Brisbane bis Cairns

Tag 156 – 169 (17. – 30.03.2017)

 

Underwater World

Wir haben schon immer gerne Tierwelten besucht. Und da wir ja auch zum Schnorcheln und vielleicht sogar Tauchen gehen möchten, kann es nicht schaden etwas über die hiesige Unterwasserwelt zu lernen.

Der Eintritt ist nicht günstig, aber verkraftbar. Allerdings haben wir uns die Anlage etwas größer vorgestellt. Als erstes gehen wir zur Robben-Show, die ganz witzig ist und vor allem Dario begeistert, weil er noch nie eine erlebt hat..

Danach begutachten wir ganz gemütlich die anderen Tiere und finden tatsächlich welche, die wir noch nie gesehen haben. Blaue Seesterne, kleine Seedrachen und Nautilusmuscheln.

Nachdem wir alles gesehen haben ist noch etwas Zeit um einen der zauberhaften kleinen Seedrachen zu zeichnen.

 

 

Bambusgarten

An einem Tag folgen wir spontan einem Schild mit der Aufschrift „Bamboo-Garden“ und landen an einem faszinierenden Ort. Hier werden alle Arten von Bambus gezüchtet und verkauft. Ein riesiger Show-Garten lädt zum zum Flanieren ein – und das ganz umsonst. Sozusagen eine Baumschule nur für Bambus.


Riesenschildkröten

Dario hat einige spezielle Ziele für Australien herausgesucht. Eines davon ist „Mon Repos“, ein Forschungszentrum für Schildkröten.

Gegen Nachmittag kommen wir an. Das Zentrum liegt recht abseits und sieht nicht gerade belebt aus. Zwei oder drei Autos und ein Imbisswagen.

Schließlich kommt uns eine Mitarbeiterin entgegen und wir fragen, wie es mit einer Teilnahme am täglichen Programm aussieht. Das sei immer abends, sagt sie, und heute komplett ausgebucht.

Wir machen lange Gesichter und sie sagt, wir sollen doch einfach um sieben kommen und schauen, ob vielleicht jemand nicht kommt.

Also gehen wir erst mal auf einem Parkplatz in der Nähe kochen. Hier können wir auch duschen.

Naja, Dario kocht natürlich. Ich nutze die Zeit um mal wieder das Auto aufzuräumen und wie jeden Tag unser Laken und das Inlay auszuschütteln.

Langsam wird es dunkel und beginnt zu tröpfeln. Wir rechnen uns gute Chancen aus, dass bei diesem Wetter jemand nicht kommt und machen uns wieder auf den Weg zu Mon Repos.

Diesmal ist der Parkplatz rappelvoll. Mindestens fünfzig Autos (eher mehr) sind da! Und tatsächlich sind alle Teilnehmer gekommen, aber der Leiter lässt uns trotzdem teilnehmen. Wir sind ja nur zwei Personen. So werden wir Teil der letzten Gruppe.

Es gibt drei Gruppen und jede besteht aus etwa fünfzig Personen. Gruppe eins kommt gerade vom Strand zurück und ist pitschnass. Es regnet jetzt ganz ordentlich und wir gehen nochmal ans Auto um unsere Regenklamotten und den Schirm zu holen.

Während Gruppe zwei am Strand ist, warten wir in einer Art kleinem Amphitheater und schauen auf einer (Lein)Wand Filme über die Schildkröten an. Wir erfahren, dass die Schildkröten erst mit dreißig Jahren geschlechtsreif werden und bis dahin mehrere Male die Welt umrundet haben. Zum Eierlegen kehren sie an den Strand ihrer Geburt zurück, geführt von einem inneren Kompass, der wohl das Magnetfeld der Erde nutzt.

Und gerade jetzt ist die Zeit, in der die Babyschildkröten schlüpfen.
Kein Wunder, dass es hier so voll ist!

Der Regen wird langsam weniger und wir warten weiter. Vielleicht sind nur genug Schildkröten für zwei Gruppen geschlüpft und wir gehen leer aus? Damit die Kinder nicht einschlafen, holen die Mitarbeiter  sie nach drinnen und beginnen eine Fragerunde zu Schildkröten.

#Kommentar Dario: Die größten Kinder sind wir. Deswegen lassen wir uns begeistert hineinführen#

Wir lesen die Schautafeln.

 

Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, werden wir an den Strand gebeten. Wir folgen unserem Guide und erfreuen uns am sternenklaren Himmel. Der Regen hat komplett aufgehört.

Die „Hatchlings“ (Schlüpflinge) warten schon auf uns. Die Eier befinden sich im Sand unter einem großen Sonnensegel. Dieses Jahr wurde es so heiß, dass viele Nester hierher verlegt wurden, um die Embryos zu schützen.

Damit die kleinen Schildkröten sich nicht davonmachen, bevor wir bei ihnen sind, wurde eine Netzglocke über das Gelege gestülpt.

Uns wird erklärt, dass die Kleinen immer dem Licht folgen, da normalerweise der Horizont der hellste Punkt ist. Früher fanden sie so unweigerlich ins Meer, doch heute lenken die Lichter von Ortschaften und vor allem Städten sie ab. So irren manche ewig lange am Strand entlang und werden mit großer Wahrscheinlichkeit gefressen. Vor allem Vögel und große Krebse sind ihre Feinde am Land.

Hier in der Gegend sind helle Lichter um diese Jahreszeit verboten (wenn ich das richtig verstanden habe). Trotzdem bekommen die Schlüpflinge auch noch unsere Hilfe bei der Suche nach dem Meer.

Erst mal gehen zwei Mitarbeiter mit je einer Babyschildkröte herum und wir dürfen Fotos (ohne Blitz!) machen und ihre kleinen, starken Flossen (nicht den Kopf!) berühren.

Dann stellen wir uns gegenüber in zwei Reihen auf und alle Schildkröten werden freigelassen. Ein paar auserkorene Freiwillige dürfen sich breitbeinig in die Mitte des so entstandenen Gangs stellen und mit Taschenlampen auf den Boden leuchten.

Die Babyschildkröten folgen brav dem Licht und sollte doch mal eine vom Weg abkommen, dann sind ja jede Menge Leute da, die genau darauf gewartet haben und ihnen helfen.

Wir haben uns absichtlich ganz nah ans Wasser gestellt, um genau zu sehen, wie die Schildkröten das Meer erreichen. Der Anfang einer langen, gefahrvollen Reise.

Wir fühlen uns ihnen sehr verbunden.

Manchmal ist es einfach schön

Wir bleiben spontan einen ganzen Tag in der nächsten Ortschaft, nahe Mon Repos. Weil es dort einfach schön ist. Es gibt eine schattige Wiese mit Esstischen und Blick aufs Meer, einen guten Strand und angenehme Toiletten und Duschen. Wir spielen Poi, zeichnen, hören Hörspiel und Dario schwimmt, während ich knietief durchs Wasser spaziere.

Abseits

Da wir bisher alle Zeit am Meer verbracht haben, schlage ich vor mal ins Inland zu fahren. Also machen wir das und fahren auf abenteuerlichen Straßen zu einem kostenlosen Campground im Wald. Der ist schön angelegt und hat erstaunlich saubere Toiletten. Wir haben ihn ganz für uns, fahren aber trotzdem am nächsten Morgen gleich weiter.

Nun sind wir wirklich in der Ländlichen Pampa.

Als wir gerade aufbrechen kommen zwei Frauen und putzen die WCs. Kein wunder, dass es hier so ordentlich und sauber ist! Wirklich toll.

Wir fahren weiter, verpassen eine Abzweigung, kehren um und bleiben fast im Schlamm stecken. Es hat hier viel geregnet und die unbefestigten Straßen sind teils vollkommen aufgeweicht. Doch wir schaffen es und kommen schließlich auf einen Parkplatz im Cania Gorge National Park. Natürlich hätte man hierher auch auf befestigten Straßen kommen können, aber das wäre weiter gewesen und natürlich nur der halbe Spaß…

Dario kocht mal wieder fantastisch und dann machen wir einen kleinen Spaziergang um uns die Felsen ein wenig anzuschauen.

#Kommentar Dario: Wir befinden uns mitten auf dem Rückweg, als wir unsere erste Schlange in Australien treffen. Gebannt schauen wir in ihre geschlitzten Augen und bleiben voller Faszination stehen. Kein Käfig schütz uns vor der Schlange. Nach wenigen Momenten entscheidet sie, dass wir wohl ungenießbar sind und schleicht sich davon „that is real life“#

Computer

Wir diskutieren schon lange, ob wir uns nicht doch einen Laptop zulegen sollten. Bisher erschien uns das als zu viel Gewicht und überflüssige Ausgabe. Nun, da wir aber sicher für fünf Monate in Sydney leben und Geld verdienen werden, erscheint es uns durchaus sinnvoll.

Ein Laptop würde vor allem drei wichtige Dinge vereinfachen: Blog schreiben, Recherche und Flüge buchen.

Wir gehen einfach in einen „Officeworks“. Eine Art Schreibwarenladen, der aber auch Computer verkauft. Nach längerem Hin und Her entscheiden wir uns schließlich für ein recht großes Modell. Wenn schon denn schon. Auf dem kann man wenigstens auch gut Bilder sortieren und vielleicht mal einen Film schauen. Zudem hat er genug Speicher um eine weitere Sicherungskopie unserer Fotos anzulegen.

Kurzentschlossen sind wir bald etwa 250 Euro ärmer, dafür aber stolze Besitzer eines Laptops.

Pool für alle

Mittlerweile sind wir in einem Gebiet, in dem es Krokodile gibt. Entsprechend gefährlich ist es einfach im Meer zu schwimmen. Einmal suchen wir in der App (CamperMate) nach einem Ort zum Duschen und ich lese Kommentare zu zwei Stellen in der nächsten Stadt (Mackay). Einer ist so gut, dass wir sofort dort hin fahren.

Und tatsächlich: Hier gibt es eine Anlage mit drei großen Pools, die jeder kostenlos benutzen kann. Da alle Städte weiter Südlich ja ohnehin Bademöglichkeiten haben, scheint eine solche Einrichtung hier nahezu unerlässlich. Die Leute brauchen an heißen Tagen einfach eine Abkühlung. Eine Stadt ohne Bademöglichkeit hat hier an der Küste vermutlich echte Imageprobleme.

Wir planschen bis die Pools schließen, ich genieße wieder ins Wasser zu können (denn endlich geht es dem Ohr wieder richtig gut) und machen dann Abendessen.

Magnetic Island

Nachdem wir aus Zeit- und Kostengründen schon nicht auf Fraser Island waren, wollen wir nun wenigstens Magnetic Island sehen. Für erstere hätten wir wenigstens drei Tage (besser fünf) gebraucht, damit sich eine Tour oder Erkundung auf eigene Faust lohnt.

Für Magnetic Island reicht uns wahrscheinlich ein Tag. Also packen wir einen kleinen Tagesrucksack und nehmen die Fähre von Townsville aus.

Als wir auf der Insel sind, bereuen wir allerdings, dass wir nichts für eine Übernachtung mitgebracht haben. Das Zelt wäre zum Beispiel gut gewesen.

Die Insel ist nämlich sehr idyllisch.

Wir laufen die Küste entlang durch Regenwald und am Strand mit Palmen entlang. Dann versuchen wir schnorcheln zu gehen, denn hier soll es sehr schöne Korallen geben. Ein paar haben wir schon am Strand liegen gesehen.

Doch leider ist die Sicht heute so schlecht, dass wir sofort wieder umkehren. Das trübe Wasser bereitet uns keine Freude.

Zudem sind die für Australien typischen Warnschilder nicht gerade ermutigend.
Bei klarem Wasser würde man die Quallen ja vielleicht noch rechtzeitig sehen, aber bei dieser Brühe hat man da schlechte Chancen.

Dass fallende Kokosnüsse eine Gefahr darstellen leuchtet auch ein, kann uns aber keine Furcht einjagen.

Zum Glück gibt es auf dieser Insel Wallabys, wenigstens eine Süße Spezies neben all den Quallen, Spinnen und anderem Gruselgetier!

Es ist unglaublich, wie geschickt sie durch die Gegend springen! Von Felsen zu Felsen und sogar gegen senkrechte Felswände wie bei einem Parcourslauf.

Nachdem wir eine Dusche gefunden haben, beschließen wir nun noch eine Wanderung zu machen. Es gibt nämlich einen Wanderweg durch das Innere der Insel zurück zum Hafen. Munter stapfen wir los und erwarten einen recht gut befestigten Weg, da es einer der wenigen Wanderwege hier ist und es ja viele Touristen gibt.

Doch das ist nicht der Fall. Stattdessen geht es über Stock und Stein und sogar durch Bäche. Das macht die Tour natürlich viel schöner, aber wir kommen nur langsam voran. Vor allem, weil immer wieder Netze mit riesigen Spinnen den Weg versperren. Oft sehen wir sie erst im letzten Moment und schließlich bewaffnen wir uns mit langen Stöcken und wedeln vor uns in der Luft herum.

Und wir halten immer wieder inne, um die schöne Aussicht zu genießen oder eine Pflanze zu bewundern.

 

Irgendwann wird uns klar, dass wir die Strecke vollkommen unterschätzt haben und obwohl wir einen ordentlichen Zahn zulegen, sind wir nicht schnell genug. So holt uns erst die Dämmerung und dann die Dunkelheit ein.

Im letzten Licht haben wir noch ein schönes Erlebnis: Ein ganzer Schwarm weißer Papageien (Gelbhaubenkakadus) fliegt durch das Tal und lässt sich in den Baumkronen zu unseren Köpfen nieder. Es wäre wahrhaft die perfekte Szene, wenn diese Tiere eine etwas schönere Stimme hätten. Ihr kraaah, kraaaah klingt fast wie das eines heiseren Raben.

Die Spinnennetze sind im schummrigen Licht natürlich noch schlechter zu sehen, doch zum Glück haben wir eine Stirnlampe dabei. Vor allem aber werden die Spinnen immer mehr. Noch größere Exemplare sitzen nun auf Felsen und Ästen. Wo immer unser Licht hin fällt, leuchten uns etliche Augenpaare entgegen.

Ein wenig fühlen wir uns wie in den zweiten Teil von Harry Potter versetzt. Nur, dass auf uns zum Glück keine Monsterspinne wartet.

Sehr viel später erreichen wir wieder eine befestigte Straße und sind uns einig: Das war vorläufig genug Wildnis!

Zyklon-Warnung

Wir verbringen noch einen Tag in Townsville, waschen Wäsche und spielen Poi. Nachmittags kommt eine Frau auf uns zu und empfiehlt uns, bald weiter zu reisen („Get the hell out of here!“). Ein Zyklon sei im Anmarsch.

Zum Glück hatten wir eh nicht vor, lange hier zu bleiben. Doch dieser Sturm macht uns natürlich Sorge. Wir wollen eigentlich eine Tour zum Great Barrier Reef von Cairns aus buchen.

Im Internet beginnen wir die Vorhersage für den Zyklon zu verfolgen.

Sperrung zu unseren Gunsten

Wir fahren weiter und machen an einem Aussichtspunkt halt. Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick über den Australischen Regenwald. Durch das Tal fließt ein großer Fluss und zum ersten Mal kann ich mir vorstellen, wie gefährlich es hier für die ersten Siedler gewesen sein muss. Dieses Gewässer schreit förmlich: „Krokodile im Anmarsch!“. Und gegenüber diesem Urwald erscheint mir unser Wanderweg auf Magnetic Island plötzlich wie der reinste Spaziergang.

Anzusehen ist es aber sehr schön.

Wir bitten eine Frau, ein Foto von uns zu machen und sie erzählt uns vom letzten Zyklon dieser Größenordnung. „Kaum vorzustellen, dass dieser ganze Wald in ein paar Tagen vielleicht verwüstet sein wird.“, sagt sie.

Das „Vielleicht“ kommt daher, dass es noch nicht ganz sicher ist, ob und wo der Zyklon auf die Küste treffen wird. Da der Sturm sich ständig verändert, werden die Prognosen zwei Mal pro Tag aktualisiert.

Die Frau kommt aus der Nähe von Townsville, also der Stadt die wir gerade verlassen haben und die der Zyklon nach momentaner Voraussicht voll erwischen wird. Sie ist gerade auf dem Weg zu einer Essensmesse, die sich auch für uns ganz interessant anhört. Eventuell wird sie dort bei Freunden unterkommen, falls sie wegen dem Zyklon nicht zurückfahren kann.

Sie verabschiedet sich, denn sie möchte noch das heutige Event der Messe sehen: Das längste Banana Split der Welt. Es soll ins Guinnessbuch der Weltrekorde aufgenommen werden.

Wir lassen uns das Eis egal sein und machen stattdessen einen Abstecher zu einem Wasserfall.

Unterwegs telefonieren wir mit zwei verschiedenen Anbietern für die Tour zum Riff. Der erste ist verhältnismäßig billig und will uns überzeugen, unbedingt zu buchen. Der zweite wurde uns empfohlen, ist teurer und lässt uns wissen, dass die Touren wegen des Zyklons vorläufig gecancelt sind.

Soso, denken wir uns. Das ist natürlich ein großer Unterschied. Von dem zweiten Anbieter erfahren wir auch, dass die Sicht später im Jahr ohnehin viel besser ist.

So entschließen wir uns schweren Herzens nicht zu buchen. Wenn wir von Juni bis November in Sydney sind, wollen wir es nochmal versuchen.

Die nächste Enttäuschung ist, dass der Weg zum Wasserfall gesperrt ist. Es währen mehrere Kilometer zu laufen. Frustriert sitzen wir im Auto, geben uns aber schließlich einen Ruck und laufen einfach los.

Der Weg ist ganz nett und schließlich erreichen wir einen vollkommen leeren Campground. Dementsprechend ist auch niemand am Wasserfall.

Was zuerst nach Pech aussah, entpuppt sich nun als großes Glück.

Vollkommen alleine erkunden wir den Wasserfall und ignorieren geflissentlich das eine oder andere Verbotsschild zum Betreten der Felsen. Natürlich mit größter Vorsicht.

Es ist absolut magisch.

Das Wasser ergießt sich in ein großes Becken und strömt in etlichen Kaskaden durch die Felsen den Hang hinab.

Schussel ohne Empfang

Als wir wir wieder ins Auto steigen und den Schlüssel drehen, folgt eine geräuschvolle Stille. „Scheiße!“

Wir haben das Licht angelassen.

Ein Blick auf´s Handy zeigt, dass es uns keine Hilfe bringen kann. Kein Empfang.

„Wie weit waren nochmal die nächsten Häuse weg?“, frage ich Dario.

Er zuckt die Schultern.

„Weit“

Wir packen etwas Wasser und Essen in den kleinen Rucksack und marschieren los.

Ganz so weit ist es dann zum Glück doch nicht. Zwei aufgestelzte Hütten etwas abseits der Straße geben uns Hoffnung. Wir rufen, bis ein Aboriginal den Kopf aus dem Fenster streckt.

Wir schildern unsere Lage. Drinnen wird diskutiert und schließlich kommt eine stämmige Frau aus dem Haus. Sie packt sofort Überbrückungskabel in ihren Wagen und auf gehts.

Wir haben auch noch ziemlich blöd am Wegesrand geparkt, mit der Schnauze von der Straße weg und neben einem Felsen. Aber sie schafft es nah genug kommen und wir können unser Vehikel kurz darauf wieder starten.

Wir bedanken uns sehr, während sie schon wieder abfährt. Sie nickt nur. Dann ist sie weg.

# Nachträglicher Kommentar: Wir hätten uns gerne noch mehr bedankt, daher schicken wir Monate später eine Postkarte aus Indonesien. Mit dem ungefähren Namen der Frau und einer ungefähren Adresse aus Google Maps. Hoffentlich kommt sie an. #

Wasserfall

Wir haben auf einem schönen kostenlosen Campground übernachtet und ganz in der Nähe gibt es einen weiteren Wasserfall. Da wir ungewöhnlich früh wach sind, fahren wir direkt dort hin und haben ihn ganz für uns alleine. Wir frühstücken gemütlich.

 

Essensmesse

Wir folgen der Empfehlung von gestern und besuchen die „Food Fair“. Sie ist allerdings nicht so groß und auch nicht so spannend.

Ein paar interessante Dinge gibt es aber doch.

An einem Stand kann man kostenlos alle nur erdenklichen tropischen Früchte kosten. So finden wir endlich heraus, dass die Durian (von uns nur „Stinkfrucht“ genannt) uns nicht mundet. Einige andere Früchte aber ganz lecker sind.

Und es gibt einen Stand mit Karton-Kunst. So etwas haben wir noch nie gesehen. Ich kenne Möbel aus Karton, aber eine solche Kunstfertigkeit mit den braunen Pappen habe ich noch nicht gesehen.
Eine prima Idee. Vor allem um mit etwas älteren Kindern zu basteln.

Außerdem probiere ich Passionsfrucht-Wein. Mjam, mjam!

3 mal Wasserfall

Wir sind ziemlich auf den Wasserfall-Geschmack gekommen und beschließen noch ein paar weitere anzuschauen. Als erstes den Millaa Millaa Wasserfall. Er ist wie aus einem Bilderbuch und ergießt sich in ein großes Becken, dass zum Schwimmen einlädt. Wir sind nicht die einzigen Touristen, andere planschen schon herum.

Wir gesellen uns dazu. Stellt man sich hin, beginnen kleine Fische abgestorbene Hautpartikel von Beinen und Füßen zu futtern. Ein witziges Gefühl. Wir haben schon öfter mal überlegt, uns eine „Fish Spa“ zu gönnen, aber hier in der Natur ist das natürlich noch viel schöner.

Zudem können wir auch hinter den Wasserfall. Davon haben wir schon immer geträumt. Einvernehmlich streichen wir mal wieder einen Punkt von unserer inneren „To-Do-Liste-des-Lebens“.

Als schließlich ein ganzer Bus mit jungen Backpackerinnen ankommt, ziehen wir weiter.

Zu den nächsten Wasserfällen, den „Zillie Falls“. Sie sind auch schön und laden Dario zum Klettern ein. Dafür aber nicht zum Schwimmen.

   

Die dritten Wasserfälle, die „Ellinjaa Falls“ liegen ziemlich im Schatten und wir verweilen nur kurz. Zum Schwimmen ist uns zu kalt.

Curtain Fig Tree

Wir fahren weiter zu einem ganz besonderen Feigenbaum. Seine Entstehung ist sehr interessant. Feigen sind Ranken und hier standen zwei Bäume mit Feigenranken. Einer von ihnen kippte schließlich gegen den anderen und die Feigenwurzeln wuchsen immer weiter dem Boden entgegen. Wie ein Vorhang. Mittlerweile sind die Bäume im inneren wohl beide tot, doch der riesige, vereinigte Feigenbaum steht.

Ein wahres Wunder der Natur.

3 + 1 = 4

Selbst unser Abendessen nehmen wir an diesem Tag an einem Wasserfall ein. Drei Wasserfälle plus ein Wasserfall macht vier Wasserfälle an einem Tag! Wir sind sehr zufrieden und finden auch noch einen schönen kostenlosen Campingplatz.

Die größten von allen – die Barron Falls

Die letzten Wasserfälle, die wir in Australien sehen wollen, sind angeblich die größten. Die Bilder sehen wahrhaft sehr beeindruckend aus.

Irgendwie ist uns aber entgangen, dass die Bilder sämtlich in der Regenzeit aufgenommen wurden und müssen feststellen, dass wir im Vergleich eher ein Rinnsal sehen. So ziehen wir bald weiter und suchen uns stattdessen ein schönes Örtchen am Strand in der Nähe von Cairns.

Dario macht Burger am Straund und schon ist die Welt in Ordnung.

 

 

Das Ohr

Der Zyklon soll heute aufs Land treffen, doch da er noch etwas weiter in den Süden gewandert ist, fühlen wir uns in Cairns sicher und fahren nicht weiter in Norden. Wir bleiben an dem schönen Strand.

Jetzt, etwa drei Wochen nach meinem Unfall, probiere ich mal einen Druckausgleich der Ohren. Schließlich überlegen wir noch immer, vielleicht für morgen spontan nach einer Tagestour zum Riff zu fragen.

Die ersten zaghaften Versuche gehen ganz gut. Ich probiere einen etwas kräftigeren Ausgleich.

Pfffffffffffff….“, macht mein Ohr.

Scheiße!

Mir ist sofort ziemlich klar, was das bedeutet. Auch wenn ich es nicht wahrhaben möchte.

So gehen wir am nächstens Morgen gleich ins Krankenhaus. Zu einem normalen Arzt zu gehen, wäre vermutlich preiswerter, aber nach meiner letzten Erfahrung möchte ich lieber in eine Einrichtung, die gegebenenfalls wenigstens Gerätschaften hat um den einen oder anderen Test durchzuführen.

Von einem Arzt in einem australischen Krankenhaus begutachtet zu werden kostet 500$.

Still danken wir den Daheimgebliebenen für die gute Auslandskrankenversicherung. Ein Freund von Darios Familie hat sie uns verkauft und meine Mami bezahlt sie. Der Aufschlag für das operierte Ohr hat sich gelohnt – ich hätte jetzt ein echtes Problem wenn dieses Ohr ausgeschlossen wäre.

Der Arzt ist sehr nett, aber mal wieder nur begrenzt hilfreich. Er kann mir lediglich versichern, dass ich mit dem Riss im Trommelfell recht habe, dieser aber so klein sei, dass er ihn nur erahnen könne.

Er teilt mir mit, dass ich erst wieder in einem halben Jahr tauchen sollte. Jetzt, wo es raus ist, fühle ich mich richtig mies. Drei Monate Meer liegen vor uns. Ich wollte endlich meinen Tauchschein machen. Dario freut sich schon so lange aufs Tauchen mit mir. Die Tränen sind nur schwer zurückzuhalten.

Selbst die Krankenschwester, die mir erzählt, dass ihr längster Urlaub drei Wochen lang war, kann mich nicht aufheitern. Dario bleibt bewundernswert gelassen.

Nach einem kurzen Telefonat kommt dann die gute Nachricht vom Arzt: Schnorcheln ist in Ordnung, solange ich das Ohr vor Wasser schütze.

Frustriert verlassen wir das Krankenhaus.

Ein Spaziergang am Meer beruhigt uns und wir beschließen zur weiteren Ablenkung ins Kino zu gehen.

Danach baden wir noch in dem öffentlich Pool von Cairns, der sogar noch schöner als die letzte Anlage ist, die wir gesehen haben. Vor allem schön illuminiert und bis spät abends geöffnet.

 

Abflug

Auch am letzten Morgen in Australien gehen wir nochmal baden.

Dann besorgen wir Ohrstöpsel und Badekappe für mich, damit wir in Indonesien wirklich schnorcheln gehen können. Und dort nicht suchen müssen.

Wir putzen den Wagen, bringen unsere überflüssigen Habseligkeiten in einen der Secondhandläden und trennen uns von unserem fahrenden Untersatz. Die Rückgabe läuft problemlos und der nette Angestellte empfiehlt uns die App „Uber“, um zum Flughafen zu kommen.

Über Uber kann man einen Wagen rufen. Wie ein Taxi, nur dass der Fahrer eine Privatperson ist. Alles läuft über die App, wenn man möchte sogar die Bezahlung. Der Preis für die Fahrt zum Flughafen ist etwa die Hälfte vom normalen Taxipreis. Genial.

Unser Chauffeur ist sehr nett und so sind wir kurze Zeit später am Flughafen. Hier ist nicht viel Betrieb, in der riesigen Halle hat noch lange kein Schalter offen und außer uns sind nur ein paar andere Reisende da. Man kann sie an einer Hand abzählen.

Wir machen Musik an und spielen Poi.

Und schließlich geht es auf nach Indonesien.

Sydney bis Brisbane – Highlights

Tag 142 – 155 (03. – 16.03.2017)

Felsen und Gischt

Eigentlich würde Dario gerne das Surfboard ausprobieren, also fahren wir an eine dafür als tauglich markierte Stelle (MapsMe weiß, wo man hin muss). Allerdings ist es so kühl und regnerisch, dass keiner von uns wirklich Lust hat, ins Wasser zu gehen. Und da, wo die anderen Surfer auf große Wellen warten, gehören wir natürlich auch noch nicht hin. Eher ans Ufer.

Also entscheiden wir uns erst mal spazieren zu gehen. Es gibt einen netten Weg zum Leuchtturm (Norah Head Lighthouse) der Landspitze. Viel begeisterter als von dem Turm, sind wir allerdings von den umtosten Felsen zu seinen Füßen. Hier spritzen die Wellen meterhoch auf.

Wir beobachten sie eine Weile und stellen uns dann dorthin, wo man nicht allzu nass wird, das Spektakel aber gut beobachten kann.

Ein einsamer Angler trotzt der Gewalt der Brecher und steht direkt an der Kante. Manchmal verschwindet er fast vollkommen in der tosenden Gischt, taucht aber zum Glück jedes Mal unversehrt und unbeirrt weiter dastehend wieder auf.

#Kommentar Dario: Der Angler spornt mich an, ich wage mich an die Kante der Klippe und genieße die Gischt.  Als eine größere Welle auf mich zurollt, ergreife ich die Flucht. Trotz meiner schnellen Reaktion erwischt mich noch ein Teil der aufspritzenden Wassermassen und es wird kalt.#

 

 

Cave Beach

Wir kommen gerade passend zur Ebbe an und können die Höhlen erkunden, die vom Meer freigegeben werden. Sie erinnern uns an Wharariki Beach in Neuseeland. Allerdings ist das Gelände etwas kleiner, wodurch die Besucherdichte etwas höher ist.

Ein Fotograf, der jedem Sumoringer Konkurrenz machen könnte, lichtet ein mageres Model mit übergroßen Brüsten nacheinander in verschiedenen textilsparenden Badeanzügen ab.

Wir schauen dem skurrilen Geschehen ein paar Minuten zu, dann entscheiden wir, dass wir nichts gegen volle Busen haben, diese hier aber einfach zu groß sind und ziehen weiter.

 

Frühstück und Surfen

Morgens wechseln bei uns zwei Gerichte: Müsli mit Obst und Pancakes. Für die Herstellung letzterer habe ich ein Monopol, schließlich ist es das einzige Gericht, das ich wirklich zubereiten kann.

Auch beginnen wir, jeden Tag ein paar Stunden im Wasser zu verbringen. Sei es schwimmend direkt im Meer oder in einem der „Rockpools“. Das sind öffentliche Pools direkt am Meer, die mit Salzwasser gespeist werden, aber von hohen Wellen und unliebsamem Getier (vor allem Quallen) unbehelligt bleiben.

Zudem schauen wir Lernvideos für‘s Surfen an und beginnen mit Trockenübungen und schließlich auch im Wasser. Wobei ich letzteren Part erst mal Dario überlasse. Bevor ich mit dem Board in die Wellen gehe, muss ich erst mal endlich lernen, mir die Nase beim Tauchen nicht mehr zuzuhalten.

Etwas, das ich dank der riesigen Wellen fast jeden Tag üben kann. Zum ersten Mal in unserem Leben haben wir Wellen mit echten Schaumkämmen, die sich zu einem Tunnel überschlagen.

Und ich, die ich immer so gerne in den „großen“ Wellen geschwommen bin, muss feststellen, dass ich keine Ahnung hatte, was „groß“ bedeutet. Auf diesen Wellen kann man sich nicht mehr gemütlich auf und ab tragen lassen. Durch diese Wellen muss man hindurch tauchen oder sie schütteln einem die Luft aus den Lungen und pressen einen gegen den sandigen Grund.

Delphine

Einmal sind die Wellen besonders hoch. Selbst die meisten Australier bleiben dem Wasser heute fern. Aber einige wagen sich doch. Sie schwimmen ein Stück hinaus und betreiben dann das übliche „durch-die-Welle-tauchen“. Dario düst mit seinem Surfboard los und behauptet sich wie immer gegen die Wellen. Wenn auch surftechnisch wenig erfolgreich, da das Board als Übungsboard untauglich (viel zu klein) ist. Zum treiben lassen reicht es aber.

Ich bleibe erst mal draußen.

Doch dann kommen die Delphine. Fünf oder sechs von ihnen, die ziemlich nah an den Strand schwimmen. Immer wieder schimmern ihre Körper in den Wellen auf und manchmal springen sie.

Unentschlossen starre ich hinaus. Ich würde so gerne mit ihnen schwimmen. Und schließlich gebe ich mir einen Ruck und wate los. Mein Ziel ist eine Stelle, an der zwei nett aussehende, etwas rundliche Australier recht entspanntes Wellentauchen betreiben. Nicht weit von Dario, der im Gegensatz zu ihnen etwas beschäftigter wirkt, da er ja auch noch das Board hat. Die beiden sehen aus, als wüssten sie was sie tun und ich fühle mich sicherer, wenn jemand in der Nähe ist.

Ich erreiche sie, wir lächeln und die erste Welle lässt sich ganz gut nehmen. Doch dann kommt ein Set aus drei hohen Wellen. Ich sehe sie kommen und wünsche mich zurück ans Ufer. Aber ich kann ihnen nicht davonschwimmen. Wenn ich ihnen den Rücken zuwende, werden sie mich packen und nicht mehr loslassen. Dann habe ich verloren und ich will nicht wissen, was das mit diesen Monsterwellen bedeutet.

Ich konnte mir nie vorstellen, wie gute Schwimmer ertrinken können. Heute klärt sich diese Frage.
Als sich die erste der drei Wellen vor mir auftürmt, mache ich genau das, was man tun sollte: Ich tauche ab und schwimme los. Hinter dem Kamm tauche ich auf und schnappe nach Luft. Doch die nächste Welle ist schon fast da. Also nochmal. Und dann nochmal.

Nach diesen drei Brechern bin ich derart aus der Puste, dass ich mich in unterdrückter Panik zurück ans Ufer kämpfe. Da die Wellen nun wieder kleiner sind, geht das ganz gut.

Heil komme ich am Ufer an.

Dario würde die gleiche Szene wohl mit: Abtauchen, Auftauchen, Abtauchen, Auftauchen, und so weiter beschreiben. Für ihn scheint das alles gar kein Problem zu sein.

Den Rest des Tages genieße ich den Anblick der Delphine aus sicherer Entfernung. Um das Wellentauchen zu üben, warte ich lieber auf einen Tag mit kleineren Wellen. Ich bin nicht so der Typ für „Ein Fehler und du bist tot“. Natürlich kann man auch von so einer Welle durchgeschüttelt werden, ohne gleich zu ertrinken, aber ich verzichte darauf es auszuprobieren.

Die Australier am Strand kennen zudem viele gruselige Geschichten. Es sterben wohl tatsächlich immer wieder Menschen in diesen Wogen. Sei es, weil man sich den Kopf an einem Stein unter Wasser anschlägt, während man in den Fängen der Welle Saltos schlägt oder einfach, weil man es nicht mehr schafft rechtzeitig aufzutauchen.

Trotzdem behalten die Wogen ihren Reiz und das Tauchen durch sie hindurch auch.

 

Sugarloaf Point Lighthouse

Dieser als besonders schön gepriesene Leuchtturm wird seinem Ruf durchaus gerecht. Er liegt malerisch und an diesem Tage windumtost auf einer hohen Klippe. Wir steigen hinauf und genießen das Panorama.

Meine Haare flattern im Wind und die Sonne spielt mit den Wolken.

Es ist so schön, dass wir ein zweites Mal laufen, um unser Abendessen zu holen und hier oben zu dinieren. Thai-Käse-Spaghetti, eine delikate Improvisation von Dario.

Shit happens!
Tiefpunkt der bisherigen Reise

In Port Macquarie, einer netten kleinen Stadt, übernachten wir. Mal wieder frech in einer Seitenstraße. Am nächsten morgen schlafen wir lange und machen dann ein stundenlanges Pancake-Gelage am Meer. Die Wellen sind ganz angenehm und wir verbringen denn Mittag im Wasser.

Dario spielt mit seinem Surfboard und ich übe mal wieder Wellentauchen. Heute mit sehr angenehmen Wogen in seichtem Gewässer. Wenn ich keine Lust habe mich einer zu stellen, kann ich mich einfach aufrichten und sie zerbricht unter Brusthöhe.

Es klappt richtig gut und schließlich fühle ich mich sicher genug, um mal zu versuchen das Surfboard unter einer Welle hindurch zu bringen. Eine essenzielle Übung für‘s Surfen.

Ich stelle mich dabei nicht ganz so gut an, aber es funktioniert. Und auf den netten kleinen Wellen kann ich mich auch schön zur Belohnung treiben lassen.

Doch dann mache ich einen schlimmen Fehler. Ich entscheide mich, eine Welle nicht zu nehmen.
Diese Übervorsicht kommt daher, dass ich immer etwas Sorge wegen meinem Ohr habe, das letztes Jahr operiert wurde.

Doch statt das Board hochzuheben lasse ich es los (vermeintlich weit genug hinter mir) und statt aufzustehen, tauche ich ab. Und schütze meinen Kopf nicht. Und das Board wird von der Welle erfasst, in sie hineingezogen und dann kracht es gegen meinen Kopf. Genau gegen das Ohr.

Ich höre ein Dröhnen und dann nicht mehr viel. Keuchend schnappe ich mir das Board und verlasse das Meer. Dario kommt mir entgegen und ich erkläre ihm was passiert ist.

Du blutest!“, sagt er deutet auf das Ohr. Scheiße!!!

Wir fahren in die Notaufnahme, zur Glück ist das Krankenhaus nicht weit weg. Verhältnismäßig schnell komme ich dran. Vielleicht auch, weil ich wegen meines operierten Ohres so aufgelöst bin. Kaum schaffe ich es vernünftige Angaben zu machen, rede nur von „I hit an edge“.

Die nette Schwester kann jedoch nicht viel erkennen, weil das Ohr so geschwollen ist. Daher ist sie nicht sicher, ob es sich um eine äußerliche oder innerliche Verletzung handelt. Ich soll nächste Woche nochmal zum Arzt gehen.

Das Einzige, was sie mir anbieten können, ist Schmerzmittel. Ich lehne danken ab.

Zum Glück habe ich in solchen Situationen einen fantastischen Ansprechpartner. Er ist ein alter Freund von Pino und dank ihm ist mein Ohr überhaupt operiert worden. Wenn sich einer gut mit Ohren auskennt, dann ist er es. Ich rufe ihn an und er beruhigt mich, dass der Prothese wahrscheinlich gar nichts passiert ist. Das kann ein Hörtest zeigen und der macht erst Sinn, wenn die Schwellung weg ist.

Also abwarten und Tee trinken…

Da es schon spät ist, übernachten wir nochmal in Port Macquarie.

Am nächsten Morgen machen wir wieder Pancakes, diesmal jedoch mit weniger guter Stimmung. Danach besuchen wir das Koala-Hospital und sehen zum ersten Mal die süßen Faulpelze. Ein jeder sitzt auf seinem Baum und schläft.

Aber warum schlafen Koalas eigentlich so viel?

Um genau zu sein schläft ein Koala 18-22 Stunden pro Tag. Da die putzigen Tierchen zudem nachtaktiv sind, ist es kein Wunder, dass wir sie in diesem wenig spannenden Zustand antreffen.

Der viele Schlaf hängt damit zusammen, dass die Verdauung der giftigen Eukalyptusblätter viel Energie kostet aber nicht viel liefert. Also muss Energie gespart werden. (Quelle: Australian Koala Foundation)

Fazit: Koalas sind echt süß, aber total langweilig.

 

Magie des Sandes

Am selben Tag kehren wir zurück an den Strand, an dem mir gestern das Missgeschick passiert ist. Da ich das Wasser nun natürlich meiden soll, beginne ich einen Menschen aus Sand zu bauen. Einen sterbenden, der eine Hand nach dem Meer ausstreckt.

Dario ist das Motiv zu umständlich, er macht lieber große oder Raumgreifende Projekte. Während ich also an den Gesichtszügen modelliere, baut er eine dicke Kugel. Nicht einfach mit Sand. Doch irgendwann zerbricht eine Seite.

Wir schauen uns an und denken nach. Wir möchten unsere Werke gerne verbinden. Schließlich entscheiden wir uns für eine Seeschlange, die auch der Kugel (Ei) kommt und sich um den Menschen windet.

Gesagt, getan. Die Szene nimmt schon bald Gestalt an.

Während wir das Werk immer weiter und weiter entwickeln, kommen immer mehr Menschen vorbei. Es ist Freitagnachmittag. Eine Fotografin, die mit ihren Kindern da ist, macht Aufnahmen von uns und bietet an, sie uns zu schicken.

Ein älteres Ehepaar, das uns schon seit Stunden aus seiner Wohnung beobachtet hat, stattet uns einen Besuch ab und ist ganz begeistert.

Eine junge Frau macht ganz viele Fotos und sagt, dass sie die ihrer alten Mutter zeigen möchte, die so etwas noch nie gesehen hat und leider die Wohnung nicht mehr verlassen kann.

Und schließlich taucht sogar die Presse auf – in Form eines Fotografen von der örtlichen Zeitung.
Er macht Fotos und bittet um unsere Telefonnummer, damit sein Kollege uns am nächsten Tag interviewen kann.

Hier der daraus entstandene Artikel.

Als es dunkel wird, sind wir schließlich ganz fertig mit dem Werk. Doch während wir noch am Strand zu Abend essen, tapsen schon die ersten Jugendlich auf unserer Kunst herum. Einen rüge ich dafür und danach sehen wir niemanden mehr zu nahe kommen. Schließlich gehen wir schlafen.

Eigentlich wollen wir morgen weiter.

Erneuerung

Doch Dario möchte sehen, was übrig geblieben ist und so fahren wir nochmal zum Strand. Da Samstag ist, ist schon recht viel Betrieb und wir treffen auch Leute, die wir schon von gestern kennen und die auch extra da sind, um das vollendete Werk oder seine Überreste zu sehen.

Da können wir es uns nicht verkneifen und tun etwas, das wir eigentlich nie wollten: Wir reparieren.

Es ist noch fast alles da und vor allem die zeitaufwändigen Elemente wie die Gesichter sind erhalten. So brauchen wir nur ein paar Stunden. Wir schreiben der Fotografin eine SMS, dass wir das Werk vollenden und sie nimmt sich trotz anderer Aufträge Zeit um erneut Fotos zu machen.

Mein Ohr fühlt sich auch schon viel besser an und ich höre zumindest wieder ein wenig.

Sehr zufrieden fahren wir weiter.

 

Jakob – drittes Treffen

Es stellt sich heraus, dass Jakob uns fast eingeholt hat und wir verabreden uns in Coffs Harbour. Er muss aber noch ein Stückchen fahren, also spazieren wir noch alleine auf die kleine Insel „Mutton Bird Island“, die durch einen Steg mit dem Festland verbunden wurde. Hier nisten Vögel im Erdreich und wir können mancherorts die flauschigen Küken erspähen.

Den Nachmittag verbringen wir dann alle zusammen am Strand und beenden den Tag mit einem Pancake-Gelage.
Während die Jungs alles vorbereiten, baue ich sandige Kommunionswünsche für Rebecca, eines meiner beiden geliebten Patenkinder.

Byron Bay

Am nächsten Morgen fahren wir alle nach Byron Bay. Hier findet man extrem viele Touristen und jede Menge Hippies. Und gute Wellen um Surfen zu üben.

Aber das muss Dario nun natürlich alleine tun. Ich bleibe wegen meinem Ohr draußen. Es tut mittlerweile mehr weh als am Anfang. Das Wetter ist ohnehin eher regnerisch.

Als es später aufklart, kommt Jakob dazu und wir bauen ein neues Sandkunstwerk.

Abschied

Jakob möchte noch einen Tag in Byron Bay bleiben, aber uns zieht es weiter. Hier sind zu viele Touristen und die paar Leute mit Feuerstäben, die wir gesehen haben, sind alle eher noch im Anfangsstadium. Gerne würden wir hier zwar das wöchentliche Jongliertreffen besuchen, doch das war vorgestern und fünf Tage warten wollen wir sicher nicht. Vor allem, da es hier nicht möglich ist sich mit dem Auto einfach irgendwo hin zu stellen. Es gibt einfach zu viele Touristen und dementsprechend stehen überall Verbotsschilder und es wird kontrolliert.

So verabschieden wir uns einmal mehr von Jakob.

Arztbesuch

In einer Stadt namens „Surfers Paradise“, mache ich einen Termin beim Arzt aus, um mein Ohr überprüfen zu lassen. Es tut mittlerweile höllisch weh und weckt mich sogar nachts.

Ergebnis: Ohrenentzündung. Ansonsten aber wahrscheinlich alles in Ordnung. Er will mir ein Antibiotika verschreiben, doch von meiner Erziehung her bin ich sehr kritisch gegenüber diesem Medikament. So einigen wir uns auf antibiotische Ohrentropfen. Etwas besser.

Noch am gleichen Abend kaufen wir die Tropfen und ich beginnen mit der Anwendung.

Brisbane

Am nächsten Tag machen wir die letzten Kilometer nach Brisbane und fahren schweren Herzens an den großen Funparks vorbei. Mein Ohr wird eher schlimmer und so habe ich keine Lust auf Action. Obwohl die Parks wirklich toll aussehen.

Stattdessen fahren wir in Brisbane mit dem kostenlosen Flussschiff und besuchen zwei Botanische Gärten. Vor allem der zweite, der Mount Coot-tha Botanic Gardens, gefällt uns gut.

 

Sydney No. 2

Tag 138 – 141 (27.02.2017 – 02.03.2017)

Die Zeit vergeht schnell und am 27. erreichen wir schon wieder Sydney. Wir wollen Sonja eigentlich nicht noch einmal behelligen und suchen nach einer anderen Unterkunft. Günstiges gibt es nichts, aber für ein paar Tage geht es.

Ich schreibe mit Sonja, da wir noch meine Festplatte bei ihr abholen müssen. Die hat uns ein Internetcafé aus Wellington hinterhergeschickt. Dort haben wir sie vor dem Abflug vergessen nach Australien vergessen.

Sonja lädt uns ein, doch wieder bei ihr zu übernachten. Die Nanny ist gerade abgereist und nun die zum Zimmer ausgebaute Garage frei. Da können wir nicht nein sagen. Ich freue mich riesig die Familie wiederzusehen und auch Dario ist happy.

 

Zweiter Probetag und erste walk ins

Er hat noch einen weiteren Probetag bekommen und so fahren wir am Tag darauf wieder in die Stadt. Da ich das Handy brauche, um mich in der Stadt zurecht zu finden, bringe ich Dario zur Arbeit. Zurückfinden muss er mit einer alten Stadtkarte, die Sonja und ich gestern Abend noch schnell aus der Papiertonne gekramt haben. Dort sind nämlich die ganzen Karten und Broschüren aus der Garage gelandet, die jetzt ja keine Nanny mehr braucht.

Ich ziehe los und schaue mir zur Einstimmung das „Martian Embassy“ von L-A-V-A an. Es ist ein verhältnismäßig kleines Projekt, aber ein besonders schönes. Hier finden unter anderem Schreibworkshops für Kinder statt.

Dann probiere ich zum ersten Mal aus, wie es ist in ein Büro zu gehen, um sich vorzustellen. Ich suche eines aus, bei dem ich eine Absage gut verkraften kann..

Ich klingle, verstehe die Stimme aus der Anlage aber ganz schlecht und versuche zu erklären wer ich bin und warum ich durch diese Tür möchte. Dann kommt auch noch jemand aus der Tür, was die Sache nicht wirklich erleichtert. Doch schließlich bin ich drin.

Das Büro liegt im ersten Stock und es gibt eine Art Rezeption. Von der Dame hinter dem Tisch erfahre ich, dass meine Bewerbung ihr Postfach nie verlassen hat. Die anderen Mitarbeiter sind gerade in der Mittagspause, nur eine der Leiterinnen ist da. Sie ist allerdings gerade am ausrasten, rauft sich die Haare und flucht.

Recht unbeteiligt fragt die Rezeptionistin sie, ob sie vielleicht kurz mit mir reden möchte. Ich sehe der Chefin jedoch an, dass das kaum gut ausgehen könnte und lasse sie wissen, dass es kein Problem ist, wenn sie gerade keine Zeit hat. Die Rezeptionistin sagt zu, meine Mail an die Chefetage weiter zu leiten und ich schaue zu, dass ich diesen Ort des Schreckens verlasse.

Buchungschaos

Zur Entspannung rufe ich bei unserem Autoverleih an, da ich vom Reisebüro, in welchem wir den Campervan bestellt haben, noch keine richtige Rückmeldung bekommen habe. Der Verleih hat uns allerdings gar nicht auf der Liste. Da ich gerade eh in der Gegend bin, wo das Reisebüro („TravelBugs“) ist, schaue ich dort vorbei. Unser Travelagent ist sogar da und entschuldigt sich mannigfaltig. Irgendwie gab es bei dem Verleih für morgen gar keine Autos mehr und er hat stattdessen einen anderen Wagen für uns gefunden. Der hat den gleichen Preis, sogar mit Versicherung.

Ich bin trotzdem etwas stinkig. Der erste Verleih hatte viel bessere Bewertungen. Der neue kauft anscheinend die ausrangierten Wagen anderer Verleihfirmen und macht mit diesen Schrottkarren noch mal Kohle.

Weiter geht‘s

Nun ja, aber da kann ich jetzt wohl auch nichts mehr dran ändern. Aus Prinzip versuche ich es noch bei einem weiteren Architekturbüro. Dort kommt mir der Chef gerade entgegen. Er ist unterwegs zu einem Termin. Zwischen Tür und Angel reden wir kurz, doch es fühlt sich nicht gut an und so bin ich ganz froh, dass er mich mit einem „Wir brauchen gerade eigentlich niemanden“ abspeist.

Da ich noch ein wenig Zeit mit Sonjas Familie haben möchte, mache ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Sie liegt direkt am Central Park, einem architektonisch durchaus interessanten Projekt. Es besteht aus etlichen Gebäuden, die von verschiedenen bekannten Architekturbüros stammen. Das auffälligste von ihnen kann sich Jean Nouvelle, ein Pariser Architekt, auf die Kappe schreiben. Es ist ein riesiges Hochhaus, dass auf allen Stockwerken begrünt ist.

Central Park Sydney

Als ich heute mal wieder daran vorbei spaziere, sehe ich eine Gruppe, die einem Herrn in Anzug folgt. Es sieht aus wie eine Führung und ich frage, ob ich mich anschließen darf. Es ist irgendwas kommerzielles und am Ende wird es für die geladenen Gäste eine Verköstigung geben.

Daher sind die Informationen nicht ausschließlich architektonischer Natur. Ich bin aber auch schon nicht mehr so aufnahmefähig. Wenigstens komme ich auf die Art in alle möglichen Gebäude. Hier ein interessantes Foyer, dort ein ganz nettes Konzept. Das Studentenwohnheim mit Kino im Foyer, gemeinsamen Kochbereich im Freien und Themenräumen (Musikprobe, Billard, …) in jedem Geschoss gefällt mir besonders gut.

Das begrünte Gebäude ist auch nett, der Innenraum könnte aber atmosphärisch besser sein.

So komme ich doch recht spät heim und kann den Kindern grade noch eine gute Nacht wünschen. Vom Essen ist noch etwas übrig und so futtere ich noch etwas und quatsche mit Sonja.

Positives von der Jobsuche

Dario kommt wieder spät heim und bringt erneut positives Feedback mit. Jedoch mit der gleichen Unsicherheit was die Jobmöglichkeiten im Juni angeht.

Langsam fühle ich mich richtig schlecht, dass ich noch nicht mal ein „Vielleicht“ habe. Andererseits weiß ich, dass ich vermutlich sofort eine feste Zusage bekomme, falls ich denn eine bekomme.

Aber ich habe jetzt eine Zusage für ein Bewerbungsgespräch in dem Büro, in dem Sonjas Freundin arbeitet. Erst mal für morgen Nachmittag angesetzt.

Laboratory for Visionary Architecture

Am nächsten Tag gebe ich mir einen Ruck und beschließe gleich als erstes zu L-A-V-A zu gehen. Wir kommen nicht ganz so früh los wie geplant, da wir mal wieder unsere Sachen sortieren und dann noch Abschied von unseren herzlichen Gastgebern nehmen müssen.

Ich habe Sorge, dass das Team vielleicht früh in die Mittagspause geht, denn es ist schon nach elf, als ich schließlich vor dem Büro aus dem Bus steige. Dario wartet an einer zentralen Haltestelle in der Stadt mit den Rucksäcken.

Ich gehe zum Büro und werfe einen Blick durch die Glasfront. Dahinter baumeln orange Figuren (Plexiglas?) an Fäden und durch diesen Vorhang aus Kunst sehe ich fleißig arbeitende Menschen an Computern. Und Chris Bosse, der Chef an diesem Ort, geht gerade an der Reihe der Computer entlang in Richtung Eingang.

Ich öffne die Tür und gehe ihm entgegen. Er entdeckt mich und kommt mir entgegen. Er sieht netter aus, als ich ihn mir von den Fotos her vorgestellt habe.

Ich reiche ihm die Hand und sage: „Hello Mr. Bosse, I‘d love to work for you.“

Er reagiert positiv und bedeutet mir ihm eine raumsparend schmale Treppe hinauf zu folgen. Während ich hinter ihm die Stufen hinaufgehe, klären wir meinen Namen und Nationalität.

Dann können wir auch Deutsch reden“, sagt er. Ich weiß ja, dass er Deutscher ist, also erkläre ich den Grund für meine Vorstellung auf Englisch: Wir sind in einem englischsprachigen Land, da erschien mir das selbstverständlich.

Ich biete ihm an, weiter Englisch zu sprechen, doch er meint Deutsch sei okay.

Das stellt mich natürlich vor die unangenehme Frage, ob ich ihn siezen oder duzen soll. Das englische „you“ hätte mir dieses Problem erspart.

Also frage ich einfach nach und es wird das „Du“.

Wir betreten eine kleine Küche und er beginnt sich Kaffee zu machen. Ob ich auch einen möchte? Nein danke, ich trinke ja keinen.

Ob ich einen USB-Stick mit Portfolio dabeihabe? Ich muss grinsen. Bei meiner Bewerbung für‘s Praxissemster hatte ich nur eine Mail mit meinen Projekten geschickt und nichts zum Gespräch mitgebracht. Natürlich hatten sie mein Portfolio bereits ausgedruckt und eine Mappe wäre daher überflüssig gewesen. Trotzdem haben sie mir nahegelegt, in Zukunft immer eine Mappe dabei zu haben.

Also halte ich nun meine Mappe hoch, die mich in dieser „billigen“ Ausführung immerhin fast fünfzig Dollar gekostet hat. „Ah, das ist natürlich noch besser“, sagt Chris.

Ob ich mich willkürlich bei allen möglichen Büros beworben habe?

Ich sage nein, weil es mir bei der kleinen Auswahl, die ich getroffen habe, nicht so vorkommt. Und wenn Dario nicht wäre, hätte ich es bei noch weniger Büros versucht.

Und das hier ist mein erstes wirkliches Bewerbungsgespräch nach dem Studium.

Dass ich einfach hereinspaziert bin, weil ich dachte, dass ich sonst eh keine Chance habe, stört ihn nicht. Wenn ich ihn richtig verstehe, hat er es früher nicht anders gemacht.

Dass ich in Biberach studiert habe gefällt ihm, er ist ja auch Schwabe.

Sein Kollege, der von der Ausstrahlung her auch eine leitende Position inne hat, kommt dazu und freut sich ebenfalls: „Wir sind ja quasi ein Englisch-Schwäbisches Büro.“

Er kommt auch von einer Hochschule, es muss nicht immer Uni sein.

Da er mich nun nur Deutsch reden gehört hat, fragt er wie es denn mit meinem Englisch stünde und ich antworte ihm sofort auf Englisch. Er ist sofort zufrieden und wir wechseln wieder ins Deutsche. Ich nehme mir vor, unbedingt noch englische Vokabeln zu lernen. Mein Englisch mag gut sein, an Fachvokabular dürfte es mir aber noch mangeln. Unser Englischunterricht (ein Semester lang eine Stunde pro Woche, also effektiv etwa zehn Stunden) war nicht wirklich hilfreich.

Während die beiden ihren Kaffee fertig machen, reden wir einfach weiter. Es ist ganz locker. Sie erzählen, dass ich noch vor einer halben Stunde viel schlechtere Karten gehabt hätte. Heute ist Abgabe für einen großen Wettbewerb und erst in den vergangenen dreißig Minuten hat sich die Lage entspannt. So viel dazu, dass wir spät losgekommen sind.

Ich sehe die vielen nicht gespülten Tassen im Waschbecken und frage, ob ich vielleicht während dem Schwatzen abspülen soll. An Abgabetagen hat man für so etwas keine Zeit, das kenne ich ja. Und ich selbst habe gerade ja alle Zeit der Welt.

Die Antwort ist nein, aber sie finden den Ansatz nicht schlecht. „Du bist ja noch nicht mal Teil des Teams, aber das kann sich in der nächsten halben Stunde ja ändern“.

Das bestärkt mein gutes Gefühl, ich glaube sie möchten mich einstellen.

Auch die Sache mit der Weltreise gefällt ihnen. Chris äußert, dass er gerne auch nach Indonesien in den Urlaub fahren würde, was ihm hochgezogene Augenbrauen einbringt. Und ich erzähle von unseren Zielen und von Dario, der ja vielleicht im Quai arbeiten wird. Chris kocht anscheinend auch gerne, aber wir gehen nicht weiter darauf ein.

Warum ich denn eigentlich bei ihnen arbeiten möchte? Das ist eine einfache Frage, die ich gerne und voller Überzeugung beantworten kann. Ich möchte wenigstens einmal in einem Büro gearbeitet haben, dass so entwirft und baut, wie ich es mir erträume.

Ob das letztendlich mein Weg sein wird, weiß ich natürlich noch nicht. Träume sind ja erst mal immer nur Träume. Die Realität muss ich nun herausfinden. Das sage ich aber natürlich nicht.

Ich stelle eine Frage zu einem der Modelle, die in einem Regal an der Wand stehen. Ich habe mir etliche Projekte des Büros angeschaut. Einige kannte ich schon aus dem Studium, andere habe ich erst bei der Recherche entdeckt und einfach die näher betrachtet, die mir interessant erschienen. Ich bekomme eine lange Antwort und kassiere die Bemerkung, dass ich meine Hausaufgaben gut gemacht habe. Ein Satz, den ich auch aus dem Studium kenne. Er bedeutet meist etwa das Folgende: „Ich bin nicht beeindruckt, aber es ist schön, dass mal jemand das Selbstverständliche getan hat. Brav.“

So geht es weiter. Wir reden jetzt bestimmt schon eine viertel Stunde und die beiden haben meine Mappe noch nicht mal gesehen. Statt zu hoffen, dass sie die Mappe einfach vergessen, sage ich, dass mein Portfolio sie vermutlich nicht von den Socken hauen wird. Eigentlich doof, ein bisschen mehr Selbstbewusstsein könnte mir hier nicht schaden.

Sie möchten sie natürlich sehen, aber obwohl ich immer noch tierisch nervös bin, habe ich ein ganz gutes Gefühl. Obwohl ich weiß, dass meine ausgewählten Projekte für sie nur begrenzt interessant sind. Es sind eben die neueren, von denen es gute Renderings gibt und bei denen das Technische einigermaßen stimmt. Ich konnte die alten Projekte ja unterwegs nicht neu auflegen. Wie oft habe ich mich schon geärgert, dass ich nicht einfach zuhause ein ordentliches Portfolio erstellt habe.

Wir gehen die Mappe schnell durch und ich erläutere in aller Kürze die Projekte. Am Ende entdeckt Chris noch das Projekt aus dem zweiten Semester, welches ich auf den letzten Drücker ausgedruckt habe, weil es eben doch eines der wenigen für L-A-V-A wirklich interessanten Projekte ist. Da es aber nur schwarzweiß und auf schlechtem Papier ist, habe ich es hinter dem letzten Blatt des Portfolio in die Folie geschoben. Beim umblättern der letzten Seite scheint es durch.

Es ist das geschwungene Sportzentrum, das Ulla, Daniel und ich in einem langen harten Kampf geplant haben. Jede Woche musste ich das Modell am Computer neu bauen und etliche Versuchsmodelle anfertigen. Das Abgabemodell brach einen Tag vor der Abgabe zusammen und ich baute in der Nacht noch ein neues aus Draht.

Dieses Projekt zieht Chris also aus der Folie und sagt „Das ist genau das, was wir sehen wollen“. Er steckt es einfach vor eines der anderen Projekte und die Sache ist geklärt.

Auch die anderen Projekte finden sie nicht schlecht. Sie hätten schon viele schlimme Mappen gesehen, das hier sei keine davon.

Wir kommen noch auf mein Gehalt zu sprechen. Am liebsten würden sie mir wohl gar nichts bezahlen und erzählen von Studenten aus der Schweiz, die sogar während dem Studium schon Geld sparen, um dann nach Sydney zu kommen.

Also muss ich erklären, dass ich aber Geld zum leben brauche. Schließlich können wir es uns nicht leisten, mit Minus aus der Arbeitszeit zu gehen. Null wäre erträglich und plus wäre wesentlich besser.

Mehr bezahlen könnten sie mir, wenn ich länger bliebe. Denn ich muss ja erst mal eingearbeitet werden. Oder vielleicht möchte ich meinen Master in Sydney machen?

Ich muss ablehnen, denn das passt vom Zeitplan her nicht. Wir möchten schließlich wirklich Mama und Pino an Weihnachten in Kanada treffen. Ich kann höchstens versuchen Kanada noch ein oder zwei Wochen nach hinten zu schieben.

Leider bin ich ziemlich unbeholfen, was das Verhandeln angeht. Ich habe keine Ahnung, was ich „wert“ bin. Da es mir so vorkommt, als habe ich im Studium nicht viel gelernt, bestehe ich einfach nur darauf, dass ich meine Lebenshaltungskosten werde decken können müssen.

Wir einigen uns darauf, dass mein genaues Gehalt in der ersten Arbeitswoche festgelegt wird. Da es scheint, als sei geklärt, dass ich hier arbeiten kann, frage ich, ob ich jetzt nicht langsam gehen soll. Weil sie sich ja schon so viel Zeit für mich genommen haben und doch die Abgabe noch fertig machen müssen. Wobei das ja die Mitarbeiter tun, die unten fleißig an ihren PCs sitzen.

Das belustigt sie. Ob ich es eilig habe? Nein, eigentlich nicht. Also reden wir noch ein wenig.

Dann gehen wir alle zusammen nach unten, abspülen soll ich wirklich nicht. Vielleicht im Juni.

Damit ist es abgemacht. Ich soll mich nur mal vorher melden, ob wirklich alles in Ordnung ist. So eine Weltreise ist ja nicht ganz ungefährlich.

Händeschütteln und dann gehe ich wieder zum Bus.

Ich kann es noch gar nicht fassen. Einmal mehr geht ein Traum in Erfüllung. Nur zwei Dinge trüben das Wasser ein wenig: Ich dachte, dass ich vielleicht finanziell mehr zur Reise würde beisteuern können und andererseits habe ich Schiss. Denn ich möchte unbedingt gut sein, weiß aber schon jetzt, dass ich mich unterwegs nur mäßig werde vorbereiten können.

Erst mal schiebe ich diese Gedanken genau wie meine Freude zur Seite und sehe zu, dass ich den richtigen Bus zurück zu Dario erwische. Er freut sich für mich, ist aber natürlich auch ein wenig traurig, dass er selbst keine feste Zusage hat. Aber wir wissen ja, dass er jederzeit etwas bekommen wird.

Obwohl ich versuche mich zu entspannen, bin ich immer noch ganz kribbelig. Ich habe meine erste Arbeitsstelle nach dem Studium.

Eine unfreiwillige Nacht in Sydney

Wir machen uns auf den Weg zum Autoverleih. Er liegt etwas außerhalb, nahe des Flughafens. Dort angekommen müssen wir noch kurz warten, bis jemand Zeit für uns hat. Ich nutze die Gelegenheit die anderen Backpacker anzusprechen, die ebenfalls herumstehen. Zwei Mädels haben gestern einen Wagen geliehen und sind heute zurückgekommen, weil sie Nachts eine Maus in den Eingeweiden des Vehikels gehört haben. Nun sind die Mitarbeiter dabei, nach dem Tier zu suchen.

Dann versuchen wir den Wagen zu bezahlen.

Fehlanzeige.

Erstens: Das Geld, das Dario mir schon vor einer Woche überwiesen hat, ist nicht angekommen.

Zweitens: Seine Bank hat unserer Anweisung nicht entsprochen seine Karte für höhere Beträge freizuschalten und er kann trotz Geld auf dem Konto nicht bezahlen.

Drittens: Obwohl am Ende nur noch knapp hundert Dollar fehlen, weigert sich der Verleih uns den Wagen auszuhändigen. Obwohl wir natürlich morgen vorbeikommen und bezahlen würden.

Gut, wir hätten vielleicht schon vor Tagen anfangen sollen Bargeld abzuheben, aber wir hatten ja eigentlich alles geregelt und mit solchen Komplikationen überhaupt nicht gerechnet.

Ich telefoniere natürlich mit meiner Bank. Die kann da aber nichts machen, denn irgendwas stimmt bei der Kontozuordnung nicht und wir sollen nochmal eine Mail mit den Überweisungsdaten schicken.

Dario telefoniert auch mit dem Notfallservice seiner Bank, der kann aber auch nichts machen. Das kann nur die Filiale bei ihm zuhause. Und die macht erst auf, wenn der Autoverleih schon geschlossen hat. Wir sind schließlich auf der anderen Seite der Welt.

Ich könnte versuchen, mit meiner EC-Karte irgendwo Geld abzuheben, aber hier gibt es weit und breit keinen Geldautomaten. Und bis wir zu einem gefahren und wieder zurück sind, wäre der Verleih auch zu.

Scheiße!

Wir beschließen das einzig Mögliche: Unsere Banken beschimpfen, den Autoverleih beschimpfen, auf uns selbst sauer sein und eine weitere Nacht in Sydney verbringen.

Ich rufe bei dem Architekturbüro an, das mir Sonjas Freundin vermittelt hat. Dort hätte ich heute eigentlich auch noch ein Vorstellungsgespräch. Ich weiß zwar schon, dass ich bei L-A-V-A arbeiten werde, aber Dario bestärkt mich trotzdem das Gespräch wahrzunehmen. Man lernt schließlich immer etwas und wer weiß, ob L-A-V-A es sich nicht noch anders überlegt. Auch wenn ich das nicht glaube.

Es ist kein Problem den Termin auf morgen zu verschieben.

Wir fahren wieder in die Stadt. Unser Gepäck lassen wir größtenteils beim Autoverleih. Wo wir übernachten, wissen wir noch nicht. Bei Sonja wollen wir auf keinen Fall noch ein drittes Mal auftauchen. Sie würde uns zwar sicher aufnehmen, aber sie hat einfach schon zu viel für uns getan. Unsere Würde hat schon schwer genug damit zu schaffen, dass wir das Auto nicht bezahlen konnten.

Ich nutze die verzögerte Abreise, um mir noch das „Olio“ anzuschauen. Ein Restaurant, dass L-A-V-A kürzlich fertiggestellt hat. Mit fließenden Formen und weichem Licht in Kombination mit alten Backsteinwänden und hölzernem Mobiliar verfügt es über eine tolle Atmosphäre. Entsprechend voll ist es.

Da wir gerade ja mal wirklich kaum noch Geld haben (zumindest keines, auf das wir heute zugreifen können), kaufen wir uns alles für eine Brotzeit und dinieren mit Blick auf Gehrys Backsteinkunstwerk. Das „Dr Chau Chak Wing Building“ (2015), auch gerne „paperbag“ genannt.

 

Dann machen wir es uns im Park gemütlich und überlegen, wie wir weiter vorgehen. Ich habe zwar vorhin ein paar Couchsurfer angeschrieben, aber so kurzfristig hat niemand geantwortet.

Mit unserem restlichen Geld könnten wir uns wahrscheinlich höchstens einen Bett im Dorm eines Backpackerhostels leisten und dafür ist es uns eigentlich zu schade.

Schließlich entscheiden wir uns: Wir gehen ins Kino.

Wir schauen „Ghost in the Shell“, ein Film bei dem das Bewusstsein von Menschen in einen Roboterkörper verpflanzt wird, um perfekte Waffen zu erschaffen. Der Film ist spannend (genug Action für Dario) und beleuchtet sowohl die guten als auch die schlechten Seiten eines solchen Daseins (gerade genug Geschichte für mich).

Die Nacht verbringen wir im Park auf einer gemütlichen Bank mit Tisch. Dario klärt alles mit seiner Bank und ich schreibe nochmal L-A-V-A und bedanke mich für das gute Gespräch. So denken sie hoffentlich daran mir bald ihre Zusage per Mail zu bestätigen.

Irgendwann morgens wecke ich Dario und nun bin ich mit Schlafen dran.

 

Out of Hand

Als es spät genug ist um aufzustehen, gehen wir erst mal zum Geldautomaten und heben das restliche Geld fürs Auto ab. Es funktioniert.

Dann besuchen wir im Powerhouse Museum die Austellung „Out of Hand“. Auch eine Empfehlung von Chris. L-A-V-A hat die Ausstellungsfläche gestaltet. Das Thema ist die Materialisierung des Digitalen.

Sowohl Design als auch Exponate gefallen uns ausgesprochen gut und wir sind traurig, dass wir das Auto abholen müssen. Auch den Rest des Museums würden wir gerne sehen. Wir könnten hier viel mehr Zeit verbringen. Das kommt auf die Liste für unsere Rückkehr im Juni.

Aber immerhin haben wir knapp eine Stunde, um die Ausstellung zu erkunden.Und zu entdecken gibt es hier in der Tat so einiges:

 

Oribotics (Matthew Gardiner, 2010)
Diese Blüten wechseln die Farbe und öffnen sich, wenn man sich ihnen nähert!

Who This Am (Kijin Park, 2014)
Ein besonderes Werk ist dieser Papierstapel mit dem Becher obenauf.
Der Becher ist ein 3D-Druck und die Seiten sind mit all den Nullen und Einsen bedeckt, die die Form des Bechers für den 3D-Drucker beschreiben. Eine ordentlich Menge.

Von den Lochkarten des Jacquardwebstuhls bis zum 3D-Drucker.

Quin.MGX Lamp (Bathsheba Grossman)
Lampe aus lasergesintertem Polyamid.

KiLight (François Brument und Sonia Laugier, 2011)
Formen aus Bewegung – Dario erzeugt durch Handbewegungen Lampenschirme.
Daneben hängen einige Ergebnisse aus lasergesintertem Polyadmid.

 

Modell des Opernhauses (1961-65).
Dieses Modell des Opernhauses besteht aus einer Teilkugel, die durch gleichmäßige (3,65°), vom höchsten Punkt ausgehende Linien unterteilt wird. Herausgeschnitten sind vier unterschiedlich große Teile, die aneinandergereiht die Form des Opernhauses ergeben.

Die Linien zeigen die Rippenstruktur der Konstruktion.
Es dauerte Jahre eine Konstruktion zu entwickeln, mit der die Formvisionen des Architekten Jørn Utzon realisiert werden konnten.
Den Ausstellern zufolge war das Opernhaus das erste Gebäudedesign, für dessen Realisierung Computer notwendig waren.

Heute gibt es viele Gebäude, deren Realisierung ohne Computertechnologie undenkbar wären. Oder deren Form gar durch Algorithmen (Parametrisches Design) gefunden wurde. Interessate Bauten zu diesen Themen gibt es viele, zum Beispiel die ICD/ITKE Research Pavilions der Universität Stuttgart, oder auch der Metropol Parasol in Seville.

 AnatomicsAcrylic Custom Cranial Implant, (Courtesy of Anatomics, 2016)
 
linker Tisch:    Cinderella Table (Demakersvan, 2005)
                      Birkensperrholz, CNC gefräst
rechte Tische:  Louis Occasional Tables (Gareth Neal, 2010)
                       Eiche, CNC

 

 

Ja 552354454 (Chris Bathgate, 2014)
Futuristisch und elegant erscheinen diese Gebilde aus Aluminium, Bronze und Edelstahl.
Sie sind  CNC-bearbeitet.

Hal (Faig Ahmed, 2016)
Diese Teppiche haben ihren ganz eigenen Reiz 😉
Sie sind allerdings nur digital entworfen. Hergestellt werden mussten sie von Hand.

Auch die Mode folgt dem Ruf der Digitalisierung.
Im Bild vorne rechts: InBloom Dress (XYZ Workshop, 2014) aus kompostierbarem Plastik 3D-gedruckt.

Vase#44 (François Brument und Sonia Laugier, 2008) 
Macht man ein Geräusch in das hängende Mikrofon auf der linken Seite des Bildes, formt sich aus dem Stimmmuster eine Vase.
Diese kann dann mit einem 3D-Drucker hergestellt werden.
Dieses interaktive Exponat sorgt immer wieder für ein gewisses Lärmaufkommen. Singend, pfeifend, grunzend und lachend gestalten wir einige mehr und einige weniger wohlgeformte Vasen.

Machine von AW Standfield & Co (1942-3)
Dieses Gebilde ist eine Machine zur Herstellung von Mausefallen. Bis zu ihrer Versetzung in den Ruhestand im Jahr 2000 hat sie 94 Millionen Mausefallen hergestellt.

ParaNorman (Animationsstudio LAIKA, 2012)
Erst wollten wir den Aufwand ja gar nicht glauben, aber für den Film ParaNorman wurde jeder einzelne Gesichtsausdruck der Charaktere 3D-gedruckt. Und den Aufwand die ganzen Szenen zu stellen möchte ich mir gar nicht vorstellen.

L’Artisan Électronique (Unfold und Tim Knapen, 2010)
Diese virtuelle Töpferscheibe fasziniert Dario ganz besonders. Immer und immer wieder streckt er seine Hand in den Laserstrahl und formt virtuelle Vasen auf dem Bildschirm. Es ist eine echte Herausforderung ihn von diesem Spielzeug wieder fort zu bekommen!
Auch diese Werke können von einem 3D-Drucker hergestellt werden. Statt Plastik wird in diesem Fall Ton aufgespritzt. So werden traditionelle Herstellungstechnik und hochmoderne Technologie verknüpft.

 

Campervan im fortgeschrittenen Zerfallsstadium

Mit dem Bus geht es danach wieder zum Autoverleih. Diesmal dauert es nur wenige Minuten, bis wir fertig bezahlt haben, aber über eine halbe Stunde, bis wir die Karre schließlich haben. Eine Karre ist es wirklich. Ein weiß übertünchter Altwagen vom Autoverleiher „Jucy“. Das typische Grün schimmert an einigen Stellen noch durch.

Das Handschuhfach hat keine Klappe mehr und unter dem Bezug der Türen spürt man kaputtes Plastik. Die Bretter für‘s Bett sind etwas verzogen, aber funktionstüchtig. Außen sind etliche Kratzer. Alles in allem: brauchbar. Aber dass wir für dieses Ding 60 Dollar pro Tag bezahlen ist schon eine Frechheit.

Was uns allerdings sofort positiv auffällt: Es gibt kein einziges Zeichen, dass auf einen Autoverleih hinweist. Kein auffälliges Spray, keine Aufschrift, kein Logo. Perfekt um unerlaubt überall zu übernachten ohne aufzufallen.

Wir düsen los.

Müdes Übungsgespräch

Diesmal sind wir pünktlich für mein Bewerbungsgespräch. Das Büro liegt etwas außerhalb der Stadt in einer alten Keksfabrik. Die Leute, vor allem die Dame die mich interviewt, sind alle ausgesprochen sympathisch und ich finde es schade, dass ich nicht in beiden Büros arbeiten kann. Aber hier interessiert mich der Stil einfach zu wenig. Die Bücher im Regal deuten allerdings auf gemeinsame Interessen hin, da viele meiner Lieblinge darunter sind.

Leider bin ich so müde, dass ich nicht so viel mitnehme, wie ich gerne würde. Trotzdem ist das Gespräch nett und sehr interessant. Meine Mappe wird sogar richtig gelobt und am Ende sagen sie mir, dass bestimmt auch bekanntere Büros mich gerne nehmen würden.

Das macht mir eine Absage natürlich einfacher. Allerdings werde ich damit noch mindestens eine Woche warten. Sie sagen mir sogar, dass sie mich auf jeden Fall nehmen würden und ich mich einfach kurz vorher melden soll, falls ich das möchte. Wieder im Auto kann ich endlich richtig entspannen. Wir fahren noch Darios Surfboard abholen, dass er übers Internet gebraucht gekauft hat und dann geht die Fahrt endlich richtig los.

Wenn auch heute nicht sehr weit, denn wir sind ja beide ganz schön müde.

Melbourne bis Sydney

Tag 132 – 137 (21. – 26.02.2017)

Der Bus fährt über Nacht, sodass wir morgens um sieben in Melbourne sind.

Jakob ist schon am Busterminal und erwartet uns. Wir packen alles in seinen Wagen und fahren los. Noch Tanken und Einkaufen, dann kann die Fahrt wirklich beginnen.

Philip Island – (keine) Koalas und Pinguine

Wir statten Phillip Island einen Besuch ab. Hier soll es besonders viele Koalas geben und jeden Abend eine Pinguin-Wanderung.

Allerdings stellt sich bereits an der Tourist-Information heraus, dass die meisten Dinge unverschämt viel Geld kosten. Nur das Frisbee-Golf ist günstig. Man muss lediglich fünf Dollar hinterlegen.

Frisbee-Golf

Also gehen wir Frisbee-Golf spielen. Eine ganz neue Erfahrung für uns: Jeder hat eine Frisbee und man geht durch einen Parcours der angelegt ist wie eine Minigolfanlage. Nur, dass es statt Löchern Körbe mit Netzen gibt, in welche man die Frisbee befördern muss. Zudem sind die Distanzen natürlich viel weiter und als Hindernisse gibt es Bäume und Büsche. Immer mal wieder verschwindet auch eine der Frisbees im grünen Geäst und dann heißt es für den Werfer suchen oder mit einem langen Stecken danach angeln. Jedesmal zur enormen Erheiterung der anderen.

#Kommentar Dario: Ein langer Pass, eine Windböe und das Frisbee trudelt langsam von seinem Kurs ab und landet im nächsten großen Busch. Mit einem Stecken stochere ich eine Weile darin herum und als eine Menge Getier auf mich fällt, bekomme ich eine heiden Panik und springe unter den Ästen hervor. Elisabeth und Jakob lachen mich aus. NICHT LUSTIG! #

Es macht richtig Spaß und wir liefern uns gleich zwei Wettkämpfe.

 

Danach gehen wir zum Kochen in einen kleinen Wald, wo es die Koalas geben soll. Während die Jungs anfangen das Abendessen zu präparieren, mache ich einen Spaziergang.

Wallabys

Koala sehe ich keinen einzigen, dafür Wallabys! Das sind Tiere, die aussehen wie ganz kleine Kängurus. Total süß und hüpfend.

Nach dem Abendessen wollen wir uns die Pinguine anschauen, aber dafür wird Eintritt verlangt und zwar nicht zu wenig. Wir versuchen anders an den Strand zu kommen, haben aber keinen Erfolg. Schade.

Ab auf den nächsten kostenlosen Campingplatz. Wir bauen unser Zelt auf, Jakob schläft im Auto.

Sandkunst

Am nächsten Tag statten wir dem Wilsons-Promontory-Nationalpark einen Besuch ab. Der Strand ist wunderschön, das Meer ebenfalls. Ich möchte Schnorcheln gehen, Dario aber noch nicht, also erledige ich ein paar Dinge am Handy.

Dario beginnt, den Sand zu formen und ein Kunstwerk zu kreieren. Jakob beginnt irgendwann ihm zu helfen und als ich endlich fertig bin, mache ich zum Abschluss auch noch mit.

Die anderen Touristen sind begeistert und knipsen die ganze Zeit, sodass wir es richtig schwer haben, selbst ein schönes (menschenfreies) Foto zu machen.

Zum Schnorcheln kommen wir nicht mehr, sind aber trotzdem sehr zufrieden.

                 

 

Regen

Als wir am folgenden Tag aufwachen, regnet es. Wir suchen uns eine Bibliothek und arbeiten am Computer, schauen Filme und Spielen. Dario meldet sich beim Restaurant und erfährt, dass sie ihn nehmen falls es eine freie Stelle gibt. Das allerdings werden sie erst einen Monat vorher wissen.

Also bewirbt er sich noch bei ein paar weiteren Restaurants.

 

Pflanzen und große Hüpfer

Die nächsten Tage verbringen wir sehr entspannt.

Wir spazieren durch einen botanischen Garten. Die sind in Australien übrigens immer kostenlos. Er ist nicht übermäßig spektakulär, aber wir lernen einiges über die hiesige Flora. Auch sehen wir zum ersten Mal echte Kängurus. Also die großen Hüpfer. Sie sind unglaublich faszinierend.


Abends kochen meist die Jungs, während ich das Zelt aufstelle.

 

Und die Jungs buddeln

Dario kauft eine Schaufel und wir verbringen den Tag am Strand. Ich recherchiere ein wenig, genieße die Sonne und zeichne. Die Felsen haben eine sehr schöne Struktur.

Dario und Jakob beginnen zu buddeln. Da der Sand nicht zum Bauen taugt, graben sie einfach nur ein tiefes Loch.

# Anmerkung Dario: Im Nachhinein betrachtet ganz schön sinnlos… #

Auf diese Art kommen allerdings schön die verschieden Schichten des Sandes zum Vorschein.

#Kommentar Dario: Mit jedem Spatenstich wird das Loch tiefer. Eine Frau kommt vorbei und fragt: „Ist das euer Ernst“. Bei genauerer Betrachtung fällt uns auf, dass wir den Graben genau vor dem einzigen Zugang zum Strand gezogen haben.

Lustig.

Die Frau schaut uns verärgert an, zieht aber ohne einen weiteren Kommentar zu geben von dannen. Jakob und ich grinsen verschmitzt. Es war bestimmt nicht unsere Intension armen Menschen den Strandzugang zu erschweren.#

Labyrinth

Als wir endlich wieder einen Strand mit Bausand finden, bauen wir zum ersten Mal alle zusammen. Da der Sand nur bedingt hält, können wir aber keine hohen Elemente bauen und entscheiden uns für ein Labyrinth. Ich bin erstaunt, wie leicht es mir fällt eines in den Sand zu zeichnen. Waldorfschüler halt 🙂

Wir fiebern der Fertigstellung entgegen, da die Sonnen schon tief steht und die Flut unser Werk bedroht. Doch wir schaffen es und können schließlich dem Weg durch den Sand folgen. Es ist zauberhaft, die Wellen rauschen und der Himmel ist zartrosa.

 

Sydney No. 1

Erster Aufenthalt in Sydney
Tag 126 – 131 (15. – 20.02.2017)

Wir müssen in Brisbane umsteigen. Ja, das macht die Reisezeit doppelt so lange und wir haben es auch erst gestern durch einen Anruf bei unserem Reisebüro erfahren.

Zudem haben wir nicht mal zwei Stunden, müssen unser Gepäck abholen, neu einchecken und vom internationalen zum den nationalen Terminal wechseln.

Hundeagent im Einsatz

Da wir Gewürze (darunter frische Blätter) dabeihaben, müssen wir durch den gründlicheren Check. In Brisbane bedeutet das: Mit den anderen Personen in einer Reihe hintereinander aufstellen und Gepäck vor sich auf den Boden legen. Dann läuft ein Mitarbeiter mit einem Hund vorbei. Und dieser schnüffelt sich am Gepäck entlang, bis er etwas Verdächtiges riecht und setzt sich dann hin.

Natürlich setzt er sich bei uns hin. Die Blätter duften intensiv. Doch wir haben sie daher auch extra in die gut erreichbare Außentasche gestopft und können sie nun leicht herausgeben. Die Tatsache berücksichtigend, dass wir nur sehr wenig Zeit zum Umsteigen haben, werden unsere Taschen auch nicht weiter behelligt. Glück gehabt. Wir eilen weiter.

No worries, that‘s still enough time“ („Macht euch keine Sorgen, das ist noch immer genug Zeit), lassen uns die Flughafenmitarbeiter wissen. Doch als wir am Check-in-Schalter ankommen sind wir gar nicht für den Flug eingetragen. Der Mann am Schalter muss etliche Male telefonieren, bis alles geklärt ist.

Schließlich dürfen wir einchecken und mit dem nächsten Bus zum nationalen Terminal fahren. Alles etwas stressig, doch es klappt. Noch durch die Kontrolle, dann zum Gate und endlich haben wir es geschafft. Wir fliegen nach Sydney.

Wo bist du, Blauer?

Als wir unser Gepäck abholen wollen, fehlt mein Rucksack. Am Serviceschalter wird mir mitgeteilt, dass er den Flug „verpasst“ hat und mit dem nächsten in etwa zwei Stunden kommt. Ich telefoniere mit Sonja, unserer Gastgeberin hier in Sydney, um herauszufinden ob jemand zuhause ist. Für den Fall, dass der Rucksack vor uns ankommt.

Dann gebe ich ihr Haus als Lieferadresse an und wir machen uns mit nur einem Gepäckstück auf den Weg in die Stadt. Eigentlich ganz angenehm. Wir laufen ein Stück, da die Flughafenhaltestellen ja bekanntlich die teuersten sind und wollen schließlich den Bus nehmen. Doch leider geht das in Sydney nicht mit Bargeld, sondern nur mit einer speziellen Karte.

Und die gibt es nicht im Bus zu kaufen, sondern in verschiedenen Läden. Der nächste ist fast einen Kilometer entfernt. Ich lasse Dario mit dem Rucksack an der Haltestelle sitzen und laufe los.

Der Laden verkauft die Karten aber nicht mehr, vielleicht der nächste? Nein, auch der nicht. Aber der dritte. Mittlerweile sind es eher zwei Kilometer. Da hätte ich fast gleich in die Innenstadt laufen können.

Wir fahren ins Zentrum und kümmern uns erst mal um das Wichtigste: Eine australische SIM-Karte für‘s Handy. Das dauert eine Weile. Dann kaufen wir noch Lebensmittel ein, damit Dario kochen kann. Das haben wir unseren Gastgebern angeboten.

Endlich können wir weiter, wieder etwas aus der Stadt hinaus. Mit dem Bus geht das ganz gut, nur dass die Busnummern in Googlemaps und auf den Bussen nicht ganz übereinstimmen und wir dadurch etwas länger benötigen.

So ist der Rucksack lange vor uns da.

Freunde von Freunden werden Freunde – unser Zuhause in Sydney

Vor dem Haus treffen wir schon Matt, Sonjas Ehemann. Er erkennt uns natürlich zuerst – am großen Rucksack. Drinnen treffen wir dann auch den Rest der Familie: Sonja, Alyssa, Kai und die österreichische Nanny.

Prima, alle sind sehr sympathisch, wir dürfen das Gästebett in Sonjas Atelier haben und fühlen uns sofort pudelwohl.

 

Wir bleiben fünf Nächte bei der Familie und genießen es nach langer Zeit mal wieder Teil einer solchen zu sein. Das letzte Mal waren wir an Weihnachten bei einer Familie mit Kindern.

Ich vermisse unsere Familien.

Reisen ist wundervoll, abwechslungsreich und so spannend, dass wir nur selten so etwas wie Heimweh haben. Aber zuhause warten so viele liebe Menschen auf uns, dass wir stets mit Freude an unserer Rückkehr denken. Es ist schön zu wissen, dass die Weltreise nicht ewig dauern wird.

Wenn wir nicht gerade mit den Kindern spielen, setzen wir unsere Jobsuche am Computer fort. Sonja stellt uns netterweise ihren zur Verfügung, sodass wir nicht ins Internetcafé gehen müssen.

Bewerbungsfrust

Da ich bisher von keinem Büro eine Antwort bekommen habe, schreibe ich noch ein oder zwei weitere an. Es gibt ein paar kleinere und ein paar größere Büros bei denen ich mir vorstellen könnte zu arbeiten. Aber ich bin ganz schön wählerisch.

Am liebsten wäre mir L-A-V-A, Laboratory for Visonary Architecture. Gegründet von drei Deutschen hat es mittlerweile Büros in der ganzen Welt und dort wird entworfen und gebaut wovon ich träume. Allerdings gibt es auf deren Website ein allgemeines Bewerbungsformular, unter welchem steht: Minimum requirements: creative protfolio, work experience, outstanding design, documentation and organisation skills , software knowledge: adobe suite, autocad, rhino and grasshopper, max or maya; masters or equivalent. applicable working visa.

Im Moment sieht das bei mir so aus: creative protfolio (notdürftig in einem kostenlosen Programm zusammengeschustert), work experience (nur Praxissemester), outstanding design (Definitionssache, meiner Ansicht nach eher unzulänglich), documentation and organisation skills (ansatzweise vorhanden), software knowledge: adobe suite, autocad, rhino and grasshopper, max or maya; masters or equivalent. applicable working visa (noch nicht mal beantragt). Ich kann zwar mit diversen anderen Programmen aufwarten, aber die sind hier nicht gefragt.

Dementsprechend schicke ich diesem Büro keine Bewerbung, sondern behalte es erst mal als Wunschtraum im Hinterkopf.

 

Dario bekommt einen Probetag im Quai zugesagt,  einem der besten Restaurants Sydneys und gleichzeitig einem der besten der Welt. Er schreibt zurück, dass er leider nur ein Messer und keine Klamotten für die Küche dabei hat und fragt, ob er diese von ihnen gestellt bekommt.

Die Antwort: „hello Dario… there is no point coming in if you do not have your chef‘s uniform..“ (frei übersetzt: Ohne deine Kochausrüstung brauchst du hier nicht auftauchen).

Er ist völlig fertig mit der Welt, hatte er sich doch schon so über die Zusage gefreut.

Da wir nicht wissen, wie wir reagieren sollen, erkunden wir erst mal die Stadt.

Erkundung Sydneys

Die Sydney Harbour Bridge bietet schöne Ausblicke über den Hafen und auf das Opernhaus. Mit einer geführten Tour kann man sogar den Bogen erklettern. Der stolze Preis von 250-400$ pro Person (je nach Wochentag und Zeit) macht dies jedoch wenig schmackhaft. Wir überlassen das Klettern den Chinesen.

Lieber gehen wir weiter zum Opernhaus. Es ist ehrlich gesagt das einzige, was ich in Australien wirklich sehen will. Und ich freue mich schon lange darauf.

Es ist wirklich beeindruckend, mit seinem fantastischen Dach dessen über 1,5 Millionen Fließen das Licht der Sonne reflektieren. Der dänische Architekt Jørn Utzon hat einen Traum geschaffen.

     

Schade ist nur, dass er ihn nicht fertig träumen durfte. Die Realisierung eines solchen Pionierprojektes führt unweigerlich zu Komplikationen. Dies führte schließlich zu einer Sperrung der Gelder für Utzon, sodass er seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen konnte und schließlich die Baustelle verließ. In der Annahme, er würde zurück gebeten werden. Doch das war nicht der Fall.

Utzon hat sein Werk nie vollendet gesehen.

Wir dagegen haben es nun gesehen und sind wie viele andere schockiert. Unter der Traumhülle steckt eine große Enttäuschung. Der Haupteingang erinnert mehr an eine Tiefgarage, denn an ein Aufführungshaus. Das Foyer mit den Ticketschaltern ist klein und langweilig. Da sind die Bäder schon interessanter.

              

Die Säle schauen wir uns diesmal allerdings nicht an, ich möchte eine Führung mitmachen und eine Aufführung besuchen, wenn wir zum Arbeiten wieder hier sind.

Anzumerken ist allerdings noch, dass es mittlerweile einen von Utzon gestalteten Raum gibt. 1999 wurde er gebeten, sich an der zukünftigen Gestaltung des Innenraums zu beteiligen. Auch weitere Renovierungen werden nun in seinem Sinne umgesetzt.

Der Botanische Garten hinter dem Opernhaus gefällt uns auch gut. Allerdings beginnt es zu Gewittern, während wir in ihm herumspazieren und wir suchen uns einen Unterstand, von dem aus wir den Blitzen bei ihrem Spiel mit den Wolkenkratzern zusehen können.

# Kommentar Dario: Wir kuscheln uns an eine stachelige Palme, während der Regen immer dichter wird. Nach einigen Minuten sehen wir an den Farnen kleine, sich bewegende Fäden. Bei näherer Betrachtung finden wir heraus, dass sich aus allen Ecken Blutegel dem Wasser entgegenstrecken. Vorsichtig weichen wir vor allem Geäst zurück. Jetzt wird uns klar, dass wir im Land der Extremen und der giftigen Kreaturen angekommen sind. #

In das allgemein als „Aurora Place“ bezeichnete Hochhaus von Renzo Piano kommen wir leider nicht rein. Der offizielle Name lautet RBS Tower und ich habe den Architekten sofort an den Terrakotta-Kacheln der Fassade erkannt.

Dafür ist es umso einfacher, die UTS Business School (auch „Paperbag Building“ genannt) von Frank Gehry zu erkunden. Da wir im gleichen Alter wie die meisten der Studenten sind, fallen wir überhaupt nicht auf. Die geschwungene Ziegelfassade gefällt uns prima und auch der Innenraum findet im Großen und Ganzen unsere Zustimmung.

 

Unterwegs sammeln wir jede Menge eindrücke. Sydney hat ein Bisschen von allem. Reich und Arm, Restaurants aus jedem Winkel der Welt. Ein Bisschen Bangkok und ein wenig Berlin. Und alles, was man kaufen kann, ist viel zu teuer.

  
Wie es der Zufall will

Abends kocht stets Dario und wir verbringen Zeit mit Sonja und ihrer Familie.

Auch in Sonjas ehemaligen Laden, den CakeShop „Kiss me Cake“ gehen wir einmal mit. Sie hat ihn gerade erst verkauft und arbeitet noch dort, da die neuen Besitzer vollkommen überfordert sind.

Eine von ihnen ist auch Architektin und versichert mir Bescheid zu geben, falls sie von einer Stelle für mich hört.

Während wir gemütlich einen großen Brownie futtern, bewundern wir die Bilder, die den Raum zieren. Sie zeigen hauptsächlich (Feen)Kinder und sind in einem sehr fröhlichen, geradezu schwebend leichtem Stil gemalt.

Die Künstlerin hat ihr Atelier direkt hinter dem Raum und wir können ihr zusehen, wenn wir durch die Tür spähen. Früher waren Atelier und Cake-Shop getrennt, doch die beiden Frauen verstanden sich so gut, dass sie irgendwann beschlossen ihre Räumlichkeiten zu verbinden.

Wir schwatzen ein wenig mit Georgina, der Künstlerin. Dabei stellt sich heraus, dass ihr Mann Köche an renommierte Restaurants vermittelt. Sie ruft ihn sofort an und fragt nach, ob Darios Vorgehen bei der Jobsuche Sinn macht, oder ob er eigentlich erst suchen sollte, wenn wir im Juni wieder in Sydney sind. Er sagt, so wie jetzt zu suchen sei schon nicht verkehrt, aber falls Dario vor Juni keine Zusage bekommt, kann er sich gerne bei ihm melden.

Irgendwer sucht immer und Dario braucht sich keine Sorgen zu machen. Er wird jederzeit einen Job in einem guten Restaurant bekommen.

Wir erzählen ihr und Sonja auch von der Antwort des Restaurants. Die beiden sehen das jedoch viel lockerer als wir.

Sonja hat noch Kochuniformen aus der Gründungszeit des Cake-Shops, die sie dann nie getragen hat, weil der Laden zu klein und persönlich für Uniform war. Die gibt sie Dario.

Und er antwortet auf die Mail, die wir schon als Absage gewertet hatten: „Now I‘ve got an uniform. I‘m looking forward to work again and would be happy to come for a trial day as soon as possible. Tomorrow or the day after tomorrow would be great.“ (also dass er nun ausgestattet ist und gerne Probearbeiten möchte).

Er bekommt eine Zusage.

# Kommentar Dario:  Ich freue mich wie ein Honigkuchenpferdchen darüber.#

Shopping-Labyrinth – die Chatswood Mall

Ich biete mich an einkaufen zu gehen und besorge Dario auf den letzten Drücker noch zwei weitere Messer, Haarspray und Deo. Zudem Schnorchel Equipment und alles für‘s Abendessen. Als ich endlich das Shoppingcenter gefunden habe, beginnt eine Odyssee in dem riesigen Gebäude. Es besteht aus zwei Teilen, die nur in jeder zweiten Etage miteinander verbunden sind und keiner der Ladenbesitzer scheint sich wirklich auszukennen.

So laufe ich zehn Minuten, bis ich den genannten Laden für die Messer gefunden habe. Nur um festzustellen, dass sie hier 150$ kosten. Dabei braucht Dario doch diesmal nur ganz billige. Ich finde sie schließlich in einem winzigen Laden, den mir jedoch niemand genannt hat, sondern den ich zufällig im Vorbeieilen entdecke. Kaum 10$ für beide, das ist schon eher die richtige Preisklasse.

Ich hasse riesige Einkaufszentren!

 

Pläne für die nächste Zeit

Dario schreibt Jakob an und fragt, wo er gerade ist. Jakob haben wir in Neuseeland am Hot Water Beach kennen gelernt. Er antwortet, dass er mittlerweile in Melbourne ist. Wir beschließen spontan zu ihm zu fahren und verabreden uns für in drei Tagen.

Zudem buchen wir einen Campervan für die Tour an der Ostküste, den wir am 01.März abholen werden.

 

Getrennte Wege (für einen Tag)

Am nächsten Morgen fährt Dario zu seinem Probetag in Sydneys bestem Restaurant.

Und ich beginne weiter zu recherchieren. Da Wochenende ist, sind aber alle zuhause, was meine Bemühungen erschwert.

So beschließen wir mittags einen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt zu machen. Die ganze Familie und ich. Da kann ich natürlich nicht widerstehen. Wir spazieren auf einem schmalen Weg durch den australischen Wald, der quasi eine Straße weiter beginnt. Matt stochert mit einem Ast am Wegesrand um Schlangen zu verscheuchen.

Unterwegs treffen wir eine Freundin von Sonja, die ihr früher im Cake-Shop geholfen hat. Sie ist auch Architektin und ihr Büro sucht gerade neue Mitarbeiter. Sie bietet an, mir die Kontaktdaten zu übermitteln, sodass ich mich bewerben kann.

Das ist nun zwar weit weg von meinem Traumbüro, aber trotzdem sehr motivierend. Da Dario ja auf jeden Fall einen Job bekommen wird, möchte ich auch arbeiten. Also werde ich mich wohl bewerben.

Eigentlich weiß ich aber ganz genau, wo ich arbeiten möchte.

Vielleicht bekomme ich deswegen auch keine Rückmeldungen. Weil die Büros genau merken, dass sie nicht meine Wunschadresse sind. Nur bei einem kleinen Büro kann ich noch überzeugend vermitteln, dass ich gerne bei ihnen arbeiten würde. Sie entwerfen und bauen sehr schöne, einfache Häuser.

Am Abend rede ich noch eine Weile mit Sonja, wie oft, wenn alle anderen schon im Bett sind. Ich erzähle ihr von meinen Überlegungen. Dass ich nicht weiß, ob es bei Büros vielleicht gut wäre einfach hinein zu spazieren und sich vorzustellen. Oder ob telefonieren besser ist. Oder einfach warten. Wobei ich mir da wenig Hoffnung mache, da Architekten immer so beschäftigt sind, dass vieles einfach untergeht.

Sie erzählt mir von ihrem Cake-Shop und dass sie am ehesten jemanden eingestellt hat, der einfach in den Laden kommt um sich vorzustellen.

Doch irgendwann geht auch sie schlafen und ich warte allein mit dem Computer auf Dario.

Er kommt gegen zwei Uhr nachts nach Hause, da keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren und er kein Taxi nehmen wollte.

Gegen drei sind wir schließlich im Bett, denn es dauert lange, bis er mit schwärmen fertig ist. Quai gefällt ihm ausgesprochen gut. Das Team dort ist super, das Essen ebenfalls und selbst die Arbeitszeiten sind (am Niveau des Restaurants gemessen) in Ordnung.

Zudem ist es richtig gut gelaufen und er konnte viel besser mithalten, als er erwartet hat. Trotz dem langen Urlaub, der zwischen heute und seinem letzten Arbeitstag auf Burg Staufeneck liegt.

Hoffentlich bekommt er den Job und hoffentlich finde ich auch was nettes.

 

Bewerbungsmappe und ab zum Bus

Am Morgen verabschieden wir uns von allen und brechen auf. Wir fahren in die Stadt, Dario setzt sich mit den Rucksäcken in eine Bibliothek und ich ziehe los. Zuerst drucke mein improvisiertes Reise-Portfolio. Unglaublich, wie sehr man gute Computerprogramme wie InDesign und Photoshop vermissen kann.

Ich muss erst mal einen Shop finden, bei dem ich mir das Drucken so vieler Seiten leisten kann. Schließlich lande ich bei der Kette „Officeworks“. Das Drucken ist kompliziert und dauert so lange, dass es sich nicht lohnt überhaupt noch zu einem Büro zu gehen.

Wir müssen zum Bus nach Melbourne. Aber in knapp einer Woche sind wir wieder in Sydney, dann muss ich es wagen. Ich ärgere mich allerdings, dass ich es nicht wenigstens zu L-A-V-A geschafft habe. Dort muss ich es einfach versuchen. Ich würde mir nicht verzeihen, es nicht wenigstens versucht zu haben.