bezahlt.
Das hört sich ganz schön verlockend an …

Allerdings wollen wir ja morgen schon wieder weiter. Playa del Carmen ist nicht so unser Ding. Viel zu touristisch.

Die Kochschule liegt zwischen Playa del Carmen und Cancun. Etwas abseits der großen Straße, schon quasi im Dschungel. Das war einer der Gründe, warum Dario sie ausgesucht hat.

Als wir ankommen, sind noch nicht alle Teilnehmer da und wir nutzen die Zeit, um den Zirkus anzusprechen.
„It‘s absolutely great! And you have to take the dinner! It‘s the best I‘ve had in this area of Mexico.”, lässt sich sofort die Kochlehrerin begeistert darüber aus.
Auch eine der Teilnehmerinnen, die schon dort war, stimmt sofort zu.

Nun ist es für uns klar. Wir müssen da heute Abend hin!

Als alle angekommen sind, sind wir insgesamt sieben Kursteilnehmer.
Die Leiterin der Kochschule gibt den Kurs. Ihr assistieren zwei weitere Köche, zudem gibt es eine Spülkraft und eine Maya-Frau, die speziell für die handgemachten Tortillas zuständig ist.
Das macht fünf Arbeitskräfte für sieben Kursteilnehmer!

Entsprechend reibungslos läuft alles.

Der Kurs beginnt mit einem kleinen, gemeinsamen Frühstück. Hauptsächlich süße Teilchen, weshalb wir froh sind, dass wir schon was im Magen haben.

Zu den Backwaren werden traditionelle Getränke serviert:

Einen Kaffee, der mit Orangenschale, Zimt und Nelken gebraut wurde und natürlich Kakao, das rituelle Getränk der Maya.

Obwohl der Kakao wohl ursprünglich aus Südamerika stammt, waren die Mayas die ersten, die Kakao als Getränk benutzten. Allerdings durften ihn lange Zeit nur Adelige und Priester als zeremonielles Getränk zu sich nehmen.

Wobei ich dazusagen muss, dass dieses bittere, mit Wasser angerührte Zeug nicht wirklich unseren Vorstellungen von heutigem „Kakao“ entsprach. Wir haben den „ursprünglichen“ Kakao in San Christobal probiert und fanden ihn ziemlich ungenießbar…

Zum Glück gibt es heute eine neumodische und wesentlich schmackhaftere Variante. Der Kakao ist mit Zimt, Mandeln, und Zucker gewürzt und wird mit Milch zubereitet. Der, den wir hier trinken, stammt von einem Kooperationsbetrieb der Kochschule, der Kakao biologisch anbaut. Es ist der beste, den wir bisher in Mexiko getrunken haben!

Nach diesem genussvollen Beginn besichtigen wir den Garten.

Wir lernen, dass Vanille ursprünglich aus der Region um Papantla kommt und es nur dort die Insekten gibt, die die Vanille natürlich bestäuben (laut Wikipedia gibt es sie in Mexiko und auch anderen Orten in Mittelamerika). An allen anderen Orten muss von Hand bestäubt werden!
Hier im Garten gibt es eine, doch geblüht hat sie bisher noch nicht.

Die wichtigsten Gewürze der mexikanischen Küche sind natürlich auch vertreten: Epazote (Mexikanische Drüsengänsefuß), Cilantro (Koriander) und Oregano.

Zudem viele andere Pflanzen, von Zucchini, über Papaya und Tomatillos (gehört zur Familie der Physalis, wird für grünes Salsa verwendet) bis hin zu Hibiskus.

Chaya ist für uns eine neue Pflanze, sie ist eine traditionelle Heilpflanze der Mayas und wird mit Eiern oder als Tee serviert. Helfen soll sie unter anderem gegen Nierensteine.

Der Gärtner arbeitet nach traditionellen Verfahren und richtet sich beim Aussähen und Umpflanzen nach dem Mond.

Dieses Vorgehen haben sie auch selbst mit der normalen Vorgehensweise verglichen, und die Ergebnisse des Pflanzens nach Mondzyklus waren wesentlich besser.

Die einzigen hier angebauten Pflanzen, die nicht gegessen werden, sind jene gegen Moskitos und Marigold (Ringelblume).

Marigold ist eine der wichtigsten Pflanzen in Mexiko, denn ihre Blütenblätter geleiten am „Dia de los Muertos“ die Verstorbenen ins Reich der Lebenden. Dort erwartet man sie mit lieben Gaben. Jeder bekommt das, was er zu Lebzeiten mochte. Selbst wenn jemand unter Alkoholeinfluss gestorben ist, bekommt er das geliebte Gesöff am Tag der Toten hingestellt.

Nach dem Gartenspaziergang machen wir uns an die Arbeit.

Während sechs Teilnehmer den Anweisungen der Lehrerin folgen, verbringt Dario die meiste Zeit damit, unsere Arbeitsschritte unauffällig zu überwachen und mit der „Meisterin“ zu diskutieren. Die beiden verstehen sich blendend und verlieren sich irgendwann in Ausschweifungen über Küchenatmosphäre und Messer.

Besonders interessant ist die Vorbereitung der Tamales. Das Wort „Tamales“ leitet sich aus einer der alten Sprachen ab, in welcher es so viel wie ‚Umschlag‘ bedeutet. Sehr passend, denn ein Maisblatt fungiert tatsächlich als Umschlag für das Gericht.

Wir streichen den Teig auf das Maisblatt, geben die Füllung darauf und falten den ‚Umschlag‘ zu. Damit er sich während des Kochens nicht öffnet, verschnüren wir ihn anschließend.

Als Snack zwischendurch gibt es Tortillas mit verschiedenen Saucen, sowie Mango, Sellerie und ein dem Rettich ähnliches Gemüse mit Chilipulver bestreut.

Das Dessert will auch rechtzeitig gemacht werden. Es ist ein simpler Reispudding.

Für die Tortillas wird ein Fleischsalat bereit gemacht, und als soweit alles fertig ist, kommt der besonders traditionelle Teil des Kurses: Die nette Maya-Frau zeigt uns, wie Tortillas von Hand gefertigt werden!

Es sieht so leicht aus, dass ich mich optimistisch sofort melde, um es selbst zu versuchen. Teige liegen mir im Allgemeinen recht gut.
Doch der Versuch einen auch nur annähernd so flachen und vor allem runden Fladen herzustellen, wie die rundliche kleine Dame es vormacht, scheitert kläglich.

Ich schüttle nur den Kopf über mich und vergesse sogleich noch, den Tortilla auf der heißen Platte zu wenden. Aber die Dame vergisst es natürlich nicht und rettet meinen Tortilla, während sie schon Dario unterweist.

Nachdem jeder, der möchte, sich an der traditionellen Herstellung der Tortillas versucht hat, setzen wir uns an den schön gedeckten Tisch.

Jetzt heißt es nur noch: Genießen!

Wir schwelgen in den Leckereien und bekommen gar nicht genug. Vor allem die Tortillas mit Fleischsalat sind eine Wonne. Immer und immer wieder nehmen sich alle nach, bis die Schalen leer und die Bäuche voll sind.

Sehr zufrieden verabschieden wir uns und fahren mit dem von zwei anderen Teilnehmern organisierten Taxi zu einem großen Ressort, das praktischerweise genau gegenüber vom Zirkus liegt.

Der Fahrer lässt uns einfach an der Einfahrt des Zirkus raus.

Da uns in Playa del Carmen nichts lockt, sehen wir keinen Grund, dorthin zurück zu kehren.
Stattdessen machen wir es uns in einem der Lokale gemütlich, die dem Zirkushaus vorgelagert sind.

 

Cirque du Soleil – Show & Dinner

Es ist ein fantasievolles Gebäude, das mich mit seiner „Krone“ ein wenig an das Tempodrom in Berlin erinnert. Zwar wirkt es aus der Ferne nicht ganz so elegant, doch ich finde es wesentlich romantischer. Während das Material des Tempodroms Beton ist, ist dieses träumerische Gebäude mit Palmblättern gedeckt. Die darunterliegende Stahlkonstruktion fällt nur bedingt auf.

Von der Kasse aus, an der wir unsere Tickets abholen, sieht man das Gebäude zwar schon, doch der Weg dorthin führt um eine künstliche Cenote herum, in deren Mitte eine Insel mit einem kleinen Baumhain liegt. Entlang des Stegs gibt es zwei Restaurants und einen Souvenirshop.

Wir machen es uns auf einer der Terrassen gemütlich und warten auf den Abend.

Vor der ersten Vorstellung gesellt sich ein nettes älteres Paar aus England zu uns. Wir unterhalten uns ganz locker mit Ihnen und erfreuen uns wie so oft daran, wie leicht uns das Unterhalten auf Englisch fällt.

Sie erzählen uns, dass sie schon die ganze letzte Woche in die Vorstellung wollten, es aber einfach keine freien Plätze gab. Wir schauen uns an. Da haben wir wohl ganz schön Glück gehabt.

Als ihre Vorstellung beginnt, sind wir froh, dass wir die zweite gebucht haben, denn wir sind immer noch pappsatt. Stattdessen begeben wir uns auf die kleine freie Fläche zwischen den Restaurants und tanzen. Der DJ geht sofort darauf ein und legt passende Musik für unseren Diskofox auf.

Auch die Wartenden freuen sich und schenken uns ihre Anerkennung. Wir sind so schön frei! Es kümmert uns nicht im Geringsten, ob wir alles richtig machen, denn es macht einfach Spaß. Ein- oder zweimal bekommen wir sogar Gesellschaft auf der Tanzfläche.

Als die erste Vorführung zu Ende ist, winkt uns das englische Paar nochmal strahlend zu und bestätigt, was wir ja schon gehört haben: Die Show sei fantastisch.

Knapp eine Stunde später können wir endlich rein. Über den geschwungenen Steg spazieren wir zum Zirkushaus empor. Von der höher gelegenen Terrasse des Eingangsbereichs rauscht ein Wasserfall in die künstliche Cenote.

An der Ticketkontrolle nimmt uns ein Servicemitglied in Empfang und führt uns durch den verglasten Eingangsbereich hinein ins Traumland.
Und das ist es tatsächlich. Das ganze Innere des Gebäudes ist ein einziges, riesiges Bühnenbild. Da hängen grüne Ranken von der Decke und gigantische Bücherregale zieren die Wände. Fantasievolle Kronleuchter, die wie Wesen aus der Tiefsee wirken, ergänzen das mystische Bild.

Ein großer, geschwungener Vorhang verdeckt noch den größten Teil der Bühne.

Der Kellner führt uns die Treppen hinab bis an den Rand der Bühne. Wir haben einen der Tische ganz vorne in der Mitte. Näher geht es nicht.
Wir grinsen uns an und sind richtig aufgeregt

Alsbald wird der erste Gang serviert: Die Menükarte!
Guten Appetit.

Und dann folgt die tatsächliche Vorspeise (ich hoffe, die Übersetzung stimmt ungefähr): Marinierte Wassermelone, Ziegenkäse, geröstete Chiasamen, Iberico-Schinken serviert mit Chaya-Blattsalat, essbaren Blumen und beträufelt mit Vinaigrette. Tatar vom kalt geräucherten Fang des Tages, mit MayaLimettenkugel und Avocado-Püree. Weicher Jicama-Taco (Jicama ist eine Kletterpflanze, deren Knollen man isst) mit Dzik-Krabbensalat und Koriander-Rettich-Salat mit knusprigen blauen Maischips.

In der Mitte des Tellers steht ein Töpfchen mit Rosmarin, in welches der Kellner theatralisch etwas Flüssigstickstoff gießt. Der wabernde weiße Nebel ergießt sich über den Teller.

Es schmeckt fantastisch!

Dazu gibt es vier verschiedene Arten von Brot, von denen zwei baumartige Formen haben, und natürlich den Sekt. Eine ganze Flasche ist im Preis enthalten.

Während wir schmausen, beginnt der große Vorhang sich langsam zu öffnen und offenbart die Bühnenwelt. Solch ein Bühnenbild haben wir wahrhaftig noch nie gesehen! Ein riesiges Portal umgeben von Büchern, Wendeltreppen, die zu kleineren Bühnenbereichen auf drei Ebenen führen, gigantischen Buchrücken, die ebenso hoch wie die Wendeltreppen reichen, und eine Flut von Details wohin das Auge auch blickt.

Während wir noch staunen, kommt ein Amuse-Gueule aus der Küche: Für jeden ein Löffel mit irgendetwas Cremigem, sowie getrockneten Himbeeren und Erdbeeren.
Der Kellner erklärt uns, dies sei der „Drachenatem“ und man solle alles auf einmal essen, um den gewünschten Effekt zu erhalten.

Auf drei schieben wir uns also beide den Löffel in den Mund. Es schmeckt fein, doch was ist nun das Besondere? Als ich jedoch den Mund öffne, um Dario zu fragen, was er davon hält, wallt weißer Nebel heraus! Das ist also der Drachenatem. Wir lachen uns qualmend an.

Dann öffnet sich ein rundes Loch in der Mitte der Bühne und eine munter spielende Band, bestehend aus drei älteren Herren, wird heraufgefahren.

Wir haben je einen der beiden Hauptgänge bestellt.
Darios wird unter einer metallenen Essensglocke serviert, in deren Oberfläche ein Schlüsselloch geschnitten ist, aus welchem es geheimnisvoll rot leuchtet.
Ich hingegen bekomme einfach einen großen Steinbrocken serviert.

Unter Darios Glocke befindet sich geschmorte Querrippe mit geröstetem Knochenmark, ein Joya-Mais-Crisp, frischer Kräutersalat mit lokaler Limette, geräucherter Kürbis, Maya-Asche und Chilisoße.

Mein Fels enthüllt Lachsfilet mit Pomeranzen-Annatto-Samen-Sauce, Koriander-Püree, Ananas-Jicama-Avocado-Salat und zudem Süßkartoffel und Mais.

Zu der Band auf der Bühne gesellen sich abwechselnd verschiedene andere Künstler. Mal ein wilder Geiger, dann wiederum eine Opernsängerin.

Die Nachspeise wird in großen Büchern serviert. Es gibt einen kleinen Schokoladenkuchen, einen tropischen Brotpudding, eine Hibiskusblütenmehl-Crème brûlée und ein yukatanisches Limetten-Crème-Törtchen.

Wir essen so gemütlich, dass wir noch gar nicht fertig sind, als die Band nach gut einer Stunde wieder im Boden verschwindet und die eigentliche Show beginnt.

Doch wir werden nicht gedrängt und schmausen einfach weiter, während das Spektakel beginnt.

Bei der Geschichte sind wir uns nicht ganz einig. Klar ist nur: Ein alter Herr besitzt ein sehr wichtiges Buch, das gestohlen wird. Ein junges Mädchen, vermutlich seine Enkelin, macht sich auf den Weg um es zurück zu holen. Doch soll der alte Mann Gott darstellen und handelt es sich um das Buch der Schöpfung? Oder geht es eigentlich nur um Träume? Darum, wie viel Spannung und Abenteuer ein Kind mit Fantasie in der Bibliothek seines Großvaters finden kann?

Während die Künstler unseren Erwartungen nur gerade so gerecht werden, lässt die Inszenierung nichts zu wünschen übrig. Die ganze Show ist eine fantastische bunte Welt. Jeder Akt ist Teil der Geschichte.

Um nur einige zu nennen: Da sind die Ikarier (ein Artist liegt auf dem Rücken und jongliert den anderen auf seinen Füßen), die als Fallschirmspringer von der Decke herabgelassen werden und sich während ihrer Nummer die ganze Zeit um das gestohlene Buch prügeln. Dann die Piraten, deren Schiff sich aus einem der großen Buchrücken entfaltet. Und schließlich springt unsere Heldin durch das Loch im Boden und taucht ein in die Unterwasserwelt. Sie schwebt schwerelos zusammen mit Meeresgestalten von der Decke herab, als sänke sie im Meer nach unten, während die Bühne wieder von dem transluzenten Vorhang verhüllt wird, hinter dem dann plötzlich, durch Licht sichtbar gemacht, ein riesiges Meeresungetüm auf Jagd geht. Und gegen Ende der Engel am Vertikalseil, der das Buch sicher in die Arme des Mädchens übergibt.

Doch schließlich geht der Traum zu Ende und wir verlassen wie Traumwandler das Zirkushaus.


Cavelands

23.03.2018

Wir folgen Gastons Empfehlung und nehmen ein Colectivo zurück Richtung Tulum. In einem kleinen Dörfchen steigen wir aus und laufen zu „Cavelands“.

Das Stück Land mit mehreren kleinen Höhlen und einer winzigen Cenote gehört einem Freund von Gaston. Der ältere Herr ist ebenfalls Holländer und hat hier vor zwanzig Jahren begonnen, sich ein idyllisches Leben aufzubauen. Einige kleine Hüttchen, mehrere Wohnwagen, ein Tipi, ein paar fest stehende Zelte und Platz zum Campen ermöglichen die Aufnahme recht vieler Gäste.

Allerdings zu nicht ganz günstigen Preisen, weshalb wir uns für eines der Zelte entscheiden.

Das einzige echte Manko sind allerdings die Heerscharen von Moskitos, die am Abend über uns herfallen und uns zu einem Rückzug ins Zelt zwingen.

 

Schnorcheln in einer Höhle
24.03.2018

Wir haben Lust uns zu bewegen und so laufen wir die zehn Kilometer zu den Cenotes Sac Actún.

Als wir ankommen, geht gerade eine Tour los, doch wir wollen erst noch kurz Pause machen. Also setzen wir uns erst mal in den Schatten.

Als eine Gruppe mit Mädels ankommt, beginnen wir alle gemeinsam die Tour, müssen jedoch feststellen, dass wir einfach nur der bereits begonnenen Tour zugeteilt werden und nach der Hälfte einsteigen. Doch der Guide beruhigt uns sofort, indem er uns mitteilt, dass wir den ersten Teil am Ende auch noch alleine machen können.

Mit der Gruppe schnorcheln wir also durchs kalte Wasser, kurz darauf ist die Höhlendecke nur noch kaum einen Meter von unseren Köpfen entfernt und wir müssen aufpassen, damit wir uns nicht den Kopf an den Stalaktiten stoßen.

Dank der Taucherbrillen können wir sehr gut sehen, dass es am Rand der Höhle unter Wasser weitergeht. Das Unterwasserhöhlensystem, zu dem die Cenotes Sac Actún gehören, ist mit 352,9 km Länge und 226 Cenoten das größte bekannte der Welt.

Wir staunen viel, beginnen jedoch auch zu frieren, weshalb wir ganz froh sind, als der geführte Teil zu Ende ist. Nach einem kurzen Sonnenbad machen wir uns zu zweit an die Erkundung der anderen Höhle und genießen die Ruhe. Endlich keine kreischenden Mädels mehr.

Durch Löcher in der Höhlendecke fallen vereinzelte Sonnenstrahlen herab und sorgen für ein geradezu magisches Licht.

Als wir schließlich bibbernd und glücklich an die Erdoberfläche zurückkehren und uns auf den Weg machen, ist es schon recht spät. Doch unterwegs gabelt uns ein Local auf und wir dürfen auf der Ladefläche des Pickup Trucks bis zur großen Straße mitfahren.
Dort dauert es nur ein paar Sekunden, bis wir in einem Colectivo sitzen.

 

Ein letztes Bad
25.03.2018

Zum Abschluss gehen wir in eine kleinere, aber ausgesprochen hübsche Cenote zum Schwimmen. Sie liegt gleich gegenüber von Cavelands, nur wenige Gehminuten von der Straße entfernt.

Sie ist richtig eingewachsen. Wären da nicht all die Menschen, würden wir uns glatt vorkommen wie im tiefsten Dschungel.

Anschließend heißt es leider: Abfahrt nach Cancun!
Dort haben wir ein nettes AirBnB für unsere letzte Nacht in Mexiko gebucht.

 

Auf nach Peru!
26.03.2018

Unser Flug geht erst Abends, doch da unser netter Gastgeber für heute keine Buchung hat, dürfen wir bis zur Abfahrt da bleiben. Ein Bekannter von ihm bringt uns zum Flughafen.

Auf der Fahrt finden wir heraus, dass er eigentlich für UBER fährt, aber das seit fast einem Monat hier vorläufig verboten wurde. Denn auch hier gibt es Schwierigkeiten mit den offiziellen Taxis.
Wieder einmal bekommen wir unschöne Geschichten zu hören.
Unser Fahrer wurde mal von mehreren Taxis angehalten und sein Fahrgast genötigt, in eines der Taxis umzusteigen.

Noch schlimmer, wenn auch mit schwarzem Humor betrachtet geradezu witzig, ist die Geschichte von zwei Fahrern, die mitten auf der Straße aufeinander losgehen wollten. Ein Taxifahrer und ein UBER-Fahrer.
Doch als sie aus ihren Wagen gestiegen waren und aufeinander zuliefen, kam gerade ein großer Lastwagen.
Tja, und das war es dann für die beiden …

Wir wünschen dem sympathischen jungen Mann alles Gute und geben ihm ein nettes Trinkgeld.

Unseren Flug bekommen wir sehr entspannt. In Mexiko Stadt müssen wir während der Nacht umsteigen. Ausnahmsweise haben wir für die Stunden zwischen den Flügen sogar ein Zimmer gebucht.
So gestaltet sich die ganze Reise recht angenehm.

Peru, wir kommen!

Cancun bis Uxmal

In Cancun
23.02.2018

Wir haben ein sehr schönes AirBnB mit Pool, und obwohl wir früh angekommen sind, bringen wir nicht mehr die Motivation für einen Krankenhausbesuch auf.

Mit dem Argument, dass wir jetzt ja in sicherer Nähe zu Krankenhäusern sind, verpennen wir fast den ganzen restlichen Tag.

 

Ein Besuch im Krankenhaus
24.02.2018

Heute können wir uns nicht mehr drücken. Wir gehen ins Krankenhaus. Als wir davor stehen, mache ich beinahe einen Rückzieher, weil es mir ja eigentlich wieder ganz gut geht.

Aber dann gehen wir doch rein.

Wir müssen ziemlich lange warten, denn ich bin ja kein Notfall. Das sehen wir auch ein, vor allem, als ein junger Mann hereinkommt, der voller Blut ist und anscheinend eine heftige Verletzung am Arm hat. Der Wartesaal wird daraufhin ganz schön eng, denn der hübsche Kerl scheint eine große Familie und viele Freunde zu haben, die ihn am liebsten alle sofort sehen wollen.

Wir warten also, bis sich der Trubel wieder gelegt hat.

Dann nimmt sich der Arzt auch jede Menge Zeit für mich. Allerdings verwirren ihn meine Angaben zusehends. Vor allem, als ich ihm erzähle, wie lange wir schon unterwegs sind und dass ich bisher nie Unverträglichkeiten hatte. Mal abgesehen von ein klein wenig Durchfall.

Er ordnet diverse Labortests an, die wir allerdings erst morgen früh durchführen lassen können.

Also sehen wir zu, dass wir in ein nettes Lokal kommen.
Tacos und flambierter Käse auf Kaktus (Nopales) stehen für uns auf dem Programm.

Langsam habe ich auch eindeutig wieder Appetit.

 

Die Massen stürmen die Strände
25.02.2018

Nachdem wir alle Proben fürs Labor im Krankenhaus gelassen haben (inklusive meines Blutes), lassen wir uns von einem Taxi an den Strand bringen.

Ein Fehler.

Wir haben nicht bedacht, dass Sonntag ist. Und wir sind ja in Cancun. Touristenhochburg Mexikos. Einstimmig befinden wir, dass wir noch nie so einen vollen Strand gesehen haben. Man hat nicht mal Lust baden zu gehen, denn selbst im Meer ist kaum Platz.

Tja, vielleicht gibt es auch ruhigere Strände, aber für uns ist damit klar: Cancun ist nichts für uns! Wie bereits angedacht, werden wir also nur zum Abflug nochmal herkommen.

Nachmittags müssen wir noch einmal ins Krankenhaus, um uns die Ergebnisse anzuhören. Der Arzt erklärt mir, dass die Ergebnisse der Urinprobe für ihn nach irgendeiner Infektion der Blase aussehen. Ein Wert im Blut könnte allerdings auch auf Salmonellen hinweisen. Nicht sehr konkret.

Natürlich will er mir gleich ein Antibiotikum verschreiben.
Ich erkläre ihm meine Einstellung dazu und er schlägt mir vor, es die nächsten Tage erst mal mit viel Vitamin C zu versuchen und dann nochmal einen Test machen zu lassen.

Das finde ich schon besser und so besorgen wir noch eine extra Dosis Vitamin C, bevor wir in den Bus nach Valladolid steigen.

 

Valladolid
26.02.2018

Unser neues AirBnB ist nett und hat vor allem einen gemütlichen Garten mit Küche und Sitzecken. Wir sind auch sehr gemütlich drauf und schaffen es gar nicht, etwas zu unternehmen. Obwohl wir es uns eigentlich vorgenommen hatten.

Wir lernen Alan kennen, einen Franzosen, der mittlerweile in Kanada lebt. Er ist Koch und gerade in Rente gegangen. Jetzt radelt er fünf Monate lang durch Mexiko und steckt voller Geschichten.

 

Chichén Itzá – die bestbesuchte Ruinenstätte Yukatans
27.02.2018

Mit einem Colectivo fahren wir zur Tempelanlage Chichén Itzá, der wohl berühmtesten Anlage hier in Yukatan. Die bestbesuchte ist es auf jeden Fall. Etwas zu voll, für unseren Geschmack.

Also verbringen wir die Mittagszeit im Schatten und wandern erst nachmittags, kurz vor Schließung,  herum.

Abends dinieren wir in einem schönen Restaurant mit einer Terrasse, die auf etwa drei oder vier Meter Höhe um mehrere Bäume herum gebaut ist. 
Das Ambiente ist fantastisch, doch die Speisen sind zu sehr an Touristen angepasst. Mexikanische Gerichte ohne mexikanische Würze.

Wie so oft spielen wir Karten und genießen eben, was es zu genießen gibt. In diesem Fall den Ort.

 

Cenotes – Wasserlöcher ohnegleichen
28.02.2018

Heute fühlen wir uns schon fitter und mieten ein Tandem. Allerdings stellt sich das liebe Fahrrad ganz schön störrisch an. Die Kette quietscht und die hinteren Pedale sind viel zu niedrig, sodass bei jeder Unebenheit eines aufsetzt und einen Ruck durch mein Bein schickt. BÄNG. Autsch …

Wir fahren zur Cenote Oxman, die Alan uns empfohlen hat. Leider ist der letzte Teil der Straße noch nicht befestigt, und so geht es mindestens einen Kilometer lang: Strampel, BÄNG, Strampel, BÄNG, … Absteigen, weil wir selbst winzige Hügelchen von vielleicht 2m Höhenunterschied nicht hochkommen.

Aber am Ende erwartet uns eine wundervolle Oase.

Ein Restaurant mit Pool bildet den touristischen Teil der Anlage. Recht nett angelegt. Dahinter befindet sich das riesige Loch im Boden. Die Cenote.

Mindestens 15m geht es steil nach unten, in der Tiefe schimmert verwunschen dunkles, kristallklares Wasser. Selbst von hier oben können wir die Fische sehen, die darin schwimmen.
Die Tiefe des Wassers beträgt etwa 35m, wie wir von einem Guide erfahren, der zusammen mit seinen Kunden im kühlen Nass planscht. Die Cenoten sind durch unterirdische Flüsse verbunden und werden so ständig mit Frischwasser versorgt.

Die Wurzeln der Bäume am Rand des Loches reichen teilweise bis hinab ins Wasser. Leguane leben in den Wänden, und an einem Bienennest herrscht emsiges Treiben. Es ist wunderschön.

Nach einer kurzen Ruhepause im Restaurant machen wir uns an den Abstieg. Die Treppe liegt in einem Schacht neben der Cenote. Von unten hören wir immer wieder ein lautes PLATSCH!

An einem langen Seil mit Griff kann man sich mutig bis in die Mitte des Wasserbeckens schwingen. Das müssen wir natürlich ausprobieren. Es macht riesig Spaß.
Und das Wasser hat eine wunderbare Temperatur. Kühl, aber nicht eisig, einfach perfekt.

Ich springe zum ersten Mal in meinem Leben eine Distanz von mehreren Metern in die Tiefe, ohne mir dabei die Nase zuzuhalten. Es gibt schon sehr unpraktische Angewohnheiten. Diese zu besiegen hat mich viele Jahre gekostet.

Während ich also glücklich über meine kleinen Fortschritte bin, wird Dario zum Held der Höhle, als er ein gutes Gefühl für den Strick entwickelt und Köpfer und Saltos hinab ins kühle Blau macht.

So fühlt sich Leben an!

Da die Cenote um fünf Uhr schließt, zuckeln wir noch weiter, zur nächsten.

Unterwegs kommen wir an der örtlichen Müllhalde vorbei und erkennen erst danach, dass es eine Abkürzung gab, die uns diesen Teil erspart hätte.

Die nächste Cenote ist wesentlich bekannter als die erste, aber wir sind so spät dran, dass der Parkplatz leer ist. Es ist kurz nach fünf.

Wir bezahlen den Eintritt für beide Cenoten auf diesem Gelände. Die eine ist sehr groß und hat eine hohe Decke. Nur durch ein kleines Loch fällt Licht. Einige Touristen schwimmen herum, vielleicht sechs oder sieben.

Wir gehen weiter zur zweiten, um einen Vergleich zu bekommen.

Auch diese ist eine Höhle, aber sie gefällt uns noch viel besser als die andere, denn es ist die reinste Tropfsteinhöhle. Und niemand ist da. Wir haben sie ganz für uns alleine!

Schnell in die Badesachen gestiegen und ab ins Wasser. Fasziniert schwimmen wir zwischen den Tropfsteinen umher. Ein wenig gruselig ist es aber auch, denn man hat keine Ahnung, wie tief es im Wasser hinab geht.

Um kurz nach sechs Uhr kommt ein Aufpasser herunter und sagt, dass wir schnell rausgehen sollen. Wir verstehen ihn nicht ganz, kriegen aber mit, dass die Anlage schließt und er noch irgendwas über Moskitos sagt. Und „gefährlich“.

Erst als wir schon draußen sind, wird uns klar, worum es dabei ging: Ein Team läuft mit einer Maschine herum, die ein Insektizid in dicken Nebeln versprüht. Pfui!!!

Wir sehen zu, dass wir Land gewinnen.

Zurück im Ort gehts wieder auf Restaurantsuche, doch diesmal landen wir einen Volltreffer und schwelgen.

 

 

Fish Spa in der Cenote
01.03.2018

Wieder mieten wir einen radelbaren Untersatz, diesmal aber zwei getrennte Fahrräder. Wir wählen einfach irgendeine Cenote in MapsMe aus und strampeln los.

Sie ist schön, aber nicht sehr spektakulär und entsprechend untouristisch. Außer uns ist nur eine einheimische Familie da.

Das Tolle: Hier gibt es jede Menge kleine Putzerfische.
Lange lassen wir einfach nur die Beine ins Wasser baumeln und genießen den Fish-Spa. Die kleinen Fischchen merkt man kaum, doch die größeren sind gewöhnungsbedürftig. Es kribbelt ganz schön, wenn sie an der Haut saugen!

 

Weils so schön war…
02.03.2018

Weil es so schön war, radeln wir nochmal zur Cenote Oxman, und diesmal haben wir sogar Schnorchel dabei, um die Fische und die Felsformationen unter Wasser zu bewundern.

Auch den Sprung vom Seil können wir gar nicht oft genug genießen.

Etwas später kommt auch noch eine Familie vorbei, die wir aus der Unterkunft kennen. Sie kommen aus Australien und sind ebenfalls auf Weltreise. Wir haben ihnen diese Cenote empfohlen und sie sind sehr zufrieden.

Am späten Nachmittag nehmen wir einen Bus nach Izamal.

 

Izamal die gelbe Stadt
03.03.2018

Unser Hotel ist ausgesprochen schön und passt zum Rest der Stadt: Es ist gelb gestrichen.

Dieser Anstrich ist sogar der Hauptgrund für unseren Besuch hier, denn die „Gelbe Stadt“ hörte sich wirklich interessant an.

Tatsächlich stellt sich heraus, dass sie sogar noch mehr zu bieten hat.
Etliche Pyramiden verweisen auf eine Geschichte, die bis in die Mittlere Präklassik zurückreicht (700 – 300 v. Chr.). Sie sind über die Stadt verteilt, immer mal wieder entdeckt man plötzlich eine beim Schlendern.

Zuerst besteigen wir die große Pyramide und freuen uns darüber, dass mal nicht so viel restauriert wurde.

Dann gönnen wir uns ein Eis, spazieren noch ein wenig durch die Stadt und dösen anschließend im Bogengang des Convento Franciscano.

 

Celestun, das Fischerdorf
04.03.2018

Weiter geht es nach Celestun, einem verschlafenen Fischerdörfchen an der westlichen Küste Yukatans.

Hier sieht fast alles so aus, als sei es vor mindestens fünfzig Jahren erbaut worden und als habe seitdem nie wieder jemand etwas repariert oder neu gestrichen. Selbst die Karusselle auf dem großen Platz, bei denen munter der Lack abblättert.

Auch unser Hotel stellt da keine Ausnahme dar. Obwohl es teurer ist als uns letztes, das absolut perfekt aussah und ja sogar einen Pool hatte. Tja, aber die Preise sind eben von Ort zu Ort unterschiedlich. Und hier kommen wohl genug Leute her, um solche Preise verlangen zu können.

Wir genießen den Sonnenuntergang am Meer und freuen uns über die kühle Prise, die hier weht.

 

Flamingos, Krokodile und Delfine
05.03.2018

Gleich morgens gehen wir an den Strand, um eine Tour zu den Flamingos zu machen, wegen denen wir hier sind. Allerdings dauert es fast eine Stunde, bis wir endlich sechs Personen sind und das Boot langsam bezahlbar wird. Wobei der Gesamtpreis für das Boot allerdings auch mit jeder Person zu steigen scheint.

Schön, wieder mal auf dem Wasser zu sein!

Wir sehen zwei Krokodile, eines davon liegt mit weit aufgerissenem Maul in der Sonne. Wer findet es im Bild? Die Viecher sind echt gut getarnt.

Bis wir die Flamingos erreichen, sehen wir schon jede Menge andere Vögel. Doch die rosa Berühmtheiten sind hier nicht zu unrecht die Hauptattraktion. Hunderte und aberhunderte von ihnen stehen im Wasser oder fliegen durch die Lüfte.

Sie sehen so filigran aus, mit ihren langen Beinen und ebenso langen Hälsen!

Wenn sie hintereinander fliegen, sehen sie von weitem wie eine rosa schimmernde Kette von Lampions aus.

Eine ganze Weile bewundern wir sie, dann gibt es noch eine kleine Exkursion in den Mangrovenwald, in dem wir auch aussteigen dürfen, um eine Süßwasserquelle zu bewundern.

Davon gäbe es tausende, sagt ein Guide. Wie so oft nutzen wir es aus, wenn jemand anders für einen bezahlt hat, und lauschen einfach mit. In dem Teich kann man schwimmen. Aber leider haben wir nur 20 Minuten. Diese Touren sind einfach immer so eng getaktet.

Aber zu unserer Freude sehen wir ein kleines Krokodil!

Auf der Rückfahrt taucht dann völlig unerwartet ein weiteres Highlight aus den Wogen auf: Delfine. Unser Bootsfahrer wedelt mit einem Lappen im Wasser neben dem Boot herum und klopft auf das Holz des Bootes. Damit versucht er, die Delfine anzulocken.

Ich weiß natürlich nicht, ob das eine wirklich gut funktionierende Methode ist oder nicht. Aber die Delfine kommen jedenfalls zu uns. Sie springen ums Boot herum und fast können wir sie berühren.

Ich kann gar nicht oft genug sehen, wie ihre schimmernden Leiber sich aus den Wogen erheben. Sie sind so anmutig. Delfin sein würde ich gerne mal ausprobieren.

Den Abschluss der Tour bilden dann noch zahlreiche Pelikane.

 

Ruinen unter den Sternen
06.03.2018

Nach dem Frühstück nehmen wir einen Bus bis Merida. Von dort einen anderen nach Uxmal.
Zum Glück kennen wir mittlerweile die Busse zweiter Klasse gut, und so fragen wir einfach, ob der Fahrer uns an unserem Hotel rauslassen kann. Es liegt genau auf der Strecke. Kein Problem.

Das Hotel ist etwas nobler als unsere sonstigen Unterkünfte, weil es so nah an den Ruinen einfach nichts günstigeres gibt. Und wir wollten unbedingt in Laufnähe wohnen.

Das Zimmer ist schick und es gibt einen großen Pool. Obwohl das Hotel riesig ist, sind die Anlagen so gut wie leer. Die meisten Leute bleiben vermutlich nur eine Nacht, um die Ruinen zu besichtigen.

 

Wir machen es uns gemütlich und duschen erst mal. Am Abend machen wir uns auf den Weg zu den Ruinen. Heute steht die Light Show an.

Eigentlich wollen wir die kostenlosen Fahrräder des Hotel nutzen, doch diese werden gerade weggeräumt. Also müssen wir laufen.

So kommen wir ein wenig zu spät, aber das macht nichts. Die Show besteht daraus, dass die Ruinen in verschiedenen Farben beleuchtet werden und Stimmen eine Geschichte aus der Zeit der Maya erzählen. Allerdings auf Spanisch, weshalb es für uns nicht relevant ist, alles mitzubekommen.

Wir machen es uns auf der Tribüne bequem und genießen einfach das Szenario. Dies ist tatsächlich der perfekte Ort für eine solche Inszenierung, denn die Gäste sitzen alle am großen Platz mit Blick auf die imposante Pyramide und mehrere kleine Gebäude im Hintergrund.

Und auch der Sternenhimmel ist heute besonders schön.

 

 

Entspannung ist wichtig
07.03.2018

Weil wir uns beide nicht gerade fit fühlen, verlängern wir unseren Aufenthalt um eine Nacht. Außerdem ist das Restaurant des Hotels gut und nicht teuer. Wir verbringen den Tag am Pool und in einem kleinen Pavillon, der genau die richtige Größe zum Tanzen und Poi spielen hat.

Reisetag
08.03.2018

Wir nutzen die kühlen Morgenstunden, um die Ruinen auch noch bei Tag zu besichtigen. Insbesondere, weil ich die schöne Konstellation der Gebäude zeichnen möchte.

  

Das Hotelpersonal hat uns freundlich Auskunft über die Buszeiten gegeben, und so checken wir kurz vor zwölf Uhr mittags aus und stellen uns an die Straße.

Und warten.

Und warten.

Und warten.

Eine Stunde später laufe ich nochmal zum Hotel und frage, ob sie sicher sind, dass ein Bus kommt. Sie sind sich sicher. Aber der Bus könne natürlich Verspätung haben.

Und so warten wir.

Und warten.

Und warten.

Nochmal eine Stunde. Dann beginnt es exakt nach Wettervorhersage zu tröpfeln. Das war der Grund, warum wir uns für den frühen Bus entschieden haben. Und nicht den um drei Uhr nehmen wollten. Wir stehen nicht gerne im Regen.

Gerade als wir unser Rucksäcke schultern, um Richtung Hotel zu flüchten, kommt der Bus.

Naja, zwei Stunden Verspätung. Kommt halt mal vor, oder?

In Merida müssen wir dann ohnehin bis zum Abend warten. Der Bus nach Belize fährt nur über Nacht. Aber zum Glück haben wir schon bei unserer letzten Durchreise ein nettes Lokal am Busbahnhof entdeckt. Hier lassen wir uns mit Tacos und frischen Säften verwöhnen.

Tuxtla bis Palenque

Zoo mit einheimischen Tieren – exotischer geht es nicht
15.02.2018

In Tuxtla angekommen sind wir vollkommen erschöpft. Wir nehmen ein Taxi zum Hotel Frida Khalo (ja, das Hotel heißt tatsächlich so, bitte fragt mich nicht, wer sich da so verschrieben hat), welches sich als etwas schäbig aber trotzdem ganz nett herausstellt.

Erst mal duschen und ausruhen.

Dann suchen wir uns was zu futtern und machen uns anschließend mit dem hiesigen öffentlichen Verkehr vertraut. Das Mittel der Wahl sind hier die sogenannten „Colectivos“. Das sind ganz kleine Busse, die jeden auf ihrer Route aufsammeln, der mit möchte und einen ebenso flexibel auch wieder aussteigen lassen.

Sobald man mal rausbekommen hat, von wo der richtige Colectivo losfährt, ist die Sache also ganz einfach. Zum Glück kennen sich die Locals gut aus und wir fragen uns problemlos durch.

Der Zoo ist richtig nett. Es werden nur einheimische Tiere gezeigt, aber das bedeutet für uns einige Überraschungen. Schließlich sind wir ja nicht einheimisch.

Da gibt es fantastische Vögel und goldige „Ratten“, die frei herumlaufen und die wir mit Kokosnuss-Stückchen füttern. Zudem alle möglichen Insekten, Greifvögel, Schildkröten und Wildkatzen.

Besonders begeistert sind wir von den schwarzen Panthers und einem kleinen Wildkatzenpärchen. Als wir an ihr Gehege kommen, pennen sie grade tief und fest, die Pfoten baumeln entspannt von einem Ast in die Tiefe.

Weil ich auch so müde bin, machen wir es uns einfach auf einer Bank gemütlich und dösen auch. Erst als es langsam kühler wird, wachen wir alle auf. Die Katzen beginnen elegant durch das Gehege zu tigern und jagen gerne auch mal eine Vogel, der sich zu nah heran wagt. Wir bewundern sie noch ein wenig, dann setzen wir unseren Spaziergang fort.

Auch die Tapire finde ich faszinierend. Ihr Fiepsen passt so gar nicht zu ihren großen Körpern.

 

Bootsfahrt durch den großen Canyon
16.02.2018

Heute nehmen wir ein Colectivo in den Nachbarort Chiapa de Corzo. Es ist eines der zauberhaften Dörfchen und von hier starten Bootstouren in den Sumidero Canyon.

Die Steilwände ragen mehrere hundert Meter in die Höhe und immer wieder gibt es faszinierende Felsstrukturen. Außerdem sehen wir zum ersten Mal Krokodile in freier Wildbahn!

Leider gibt es auch hier, wie an so vielen Orten dieser Welt, ein Müllproblem. An bestimmten Stellen sammelt sich alles, was die Strömung so zu fassen kriegt. Überwiegend Plastik.

Am Abend gehen wir ins Restaurant „Las Pichanchas“ in Tuxtla, zu dem ich eine ungewöhnlich begeisterte Empfehlung gefunden habe.

Wir bestellen das Getränk des Hauses „El Pumpo“ und hätten keine bessere Wahl treffen können!
Der Cocktail wird in einem Flaschenkürbis serviert und jedes Mal, wenn ein Kellner einen „El Pumpo“ an einen Tisch bringt, läutet er zuerst eine Glocke an der Ausgabetheke und ruft „El Pumpo“, dann geht er in die Mitte des Lokals und wiederholt diese Zeremonie. Auch dort hängt eine Glocke. Die anderen Kellner greifen den Ruf auf und so schallt es aus allen Ecken „El Pumpo“. Und zu guter Letzt wird noch ein kleines Glöckchen geläutet, das über einem jedem Tisch hängt und dann wird das Getränkt mit großer Geste in die Gläser geschenkt. Vorzüglich.

Auch das Essen ist gut und bald darauf beginnt sogar eine traditionelle Tanzvorführung inmitten der Tische. Die Tänze sind schwungvoll und witzig. Immer wieder wird sogar das Publikum eingebunden. Es gibt Blumenkränze für die Damen und bei einem Tanz werden Rasseln zum Mitmusizieren verteilt. Ein andermal dürfen die Gäste tanzen.

Beschwipst von dem vielen „El Pumpo“ und beschwingt von dem schönen Abend spazieren wir zurück ins Hotel.

 

San Cristobal – Touristenhochburg
17.02.2018

Wir ziehen in das nahegelegene Touristenörtchen San Cristobal um. Hier wimmeln die Straßen von Gauklern und Musikanten. Kunsthandwerk kann erstanden werden und Bernstein ohne Ende.

Wir fühlen uns sofort wohl und verbringen den Nachmittag bummelnd.

Unter anderem besuchen wir ein kleine Kakaomuseum und probieren den traditionellen Kakao. Einen mit Chili, einen mit Amarant, einen mit Zimt und einen mit Honig. Leider sind sie auf Wasserbasis und wir finden sie ganz furchtbar.

 

Kerzen, Hühneropfer und kleine Kinder
18.02.2018

Wieder mal besteigen wir ein Colectivo. Doch diesmal bringt es uns in ein abgelegenes Dörfchen.

Doch was haben wir hier eigentlich zu suchen?
In diesem Ort gibt es etwas, das eine kleine aber beständige Zahl an Touristen anzieht: Eine Kirche.

Es ist jedoch keine gewöhnliche Kirche. Denn in Chamula leben die Nachfahren der Maya, die Tzotzil, noch nach alten Traditionen. Sie sprechen ihre eigene Sprache und lehnen die moderne Welt ab. Wobei das natürlich nicht ganz klappt. Auch hier kann man die gleichen Souveniers kaufen wie überall und es gibt sogar einen kleinen Laden mit neuer Elektronik.

Nachdem wir eine kleine Touristengebühr entrichtet haben und darüber belehrt worden sind, dass wir weder Fotos machen noch filmen dürfen, können wir die Kirche betreten.

Es ist dämmrig, denn der Raum wird nur von Kerzen erhellt. Es sind tausende. Die meisten stehen auf Tischen an den Seiten.

Der Boden ist mit Baumnadeln ausgelegt. Wir spazieren einmal durch diesen mystischen Raum, dann setzten wir uns im Schneidersitz recht weit hinten hin und beobachten zwei Familien bei ihren Ritualen.

Zuerst wird ein kleiner Bereich des Bodens freigekehrt. Dann werden mehrere Reihen Kerzen aufgeklebt. Die Reihe, die am weitesten weg von der Familie steht, ist die größte, dann folgen mehrere in kleinen Abstufungen. Direkt vor der Familie wird eine Reihe aus Trinkflaschen aufgestellt. Dabei scheint der Inhalt egal zu sein. Die einen bringen nur Wasser mit, bei anderen darf es auch mal Coca Cola sein.

Nach endlosen Gebeten wird etwas von den Getränken über die Kerzen gegossen, dann wird getrunken, gerülpst, gebetet und anschließend folgt die Opferung des mitgebrachten Huhns.

Dank einiger Recherche wissen wir, was diese Rituale bewirken sollen. Ein Rülpser ist so etwas wie eine Reinigung und kann von Krankheit oder auch Sünde befreien. Bei der Ausstoßung eines solchen hilft natürlich die Cola. Danach kommt das Huhn ins Spiel, in das das Böse fahren soll.
Es wird getötet wird und das war´s dann mit der Krankheit oder der Sünde.

Ja, diese Riten sind es, die immer wieder Touristen anlocken.
Es ist eine wilde Mischung aus christlichem Glauben und den Traditionen der Maya.

Man könnte nun meinen, das für uns „zivilisierte“ Leute irgendwie gruselig, aber ganz im Gegenteil. Die Familien mit ihren kleinen Kindern erzeugen eine ganz lockere, wenn auch zeremonielle Stimmung. Denn die Kleinen dürfen sich auch mal auf den Boden legen, miteinander schwatzen oder spaßen. Die Frau vor uns, die gleich vier kleine Kinder dabei hat, tut sich zeitweise ganz schön schwer ihr Ritual fortzusetzen. Ein Kind häuft dem Baby Baumnadeln auf den Kopf, ein anderes wischt sie wieder herunter. Das Huhn guckt uns nur fragend an.

In letzter Zeit ist uns immer mehr und mehr aufgefallen, wie viele Kinder auf der Straße arbeiten. Auch dieser kleine Ort stellt da keine Ausnahme da und in San Cristobal, mit all seinen Touristen, wird es besonders deutlich.

Nachmittags sehen wir einen Truck, der lauter Kinder einsammelt, die alle Zuckerwatte verkaufen. Organisierte Kinderarbeit wie bei Slumdog Millionär? Gut vorstellbar.

Was für ein hartes Leben. Die Gesichter sprechen oft schon bei den Sechs- oder Siebenjährigen von einer bereits vergangenen Kindheit.

Ebenso sitzen viele alte Leute auf der Straße. Hier gibt es keine Rente. Keine soziale Absicherung.

Wir versuchen immer Kleingeld in der Hosentasche zu haben, um ein wenig spenden zu können.

 

Von kalt nach heiß
19.02.2018

Wieder einmal verbringen wir einen Tag im Bus.

Teils schaffe ich es, ihn zum Schreiben zu nutzen, doch manche Abschnitte der Strecke sind schlichtweg zu kurvenreich.

Als wir mittags an einem Imbiss anhalten, merken wir, wie heiß es plötzlich draußen ist.

Es ist bereits dunkel, als wir Palenque erreichen. Zum Glück ist unser AirBnB ganz in der Nähe der Busstation. Es gehört einem alten Professor, der uns sehr nett willkommen heißt.
Wirklich begeistert von unserer Ankunft ist seine junge Hündin, die mich schier auffrisst. Da hat der nette Herr Professor noch einiges an Erziehungsarbeit vor sich.

 

Agua Azul – Wasserfälle zum Staunen
20.02.2018

Es ist heiß!

Und mir geht es irgendwie nicht so toll.
Leichte Übelkeit und einfach unbehaglich.

Also beschließen wir, gleich mal zu den Wasserfällen zu fahren. Zum Entspannen.
Noch bevor wir die Haltestelle der Colectivos erreichen, kommt uns schon einer entgegen und gabelt uns auf. Perfekt, wir sitzen ganz vorne und haben eine tolle Sicht auf den Urwald, durch den wir fahren.

Die Straße ist abenteuerlich, denn sie scheint hauptsächlich aus engen Kurven zu bestehen und immer wieder sind ganze Stellen weggebrochen. Zudem kann unser Fahrer seinen Freunden erzählen, er sei hauptberuflich Rennfahrer, ohne dabei wirklich zu lügen.

Mein Magen findet das gar nicht gut.
Normalerweise kann mir ja keine Kurvenstrecke der Welt etwas anhaben, aber in meinem heutigen Zustand leide ich dann doch.

So froh anzukommen, war ich noch selten. Wäre diese Geschichte ein Comic, wäre ich in diesem Moment mit grünem Kopf und herausquellenden Augen dargestellt.

Leider müssen wir von der Kreuzung, an der uns das Colectivo abgesetzt hat, noch ein Taxi für die letzten Kilometer zum Wasserfall nehmen. Um das zu überstehen, muss ich mich zuvor erst kurz auf einer Bank erholen.

Als wir schließlich das kühle Nass erreichen, werden mir zwei Dinge klar.
Erstens: Es war die Tortur wert!!!
Zweitens: Mir ist so schlecht, dass ich nicht mal baden mag.

Also beginnen wir mit der Entspannung und ich halte eine Mittagsschläfchen.
Anschließend gehen wir baden und staunen ohne Ende über die vielen Kaskaden, die sich den Hang herab ergießen. Auf etlichen Ebenen kann man Schwimmen gehen. Es ist zauberhaft.

 

Wir gehen alles ganz langsam an.

Obwohl ich den ganzen Tag leide, ist es einfach wunderschön.

Die Rückfahrt ist noch schlimmer als die Hinfahrt. Wieder in der Unterkunft gehe ich gleich ins Bett. Kurz darauf bekomme ich Fieber. Ach du Sch****!!!

Fieber in so einem Land zu bekommen stand nicht auf unserer To-Do-Liste.
Natürlich denken wir gleich an Malaria. Das ist vermutlich typisch deutsch. Immer gleich das Schlimmste befürchten. Wir überlegen, gleich am nächsten Tag nach Cancun zu fahren, wo es größere Krankenhäuser gibt und viele Leute Englisch sprechen.

Doch nach einigen Telefonaten mit Ärzten in Deutschland und natürlich mit Mama, beschließen wir uns wenigstens noch einen Tag zu erholen und dann erst zu fahren.

Die ganz schlimme Form der Malaria gibt es hier wohl gar nicht und außerdem haben wir ja sogar selbst ein Mittel zur Behandlung im Notfall dabei.

 

Was man so tut, wenn man krank ist…
21.02.2018

Ich verbringe den ganzen Tag im Bett und auch Dario scheint die Erholung dringen nötig zu haben.
Ihm geht es auch nicht richtig gut. Vielleicht haben wir uns irgendwas eingefangen. Oder es sind Salmonellen.

 

Was man eigentlich NICHT tut, wenn man krank ist…
22.02.2018

Da es uns wieder etwas besser geht, beschließen wir heute Abend mit dem Nachtbus nach Cancun zu fahren. Sicherheitshalber.

Aber zuvor wollen wir noch die berühmten Pyramiden hier in Palenque anschauen. Die standen schließlich groß auf unserem Programm. Und so ein kleiner Ausflug ist ja auch nicht so anstrengend.

Klar, es ist trotzdem eine Dummheit. Aber wir werden nicht noch mal herkommen und wollen die Pyramiden halt unbedingt sehen.

Gesagt, getan. Wir schaffen es sogar ganz gut, die Anlage zu besichtigen. Es gibt mehrere sehr schöne Tempel und einige eingewachsene Ruinen, die ihre ganz eigene Schönheit haben.

Im Gegensatz zu sonst steigen wir allerdings kaum auf ein Gebäude hinauf, sondern verbringen lieber die Zeit irgendwo im Schatten und schauen einfach nur.

Für die Fahrt nach Cancun wählen wir einen etwas nobleren Bus und schaffen es tatsächlich zu schlafen.

Xilitla bis Oaxaca

Fahrt durch Klimazonen
06.02.2018

Wieder ein Tag im Bus. Diesmal geht es durch eine irre Hügellandschaft. Kurve um Kurve, Hügel um Hügel nähern wir uns dem Dörfchen Xilitla, unserem heutigen Ziel.

So viele Kurven sind es, dass ich schnell jegliche Tätigkeit an irgendwelchen Bildschirmen einstelle und nur noch aus dem Fenster schaue. Auch Dario schlließt sich mir dabei bald an. Alles andere führt zu Übelkeit.

Die Strecke ist aber eh wunderschön und so bietet es sich an, sie zu genießen. Anfangs ist es unglaublich trocken, Kakteen über Kakteen strecken sich zum Himmel.
Doch dann kommen Bäume hinzu und schon zwei Hügelkuppen später befinden wir uns im Urwald. Es ist wie eine Fahrt in eine andere Welt.

Scheinbar regnen sich die Wolken immer auf dieser Seite der Hügel ab, sodass auf der anderen Seite kaum ein Tropfen ankommt. Entsprechend werden die Sonnenstrahlen bald weniger und wir versinken im Nebel.

Als wir schließlich aussteigen, stellen wir fest, dass es aber trotzdem angenehm warm ist. Wir machen uns auf die Suche nach unserem AirBnB und finden es mit Hilfe einiger Einheimischer schließlich auch. Wieder dauert es aber noch eine Weile, bis wir tatsächlich ins Haus kommen. Die Frau ist noch nicht da.

Dafür stellt sich unsere Unterkunft als sehr nett heraus. Wir haben einen hübschen kleinen Balkon mit Blick übers Dorf und auf die Hügel. Trotz Nebel.

Auch finden wir ein gutes Restaurant. Schon ist die Welt in Ordnung. Der Ort fühlt sich irgendwie gut an. Auch als es dunkel wird sind noch Frauen und Kinder in den Straßen unterwegs. Wir fühlen uns sicher.

 

Der surrealistische Skulpturengarten des Edward James
07.02.2018

Heute besichtigen wir den Ort, wegen dem wir hergekommen sind: Den surrealistischen Skulturengarten des Edward James. Besagter Mann war ein britischer Multimillionär und unter anderem Kunstsammler, Landschaftskünstler und eben Anhänger der surrealistischen Bewegung.
Wir laufen hin. Schloss und Garten liegen etwas außerhalb des Ortes. Es ist ein wunderschöner kleiner Spaziergang durch den Urwald. Überall zwitschern Vögel. So haben wir uns Urwald vorgestellt, nicht wie in Indonesien, wo es kaum noch freie Vögel gibt.

Und zu unserer großen Begeisterung, scheint es so gut wie keine Stechmücken zu geben. Besser geht es kaum!

Der Garten und die „Skulpturen“, die eher an ein weitläufiges Schlösschen erinnern, sind absolut faszinierend. Man fühlt sich wie in den Ruinen einer Magier-Schule. Ein mystischer Ort, an dem Heute malerische Strukturen und Urwald verschmelzen.
Wir wandeln herum wir in einem Traum.

In Deutschland wäre ein Ort wie dieser undenkbar. Treppen bis ins dritte Geschoss, ohne Geländer.
Die wenigen Bereiche, die hier gesperrt sind, betritt man in diesem Fall lieber wirklich nicht.

Das Grundstück ist ein absoluter Traum. Sollten wir jemals etwas annähernd schönes finden, hoffe ich, dass wir dort leben können. Sogar einen Wasserfall gibt es. Mehrere Becken laden zum Baden ein. Blöd nur, dass ich kein Handtuch eingepackt habe.

Wir beobachten einen einheimischen jungen Mann, der von einem Felsen in eines der Becken springt. Falls es morgen auch noch warm ist, müssen wir nochmal herkommen! Egal, was meine langsam abklingende Erkältung davon hält!

Wir treffen eine Deutsche, die alleine unterwegs ist und gehen gemeinsam ins Dorf zurück. Von ihr bekommen wir einige gute Tipps zum Finden von Busverbindungen und erfahren, dass wir eines unserer Ziele streichen können. Einen Ort, an dem man um diese Jahreszeit für gewöhnlich jede Menge Schmetterlinge beobachten kann. Aber diesmal sind es wohl gar nicht viele. Der Aufwand lohnt nicht und wir sind ganz froh, unseren Zeitplan zu entspannen.

Abends essen wir in einem Lokal mit schöner Aussicht, von dem aus man auch das tatsächliche Schlösschen des Edward James sehen kann. Es befindet sich mitten im Ort und ist heute ein Hotel.

 

Im Nebel
08.02.2018

Leider hat es nachts geregnet und abgekühlt. Aus baden gehen wird also nichts. Wir machen uns einen gemütlichen Tag und nehmen Abends den Bus nach Mexiko Stadt.

Eigentlich wären wir lieber tagsüber gefahren, aber die einzige Verbindung, die wir gefunden haben geht über Tampico. Und diese Stadt gehört zu denen mit Reisewarnung.

Da wir ja entschieden haben, uns lieber nicht entführen zu lassen, geht das also nicht. Und so ziehen wir die Nachtfahrt in sicheren Regionen vor. Es geht auch alles gut. Gegen vier Uhr morgens erreichen wir den Busbahnhof und steigen in den Anschlussbus nach Papantla.

 

Papantla – Pueblo Mágico – ein magisches Dorf
09.02.2018

Gegen 13:00 Uhr kommen wir in Papantla an. Zum Glück ist unser Hotel sehr nah an der Bushaltestelle und wir können gemütlich hinlaufen.

Erst mal unter die Dusche, nach dieser langen Fahrt! Danach kuschel ich mich erst mal ins Bett, während Dario Recherchen am Computer betreibt.

Später schlendern wir in den Ort. An einem Stand erstehen wir eine frische Kokosnuss, die wir genüsslich schlürfen. Die erste seit Indonesien! Kaum zu glauben, aber das ist schon wieder über ein halbes Jahr her.

Am Dorfplatz, der sehr schön gestaltet ist, finden wir ein nettes offenes Restaurant im ersten Obergeschoss, das uns mit seinem bunten Mobiliar und fröhlicher Musik lockt.
Von dort haben wir einen guten Blick über den Platz, auf dem viele Bäume stehen und dessen Mitte von ein Pavillon geziert wird.
Von uns aus gesehen rechts befindet sich die Dorfkirche, an deren Fuße sich ein tolles Relief befindet.

Wir bestellen eine Vor- und zwei Hauptspeisen, merken jedoch schnell, dass das ein Fehler war. Die Vorspeise würde glatt für uns beide als ganzes Essen reichen.
Allerdings ist alles so lecker, dass wir auch gerne weiter futtern.

Überall um uns herum ertönt Vogelgezwitscher. Auf diesem einen Platz scheinen mehr freie Vögel zu sein, als in ganz Indonesien. Immer mal wieder sieht man auch ein Eichhörnchen durch die Baumwipfel huschen.

Es ist Freitag Nachmittag und es herrscht ein gemütliches Treiben. Es wird gebummelt und gekauft, die vielen kleinen Stände auf dem Platz bieten vor allem Essen an.
Andere weiße Touristen entdecken wir nicht.

Bald darauf sehen wir einige bunt kostümierte Männer an einem langen Mast neben der Kirch hinaufklettern. Was wird denn das?

Ihre Bewegungen sind stark und sicher. Schnell haben fünf Mann die Spitze erreicht. Sie beginnen lange Seile hinauf zu ziehen, während sie selbst auf einem Quadratischen Gerüst aus Stangen auf der Spitze des Mastes sitzen. Mit den Füßen stoßen sie sich am Mast ab und bringen das Gerüst zum Rotieren. So drehen sie sich da oben wie auf einem kleine Karussell. Die Seile werden dabei und die Spitze des Mastes gewickelt.

Als die Seile komplett aufgewickelt sind, beginnt einer der Männer Flöte zu spielen. Schnell stellen wir die Verbindung zu einer großen Statue eines Flötenspielers her, die auf dem Hügel hinter der Kirche steht. Das muss hier etwas Wichtiges sein.

Ein älterer Herr im gleichen Kostüm betritt nun das Restaurant und sammelt spenden für die Gruppe ein. Anschließend sammelt er auf dem ganzen Platz, während weiter die Flötenlaute in der Luft liegen. Wir haben das Gefühl, dass da noch mehr passieren wird und können kaum weiter essen, weil wir die Augen nicht von den Männern auf dem Mast lassen wollen.

Und dann geht es los: Vier von ihnen gleiten in die Tiefe. Kopfüber, je mit nur einem der Seile gesichert. Wie in einem Kettenkarussell dreht das Gerüst dabei weiter und der fünfte Mann fährt fort auf der Spitze des Mastes die Flöte zu spielen und zu trommeln.

Im Restaurant sind unauffällig zwei Gitarristen aufgetaucht, die die Vorstellung für uns mit weiteren sanften Klängen begleiten.

Es ist eine magische Atmosphäre.

Die Männer, die kreisend in die Tiefe gleiten, je weiter sich die Seile abwickeln. Die Gitarristen. Das Vogelgezwitscher. Und die emsigen Menschen auf dem Platz, für die das alles ganz normal zu sein scheint.

Mexikanischer Tanzabend

Nach dem Essen spazieren wir zurück zum Hotel und entdecken dabei, dass auf dem Dorfplatz eine Band ihre Instrumente aufbaut. Hinter ihnen steht ein großes Schild, auf dem irgendwas mit „Danzón“ steht. Das hört sich nach Tanzen an.

Eigentlich bin ich ziemlich müde, aber Darios Augen funkeln. „Lass uns da hingehen, vielleicht können wir tanzen“.

Also bringen wir unseren Rucksack ins Hotel und kehren auf den Platz zurück, auf dem mittlerweile bereits die Musikanten aufspielen und die ersten Paare sich zur Musik wiegen.
Direkt vor der Bühne tanzen einige ältere Pärchen, die sogar alle ähnlich gekleidet sind. Dunkle Kleidung, die Damen jedoch in roten Röcken.

Wir schauen interessiert zu und einige Leute die herumsitzen, bedeuten uns wir sollen doch einfach mittanzen. Hinter dem Pavillon, der ja die Mitte des Platzes bildet, entdecken wir Paare, die etwas lockerer tanzen. Wir gehen hinüber und bevor wir recht wissen, wie uns geschieht, kommt ein Paar auf uns zu und fordert uns zum Tanz auf.

Mein Tanzpartner ist ein uralter Herr. Sein Gesicht ist einerseits würdevoll, andererseits voller Lachfalten. Er trägt einen weißen Anzug und ist gut einen Kopf kleiner als ich.
Darios Partnerin ist noch etwas jünger, vielleicht die Tochter des Alten.

Sie zeigen uns die Schritte des Tanzes. Der Grundschritt ist ähnlich wie beim langsamen Walzer. Besonders gute Lehrer sind sie allerdings nicht, denn viele Schritte bleiben uns unklar, da das Muster nicht klar wird und sich oft zu schnell wieder ändert. Aber Spaß haben wir alle! Und das ist die Hauptsache.

Für den nächsten Tanz führen die Mexikaner Dario und mich wieder zusammen. Wir versuchen es mit einer Mischung aus Disko Fox und Walzer. Es macht so viel Spaß, dass wir es sogar schaffen all die Dörfler zu ignorieren, die uns zuschauen und häufig sogar filmen. Wir sind die einzigen Touristen. Schon bald kommt der alte Herr wieder zu uns und wackelt mit dem Zeigefinger, was so viel heißen soll wie: „Na, na, na, ihr tanzt viel zu schnell und die Schritte stimmen auch nicht.“
Das verstehen wir sogar ohne Worte.

Er grinst dabei, nimmt uns an den Händen und wieder geht es in diese Art langsamen Walzer, bei dem es scheinbar besonders wichtig ist, wie lange man auf welchem Fuß steht. Und das ganz langsam. Unsere Versuche werden mit einem zufriedenen Kopfnicken und Daumen hoch quittiert.

Nach jedem Lied machen die Musiker einige Ansagen und wir bekommen mit das wir begrüßt werden. Jemand fragt woher wir kommen (diese Frage verstehen wir mittlerweile meistens) und gibt die Information an den Ansager weiter. Wir sind jetzt für alle die „Amigos de Alemania“ (Freunde aus Deutschland).

Während den nächsten Tänzen, in die wir jetzt mehr den typischen Grundschritt des hiesigen Tanzes einbinden, werden wir immer wieder mal von unseren Tanzlehrern gelobt.

Bei einem der letzten Musikstücke wollen die beiden dann nochmal mit uns Tanzen. Die Bewegungen der Tänzer um uns herum scheinen über den Abend etwas lockerer geworden zu sein. Und so tanzen wir jetzt ein wildes Kuddelmuddel, von dem wir keine Ahnung haben, ob das alles auch noch zum ursprünglichen Tanz gehört oder nicht.

Der alte Herr lebt richtig auf und wir enden alle gemeinsam in einer Reihe, untergehakt, eine Art Stepptanz wie beim Karneval tanzend. Passt ja. Zuhause ist grad auch Fasching.

Lachend machen wir noch einige Fotos zusammen. Leider liegt unser Handy im Hotel und so müssen wir diesen Abend im Herzen mit uns forttragen, statt auf einem Bild.
Das gemeinsame Fotos machen, dass der alte Herr angeregt hat, zeigt uns aber, dass zumindest hier das digitale Zeitalter schon voll angekommen ist.

Ob wir je in einen dieser Orte kommen werden, in denen man die Leute echt noch fragen muss, ob man ein Foto machen darf und sie womöglich sogar nein sagen?

Wir verabschieden uns von der lustigen Gruppe mit vielen Umarmungen und Küsschen. Ein paar Leute, die wir bisher gar nicht wahrgenommen haben, nicken oder winken uns zu und eine alte Dame klopft mir zum Abschied lächelnd auf den Arm.

Was für ein wundervoller Abend.

Als wir gerade zurück ins Hotel wollen, spricht uns eine junge Frau auf Englisch an. Sie hat gehört, dass wir aus Deutschland kommen und möchte wissen, wie es da so ist. Wir erzählen ihr, was wir von Mexikanern gehört haben, die schon in Deutschland waren. Nämlich dass sie die Deutschen meist als kalt empfinden. Und dass es teuer ist. Wir empfehlen stattdessen Asien.

Von ihr erfahren wir auch, was es mit den Karussell-Männern auf sich hat. Das sind Indigene, die ein altes Ritual für Fruchtbarkeit gute Ernten durchführen.
Sie machen das jeden Tag, außer wenn es regnet.

Auch von der jungen Frau verabschieden wir uns mexikanisch mit Umarmung und Küsschen. Ein Küsschen auf die linke Wange um genau zu sein. So gehört sich das hier.

Glücklich kehren wir in unser nettes Hotel zurück.
Danke mein Schatz, es war eine fantastische Idee zum Tanzen zu gehen.

 

Die Ruinen von El Tajin
10.02.2018

Wir haben uns einen Wecker gestellt, machen ihn aber einfach aus und schlafen noch eine Weile weiter.

Schließlich gehen wir frühstücken, wieder in das Restaurant am großen Platz. Wie es der Zufall will, ist unser Timing mal wieder unschlagbar. Erneut können wir die kopfüber hängenden Männer bei ihrer Karussellfahrt bewundern.

Anschließend suchen wir nach dem lokalen Bus, der nach El Tajin fährt. Gar nicht so einfach, aber wir fragen uns durch. Ja tatsächlich. Mit wenig Worten, aber es klappt.

So sind wir knapp eine halbe Stunde später am Ziel. Die Ruinenstadt ist viel kleiner als Teotihuacán, hat aber eine faszinierende Struktur und schöne Dekorationen. Wir fühlen uns unglaublich wohl, vor allem weil wir fast die einzigen Besucher sind.

Lange dösen wir auf einer steinernen Bank im Schatten und ich zeichne. Was für ein tolles Stadtzentrum das mal gewesen sein muss. Zu gerne würde ich einen Blick in die Vergangenheit werfen können.

 

Wenn die Archäologen Recht haben, gibt es hier unter anderem sieben Anlagen für Ballspiele und einen großen Marktplatz.

Gegen Nachmittag nehmen wir den Bus zurück, der genau gegenüber der Stelle abfährt, an der wir ausgestiegen sind. Wir haben allerdings schon festgestellt, dass diese Busse eigentlich fast überall halten, wenn man ihnen winkt.

Den Abend müssen wir leider damit verbringen, eine alternative Busverbindung nach Oaxaca zu finden. Die, die wir herausgesucht hatten, fährt entweder nicht sonntags oder ist ausgebucht. Schließlich kriegen wir aber raus, dass wir einen Bus von der nächsten Stadt aus nehmen können.

Unser netter Hotelbesitzer und seine Frau erklären uns die Möglichkeiten morgens dorthin zu kommen. Letztendlich entscheiden wir uns für ein Taxi, denn er kann eines für uns rufen und es kostet nicht mal 10 Euro für die mehr als 20km. Würde unser Bus etwas später fahren, hätten wir es natürlich mit einem lokalen Bus versucht. Aber so ist uns diese entspannte Variante sehr recht.

 

Auf nach Oaxaca
11.02.2018

Unser netter Hotelbesitzer ruft wie versprochen ein Taxi für uns. Der Fahrer ist sehr nett und quatscht in einem fort auf Spanisch. Wir sagen, dass wir kaum Spanisch sprechen, aber das interessiert ihn überhaupt nicht. Und wir wundern uns, wie viel wir tatsächlich verstehen. Er erzählt etwas von einem Freund, der hier wohnt aber eigentlich aus Bayern kommt. Und als ich ihm sage, dass ich die mexikanische Musik mag, zählt er auf, welche Instrumente er und seine Freunde spielen.

Als wir Poza Rica erreichen, sehe ich eine riesige Pumpe und frage, was das ist. Es ist eine Erdölpumpe. Wir entdecken auf der Weiterfahrt durch die Stadt jede Menge davon. Auch entdecken wir, dass hier Abfackelung betrieben wird. Das ist typisch für Erdöl-Förderanlagen. Es handelt sich dabei um ein langes Rohr an dessen Ende sich eine Zündvorrichtung befindet. Verbrannt werden Abgase und das ganze sieht aus als würden riesige Flammen aus einem langen Schornstein schießen. Jetzt erklärt sich auch der seltsame Geruch, der seit einiger Zeit in der Luft liegt.

Und ist das da hinten ein Förder- oder ein Kirchturm?

Die Busfahrt nutze ich hauptsächlich zum Schreiben.
Immer wieder genieße ich aber auch den Blick auf kakteenbewachsene Hügel und Schluchten.

 

Oaxaca und die Pyramiden von Monte Albán
12.02.2018

Wir schlafen aus und gehen gemütlich Frühstücken.
Ja, dieser Satz bildet häufig den Beginn unseres Tages und das ist wichtig!

Da es dann schon nicht mehr so ganz früh ist, nehmen wir ausnahmsweise mal ein Taxi. Wir lassen uns zur Tempelanlage Monte Albán bringen, die auf einem Hügel über Oaxaca thront.

Die Anlage ist schön und es ist nicht viel los. Unter einem Baum dösen wir im Schatten und spielen Poi. Für uns ist das Dasein oft am wichtigsten. Wir müssen gar nicht jedes Detail über die Geschichte eines Ortes kennen, um ihn zu schätzen. Einfach das Gefühl an so einem Ort zu sein, ist wunderbar. Zwischen den alten Gemäuern und Bäumen fühlen wir uns wohl.

Das Museum besichtigen wir aber natürlich auch. Wie immer finden sich einige besonders interessante Kunstobjekte und natürlich Gebeine.

Abends suchen wir zum ersten Mal ein europäisches Restaurant auf, eine Pizzeria, weil Darios Verdauung eine Auszeit von der Schärfe fordert.

 

Die „versteinerten Wasserfälle“
13.02.2018

Heute müssen wir etwas früher aus den Federn, um das gemütliche Frühstücken zu ermöglichen, denn wir haben eine Tour gebucht.

Wir frühstücken in der Schokolaterie gegenüber des Hostels und stellen fest, dass das eine gute Wahl ist. In der Region wird nämlich Kakao angebaut und hier bekommt man ihn ganz frisch serviert.

Was mir am besten gefällt, sind die Hölzernen Kunstwerke, mit denen der Kakao aufgeschäumt wird. Es ist ein Stab mit Schnitzereien, der zwischen den Händen gedreht wird, als wolle man damit ein urzeitliches Feuer entfachen. Um ihn zu benutzen hat man den Kakao am besten in einer bauchigen Vase, denn so spritzt nichts heraus. Erst nach dem Aufschäumen wird die köstliche Flüssigkeit in eine Tasse gegossen.

Wir sind die Letzten, die vom Tourbus aufgesammelt werden. 11 andere Gäste sind schon in dem kleinen Gefährt untergebracht. Nur ein Platz bleibt frei.

Unser erstes Ziel ist der „Árbol del Tule“, der große Baum von Tule. Er ist angeblich der dickste Baum der Welt (über 14m Stammdurchmesser) und tatsächlich sehr beeindruckend. Wir müssen natürlich gleich an den großen Baum in Namibia denken, den wir vor über zehn Jahren besucht haben. Die beiden sind etwa gleich alt: gute 2.000 Jahre. Ähnlich aussehen tun sie nicht, doch beide sind sie auf ihre Weise majestätisch.

Als wir so dasitzen und dieses alte Wesen bewundern, spricht uns ein älteres Paar unserer Reisegruppe auf Deutsch an. Wir lachen, denn wir haben uns schon gedacht woher sie kommen. Mittlerweile haben wir ein ganz gutes Gespür für „typisch Deutsche“.

Die beiden sind sehr nett, wir verstehen uns auf Anhieb. Sie sind schon viel gereist und zwei ihrer Söhne, von denen sie uns erzählen, haben auch schon Langzeitreisen hinter sich.

Unser nächstes Ziel sind einige kleinere Ruinen in Mitla. Erst denke ich, dass so eine kleine Ausgrabungsstätte wohl kaum einen Besuch wert ist, doch die fantastischen Ornamente belehren mich eines Besseren.

Von unserem Tourguide lernen wir, dass einige von ihnen sogar noch original sind. Andere sind rekonstruiert. Jeder Tempel ist einem Gott gewidmet, nie mehreren. Allerdings ist es häufig schwierig, den Begünstigten zu identifizieren, da die Spanier bei ihrer Ankunft die Bildnisse der Götter zerstört oder zumindest vom Tempel entfernt haben.

Gerne benutzten sie auch die Steine der Tempel für ihre eigenen Bauten. So verschmelzen hier in Mitra die alten Tempelbauten mit der christlichen Kirche.

Da der Großteil der Gruppe für Mittagessen stimmt, müssen wir in einem dieser typischen Touren-Restaurants absteigen. Ein großes Lokal mit Buffet, keine anderen gastronomischen Einrichtungen in Laufweite.

Wir vier Deutschen halten davon nicht viel, denn das Buffet ist nichts für den kleinen Hunger. Also bestellen wir nur was zu Trinken. Es stellt sich heraus, dass die beiden Skat spielen können und so ist es klar, womit wir uns die nächste Stunde vertreiben.

Anschließend steht endlich der Höhepunkt dieser Unternehmung auf dem Programm: Die „Versteinerten Wasserfälle“. Dabei handelt es sich um eine sehr mineralhaltige Quelle, die über eine Felskante fließt und dabei Strukturen wie in einer Tropfsteinhöhle bildet.

Diese erinnern tatsächlich an Wasserfälle.
Besonders schön sind auch die Wasserbecken, die sich dabei oben an der Kante bilden. Und in diesen kann man baden gehen. Genau das machen wir.

Das Wasser ist angenehm kühl und an der Quelle sogar Sprudel. Dario probiert es und ist ganz begeistert. Viel zu schnell verfliegt die Zeit. Die Tour ist ja wirklich schön, aber wie immer bei solchen gebuchten Angelegenheiten ist das Programm etwas straffer als unser gewöhnliches Reisetempo.

Vor allem geht es jetzt zu dem Programmpunkt, von dem ich nicht so viel halte: Die Mezcal-Verkostung. Das ist der lokale Schnaps, der aus Guaven gewonnen wird.
Während Tequila ein geschützter Name ist, der nur in der Region Tequila verwendet werden darf und zudem nur aus einer einzigen Guavenart (der blauen Guave) gewonnen wird, kann Mezcal aus jeder beliebigen Guavenart gewonnen werden.

Beim Mezcal wird das Herz der Guave drei bis fünf ganze Tage gekocht, dann eine Woche ruhen gelassen und anschließend zerquetscht. Ganz traditionell noch mit einem großen Mahlstein, der von einem Esel bewegt wird.

Wie erwartet schmeckt mir der Schnaps nicht besonders, da kann auch der Spezialschnaps mit eingelegtem Wurm nichts dran ändern. Doch zu meiner freudigen Überraschung gibt es Liköre. Und die sind gar nicht übel. Munter probieren wir uns durch Schokolikör, Marakujalikör, Nusslikör, Hibiskuslikör, Mangolikör und etliche andere.

Entsprechend lustig wird die ganze Gruppe.

So beschwingt geht es weiter zur Teppichherstellung im Nachbarort. Auch dieser Halt stellt sich als sehr interessant heraus. Wir bekommen eine richtige kleine Vorführung.

Die Wolle wird mit einer besonderen Wurzel, die als Seife fungiert, gewaschen. Dann wird sie gekämmt und gesponnen, wie wir es auch aus der Waldorfschule kennen.

Anschließend folgt die Färbung mit natürlichen Farbstoffen. Hierzu wird ausführlich erläutert, welche Farbe wie zustande kommt. Gelb etwa wird aus der wilden Ringelblume und Baumflechten gewonnen und Blau aus Indigo.Besonders überrascht sind wir, als der Webermeister uns die Cochenilleschildläuse zeigt. Diese leben auf den Nopales, den Kakteen die hier auch gerne gegessen werden. Zerquetscht man die Schildläuse, erhält man ein wunderschönes, tiefes Rot.

Der Webermeister gibt etwas von dem Karmin (so nennt man diesen Rotton) in ein Glas mit Wasser. Dann gibt er etwas Zitronensaft, also Säure, hinzu. Die Farbe wird Orange. Dann gibt er Kalzium hinzu und erhält ein tiefes Lila. Ich hoffe das stimmt alles so, wie ich es hier niederschreibe.
Natürlich gibt es noch wesentlich mehr natürliche Farbstoffe.

Durch verschiedene Abstufungen jeder Farbe entsteht so ein recht breites Spektrum an Farbtönen. Am Webstuhl entstehen dann in Monate langer Arbeit Teppiche mit kunstvollen Mustern.

Wieder in der Stadt verabschieden wir uns herzlich von der Gruppe und dinieren in einem feinen Restaurant. Allerdings stellt sich das ausnahmsweise als keine so gute Idee heraus.
Das Essen wird unseren hohen Ansprüchen nicht gerecht.
Tja, wenn man so verwöhnt ist wie wir, kann das eben auch mal passieren.

 

Noch ein Tag in Oaxaca
14.02.2018

Da unser Bus erst abends abfährt, machen wir uns einen gemütlichen Tag und bummeln durch die Gassen.

Der Markt gefällt mir ganz gut, hier gibt es alle möglichen Leckereien und natürlich jede Menge hübschen Krimskrams.

Besonders gerne beobachten wir die Standbesitzer, manche sind wahre Unikate.

Der große Platz in Oaxaca hingegen hat für uns etwas befremdliches. Einerseits gibt es hier große Restaurants, ein Kirche, es wird Musik gespielt und alles verkauft, was man sich nur so vorstellen kann. Anderseits stehen zwischen den Bäumen provisorische Zelte in denen wohl gelebt wird.

Armut und Reichtum prallen massiv auf einander.

Wir vermeiden es uns hier aufzuhalten und besichtigen stattdessen lieber eine Kunstgalerie.

Abends steigen wir in den Bus und bereuen, die „Holzklasse“ gebucht zu haben. Die Abstände zwischen den Sitzen sind eng und es ist nicht sehr gemütlich. Schlafen nahezu unmöglich. Brrrrrr. Zudem kommen wir fast eine Stunde später an als geplant, da wir nach den ersten paar Kilometern umkehren müssen um den Bus zu wechseln. Wohl wegen eines Defektes.

 

Mexico City bis San Miguel de Allende

Mexico City
24.01.2018

Unser Flug landet morgens um 7:00 Uhr.
Also jede Menge Zeit, um sich zurechtzufinden und anzukommen.
Viel gelesen haben wir auch schon und so steuern wir nach dem ersten Geldabheben zielsicher einen offiziellen Taxistand „Sitio“ an.

Das Taxi bringt uns bis an unser Hostel „Mexiqui“ am Zócalo (Zentraler Platz einer Stadt), welches sogar noch schöner ist, als wir erwartet haben. In allen Räumen findet sich Kunst an den Wänden. Es gibt einen Raum zum abhängen und eine Dachterrasse mit Blick auf die Kathedrale. Fabelhaft.

Beim Einchecken entdecken wir eine Tafel mit umgangssprachlichen Wörtern. Ein paar davon dürfen gerne zu unserem neuen Vokabular hinzukommen. Andere werden wir wohl eher nicht benötigen…

Da wir unser Zimmer noch nicht beziehen können, machen wir es uns auf der Dachterrasse gemütlich. Hier wird gerade der Künstler, der das ganze Hostel dekoriert hat, von einem Fernsehteam interviewed.

Ein paar Minuten schauen wir dem Geschehen zu, dann dösen wir in der Sonne ein.

Tatsächlich verlassen wir das Hostel an diesem Tag höchsten für eine Stunden. Wir laufen eine der Einkaufsstraßen entlang bis zu einem großen Platz, an dem ein Handyladen liegen soll. Hier steht auch der Palacio de Bellas Artes.

Neben dem Gebäude erlebe ich ein Déjà-vu, denn der Eingang zur Metro-Station ist eine Kopie der Metroeingänge von Hector Guimard in Paris.

Wir finden den Handyladen, aber wir sind so müde, dass wir die Entscheidung für einen Tarif auf morgen verschieben. Stattdessen entscheiden wir einstimmig „kein Stress!“ und kehren einfach ins Hostel zurück.

Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant mit fünf verschiedenen Küchen, die einem sowohl europäische als auch mexikanische Gerichte servieren und zudem gibt es auch noch Sushi. Wir sind also auch für´s Abendessen gut bedient.

Eine gute Entscheidung, denn dank Klimawandel regnet es fast den ganzen Abend, was die Einheimischen geradezu unverschämt finden.

Im Gemeinschaftsraum ist niemand und nutzen wir ihn zum Tanzen und Poispielen. Schon gegen sieben oder acht Uhr ist auf der Straße tote Hose. Doch dann beginnt auf dem Platz neben der Kathedrale jemand zu trommeln und es kommen immer mehr Menschen zusammen, die wild tanzen. Fasziniert unterbrechen wir immer wieder unseren eigenen Tanz, um ihnen zuzusehen.
Es sieht geradezu wie ein altertümliches Ritual aus.
Vielleicht sind es die Tanzgruppen, die Tags für Geld auf ebendiesem Platz auftreten?

Das Museo Soumaya und die Straßen in Mexico City
25.01.2018

Nachdem uns gestern alles etwas zu viel war, fühlen wir uns heute schon wieder etwas fitter.
Wir erstehen recht schnell ein SIM-Karte und nehmen dann die Metro, um in die Nähe eines architektonisch interessanten Museums zu kommen.

Von der Station zum Museum sind es etwa 2km.
Wir entscheiden zu laufen, denn über dieses Viertel haben wir nichts schlechtes gehört.

Tatsächlich ist es recht nett. Viele der Häuser sind bunt angestrichen und die Leute grüßen lächelnd zurück. Auf einem kleinen Markt erstehen wir Hibiskusblüten und Bananen.

Das Museum gefällt uns gut, es wurde von einem mexikanischen Architekten entworfen, der vor der Gründung seines eigenen Büros ein paar Jahre für Rem Koolhaas gearbeitet hat. Die geschwungene Form ist angeblich von den Skulpturen Rodins inspiriert, einem der Lieblingskünstler des Auftragsgebers, wie sich unschwer in der Ausstellung erkennen lässt.
Carlos Slim Helú stand zum Zeitpunkt des Baus (2011) auf Platz eins der Liste der Reichsten der Welt. Das Museum ließ er für seine Privatsammlung im Wert von 700 Millionen Dollar errichten.

Abgesehen von vielen Gemälden von Heiligen und natürlich den Rodin-Werken gibt es auch eine asiatische Ausstellung mit filigranen Schnitzereien.

Weil uns das Laufen gut gefallen hat, spazieren wir weiter Richtung eines Parks, in dem sich auch einige Sehenswürdigkeiten befinden.

Allerdings werden wir unterwegs aufgehalten.
Wir entdecken in einem Schaufenster alle möglichen, gebackenen Leckereien.
Das sieht aus, wie die teigigen Bestseller aus aller Welt in einem einzigen Laden?!
Geht man in den Laden hinein, kann man sogar durch eine Glasscheibe die Produktion beobachten.

Wir können einfach nicht widerstehen und kaufen ein paar Teilchen.

So ins Futtern gekommen, machen wir gleich wieder Halt, als wir einen Straßenstand mit langer Schlange entdecken.
„Wo viele anstehen, da soll man essen!“, lautet das Motto hier in Mexiko.
Und es stimmt; die Tacos sind fantastisch!

Endlich im Park angekommen, ist es schon zu spät um noch etwas zu besichtigen.

Wir werden wohl wiederkommen müssen. Die Eichhörnchen machen zum Glück noch nicht Feierabend. Sie sind in diesem Park überall.

Und sie sind zahm! Hält ihnen jemand etwas zu Futtern hin, kommen sie herbei und nehmen es ganz vorsichtig aus seinen Fingern.

Wieder im Hotel versuchen wir unseren Aufenthalt um drei Nächte verlängern, doch unser Privatzimmer ist schon von jemand anderem gebucht und so müssen wir uns eine neue Bleibe suchen, obwohl im Hostel insgesamt nicht viel los ist. Aber leider sind die anderen Zimmer eben alle Schlafsäle.

So nutzen wir an diesem Abend nochmal den großen Raum zum Tanzen und Poispielen.

 

Die Pyramiden „Teotihuacán“
26.01.2018

Wir stehen früh auf uns checken aus. Die Rucksäcke bleiben im Hostel.

Mit der Metro fahren wir zur Station für Fernbusse und von dort geht es mit dem Bus zu den Pyramiden.

Die Fahrt dauert gute 40 Minuten, vorbei an abertausenden von Häusern. Manche sind in den für Mexiko so typischen Farben gestrichen, bei anderen lässt sich schwer sagen, ob sie noch im Bau oder schon im Verfall sind. Oder beides.

Bei den Pyramiden angekommen, verschlägt es uns schier den Atem. Das Gelände ist riesig.
Zwei gigantische und etliche kleinere Pyramiden bedecken es.

Wir setzen uns erst mal einfach hin und staunen.

Ich erliege mal wieder der Architekten-Krankheit und streichle Wände.
Diese hier ist sehr schön restauriert. Nur leider weiß ich nicht, ob die Steinchen in den Fugen auch früher schon verwendet wurden. Tja, machmal wäre ein Guide doch ganz nützlich.

Dann suchen wir uns einen Weg durch eine Schar von Souvenir-Händlern und klettern die ersten zwei Etagen der großen Sonnenpyramide empor. Dort, auf höchstens halber Höhe, spazieren wir auf die Rückseite.

Während auf der Vorderseite ein fortlaufender Strom an Touristen das Bild bestimmt, ist hier tote Hose. Wir machen es uns gemütlich uns dösen ein wenig in der Sonne.
Es ist einfach zu gemütlich und der Blick auf die Mondpyramide ist wunderbar.

Als sich Wolken vor die Sonne schieben und wir langsam wieder etwas wacher werden, machen wir ein paar Aufnahmen mit den Poi.

Dann erklimmen wir die letzten zwei Etagen der großen Pyramide und genießen gemeinsam mit hunderten anderer Touristen die Aussicht. Unser kleiner „Privatplatz“ zwei Stockwerke tiefer, war gemütlicher. Wenn man die gigantische Aussicht von ganz oben alleine genießen will, muss man vermutlich wesentlich früher aufstehen!

Obwohl wir etliche Stunden für die Besichtigung eingeplant haben, schaffen wir es am Ende nicht mal mehr ins Museum.
Die zu laufenden Strecken sind wirklich nicht gerade klein und häufig geht es Treppen hoch und Treppen runter. Und wir sind zudem bekanntlich sehr gemütlich.

Kurz bevor die Anlage schließt, verlassen wir das Gelände. Eine Deutsche spricht uns an und fragt, ob wir wüssten, wo der Bus abfährt.

Wir verneinen, aber als ich einen Händler anspreche, zeigt er mit dem Finger einfach auf die andere Straßenseite. Tatsächlich versteckt sich dort ein blaues Schild mit einem Bus.

Wieder in der Stadt stellen wir leider in der letzten Metro fest, dass die Rushhour beginnt. Die wollten wir gerne vermeiden. Aber dann denken wir uns, dass wir das ja ruhig auch mal erlebt haben können.

Als wir es ganz schön eng finden, erklärt uns die Deutsche, dass das noch lange nicht die Rushhour sei. Da käme man oft gar nicht mehr in den Wagon hinein.

Als wir aussteigen, stellt sich heraus, dass der kleine Geldbeutel aus Darios Hosentasche verschwunden ist. Erst fluchen, dann lachen wir.

Damit hatten wir ja gerechnet. Es war auch nicht viel Geld drin. Und keine Dokumente.
Trotzdem ärgert Dario sich.

Kommentar Dario: Ich wollte wenigstens mitbekommen, wenn ich bestohlen werde!

Wir trösten uns mit leckeren Tacos und bewundern die aufwändig kostümierten Tänzer auf dem Platz vor der Kathedrale.

Dann verabschieden wir uns von unserer Busbekanntschaft, holen unsere Rucksäcke und ziehen in unser neues Hotel um.

Dieses ist zu unserer Überraschung gar nicht jenes, das wir eigentlich buchen wollten. Da haben wir uns wohl verklickt… Aber es liegt nah am Castillo de Chapultepec und das Zimmer ist schwer in Ordnung. Wie der Zufall doch manchmal spielt!

 

Das Castillo de Chapultepec
27.01.2018

Wir schlafen aus und dinieren dann im hoteleigenen Restaurant. Das Frühstück ist nämlich inklusive. Wer auch immer das „Foyer“ mit „Rezeption“ und „Restaurant“ geplant hat, dem wünsche ich mal einen längeren Aufenthalt in einer Tiefgarage. Denn all diese Funktionen befinden sich zwischen Parkplätzen im Erdgeschoss.

Geht man von der Rezeption über die Ausfahrt, so ist man schon im Restaurant.
Gut, für uns mag das noch in Ordnung sein, denn unser Aufenthalt beschränkt sich auf weniger als eine Stunde während des gesamten Aufenthaltes, doch ich möchte nicht in der Haut der Angestellten stecken.

Nach dem Frühstück spazieren wir Richtung Park. Unterwegs erstehen wir bei einem alten Herrn einen Orangensaft und lernen gleich mehrere neue Worte:

„Jugo de Naranja“ = Orangesaft (gesprochen „Hugo de Naranka“)
„Medio litre“ = halber Liter

Das werden ab jetzt sehr wichtige Worte für mich! Denn das Obst hier schmeckt fantastisch.

Im Park angekommen, gehen wir gleich ins Schloss Chapultepec. Chapultepec heißt übrigens Grashüpfer, obwohl es sich für uns überhaupt nicht danach anhört. Aber wir hätten ja auch nie gedacht, dass „La cucaracha“ (Titel des wohl bekanntesten mexikanischen Liedes) eigentlich „Die Kakerlake“ bedeutet.

Das Schloss ist schön und hat gleich zwei hübsche Gärten mit grandioser Sicht über die Stadt.

Eine permanente Ausstellung zeigt originale Einrichtungen aus der Zeit von Kaiser Maximilian um 1864.
Viel interessanter finden wir aber die Gemälde, die die Zeit der Kolonialisierung zeigen.

Beim Betrachten der Ausstellung frage ich mich, warum Gewalt für die Menschheit so essenziell ist. Da sind die Urvölker mit ihren grausamen Ritualen und Hinrichtungen. Dann kommen die Eroberer in ihren schicken Uniformen und Anzügen und wälzen alles um. Sie sind die „Bösen“, dargestellt mit arrogantem, höhnischem Grinsen. 

Ja und dann? Dann stecken plötzlich diese Menschen mit dem dunkleren Teint in den feinen Anzügen… Sind das die Nachfahren der indigenen Bevölkerung? Sie tragen nun oft ein ebenso grausam wirkendes Grinsen.

Geht es denn gar nicht ohne? Früher musste man sich natürlich gegen wilde Tiere verteidigen, doch heute sind wir hauptsächlich unsere eigenen Feinde. Mensch gegen Mensch gegen Mensch.

Aber warum nur? Wo immer wir hinkommen, sehen wir friedlich miteinander lebende Leute.
Wo immer wir hinkommen, sehen wir Träume und Menschen die sie leben.
Wo immer wir hinkommen, sehen wir Liebe und Glück.

Warum gibt es noch diese andere Seite?

Als in einer Stadt in Mexiko das Küssen in der Öffentlichkeit verboten werden sollte, erhoben sich die Menschen dagegen. Hier wird immer geküsst. Und überall gekuschelt.
Es gibt viel Hilfsbereitschaft und lächelnde Gesichter.

Das passt so gar nicht zu all der Armut auf den Straßen und noch weniger zu all den Horrorgeschichten von Mafia-Herrschaft und Gewalt.

Es wäre so schön, wenn alle Menschen einfach friedlich miteinander leben könnten.
Wir müssten doch eigentlich langsam so weit sein, dass das möglich ist.
Die Technik ist so weit und das Wissen so groß.

Und doch scheint alles den Bach hinunter zu gehen. Egal ob man das Weltgeschehen betrachtet oder nur kleine Ausschnitte. Alles ist so fragil.

Klavierklänge wabern in den Hof und als wir den Dachgarten betreten, zu dem sich die historischen Schlafzimmer öffnen, entdecken wir die dortige Piano-Aufführung.

„Ich glaube, ich möchte gerne die Ballettaufführung sehen“, sage ich zu Dario.
Da stand nämlich ein Schild am Eingang. „Ballet Folklorico“.

Er ist erst mal nicht so begeistert. Vor allem, weil Regen angesagt ist. Also einigen wir uns auf „vielleicht morgen“ (was meistens „nie“ bedeutet) und gehen nach einem fantastischen Essen ins Kino.

Wir haben nämlich herausgefunden, dass viele Filme auf Englisch mit spanischem Untertitel gezeigt werden. Allerdings treffen wir es mit „La Forma del Agua“ in dieser Hinsicht nicht optimal. Der Film ist zwar toll, doch die Hauptrolle ist stumm und die Gestensprache wird natürlich nur auf spanisch übersetzt. Hinzu kommt noch, dass eine andere wichtige Rolle ein russischer Spion ist. Auch Russisch wird selbstverständlich nur auf Spanisch übersetzt.

 

Der Templo Mayor
28.01.2018

Heute fahren wir tatsächlich nochmal in die Gegend unseres ersten Hostels. Denn wir wollen noch die Kathedrale von innen sehen und den Templo Mayor besichtigen.

Die Kathedrale ist nett, aber schnell abgehakt.

Der Templo Mayor hingegen nimmt mehr Zeit in Anspruch.
Dieser Tempel war der größte und wichtigste in Tenochtitlán, der Hauptstadt der Azteken.
Die Überreste der Tempelanlage selbst sind zwar nicht sehr groß, aber im Museum verbringen wir dann doch einige Zeit.

Tenochtitlán fiel am 13. August 1521, als die Azteken den Spaniern unterlagen.
Der größte Teil der Anlage ist zerstört.

Ein Ort blutiger Opfer und Auseinandersetzungen. Ob es den einen oder anderen gruselt, wenn er solche Stätten betritt? Die meisten haben dafür natürlich gar keine Zeit, denn alle Sinne müssen auf das Finden des richtig Winkels für den Selfie-Stick verwendet werden!

In dem dichten Gedränge, das dank Wochenende gerade herrscht, fällt es allerdings auch uns schwer, ein Gefühl für den Ort zu entwickeln. Meist sind alte Ruinen für uns Orte der Ruhe, doch das trifft hier nicht gerade zu.

Danach geht’s wieder in unseren Lieblingspark. Diesmal kaufen wir Erdnüsse und füttern die Eichhörnchen. Sie sind so süß!!! Wunderschön und sooo vorsichtig, wenn sie einem die Nüsse aus den Fingern nehmen.

Auch heute ist wieder Regen angesagt, „Aber ich möchte wirklich gerne das Ballett sehen!“.

Also kaufen wir Karten und gehen zur Vorstellung. Einer Empfehlung aus dem Internet folgend, sind wir über eine Stunde vor Vorstellungsbeginn da.

Diesmal dürfen wir jedoch nicht selbst zum Schloss hinauf laufen, sondern werden mit kleinen Bussen gefahren. Oben angekommen heißt es warten. Wir vertreiben uns die Zeit mit Tanzen. Das hält auch schön warm. Die Leute vor und hinter uns in der Schlange zeigen sich verständnisvoll und lassen uns genug Platz. Als es schließlich voran geht, hören wir auf, doch kurz darauf müssen wir schon wieder stehen bleiben.

Wir sind nur bis unter einen Bogengang gelassen worden, denn es fängt an zu regnen. Hier stehen wir geschützt, während die Veranstalter wohl noch entscheiden, ob heute überhaupt etwas auf der Bühne passieren wird.

Eine elegant gekleidete Dame aus der Gruppe hinter uns, spricht uns an.
Wir entschuldigen uns und erklären, dass wir kaum Spanisch verstehen. Immerhin das können schon. In diesem Fall ist es allerdings nicht das Ende des Gesprächs, denn sie wiederholt einfach auf Englisch, dass wir doch ruhig wieder tanzen sollen, es mache ihr solchen Spaß zuzuschauen.

Doch statt wieder zu tanzen werden wir schnell in ein Gespräch mit der ganzen Gruppe verwickelt. Sie sprechen alle perfektes Englisch, zwei von ihnen leben sogar in den USA. Diese beiden schauen beständig in den Regen, sie haben sich so auf die Vorführung gefreut.
Wir sind da weniger besorgt. Es kommt wie es kommt. Von der eleganten Dame bekommen wir etliche gute Tipps für Orte an die wir noch kommen werden und so vergeht die Zeit wie im Fluge.

Es hört auf zu regnen und wir nehmen unsere Plätze ein. Während wir noch nach guten Plätzen in der zweiten oder dritten Reihe Ausschau halten, füllen diese sich schon. Aber wir stehen genau vor der ersten Reihe. Kurzentschlossen nehmen wir einfach die Plätze genau in der Mitte der ersten Reihe. Man muss ja nicht immer anderen den Vortritt lassen.

Die Aufführung ist bombastisch. Schon ein paar Minuten nach Beginn flüstert Dario mir zu „Danke, das war eine super Idee“.

Anderthalb Stunden lang fliegen die Röcke, knallen die Sohlen und spielen die Musikanten. Die Truppe besteht aus mindestens dreißig Personen. Zwischen den einzelnen Stücken gestalten einige wenige die Übergänge, während die anderen sich umziehen, um uns mit immer neuen Kostümen und Tänzen zu begeistern.

Sogar im fliegenden Lasso wird noch getanzt. Die umgesetzten Geschichten erzählen von guten und von schweren Zeiten, von Liebe und von Krieg.

Ganz verzaubert machen wir uns auf den Heimweg.

 

Im Bus nach Guadalajara
29.01.2018

Wie schon beim Besuch der Pyramiden, fahren wir zum Busbahnhof „Autobuses del Norte“. Dort steigen wir in einen Bus, der uns direkt nach Guadalajara bringt, wo Daniela wohnt.

Daniela hat mit mir zusammen bei LAVA in Sydney gearbeitet.
Sie hat uns erst darauf gebracht, nach Mexiko zu fahren. Eigentlich wollten wir in die Karibik. Auf die Bahamas und nach Cuba. Aber sie hat uns überzeugt, dass Mexiko viel interessanter ist. Naja, außerdem waren die Flüge einfacher und preiswerter. Und jetzt besuchen wir sie also.

Im Gegensatz zu Thailand nehmen wir aber keinen Nachtbus, denn die sollen hier nicht ganz so sicher sein. Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls ist größer und die Gefahr überfallen zu werden steigt auch. Das wollen wir doch beides lieber vermeiden.

So kommen wir abends an. Mit Uber fahren wir ins Hostel und gehen bald darauf auch schon schlafen. Morgen sind wir mit Daniela verabredet.


Mexiko mit einer Mexikanerin
30.01.2018

Daniela holt uns morgens am Hostel ab. Sie hat ein Auto, was ich gar nicht wusste. Das ist natürlich perfekt, um viel anzuschauen. So beginnen wir mit dem Stadtzentrum von Guadelajara.

Guadalajara ist übrigens die zweitgrößte Stadt Mexikos. Wir müssen zusehen, dass wir bald mal wieder in ländlichere Gefilde kommen.

Architektonisches Highlight ist für mich ein ehemaliges Waisenhaus, das Hospicio Cabañas. Die Kinder wohnen hier allerdings schon längst nicht mehr. Das Bauwerk hat eine lange Geschichte hinter sich. Es wurde sogar schon als Kaserne genutzt und vor seiner Zeit als Museum war es eine Art Schule.

Große Hallen und Patios mit Springbrunnen bilden die Gebäudestruktur. Heute hängen an den Wänden Gemälde, die in der größten Halle werden sogar von aufwändigen Malereien des berühmten einheimischen Künstlers José Clemente Orozco geziert. Diese sind zum Glück auch erst aus der Zeit nach den Kindern, denn ihre düsteren Themen fände ich in einem Waisenhaus eher kontraproduktiv.

 

Anschließend besichtigen wir die Kathedrale und bummeln zurück zum Auto. Dabei futtern wir Chips mit Chilisauce, frische Mangostückchen, Kokosnuss und Pizza in Waffelform. Straßenstände mit Leckereien gibt es nämlich mehr als genug.

Zurück am Auto müssen wir feststellen, dass unser Auto mittlerweile zugeparkt ist. Dabei parken wir doch auf einem kostenpflichtigen und gut bewachten Parkplatz! Fragend schauen wir Daniela an. „Ach, das ist ganz normal hier“.

Tatsächlich gibt jeder, der in der zweiten Reihe parken will, einfach seinen Schlüssel ab. So werden jetzt munter Autos umgeparkt, bis wir mit unserem raus kommen.
Dieses Land ist wirklich voller Widersprüche. Einerseits voller Vorsicht und Misstrauen, andererseits aber auch geprägt von Vertrauen.

Wir fahren nach Tlaquepaque, einem Ortsteil, der für seine Kunsthandwerker bekannt ist.
Hier bummeln wir durch die Gassen und können tatsächlich nicht widerstehen eine Kleinigkeit zu kaufen.

Wir kommen sogar an einer Pizzaria namens LAVA vorbei. Das weckt natürlich Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit in Sydney.

Zum Essen gehen wir in ein schönes Lokal mit einem Innenhof, in welchem ein Brunnen plätschert. Wir futtern uns quer durch die traditionelle Speisekarte. Danila bestellt.

Es gibt Nachos mit Guacamole, „Ertränktes Baguette“ (Baguette belegt mit Fleisch und mit Tomatensauce übergossen), Taco-Suppe (Tomatensuppe mit kleinen Tortilla-Stücken) und natürlich Tequila. Ich habe nicht damit gerechnet, dass der mir in irgend einer Weise schmecken würde, aber als Beigabe in einem großen Glas Mangosaft schmeckt er tatsächlich ausgezeichnet.

Und dann kommt sogar eine Gruppe Mariachis in Lokal. Das sind die traditionellen Musiker hier. Sie spielen und singen und reichen einen großen Sombrero herum, mit dem wir Fotos machen dürfen.

Vollgefuttert und zufrieden geht es weiter. Daniela fährt uns noch ein wenig in der Stadt herum und schließlich kaufen wir im „Red Pub“ Tickets für das Wrestling heute Abend.
Daniela erklärt uns, dass Wrestling eine sehr wichtige Angelegenheit hier in Mexiko ist. Sie selbst war allerdings auch erst einmal dort. Für ein Projekt an der Uni.

Wir trinken noch eine Kleinigkeit, dann bringt uns ein Bus zum Stadion.
Hier ist schon ordentlich was los. Wir suchen uns einen Platz auf den Plastikstühlen, die ersten Kämpfe laufen schon. Einige Reihen hinter uns ist ein Zaun, der die Plätze dahinter von den vorderen Reihen abtrennt.

Daniela erklärt uns, dass das die „billigen Plätze“ sind, wo die armen Leute sitzen. Das sind diejenigen, die hier für Stimmung sorgen. Nebst der Musik und den Trommeln.

Sie feuern mal die Kämpfer an, mal denken sie sich irgend welche Sprüche aus, die sie dann im Chor rufen. Meist beziehen diese sich auf die „Reichen“. Am liebsten auf welche mit Glatze. Aber auch mal auf eine junge Frau der vorderen Ränge, die mit einem Mann auf den hinteren Rängen spricht „Küssen, küssen, küssen, …“

Manches kann Daniela uns übersetzen, anderes versteht selbst sie nicht. Zuviel Slang. Wir lernen natürlich auch fluchen, was ich hier jetzt aber gar nicht zum Besten geben möchte, da dieser Blog dann nicht mehr jugendfrei wäre.

Ich muss allerdings dazu sagen, dass bei diesem ganzen „Gehänsel“ keinerlei Aggressivität in der Luft liegt. Es ist eher ein freundschaftliches Geplänkel zwischen den zwei Bereichen.

Nach einer Weile beginnen wir bei den Kämpfen ein wenig durchzublicken. Es treten meist Gruppen gegeneinander an. Drei gegen drei. Männer gegen Männer oder Frauen gegen Frauen. Die Kämpfe zweier Gruppen gehen immer drei Runden lang. Was wir allerdings nicht verstehen ist, wann einzelne Kämpfer der Gruppen gegeneinander antreten und wann einfach alle auf einmal draufhauen. Jedenfalls ist das ganze eine einzige große Show.

Die Kämpfer fliegen durch die Gegend, springen Saltos oder hüpfen vom obersten Seil der Ringabsperrung auf ihren Gegner drauf, klammern sich mit den Beinen um seinen Hals und reißen ihn so zu Boden.

Jedes Mal, wenn neue Gruppen die Manege betreten, wird daraus ein Event gemacht. Auf einem Laufsteg schreiten sie zum Ring.

Besonders gut gefallen uns die akrobatischen Gruppen. Weniger gut gefallen uns die Gruppen, die den Kampf aus dem Ring heraus und in den Bereich vor der ersten Sitzreihe verlegen. Durchaus mal, indem sie sich vom Ring hinab auf ihre Gegner außerhalb werden.

Eine Zuschauerin wird dabei sogar verletzt, andere fliehen schnell in die hinteren Reihen. Ein andermal wird jemandem ein Becher aus der Hand geschlagen und sein Inhalt verteilt sich auf etliche Leute. Das Publikum quittiert derartige Ausschreitungen schließlich mit dem Werfen von Pappbechern. Was vom Sicherheitspersonal wiederum mit Verwarnungen beantwortet wird.

Was für eine Gaudi.

Als der Abend zur Neige geht, rufen die hinteren Reihen so was wie „Ihr müsst jetzt gehen, sonst verpasst ihr den Bus!“ und einige aus den vorderen Rängen rufen zurück „Wenigstens müssen wir nicht laufen“, oder so ähnlich.

Wir nehmen den Bus zurück und gehen mit Daniela noch Tacos essen. Endlich verstehen wir mal die Speisekarte und lernen, dass es solche Beläge wie „Hirn“ und „Innereien“ gibt. Au weih. Das haben wir bestimmt schon gegessen ohne es zu merken!

Daniela setzt uns wieder am Hostel ab und wir machen aus, dass wir nochmal zusammen Essen gehen, bevor wir weiterreisen. Wir brauchen eh noch etwas Zeit, um zu recherchieren und herauszufinden, wo wir eigentlich als nächstes hinwollen.

Erkältung und Kino
31.01.2018

Ich wache auf und bin erkältet. Typisch. Bei -20 Grad in Kanada war alles okay und hier jetzt so was. Es sollte eigentlich viel wärmer sein!

Wir müssen die Unterkunft wechseln, weil unser Zimmer leider schon gebucht ist und wir nur für zwei Nächte reserviert hatten. Aber das ist vielleicht ganz gut, denn ich vermute, dass ein Luftzug im Zimmer für meine Erkältung verantwortlich ist.

Wir verbringen den Tag sehr gemütlich und recherchieren ein wenig. Am Abend gehen wir ins Kino. „The Greatest Showman“ zieht uns in seinen Bann und sorgt für Begeisterung. Es ist schön, in Ländern unterwegs zu sein, wo im Kino noch geklatscht wird.

 

Tag im Bett
01.02.2018

Tja, man fühlt sich auch mal kacke auf Reisen. So bleibe ich heute einfach im Bett und überlasse Dario die Recherche. Allerdings verliert er bei einem Absturz des Programms etliche markierte Orte wieder, was für Frust und eine weitere Verlängerung unseres Aufenthaltes in Guadalajara sorgt.

Abends holt Daniela uns wieder ab und wir gehen zusammen essen und anschließend in eine Bar. Obwohl ich eigentlich total fertig bin genießen wir dieses gemütliche Beisammensein sehr.
Daniela erklärt uns auch immer wieder neue Dinge, die wir noch nicht wissen. Wie man etwas richtig ausspricht. Wie man sich verhält. Wie viel Trinkgeld man gibt.

In der Bar kennt sie die Leute und wir werden nett begrüßt. Mit einem Eierlikör der aufs Haus geht. Für die deutschen Freunde, die wirklich nach Mexiko gekommen sind.

Tja, und dann heißt es schweren Herzens Abschied nehmen.
Morgen fährt Daniela zu ihren Eltern, wir werden sie also nicht nochmal sehen. Zumindest nicht hier in Mexiko. Obwohl sie am liebsten mit uns reisen würde, aber das geht im letzten Semester des Studiums eben nicht.

Trotz Erkältung geht eine Verabschiedung in Mexiko nicht ohne Umarmung und Küsschen.
Wir winken dem Auto hinterher, bis es hinter einer Kurve veschwindet.

 

Neue Schuhe
02.02.2018

Dario wiederholt seine Recherchearbeit, bis wir schließlich wissen, wie es weitergeht. Dann googeln wir nach Outdoor-Läden und finden tatsächlich einen. Dario hat ja leider einen seiner Wanderschuhe in Australien verloren. Und seine Sportschuhe, die er schon zuhause mehrere Jahre getragen hat, sind langsam wirklich durch. Da bröckelt schon die Sohle ab.

Heute ist also der große Tag, an dem diese treuen Gefährten schweren Herzens in die nächste Mülltonnen wandern und gegen neue ausgetauscht werden. Es ist schon seltsam, dass man sogar eine Beziehung zu solchen Dingen aufbaut…

In Mexiko könnte es ja sogar sein, dass ihre Nutzphase noch nicht zu ende ist. Wer weiß schon, ob sie nicht an den Füßen eines Bettlers enden? Wäre nett. Wobei auch der vermutlich nicht mehr sehr lange etwas von ihnen hätte. Selbst die Zehen schauen seit ein paar Tagen schon raus.

Wieder ziehen wir in ein anderes Hostel um. Diesmal haben wir uns für ein ganz billiges entschieden und Dario wertet es als eines der schlechtesten unserer Reise. Keine Fenster, Schimmelgeruch und ein Bad, in dem wir uns beide nicht nach duschen fühlen.

Andererseits liegt es nicht schlecht. Gleich nebenan ist ein großer Platz mit Kirche und Restaurants.

Wir gehen ins Kino. In den neuen Jumanji. Erst als wir die Tickets schon gekauft haben, bemerken wir dass der Film auf Spanisch ist. Wir beschließen ihn trotzdem anzuschauen.

Es stellt sich heraus, dass wir erstaunlich viel auch mit unseren begrenzten Sprachkenntnissen verstehen. Beziehungsweise erahnen. Nur einige Witze erschließen sich uns nicht. Aber das lässt sich ja bei Gelegenheit nachholen. Wir können den Film ja nochmal schauen.

Eine kurze Zeit lang machen wir uns einen Spaß und versuchen zu übersetzen. Dabei sind wir uns allerdings so uneinig, was die exakte Bedeutung angeht, dass wir bald wieder aufhören.

 

Endlich weiter – in eine traumhafte Stadt
03.02.2018

Ich bin immer noch total Erkältet, aber wir wollen endlich weiter.

Wir haben uns entschieden, nach San Miguel de Allende zu fahren. Die Stadt hat uns Daniela empfohlen und sie sieht wirklich sehr schön aus, auf den Bildern.

Wir sitzen wir im Busterminal. Der Bus ist schon bezahlt.
Ein Hotel sollte schnell gefunden sein.
Doch Fehlanzeige.

Fast alle Unterkünfte, die über das Internet verfügbar sind, sind bereits ausgebucht.
Normalerweise würden wir jetzt einfach vor Ort suchen gehen, aber weil es mir immer noch so schlecht geht beißen wir in den sauren Apfel und buchen eine für unsere Verhältnisse viel zu luxuriöse Unterkunft. Naja, vielleicht auch mal ganz schön.

In San Miguel de Allende angekommen müssen wir ein Taxi nehmen. Es geht durch enge Gassen mit Kopfsteinpflastern. Die Häuser sind alle sehr hübsch. Wir fühlen uns sofort wohl.
Auch ist unser Taxifahrer sehr nett und versucht uns einige Tipps zu geben, was wir hier alles machen können. Einiges verstehen wir sogar. Blumenmarkt, Kirche, Botanischer Garten.

Und in der Tat wohnen wir diese Nacht sehr angenehm. Für morgen suchen wir uns allerdings ein AirBnB raus, das nur ein Drittel kostet.

 

Bummeltag
04.02.2018

Nach dem Frühstück schlendern wir Richtung Altstadt.

Dabei kommen wir über den riesigen Blumenmarkt, von dem uns unser Taxifahrer gestern Abend schon erzählt hat. Hier werden jede Menge Kakteen und wunderschöne Blumen angeboten. Zu schade, dass wir davon nicht mitnehmen können.

An einer traumhaft schönen Kirche futtern wir Tacos und machen es uns in der Sonne gemütlich. Endlich ist es schön warm. Ich zeichne, Dario döst.

 

Schnell wird klar, warum die meisten Unterkünfte ausgebucht sind, denn die Stadt wimmelt von Touristen. Das ist allerdings wirklich verständlich. Verträumt bummeln wir durch die Gassen und sind immer wieder entzückt. Von irgendeiner Gasse. Von Bäumen die aus Mauern wachsen. Von Lampions im Wind.

Ein nettes Lokal mit gutem Essen rundet den gemütlichen Tag ab.

Nun folgt der weniger gemütliche Teil. Wir holen unsere Rucksäcke vom Hotel und wandern zu unserem AirBnB. Problematisch ist, dass die Adresse nicht ganz eindeutig ist, wodurch wir eine ganze Weile herumirren.

Dann stellt sich auch noch heraus, dass der Link nicht funktioniert, der die Anleitung zum Einchecken enthalten sollte. So dauert es schließlich über eine Stunde, bis wir tatsächlich im Haus sind. Erschöpft möchte ich den Jakuzzi in unserem Bad einweihen, stelle aber fest, dass er unseren Sauberkeitsansprüchen nicht gerecht wird. Ich will ihn aber benutzen! Also wird geputzt. Als ich fertig bin, wird das Wasser kalt. Na toll. Für einen Probelauf reicht es aber. Dieser befördert einen Haufen grünes Zeugs aus den Leitungen. Pfui.
Heute wird das jedenfalls nichts mehr.

 

Botanischer Garten mit Canyon
05.02.2018

Dario beginnt den Tag mit einem weiteren Probelauf des Jakuzzi. Das sieht jetzt schon viel besser aus. Heute Abend können wir ihn benutzen.

Weil die Stadt so schön ist, spazieren wir zum Botanischen Garten, der auf einem Hügel liegt.

Der Garten ist sehr groß und bietet eine große Vielfalt an Kakteen. Besonders schön sind die Blicke in einen kleinen Canyon.

Zurück nehmen wir ein Taxi und bekommen zum ersten Mal wirklich zu viel abgeknöpft. Und das nach so langer Zeit Reise. Tja, jetzt ist uns das auch mal passiert. Unter den umgerechnet fünf Euro leiden wir zum Glück nicht. Soll sich der Taxifahrer eben freuen.

Trotzdem nehmen wir uns fest vor, dass uns das nicht nochmal passiert. Je mehr dumme Touristen so mit sich umgehen lassen, desto unverschämter werden die Taxifahrer.
Wir geben ja gerne mal ein Trinkgeld, wenn jemand besonders nett war. Aber das ist wieder etwas ganz anderes, als über den Tisch gezogen zu werden.