Arbeiten in Sydney – Meine Meinung

Für die faulen Wenig-Leser: Es ist nicht so einfach und einträglich, wie man vielleicht denkt.
Selbst wenn das Gehalt hoch ist, die Lebenshaltungskosten sind es auch.
Und ein Leben weit weg von zuhause ist zudem auch nur ein Leben. Dem einen gefällt´s, dem anderen nicht.
Wir haben alle paar Wochen heulende Backpacker gesehen. Meist im Bus und wir sind nicht mal viel gefahren.
Auch wir waren immer wieder mal frustriert, hatten aber insgesamt eine gute Zeit und sind mit einem annehmbaren Plus fortgegangen.

Wir planen nie wieder nach Australien zu reisen, denn von allen Reiseländern können wir ihm am wenigsten abgewinnen.
Trotzdem könnten wir uns vorstellen, nochmal in Sydney zu leben, denn die kulturelle Vielfalt, das nahe Meer und all die Parks haben es uns angetan.
Wir haben sie aber auch zur Genüge genossen und hoffen wo anders glücklich zu werden.

 


Bevor wir entschieden in Australien zu arbeiten, hatten wir schon einige Backpacker getroffen, die in Australien gearbeitet hatten.

Und jeder hatte eine etwas andere Meinung zu seinem Aufenthalt.

Da gab es den Lehrer, der zugab, dass man ganz gut verdienen könne. Allerdings müsse man, um zu sparen, eben auch sehr sparsam leben.

Dann ein Paar, das nach der Schule losgezogen und sehr frustriert war. Sie hatten ein Jahr hauptsächlich als Erntehelfer gearbeitet, um überhaupt das Visum bezahlen und weiterreisen zu können.

Ein junger Mann hingegen war hochzufrieden mit sich und der Welt, weil er ganz ohne Ausbildung den einen oder anderen richtig gut bezahlten Job bekommen hatte.
Teilweise allerdings nur dank Lügen, etwa dass er die großen Feldmaschinen fahren könne.

Für uns war Australien einfach günstig, weil wir in Neuseeland entschieden, dass wir wirklich wieder arbeiten wollten und als nächstes Australien anstand.
Außerdem lag es auch gut, um von Indonesien dorthin zurück zu kehren.

Sydney – eine Liebestragödie

Uns ging es so wie vermutlich vielen. Wenn man an Australien denkt, kommen einem sofort drei Orte in den Sinn: Sydney, Uluru, Great Barrier Reef.
Bei genauerer Betrachtung ist davon nur einer ein Ort zum leben.

Wo will man also hin? Klar, nach Sydney.
Alle lieben Sydney.

Das Problem: Das wollen viele.

Zwar muss ich sagen, dass Sydney diese Aufmerksamkeit tatsächlich verdient hat, denn sie ist eine wundervolle Stadt, doch die Lebenshaltungskosten sind dadurch unerträglich hoch.
Und machen vielen das Leben schwer.

Mietpreise und Zimmersuche

In Sydney wird die Miete meist pro Person, statt pro Zimmer berechnet.

Unterkünfte, die für Backpacker infrage kommen, liegen pro Person meist zwischen 600$ und 1500$ pro Monat (das entspricht ca. 385 bis 963 Euro).
Allerdings muss man bei der Suche aufpassen, denn was für uns Deutschen anfangs etwas irritierend sein kann ist, dass die Miete stets pro Woche angegeben wird.
Getrickst wird zudem gerne, indem die Nebenkosten erst im Beschreibungstext ersichtlich werden, statt unter “Nebenkosten” auch als solche eingetragen zu sein.

Wer ein nettes Zimmer haben will, muss es meist mit jemandem teilen.
Und auch das muss man erst mal finden!

Wir kamen in der Nebensaison an und hatten uns schon Wochen vorher auf Flatmates registriert und begonnen, Anfragen zu senden.

Die einzige positive Antwort, die wir bekamen, war mit großer Sicherheit von einem Betrüger.
Ein angeblich chinesischer Geschäftsmann, suchte nach jemandem, der seine 3 Zimmer Wohnung in “The Rocks” (einer der besten Gegenden Sydneys) hüten sollte.
Nach einigem Hin und Her war ich ziemlich sicher, dass seine Antwortschreiben vorgefertigt waren, denn sie hätten stets nicht nur auf uns als Paar, sondern ebenso auf eine einzelne Person wie auch eine ganze Familie gepasst. Und dann kam der Hammer: Er wollte 2.000$ Kaution im Voraus.
Mit der Behauptung, er würde Unterlagen und Schlüssel losschicken, sobald das Geld bei ihm eingegangen sei.

Als ich die Anzeige von Flatmates überprüfen lassen wollte, fand ich heraus, dass sie schon gar nicht mehr existierte. Ab da schrieben wir nur noch über die Flatmates-Seite mit möglichen Vermietern bis wir deren Telefonnummern bekamen, aber nicht nochmal per Email.

Und als wir dann vor Ort waren, war es auch noch ein Kampf.
Natürlich wurde er dadurch erschwert, dass wir recht zentral wohnen wollten, um es Dario zu ermöglichen, auch nach langen Arbeitstagen schnell zuhause zu sein.

Mehrere Termine, die wir schon ausgemacht hatten, wurden kurz darauf wieder abgesagt.
Und wir wollten auch nicht wochenlang im Backpackers wohnen. Bezahlbar waren hier nämlich nur Zimmer mit 6 – 30 Betten!
(um die 21$ pro Person im 30er Schlafsaal)

Eine Annonce wurde als Betrugsversuch entfernt, kurz nachdem wir begonnen hatten, mit der “Vermieterin” zu schreiben.

Ein Zimmer in Surry Hills, das für uns gemeinsam 1.120$ pro Monat gekostet hätte und sich nach einem echten Schnäppchen anhörte, war so schrecklich, dass wir auf dem Absatz kehrt machten.
Die Küche war dunkel, der Kühlschrank halb zerfallen. Alles triefte vor Schmutz und Fett. Das einzige Bad war draußen und nach dessen Anblick hätte man die Küche beinahe loben wollen.
Alle Zimmer befanden sich im ersten Stock, die Möblierung war entweder schon sehr lange hier oder vom Sperrmüll. Vielleicht sogar beides.
Die Besichtigung wurde von einem Agenten geführt. Der einzige potentielle Mitbewohner, den wir sahen, würdigte uns nicht mal eines Blickes.
Wir waren uns sofort einig, dass wir einen Platz unter einer hübschen Brück bevorzugen würden.
In meinen Notizen schrieb ich damals: “Da war Harry Potters Besenkammer ja noch eher ein Zuhause!”

Dank intensiver Bemühungen, bekamen wir schon am zweiten Tag nach unserer Ankunft eine Zusage. Allerdings für ein Zimmer, in das wir erst eine Woche später einziehen konnten.
Und zu dessen Mietpreis
von 1.400$ pro Monat noch Stromkosten hinzukamen, die in der Annonce überhaupt nicht erwähnt waren.
Wegen des Winters und schlechter Hausisolierung, die permanent laufende Heizlüfter zur Folge hatten, waren das letztendlich nochmal
fast 500$.

Für fünf Monate, für zwei Personen, für ein 14m2 großes, möbliertes Zimmer nahe Oxford-Street, in einer dreier-WG haben wir also 7.500$ bezahlt.

Und das war ein verdammt guter Preis.

Lebenshaltungskosten insgesamt

Die sind einfach hoch.
Wir schätzen sie auf etwa 50$ pro Person, pro Tag.
Bei uns setzt sich das so zusammen: Günstige Miete (25$ Tag/Person), sehr günstiges Essen (20$ Tag/Person) und ab und zu mal was nettes unternehmen (5$ Tag/Person).
Wer öfter mal abends was trinkt oder gar raucht, wird diesen Rahmen aber schnell sprengen.

 

 

Jobs…

Da wir stets um des Arbeiten willens und der Erfahrung wegen arbeiten wollen, stand für uns fest, dass wir nur Jobs in unseren Metiers annehmen würden.
Und nur im absoluten Notfall hätte ich noch zusätzlich einen Job als Kellnerin angenommen. Mit dem Hintergedanken, etwas mehr von Dario´s Restaurant-Welt kennen zu lernen.

…für Backpacker

Die Gehalte für typische Backpacker-Arbeiten und auch andere Jobs findet ihr zum Beispiel auf dieser Seite.
An alle Planenden: Fragt euch aber bitte rechtzeitig, ob ihr wirklich Lebenszeit damit verbringen wollt, auf Sydneys Straßen rumzustehen und den Verkehr umzuleiten.

Ich will damit nicht sagen, dass es keine interessanten Jobs für ungelernte Backpacker gibt, aber sie sind sicher nicht die Regel.

Vielmehr frage ich mich wie es sein kann, dass in Australien Backpacker das sind, was bei uns Polen und Rumänen sind: Billige Arbeitskräfte.
Die einzige Antwort, die ich dafür gefunden habe lautet: Gutes Marketing.

Denn darin scheinen mir Australien und Neuseeland Meister zu sein.
Zuhauf strömen die Backpacker heran und bezahlen dabei noch gutes Geld für Flüge und Visa.

…für gelernte Fachkräfte

Da kommt es natürlich ganz darauf an, was man gelernt oder studiert hat. Und wie hold einem das Glück ist.

Wer schon mit einer Arbeitsplatzzusage ankommt, ist natürlich am besten dran. Dabei sollte man aber aufpassen, dass man sich nicht unter seinem (australischen) Wert verkauft.
Für uns hören sich Dollar-Gehalte schnell nach sehr viel an, aber im Moment ist 1$ = 0,64 Euro.

Viele junge Leute kommen aber nach Australien und finden überhaupt keine Arbeit in ihrem Beruf.

So ging es zum Beispiel unseren spanischen Mitbewohnern, deren Freunden und auch vielen anderen, die wir getroffen haben.
Sie arbeiten dann stattdessen in der Gastronomie. Meist als Bedienung.

…in unserem Fall

Auch für uns war es nicht so einfach, wie wir dachten.

Ein australischer “Graduate Architekt” verdient normalerweise 4.500$ pro Monat. Aber für Ausländer sieht die Sache in Sydney etwas anders aus, wie mir meine Kollegen erklärt haben.
Einer von ihnen, ein Spanier, hat als er damals nach Australien kam erst mal so ziemlich alle Büros Sydneys abgeklappert, bis er endlich einen Job bekam.

Melbourne ist für Designer und Architekten angeblich besser, aber das habe ich natürlich nur gehört.

Meine Entscheidung war eine Zugunsten des Stils. Denn ich wollte unbedingt für eine Büro arbeiten, das nicht die quadratisch-praktisch-gut-Theorie vertritt.
Ich hatte nämlich noch eine weitere Zusage, aber die Architektur des Büros gefiel mir überhaupt nicht.
LAVA lebt als Wettbewerbsbüro aber leider auch von billigen Arbeitskräften und so war mein Gehalt dort nicht so rosig.
 

Und Dario hatte es auch nicht ganz leicht, denn er wollte natürlich in der gehobenen Gastronomie arbeiten.
Seine Probetage bei einigen der besten Restaurants Sydneys verliefen auch durchweg sehr positi
v, doch dann stellte sich stets heraus, dass denen fünf Monate als zu kurz erschienen.

Es dauerte gut einen Monat, bis er einen festen Job hatte, der ihm wenigstens einigermaßen gefiel.
Denn vertrauensselig sagte er nach einem
Probetag mit positiver Rückmeldung keinen anderen Restaurants mehr Probetage zu.
Bis dann jedes Mal die große Enttäuschung kam.  

Seinen tollen Job als Postenchef bei Felix bekam er dann, weil irgendwie gar nicht über die Dauer geredet wurde – vielleicht vergessen?

 

Unsere (Spar)tipps findet ihr hier.