Lombok

22.04.201726.04.2017
Lombok

Als wir kurz darauf Lombok erreichen, wollen wir erst mal einen Scouter mieten. Leichter gesagt als getan, denn hier werden gleich 100.000 Rupie verlangt statt 60.000 Rupie wie auf Bali (und 50.000 Rupie wären eigentlich okay).

Wir verhandeln so gut wir können, laufen sogar davon, kommen aber nicht unter 70.000 pro Tag.

Nun mit fahrbarem Untersatz ausgerüstet düsen wir los.

Unterwegs bieten sich schöne Ausblicke auf´s Meer und wir genießen die Fahrt. Am Abend tun wir uns etwas schwer eine passende Unterkunft zu finden und entscheiden uns schließlich etwas mehr zu bezahlen und dafür eine saubere und schöne Unterkunft mit Pool zu haben.

Sie gehört einem Griechen, der auch gerade ein deutsches Paar zu Besuch hat und wir bekommen ein paar gute Tipps. Zudem kann er uns das Schnellboot nach Bali zu einem akzeptablen Preis buchen, den man uns am Hafen nicht geben wollte.

Zufrieden düsen wir am nächsten Morgen weiter. Wir treffen eine nicht optimale Entscheidung und fahren mitten durch Lombok. Nicht optimal weil es hier so gar nicht Idyllisch ist! Eine einzige lange Siedlung scheint sich durch das Inselinnere zu ziehen.

Wir haben bald die Nase so voll, dass wir einen Abstecher in ein Bergdörfchen machen.

Die Baumriesen finden wir überaus faszinierend, allerdings hat dieser Ort auch etwas Trauriges. Namen sind in die wundervollen Bäume geritzt und die anwesenden Indonesier scheinen nur die Parkgebühren und ihre Kunden für die kleinen Essensstände zu interessieren. Sie würden wohl nur einschreiten, wenn jemand versucht die Bäume anzuzünden. 

Wir folgen einer Empfehlung des Griechen und mieten uns in einer Unterkunft mit mehreren Bungalows ein. Ganz nett, aber das Meer ist dreckig und es gibt keinen Pool.

Also bleiben wir nur eine Nacht und fahren dann weiter.

Wir entscheiden uns noch einmal die Küstenstraße zu verlassen und so nah wie möglich am Vulkan entlang zu fahren.

Eine gute Entscheidung. Die Fahrt geht durch tiefgrünen Regenwald und in den engen Kurven erwarten uns immer wieder Affen.

Schließlich wird es richtig steil und wir werden mit guten Blicken auf den Vulkan belohnt. Auch das Wetter hält. Nur schade, dass wir jetzt nicht ganz oben auf dem Vulkan sind!

Die Fahrt ist so schön, dass wir gar keine Lust haben uns eine Unterkunft zu suchen. Dabei haben wir noch zwei Nächte, bevor unser Boot nach Bali geht.

Wir kommen durch kleine Orte und ab und zu auch an einer Unterkunft vorbei, aber keine davon lockt uns. Wir fahren weiter und weiter.

Irgendwann bekommen wir Hunger und ich kaufe an einem Straßenstand ein paar Teilchen und Reis. Die alte Dame spricht kein Englisch und ich kaum Indonesisch. So versuche ich mit Händen und Handy die Preise herauszufinden.

Zum Glück kommt ein junger Indonesier dazu, der übersetzt.

Ich gebe der netten Dame ordentlich Trinkgeld, denn Gebäck und Reis sind mal wieder unglaublich günstig. Dann bedanke ich mich auch bei dem jungen Mann und er antwortet in überraschend flüssigem Englisch. Er habe in Australien studiert. Und fährt einen entsprechend fetten Wagen.

Wir halten an einer netten Stelle und verzehren die erstandenen Leckereien. Die Teigwaren sind teils süß, teils deftig und sehr lecker. Der Reis ist mal wieder hauptsächlich scharf.

Der Rinjani Mountain Garden

Als es langsam zu dämmern beginnt, schaue ich mal wieder einfach in Google Maps nach einer Bleibe. Nach kurzer Suche finde ich den „Rinjani Mountain Garden“ mit sehr guten Bewertungen. Wir fahren also dorthin. Über ganz schön holprige Straßen.

Endlich angekommen, begrüßt uns eine ältere Dame von einem Balkon aus direkt auf Deutsch!

Na so was, wir waren ja nicht mal angekündigt…

Toni ist die Besitzerin des Hotels. Dieses besteht aus drei wunderschönen alten Kornspeichern für die Gäste, einem richtigen Haus für sie selbst und einem wundervollen Restaurant mit Blick über die Reisterrassen und bis hinab auf´s Meer.

Wir sind ganz verzaubert und befürchten schon uns das gar nicht leisten zu können, aber der kleinste Kornspeicher kostet sogar weniger als unsere letzten Übernachtungen.

Begeistert bleiben wir und sagen gleich für zwei Nächte zu.

Das Abendessen ist auch ganz wunderbar. Ein Mix aus asiatischem und europäischem Essen. Dario würde am liebsten alles bestellen und obwohl er sich zusammenreißt können wir kaum alles futtern, was schließlich auf den Tisch kommt.

Unseren letzten Tag auf Lombok wollten wir eigentlich mit einer Tour zum Wasserfall verbringen, aber der Rinjani Mountaingarden ist einfach so schön, dass wir ihn nicht verlassen mögen.

Wir legen uns in die Sonne, spielen Poi und sind immer wieder erstaunt über all die Tiere, die hier ein Zuhause gefunden haben.

   

Da ist Lisa, der Affe der bei Toni im Haus, bzw. wie es scheint die meiste Zeit auf dem Balkon lebt. Zwei Pferde, die Toni vor dem Schlachter gerettet hat. Eine Schildkröte im Schwimmteich. Perlhühner, die sich vor unserem Hüttchen in der trockenen Erde suhlen und Frida, der männliche Tukan, der seinen Namen erhielt bevor sein Geschlecht korrekt bestimmt wurde.

Und natürlich ein paar Hunde und Katzen.

Eine Katze findet es besonders sympathisch, dass wir den ganzen Tag nur rumliegen und gesellt sich immer wieder zu uns. Entsprechend sympathisch finde ich sie auch.

Dario hingegen behandelt sie mit der gleichen Kühlheit, die er seit seiner Allergie in Kindheitstagen fast allen Katzen entgegenbringt. Einzig der Kater seiner Familie schafft es mal bis auf den Arm. Im Schlafzimmer wird aber auch dieser nicht geduldet.

Glück für mich, denn besagter Kater ist wiederum eines der wenigen Exemplare seiner Spezies, denen ich wirklich misstraue! Ein hinterhältiges Kerlchen, das einen immer dann kratzt, wenn man gerade nicht damit rechnet…

Da ist mir diese Katze hier doch viel lieber. Wenn Dario sie von seiner Seite verscheucht, klettert sie friedfertig ins Gebälk oder kommt zu mir und lässt sich schnurrend trösten.

Natürlich ist aber auch das schönste Paradies nicht ohne Tragik.

Tja, und manchmal ist etwas Tragik sogar notwendig, damit ein Paradies entsteht.

Toni erzählt uns einen kleinen Teil ihrer Geschichte. Sie und ihr Mann sind vor vielen Jahren mit einem selbstgebauten Schiff auf Weltreise gegangen.
Sie reisten sehr langsam und verdienten ihren Unterhalt, indem sie Gäste mitnahmen.

Als sie nach vielen Jahren Indonesien erreichten, legten sie auf Lombok eine Pause ein. Das Schiff lag unter Aufsicht im Hafen vor Anker.

Leider war die Aufsicht sehr indonesisch und so wurde das Schiff gestohlen. Die Diebe wiederum waren wohl schlechtere Seefahrer, als es sich für Indonesier gehören sollte und verloren das Schiff an ein Riff. Geplündert und vollgelaufen war es nicht wieder herzurichten.

Und so blieben die beiden Weltenfahrer auf Lombok und erschufen das Paradies, welches wir heute genießen dürfen.

Leider ist Tonis Mann vor einem halben Jahr verstorben, wir hätten gerne auch ihn kennen gelernt.

Tukan Frida hört uns vom Dach aus zu und ich frage Toni, warum es so wenige Vögel auf den Inseln gibt und dass ich schon überlegt habe, einen zu kaufen und freizulassen.

Daraufhin erzählt sie mir, dass sie früher zuhauf Vögel gekauft hat, um genau das zu tun. Doch sie wurden entweder abgeschossen, oder erneut in Käfige gesteckt und verkauft.

Nachdem viele ihrer Vogelfreunde diesem Schicksal erlagen, hat sie einige in Käfigen behalten und Frida die Flügel gestutzt, damit er nicht davonfliegen kann und auch erschossen wird.

Auch den Affen hat sie wohl keinen Gefallen getan, als sie Lisa kaufte. Heute sagt sie, jeder Kauf würde das Geschäft nur vorantreiben und nicht eindämmen. Eine traurige Wahrheit.

Als wir zum Sonnenuntergang in die Reisterrassen spazieren, finden wir eine verwundete Schwalbe. Wie ein kleines Kind laufe ich zu Toni und frage, ob sie ihr helfen kann.

Doch sie schüttelt nur den Kopf. Das ist die Natur.

Eigentlich weiß ich das ja auch.

Wie behütet wir doch immer noch sind.

Traumwandler in einer Welt voller Schönheit und Schrecken.

Wir überlassen die Schwalbe ihrem Schicksal.

Der Sonnenuntergang ist wunderschön.

Unsere letzte Nacht auf Lombok ist mild und angenehm.
Bis Dario plötzlich mit einem laut der Überraschung und des Schreckens in die Höhe fährt.

Auch ich bin sofort hellwach und versuche die Ursache für seine Reaktion zu erkennen.

Das Ergebnis: Zwischen unseren Köpfen ruht die Katze.

Nun ja, „hat geruht“ trifft es wohl eher, denn sie segelt bereits in hohem Bogen aus dem Bett.

Wir stopfen das Moskitonetz wieder ordentlich fest und schlafen weiter.

Bis erneut ein Laut der Entrüstung mich weckt, gefolgt von Darios Versuch, der Katze unmissverständlich nahe zu bringen, dass ihre Nachtruhe weder auf unseren Kopfkissen, noch unseren Bäuchen zu erfolgen habe.

Wir schlafen von da an selig bis zum Morgen und stellen dann fest, dass die Katze Dario durchaus ernst genommen hat: Sie liegt nun auf meiner Seite des Bettes, ganz in der Fußecke und damit auf der am weitesten von Dario entfernten Stelle die es innerhalb des Bettes gibt.

Nach einem weiteren, wunderbaren Frühstück, verabschieden wir uns schweren Herzens von Toni und den Tieren.

Es ist Zeit, nach Bali zurück zu kehren.
Unser Visum läuft ab und Malaysia wartet schon.

Ein letztes Hindernis erwartet uns allerdings noch am Hafen in Lombok.

Wir sind sehr pünktlich und der Hafen ist klein. Trotzdem bleibe ich erst noch mit Roller und Gepäck stehen, während Dario schaut wo wir hinmüssen. Er läuft erst in die eine, dann in die andere Richtung. Und dann kommt er einfach nicht mehr wieder.

Nach zehn Minuten werde ich langsam nervös. Ich hasse es, ihn alleine losziehen zu lassen und dann zu warten. Selber gehen ist kein Problem, dann weiß man ja wo man ist und wo der andere ist. Aber warten ist unangenehm.

Nach zwanzig Minuten kommt sogar der Typ vom Motorradverleih herüber und fragt, ob ich nicht den Scouter wieder abgeben möchte. Ich erkläre ihm, dass ich noch auf meinen Partner warten muss.

Langsam beginne ich zu überlegen, ob ich einen der anderen Touristen bitten sollte, sein Handy benutzen zu dürfen oder nach Dario zu suchen. Doch was soll schon passiert sein? Und Zeit haben wir ja auch noch. Also warte ich.

Und endlich, endlich kommt er wieder.

Das Problem war: Die hatten hier einfach noch nie ein Onlineticket gesehen.

Womöglich gaben sie das auch nur vor. Jedenfalls hatte es eine Weile gedauert, alles zu klären. Wir haben nun „echte“ Papiertickets.

Die Fahrt mit dem Speedboat ist eine große Gaudi, denn man kann sich an Deck ordentlich den Wind um die Nase wehen lassen, während das Gefährt über die Wellen fliegt.

Ausgestattet mit fünf Motoren, die am Heck einfach nebeneinander montiert sind, haben wir wirklich einiges an Speed drauf.